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Abend-zeit bis aber-mals (Bd. 1, Sp. 23 bis 25)
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Artikelverweis  Abend-zeit f.: wie schd., -zeit [verbr.].
 
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aber:
I. Konj.
1. 'aber'.
a. entgegenstellend; e alt(es), awweʳ e wohr(es) Wort [allg.]. RA.: Langsam, awweʳ sicher [allg.]; klääⁿ (klaaⁿ), awweʳ wußlich 'flink, lebhaft' [verbr.]. SprW.: Berj un Dal kumme net samme 'zusammen', awweʳ die Minsche 'Menschen' [KU-Kaulb, verbr., auch Don Gal Buch]. Eem Miller sei Sei 'Schweine' sin fett, awweʳ mer weeß net, vun wem seinre Frucht [Penns Deitsch Eck 17. 2. 1954]. —
b. den Gefühlsausdruck steigernd: Is das awweʳ schääⁿ! [allg.]. Jetz mach awweʳ! [allg.]. Awweʳ, awweʳ!, Droh- und Mahnruf [verbr]. —
2. 'oder'. Gehschde her, awweʳ net? [1930: verbr. WPf (bes. KU) NPf LU-Böhl LA-Nußd, 1962 nur noch

[Bd. 1, S. 24]


bei der ältesten Gener.] Schandein gibt in Bavaria IV, 2 S. 260 die nördl. Donnersberggegend an. Tout, awer Landau! 'Tod oder Landau!' [SOPf (Heeger) PfId. 84], die zum geflügelten Wort gewordene Übersetzung des frz. Losungswortes Landau au mort! [Becker Pf. u. Pf. 244]. a. 1566: zwanzig Wormser phennig aber 'oder' ein firtal wins [Grimm Weist. V, 637 (RO-Steinb)]. RhWB Rhein. I 25; Bad. I 6; Schwäb. I 17; Nass. 33; Hess. 3. —
II. Adv.: +'abermals, wieder'. a. 1305: an derselben stat nun virteil, vnd dan abir do vonf vierteil wingartes [OttbgUrkb. 266]. a. 1547: da stehet aber marckh vndt margstein [ZweibrOABannb. 35 (HB-Mimb)]. — F.: awəʳ [vorn. NPf MPf nördl. VPf bis zur Linie NW-Elmst LA-Edk — Spey], awÄʳ [vorn. WPf SOPf], awÄ [relativ häufig SWPf SOPf, nahezu ausschl. westl. u. südl. von Pirmas]. Die Pennsylvaniapfälzer sprechen awÄ, die Pfälzer des Südostens und Ostens (Donaugebiet, Galizien, Buchenland, Schwarzmeer u. a.) awər. Da jene in ihren Lautungen allg. vornehmlich durch das Südostpfälzische, diese aber im wesentlichen durch das Nordpfälzische bestimmt sind und ein Einfluß der fremdsprachlichen Umwelt in der Aussprache des r nicht vorliegt, kann angenommen werden, daß die r-Reduktion im Südostpfälzischen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Zeit, in der die Hauptmasse der Pennsylvaniapfälzer die Pfalz verlassen hat, bereits im Gange war, während sie in der Nordpfalz noch gegen Ende dieses Jahrhunderts, der Auswanderungszeit der Galizien- und Buchenlandpfälzer, nicht eingesetzt hatte. — Die Bedeutung 'oder' für aber ist auch für die Moselgegend ( RhWB Rhein. I 25), die fränkischen Gebiete Badens (Bad. I 6), das Schwäbische, das Schweizerische und Bayerische belegt. Umgekehrt erscheint oder auch in der Bed. von 'aber' (s. u. PfWB oder). Die Vermengung der beiden Partikeln wurde eingeleitet durch das im Mitteldeutschen schon mhd. aus oder entstandene ader, das, bedingt durch die Lautähnlichkeit und die gemeinsame entgegenstellend-trennende Funktion, sekundär die Bedeutung von aber annahm [vgl. Lexer Lexer I 21]. Die unter dem Einfluß der Schriftsprache aufgekommene rückläufige Bewegung hat in unserer Zeit dazu geführt, daß die sekundäre Bedeutung ('oder' bei aber, 'aber' bei oder) in der Sprache der mittleren und jüngeren Generation vollkommen zurückgetreten und in der älteren und ältesten Gen. auch schon sehr selten geworden ist.
 
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aberchen Adj.: 'fleißig, eifrig'. Die is so awerche [  KL-Olsbr]. — F.: awəʳχə. Zu PfWB abern.
 
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Aber-deckel s. PfWB Augenbraudeckel.
 
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abere Adv.: 'herab, abwärts' [  KU-Herchw  O'alb  WD-Hoof]. RA.: Mit dem geht's hinne awere, von einem, der im Sterben liegt [ WD-Hoo <]. Syn. s. PfWB sterben. — F.: awərə. Aus mhd. abher. — RhWB Rhein. I 26; ElsWB Els. I 6 (aber); Bad. I 6 (II aber).
 
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Abere, Äbere s. PfWB Augenbraue.
 
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Aber-glaube m.: wie schd. — F.: Mundartl. Lautformen sind selten: āwərglāwə, wərglwə, āwərglwə, -gleiwə; meist erscheinen schriftspr. Lautungen, wie ābərglāwə, āwərglaubə, āwərglauwə u. ä., was deutlich auf die schriftspr. Herkunft des Wortes hinweist. Rhein. I 26; Bad. I 6.
 
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aber-gläubig, -gläubischAdj.: wie schd.; awergleiwisch wie e alt Nunn [  WD-Niedkch], -gleiwich wie e ald(i) Fraa [verbr.]. Ich bin net awergleiwig, Doch deß redd kenns mer aus [Gelbert 60]. Wechsel von -isch u. -ich auch im fränkischen Teil Badens (Bad. I 6).
 
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Aber-haar s. Augenbrauhaar.
 
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aberig Adj.: 'sich verrückt gebärdend', werich [ Gal-Obl]; sonst öfter PfWB verabert. — Zu PfWB abern.
 
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aber-mals Adv.: wie schd. a. 1566: In anno 66 sein sie abermals .. ervordert [ABlieskst 121 (IB-Rubh)].