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Aal-koben bis aasig (Bd. 1, Sp. 3 bis 7)
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Artikelverweis  Aal-koben m.: 'Fach zum Aalfangen'. a. 1458: Ölkoben [WerschwReg. 933], a. 1518: Olkob [Reichsl. 171], a. 1621: Wiese liegt vor dem Ohlkoben [WerschwSchR 15]. Schwäb. I 130.
 
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Aal-korb m.: 'geflochtene Aalfalle', oolekarb [Lambert Penns 116]; vgl. RhWB Rhein. I 6. a. 1444: die lantschreiber sollent den alekorpf zu Uxheim (= Ixheim b. Zweibr) setzen und machen [Zweibr I Nr. 541 Bl. 39]. a. 1535: Item 11 albus Karius Fyscher vor zween oelkorb [ZweibrLSchR]. a. 1634: wiesen der Ohlkorb genannt [Werschw SchR]. — RhWB Rhein. I 6.
 
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Aal-rappe, s. PfWB Aalraupe.


 
Artikelverweis   Aal-raupe f.: 'der Fisch Aalraupe', Lota lota (früher Lota vulgaris, auch Gadus lota); s. Abb. 1. Die mundartlichen Bezeichnungen und ihre Verbreitung für 1932 u. 1962 zeigt Karte 3. Hervorzuheben ist besonders, daß die Namensformen Oolrupp, -ropp mit den Verkleinerungen Oolruppel, -roppel vornehmlich am Rhein gebräuchlich sind, während am Glan, dem zweiten Hauptverbreitungsgebiet, die Formen Oolrapp, -raup und Rappool vorherrschen. Die Verbreitung in den Nachbargebieten scheint spärlicher als bei uns; verzeichnet werden die Formen Oolrupp für die Gegend von Heidelberg (Bad. I 1), für mehrere Orte der Kreise Heppenheim, Groß-Gerau u. Offenbach (briefl. Mitteilung von Dr. Mulch, Südhess. Wörterbuch) und Münster am Stein ( RhWB Rhein. I 6), sodann Aalropp in der Gegend von Worms, -roppe, -raup, -raube, -roppert, -ruppert verschiedenenorts im Südhessischen. Aus Karte 3 ist auch ein ziemlich starker Rückgang der Bezeichnungen für die Aalraupe für die Zeit von 1932 bis 1962 zu ersehen. Der Fisch, der schon 1932 in fast allen Bächen der Nord- und Vorderpfalz fehlte, wird durch die chemischen Abwässer der Fabriken mehr und mehr ausgerottet. — Das räuberische Wesen der A. spiegelt sich in der für einen rücksichtslosen Menschen geltenden RA.: Des is e Oolrupp [  LU-Neuhf], e richdich O. [  KU-Hachb]. — Zu F. u. Etym.: Das Grundwort geht auf lat. rubéta 'Frosch, Kröte' (an deren Brut der Fisch durch seinen breiten Kopf erinnert) zurück

[Bd. 1, S. 4]


[Weigand I 2]; rubēta > ahd. *rupta [Kluge-Mitzka17 Aalquappe]; dieses
1. mit Assimilation von pt zu pp in mhd. ruppe ( Lexer Lexer II 554), das bei uns a. 1547 als Ruppe (s. d.) und a. 1536 als Roppe (s. u. PfWB Ruppe) erscheint.
2. mit Assimilation von pt zu tt in pf. Rutte, erhalten in Rutter [Pirmas 1930] und im Kompos. Oolrutt. Die Verbindung dieser Formen mit Aal, das lautgerecht als Ool (ōl), in GH-Neubg als Aal (l) erscheint, findet seine Erklärung wohl in der äußeren Ähnlichkeit der beiden Fische (schlanke Gestalt, Flossensaum, schlängelnde Bewegung). Eine andere Erklärung s. DWB DWb. I 5. Ältere Belege für das Kompos., das bei Alberus schon 1550 vorkommt [Weigand I 2], fehlen im Pfälzischen. Im zusammengesetzten Wort hat das Grundwort zumeist seine lautgesetzliche Form: -rup [verbr.], -rǫp [  GH-Leimh  N'potz], in der SOPf auch mit der dort gebräuchlichen Verkl.: -rubl, -rǫbl, ebenso -rut (s. o.). Das mit der Zeit unverständlich gewordene Wort erfuhr mancherorts stärkere, z. T. durch volksetymologische Deutungen beeinflußte Wandlungen, nämlich zu -rǫbəʳ, -rubəʳt, -ruw(ə)l, -raup, -rap, -rip, -raupəʳt und wohl auch raubəʳt, da man den Fisch als Aalräuber ansah; weiter, und zwar fast ausschließlich mGl., mit Umstellung der Bestandteile zu rupōl, rapōl, dieses auch verkürzt zu rabəl, rabl, sodann raubōl, soweit bei diesem Namen nicht eine Verwechslung mit dem weiblichen Aal, der in Fischerkreisen auch als Raubaal bezeichnet wird, vorliegt. Mancherorts setzten sich, wie die Karte zeigt, schriftsprachliche Formen durch: ālrup, alraub. In alten Belegen erscheint auch Rufolk (s. d.). — RhWB Rhein. I 6; Bad. I 3.


 
Artikelverweis  Aal-reuse f.: 'zylindrisches, über Reifen gespanntes Netz, in der Mitte zwei Schlucke,

[Bd. 1, S. 5]


[Bd. 1, S. 7]


durch welche die Aale einschlüpfen können', gebräuchlich in zwei Formen (s. Abb. 2),
1. mit Flügeln (zum Befestigen), die eigentliche Aalreuse (s. Flügelreuse);
2. ohne Flügel, die Wartolf (vgl. DWB DWb. XIII 2177/78), in der auch andere Fische gefangen werden; Oolreis (ōlrais) [verbr., bes. Orte am Rhein]. — Bad. I 1.
 
Artikelverweis 
Aal-ropp, -ruppe, -rutte s. PfWB Aalraupe.
 
Artikelverweis 
Aar, Aare, Aarn, Aarnt s. PfWB Ernte.
 
Artikelverweis  
Aas n.:
1. 'Futter'.
a. 'Spreu als Viehfutter', Aas [  GH-Neubg]. Ähnlich Bad. I 1, Kurhess. 17; vgl. Weigand I 3 2Aas. —
b. 'Schweinefutter'; das Oos [lothr. SWPf nach Keiper]. Schwäb. I 335. —
2. 'verwesende Tierleiche', Oos, Aas [allg.]. a. 1594: Es soll auch keiner kein oß... in die bach werffen [KSchArch. Zweibr IV 2822]. SprW.: Wo Oos is, sammele sich die Rawe [KU-Schmittw/O, verbr.]. —
3. Scheltwort auf einen faulen Menschen, eine zänkische Frau, ein widerspenstiges Tier: Du Oos! Du faules (verdammtes, verricktes) Oos! [allg.], nicht selten auch in mehr harmloser Weise unter guten Bekannten gebraucht. E Neistadter, e piffig Oos [Kühn Schnitze I 37]. Meiⁿ Karlche awwer iss e Oos Unn werd net gleich verschdawwerd [Weber 34]. Verstärkt in Zusammensetzungen wie Schinnoos, (s. PfWB Schindaas), Gewitteroos, (Gewitteraas), Lumbeoos (Lumpenaas), Raweoos (Rabenaas). Vgl. auch PfWB Aaskaute, PfWB Aaskrapfen. Waß hun ich doun net zum SpaßDem Oos de Marsch geblose [Müller Butterbärwel 26]. Oft wird das Wort mit dem Unterton der Anerkennung auf einen durchtriebenen, zum Spaße neigenden Menschen angewandt: So e schlitzohrich Oos! [verbr.]. — F.: ōs [WPf NPf], ous [mittl. u. südl. VPf KL-Lind], s [  GH-Neubg], letzteres neben ās oft in den Städten und in Stadtnähe; ō:s o‧u.s [mancherorts VPf Penns]. — Pl.: ēsəʳ [verbr.], ōsə [  KU-Schmittw/O]; demin. ōsi [  RO-Callb]. — Zur Etym. s. Kluge-Mitzka17. — RhWB Rhein. I 7; Saarbr. 150; ElsWB Els. I 71; Bad. I 1.
 
Artikelverweis  
Aas-dreck m.: 'mindere Spreu' (die nicht zum Füttern verwendet wird), Aasdreck [  GH-Neubg]; vgl. PfWB Aas 1.
 
Artikelverweis 
Aas-geier m.:
1. '(amerik.) Bussardart, die sich von Aas nährt', Oosgeier [Penns Bez. Lowhill]. —
2. 'rücksichtsloser Mensch', Aasgeier [Krieger 38].
 
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aasig Adj.: 'sehr schlecht'. 'S is ferchterlich, 's is osig! [Firmenich II 8 (1854)]. Saarbr. 150.