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Lamouroux bis Lampenfieber (Bd. 6, Sp. 83 bis 89)
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Artikelverweis Lamouroux, Johann Viktor Felix, Zoolog, s. Lamx.
 
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Lampadarĭen (lat.), Lampenträger, bei den allen Römern Gestelle, ähnlich den Kandelabern (s. d.), von deren Säule am obern Ende mehrere Arme ausgingen, um Lampen daran zu hängen (s. Abbildung; vgl. auch Tafel Meyers »Bronzekunst I«, Fig. 10).
 
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Lampadephŏros (griech.), Fackelträger, besonders bei den Eleusinien; Lampadephorĭa oder Lampadodromĭa, Fackellauf, s. Meyers Fackel.
 
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Lampadĭus, Wilhelm August, Hüttenmann, geb. 8. Aug. 1772 zu Hehlen im Braunschweigischen, gest. 13. April 1842 in Freiberg, erlernte 1785 bis 1791 die Pharmazie in Göttingen, studierte dann daselbst Naturwissenschaften, bereiste 1793 Rußland und ward 1794 Professor an der Bergakademie zu Freiberg. Er erhob die Hüttenkunde zu einer eignen technischen Wissenschaft. 1796 entdeckte er den Schwefelkohlenstoff. Er schrieb: »Handbuch der Hüttenkunde« (2. Aufl., Götting. 181718, 4 Bde.; nebst Supplementen, 181826); »Grundriß einer allgemeinen Hüttenkunde« (das. 1827) und viele kleine Schriften über fast alle Teile der technischen Chemie. Als belletristischer Schriftsteller hat sich L. unter anderm in seiner »Reise zu den sieben Schwestern« (Freiberg 1811) versucht.
 
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Lampas, Gewebe, bei denen die Figureneffekte plastisch hervortreten, mit 100150 Fäden auf 1 cm. Kette Seide, Grundschuß 2fach Jute, Figurschuß 3fach Trame Seide.
 
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Lampe, in der Tierfabel Name des Hafen, wahrscheinlich Koseform (s. Meyers Kosenamen) des deutschen Namens Lamprecht.
 
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Lampe, Emil, Mathematiker, geb. 23. Dez. 1840 in Gollwitz bei Brandenburg, studierte seit 1860 in Berlin, wurde 1865 Gymnasiallehrer daselbst, 1874 Lehrer an der Kriegsakademie und 1889 ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Er schrieb: »De superficiebus quarti ordinis quibus puncta triplicia insunt« (Berl. 1864); »Sur quelques problèmes relatifs à la surface des ondes« (das. 1870); »Geometrische Aufgaben zu den kubischen Gleichungen« (das. 1877); »Geometrische und mechanische Aufgaben zur numerischen Auflösung von Gleichungen höherer Grade« (das. 1885). Auch gibt er seit 1885 das »Jahrbuch über die Fortschritte der Mathematik«, seit 1900 mit Fr. Meyer und E. Jahnke das »Archiv der Mathematik und Physik« heraus.
 
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Lampe, ewige, s. Meyers Ewige Lampe.
 
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Lampedūsa, Insel, 210 km südlich von der Küste Siziliens, 130 km östlich von der Küste von Tunis entfernt, zur ital. Provinz Girgenti (Sizilien) gehörig, 20,20 qkm groß, bis 130 m hoch, hat einen kleinen Hafen (wöchentliche Dampferverbindung mit Trapani und Porto Empedocle), eine Strafkolonie und (1901) 2060 Einw. Der kalkige Boden liefert wenig Getreide, dagegen Wein und Früchte. Auch wird Fischfang und Schwammfischerei (1898: 63,144 kg) betrieben. Westlich von L. liegt das Felseneiland Lampione. Vgl. Sanvivente, Descrizione dell' isola di L. (Neapel 1849).

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Lampen (hierzu Tafel Meyers »Lampen I u. II«), Beleuchtungsapparate, in denen das Licht durch Elektrizität (Bogenlichtlampen, Glühlampen, s. Meyers Elektrisches Licht), durch Verbrennen von Gas (s. Meyers Leuchtgas) oder von Leuchtmaterialien, die bei gewöhnlicher Temperatur flüssig sind (fettes Öl, Petroleum, Spiritus), erzeugt wird. Letztere L. besitzen einen Behälter für das Leuchtmaterial, der möglichst geringen Schatten werfen, und in dem das Leuchtmaterial während des Gebrauchs auf möglichst gleichem Niveau erhalten werden muß, sowie eine Vorrichtung, um dieses der Flamme zuzuführen. Bei dem Blackadderschen Nachtlicht enthält ein auf Rüböl schwimmendes Glas- oder Messingschälchen in der Mitte ein kurzes, vertikal stehendes, enges Röhrchen, in dem sich das Öl durch Kapillarität bis zur Spitze erhebt, wo es bei genügender Erhitzung entzündet werden kann und ruhig fortbrennt. Aus solchen Kapillarröhrchen kann man sich die gewöhnlichen Lampendochte zusammengesetzt denken, die meist aus Baumwolle, in gewissen Fällen auch aus anderm porösen Material, wie gebranntem Ton, aus seinen Glasfäden etc., gefertigt werden. Der Docht muß der Flamme genau die erforderliche Menge Leuchtmaterial gleichmäßig zuführen, er kann dies aber nur, wenn das Niveau des Leuchtmaterials während der Benutzung der L. sich möglichst unverändert erhält. Sinkt es erheblich, so zeigt sich meist auch eine erhebliche Verminderung der Leuchtkraft. Bei dem Nürnberger Nachtlicht wird ein kurzer Docht durch ein Kartenblättchen in aufrechter Stellung auf dem Öl schwimmend erhalten. Bei der Antiklampe (s. Abbild., S. 88) speist ein massiver Runddocht die Flamme zu reichlich mit Öl, die Flamme ist groß genug, um sehr viel Öl in brennbare Gase zu verwandeln, für diese letztern aber strömt nicht hinreichend Luft zu der zylindrischen Flamme, und die Verbrennung ist daher unvollkommen, die Flamme bleibt rot, leuchtet wenig und blakt sehr leicht. Außerdem entweichen unverbrannte Dämpfe und Gase und verderben die Luft, in der die Lampe brennt. Auf gleicher Stufe steht in technischer Hinsicht die alte Küchenlampe und das Grubenöllicht. Der Flachdocht liefert eine breite Flamme mit größerer Oberfläche, in der eine vollkommnere Verbrennung erzielt wird, die breite, dünne Flamme wird aber zu stark abgekühlt, so daß es zweckmäßiger ist, den flachen Docht zu einem Hohlzylinder zusammenzubiegen, dessen hohler, kegelförmiger Flamme von außen und innen Luft zuströmt (Rundbrenner mit doppeltem Luftzug), ohne daß zu starke Abkühlung stattfindet. Dieser Argandbrenner verteilt auch das Licht gleichmäßig nach allen Seiten; seine Leistungsfähigkeit wird aber wie die des Flachbrenners ganz wesentlich erhöht, wenn man durch einen Glaszylinder (Zugglas) von bestimmter Höhe und Weite den Luftzug befördert und genau regelt. Die Gestalt dieses Zylinders wechselt je nach der Konstruktion der L. und der Natur des Brennmaterials. Rein zylindrische Gläser werden jetzt nur noch für Leuchtgas benutzt, bei L. mit Flachbrennern kommen bauchige Zylinder zur Anwendung, um dem Luftzug die Richtung auf die Flamme zu geben. Für Rundbrenner benutzt man dagegen Zylinder mit starker Einschnürung, durch die der Luftzug mit großer Energie fast horizontal gegen die Flamme abgelenkt wird. Diese Zylinder geben den höchsten Effekt aber nur dann, wenn die Einschnürung (Schulter) in ganz bestimmter Höhe über dem Brenner steht. Bisweilen wird auch auf einem in der Achse des Hohldochtes sich erhebenden Stiel ein horizontales rundes Metallscheibchen (Brandscheibe) angebracht, an dessen unterer Fläche der innere Luftzug sich bricht, so daß er von innen nach außen auf die Flamme stößt und diese tulpenartig ausbaucht. Derartige Brenner bedürfen dann auch eines weiten Zylinders.
   Je nach der Lage des Behälters für das Leuchtmaterial unterscheidet man Saug- und Drucklampen. Bei Sauglampen wird das Leuchtmaterial nur durch die Kapillarität des Dochtes zugeführt. Dabei kann aber der Behälter höher oder niedriger liegen als die Flamme. Liegt er niedriger, so darf der Saugkraft des Dochtes nicht zuviel zugemutet werden, und man macht daher wohl den Ölbehälter flach, z. B. wie bei der Astrallampe ringförmig, wobei der Querschnitt des Ringes eine solche Form erhalten kann (Textfig. 1), daß der Ring fast keinen Schatten wirft (daher Sinumbralampe). Bei höher liegendem Ölbehälter wird der Zufluß des Öles durch eine besondere Vorrichtung geregelt, bei der Scheibelampe z. B. durch eine Sturzflasche (Tafel I, Fig. 1). In einen oben offenen Zylinder wird eine mit Öl gefüllte Flasche mit Hilfe eines Ventils so eingesenkt, daß ihre Mündung sich unten befindet. Sinkt das Niveau des Öles in dem Zylinder auch nur um ein sehr geringes Maß, so muß sofort Luft in die Flasche eintreten und etwas Öl ausfließen, bis das normale Niveau, das der Höhe des Brenners genau entspricht, wiederhergestellt ist. Bei Drucklampen liegt der Ölbehälter im Fuß der Lampe, man vermeidet daher den Schatten vollständig, und die Lampe steht fester; doch muß nun das Öl gehoben werden, weil die Kapillarität des Dochtes allein dazu nicht ausreicht. Bei der Uhrlampe von Carcel bewegt eine in einem Gehäuse eingeschlossene Feder ein Uhrwerk, das eine Pumpe mit Kolben und Stiefel treibt. Diese führt der Flamme das Öl im Überschuß zu, so daß ein Teil desselben wieder in den Ölbehälter zurückfließt. Das Ölniveau im Brenner bleibt hierbei stets gleich; das zurückfließende Öl wird etwas vorgewärmt, der Docht aber am Brenner gekühlt und daher eine Flamme von großer Lichtbeständigkeit erzielt. Einfacher und billiger, aber ebenso zweckmäßig ist die Moderateurlampe (Tafel I, Fig. 2). Der Ölbehälter ist ein flaschenförmiges Blechgefäß, in dem eine Metallscheibe, mittels einer Lederstulpe luftdicht schließend, durch die angelötete Zahnstange BB und das Getriebe D gehoben, durch die große Spiralfeder aber wieder herabgedrückt wird. Füllt man die Lampe mit Öl, so bleibt dies zunächst über der Scheibe, gelangt aber beim Ausziehen unter sie, weil hier ein luftverdünnter Raum entsteht und die Lederstulpe als Ventil wirkt. Unter dem Druck der Spiralfeder steigt nun das Öl durch das Rohr C in die Höhe. C besteht aus zwei ineinander verschiebbaren Röhren AA, von denen die engere A an der Scheibe festgelötet ist; wenn aber beim höchsten Stande der Scheibe die Feder am stärksten wirkt, so ragt dann auch gleichzeitig der Moderateur G in das Rohr C und läßt nur ebensoviel Öl durchfließen wie bei niedrigem Stande der Scheibe, wo die Feder schwächer wirkt, aber auch das enge Rohr nicht noch mehr verengert wird. Die Moderateurlampe liefert dem Docht mehr Öl, als er verbraucht, und er muß deshalb durch E weit aus dem Brenner herausgeschraubt werden; der Überschuß des zugeführten Öles fließt am Brenner herab in den Ölkasten zurück.

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Die Mineralöle (Petroleum, Photogen, Solaröl), die das Rüböl fast vollständig verdrängt haben, erfordern andre L. als die fetten Öle. Sie sind dünnflüssiger und werden daher leichter vom Docht gehoben, geben bei viel niederer Temperatur als die fetten Öle brennbare Gase, und die Flamme erfordert zur Entwickelung der höchsten Lichtintensität stärkern Luftzug, der genau reguliert werden muß. Geschieht dies, so brennt das Petroleum vollkommen geruchlos. Schlecht gereinigte Mineralöle, die noch sehr flüchtige Öle enthalten, und solche, die betrügerisch mit solchen gemischt wurden, können die Bildung explosiver Mischungen aus brennbarem Dampf und Luft veranlassen, so daß in dieser Richtung besondere Sicherheitsmaßregeln zu treffen sind. Alle Mineralöllampen sind Sauglampen, und der Ölbehälter liegt so weit unter dem Brenner, daß seine Erhitzung vermieden wird. Die der Flamme zuzuführende Luft benutzt man in der Regel zum Kühlen des Brenners, wobei sie selbst zum Vorteil der Flammenentwickelung erhitzt wird. Gewöhnlich sinkt die Lichtstärke der Petroleumlampen bei mehrstündigem Brennen, weil sich kohlige Massen am obern Rande des Dochtes ausscheiden. Je besser das Öl gereinigt ist, um so weniger findet solche Ausscheidung statt, auch empfiehlt sich häufigeres Einziehen eines neuen, scharf getrockneten Dochtes.
   Der einfachste Brenner für Petroleumlampen ist der Flachbrenner, der zur Beforderung der Luftzuführung mit einer halbkugelförmigen Kappe bedeckt wird (Tafel I, Fig. 3 u. 4). Er erhält einen ausgebauchten oder, da dieser leicht springt, einen im ausgebauchten Teil etwas platt gedrückten Zylinder, dessen Teile überall gleichweit von der Flamme entfernt sind und mithin gleichstark erhitzt werden. Bisweilen werden auch mehrere Flachdochte in paralleler oder sternförmiger Stellung zusammengefügt, wie z. B. beim Duplexbrenner mit 2, beim Triplexbrenner mit 3, beim Kronenbrenner mit 6 Flachdochten. Letzterer besitzt eine zweite Kappe zur Erzielung vollständigerer Verbrennung. Bei der Kaiserlampe wird eine Glocke, die unten in einen stumpfen, offenen Kegel verläuft, wie ein Zylinder auf den Brenner gestellt. Durch die zahlreichen Löcher im Boden des Brenners findet eine starke Luftzufuhr statt. Die Rundbrenner sind Argandbrenner mit gut geregeltem Luftzutritt und meist flachem Dochte, der sich erst in dem etwas konisch gestalteten Brennerrohr zum Runddocht zusammenbiegt und durch Rädchen oder durch eine Scheibe gestellt wird. Letztere vermeidet das bei dem Stellrädchen leicht vorkommende Abtropfen des Öles auf den Ölbehälter. Bei großen Petroleumrundbrennern nimmt die Lichtstärke nicht in gleichem Verhältnis mit der Größe des Brenners zu. Dies deutet auf ungenügende Luftzuführung hin, und Schuster u. Bär haben deshalb bei ihrem Patentkosmosbrenner zwischen Vasenring und Brennersieb einen seitlich durchlochten Luftkasten eingefügt, von dem ein Rohr im Brandrohr emporsteigt, um über der Flamme eine horizontale Brandscheibe zu tragen. Letztere sowohl als das Rohr sind gelocht, und da das obere Ende des Rohres sich bedeutend stärker erhitzt als das untere, so wird durch dasselbe sehr kräftig Luft angesaugt und in die Flamme geleitet. Man erreicht hierdurch eine sehr glänzende Verbrennung, vermeidet die Erhitzung des Brenners und des Gefäßes, mithin die Bildung entzündlicher Dämpfe; zugleich bleibt aber auch der Docht kühl; er verkohlt weniger als bei andern Brennern und behält länger seine vollkommene Saugkraft. Dieser Brenner hat sich, mit Brennscheibe versehen (Tafel I, Fig. 5), auch für Solaröl sehr gut bewährt und gibt damit eine ungemein intensive, weiße und vollkommen geruchtlose Flamme. Bei dem Reformkosmosbrenner (Tafel I, Fig. 6) wird auch die der Flamme außen zuströmende Luft durch das Brennerrohr erwärmt, und bei der Patent-Reichslampe von Schuster u. Bär (Tafel I, Fig. 7) geht das Luftzuführungsrohr durch das metallene Gefäß hindurch. Die Lampe besitzt eine Brennscheibe und eine Kappe, unter der die erwärmte Luft zur Flamme strömt. Ein Brenner von 20´´´ (Linien) Durchmesser gibt eine Flamme von 45, einer von 40´´´ eine solche von 115 Normalkerzen. Erstere ist dreimal heller als die Flamme eines 32-Lochgas-Argandbrenners, und die Brennstunde kostet 50 Proz. weniger als Gas. Der Brillantdoppelbrenner von Schuster u. Bär hat zwei Flachdochte, die sich im Brenner zu einem Rohr zusammenbiegen. Bei dem Mitrailleusenbrenner werden 8, 10 oder 12 volle Dochte, die im Kreis angeordnet sind, durch kurze, auf einer Scheibe befestigte Rohrstücke gehalten und durch feststehende, in dem eigentlichen Brenner befindliche Messingrohre geführt. Sämtliche Dochte werden gleichzeitig gehoben und bilden miteinander gewissermaßen auch einen Runddocht, der aber der Länge nach in einzelne Dochte zerfällt. Auch hier ist der Schuster u. Bärsche Luftkasten mit Brennerscheibe angebracht, und mit dieser Vorrichtung ist der Mitrailleusenbrenner, dessen einzelne Dochte eine sehr starke Saugkraft besitzen, besonders für schwerere Petroleumsorten sehr geeignet. Er gibt eine völlig ruhige, höchst intensive Flamme, der Brennstoffverbrauch ist aber, entsprechend der größern Leuchtkraft, größer als bei gewöhnlichen Rundbrennern. Die Phloxlampe liefert ein intensives weißes Licht von 8590 Kerzen, das nach Belieben bis auf 20 Kerzen reduziert werden kann, ohne die Farbe zu ändern, wobei die Lampe keinen Geruch entwickelt. Sie besitzt einen weiten, ausgebauchten Zylinder, der die Flamme umgibt, und einen in diesen eingehängten, unten trompetenförmig erweiterten Zylinder, der die Verbrennungsgase abführt. Luftzufuhr erfolgt durch die hohle, siebartig durchlochte Brandscheibe von untenher durch das Bassin hindurch, ferner durch das Dochtgehäuse, durch die untere Fläche der

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Zylindergalerie und durch die Aufsatzkappe des Zylinders. Bei dem von Cautius angegebenen Brenner (Millionlampe) entwickelt sich die Flamme nicht wie bei allen übrigen Petroleumlampen am ganzen obern Dochtrand, sondern nur an der innern Fläche des Dochtes, so daß die Flamme aus der Rohre herausquillt. Der obere Rand des Dochtes ist von einer Umbiegung der äußern Hülfe a überdeckt (Textfig. 2, S. 85). Bei dieser Anordnung findet eine höchst innige Mischung der entwickelten Gase mit der Luft statt, und die Vorwärmung der Luft, also auch die Temperatur der Flamme, wird sehr gesteigert, indem die nach innen gerichteten Wärmestrahlen die innere Wand der Brennröhre und den Stiel der Brennscheibe stark erhitzen. Zur äußern Seite der Flamme wird die Luft durch eine den Dochthalter umgebende Hülfe geleitet. Die Flamme dieses Brenners ist sehr weiß, und es gewahrt eine erhebliche Bequemlichkeit, daß der Docht erst nach wochenlangem Gebrauch abgeschnitten zu werden braucht. Er wird auch nicht wie bei den andern L. verstellt, vielmehr geschieht die Regelung der Flammengröße durch Verschieben der innern Dochtröhre mittels des Hebels c (Textfig. 3, S. 85), der nahe am Fuße der Lampe aus einem schrägen Schlitz d hervorragt. Hebt man die Röhre bis zur Brennerkappe b, die den obern Rand des Dochtes bedeckt, so erlischt die Lampe. Das Gefäß der Lampe besteht aus Metall und besitzt eine gut verschließbare Füllöffnung e, so daß das Nachfüllen während des Brennens gefahrlos erfolgen kann. Eine einfache Vorrichtung zum Löschen von Petroleumlampen hat Röseke in Stuttgart angegeben. Im Brennerkorb b (Tafel II, Fig. 1) liegt die wagerechte Achse a, an der ein Hebel befestigt ist, der unter die Verlängerungen c uno d einer äußern kegelförmigen und einer innern zylindrischen Hülfe f und g angreift und sie über den Brennerrand hebt, wobei die Flamme erlischt. Bei Brennern mit Brandscheibe ist nur eine Löschhülse erforderlich. Mit einer einfachen Modifikation läßt sich der Löscher an jeder vorhandenen Lampe anbringen. Bei Schülkes dochtloser Petroleum-Regenerativlampe (Glanzlichtlampe, Tafel II, Fig. 2) gelangt das Petroleum aus den abnehmbaren Metallgefäßen G durch den Ausgleichring B und das Filter M zur Flamme. O ist ein Spiralrohr, das die Auf- und Niederbewegung der Reguliervorrichtung W mit dem Überlaufbehälter S vermittelt. D ist die Drehvorrichtung zum Stellen der Spirale und T der Einstellring, mit dem die Vorrichtung auf einen bestimmten Durchlaß gestellt werden kann. Soll die Lampe benutzt werden, so gießt man Spiritus in das Gefäß H, zieht mittels des Griffes N die von der Spiralfeder L luftdicht angedrückte Glasglocke etwas herunter, zündet den Spiritusbrenner J an und schließt die Glocke wieder. Während der Anheizzeit entsteht durch die Hitze der Spiritusflamme nach etwa einer Minute oben in der Glasglocke ein Kranz von Spiritusflammen, welche die für die Verdampfung des Petroleums erforderliche Hitze erzeugen. Dreht man nun mit dem Knopf D dse Zuflußreguliervorrichtung W herunter, bis die Hülfe W auf den Ring T stößt, so füllt sich der überlaufbehälter S, und das Petroleum läuft nach beendeter Anheizzeit (etwa 3 Minuten) selbsttätig und rechtzeitig in die Flamme, wodurch diese leuchtend wird. Diese Lampe eignet sich besonders für große Einzelflammen bis 150 Kerzen. Ein ähnliches System verwendet Grube namentlich auch für sturmsichere Laternen. Seine Regenerativpendellampe besitzt überdies eine eigentümliche zentrale Vorrichtung zum Aufhängen, durch welche die schattenwerfenden Seitenarme fortfallen. Bei L. ohne Zylinder, die meist für Laternen benutzt werden (Freibrenner), übernimmt eine entsprechend konstruierte Metallkappe die Funktion des Zugglases. Sehr empfehlenswert sind Petroleumlampen mit doppeltem Zylinder für den Arbeitstisch, da die Glocke bei ihnen bedeutend weniger erhitzt wird als bei einfachem Zylinder.
   Explosionen kommen bei Petroleumlampen vor, wenn schlechtes Öl gebrannt wird (s. oben), aber auch bei schlecht bedienten L. Wenn die L. nicht sorgfältig gereinigt werden, sammeln sich im Brandrohr verkohlte Dochtteile, und wenn diese beim Herabschrauben des Dochtes durch abfallende brennende Krustenteilchen entzündet werden, so kann sich die Entzündung auf das explosive Gemisch von Petroleumdampf und Luft im Ölbehälter fortpflanzen. Bisweilen veranlaßt auch fehlerhafte Konstruktion der L. oder ein zu schmaler oder zu schwacher, den Dochtraum nicht völlig ausfüllender Docht Explosionen. Bei Berücksichtigung dieser Verhältnisse gewährt jede gute Lampe hinreichende Sicherheit, doch sind auch Konstruktionen angegeben worden, die diese Sicherheit namentlich gegenüber schlechtem Petroleum noch erhöhen. Erwähnenswert ist besonders der hydraulische Verschluß von Schuster u. Bär, der an der Basis des Brenners angelötet wird und durch das herabsickernde Petroleum die Kommunikation zwischen dem Luft- und Dampfraum des Ölbehälters und dem Brenner hydraulisch unterbricht. Entwickeln sich in dem erwärmten Gefäß Petroleumdämpfe, so können diese entweichen, aber niemals kann die Flamme in das Gefäß zurückschlagen. Andre Vorrichtungen gestatten leichtes und gefahrloses Auslöschen oder bewirken selbsttätig das Auslöschen der Lampe, wenn sie umfällt.
   Für sehr flüchtige Öle sind L. von besonderer Konstruktion erforderlich, weil die gewöhnlichen sofort heftig explodieren würden. Diese flüchtigen Öle können in L. ohne Docht gebrannt werden, indem das Öl außerhalb der Flamme durch Erwärmung in Dampf verwandelt wird, der ohne weiteres in die Flamme eintritt (Gas-, Dunst-, Dampflampe). Ungefährlich und für manche Zwecke recht empfehlenswert ist die Ligroinlampe (Tafel II, Fig. 3), deren Ölbehälter mit Schwamm gefüllt ist. Man tränkt diesen mit dem sehr flüchtigen Leuchtmaterial und schraubt dann die Dochthülse auf, die einen dicht eingepaßten massiven Baumwolldocht enthält. Dieser nimmt nach Bedarf aus dem Schwamm Leuchtmaterial auf und gibt eine zwar nur kleine und bei Luftzug leicht verlöschende, aber sehr weiße Flamme. Ebenso einfach ist die ohne weitere Erklärung leicht verständliche Benzinkerze (Tafel II, Fig. 8). Bei dem Brenner von Böhm u. Brüder in Wien (Tafel II, Fig. 7) gelangt das flüchtige Öl aus einem höher gelegenen Behälter durch das Rohr a in ein Kniestück b, in dem sich eine Regulierschraube c für die Einströmungsöffnung d befindet. Soll die Lampe in Betrieb genommen werden, so wird zunächst in einer Fangschale e etwas Öl verbrannt. Hierdurch bilden sich aus dem bei d austretenden Leuchtstoff Dämpfe, die, mit der bei f eingesaugten Luft gemischt, durch den Brennerkopf g austretend die eigentliche Leuchtflamme bilden, als auch durch eine Bohrung b und ein Röhrchen i nach unten gelangend einem Heizflämmchen Nahrung geben. Dies Flämmchen ist durch einen Blechmantel k vor Luftzug geschützt und wird in seiner Stärke durch ein Schräubchen l reguliert.

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Die Entzündung erfolgt durch die Luftzuführungsöffnungen m von der Fangschale aus. Die verbrauchte Luft entweicht durch Öffnungen in der Nähe des Brennerkopfes.
   Auch für die schwersten Mineralöle sind besondere L. konstruiert worden, doch haben diese seltener Verwendung gefunden. Die Dampfstrahlöllampe von Hartmann u. Lucke in Mülheim a. Rh. läßt sich überall, wo Dampf vorhanden ist, ohne Umstände aufstellen und eignet sich namentlich zur Beleuchtung großer Säle, Hofräume, Plätze etc. In dem Ölbehälter a (Tafel II, Fig. 4) hängt das Luftzuführungsröhrchen b, das am obern Ende in einen Lufttrichter c mündet, der mit einem Schieber versehen ist, um den Luftzutritt zum Behälter a regulieren zu können. Infolgedessen muß das Öl aus dem Behälter a ganz gleichmäßig ausfließen. Es gelangt durch den Hahn e und das Rohr g zu dem vollständig horizontal eingestellten Teller d, auf dem es angezündet und dann mit dem Trichter f bedeckt wird. Hierauf läßt man nach und nach den durch den Dampftrockner k (Tafel II, Fig. 6) getrockneten Dampf ganz langsam durch die im Teller d befindliche konische Öffnung zutreten und reguliert den Dampfstrom derart, daß das Öl auf der ganzen Tellerfläche gleichmäßig brennt. Weiterer Bedienung bedarf die Lampe alsdann nicht mehr. Fließt infolge unrichtiger Stellung des Schiebers bei c dem Teller mehr Öl zu, als zum Verbrennen nötig ist, so steigt das überflüssige Öl über den innern Rand des Tellers und gelangt in die ringförmige Fuge, aus der es durch das Röhrchen b in den Sammelkasten i fließt. Zum Löschen der Lampe schließt man den Hahn e, sperrt den Dampf ab und setzt auf den Teller den trichterförmigen Deckel l. Das noch unverbrannte Öl läßt man dann durch einen Hahn aus dem Rohr g in den Sammelkasten i abfließen. Der Dampfstrom wirkt bei der Lampe mechanisch, indem er die zur Verbrennung nötige Luft in die Flamme treibt und gleichzeitig auch das Ansaugen von Luft durch die Öffnungen des Trichters f herbeiführt. Bei der hohen Temperatur der Flamme aber und bei Gegenwart der Kohlenwasserstoffe wird Wasserdampf zersetzt, und es entsteht ein Gasgemisch, das mit außerordentlich intensivem Licht verbrennt und keinen Ruß absondert. Eine derartige Lampe ohne Docht und Zylinder, aber vorteilhaft mit Reflektor, gibt eine Leuchtkraft von 20 Gasflammen oder 180 Normalkerzen bei einem stündlichen Verbrauch von etwa 1 kg Teeröl. Der Ölbehälter enthält ca. 30 Lit. Teeröl, um selbst für die längsten Nächte auszureichen. Wo die Fracht das Öl nicht zu sehr verteuert, ist diese Beleuchtung sehr viel billiger als Gasbeleuchtung. Bei der Wellslampe (Tafel II, Fig. 5) dient der zylindrische Kessel a als Ölbehälter, der durch die Handpumpe B und das Rohr o mit Öl gefüllt wird. Mit derselben Pumpe erzeugt man dann einen Überdruck von 11,5 Atmosphäre, der an dem Manometer j abzulesen ist. Hierauf wird das Ventil f geöffnet, das Öl steigt durch die Rohre d und r in den Brenner auf. Das Öl wird im Verdampfer K verdampft, und die Dämpfe gelangen durch k' zur Ausströmungsstelle, wo sie entzündet werden. Die Flamme tritt büschelförmig bei der Verbrennungskammer l aus. Soll die Lampe angezündet werden, so entzündet man auf der Schale b etwas mit Petroleum getränkte Watte, um den Brenner vorzuwärmen. Bei dem Dürrlicht wird vollkommen selbsttätig aus gewöhnlichem Lampenpetroleum und bei geringem Materialverbrauch durch Verdampfung und Überhitzung der Dämpfe eine freibrennende Flamme von 14,000 Normalkerzen erreicht. Ähnliche Konstruktionen sind Hamays Lucigenlampe, die Climaxlampe, die Dotylampe u. a.
   Das Prinzip, das beim Gasglühlicht so große Erfolge erzielt hat, nämlich die Erhitzung gewisser Erden durch eine nichtleuchtende Flamme, wobei die Erden ein blendendes Licht ausstrahlen, hat man auch auf L. angewendet und Benzin- und Petroleumglühlampen konstruiert, die befriedigend brannten, aber wenig Verbreitung gefunden haben. Viel größere Wichtigkeit besitzen die Spiritusglühlampen, von denen viele Konstruktionen in den Handel gebracht worden sind. Man fertigt gewöhnlich L. von 2070 Kerzen Leuchtkraft, doch auch solche von 250 Kerzen und hat für Bahnhöfe, Straßenbeleuchtung, öffentliche Gärten L. von 700 Kerzen, für Leuchtfeuer solche von 1000 Kerzen konstruiert. Der Spiritus wird in diesen L. durch die abziehende Verbrennungswärme verdampft und der Dampf, mit Luft gemischt, verbrannt, um den Glühkörper zu erhitzen. Die Zuführung des Spiritus zum Brenner erfolgt durch Dochte oder durch Zufluß aus einem höher gelegenen Behälter unter Einschaltung einer regulierenden Packung von Asbest oder Drahtbündeln. Tafel II, Fig. 9, zeigt die Spiritusglühlampe Phöbus. a ist der Spiritusbehälter, aus dem der Spiritus durch das Rohr b zu dem mit einem Drahtbündel gefüllten Vergaser c strömt. Dieser wird zunächst erhitzt, indem man durch das Rohr f Spiritus in die Anheizschale g fließen läßt und ihn von dem Trichter h aus entzündet. Der in c entwickelte Spiritusdampf gelangt durch das Rohr d zu dem Brenner mit Glühstrumpf e. Der Hebel l mit den Ringketten i und k dient zum Öffnen und Schließen des Gasventils. Der zu benutzende Spiritus muß mindestens 90 Volumprozent Alkohol enthüllen. Die Tischlampen für Spiritusglühlicht gleichen äußerlich den Petroleumlampen.
   Eine selbst für photographische Zwecke geeignete Beleuchtung gibt die Sellsche Lampe, die einer Petroleumlampe mit Runddocht gleicht, aber mit Schwefelkohlenstoff gespeist wird. Zur Abkühlung des sehr flüchtigen Leuchtmaterials steht der Behälter in einem zweiten, mit kaltem Wasser zu füllenden Gefäß. In die an sich wenig leuchtende Flamme des Schwefelkohlenstoffes leitet man durch ein zentrales Rohr einen Strom von Stickstoffoxydgas (das aus Eisenchlorür, salpetersaurem Kali und Salzsäure dargestellt wird) und erhält dann ein photographisch ungemein wirksames Licht. Die Verbrennungsgase müssen durch einen Schornstein abgeleitet werden. Von den L., die zum Erhitzen dienen, sind dse gewöhnlichen Spirituslampen am bekanntesten; man gibt ihnen außer der Öffnung, in welcher der Dochthalter steckt, noch eine zweite Öffnung zum Nachfüllen von Spiritus. Statt des Weingeistes kann man sie mit Holzgeist oder auch mit einer Mischung von Terpentinöl und Weingeist speisen. Die Berzeliuslampe ist eine Spirituslampe mit doppeltem Luftzug (Argandbrenner); ein niedriger Schornstein umgibt die Flamme, die aus einer Sturzflasche oder aus einem kranzförmigen oder einem seitlich liegenden kastenförmigen Behälter gespeist wird. Letztere Einrichtung ist vorteilhafter, da der Spiritus im Kranze zu stark erhitzt wird. Die Lampe ruht auf drei Füßen, die nach oben in einen Dreifuß zum Aufsetzen der zu erhitzenden Geräte verlaufen, oder der Spiritusbehälter

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ist durchbohrt und mit der ganzen Lampe an einem senkrechten Messingstab verschiebbar; an demselben Stab, der an der Schmalseite einer rechteckigen Porzellanplatte befestigt ist, lassen sich auch mehrere wagerechte Stäbe verschieben, die über dem Brenner in größere oder kleinere Ringe auslaufen. Auf letztere stellt man die zu erhitzenden Schalen oder Flaschen. Sehr praktisch ist der Spiritusherdkocher Brillant, bei dem, ähnlich wie bei den Spiritusglühlichtlampen, der Spiritus vergast und der Dampf entzündet wird. Eine größere Hitze als die Berzeliuslampe erzeugt Devilles Glühlampe, mit der man dünne Platindrähte schmelzen kann. Diese Lampe wird mit Terpentinöl gespeist, das aus einer größern Flasche zufließt und stets in gleicher Höhe erhalten wird. Das Öl wird auf 100° erhitzt, so daß ein Luftstrom, den man darüber leitet, sich reichlich mit Dämpfen beladen kann. Diese entzündet man und sacht dann die Flamme durch ein Gebläse an. Ein Spiritusbrenner von Barthel, der als Ersatz des Bunsenbrenners dient, besteht aus einem Spiritusbehälter, durch den ein oben und unten offenes Brennerrohr hindurchgeht. Letzteres ist von einem zweiten Rohr umgeben, und zwischen beiden befindet sich ein in den Behälter hinabreichender Docht. Unter dem äußern Rohr ist eine verschiebbare Hülfe angebracht, die zum Regulieren der Flammenhöhe dient. Der Dochtraum steht mit dem innern Teil des Brennerrohrs durch eine seine Öffnung in Verbindung. Um den Brenner in Gang zu setzen, gießt man in eine kleine Rinne der verschiebbaren Hülfe, die man auf ihren höchsten Stand gebracht hat, etwas Spiritus und entzündet denselben. Der obere Teil der Hülfe wird hierdurch erhitzt und überträgt die Wärme auf das äußere Brennerrohr und dadurch auf den Docht. Die entwickelten Spiritusdämpfe strömen durch das seine Loch in das Brennerrohr, reißen hier Luft mit sich nach oben, mischen sich mit derselben und geben am obern Ende des Brenners eine Flamme, die durch Verschieben der Hülfe reguliert werden kann und eine Temperatur von 11001200° besitzt. Ein ähnlich konstruierter Benzinbrenner gibt eine Temperatur von 13001400°. Für Petroleumkocher (s. Meyers Kochherde etc., S. 218) sind auch Brenner konstruiert worden, bei denen erhitzte Petroleumdämpfe zur Verbrennung gelangen, wie bei dem Vulkankocher von Kretzschmann; sie liefern eine sehr heiße Flamme. Zum Kochen mit Gas benutzt man allgemein den Bunsenbrenner, bei dem das Gas durch ein enges Rohr in ein weiteres, oben und unten offenes Rohr einströmt und sich in diesem mit Luft mischt. Das Gemisch brennt an der obern Öffnung des weiten Rohres mit blauer, nicht leuchtender und an den zu erhitzenden Gefäßen keinen Ruß absetzender Flamme. Vgl. Kochherde, S. 218. L. waren schon bei den alten Ägyptern gebräuchlich, aber bis in die neueste Zeit kannte man nur den unvorteilhaften massiven Runddocht. Um 1550 konstruierte Hieronymus Cardanus eine Öllampe mit seitlichem Behälter, durch den das Ölniveau nahe dem Dochtende erhalten wurde. Der Flach docht wurde 1783 durch Leger in Paris und 1784 durch Alströmer, der hohle Runddocht 1789 durch Argand angegeben. Letzterer ersetzte auch mit Quinquet den bis dahin über der Flamme angebrachten blechernen Zugzylinder durch einen gläsernen. 1765 konstruierte Grosse die Pumplampe, 1806 Carcel die Uhrlampe, 1836 Franchot die Moderateurlampe, die besonders durch Neuburger 1854 verbessert wurde. Eine vollständige Umwälzung in der Lampenfabrikation brachte die Einführung des Petroleums hervor. L. für sehr flüchtige Flüssigkeiten, sogen. Dampflampen, für Kamphin etc., wurden seit 1833 bekannt, fanden aber nur geringe Verwendung. Die erste Petroleumlampe soll Silliman in Nordamerika 1855 konstruiert haben; um ihre weitere Verbesserung haben sich besonders Ditmar, Brünner, Wild und Wessel, Stobwasser, Schuster u. Bär u. a. verdient gemacht.
   Die Mehrzahl der uns erhaltenen antiken L., aus Ton oder Bronze, seltener aus Alabaster oder Glas bestehend, gehört der römischen Zeit an. Abgesehen von den Funden in Pompeji, haben uns besonders die antiken Gräber eine reiche Ausbeute von L. geliefert, da es Sitte war, den Toten L. mitzugeben, die eigens für diesen Zweck fabriziert wurden und nicht zum praktischen Gebrauch geeignet waren. Die antike Lampe besteht aus dem runden oder elliptischen Ölbehälter mit einer Öffnung zum Eingießen des Öles. einer oder mehreren vorspringenden Tüllen für den

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Docht an der einen und einem Henkel oder Griff an der andern Seite (Textfig. 410 und Tafel Meyers »Bronzekunst I«, Fig. 7). Man hat antike L. mit zwölf Tüllen gefunden. Sie hingen an Ketten oder standen auf einem Träger (candelabrum). Die ersten Christen nahmen die Form der antiken L. an, die sie jedoch mit christlichen Emblemen (Lamm, Taube, guter Hirt) und dem Meyers Christusmonogramm (s. d.) verzierten (Textfig. 11 und Tafel Meyers »Bronzekunst II«, Fig. 1 u. 2). Aus dem Katakombenkultus entwickelte sich die Form der mit Ketten an der Decke oder an einem Arm befestigten Hängelampen, die während des ganzen Mittelalters sowohl für Kultuszwecke (in christlichen Kirchen wie in mohammedanischen Moscheen) als in Profangebäuden üblich waren und noch heute in reichster Ausbildung (Bronze, Cuivre poli, Schmiedeeisen mit poliertem Kupfer, geschwärzter Eisenguß, Zinkguß, Porzellan, Fayence, Glas) in Gebrauch sind. Der Lampenkörper wird häufig noch mit einem Kranz von Lichthaltern oder mit Kerzen armen umgeben, aus dessen Mitte die Lampe durch eine Zugvorrichtung bis zu dem darunter stehenden Tische hinabgezogen werden kann. Diese L. können für Petroleum, Gas und elektrisches Licht eingerichtet werden. Die orientalischen Hängelampen für Moscheen bestanden meist aus Glas (s. Tafel Meyers »Glaskunstindustrie I«, Figur 5), Fayence oder Metall. Die Ketten vereinigten sich in einen eiförmigen Körper aus gewöhnlich blau bemalter Fayence (Lampen-Ei, Fig. 12). Die moderne Tischlampe mit hohem Fuß (ebenfalls für alle Beleuchtungsmaterialien) ist in neuerer Zeit ein Lieblingsgegenstand der Kunstindustrie geworden, wobei anfangs die Metallindustrie allein herrschte, bis auch die Keramik, die Glaskunst- und die Marmorwarenindustrie mit ihr in Verbindung trat. Anfangs schloß sich die Form der modernen L. an die der antiken Vasen oder Urnen an, die das Glasbassin mit dem Brennstoff umschlossen. Dann wurde es in kugelförmige Majolikakörper gesteckt, deren meist farbige Dekoration je nach der Mode wechselte. Im Wetteifer damit bildete die Bronzeindustrie an Stelle der Vasen Dreifüße und figürliche Lampenträger (Einzelfiguren und Gruppen), die bei Flur- und Treppenhauslampen bis zu großen Landsknechts- und andern Gestalten ausarteten. Erzeugnisse der neuesten Mode sind die mit Tischen verbundenen Ständerlampen für Balkons, Garten- und Schlafzimmer, für die Lektüre auf Ruhebetten etc., und die aus der Nachahmung des Empirestils entsprungenen Säulenlampen, deren offenes Bassin aus gepreßtem oder geschliffenem Glas auf einer glatten, kannelierten oder gewundenen Säule aus Marmor, Alabaster, Onyx u. dgl. mit metallenem Fuße ruht. Zu dieser Art von L. gehört ein auf einem Drahtgestell in Falten gelegter Spitzenschirm mit meist rotem oder gelbem Grund. Eine gleiche künstlerische Ausstattung erhalten jetzt auch die an Armen befestigten Wandlampen für Korridore, Speisezimmer, Ballsäle etc. Vgl. Buchner, Die Mineralöle und die Mineralöllampen (Weim. 1864); Fischer, Die Petroleumlampe und deren Behandlung (das. 1876); Tiedt, Die Lampe in bezug auf ihre historische und technische Entwickelung (Stuttg. 1889); Wild u. Wessel, 50 Jahre in der Lampenindustrie (Berl. 1894); Gentsch, Die Petroleumlampe und ihre Bestandteile (das. 1896).
 
Artikelverweis 
Lampenfieber, fälschlich für Rampenfieber (s. d.).

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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