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Lama bis Lamar (Bd. 6, Sp. 66 bis 68)
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Artikelverweis Lama, weicher, flanellartiger und oft figurierter Wollenstoff für Frauenjacken u. dgl. mit 16 Fäden auf 1 cm aus Streichgarnen 16,300 m auf 1 kg. Halbwollenlama hat baumwollene Kette und streichwollenen Schuß.
 
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Lama (Schafkamel, Kamelschaf, Auchenia Ill.), Gattung der paarzehigen Huftiere aus der Familie der Kamele (Tylopoda), Tiere mit verhältnismäßig großem, spitzschnäutzigem Kopf, langen, spitzen Ohren, großen Augen, schmächtigem Hals, hohen, schlanken Beinen mit getrennten Zehen, von denen jede einzelne mit einer schwieligen Sohle versehen ist, und kurzem, langbehaartem Schwanz. Sie sondern viel Speichel ab und spritzen ihn, wenn sie angegriffen werden, aus. Man unterscheidet vier Formen: Guanako, Vicuña, Lama und Pako (Alpako), aber nur die beiden erstern kommen heute noch wild vor, die letztern sind seit uralten Zeiten Haustiere, deren Stammform man nicht mehr kennt. Alle Lamas bewohnen die Hochebenen der Kordilleren und steigen nur im äußersten Süden der Andenkette bis in die Pampas Patagoniens herab. In der Nähe des Äquators bewohnen sie meist Höhen zwischen 4000 und 5000 m ü. M., die wild lebenden ziehen sich während der Regenzeit auf die höchsten Kämme und Rücken der Gebirge zurück, in der trocknen Jahreszeit steigen sie in die fruchtbaren Täler herab. Sie halten in Rudeln zusammen und sind ein Gegenstand eifriger Jagd. Der Guanako (A. Huanaco H, Sm.) ist 2 m lang, mit 24 cm langem Schwanz, 1 m hoch. Der Leib ist verhältnismäßig kurz und gedrungen, der Hals lang, dünn, nach vorn gekrümmt, der Kopf lang, seitlich zusammengedrückt, die Schnauze stumpf, die Oberlippe vorspringend, tief gespalten. Die Ohren sind etwa von halber Kopflänge und wie die Oberlippe sehr beweglich, die Augen groß und lebhaft. Der langhaarige, sehr lockere Pelz besteht aus kürzerm, feinerm Wollhaar und dünnem, längerm Grannenhaar, er ist schmutzig rotbraun; die Mitte der Brust, Unterleib und After sowie die Innenseite der Gliedmaßen sind weißlich, Stirn und Rücken schwärzlich, an den Hinterbeinen steht ein schwarzer Fleck. Der Guanako lebt in Rudeln und Herden bis zu 500 Stück von der Magalhãesstraße bis ins nördliche Peru, hat sich aber infolge der Jagd sehr vermindert. Er frißt saftige Gräser, im Notfall auch Moos. In der Ebene wird er von einem Pferd leicht eingeholt, läuft aber mit Sicherheit an den steilsten Abhängen hin. Die Rudel stellen Schildwachen aus, die bei der geringsten Gefahr laut blöken. Die Brunstzeit fällt in den August und September, und nach zwölf Monaten wirft das Weibchen ein Junges, das es vier Monate säugt. Junge Tiere lassen sich zähmen, zeigen sich aber im Alter meist sehr störrig. Guanakofelle geben äußerst warme Futter und Decken. Das L. (A. Lama Desm., s. Tafel Meyers »Kamele II.«, Fig. 2, und Tafel Meyers »Neotropische Fauna«, Fig. 10) ist etwa 1,2 m hoch und besitzt Schwielen an der Brust und an der Vorderseite des Handwurzelgelenks, einen schmalen, kurzen Kopf und kurze Ohren; es gibt weiße, schwarze, gescheckte, dunkel- und hellbraune, fuchsrote etc. Das L. wurde von den Peruanern seit uralter Zeit gezähmt und auch als Opfertier benutzt. Die Spanier fanden ungeheure Lamaherden, die damals mehr noch als heute dieselbe Bedeutung hatten wie das Renntier für den Lappländer. Man benutzt das L. namentlich als Lasttier; es trägt 75 kg und mehr und geht außerordentlich ruhig, solange es nicht durch fremdartige Gegenstände beunruhigt wird. Auf den Hochgebirgen werden große Herden gehalten, die

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am Tage ohne Hirten auf die Weide gehen und abends in die Einfriedigungen zurückkehren. Die Weibchen dienen nur zur Zucht. Seit Einführung der Einhufer ist die Bedeutung der Lamas sehr gesunken. Sein Fleisch wird überall gegessen, die Milch ist wohlschmeckend, die Wolle wird zu grobem Tuch, die Haut zu dauerhaftem Leder verarbeitet. Der Mist dient als Brennmaterial. Es gedeiht auch in Europa recht gut, begnügt sich mit gewöhnlichem Futter und pflanzt sich fort. Der Pako (Alpako, A. Pacos Tschudi, s. Tafel Meyers »Kamele II«, Fig. 1), ist kleiner als das L., gleicht im Körperbau dem Schaf, hat aber längern Hals und zierlichern Kopf; es ist schwarz oder weiß, seltener buntscheckig, sein reiches Haar erreicht an den Seiten eine Länge von 1012 cm. Es bewohnt die Kordilleren von Peru und Chile und wird in Höhen über 2500 m in großen Herden gehalten, die man nur zur Schur eintreibt. Das Tier ist sehr anspruchslos, pflanzt sich leicht und schnell fort und liefert treffliches Fleisch. Als Lasttier ist es seiner unbesiegbaren Störrigkeit halber nicht zu gebrauchen, dagegen hat seine Wolle großen Wert. In England und im Haag sind Züchtungsversuche nicht ohne Erfolg geblieben, auch in Australien hat man die Einführung des Pako versucht. Das Vlies wiegt 34 kg, ist sehr ungleichmäßig und erfordert sorgfältige Sortierung. Das Haar besitzt Nerv und seidenartigen Glanz, ist ziemlich schlicht und liefert treffliches Kammgarn. Gewöhnlich verspinnt man ungefärbte Alpakowolle mit andern Stoffen (Mohair, Baumwolle, Seide, Kammgarn), gibt dem Garn wohl auch durch Zwirnung höhern Seidenglanz und verarbeitet es zu sehr zahlreichen, gemischten Geweben, namentlich auch zu Schals und zu Fransen und Besätzen. Schon die alten Inka wußten die Wolle zu benutzen, Weberei und Färberei standen damals auf hoher Stufe. Jetzt ist diese Industrie verfallen, und die Indianer fertigen nur noch Decken und Mäntel aus Alpakowolle. Die Vicuña (A. Vicugna Desm., s. Tafel Meyers »Kamele II«, Fig. 3), ein zierliches, an Größe zwischen L. und Alpako stehendes Tier mit viel kürzerer, gekräuselter, äußerst seiner Wolle. Es ist auf der Oberseite eigentümlich rötlichgelb, an der untern Seite des Halses und der innern der Gliedmaßen hellockerfarben, an der Brust und am Unterleib, wo die Haare zum Teil 13 cm lang werden, weiß. Es lebt in Trupps von 615 Weibchen und einem Männchen und in solchen, die nur aus Männchen bestehen, ausschließlich auf grasigen Plätzen der Kämme der Kordilleren und steigt nur in der heißen Jahreszeit, wenn dort das spärliche Futter verdorrt, in die Täler hinab. Das Weibchen wirft im Februar ein Junges. Die Vicuña ist äußerst furchtsam und wird leicht mit Bolas gefangen. Jung eingefangene Vicuñas werden bald sehr zahm, im Alter aber wie die andern Arten störrisch und durch das beständige Anspucken jedes Fremden sehr lästig. Man genießt das Fleisch und fertigt aus der Wolle seine Gewebe und Filze; bei uns dient die Vigognewolle zu Modeartikeln, Handschuhen etc., doch immer nur in Untermischung und namentlich zur Verfeinerung der Oberfläche von Filzhüten. Die Ware wird immer teurer und seltener, weil der Wildbestand bei der ungeregelten Jagd sich stark lichtet. Das sogen. Vigognegarn besteht lediglich aus seiner Schafwolle mit einem Fünftel Baumwolle. Von allen Lamaarten werden Bezoarkugeln gewonnen, die früher in hohem Ansehen als Heilmittel standen. Vgl. die Karte »Verbreitung der wichtigsten Haussäugetiere« beim Artikel »Haustiere«.
 
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Lamăchos, athen. Feldherr, Sohn des Xenophanes, zeichnete sich durch Tapferkeit und Uneigennützigkeit aus. Nachdem er schon unter Perikles im Schwarzen Meer eine Flotte befehligt hatte, wurde er 415 mit Alkibiades und Nikias als Feldherr für die Expedition nach Sizilien gewählt, wo er, nachdem sein verständiger Kriegsplan, sofort das ungerüstete Syrakus zu überraschen, abgelehnt worden war, im Sommer 414 vor Syrakus fiel. Er wurde von Aristophanes in den »Rittern« und im »Frieden« wegen seiner Kriegslust verspottet, hat aber doch 421 den Frieden des Nikias mit unterzeichnet.
 
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Lamacs (spr. lámatsch), s. Meyers Blumenau 1).
 
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Lamaïsmus, die eigentümliche Form, die der Meyers Buddhismus (s. d.) bei den Tibetern, Mongolen etc. angenommen hat, die deshalb Lamaïten oder Lamaïsten heißen. Der L. hat seinen Namen von Lama (tibet. »der Obere«), bei den Buddhisten in Tibet und in der Mongolei Titel der Äbte der Klöster, doch aus Höflichkeit auch andern Mönchen gegeben. Unter der Mongolenherrschaft wurde der Abt des Sâkjaklosters, seitdem unter dem Namen Paspa ('Phagss pa, »der Hochwürdige«) bekannt, tributärer Herrscher von Tibet und Haupt der lamaischen Hierarchie. Da dieselbe bald übermächtig wurde, suchte die Mingdynastie in China sie durch Erteilung der Königswürde an mehrere andre tibetische Patriarchen zu schwächen. Die Schüler des berühmten Tsongkhapa (geb. 1357, gest. 1417 oder 1429), der bei den Lamaisten fast ebensohoch gefeiert war wie Buddha, begründeten ein neues System der Hierarchie. Tsongkhapa selbst war Gründer der Gelugpa oder Tugendsekte gewesen (nach ihrem Heimatskloster auch Galdanpa genannt), die als unterscheidendes Merkmal die gelbe Mütze im Gegensatz gegen die übliche rote annahm. Er trat den Auswüchsen der unter den Rotmützen üblichen Zaubergaukeleien entgegen und richtete die großen gemeinschaftlichen Gebete »Monlam« ein. In der Folge führte diese Reform zu einer neuen Entwickelung der Hierarchie und zur Gründung eines doppelten Papsttums mit eigentümlicher Nachfolge. An der Spitze der lamaischen Kirche stehen nämlich seitdem zwei oberste Bischöfe, der Dalai Lama (»Ozeanpriester«, d. h. Priester, groß wie der Ozean) zu Lhassa und der Bogdo Lama zu Taschi Lhuupo, beide an Heiligkeit und Würde einander gleich (s. Meyers Dalai Lama). Beide werden, wenn sie sterben, stets für dieselbe Stellung wiedergeboren: mit andern Worten, diese Würden werden mit Kindern besetzt, die für Inkarnationen der frühern Inhaber dieser Würde gelten. Als unter dem fünften Dalai Lama die Rotmützen die geistliche Herrschaft der Gelbmützen bedrohten, rief jener den Beistand der Kalmücken an, die ihm sodann auch die weltliche Herrschaft über Tibet eroberten und ihn als politisches und kirchliches Oberhaupt anerkannten. Über die spätern Dalai Lamas und die Rolle des Dalai Lama bei dem neuesten Eindringen der Engländer (1904) s. Meyers Tibet (Geschichte).
   Die geistliche Macht der Lamas erstreckt sich über Tibet hinaus auf Bhotan, Sikkim, Teile von Nepal, Ladak, Sifan oder Tangut, die Mongolei, die Mandschurei, die Provinz Tiënschan Pelu, die Buräten und Kalmücken und die Lamaklöster in Peking. Die Stellvertreter der Großlamas in den einzelnen Provinzen sind die sieben oder zehn (nach andern mehr) Chutuktu (tibet. Paspa, »ehrwürdig«), die ebenfalls für inkarnierte Heilige gelten; sie haben die Zivilverwaltung in Händen. Die dritte Rangklasse bilden

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die zahllosen Chubilchane, einfache Inkarnierte. Die Auffindung und Wahl der Inkarnationen aller drei Rangstufen, d. h. die Besetzung der höchsten geistlichen Stellen, lag früher lediglich in der Hand der Hierarchie; später wurde sie bedeutend von der chinesischen Regierung beeinflußt. Das Mönchtum im L. hat vier Rangstufen: Khanpo, etwa soviel wie Abt; Gelong, der mit den Weihen versehene Priester; Getsul, der angehende Mönch, und Bandi (Banta), der Novize. Die drei Hauptklassen des höhern, nicht inkarnierten Klerus sind: die Khanpo, die Tschossdsche (die Schriftgelehrten) und die Rabdschampa, etwa unsern Doktoren der Theologie entsprechend. Ein Weltpriestertum kennt der L. nicht, die Geistlichen aller Grade sind Ehelose und leben in der überwiegenden Mehrzahl in Klöstern. Auch bestehen Nonnenklöster unter der Leitung inkarnierter Äbtissinnen. Die Gesamtheit aller lamaischen Religiosen bildet den Verein der Priesterschaft oder die Kirche (Gedun). Die Kleidung ist für jede Klasse genau vorgeschrieben. Obgleich alle Priester das Gelübde ablegen, nur von Almosen zu leben, bettelt doch nur ein kleiner Teil von ihnen; bei den bedeutenden Einkünften der Klöster haben sie dies nicht nötig. Der Lama ist nicht allein Fürsprecher bei Gott, sondern auch Arzt, Astrolog, Wahrsager und Exorzist, beschäftigt sich auch mit dem Abschreiben oder Drucken von Büchern, der Fabrikation von Heiligenbildern, Reliquien, Amuletten, Rosenkränzen und treibt wohl selbst Handwerk, Viehzucht und Ackerbau. Zugleich sind die Priester die alleinigen Inhaber und Überlieferer der Gelehrsamkeit, d. h. der Theologie. Diese ist im wesentlichen der ältere buddhistische Heiligenkultus, doch versetzt mit der Verehrung zahlreicher Götter indischen, insonderheit çivaitischen Ursprungs, auch mit schamanischem Geisterdienst. Die Tempel bilden stets ein nach den Himmelsgegenden orientiertes Rechteck; ihr Inneres zerfällt in den Vorhof, die Tempelhalle und das Allerheiligste mit den Heiligenbildern. Andre religiöse Stätten und Bauwerke sind: Kapellen in der Nähe der Tempel und an den Wegen; Türme oder Pyramiden, in denen Reliquien von Heiligen beigesetzt sind; die Manis (»Edelsteine«), d. h. Mauern, auf denen die heilige Formel Om mani padme hûm eingegraben ist; Meyers Gebetmaschinen (s. d.); Segensbäume, d. h. Masten und Stangen mit Gebetsflaggen. Auch der Rosenkranz wird fleißig gehandhabt. Den Höhepunkt des lamaischen Gottesdienstes an den drei oder vier monatlichen Fast- und Feiertagen bezeichnet das Sakrament, nämlich die Einsegnung und Verteilung des heiligen Wassers und die Spendung des Getreideopfers. Als höchste Festtage gelten: das Neujahrsfest, das mit ausgelassenster Fröhlichkeit begangen wird; das Fest der Menschwerdung des Buddha Çâkjamuni, mit Bilderprozessionen; die Wasserweihe bei Beginn des Herbstes, und das Lampenfest, zugleich das Himmelfahrtsfest des Tsongkhapa. Außerdem opfert der Lamaist täglich an seinem Hausaltar und läßt die strafenden Gottheiten durch Seelenmessen mit sich versöhnen. Vgl. Köppen, Die lamaische Hierarchie und Kirche (Berl. 1859); L. A. Waddell, The Buddhism of Tibet: Lamaism, etc. (Lond. 1895).
 
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Lamalou-les-Bains (spr. lămălŭ-lä-bäng), Badeort im franz. Depart. Hérault, Arrond. Béziers, am reißenden Lamalou (linker Zufluß des Hérault) und an der Südbahn, aus drei Häusergruppen bestehend, mit zwölf kohlensäurehaltigen Eisenquellen (1648°), drei Badeanstalten und (1901) 697 Einw. Vgl. Privat, Étude sur L. (Montpellier 1903).
 
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Lama-miau, Stadt in Nordchina, s. Meyers Dolonnor.
 
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La Manche (spr. lămāngsch', »der Ärmel«), franz. Name des Meyers »Kanals« (s. d., S. 535) und danach eines franz. Departements (s. Meyers Manche).
 
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Lamánskij, Wladimir Iwanowitsch, russ. Slawist, geb. 1833 in Petersburg, seit 1865 Professor der slawischen Sprachen an der Universität daselbst, gehört zu den eifrigsten und zugleich unterrichtetsten Vertretern der sogen. slawophilen Bestrebungen in Rußland. Er schrieb: »Über die Slawen in Kleinasien, Afrika und Spanien« (1859); »Serbien und die südslawischen Provinzen Österreichs« (1864); »Historische Erforschung der griechisch-slawischen Welt« (Petersb. 1871), worin er seine Theorie vom Gegensatz der griechisch-slawischen zur romanisch-germanischen Welt darlegt; ferner über Sprache und Schrifttum der Bulgaren (1869), über die alttschechischen Literaturdenkmäler (1879) u. a. 1884 gab er u. d. T.: »Secrets d'Etat de Venise« verschiedene auf die Griechen etc. im 15. und 16. Jahrh. bezügliche Dokumente aus den Archiven Venedigs heraus und 1892 die Schrift: »Die drei Welten des asiatisch-europäischen Festlandes«. Seit 1890 redigiert er die ethnographische Zeitschrift: »ivaja Starina«.
 
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Lamantin (Manati, Manatus Cur.), Gattung aus der Ordnung der Wale und der Unterordnung der Sirenen, robbenartig gebaute Tiere mit etwas unförmlichem, fast nacktem Fischleib, abgerundeter Schwanzflosse, vier kleinen Plattnägeln an den Zehen der abgerundeten Brustflossen, früh ausfallenden Schneidezähnen und sich abnutzenden Backenzähnen, die allmählich von hinten her durch neuere ersetzt werden, und an der Schnauzenspitze stehenden Nasenlöchern. Von den drei Arten ist der schmalschnauzige L. (M. americanus Desm.) 3 m lang, 50 cm hoch, mit wenigen borstigen Haaren auf der bläulichgrauen Haut und abgestutzter, borstenreicherer Oberlippe; er lebt gesellig an den Küsten Mittel- und Südamerikas, steigt weit in den Flüssen, besonders in dem Amazonas und Orinoko und deren Nebenströmen, empor und nährt sich von Wasserpflanzen. Das Weibchen soll ein oder zwei Junge werfen und große Anhänglichkeit an sie zeigen. In der Gefangenschaft wird der L. sehr zahm. Wegen des sehr schmackhaften Fleisches, das auch gesalzen und gedörrt wird, des genießbaren und als Leuchtmaterial verwendbaren Fettes und der starken Haut, die man zu Riemen zerschneidet, wird das Tier eifrig verfolgt und ist daher jetzt viel seltener als früher. Die zweite Art, M. latirostris Harlan, lebt ebenfalls an den Küsten Südamerikas, die dritte Art an der Westküste des tropischen Afrika und in den dort mündenden Strömen bis in die großen Seen.
 
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Lamar, Lucius Quintus Cincinnatus, amerikanischer Staatsmann, geb. 1. Sept. 1825 in Putnam County (Georgia), von hugenottischer Abkunft, studierte die Rechte, ward Advokat in Mason und 1849 Professor an der Mississippi-Universität in Oxford (Mississippi), bis er sich 1854 auf seiner Pflanzung im Staat Mississippi niederließ. Seit 1857 Mitglied des Kongresses, schloß er sich 1861 der Sezession an, diente als Oberstleutnant in der konföderierten Armee und erhielt 1863 eine diplomatische Mission nach Rußland. 1866 ward er wieder Professor in Oxford, 1872 Mitglied des Repräsentantenhauses und 1877 des Bundessenats, wo er für die Interessen der Südstaaten und für Steuerreform eifrig eintrat. Vom 4. März 1885 bis Januar 1888 war er Minister des Innern.

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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