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Lage bis Lager (Bd. 6, Sp. 43 bis 45)
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Artikelverweis Lage (Laage), Stadt im Fürstentum Lippe, an der Werre, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Herford-Altenbeken, L.-Hameln und L.-Bielefeld, hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Amtsgericht, Zucker-, Zündschnur-, Stuhl- und Möbelfabrikation, Weberei und (1900) 5306 Einw.
 
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Lageabweichung eines Eingeweides, d. h. vorübergehend oder dauernd abnorme Lage eines normalen Organs im Körper, die angeboren sein kann, meist aber erst während des Lebens durch schädliche Einflüsse entsteht. Die angeborne L. tritt zuweilen unter der Form von Mißbildungen auf, soz. B. die sogen. Ektopie des Herzens, wobei letzteres durch eine Spalte in der vordern Brustwand frei nach außen tritt, etc. Zuweilen kommt eine L. auch bei scheinbar normal gebauten und vollkommen gefunden Individuen vor. So sind manchmal die Organe, die normal in der linken Körperhälfte liegen, nach rechts verlegt und umgekehrt (situs inversus). Die Herzspitze liegt dann unter der rechten Brustwarze, die Leber in dem linken, die Milz in dem rechten Hypochondrium. Diese L. vermag im Leben nur der in der Kunst des Beklopfens und Behorchens des Körpers geübte Arzt zu erkennen, während der betreffende Mensch selbst gewöhnlich nichts davon weiß, da sie ohne Einfluß auf sein Befinden ist. Während des Lebens entstehende L. wird oft die Quelle mannigfacher Leiden und Gegenstand ärztlicher Behandlung, wie die Unterleibsbrüche, Darmverschlingung etc. Andre Lageabweichungen bedingen seltener krankhafte Zustände, wie die wandernde Milz oder die Wanderniere und die Wanderleber. Diese Organe sind nicht losgelöst aus ihren organischen Verbindungen, sondern es haben sich nur infolge krankhafter Einflüsse ihre Aufhängebänder oder die im Körper sie sonst an ihrer Stelle festhaltenden bindegewebigen Häute und Stränge mehr oder weniger gelockert, so daß die Organe eine gewisse abnorme Beweglichkeit erlangen, die aber weniger durch die wechselnde Lage als durch die dadurch bedingten Zerrungen an den mit sympathischen Nervenfasern versehenen Mesenterien etc. zu tiefern Störungen Anlaß geben. Über die Ursachen der Lageabweichungen und über die Bedingungen, unter denen sie auftreten, ist man vielfach im unklaren; wenigstens gilt dies von den angebornen Lageabweichungen. Bei den erworbenen Lageabweichungen vermag die ärztliche Kunst Hilfe zu gewähren, in manchen Fällen allerdings nur durch operative Behandlung. Glénard hat als

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eine besondere Krankheit die Enteroptose (»Fall der Eingeweide«) aufgestellt, bei der besonders infolge von Erschlaffung der Bauchdecken (daher besonders häufig bei Frauen, die öfter geboren hatten) ein Herabsinken der Baucheingeweide stattfindet, wodurch Verstopfung und ähnliche Beschwerden entstehen. Über L. der Gebärmutter s. Meyers Gebärmutterkrankheiten.
 
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Lägel (Legel, Lögel), kleines rundes Holzgefäß für Heringe etc., in Berglandschaften mit länglich ovalem Boden zum Fortschaffen auf Saumtieren; als Weinmaß in der Ostschweiz = rund 45 Lit.; in der Steiermark bis 1875 für Stahl etc. = 125 Wiener Pfund oder 70 kg und so auch in Stettin, für inländischen Stahl aber = 46,77 kg gerechnet.
 
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Lagēna (lat.), Anlage der spätern Schnecke im Ohr der niedern Wirbeltiere, s. Meyers Gehör, S. 484.
 
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Lagenarĭa, s. Meyers Kürbis.
 
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Lagengneis, Gestein, s. Meyers Gneis.
 
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Lagenschüttung, s. Meyers Damm.
 
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Lageplan (Situationsplan), s. Meyers Grundriß.
 
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Lager (lat. Campus), Unterbringung einer Truppe außerhalb bewohnter Orte. Man unterscheidet Meyers Biwaks (s. d.), Hütten-, Zelt- und Barackenlager. Eine Erweiterung der L. sind die stehenden oder Übungslager oder Truppenübungsplätze der neuesten Zeit. Über verschanzte L. s. Meyers Feste Stellungen. Die Zeltlager bedingen durch Mitführung der Zelte eine die Beweglichkeit der Truppe beschränkende Vermehrung des Trains. Ist es nötig, gegen Witterungseinflüsse einen Schutz zu schaffen, den das Biwak nicht gewährt, so werden Hüttenlager errichtet. Die Meyers Hütten (s. d.) werden je nach der Zeit, Zweck und Material in verschiedenen Größen und Formen gebaut. Bleibt die Truppe längere Zeit auf der Stelle, z. B. vor Festungen, so werden hier dauerhaftere Hütten erbaut. Je nachdem die Zelt- oder Hüttenreihen senkrecht zur Lagerfront stehen oder ihr parallel laufen, unterscheidet man Gassen- und Linienlager. Bei jenen werden zwei Zeltreihen immer von demselben Truppenteil belegt und stehen mit den Zeltöffnungen sich gegenüber; der Zwischenraum von etwa 20 m bildet die Lager- (Kompanie-) Gasse. Die Rücken der Zelte zweier benachbarter Lagergassen haben nur einen Abstand, die Brandgasse. Für die Pferde wird eskadron- und batterieweise in Verlängerung der Zeltreihe nach der Front zu mittels der Pikett- (Kampier-) Pfähle, die durch eine Stall- (Kampier-) Leine verbunden werden, der Stall aufgeschlagen. Die Pferde werden an der Stalleine angebunden. Übungslager haben den Zweck, größere Truppenabteilungen in der Stärke von Divisionen oder Armeekorps auf längere Zeit zu gemeinschaftlichen taktischen Übungen zu vereinigen.
   Bei den Griechen wurde der Lagerplatz in bezug auf natürliche Verteidigungsfähigkeit mit großem Verständnis im Gelände ausgesucht. Das spartanische L. war kreisrund. Bei den Römern hatten die Taktik wie die täglichen Märsche ein befestigtes L. zur Basis. Sie unterschieden Winterlager (castra hiberna) und Sommerlager (castra aestiva); letztere waren die beständigen Stützpunkte der Operationen und wurden am Abend jedes Marschtages nen errichtet. Nach Polybius bildete das L. (s. den Plan) ein Quadrat, die Front gegen den Feind, in derselben das Haupttor (porta praetoria), durch das eine Straße zum Feldherrnzelt (praetorium) u. zum Tor in der Rückfront (porta decumana) führte. Vor dem Prätorium führte die via principalis parallel der Front quer durch das L. nach den Seitentoren (porta principalis dextra und sinistra). Die Zelte, aus Leder, waren gewöhnlich für 10 Mann und ihren Dekanus berechnet. Die Verschanzung bestand aus Graben und dahinterliegendem Wall, der nicht Schutz, sondern erhöhte Stellung gewähren sollte; auf seiner Krone standen Kämpfer und Geschütze (Katapulten) hinter einer Palisadenbrustwehr (torica). In den Winter- oder Skandlagern wurden diese Brustwehren durch Erdvorlagen widerstandsfähiger gemacht und Türme, meist mit Geschützen armiert und durch Wachen besetzt, angelegt; statt der Zelte wurden Holz- oder Erdhütten gebaut. War es nötig, zur Sicherung der Herrschaft in dem besetzten Lande diesen Lagern größere Dauer zu geben, so wurden Steinbauten ausgeführt, und so entstanden die festen L., aus denen sich dann, wie namentlich die Limes-Forschung ergeben hat, viele jetzt blühende Städte am Rhein entwickelt haben. Die Marschlager

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der Germanen waren Wagenburgen, aus den Karren des Trosses hergestellt, Rad an Rad nebeneinander mit aufgehobener Deichsel in konzentrischen Ringen aufgestellt; sie dienten als Schutzwall, der jedoch bei Standlagern durch Palisadierungen etc. verstärkt wurde. Ähnlich waren die L. zur Zeit der Kreuzzüge. Einen eigentümlichen Charakter erhielt das Lagerwesen durch die Hussiten (Anfang des 15. Jahrh.), die mit ihren ganzen Familien auf Wagen ins Feld zogen. Auf der Verwendung dieses großen Wagentrosses mit verhältnismäßig zahlreichen Geschützen als Wagenburg (Tabor, daher Taboriten) beruhte die von Ziska ausgebildete Kampfweise der Hussiten. Die Wagen fuhren in vier Reihen hintereinander; die über die innern Reihen übergreifenden Flügel der äußern (ersten und vierten) Reihe wurden, um das L. oder den Tabor zu bilden, zusammengezogen. Diese Kampfweise wurde auch von den Deutschen im 15. Jahrh. angenommen. Die L. der Landsknechte waren ähnlich den römischen eingerichtet; innerhalb derselben waren die Nationen, wie Reiter und Fußvolk voneinander getrennt; letzteres zunächst dem Feinde, dahinter der Feldherr. Die Geschütze standen am Lärmplatz, die Troßwagen mit Fuhrleuten in besondern Quartieren oder außerhalb. Die Wagenburgen hielten sich noch bis Mitte des 17. Jahrh. Der Lineartaktik (18. Jahrh.) waren die Zeltlager in Verbindung mit der Magazinverpflegung eigentümlich, welche die Bewegungen ungemein erschwerte. Die schnellen Operationen der französischen Revolutionsheere schafften die Zelte ab und führten das Biwakieren und Kantonieren ein.
   Das erste Übungslager wurde von Napoleon I. 1804 bei Boulogne für etwa 100,000 Mann errichtet. Das nächste ist das L. von Châlons, das zuerst 1857 bezogen wurde, und für das Napoleon III. sich besonders interessierte. Für alle Staaten, mit Ausnahme Preußens, diente das L. von Châlons mit seinen Einrichtungen als Muster. Hatte man indessen Offiziere und Truppen damit an das Feldleben gewöhnen wollen, so erkannte man bald die Täuschung. Das Lagerleben entsittlichte. Die stets in gleichem bekannten Gelände stattfindenden Übungen zogen eine schematische Ausbildung groß. Man erkannte in französischen Offizierkreisen diese Schäden offen an. Wenn heute noch L. ähnlicher Art bei St.-Maur, Satory, Sathonay, Lannemegan, St.-Medard, Calais etc. errichtet worden sind, sprechen dabei wohl mehr politische als militärische Gründe mit. In großartigerer Weise finden, veranlaßt durch die Zersplitterung der Truppenteile auf viele Garnisonen, Zusammenziehungen von Truppenmassen in Übungslagern in Rußland statt. Das bedeutendste L. ist das bei Krasnoje Seló, 25 km südwestlich von Petersburg. Alle Fußtruppen lagern in viereckigen Zelten, die Kavallerie und reitende Artillerie kantonieren auf den umliegenden Ortschaften, weil das Klima für das Lagern der Pferde im Freien nicht günstig ist. Die L. bei Warschau, Moskau, Wilna, Kowno, Grodno, Kiew, Luzk, Beuder, Tschugujew und Ielissawetgrad sind von ganz ähnlicher Einrichtung. Österreich hat ein Übungslager bei Bruck a. d. Leitha errichtet, in dem ein Teil der Mannschaften in Holzbaracken, der andre Teil in Zelten von so außerordentlicher Größe untergebracht ist, daß 35 Mann in einem Zelt liegen und jede Kompanie nur vier Zelte hat. Die Pferde stehen im Freien an hölzernen Barrieren befestigt. Außerdem bestehen L. für die Ausbildung von Landwehrformationen in Pilis-Csaba etc., Artillerie-Schießplätze in Steinfeld, Hajmáskér bei Veßprém etc. In England sindÜbungslager nach französischem Muster bei Meyers Aldershot (s. d.) und Curragh angelegt. In Preußen, wo man dem Prinzip der fortschreitenden Manöver treu blieb, fanden deshalb die vorgenannten Übungslager keine Nachahmung. Indessen machen ökonomische Gründe bei Zusammenziehung der Artillerie zu den jährlichen Schießübungen und die gesteigerte Schießausbildung der Infanterie die Anlage von Barackenlagern auf Truppenübunsplätzen nötig. Auch das Exerzieren der Infanterie bis zum Brigadeverbande, größere Exerzitien andrer Waffengattungen, niemals aber Manövrierübungen mit gemischten Waffen finden hier statt. Mit wenigen Ausnahmen haben (1905) alle Armeekorps diese Truppenübungsplätze. Für die Fußartillerie ist schon seit längerer Zeit der Schießplatz in Wahn bei Köln (8.) und Thorn (17. Armeekorps) eingerichtet worden. Die Lagerkommandanturen verwalten den staatlichen Besitz und regeln die Lagerordnung, Verteilung des Übungsplatzes nach Zeit und Raum. Die Kommandanten sind Obersten oder Generalmajors. Vgl. Jähns, Geschichte des Kriegswesens (Leipz. 1880).
 
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Lager, in der Geologie sind L. von ihrer Umgebung abweichende Gesteins- oder Erdmassen, die innerhalb mächtiger geschichteter Gesteine auftreten, und zwar in ganz oder annähernd gleicher Erstreckung mit ihnen. Oft sind es nur Schichtenkomplexe (Flöze) dieser Gesteine selbst, imprägniert durch fremdartige Mineralien und Erze, wie z. B. das Kupferschieferflöz (s. Meyers Kupferschiefer); meist bestehen sie aus anderm Gesteinsmaterial (Steinkohlenlager), zuweilen auch aus Eruptivgestein, und werden dann auch wohl als Decken bezeichnet (vgl. Gesteine, S. 744). So kommen im Gneis und Glimmerschiefer, parallel ihrer Schieferung, Marmor- und Dolomit-, Kupferkies- und Magnetkieslager, im devonischen Tonschiefer Lager von Diabas vor. Die L., insonderheit die Meyers Erzlagerstätten (s. d., S. 94), stehen demnach im Gegensatz zu den Gängen (s. Meyers Gang). Lagerstöcke sind L. von geringer Ausdehnung nach Länge und Breite, Linsen solche, die sich bei geringer oder doch mäßiger Ausdehnung allmählich auskeilen. L. in der Botanik, s. Meyers Thallus. Im kaufmännischen Sinn ist L. der vorhandene Warenvorrat, daher auf L. arbeiten als Gegensatz zur Produktion auf Bestellung. Zur Aufnahme der L. dienen die Lagerräume, Speicher, Niederlagen oder Entrepots. Vgl. Zollniederlagen. L. in der Jägersprache, s. Meyers Bett, S. 774.
 
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Lager, Maschinenteile, welche die Meyers Zapfen (s. d.) von Wellen, Achsen etc. so unterstützen, daß sie sich um ihre geometrische Achse drehen können. Entsprechend den Zapfen unterscheidet man Traglager für Tragzapfen, bei denen der Zapfendruck im wesentlichen senkrecht zur Zapfenachse gerichtet ist, und Stützlager für Stützzapfen, bei denen der Zapfendruck im wesentlichen in der Achsenrichtung wirkt.
   Das einfachste Traglager besteht in einer zylindrischen Bohrung im Maschinengestell etc. (Augenlager). Besser wird in die entsprechend weitere Bohrung eine Büchse, d. h. ein Hohlzylinder aus geeignetem Material (Rotguß, Stahl), eingepreßt, die bei eingetretener Abnutzung erneuert werden kann. Ein vollkommen ausgebildetes L. besteht im wesentlichen aus dem Lagerkörper, den Lagerschalen und den nötigen Verbindungsteilen. Fig. 1 (S. 46) zeigt ein sogen. Stehlager, das auch wohl als Stirnlager, bez. Halslager bezeichnet wird, je nachdem die Welle am L. endigt oder noch weiter fortläuft.

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Die zeitweiligen Lagerschalen a, a aus Rotguß oder Gußeisen mit Weißmetallfutter (s. Figur), werden von dem Lagerkörper L und dem Lagerdeckel D, beide aus Gußeisen, aufgenommen, die durch die Schrauben d, d miteinander verbunden sind. Der Lagerdeckel trägt ein Schmiergefäß S, von dem aus das Schmiermaterial durch eine Bohrung in Deckel und oberer Lagerschale zu dem Zapfen gelangt. Zum Zwecke der Verteilung des Schmiermaterials ist die Lauffläche der Lagerschalen mit Schmiernuten versehen. Die angegossene Schale t ist zur Aufnahme des ablaufenden Öles bestimmt. Mittels der Schrauben e, e ist das L. auf seiner Unterlage befestigt. Wird das L. auf Mauerwerk montiert, dann kommt die gußeiserne Fundament- oder Sohlplatte F zur Verwendung, die durch die Ankerschrauben f, f mit dem Mauerwerk verbunden ist. Die beiden Lagerschalenhälften sitzen in der Trennungsfuge fest auseinander (s. Figur), oder sie sind durch Zwischenlagen aus Hartholz, Leder oder Blechen getrennt. Bei eingetretener Abnutzung müssen zwecks Nachstellung der Schalen diese an den Fugenflächen abgearbeitet, bez. die Zwischenlagen teilweise oder ganz entfernt werden. Der Zapfendruck soll nie in eine Schalenfuge fallen, weil alsdann eine eingetretene Abnutzung durch Nachstellen der Schalen nicht ausgeglichen werden kann.
   Das Sellers-Lager (nach Sellers in Amerika benannt, Fig. 2 und 3) besitzt verhältnismäßig sehr lange gußeiserne Lagerschalen, deren obere und untere kugelförmige Ansätze K1 und K2 in entsprechenden hohlkugelförmigen Vertiefungen im Lagerkörper und Lagerdeckel ruhen. Der gemeinschaftliche Mittelpunkt der sich berührenden Kugelflächen liegt in der Achse des Lagers. Infolge der hierdurch geschaffenen Beweglichkeit der Lagerschalen können sich diese in die Richtung der Welle selbsttätig einstellen, wodurch eine gleichmäßige Verteilung des Zapfendruckes über die ganze Länge der Lagerschale gesichert wird. Wegen der langen Lagerschalen ist der Flächendruck (d. h. der Druck auf die Flächeneinheit [1 qcm]) zwischen diesen und dem Zapfen gering, weshalb auch der Verbrauch an Schmiermaterial und die Abnutzung klein ausfällt. Die obere Lagerschale besitzt zwei Talgnäpfe. Bei etwaiger Vernachlässigung der Ölschmierung und dadurch hervorgerufenem Warmlaufen des Lagers schmilzt der eingelegte Talg und dient dann als Schmiermittel. Mitunter sind außer den Kugelflächen oben und unten auch noch solche an beiden Seiten von Lagerschalen und -Körper vorhanden zur Aufnahme eines etwaigen starken Seitendruckes.
   Fig. 4 zeigt ein Hängelager (Deckenlager) zum Befestigen an einer Decke od. dgl., Fig. 5 ein Konsollager zum Befestigen an einer Wand, einer Säule etc. Beide L. sind als Sellers-Lager ausgebildet. Die Lagerschalen sind in einem einseitig offenen Lagerkörper untergebracht und werden durch zwei kurze Schraubenspindeln S1 und S2 (Fig. 5) zusammengepreßt. Liegt die Befestigungsfläche des Lagers in größerer Entfernung unterhalb des Zapfens, so daß der Lagerkörper die Form eines zweibeinigen Gestelles annimmt, dann heißt das L. Bocklager. Soll ein L. in einer Mauer untergebracht werden, so geschieht dies meist mittels eines Mauerkastens (Fig. 6), der in die Mauer eingesetzt ist. Eine wesentliche Vervollkommnung hinsichtlich der Zuführung des Schmiermittels bildet die Ringschmierung. Fig. 7 und 8 zeigen ein Ringschmierlager. Der Lagerkörper ist unten als Ölbehälter ausgebildet. In einem die Lagerung des Zapfens in zwei Teile trennenden ringförmigen Raume befindet sich der auf der Welle aufgeklemmte Ölring a, der unten in das Öl eintaucht. Bei der Rotation wird das an diesem Ring anhaftende Öl nach oben in den Behälter c befördert, wo es die Zunge b abstreicht. Durch die beiden Löcher d, d und mehrere Schmiernuten in den Lagerschalen verteilt sich das Öl über die Lauffläche. Hierdurch wird eine ununterbrochene, reichliche Schmierung ohne Ölverlust bewirkt. Statt des auf der Welle festsitzenden Ringes werden auch ein oder zwei mit

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großem Spielraume lose auf der Welle hängende, weite Schmierringe benutzt, die durch die Reibung von der Welle mitgenommen werden.
   Erfolgt der Zapfendruck abwechselnd nach verschiedenen Richtungen, wie z. B. bei den Kurbellagern liegender Dampfmaschinen, dann muß zum Ausgleich der entstehenden Abnutzung der Lagerschalen eine entsprechende Nachstellbarkeit derselben vorgesehen werden. Fig. 9 zeigt ein solches Kurbellager mit vierteiliger Lagerschale. Die Abnutzung in horizontaler Richtung wird durch Nachstellen der beiden seitlichen Lagerschalen mittels der Keile k, k und Schrauben S, S bewirkt, während die Abnutzung der untern Lagerschale durch Annäherung der obern nach Entfernung einiger Zwischenlagen auszugleichen ist.
   Die gleitende Reibung zwischen Zapfen und Lagerfläche wird in rollende Reibung übergeführt bei den Rollen- und Kugellagern. Bei erstern ist der Zapfen von einer Anzahl zylindrischer Rollen umgeben, die in einem geeignet gestalteten Lagerkörper Stützung finden. Fig. 10 u. 11 zeigen ein Kugellager (für Förderwagen geeignet). Auf der Welle sitzt ein Ring a, der außen mit einer ringsum laufenden, flachen Rinne versehen ist. Ein zweiter diesen umschließender Ring b, der innen eine ebensolche Rinne besitzt, ist in den Lagerkörper eingesetzt. Zwischen beiden Ringen rollen in den gegeneinander gekehrten Rinnen Kugeln c. Ringe und Kugeln sind aus gehärtetem Stahl. Kugellager brauchen sehr wenig Öl. Sie finden außer bei Fahrrädern und Automobilen neuerdings in zahlreichen Fällen mit gutem Erfolge Verwendung. Sonderkonstruktionen von Traglagern bilden die Achsbüchsen der Eisenbahnfahrzeuge, die L. mancher Dampfturbinen, die aus Glas od. Edelsteinen bestehenden Lagerbüchsen in Uhren etc., ferner die Schneidenlager bei Wagen, die Rollenlager bei Brückenträgern. Stützlager. Die einfachste, primitivste Stützung für den ebenen oder gewölbten Spurzapfen bildet die Spur, d. h. eine der Zapfenform angepaßte Vertiefung in einem Maschinenteil etc. Eine sorgfältigere Lagerung gewährt die Spurpfanne, eine an der einen Seite geschlossene Büchse aus Stahl oder Bronze, die in das Maschinengestell etc. eingesetzt ist. Ein vollständig ausgebildetes Spur- oder Fußlager zeigt Fig. 12. In einem gußeisernen Lagerkörper befindet sich die Spurplatte a, die den in der Richtung der Zapfenachse wirkenden Druck aufzunehmen hat. Sie besteht aus Stahl oder Bronze, ist an der Lauffläche mit Schmiernuten versehen und unten kugelig, damit sie sich nach der Druckfläche des Zapfens einstellen kann. Die Büchse b aus Rotguß ist zur Aufnahme

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seitlicher Kräfte bestimmt. Setzt sich die Welle durch das L. hindurch fort, so muß dem dann entstehenden ringförmigen Stützzapfen entsprechend das L. mit ringförmiger Lauffläche ausgebildet werden. Eine Vereinigung mehrerer ringförmiger Stützlager bildet das Kammlager (Fig. 13), das für starke Zapfendrucke sich eignet und hauptsächlich für die Schraubenwellen der Schraubendampfer benutzt wird. Die einzelnen Bunde a des Kammzapfens stützen sich gegen die in dem Lagerkörper festgehaltenen Ringe b aus Bronze. Für die Druckflächen ist außer Bronze auch Weißmetall geeignet.
   Eigenartige Stützlagerkonstruktionen finden sich bei den Turbinenwellen. Bisweilen wird hier bei starker Zapfenbelastung das Öl den auseinander gleitenden Flächen durch eine Pumpe unter Druck zugeführt. Man hat auch versucht, die Turbinenwelle an ihrem untern Ende in einen Zylinder dicht einzuschließen, in den Wasser eingepreßt wird. Hierdurch wird die Vertikalbelastung der Welle ganz oder teilweise von dem eingeschlossenen Druckwasser aufgenommen und damit das über Wasser vorhandene Stützlager erheblich entlastet. Für L., die unter Wasser angeordnet sind, so daß die Laufflächen ständig bespült werden, hat sich als Lagermaterial Pockholz gut bewährt. Die Ausbildung der Stützlager als Kugellager gestaltet sich weniger günstig als bei den Traglagern.
   Infolge der Reibung zwischen Zapfen und L. wird Wärme erzeugt. Damit ein unzulässiges Warm- oder Heißlaufen dieser Teile nicht eintritt, muß die Wärmeentwickelung innerhalb gewisser Grenzen bleiben und eine Abführung der erzeugten Wärme stattfinden. Diese Forderungen werden befriedigt durch die Wahl eines geeigneten Lagermaterials, durch möglichste Glätte der auseinander gleitenden, bez. rollenden Flächen, durch ausreichende Schmierung mit zweckentsprechenden Schmiermitteln, durch die Wärmeabführung begünstigende Formgebung des Lagers und nötigenfalls durch Anordnung einer Wasserkühlung. Vgl. Reuleaux, Der Konstrukteur (4. Aufl., Braunschw. 1899); Bach, Die Maschinenelemente (9. Aufl., Stuttg. 1903, 2 Bde.).

 

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Artikel 91 bis 100 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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