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Kyros bis Kyzĭkos (Bd. 6, Sp. 905 bis 906)
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Artikelverweis Kyros (Cyrus, pers. Kûrusch, Koresch), 1) K., gewöhnlich der Ältere genannt, der Gründer des altpersischen Reiches, Sohn des Kambyses, eines Persers aus dem Geschlecht der Achämeniden, dem alten Königshaus der Perser. Der Sage nach war des K. Mutter Mandane eine Tochter des medischen Königs Astyages. Traumdeuter, so heißt es, hatten einen Traum des letztern dahin ausgelegt, daß er durch die Hand eines Enkels seiner Krone verlustig gehen werde. Um dem vorzubeugen, hatte Astyages seine Tochter an Kambyses, einen Mann aus dem unterworfenen Volk der Perser, vermählt und befahl, als diese einen Knaben geboren hatte, seinem Vertrauten Harpagos, das Kind zu töten. Dasselbe wurde aber einem Hirten übergeben, der es erzog. Schon im Knaben äußerte sich der königliche Sinn, und als er einst beim Spiel mit andern Knaben, die ihn zum König erwählt hatten, den Sohn eines hohen Beamten hatte züchtigen lassen u. deswegen sich vor Astyages rechtfertigen sollte, erriet dieser aus dem stolzen Benehmen des Knaben dessen Abkunft. Den erschreckten König beruhigten zwar die Aussprüche der Magier, und er sandte K. zu seinen Eltern zurück; Harpagos aber setzte er zur Strafe für seinen Ungehorsam dessen eignen Sohn als Speise vor. Aus Rache bewog dieser später den K., mit einem Heer Perser in Medien einzudringen, wo Harpagos mit den medischen Truppen zu ihm überging. Astyages ward (etwa 550 v. Chr.) geschlagen, entthront und gefangen. Diese romanhafte Erzählung ermangelt doch nicht eines historischen Kerns; aus einer babylonischen Inschrift wissen wir jetzt, daß in der Tat, als Kûrusch, der Unterkönig von Anschân (Pasargadä?), sich um 550 gegen Astyages empörte, ein Teil des medischen Heeres zu ihm überging. Jedenfalls siegte K. und nahm Astyages gefangen; damit wurden die Perser das herrschende Volk im iranischen Reiche. K. eroberte darauf das obere Mesopotamien und andre Länder und nach Besiegung des Krösos (546) auch Lydien. Nach der Eroberung von Sardes boten sich ihm auch die vorher übermütigen kleinasiatischen Griechen als Bundesgenossen an. K. aber nahm nur Milet an und schickte gegen die übrigen seine Feldherren Mazares und Harpagos, die die Unterjochung der Ionier und Äolier vollendeten. Schließlich nahm er auch Babylon ein, die Hauptstadt der damaligen Welt (539). Er verwandelte Babylonien in eine persische Provinz und erlaubte den exilierten Juden die Rückkehr in ihr Vaterland. Darauf widmete er sich der innern Organisation seines Reiches, weshalb der griechische Geschichtschreiber Xenophon seine Regierung in seiner »Kyropädie« als historische Grundlage seines Regentenspiegels benutzte. Über den Tod des K. existieren die verschiedensten Berichte. Nach Herodot soll er im Kriege mit den Massageten, einem kriegerischen Skythenvolk jenseit des Jaxartes, umgekommen sein. Die feindliche Königin Tomyris soll seinen Kopf haben abschneiden und in einen mit Blut gefüllten Schlauch tauchen lassen, damit er seinen Blutdurst stillen könne. Nach zuverlässigern Berichten fiel er 530 im Kampfe gegen die Derbiker im nordöstlichen Iran. Er hinterließ zwei Söhne, Kambyses, seinen Nachfolger, und Bardija (Smerdis). Vgl. A. Bauer, Die Kyrossage und Verwandtes (Wien 1882); R. Schubert, Herodots Darstellung der Cyrussage (Bresl. 1890); Lindl, Cyrus. Entstehung und Blüte der altorientalischen Kulturwelt (Münch. 1903). Das Grabmal des K. in der Ebene von Murghâb, der Stätte des alten Pasargadä, ist ca. 11 m hoch und besteht aus einem terrassenförmig aufsteigenden Unterbau von sieben Stufen und einem oblongen, von einem schrägen Steindach bedeckten Gebäude. Das Ganze ist aus weißem Marmor (s. Tafel Meyers »Architektur II«, Fig. 7).
   2) K., der Jüngere, der zweite Sohn des Dareios Nothos, erhielt 407 v. Chr. den Oberbefehl über ganz Kleinasien und leistete den Spartanern gegen Athen wirksamen Beistand. Als nach seines Vaters Tod (404) sein älterer Bruder, Artaxerxes Mnemon, den Thron bestieg, wurde er, hochverräterischer Umtriebe verdächtig, zum Tode verurteilt, doch auf Verwendung seiner Mutter Parysatis begnadigt und sogar

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in seiner Stellung gelassen. Im Frühjahr 401 rüstete K. dennoch gegen seinen Bruder und rückte über Tarsos nach Issos. Hier deckte seine Flotte unter dem Ägypter Tamôs, vereinigt mit einem spartanischen Geschwader, die Pässe Kilikiens, und K. zog darauf, ohne angegriffen zu werden, über Thapsakos meist das linke Ufer des Euphrat entlang bis in die Ebene von Kunaxa, 500 Stadien von Babylon. Hier stieß er auf Artaxerxes, der ein Heer gesammelt hatte, das nach Ktesias gegen 400,000 Mann, nach der, von Xenophon übrigens nicht verbürgten, Angabe in der »Anabasis« über eine Million betrug, wogegen die ganze Streitmacht des K. nur ungefähr 13,000 Griechen und 100,000 Asiaten zählte. K.' Heer wurde geschlagen, nachdem er selbst im Kampf, als er auf seinen Bruder einzudringen versuchte, gefallen war (401). Dies und den berühmten Rückzug der 10,000 Griechen hat Xenophon in seiner »Anabasis« erzählt.
 
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Kyrrhestĭka, im Altertum Landschaft im nördlichen Syrien, zwischen Antiochia und Kommagene, das Gebiet der von den Mazedoniern benannten Stadt Kyrrhos (heute Choros).
 
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Kyselack, Joseph, als Sonderling bekannter Reiseschriftsteller, geb. 1795 in Wien, gest. daselbst 1831 als Registratur-Akzessist in der Hofkammer, ist durch seine Manie, seinen Namen überall, selbst an den höchsten Felsen der von Touristen besuchten Gegenden, in großen Buchstaben anzubringen, zu einer typischen Figur geworden. Er schrieb: »Skizzen einer Fußreise durch Österreich, Steiermark, Kärnten etc.« (Wien 1829, 2 Bde.).
 
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Kystoma, s. Cystoma.
 
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Kystoskopie (griech.), s. Cystoskopie.
 
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Kysyl, s. Meyers Kisil.
 
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Kysylzen, kleines tatarisches Volk im Hochtal des Jenissei, in den Kreisen Minussinsk und Atschinsk des russisch-sibir. Gouv. Jenisseisk, das eine fast ganz türkische Sprache spricht und Ackerbau u. Viehzucht treibt.
 
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Kythēra (neugriech. Kýthira, ital. Cerigo), die südlichste der Ionischen Inseln (s. Karte »Griechenland«), 10 km von der Südostspitze von Morea entfernt und am Eingang zum Lakonischen Meerbusen, ist fast 30 km lang und bis 16 km breit, stellt ein im Vigla (Wachtelberg) bis 510 m hohes Plateau von 284 qkm Fläche dar. Die Nordspitze bildet das Kap Spathi (im Altertum Platanistus), die Südspitze Kap Trachili. K. ist die Fortsetzung der mittelpeloponnesischen Gebirge (Taygetos) und besteht aus kristallinischen Schiefern mit Einlagerungen kristallinischen Kalkes sowie aus Tripolitzakalken (der obern Kreide und dem Eocän angehörend) und neogenen Mergeln, Sandsteinen, Kalksandsteinen und Kalkkonglomeraten. Die landschaftlichen Schönheiten sind wegen der Einförmigkeit der Oberflächengestalt und Vegetation gering. Der Wald fehlt völlig, und um Weide zu gewinnen, wird auch das Gestrüpp immer mehr zurückgedrängt. Der Ackerbau (neben Flachsbau besonders Wein-, Korinthen- und Olivenbau) überwiegt die Viehzucht, die indessen ausgedehnt und fast ausschließlich Kleinviehzucht ist. Sehr erheblich ist auch die Bienenzucht, die trefflichen Honig liefert. Die Küsten sind steil und wegen der heftigen Strömungen etc. für die Schiffahrt gefährlich. Das Klima ist mild. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 18,7°, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 597 mm bei durchschnittlich 66,2 Regentagen. Der Sommer ist regenlos. Schwindsucht und Malaria sind sehr verbreitet, Erdbeben nicht selten. Die Bevölkerung zählte 1896: 12,306 meist griech. Einwohner. Viele der Bewohner suchen in Morea und Kleinasien Landarbeit. K. bildet mit Antikythera eine Eparchie des Nomos Lakonien. Hauptstadt ist K. (früher Kapsali) mit 1896: 814 Einw., an der Südküste, wo auch der Bischof residiert. Den besten Ankerplatz hat Hagios Nikolaos, an der Ostseite. Das alte Kythera war der Aphrodite heilig, weil hier die Göttin aus Land gestiegen sein sollte. Ihr von den Phönikern, die sich hier infolge des Reichtums von Purpurschnecken früh niedergelassen hatten, eingeführter Kultus sowie der des Adonis verbreitete sich von hier über das Festland. Vor 570 waren die Argeier Herren der Insel, dann die Spartaner, die es durch einen besondern, jährlich wechselnden Beamten (Kytherodikas) verwalten ließen. Die Athener richteten mehrfach ihre Angriffe gegen dies Außenwerk Spartas, und es gelang ihnen dreimal (455, 424 und 393 v. Chr.), sich in seinen Besitz zu setzen. Bei der Teilung des römischen Reiches fiel es dem byzantinischen Reiche zu, war nach dem siegreichen Einbruch der Türken lange Zeit ein Zankapfel zwischen diesen und den Venezianern und teilte dann das Schicksal der sieben Ionischen Inseln, mit denen K. 1864 dem Königreich Griechenland einverleibt wurde. In der Mitte der Ostküste sind Reste der Stadtmauern von Kythera erhalten, westlich davon der Unterbau und einige Säulentrümmer vom Tempel der Aphrodite Urania. Vgl. Leonhard, Die Insel K. (Ergänzungsheft 128 zu »Petermanns Mitteilungen«, Gotha 1899).
 
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Kythereia, Beiname der Aphrodite, von der ihr geweihten Insel Kythera.
 
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Kythnos, griech. Insel im Ägäischen Meer, zur westlichen Reihe der Kykladen, Eparchie Kea, gehörig, eine 76 (nach andern 85) qkm große und bis 350 m hohe, von Tälern zerschnittene Glimmerschiefertafel mit Kalksteinen und Marmoren und bedeutenden, einst abgebauten Spat- und Roteisensteingängen. Die Einwohner, (1896) 4353, bringen besonders Maulesel zur Ausfuhr und sind meist Seeleute, Viehzüchter oder Weinbauer. Die Hauptstadt K., auch Chora oder Messaria genannt, hat einen Hafen, Hagios Irini, wo sich mehrere heiße, hauptsächlich salzsaure, Soda und Magnesia enthaltende Heilquellen von 4055° finden, von denen die Insel ihren modernen populären Namen Thermia hat. An der Westküste die Reste der antiken Stadt K. Vgl. Hauttecoeur, L'île de K. (»Bull. Soc. Belge de Géogr.«, 1897); Philippson im Ergänzungsheft 134 zu »Petermanns Mitteilungen«, (Gotha 1901).
 
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Kyzĭkos, milesische Kolonie in Mysien, auf der Südspitze der Insel Arktonnesos in der Propontis (Marmarameer), die heute mit dem Festland zusammenhängt, beherrschte in ihrer Blütezeit (4.2. Jahrh. v. Chr.) die Inseln der Propontis und Teile der mysischen Küste. 410 v. Chr. besiegte bei K. Alkibiades die Spartaner zur See und zu Lande. Von Mithradates 74 v. Chr. hart belagert, wurde die Stadt durch Lucullus entsetzt, verlor aber unter Tiberius ihre Freiheit. Dennoch blieb sie noch lange durch Handel, Fischfang und Schiffahrt blühend, bis mehrere Erdbeben, besonders 443 n. Chr., und die Eroberung durch die Araber (675) sie völlig vernichteten. Ruinen Balkizserai. Der griechische Erzbischof mit dem Titel von K. ist der vierte im Range nach dem ökumenischen Patriarchen und residiert im nahen Artaki.

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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