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Kyd bis Kykladen (Bd. 6, Sp. 899 bis 900)
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Artikelverweis Kyd, Thomas, engl. Dramatiker, geb. um 1560 vermutlich in London, gest. daselbst 1595, erzogen

[Bd. 6, Sp. 900]


an der Merchant Taylors' Schule, wurde zuerst Notar, bearbeitete dann den aus Saxo Grammaticus geschöpften Hamletstoff (gegen 1589, »Urhamlet«, verloren) in einer Tragödie nach Art des Seneca und hatte viel Erfolg mit seinem Rachedrama »The Spanish tragedy« (gedruckt 1592), zu dem der später gedichtete »First part cf Jeronimo« als Vorspiel gehört. Er war mit Marlow befreundet, teilte dessen Freigeisterei und begründete mit ihm jene Verbindung von gelehrtem und Volksdrama, aus der Shakespeare hervorging. Später übertrug er noch das rein gelehrte Trauerspiel »Cornelia« von Garnier ins Englische (gedruckt um 1594). Seine Dramen sind neugedruckt in Dodsleys »Old plays« (Bd. 4 und 5, Lond. 1874) und von J. Boas (Oxf. 1901), die »Spanish Tragedy« auch einzeln von J. Schick (Lond. 1898 u. Berl. 1901). Die niederländischen und deutschen Bearbeitungen dieses Werkes gab R. Schönwerth (Berl. 1903) und »Cornelia« H. Gaßner (Münch. 1894) heraus. Vgl. G. Sarrazin, K. und sein Kreis (Berl. 1892).
 
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Kydathenaion, s. Meyers Athen, S. 26.
 
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Kydippe, nach einer griech. Liebessage die Tochter eines vornehmen Atheners, vor die bei einem Fest im Artemistempel zu Delos Akontios, ein Jüngling von der Insel Keos, einen Apfel hinwarf mit der Aufschrift: »Ich schwöre bei Artemis, mich dem Akontios zu vermählen«. K. hob den Apfel auf und las die Worte laut, warf ihn aber dann fort. Als sie ihr Vater vermählen wollte, ward sie vor der Hochzeit jedesmal krank. Als dem Vater das delphische Orakel offenbarte, dies geschehe infolge des Zornes der Göttin, weil sie den in ihrem Heiligtum getanen Schwur unerfüllt gelassen, vermählte er sie dem Akontios.
 
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Kydnos (Cydnus, jetzt Tarsus Tschai), Fluß in Kilikien, entspringt am Bulgar Dagh, nördlich von Tarsos, dessen Einwohnern seine jetzt versandete Mündung im Altertum als Hafen diente. Ein Bad in ihm hätte Alexander d. Gr. fast das Leben gekostet.
 
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Kydonĭa, uralte, schon von Homer erwähnte Stadt an der Nordküste von Kreta, am Pyknos, mit einem verschließbaren Hafen. In ihrem Gebiet war die Heimat der Quitten, die davon »kydonische Äpfel« genannt wurden. Heute Meyers Chania (s. d.).
 
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Kydoniä, s. Meyers Aiwalyk.
 
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Kyffhäuser, ziemlich isolierter, mit schönem Laubwald bestandener Bergrücken in Thüringen, zieht sich längs der Grenze des preußischen Kreises Sangerhausen und der Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt hin, nach N. steil zur Goldenen Aue abfallend, nach S. in das nordthüringische Bergland übergehend und durch ein tiefes Tal, das ihn der Länge nach durchzieht, im O. in zwei Teile geschieden. Der nördliche Hauptkamm trägt zwei Ruinen: am westlichen Ende über Kelbra die Rothenburg (386 m), auf dem östlichen Eckpfeiler, über Tilleda, die sagenreiche Burg Kyffhausen (457 m). Die letztere wurde wahrscheinlich im 10. Jahrh. zum Schutz der kaiserlichen Pfalz in Tilleda erbaut, wird zuerst 1115 erwähnt, war öfters Sitz der Hohenstaufen, wurde aber 1178 von den Thüringern und im 16. Jahrh. aufs neue zerstört. Die Ruinen dehnen sich weithin aus. Am bemerkenswertesten ist der viereckige Bergfried der Oberburg (vom Volk »Kaiser Friedrich« genannt), der, noch 22 m hoch, den ganzen Gebirgszug beherrscht. Auch von der Kapelle der östlich gelegenen Unterburg sind noch Trümmer vorhanden. Der Fels, auf dem das alte Kaiserschloß ruht, ist Rotliegendes und grobkörniger Sand; höchster Punkt des ganzen Gebirgszugs ist das Lengefeld (466 m). Unter den vielen Kyffhäusersagen ist die vom Kaiser Friedrich Barbarossa, der, im Innern des Berges schlafend, der Wiederherstellung der Einheit u. Macht Deutschlands harrt, die bekannteste; nach den neuesten Forschungen hat sich aber diese Sage, die schriftlich zuerst (1696) in einem Programm des Frankenhäuser Rektors J. Hoffmann vorkommt, ursprünglich auf Friedrich II. bezogen (vgl. Kaisersagen). Ein erhöhtes Interesse erhielt der K. durch das vom deutschen Kriegerbund 1890 bis 1896 errichtete, weithin sichtbare Denkmal für Kaiser Wilhelm I., nach dem Entwurf des Architekten Bruno Schmitz in Berlin. Der Unterbau besteht aus mehreren Terrassen, von denen die unterste einen Halbkreis bildet und auf Stützmauern von 94 m Durchmesser ruht. Auf der zweiten Terrasse steht an der Rückseite eines viereckigen Hofes in einer Rundbogennische das Standbild Friedrich Barbarossas (von Nikolaus Geiger). Treppen führen auf die mit zinnenartigen Mauern und kleinen Ecktürmen geschmückten Mittelterrassen und weiter zur obersten Terrasse, die von dem 28 m im Durchmesser fassenden Denkmalsunterbau gebildet wird. Aus ihrer Mitte ragt im Quadrat ein massiver turmähnlicher Bau 57 m hoch empor, der sich nach oben verjüngt und über seinem zinnenartigen Gesims von der mit Eichenlaub bekränzten deutschen Kaiserkrone gekrönt wird. Gerade über dem Standbild Barbarossas tritt aus der Mitte des Aufbaues auf halbkreisförmigem Postament, zu dessen Seiten allegorische Gestalten ruhen, das 9,5 m hohe, in Kupfer getriebene Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. (von Emil Hundrieser) heraus, hoch über ihm unter dem Gesims der Reichsadler mit dem Hohenzollernschild. Die Gesamthöhe des Denkmals beträgt 90 m. An der Nordseite der untern Terrasse steht ein Gedenkstein des Kyffhäuserverbandes der Vereine der Deutschen Studenten. Auf der Südseite des Gebirges befindet sich die Falkenburger oder Barbarossahöhle (s. Meyers Frankenhausen). Vgl. Richter, Das deutsche Kyffhäusergebirge (Eisleben 1876); Baltzer, Das Kyffhäusergebirge (2. Aufl., Rudolst. 1882); Petry, Vegetationsverhältnisse des Kyffhäusergebirges (Halle 1889); Lemcke, Der deutsche Kaisertraum und der K. (Magdeb. 1887, 4 Tle.) und Führer durch das Kyffhäusergebirge (2. Aufl., Sangerh. 1891); A. Fulda, Die Kyffhäusersage (das. 1889); Anemüller, K. und Rothenburg (2. Aufl., Delm. 1892); Grube-Einwald, Geognostisch-geologische Exkursionen im Kyffhäusergebirge (Frankenh. 1896).
 
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Kyffhäuserverband, s. Meyers Verein Deutscher Studenten.
 
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Kyjov, Stadt, s. Meyers Gaya 1).
 
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Kykduin (spr. keikdeun), Fort, s. Meyers Helder (Stadt).
 
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Kykladen, Inselgruppe im Ägäischen Meer (s. Karte »Griechenland«), die den Alten wie im Kreis um das heilige Eiland Delos gelagert erschien und daher K. (»Ringinseln«) genannt wurde, während die außerhalb des Kreises gelegene Gruppe Sporaden (»zerstreute Inseln«) hieß. Gegenwärtig bilden die 211 zu Griechenland gehörigen Inseln einen besondern Nomos des Königreichs, der in sieben Eparchien (Andros, Tinos, Syros, Kea, Milos, Naxos, Thira) zerfällt, mit einem Gesamtareal von 2695 qkm und (1896) 134,747 Einw. (davon 66,927 männliche, 67,820 weibliche) oder 50 Einw. auf 1 qkm, also im Vergleich zum Festland dicht bevölkert, ja übervölkert, was eine starke Auswanderung zur Folge hat. Hauptplatz und Verkehrsmittelpunkt war im Altertum Delos;

[Bd. 6, Sp. 901]


jetzt ist es Hermupolis auf Syra, das aber immer mehr von Piräeus überflügelt wird. Die K. erheben sich auf einem unterseeischen Plateau, das, an Attika und Euböa sich anschließend, nicht unter 500 m Tiefe sinkt, aber nach S. und O. steil zu großen Meerestiefen abstürzt. Die K. bestehen überwiegend aus Gneisen und kristallinischen Schiefern mit ziemlich mächtigen Einlagerungen von kristallinischem Kalk (Marmor). Schichtgesteine treten sehr zurück, dagegen setzen jungvulkanische Gesteine den größten Teil der Inseln Milos und Santorin zusammen. Heiße Quellen und Erdbeben sind häufig, aber vulkanische Tätigkeit findet sich nur noch auf Santorin. Die K. bilden die zertrümmerten Reste eines nach Ostwest streichenden Gebirges, das noch im mittlern Tertiär Griechenland mit Kleinasien verband. Das Klima erhellt aus folgenden Angaben:

Wegen ihrer Fruchtbarkeit und ihres milden Klimas nannte sie das Altertum die »Perlen von Hellas«, aber schon in der spätern Römerzeit hatte diese Bezeichnung nicht mehr die alte Geltung, obwohl die K. noch heute zu den wertvollsten Teilen Griechenlands gehören. Jetzt sind viele Inseln wasserarm, kahl und verbrannt. Dauernde Flüsse haben nur die höchsten und größten, weshalb Windmühlen eine charakteristische Erscheinung sind. Dennoch liefern sie bei sorgfältigem Bodenbau in den geschützten Tälern noch immer Wein, Öl, Baumwolle, Seide, Südfrüchte (Naxos erzeugt die besten Apfelsinen, Andros die besten Zitronen), Honig etc., und auch die Viehzucht (vor allem Kleinvieh, ferner Schweine, Rinder und Maultiere) ist bedeutend. Die brennende Hitze des Sommers wird durch die Seewinde gemildert, und ziehendes Federwild (Wachteln, Rebhühner etc.) rastet, zum Gewinn der Bewohner, in großer Anzahl noch heute auf den Inseln wie im Altertum. Die Bevölkerung, die in ihrer Abstammung von den Griechen unvermischter geblieben ist als die Bewohner des Festlandes, treibt Fischerei und lebhaften Handel, der durch die vielen trefflichen Häfen und die zentrale Lage der Inseln begünstigt wird. Auch Industrie, besonders Schiffbau, steht in Blüte. An Bodenschätzen sind die K. nicht arm. Berühmt ist der Marmor von Paros und der Schmirgel von Naxos. Ferner finden sich Eisenerze, Mangan-, zink- und silberhaltige Bleierze, dazu Schwefel, Bimsstein etc. Man teilt die K. ihrer Lage nach in: östliche, westliche und mittlere K. und eine westliche Seitengruppe. Die bedeutendsten unter den östlichen, die als insulare Fortsetzungen der Gebirge von Euböa betrachtet werden, sind: Andros, Tinos (Tenos), Mykonos, Mikra und Megali Dilos (Delos und Rhenäa), Naxia (Naxos), Amurgo (Amorgos); unter den westlichen, den Fortsetzungen der Gebirge von Attika: Kea oder Tsia (Keos), Thermia (Kythnos), Seriphos, Siphenos (Siphnos), Sikinos, Santorin (Thera). Zur mittlern Reihe gehören: Giura (Gyaros), Syra (Syros), Paros, Antiparos (Oliaros), Nio (Jos), Anaphi (Anaphe); zur westlichen Seitengruppe: Milos (Melos), Kimolos oder Argentiera, Polykandros (Pholegandros). Die größte und zugleich höchste Insel der K. ist Naxos (Oziá 1003 m). Alle von einer selbständigen Gemeinde bewohnten Inseln werden wöchentlich einmal von einem Dampfer angelaufen und haben unter sich telegraphische oder telephonische Verbindung. Über die Geschichte der K. s. Archipelagus und die einzelnen Inseln. Vgl. Philippson, Beiträge zur Kenntnis der griechischen Inselwelt (Ergänzungsheft 134 zu »Petermanns Mitteilungen«, Gotha 1901).

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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