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Kulfela bis Kulisseneinlauf (Bd. 6, Sp. 783 bis 784)
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Artikelverweis Kulfela, Ort in Westafrika, s. Meyers Gurma.
 
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Kuli (Coolie), in Vorderindien Name jedes Tagelöhners ohne Pachtbesitz, eine Verstümmelung des tamulischen woliya, nach andern von Meyers Kol (s. d.) abgeleitet; dann Bezeichnung für jeden aus Indien, dem Indischen Archipel, besonders aus China und Japan, nach tropischen Ländern zur Auswanderung veranlaßten Tagelöhner, der dort jene Arbeit verrichten soll, für die vor Unterdrückung des Sklavenhandels Neger angekauft wurden. In Britisch-Indien hat die außerordentliche Dichte der Bevölkerung in Madras zu einer mächtigen Auswanderung nach den Kaffee- (jetzt Tee-) Pflanzungen in Ceylon geführt, eine noch stärkere Auswanderung findet aus Bengalen nach den Teegärten von Assam statt. Zur Regelung dieser Auswanderung hat die indische Regierung sehr eingehende Verordnungen erlassen. Eine Anwerbung indischer Kulis für das Ausland begann 1842 von Mauritius aus, 1845 folgten Britisch-Westindien und Guayana, 1860 Natal, 1878 Fidschi. Von den französischen Kolonien führte Réunion zuerst 1860, Guayana und Französisch-Westindien 1873 und in demselben Jahr auch Surinam ostindische Kulis ein. Die Gesamtzahl der ausgewanderten indischen Kulis betrug 1897: 10,712, hob sich aber bis 1901 wieder auf 21,613, hauptsächlich wegen ihrer Verwendung beim Bau der Ugandabahn (18961901: 34,147). Die Auswanderung von Kulis nach französischen Kolonien (Réunion, Guayana, Westindien) hat seit 1888 ganz aufgehört. Die Heimkehrenden bringen oft bedeutende Ersparnisse mit sich. In China drängte die Dichte der Bevölkerung von jeher zur Auswanderung, die nach den Inseln des Indischen Archipels, nach Hinter- und Vorderindien seit langem stattgefunden hat. Mit der Entdeckung von Gold in Nordamerika und Australien seit 1850 begann schnell ein bedeutender Zug nach diesen Ländern, der aber infolge der seitens der Regierungen bereiteten Hindernisse später bedeutend abgenommen hat. Die Zahl sämtlicher Chinesen belief sich 1900 in den Vereinigten Staaten auf 90,167,1891 in Kanada auf 9129, in Australien 1901 auf rund 30,000, d. h. weniger als früher in der Kolonie Victoria allein. Hier hat das Fallen der Erträge der Goldfelder und die Einführung erschwerender Bedingungen (Kopfsteuer etc.) die Verminderung bewirkt. Während diese Auswanderung durchaus freiwillig war und die betreffenden Arbeiter als Kulis eigentlich nicht bezeichnet werden können, nahm sie mit Eröffnung der chinesischen Häfen durch den Frieden von Peking (1860) einen ganz andern Charakter an. Macao wurde der Mittelpunkt für die auch mit den verwerflichsten Mitteln erzwungene Auswanderung nach solchen Ländern, die Arbeiter für ihre Baumwoll- und Zuckerplantagen bedürfen. Indes schritten die englischen Behörden in Hongkong seit 1872 gegen die Schiffe, die mit geraubten Kulis Macao zusteuerten, energisch ein, und auch China erhob Beschwerde bei der portugiesischen Regierung, so daß letztere 30. Nov. 1873 sich genötigt sah, den Kulihandel in Macao gänzlich abzuschaffen. Diese Auswanderer erfuhren in Peru, wo 1876 sich 50,032 Kulis befanden, in Cuba (1877: 44,000) sowie in Kolumbien, wo bei den Eisenbahnarbeiten auf der Landenge von Panama chinesische Kulis in Masse hinstarben, die schmählichste Behandlung; eine menschenwürdige wurde ihnen in Peru und den spanisch-amerikanischen Besitzungen erst durch die seitens Chinas 26. Juni 1874 mit Peru und 6. Juni 1879 mit Spanien abgeschlossenen Verträge gesichert. Niederländisch-Indien empfängt seit geraumer Zeit einen

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starken und wachsenden Zufluß chinesischer Kulis, deren 1900 dort etwa 460,000 gezählt wurden. In jüngster Zeit hat auch eine zunehmende Auswanderung nach Kaiser Wilhelms-Land, ganz besonders aber nach Hawaï stattgefunden, wo 1900 sich 25,742 Chinesen und 58,500 Japaner befanden. Die letztern begeben sich seit den letzten Jahren in immer größern Zahlen als Arbeiter ins Ausland, wo man sie den Chinesen weit vorzieht. In den Vereinigten Staaten lebten 1900: 24,610 Japaner. Auch Malaien sind neuerdings in größerer Zahl als Arbeiter ausgeführt worden, so nach Ceylon, wo 1901: 11,963 lebten, und nach Kaiser Wilhelms-Land. Vgl. Ratzel, Die chinesische Auswanderung (Berl. 1876); Gottwaldt, Die überseeische Auswanderung der Chinesen (Brem. 1903).
 
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Kulierwaren, s. Meyers Wirkerei.
 
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Kulik (poln. Kulig), eine bis Donnerstag vor Palmsonntag fortgesetzte polnische Fastnachtslustbarkeit, die darin besteht, daß die Familie eines Gutsbesitzers den Nachbar für einige Tage besucht, dann mit diesem den nächsten Gutshof aufsucht und so fort, bis die Runde beim ganzen Kulik-Klub gemacht ist, wobei die Zahl der Gäste schließlich zuweilen auf 100 Personen steigt.
 
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Kulikoro, Ort im franz. Sudân, nordwestlich von Bammako (s. Senegambien), am Niger, wo die Nigerflottille stationiert ist und die Eisenbahn (seit 1905) vom Senegal endet. Diese berührt auch K.
 
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Kulikowo Polje (Kulikowsches Feld), Ebene beim Dorf Kulikowka im russ. Gouv. Tula, am Don, berühmt durch den Sieg des Großfürsten Dmitry Iwanowitsch Donskoi 8. Sept. 1380 über die Mongolen unter Mamai; ein Denkmal ist 1850 errichtet.
 
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Kulilabanrinde, Kulilabanzimt, s. Cinnamomum.
 
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Kulinārisch (lat.), auf die Küche (culina) bezüglich.
 
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Kúlisch, Pantjelejmon Alexandrowitsch, russischer und kleinruss. Schriftsteller, geb. 27. Juli 1819 in Woronesh, gest. 14. (2.) Febr. 1897 in Matronowka (Gouv. Tschernigow), studierte in Kiew, war dann Lehrer und bereiste 184445 das kiewsche Gouvernement, wo er Materialien für sein berühmtes (historisch-ethnographisches) Werk »Notizen über Südrußland« (Petersb. 185657, 2 Bde.) sammelte. Nach wenigen Jahren wurde er Gymnasiallehrer in Petersburg und zugleich Lektor der russischen Sprache an der Universität. 1847 wurde er, auf einer Studienreise nach Prag begriffen, unterwegs in Warschau wegen angeblicher Verbreitung liberaler Ideen verhaftet und nach Abbüßung einer mehrmonatigen Festungshaft nach Tula verbannt. 1850 wurde ihm gestattet, nach Petersburg zurückzukehren, schriftstellerische Tätigkeit aber verboten. Nachdem er seitdem anonym für Journale einige Erzählungen sowie die »Denkwürdigkeiten aus dem Leben Gogols« (1854, erste Redaktion der 1856 veröffentlichten Biographie Gogols) geschrieben hatte, erschienen von ihm, als er mit der Thronbesteigung Alexanders II. die Erlaubnis zu schriftstellerischen Arbeiten wieder erhalten hatte, außer dem oben zuerst genannten Werke die kleinrussisch geschriebenen »Propovêdi« (»Predigten«) des Priesters Hreczulewicz (1856) und sein historischer Roman »Der schwarze Rat. Eine Chronik des Jahres 1663« (zugleich russisch und kleinrussisch, 1857; letzte Ausg. russ., Petersb. 1899; kleinruss., Odessa 1901). 1860 gab er eine Sammlung seiner »Povêsti« (»Erzählungen«) in 4 Bänden und den Almanach »Chata« heraus. Von einer Reise von Italien zurückgekehrt, veröffentlichte er 1862 seine »Dosvitki« (»Morgenunterhaltungen«), eine Sammlung kleinrussischer Gedichte, übersetzte 1869 die fünf Bücher Mosis ins Kleinrussische und später in Gemeinschaft mit Puljuj das Neue Testament (Lemb. 1887). Mit besonderer Liebe hat er sich auch mit der vaterländischen Geschichte beschäftigt und bereits 1861 eine populäre Darstellung der Chmelnizkijschen Kriege veröffentlicht, der 1874 die »Istorija vozsoedinenija Rusi« (»Geschichte der Wiedervereinigung Kleinrußlands«, 3 Bde.) und als letztes Werk »Der Abfall Kleinrußlands von Polen, 13401654« (188889, 3 Bde.) folgten.
 
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Kulisse (franz. coulisse), eigentlich Nut oder Falz, worin sich etwas auf und ab schiebt, daher Kulissentisch, soviel wie Ausziehtisch; dann besonders die die Seitenwände oder Flügel einer Bühnendekoration bildenden beweglichen Teile (s. Meyers Theater). Im Maschinenbau ein Hebel, bei dem die Angriffspunkte der Kräfte oder der Drehpunkt verschiebbar angeordnet sind oder der selbst verschiebbar ist, so daß das Verhältnis der Hebelarme geändert und auch die Drehrichtung des Hebels umgekehrt werden kann. Jeder verstellbare Punkt ist an einem besondern Schiebestück (Stein) angebracht, das entweder in einem Schlitz des Hebels geführt ist oder auf dem Hebel, ihn umfassend, gleitet. Eine besondere Anwendung der K. findet bei den sogen. Umsteuerungen der Dampfmaschinen etc. statt (Kulissensteuerung, s. Meyers Steuerung und Tafel Meyers »Dampfmaschinen III«, S. I u. III). K. heißt auch bei Wasserrädern eine Vorrichtung zum Einführen des Wassers aus dem Gerinne ins Rad. In der Börsensprache bezeichnet man mit K. die Gesamtheit der Kulissiers (franz. comissiers), d. h. der Börsenspekulanten, die ohne Vermittelung der beeidigten Mäkler hauptsächlich Differenzgeschäfte machen. Den Gegensatz zur K. bildet das Parkett, das Geschäft durch die offiziell bestellten Mäkler. An der Pariser Börse darf die K. nicht im Innern des Börsengebäudes, sondern nur an den Eingängen ihr Geschäft betreiben. Auch beschränkt die K. ihre Tätigkeit namentlich auf solche Papiere, die starken Wertschwankungen unterliegen. Die Kulissiers machen die Abschlüsse zum großen Teil nicht für eigne Rechnung, sondern als Kommissionäre, d. h. in eignem Namen, aber fremdem Auftrag. Vgl. Agiotage und Börse, S. 242.
 
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Kulisseneinlauf, s. Meyers Wasserrad.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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