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Kryptocalvinisten bis Kryptomēr (Bd. 6, Sp. 757 bis 759)
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Artikelverweis Kryptocalvinisten, die heimlich der Lehre Calvins anhängenden Lutheraner; insbes. aber diejenigen Protestanten in Sachsen, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. sich an die mildern Anschauungen Melanchthons hielten und infolgedessen zu einer Union mit der reformierten Kirche hinneigten. Sie bildeten nach 1570 die herrschende Partei auf den Universitäten Leipzig und Wittenberg. Durch zum Teil grausame Gewaltmaßregeln (wie gegen Nikolaus Crell, s. d.) erfolgte noch im 16. Jahrh. ihre Unterdrückung. S. Konkordienformel.
 
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Kryptochrose, s. Meyers Röntgenstrahlen.
 
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Kryptogamen (Cryptogamae, griech., »Verborgenehige«), blütenlose Pflanzen, Abteilung des Pflanzenreiches, die Linné den auf die 23 ersten Klassen verteilten Blütenpflanzen (Phanerogamen) in der 24. Klasse seines künstlichen Systems gegenüberstellte, weil sich bei ihnen keine eigentlichen Blüten mit Staub- und Fruchtblättern finden. Eine geschlechtliche Fortpflanzung fehlt indessen auch den meisten K. nicht, dagegen besteht in andrer Beziehung ein wesentlicher Unterschied. Bei den Phanerogamen werden infolge der Befruchtung einer Eizelle Samen gebildet, in denen die bereits aus vielen Zellen bestehende Anlage des neuen Individuums (Embryo) eine Ruheperiode durchzumachen hat, während welcher die Verbreitung durch natürliche Aussaat erfolgen kann. Die K. dagegen verbreiten sich durch einzellige Sporen (Keimkörner), und die bei der geschlechtlichen Fortpflanzung entstehenden Anlagen neuer Individuen durchlaufen ihre Entwickelung ohne Unterbrechung. Man kann danach auch die K. als Sporenpflanzen (Sporophyten), die Phanerogamen als Samenpflanzen (Spermaphyten) bezeichnen.
   Man unterscheidet niedere und höhere K. Die erstere dieser Gruppen stellt ein Gemenge mehrerer einander verwandtschaftlich fernstehender Pflanzengruppen dar, für die ein gemeinsames Merkmal darin gefunden wird, daß der Vegetationskörper in der Regel keine Differenzierung in Wurzel, Sproß und Blätter erkennen läßt, sondern vielmehr ein verschieden gestaltetes, ein- bis vielzelliges Lager (Laub, Thallus) darstellt. Die niedern K. werden danach auch als Lager- (Laub-) pflanzen (Thallophyta) bezeichnet. Zu ihnen gehören drei Pflanzenklassen: Algen, Pilze und Flechten, die wiederum nur als eine Zusammenfassung verschiedener Verwandtschaftsgruppen nach äußern Merkmalen anzusehen sind. Die Algen sind Bewohner feuchter Standorte und meist Wasserpflanzen, sie führen Blattgrün in ihren Zellen und sind dadurch zu selbständiger Ernährung durch Assimilation befähigt. Unter den zu den Algen zu rechnenden Verwandtschaftskreisen nehmen die Spaltpflanzen (Schizophyteen, Schizophyta) die niederste Stelle ein, weil ihren Zellen ein typischer Zellkern fehlt, und weil die Fortpflanzung ausschließlich auf ungeschlechtlichem Wege durch vegetative Zweiteilung der das Individuum repräsentierenden Zelle oder durch Zerstückelung der zu Fäden oder Flächen oder selbst zu Körpern vereinigten Zellverbände erfolgt. Die chlorophyllhaltigen Spaltpflanzen (Cyanophyzeen) sind außerdem durch den Besitz eines blaugrünen Farbstoffes (Phycocyan) im Zellinhalt ausgezeichnet; als chlorophyllfreie Gruppe schließen sich ihnen die Spaltpilze (Schizomycetes, Bakterien) an. Die Verwandtschaftsreihe der Zygophyzeen wird von einzelligen, freilebenden oder zu unverzweigten Fäden verbundenen Organismen gebildet, die Zellkern und Blattgrün führen. Auch bei ihnen beruht die Vermehrung auf vegetativer Zweiteilung, daneben tritt aber schon eine niedere Stufe geschlechtlicher Fortpflanzung auf, indem zwei gleiche Individuen zu einer Zygospore verschmelzen. Man rechnet hierher außer den rein grün gefärbten Konjugaten und den durch den Kieselgehalt der Zellmembran ausgezeichneten Kieselalgen (Diatomeen) auch die mit zwei verschiedenen Geißeln versehenen infusorienähnlichen Peridineen (Furchengeißelträger, Dinoflagellata). Bei den übrigen Verwandtschaftsreihen der Algen, der Grünalgen, Braunalgen, Rotalgen und Charazeen, die gelegentlich auch als geschlechtliche Algen (Gamophyzeen) zusammengefaßt

[Bd. 6, Sp. 758]


werden, steigert sich die Organisation des meist mehrzelligen Vegetationskörpers von einfachen Strukturen allmählich zu komplizierter Gliederung, und neben der ungeschlechtlichen Vermehrung durch Schwärmer oder nur passiv bewegliche Sporen tritt eine geschlechtliche Fortpflanzung auf, die in allen Abstufungen von der Verschmelzung gleicher Gameten zu der Befruchtung eines Eies durch männliche Sexualzellen (Spermatozoiden, Spermatien) fortschreitet.
   Unter den durch den Chlorophyllmangel charakterisierten Pilzen nimmt die Verwandtschaftsreihe der Schleimpilze oder Myxomyceten eine besondere Stellung dadurch ein, daß der Vegetationskörper der hierher gehörigen Organismen eine aus zellwandlosen Zellen bestehende Plasmamasse darstellt; man hat deshalb die Schleimpilze in neuern Pflanzensystemen auch wohl als Schleimlagerpflanzen (Myxothallophyta) der Gesamtheit den zellwandbildenden Lagerpflanzen (Euthallophyta) gegenübergestellt. Die echten Pilze (Eumycetes) bestehen im Gegensatz zu den Schleimpilzen aus behäuteten Zellen und werden in Algenpilze (Phycomyceten), Schlauchpilze (Ascomyceten) und Stielpilze (Basidiomyceten) eingeteilt. Die Flechten endlich, die neben Algen und Pilzen die dritte Klasse der niedern K. bilden, sind keine einheitlichen Organismen, ihr Vegetationskörper besteht aus einem Pilz, der mit Algenzellen vergesellschaftet ist (Symbiose). Die systematische Gliederung dieser Klasse schließt sich demgemäß der natürlichen Einteilung der Pilze an, man unterscheidet Askolichenen und Basidiolichenen, je nachdem der flechtenbildende Pilz zu den Ascomyceten oder Basidiomyceten gehört.
   Die höhern, blattbildenden K. (Cryptogamae foliosae) zeigen in bezug auf die Morphologie des Vegetationskörpers weniger weitgehende Mannigfaltigkeit als die Thallophyten, die Grundzüge des Entwickelungsganges und die Vorgänge der geschlechtlichen Fortpflanzung stimmen bei ihnen so vollkommen überein, daß man die Abteilung als eine einheitliche, wenn auch vielverzweigte natürliche Verwandtschaftsgruppe ansehen kann. Ganz allgemein tritt in dem Entwickelungsgange der höhern K. ein Generationswechsel ein, indem auf eine ungeschlechtliche (embryonale) Generation, die in Sporangien Sporen als Fortpflanzungsorgane erzeugt, eine geschlechtliche (proembryonale) Generation mit Geschlechtsorganen folgt. Die männlichen Organe (Antheridien) bestehen aus kapselartigen, kugel- oder keulenförmigen Zellkörpern, in deren Innern die Mutterzellen der Spermatozoiden sich bilden; letztere stellen mikroskopisch kleine, spiralig gewundene, durch Wimpern bewegliche Fäden dar, die der Hauptsache nach aus dem Zellkern ihrer Mutterzelle hervorgehen. Die weiblichen Organe (Archegonien) stellen flaschenförmige Gewebekörper dar, in deren Bauchteil die Eizelle eingeschlossen ist, während der nach oben sich fortsetzende Halsteil in spätern Stadien einen an der Spitze offenen Halskanal bildet, durch den die Spermatozoiden bis zu der zu befruchtenden Eizelle vordringen. Aus der befruchteten Eizelle entsteht ein Embryo, der sich wieder zur sporenbildenden, ungeschlechtlichen Generation entwickelt. Die übereinstimmende Ausbildung der Archegonien bei den höhern K. und den im Entwickelungsgange sich ihnen nahe anschließenden, aber Samen bildenden Gymnospermen hat zu der gemeinsamen Bezeichnung beider Gruppen als Archegoniaten Veranlassung gegeben.
   Die höhern K. zerfallen naturgemäß in die beiden Gruppen der Moospflanzen (Bryophyten, Muscineae, s. Meyers Moose), bei denen die geschlechtliche Generation (die eigentliche Moospflanze) wohlentwickelt, die ungeschlechtliche Generation (Moosbüchse, Sporogonium) unselbständig und von begrenztem Wachstum ist, und die Gefäßkryptogamen (Cryptogamae vasculares, Pteridophyta), bei denen die geschlechtliche Generation (Vorkeim, Prothallium) klein und unbedeutend ist, während die ungeschlechtliche Generation (die eigentliche Farnpflanze) eine bewurzelte und beblätterte, von Leitbündeln durchzogene Gefäßpflanze darstellt. Unter den Gefäßkryptogamen lassen sich drei Hauptgruppen unterscheiden: Die Farne (Filicinen, Filicales) haben einen wenig verzweigten Sproß mit ansehnlichen, meist reich gegliederten Blättern, die Sporangien stehen am Rand oder an der Unterseite der Laubblätter oder abweichend geformter Sporophylle, die mit den sterilen Blättern untermischt stehen. Die Schachtelhalme (Equisetinen, Equisetales) tragen an den hohlen, gegliederten, mehr oder minder reich verzweigten Sprossen Quirle von rudimentären, scheidig verwachsenen Blättern, die schildförmigen, mit mehreren Sporangien versehenen Sporophylle sind zu gipfelständigen Sporangienähren vereinigt. Die Bärlappgewächse (Lykopodinen, Lycopodiales) tragen an den niemals knotig gegliederten Sprossen kleine Blätter, die meist spiralig gestellt und nie scheidig verwachsen sind, ihre Sporangien stehen einzeln an den meist schuppen-, nie schildförmigen Sporophyllen. Unter den Farnen und Bärlappgewächsen treten neben solchen Formen, die nur einerlei, an Gestalt und Größe gleiche Sporen ausbilden (Isosporeen), andre auf (Heterosporeen), die zweierlei Sporen besitzen: Mikrosporen, aus denen rein männliche, und größere Makrosporen, aus denen weibliche Prothallien hervorgehen. Die Schachtelhalme bilden nur einerlei Sporen aus, dagegen waren die jetzt ausgestorbenen, hierher gehörigen Kalamarien heterospor. Indem mit dem Zurückgreifen der geschlechtlichen Differenzierung auf Sporen und Sporangien zugleich ein Rudimentärwerden der Prothallien bei den Heterosporeen nebenher geht, bilden dieselben einen Übergang zu den phanerogamen Archegoniaten, d. h. den Gymnospermen, bei denen die Ausbildung der Geschlechtsorgane so nahe an die Sporenkeimung herangerückt ist, daß der ganze Generationswechsel als ein im Innern der Mikrosporen (Pollenkörner) und der Makrosporen (Embryosack) in wenig Schritten sich abspielender Entwickelungsgang sich der makroskopischen Wahrnehmung vollständig entzieht. Literatur s. Meyers Artikel »Algen, Pilze, Flechten, Moose, Farne«.
 
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Kryptogēn (griech.), Bezeichnung für diejenigen kristallinischen Schiefer (Gneis etc.), deren Bildung noch nicht aufgeklärt ist.
 
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Kryptograph, s. Meyers Geheimschrift, S. 465; Kryptographie, Kryptographik, daselbst, S. 464.
 
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Kryptokatholizismus, verborgener Katholizismus, wie er dem Georg Meyers Calixtus (s. d.) wegen seiner Unionsversuche vorgeworfen wurde; auch den puseyitischen, hochkirchlichen, tradionell-konfessionellen Richtungen der Gegenwart gegenüber spricht man von K.
 
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Kryptokokken, soviel wie Hefezellen, s. Meyers Hefe, S. 47.
 
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Kryptokristallinisch heißen Mineralien und Gesteine, die dicht erscheinen und erst bei mikroskopischer Untersuchung sich als kristallinisch erweisen.
 
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Kryptōl, ein loses körniges Gemenge aus Karborundum, Ton und Graphit, das, als Widerstandsmasse in einen elektrischen Stromkreis eingeschaltet, sich erhitzt und eine Temperatur bis über 2500°

[Bd. 6, Sp. 759]


annimmt. Man füllt das K. in die betreffenden Apparate oder breitet es auf Tonplatten aus und kann je nach der Dicke der aufgeschütteten Schicht und der Stärke des Stromes eine beliebige Temperatur hervorbringen. Kochgefäße können direkt auf die Kryptolschicht gesetzt werden. Man benutzt K. in chemischen Laboratorien in den verschiedensten Apparaten, in der Industrie in Schmelzöfen, Muffelöfen, Einbrennöfen, Härteöfen, auch zur Zimmerheizung.
 
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Kryptolumineszenz, die Erscheinung, daß Röntgenstrahlen, die auf Metalle auftreffen, dort verschiedenartige neue Strahlen (Metallstrahlen, Sekundärstrahlen) hervorrufen.
 
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Kryptomēr (griech.), s. Phaneromer.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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