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Krückenschnitt bis Krüger (Bd. 6, Sp. 743 bis 745)
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Artikelverweis Krückenschnitt, in der Heraldik die Teilung des Feldes, die mit Kreuzchen ohne obern Arm besetzt ist.
 
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Krud (lat.), roh, grob; Krudität, roher Zustand; etwas Unverdauliches, auch Unverdaulichkeit, Magenbeschwerde; Derbheit, Roheit.
 
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Krüdĕner, 1) Barbara Juliane von, bekannte Pietistin und Schriftstellerin, geb. 11. Nov. 1764 in Riga, gest. 25. Dez. 1824 in Karasu-Bazar, erhielt erst im Haus ihres Vaters, des livländischen Gutsbesitzers und russischen Geheimrats v. Vietinghoff, sodann in Paris, wo ihre Eltern für einige Zeit wohnten, eine vielseitige Erziehung, entwickelte aber auch früh bei großer Lebendigkeit des Geistes und Herzens alle Künste weltläufiger Koketterie. Sie wurde 1782 mit dem 34 Jahre alten, bereits von zwei Frauen geschiedenen Freiherrn Burchard v. K., einem tüchtigen Beamten, vermählt, dem sie erst nach Venedig, dann (1786) nach Kopenhagen, wohin er als russischer Gesandter ging, folgte. 1789 unternahm sie ohne ihren Gatten eine Reise nach Frankreich, ließ sich dort von

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einem jungen Offizier, Grafen Frègeville, verführen und verbrachte die nächsten Jahre, von ihrem Manne getrennt, aber nicht geschieden, auf Reisen, kehrte aber 1800, als er in Berlin Gesandter war, zu ihm zurück, um ihn aber bereits 1801 wieder zu verlassen. Sie verweilte hierauf in Coppet bei Frau v. Staël und in Paris, wo sie besonders mit Chateaubriand und Bernardin de Saint-Pierre verkehrte und die Nachricht vom Tod ihres Mannes (14. Juni 1802) erhielt. Hier veröffentlichte sie auch einen Roman in Briefen: »Valérie« (Par. 1803, 2 Bde.; neu hrsg. von Sainte-Beuve, 1855, zuletzt 1898; deutsch, Leipz. 1804 u. Hamb. 1805), eine Wertheriade, in der sie eigne Erlebnisse aus ihrer in Venedig verbrachten Zeit romantisch aufputzte. 1804 wurde die Vierzigjährige teils durch Einflüsse der Herrnhuter, teils durch solche der süddeutschen Chiliasten einer phantastischen Religiosität zugeführt, die fortan ihr Wesen ganz beherrschte und mehr und mehr in Mystik und Zauberglauben ausartete. 1806 begab sie sich nach dem Norden Deutschlands, wo sie im Februar 1807 nach der Schlacht bei Preußisch-Eylau Außerordentliches in der Fürsorge für die Verwundeten leistete. Anfang 1808 erfuhr sie in Karlsruhe den Einfluß Jung-Stillings (s. Meyers Jung 2), der sie mit Swedenborgs Ideen bekannt machte, und wurde einige Monate später im Elsaß durch den Pfarrer Fontaines und die Seherin Marie Gottlieb in Kummer, mit denen sie nun jahrelang in Beziehung blieb, vollends ihres Urteils beraubt. Fortan hielt sie in Württemberg, in der Schweiz und im Elsaß etc. zahlreiche Versammlungen der Erweckten und Frommen ab. Mehr und mehr den politischen Ereignissen sich zuwendend, stellte sie Napoleon als den Apollyon der Apokalypse, Alexander von Rußland als den Erretter hin. Unter dem Titel: »Le camp de vertus« (Par. 1814) beschrieb sie ein von den russischen Heeren gefeiertes Fest und erging sich durchaus in den chiliastischen Lieblingsideen ihrer Kreise. Endlich gelang es ihr, 4. Juni 1815, zu dem Kaiser Alexander Zutritt zu erhalten, und sie gewann bald nicht unerheblichen, aber doch nicht lange andauernden Einfluß auf ihn. Durch sie und den Mesmerianer Bergasse wurde Alexander zu dem als »Heilige Allianz« bekannten Vertrag angeregt, an dessen Redaktion K. jedoch wahrscheinlich keinen Anteil hatte. Nach Wiederherstellung der politischen Ruhe begab sie sich 1815 in die Schweiz, hielt hier von neuem pietistische Konventikel und öffentliche Bußpredigten, spendete dabei reiche Wohltaten an Arme und Notleidende, erregte aber schließlich die Besorgnis der Behörden und wurde 1817 aus der Schweiz ausgewiesen (vgl. »Züricher Taschenbuch«, neue Folge, Bd. 13). Gleiches Schicksal hatte sie nun in mehreren deutschen Staaten, bis sie 1818 unter polizeilicher Begleitung von Leipzig aus über die russische Grenze gebracht wurde. Von ihrem frühern Verehrer, dem Kaiser Alexander I., in Schranken gehalten, lebte sie anfangs auf ihrem Gut Kosse in Livland und begab sich später (1824) mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in die Krim, wo sie in der von der Fürstin Golyzin angelegten pietistischen Kolonie Karasu-Bazar starb. Vgl. Eynard, Vie de Madame de K. (Par. 1849, 2 Bde.); Capefigue, La baronne de K. et l'empereur Alexandre I (das. 1866); »Frau v. K., ein Zeitgemälde« (Bern 1868); Lacroix, Madame de K., ses lettres et ses ouvrages inédits (Par. 1880, 3. Aufl. 1881); Clarence Ford, Life and letters of Madame de K. (Lond. 1893); Turquan, La baronne de K. (Par. 1900), und vor allem E. Mühlenbeck, Étude sur les origines de la Sainte-Alliance (das. 1888).
   2) Nikolaus Pawlowitsch, Baron, russ. General, geb. 1811 in Esthland, gest. 17. Febr. 1891 in Moskau, trat 1828 in das Ingenieurkorps, ward 1849 Oberquartiermeister des Grenadierkorps, 1859 Kommandeur des wolhynischen Leibgarderegiments, an dessen Spitze er am polnischen Insurrektionskrieg teilnahm. 1877 kommandierte er das 9. Armeekorps der Donauarmee. K. eroberte 16. Juli Nikopoli, erlitt aber 30. Juli beim zweiten, vom Großfürsten Nikolaus befohlenen Angriff auf Plewna, nachdem 20. Juli bereits eine Division seines Korps unter General Schilder-Schuldner eine empfindliche Schlappe erhalten, durch Osman Pascha eine blutige Niederlage. Nach der Übergabe Plewnas ward er seines Kommandos enthoben und zum Adlatus des Militärgouverneurs in Warschau, 1887 zum Mitgliede des Alexander-Komitees für Verwundete ernannt.
 
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Krudität, s. Meyers Krud.
 
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Kruft, Dorf im preuß. Regbez. Koblenz, Kreis Mayen, an der Staatsbahnlinie Andernach-Mayen, hat eine kath. Kirche, Schwemmstein- und Tonwarenfabrikation, Tuffbrüche und (1900) 2067 Einw. In der Nähe ein erloschener Vulkan (Kruster Ofen) und der Meyers Laacher See (s. d.).
 
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Krug, ein aus Ton, Porzellan, Glas, Holz oder Metall gefertigtes, zylindrisches oder ausgebauchtes Gefäß mit kurzem, engem Hals, mit Henkel, mit oder ohne Ausguß, das zum Aufbewahren von Flüssigkeiten, zu ihrem Transport, zum Gießen und zum Trinken dient. Er ist bisweilen mit Deckel versehen, der bei metallenen Krügen aus demselben Metall, bei irdenen meist aus Zinn, bei hölzernen aus Holz oder Metall gefertigt ist. Im 16. und 17. Jahrh. wurden die metallenen und Steinzeugkrüge (Hauptfabrikation der letztern am Rhein und in Kreußen; s. Abbildung) künstlerisch geschmückt, letztere oft zu Figuren umgestaltet, und sind deshalb begehrte Objekte der Kunstsammler. Über gewisse Formen der Krüge (Apostelkrug, Bartmann, Hirschvogelkrug, Landsknechtskrug, Ringkrug) vgl. die betreffenden Artikel. Die Form der Meyers Kanne (s. d.) ist mit der des Kruges eng verwandt. Gläserne Krüge oder Kannen findet man auf den Tafeln »Glaskunstindustrie I« Fig. 2, 6, 10, 12 u. 14 und Tafel II, Fig. 1, 4, 5, metallene Krüge auf den Tafeln »Bronzekunst II«, Fig. 7, 8, 11, und III, Fig. 2.

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Krug (altniederländ. kroeg), Dorfschenke, auch in Zusammensetzungen, wie Meyers Nobiskrug (s. d.); daher Krüger soviel wie Schenkwirt. Vgl. Kruggerechtigkeit und Krugverlag.
 
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Krug, 1) Ludwig, Goldschmied und Kupferstecher, wurde 1522 Meister in Nürnberg und starb daselbst 1532. Er war sehr kunstfertig im Treiben, Gießen, Gravieren wie in jeglicher Metallarbeit. Doch haben sich von seinen Arbeiten nur 16 Kupferstiche (Hauptblätter: Anbetung der Könige, Anbetung der Hirten, eine badende Frau) erhalten, die, in sauberer Technik ausgeführt, von Dürers Stil unabhängig sind.
   2) Wilhelm Traugott, Philosoph, geb. 22. Juni 1770 in Radis bei Gräfenhainichen, gest. 13. Jan. 1842 in Leipzig, wurde 1801 als außerordentlicher Professor der Philosophie nach Frankfurt a. O., nach Kants Tod als dessen Nachfolger 1804 nach Königsberg, 1809 nach Leipzig berufen, wo er als Rittmeister unter den sächsischen reitenden Jägern den Befreiungskrieg mitmachte und, 1834 auf seinen Wunsch in Ruhestand versetzt, als philosophischer, publizistischer und rationalistisch-theologischer Schriftsteller bis an seinen Tod tätig war. Von seinen zahlreichen Schriften seien genannt: »System der theoretischen Philosophie« (Königsb. 180610, 3 Bde.; 1. Bd., 3. Aufl. 1825; 2. Bd., 3. Aufl. 1830; 3. Bd., 2. Aufl. 1823); »System der praktischen Philosophie« (das. 181719, 3 Bde.; 2. Aufl. 182938); »Handbuch der Philosophie und philosophischen Literatur« (Leipz. 1820 bis 1821, 2 Bde.; 3. Aufl. 1828); »Geschichtliche Darstellung des Liberalismus alter und neuer Zeit« (das. 1823); das sehr verdienstliche »Allgemeine Handwörterbuch der philosophischen Wissenschaften« (das. 182728, 4 Bde.; 5. Bd. 182934; 2. Aufl. 1832 bis 1838); »Gesammelte Schriften« (Braunschw. u. Leipz. 183041, 12 Bde.). Die Grundidee seines philosophischen Systems, das er in seiner »Fundamentalphilosophie« (Züllichau 1803; 3. Aufl., Leipz. 1827) als transzendentale Synthesis des Seins und Wissens bezeichnet, ist, daß wir in unserm Bewußtsein eine ursprüngliche Verknüpfung des Seins und des Wissens des Subjekts und der Außenwelt haben, die nicht weiter zu erklären ist. Vgl. seine Autobiographie: »Meine Lebensreise in sechs Stationen, beschrieben von Urceus« (Leipz. 1826, 2. Aufl. 1842), mit dem Nachtrag: »Leipziger Freuden und Leiden im Jahr 1830, oder das merkwürdigste Jahr meines Lebens« (das. 1831).
   3) Arnold, Komponist, geb. 16. Okt. 1849 in Hamburg, gest. daselbst 5. Aug. 1904, Sohn des als Komponisten leichter melodiöser Klaviersachen bekannten Dietrich K. (gest. 1880). Er erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater und von Gurlitt, wurde 1868 Schüler des Leipziger Konservatoriums, 1869 Stipendiat der Mozart-Stiftung und als solcher Schüler von Reinecke und Kiel (1871), war 187277 Lehrer des Klavierspiels am Sternschen Konservatorium in Berlin und ging 187778 als Stipendiat der Meyerbeer-Stiftung nach Italien und Frankreich. Seitdem lebte er in Hamburg als Lehrer am Konservatorium und Vereinsdirigent. Krugs Kompositionen sind natürlich empfunden und beweisen besonders Talent für Formgebung. Hervorzuheben sind die Chorwerke »König Sigurd«, »Maikönigin« (mit Frauenchor), »Fingal« (mit Männerchor), eine Suite, »Liebesnovelle« und »Italienische Reiseskizzen« für Streichorchester, Vorspiel zu »Othello«, romanische Tänze für Orchester, ein Violinkonzert, eine Symphonie, vierhändige Walzer und andre Klavierstücke, Lieder etc.
 
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Krugbäcker, am Rhein Tonwarenfabrikanten, die Mineralwasser- und Branntwein- (Genever-) Krüge herstellen.
 
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Krüger, Schenkwirt; vgl. Krug.
 
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Krüger, 1) Bartholomäus, dramat. Dichter des 16. Jahrh., aus Sperenberg gebürtig, war um 1580 Organist und Stadtschreiber zu Trebbin im Brandenburgischen. Seine Hauptwerke sind: »Eine schöne und lustige newe Aktion von dem Anfang und Ende der Welt« (o. O. 1580; abgedruckt in Tittmanns »Schauspielen aus dem 16. Jahrhundert«, Bd. 2, Leipz. 1868), eine dramatische Darstellung der ganzen Heilsgeschichte bis zur Wiederkehr Christi beim Jüngsten Gericht, und das weltliche Schauspiel »Wie die bäurischen Richter einen Landsknecht unschuldig hinrichten lassen« (o. O. 1580; neu hrsg. von Bolte, Leipz. 1884). Auch ist K. Verfasser des trefflichen Volksbuchs »Hans Clawerts werckliche Historien« (Berl. 1587 u. ö.; Neudruck, Halle 1882; von Simrock in den »Deutschen Volksbüchern«, Bd. 9, als »Märkischer Eulenspiegel« modernisiert), das die Schelmenstreiche eines Trebbiner Stadtkindes in Prosa, mit angehängter gereimter Moral berichtet. Vgl. O. Pniower, B. K., ein märkischer Dichter (in der Zeitschrift »Brandenburgia«, 1897).
   2) Johann Christian, dramat. Dichter, geb. 14. Nov. 1723 in Berlin als Sohn eines Schuhmachers, gest. 23. Aug. 1750 in Hamburg, studierte in Halle und Wittenberg Theologie, betrat aber nicht die geistliche Laufbahn, sondern wurde 1742 Schauspieler und Theaterdichter bei der Schönemannschen Truppe. Außer einigen Übersetzungen von Stücken Marivaux' lieferte er mehrere selbständige Lustspiele: »Die Geistlichen auf dem Lande« (Leipz. u. Frankf. 1743), »Der blinde Ehemann«, »Die Kandidaten, oder die Mittel zu einem Amt zu gelangen« (zuerst ausgeführt 1747, sein bestes Stück), »Der verehelichte Philosoph«, »Der Teufel ein Bärenhäuter«, und den »Herzog Michel«, der allgemein bekannt und beliebt war (vgl. Lessing, Hamburgische Dramaturgie, St. 83). Krügers »Poetische und theatralische Schriften« gab J. F. Löwen heraus (Leipz. 1763). Vgl. Wittekindt, Johann Christian K. (Berl. 1898).
   3) Karl Wilhelm, Philolog, geb. 28. Sept. 1796 in Groß-Nossin bei Stolp, gest. 1. Mai 1874 in Weinheim, nahm 181315 an den Befreiungskriegen teil, studierte 181620 in Halle und wurde 1820 Subrektor in Zerbst, 1822 Konrektor in Bernburg, 1827 Professor am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin, ließ sich aber 1838 pensionieren und lebte seitdem in Nauen, Neuruppin, Heidelberg und Weinheim. Sein Hauptwerk ist die »Griechische Sprachlehre für Schulen« (Berl. 184256, 2 Bde.; 6. Aufl. 1892 ff.); daraus entstanden: »Griechische Sprachlehre für Anfänger« (seit 1869 u. d. T.: »Kleinere griechische Sprachlehre«, das. 1847, 11. Aufl. 1884) und »Homerische Formenlehre«, später »Homerische und Herodotische Formenlehre« betitelt (das. 1849, 5. Aufl. 1879). Sonst nennen wir seine Ausgaben von »Dionysii Halicarnassensis historiographica« (Halle 1823), Xenophons »Anabasis« (das. 1826, mit lat. Kommentar; mit deutschen Anmerkungen, Berl. 1830, 7. Aufl. 1888), Arrians »Anabasis« (das. 183548, 2 Bde., mit lat. Kommentar; mit deutschen Anmerkungen, das. 1851), Thukydides (das. 184647, 3. Aufl. 1860), Herodot (das. 185557, 2. Aufl. 1866 ff.), dann »Clintonis Fasti Hellenici ab Ol. LV. ad CXXIV. conversi« (Leipz. 1830); »Historisch-philologische Studien« (Berl. 183651, 2 Bde.);

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»Kritische Analekten« (Berl. 186374,3 Hefte), »Lexikon zu Xenophons Anabasis« (das. 1849, 4. Aufl. 1872); endlich »Geschichte der englischen Revolution unter Karl I.« (das. 1850). Vgl. Pökel, K. W. Krügers Lebensabriß (Leipz. 1885).
   4) Franz, Maler, geb. 3. Sept. 1797 zu Radegast im Dessauischen, geb. 21. Jan. 1857 in Berlin, besuchte ein Gymnasium in Berlin, betrieb daneben aber das Porträtzeichnen ohne Anleitung und Lehrer und erwarb sich darin bald ein solches Geschick, daß er sich ganz der Kunst widmete. Neben der Bildnismalerei betrieb er besonders die Darstellung von Pferden, worin er es zu großer Meisterschaft brachte, weshalb er den Beinamen »Pferde-Krüger« erhielt. Er hat eine große Anzahl von Bildnissen fürstlicher Personen und andrer vornehmer Herren sowie militärische Gruppenbilder und Volksszenen gemalt. Von letztern sind die Parade vor König Friedrich Wilhelm III. (1831, im Besitz des Kaisers von Rußland) und die Huldigung vor König Friedrich Wilhelm IV. (1840, königliches Schloß in Berlin) kulturgeschichtlich wertvoll wegen der Bildnistreue der dargestellten Personen. Sie tritt noch freier und geistvoller in den Aquarell- und Kreidezeichnungen zu den Bildnissen zutage, die in ihrer realistischen Behandlung die Brücke von Chodowiecki und G. Schadow zu A. Menzel bilden (ein Teil davon in Berlin 1881 in Lichtdruck herausgegeben). 1844 und 1850 war K. in Petersburg für den Hof tätig. Die Berliner Nationalgalerie besitzt von ihm zwei Jagdbilder und einen Pferdestall.
   5) Eduard, Philolog und Musikschriftsteller, geb. 9. Dez. 1807 in Lüneburg, gest. 9. Nov. 1885 in Göttingen, studierte in Berlin und Göttingen Philologie, war dann Gymnasiallehrer, später Seminardirektor in Emden und Aurich und wurde 1861 als Professor der Musik nach Göttingen berufen. Er schrieb außer gediegenen Kritiken in den »Göttinger Gelehrten Anzeigen«, der »Neuen Berliner Musikzeitung« und »Allgemeinen Musikalischen Zeitung« unter anderm: »Grundriß der Metrik antiker und moderner Sprachen« (Emden 1838), »Beiträge für Leben und Wissenschaft der Tonkunst« (Leipz. 1847) und »System der Tonkunst«, sein Hauptwerk (das. 1866). Auch gab er ein »Evangelisches Choralbuch« (Aurich 1855) und seit 1876 mit M. Herold die Zeitschrift für Liturgie und Kirchenmusik u. d. T.: »Siona« (Gütersl., 30. Jahrg. 1895) heraus. Seinen Briefwechsel mit K. v. Winterfeld veröffentlichte A. Prüfer (Leipz. 1898).
   6) Daniel Christian Friedrich, hanseat. Staatsmann, geb. 22. Sept. 1819 in Lübeck, gest. 17. Jan. 1896 in Berlin, studierte 183943 in Bonn, Berlin und Göttingen die Rechte, wurde 1844 Advokat in Lübeck und war 1850 Mitglied des Erfurter Parlaments. 1856 ging er in den diplomatischen Dienst und ward hanseatischer Ministerresident in Kopenhagen, 1864 Bundestagsgesandter in Frankfurt und 1866 Ministerresident in Berlin. Seit 1868 vertrat er Lübeck und seit 1873 auch Hamburg und Bremen im Bundesrat und entwickelte eine umfassende Tätigkeit namentlich in den Ausschüssen, für die er viele Berichte verfaßte.
   7) Stephanus Johannes Paulus, Präsident der Südafrikanischen Republik, geb. 10. Okt. 1825 auf der Farm Vaalbank (Bulhoek) bei Colesberg in der Kapkolonie, gestorben in der Nacht zum 14. Juli 1904 in Clarens bei Montreux (Waadt), wanderte 1834 mit den Buren nach Natal, dann nach dem Oranjegebiet, endlich (1848) nach Transvaal und erwarb sich hier unter seinen Landsleuten durch Mut, Klugheit und Kaltblütigkeit solches Ansehen, daß er Feldhauptmann und Ende 1880 im Kriege gegen England Oberkommandierender wurde. 1883 wurde er zum Präsidenten der Südafrikanischen Republik gewählt und 1888, 1893 und 1898 (das letzte Mal gegen Joubert) wiedergewählt; er genoß das größte Ansehen und war unter dem Namen »Oom Paul« sehr populär. Als nach dem Ausbruche des Kriegs mit England (1899) die englischen Truppen einen großen Teil von Transvaal erobert und Pretoria besetzt hatten, übertrug K. die Regierung der Republik dem Vizepräsidenten Schalk Burger und begab sich 12. Sept. 1900 nach dem portugiesischen Hafen Lourenço Marquez, wo er sich 19. Okt. auf dem niederländischen Kriegsschiff Gelderland nach Europa einschiffte. Er landete 22. Nov. 1900 in Marseille, wurde von der französischen Bevölkerung mit Begeisterung begrüßt und in Paris vom Präsidenten Loubet empfangen, erhielt jedoch auf sein Gesuch um diplomatisches Einschreiten von der französischen Regierung eine ausweichende Antwort und wurde weder von Kaiser Wilhelm II. noch vom Zaren Nikolaus II. empfangen. K. begab sich nach den Niederlanden und verbrachte hier den größten Teil seiner letzten Lebenstage. Seine Leiche wurde 16. Dez. 1904 in Pretoria beigesetzt. Verheiratet war K. zweimal: 1846 und dann 1853 mit Susanna, geb. Du Plessis, die am 20. Juli 1901 in Pretoria starb Vgl. »Lebenserinnerungen des Präsidenten Paul K., von ihm selbst erzählt« (hrsg. von Schowalter, Münch. 1902); Statham, Paul K. and his times (Lond. 1898); van Oordt, Paul K. und die Entstehung. der Südafrikanischen Republik (Amsterd. u. Kapstadt 1898; deutsch von Kohlschmidt, Basel 1900).
   8) Adalbert, Astronom, geb. 3. Dez. 1832 zu Marienburg in Preußen, gest. 22. April 1896 in Kiel, studierte in Berlin und Bonn, wurde 1853 Observator an der Sternwarte in Bonn und nahm als solcher eifrigen Anteil an Argelanders »Bonner Durchmusterung«. 1862 wurde er Direktor der Sternwarte in Helsingfors, 1875 in Gotha und 1880 in Kiel. Er veröffentlichte »Zonenbeobachtungen der Sterne zwischen 55 und 65° nördl. Deklination, angestellt auf den Sternwarten zu Helsingfors und Gotha« (Helsingfors 1883 u. 1885, 2 Bde.) und den »Katalog von 14,680 Sternen zwischen 54°55' und 65°10' nördlicher Deklination 1855 für das Äquinoktium 1875« (Leipz. 1890); auch leitete er die Geschäfte der internationalen Zentralstelle für astronomische Telegramme und gab die Bände 100140 der von Schumacher begründeten »Astronomischen Nachrichten« (188196) heraus.
   9) Paul, Jurist, geb. 20. März 1840 in Berlin, habilitierte sich 1863 als Privatdozent daselbst, ward 1871 als Professor nach Marburg, 1872 nach Innsbruck, 1874 nach Königsberg und 1888 nach Bonn berufen. Unter seinen Schriften sind zu nennen: »Prozessualische Konsumtion und Rechtskraft des Erkenntnisses« (Leipz. 1864); »Kritik des Justinianischen Kodex« (Berl. 1867); »Kritische Versuche« (das. 1870);. »Geschichte der Quellen und Literatur des römischen Rechts« (Leipz. 1888; franz. von J. Brissaud, Par. 1893), Sein wissenschaftliches Hauptverdienst liegt in seiner großen kritischen Ausgabe des »Codex Justinianus« (Berl. 1877), seiner Ausgabe der »Justinianischen Institutionen« (das. 1867) und seiner Mitarbeit an der von Theodor Mommsen besorgten großen Ausgabe der »Pandekten« (das. 1870). Auch veranstaltete er in Gemeinschaft mit Th. Mommsen und W. Studemund eine Ausgabe der vorjustinianischen

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Rechtsquellen (»Collectio librorum juris antejustiniani«, Berl. 1878 ff., 3 Tle.), in der er mit Studemund die Institutionen des Gajus edierte (4. Aufl., das. 1899), und gab das »Fragmentum de jure fisci« (Leipz. 1868), »Codicis Justiniani fragmenta Veronensia« (Berl. 1874) und »Codicis Theodosiani fragmenta Taurinensia« (das. 1880) heraus.
   10) Gustav, protest. Theolog, geb. 29. Juni 1862 in Bremen, habilitierte sich 1886 für Kirchengeschichte an der Universität Gießen, wo er 1889 außerordentlicher Professor, 1891 ordentlicher Professor wurde. Er schrieb unter anderm: »Monophysitische Streitigkeiten im Zusammenhange mit der Reichspolitik« (Jena 1884); »Lucifer von Calaris und das Schisma der Luciferianer« (Leipz. 1886); »Die Apologieen Justins, herausgegeben« (Freiburg 1891; 3. Aufl., Tübing. 1904); »Was heißt und zu welchem Ende studiert man Dogmengeschichte?« (Freib. 1895); »Geschichte der altchristlichen Literatur« (das. 1895, Nachträge 1898); »Das Dogma vom Neuen Testament« (Gieß. 1896); »Die Entstehung des Neuen Testaments« (Freib. 1896); »Die neuen Bemühungen um Wiedervereinigung der christlichen Kirchen« (Leipz. 1897); »Die sogen. Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor« (in Gemeinschaft mit K. Ahrens, das. 1899); »Kritik und Überlieferung auf dem Gebiete der Erforschung des Urchristentums« (Gieß. 1903); »Das Dogma von der Dreieinigkeit und Gottmenschheit in seiner geschichtlichen Entwickelung« (Tüb. 1905). K. übersetzte J. Révilles »Die Religion Roms unter den Severen« aus dem Französischen (Leipz. 1888) und gab K. v. Hases »Kirchengeschichte auf der Grundlage akademischer Vorlesungen« (2. u. 3. Bd., s. Meyers Hase 2) sowie die Volksausgaben von Hases »Kirchengeschichte« und »Polemik« (Leipz. 1900) heraus. Seit 1895 ist K. Herausgeber des »Theologischen Jahresberichtes« (Berlin).

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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