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Kristallwachstum bis Kritik (Bd. 6, Sp. 718 bis 719)
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Artikelverweis Kristallwachstum. Bringt man einen Kristall, z. B. von Zucker, in gesättigte Zuckerlösung, so herrscht Gleichgewicht. Vom Standpunkt der Molekulartheorie betrachtet, ist dieses Gleichgewicht nur ein scheinbares. Tatsächlich werden nämlich infolge der sogen. Lösungstension fortwährend Moleküle von der Zuckeroberfläche in die Lösung hineingetrieben und ebenso viele in derselben Zeit infolge des osmotischen Druckes aus der Lösung gegen den Kristall, wo sie durch die Adsorptionskraft festgehalten werden. Amorpher Zucker verhält sich in derselben Lösung durchaus anders; er löst sich auf, wie sehr auch die Konzentration infolgedessen steigen mag. Es entsteht also eine in bezug auf Kristallzucker übersättigte Lösung. In einer solchen wächst ein Zuckerkristall, weil der osmotische Druck über die Lösungstension überwiegt, ebenso wie er in einer verdünnten Lösung sich auflöst, weil der osmotische Druck zu klein ist. Bedingungen des Kristallwachstums sind also: Löslichkeit der Substanz und Übersättigung der Lösung. In manchen Fällen trifft dies scheinbar nicht zu, z. B. bei Erstarrung und Sublimation, erklärt sich aber nach O. Lehmann, wenn man annimmt, daß die sogen. drei Aggregatzustände eines Körpers molekular verschieden sind, und daß in der Nähe des Kristallisationspunktes sowohl die flüssige als die gasförmige Modifikation von der festen in sich gelöst enthält, die sich in dem Maß, als sie von dem wachsenden Kristall entzogen wird, sofort aufs neue bildet. Bei Kristallisation aus Lösungen bildet sich rings um die Kristalle ein Hof minder übersättigter Lösung. Da unmittelbar an der Kristalloberfläche die Lösung nahezu gesättigt sein muß, bildet die Kristalloberfläche eine Niveauoberfläche der Konzentration und die folgenden Niveauflächen nähern sich in ihrer Form immer mehr der Kugel. Die Stromlinien der Diffusion, die senkrecht zu den Niveauflächen stehen, drängen sich also gegen die Ecken und Kanten am stärksten zusammen, so daß diese rascher wachsen müssen als die Flächen und somit hörnerartig hervortreten (Wachstumsformen). Soll sich das Wachstum regelmäßig gestalten, so empfiehlt sich, durch Bewegen der Kristalle oder der Lösung die Hofbildung tunlichst zu vermindern. Geschieht dies nicht und erfolgt das Wachstum sehr rasch, so gehen die Wachstumsformen in oft feingegliederte Kristallskelette über. Enthält die Lösung einen fremden Stoff, so kann dieser unter Umständen von dem wachsenden Kristall regelmäßig orientiert aufgenommen werden. Am leichtesten ist dies zu beobachten bei Farbstoffen, die künstliche dichroitische Färbung veranlassen. In größter Menge werden isomorphe und morphotrop verwandte Stoffe aufgenommen (Mischkristalle). Ändert sich die Beschaffenheit der Lösung während der Kristallisation, so entstehen Schichtkristalle (regelmäßige Verwachsungen der Kristalle beider Stoffe). Sind die Körper nicht isomorph, so können durch die Einlagerungen eigentümliche Strukturstörungen bewirkt werden, die häufig darauf hinauskommen, daß sich die Kristalle nach einer bestimmten Richtung in seine haarförmige, häufig gebogene Fasern (Trichiten) auflösen oder am Rand in seine Lamellen aufblättern. Solche pinselartige Zerfaserung oder Aufblätterung kann so weit gehen, daß Gebilde von der Art eines Doppelknopfes entstehen, oder geradezu zentral faserige Kugeln die sogen. Sphärokristalle, die, falls die Substanz doppeltbrechend ist, in polarisiertem Licht ein schwarzes Kreuz zeigen, das bei Drehung des Präparates stehen bleibt.
 
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Kristallwasser, s. Meyers Kristallisation, S. 711.
 
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Kristan von Hamle, Minnesinger aus dem 13. Jahrh., Nachahmer Heinrichs von Meyers Morungen (s. d.), stammte wahrscheinlich aus Thüringen. Die von ihm in der großen Heidelberger Handschrift erhaltenen Lieder sind herausgegeben inv. d. Hagens »Minnesingern«, Bd. 1 (Leipz. 1838).
 
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Kristiania, Kristiansand, Kristianstad, Kristiansund, s. Meyers Christiania, Meyers Christiansand etc.
 
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Kristinehamn, s. Meyers Christinehamn.
 
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Kriterĭum (griech.), soviel wie Kennzeichen oder Unterscheidungsmerkmal eines Dinges (einer Eigenschaft) von einem (einer) andern. Das K. ist negativ, wenn aus dessen Vorhandensein auf das Nichtvorhandensein, positiv, wenn aus dessen Vorhandensein auf das Vorhandensein des Dinges (der Eigenschaft) geschlossen werden darf. In der Logik versteht man unter K. das Kennzeichen der Wahrheit oder Falschheit eines Gedankens, das entweder von der Form (formales K.) oder von dem Inhalt (materiales K.) hergekommen sein kann. Formales und zwar negatives K. der Wahrheit ist der Widerspruch, so daß ein als widersprechend erkannter Gedanke notwendig falsch, dagegen ein nicht widersprechender darum noch nicht wahr sein muß. Materiales und zwar positives K. der Wahrheit ist die Übereinstimmung des Gedankens mit der Sache (des Denkens mit dem Sein), die jedoch niemals unwidersprechlich erwiesen werden kann.
 
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Krith (griech., »Gerstenkorn, kleines Gewicht«), die Einheit des Volumengewichts der Gase, entspricht dem Gewicht von 1 Lit. Wasserstoff bei 0° u. 760 mm Druck = 89,95 mg.
 
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Krithe, Augenlidgeschwulst, s. Meyers Gerstenkorn.

[Bd. 6, Sp. 719]



 
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Kriti, neugriech. Name der Insel Kreta.
 
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Kritĭas, Sohn des Kallaischros, Enkel des ältern K., des Verwandten Solons, Schüler der Sophisten und des Sokrates, begabt und sein gebildet, aber von unruhigem Ehrgeiz beseelt, half, obwohl Aristokrat durch seine Familienbeziehungen, 411 v. Chr. die Tyrannei der Vierhundert stürzen, setzte die Zurückberufung des Alkibiades durch, ward aber nach dessen zweitem Sturz verbannt, kehrte erst nach der Einnahme Athens durch Lysandros 404 dahin zurück und ward Mitglied der von letzterm eingesetzten Regierung und der einflußreichste, aber auch der rücksichtsloseste und verhaßteste unter den 30 Tyrannen. Er fiel im Kampf gegen Thrasybulos 403. K. hat sich auch als Dichter, Redner, Geschichtschreiber und Philosoph bekannt zu machen gewußt; doch sind nur von seinen Elegien Bruchstücke erhalten (in Bergks »Poetae lyrici graeci«). Als Philosoph tritt er in Platons »Timäos« und im unvollendeten »Kritias« auf.
 
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Kritik (griech.), soviel wie Beurteilung. Alle menschlichen Tätigkeiten und ihre Erzeugnisse (also technische, künstlerische und wissenschaftliche Leistungen, praktische Maßregeln im öffentlichen und privaten Leben, Meinungen und Lehren jeder Art) unterliegen der K., d. h. man kann fragen, was an ihnen richtig oder falsch, recht oder unrecht, zweckmäßig oder unzweckmäßig, häßlich oder schön, gut oder schlecht ist. Beschränkt sich die K. darauf, das Mangelhafte und Verwerfliche hervorzuheben, so ist sie bloß negativ, gibt sie zugleich an, wie die Fehler zu verbessern wären, und sucht sie überhaupt ihr Objekt allseitig (auch in seinen Vorzügen) zu würdigen, so ist sie positiv. In jedem Falle setzt die K. das Vorhandensein eines Maßstabes der Beurteilung voraus. Liefern diesen (wie zumeist im gewöhnlichen Leben) die individuellen Anschauungen des Kritikers oder von ihm blindlings angenommene konfessionelle, politische, nationale, Zeit- oder Modevorurteile, so ist die K. eine subjektive, und wenn sie nur die eigne Ansicht um jeden Preis zur Geltung zu bringen sucht, eine tendenziöse, stützt sie sich auf Tatsachen oder allgemein anerkannte Grundsätze und Regeln, so ist sie objektiv (sachlich). Eine solche ist freilich streng genommen nur auf den wenigen Gebieten möglich, wo es (wie in den exakten Wissenschaften, in den technischen Künsten) feste und unbestrittene Prinzipien gibt, überall sonst bleibt das kritische Urteil fast immer anfechtbar, bez. läßt sich der K. eine Antikritik entgegenstellen. Der besonnene Kritiker wird daher immer nur mit großer Vorsicht urteilen und an Stelle der äußern K., die ihren eignen Maßstab an den Gegenstand anlegt, lieber die innere treten lassen, die ihren Maßstab den Gegenständen selbst entnimmt, indem sie als historische und ethische nicht fragt, ob die Handlungen eines Mitmenschen oder einer historischen Persönlichkeit an sich gut oder schlecht, zweckmäßig oder unzweckmäßig, sondern ob sie unter den gegebenen Umständen vernunftgemäß waren, als ästhetische nicht den absoluten Kunstwert eines Werkes zu bestimmen, sondern festzustellen sucht, ob es dem Künstler gelungen ist, den Stoff nach seinen Ideen zu gestalten, als philosophische nicht über die absolute Wahrheit oder Unwahrheit eines Systems entscheidet, sondern seine innere Folgerichtigkeit und seine Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung mit den Tatsachen prüft. So gefährlich und zerstörend eine zügellose, alles bezweifelnde K. ist (wie die der französischen »Aufklärer«), so unentbehrlich ist doch in der Wissenschaft der kritische Geist, der im Gegensatz zum Autoritätsglauben nur das als wahr annimmt, was allseitiger Prüfung standhält, und auch die eignen Ideen immer aufs neue sichtet. In dieser Hinsicht sind Lessing und Kant noch heute klassische Vorbilder. In Philologie und Geschichte versteht man unter K. (im engern Sinne) den Inbegriff derjenigen Methoden, durch welche die Echtheit oder Unechtheit eines Schriftwerkes, der Wert oder Unwert von Überlieferungen und Dokumenten erwiesen wird.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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