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Kryoskopie bis Kryptogēn (Bd. 6, Sp. 756 bis 758)
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Artikelverweis Kryoskopie (griech.), die Ermittelung der Gefrierpunktserniedrigung (gewöhnlich mit bezeichnet), die kristallisierbare Lösungsmittel durch gelöste Substanzen erleiden. Die Erniedrigung ist proportional der Menge der gelösten Substanz, und molekulare Mengen der verschiedenen Substanzen zeigen in derselben Menge des Lösungsmittels gelöst dieselbe Gefrierpunktserniedrigung. Bezeichnet t die Gefrierpunktserniedrigung, die von p Gramm der Substanz in 100 g des Lösungsmittels hervorgebracht wird, so zeigt der Depressionskoeffizient t/p die Erniedrigung für 1 g der Substanz in 100 g der Lösung an. Durch Multiplizieren des Depressionskoeffizienten mit dem Molekulargewicht der gelösten Substanzen erhält man die Molekulardepression, die bei allen Substanzen für ein und dasselbe Lösungsmittel einen konstanten Wert zeigt, M t/p = C; er beträgt im Durchschnitt für Benzol 49, für Eisessig 39, für Wasser 19. Diese Verhältnisse werden zur Berechnung des unbekannten Molekulargewichts der gelösten Substanz benutzt, M= C p/t. Vergleicht man die Konstanten verschiedener Lösungsmittel, so ergibt sich, daß sie in demselben Verhältnis stehen wie deren Molekulargewichte, daß mithin der Quotient aus den Molekulardepressionen und Molekulargewichten eine konstante Größe ist (gegen 0,62). Das Molekül irgend einer Substanz in 100 Molekül einer Flüssigkeit gelöst, erniedrigt den Erstarrungspunkt um nahezu 0,62. Salze, starke Säuren und Basen (d. h. alle Elektrolyte) weichen von den obigen Gesetzen ab. Sie zeigen größere Gefrierpunktserniedrigungen als die berechneten, was nach der elektrolytischen Dissoziationstheorie durch die Spaltung der Elektrolyte in freie Ionen erklärt wird. Aber auch die indifferenten Substanzen zeigen vielfache, meist entgegengesetzte Abweichungen, die dadurch bedingt werden, daß die gelösten Substanzen noch nicht völlig in Einzelmoleküle zerfallen sind. Die obigen von Blagden, Rudorff, de Coppet und besonders von Raoult empirisch ermittelten Gesetze haben Guldberg und van't Hoff theoretisch aus der Dampfdrucksverminderung und dem osmotischen Druck abgeleitet. Die Konstante C für die verschiedenen Lösungsmittel ergibt sich aus der Formel 0,02 T2/w, in der T die Erstarrungstemperatur des Lösungsmittels, vom absoluten Nullpunkt an gerechnet, und w seine latente Schmelzwärme bezeichnet. Die Bestimmung der Gefrierpunktserniedrigung erfordert relativ einfache Vorrichtungen, deren wesentlichster Teil ein seines, in 1/100° C. geteiltes Thermometer ist. Dieses taucht in einen Glaszylinder, der die zu untersuchende Flüssigkeit enthält. Wird dieser Zylinder mit einer Kältemischung umgeben, so wird hierdurch die Flüssigkeit unterkühlt, bis sie fast plötzlich erstarrt. Bei der Erstarrung wird Wärme frei, welche die Quecksilbersäule bis zu einem bestimmten Punkt in die Höhe treibt, dem Gefrierpunkt, auf dem sie dann unter weiterm Fortgang der Erstarrung längere Zeit stehen bleibt.
   Die K. findet in der Medizin praktische Verwendung. Man findet z. B., daß normalerweise die Differenz zwischen dem Gefrierpunkt des Wassers und dem des Blutserums -0,56° beträgt, eine Zahl, die mit großer Konstanz festgehalten wird und auch unter krankhaften Verhältnissen, bei Fieber, Durst, vermehrter Wasseraufnahme, Schweiß annähernd gleich bleibt vermöge genau arbeitender Regulationsvorrichtungen. Werden diese Vorrichtungen leistungsunfähig, so ändert sich der Wert von , und es nimmt namentlich bei Erkrankung der Nieren die molekulare Konzentration des Blutes zu, so daß bis auf -0,70° sinken kann. Ist nur eine Niere erkrankt, so bleibt durch vermehrte Tätigkeit der andern, normal. Ein Wert von unter -0,58° deutet auf doppelseitige Nierenerkrankung. Da die Aufgabe der Nieren darin besteht, im Harn Salze und Stoffwechselprodukte entgegen den osmotischen Kräften aus dem Blut auszuscheiden, so zeigt sich bei Leistungsunfähigkeit der Nieren eine Verringerung der Molekularkonzentration des Harnes, also verringerte Gefrierpunktserniedrigung. Da aber diese je nach den Stoffwechselverhältnissen in weitesten Grenzen, zwischen -0,87° und -2,43°, schwankt, so sind Schlüsse auf die Beschaffenheit der Nieren schwierig. Wenn jedoch durch Katheterismus beider Harnleiter der Harn beider Nieren getrennt aufgefangen und untersucht wird, so spricht erniedrigter Gefrierpunkt des Harns der einen Niere bei normalem Wert von, der andern Niere für Erkrankung der erstern. Auch bei zahlreichen andern Körperflüssigkeiten (Milch, Mageninhalt, entzündlichen Ausschwitzungen etc.) hat die K. Anwendung gefunden, ohne aber bisher zu praktisch bedeutungsvollen Ergebnissen geführt zu haben. Vgl. Koeppe, Physikalische Chemie in der Medizin (Wien 1900); Hamburger, Osmotischer Druck und Ionenlehre in den medizinischen Wissenschaften (Wiesb. 190204, Bd. 1 u. 2); Brasch, Die Anwendung der physikalischen Chemie auf die Physiologie und Pathologie (das. 1901); Korany, Die wissenschaftlichen Grundlagen der K. in ihrer klinischen Anwendung (Berl. 1904); Claude und Balthazard, La cryoscopie des urines (Par. 1901).
 
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Kryostaz, eine von Helbig angegebene Mischung aus gleichen Teilen Phenol, Kampfer und Zaponlack (Lösung von Nitrozellulose oder Zelluloid im Amylazetat und Amylalkohol oder Azeton) mit wenig Terpentinöl, ist wasserhell, bei gewöhnlicher Temperatur

[Bd. 6, Sp. 757]


starr, wird aber bei 0° flüssig. Die Dünnflüssigkeit wächst bis -70°. Bei Einwirkung atmosphärischer Luft verändert sich das K. in der Weise, daß es schon bei gewöhnlicher Temperatur flüssig wird. K. eignet sich vielleicht zur Konstruktion von Thermostaten, besser zum Einbetten seiner anatomischer, zoologischer und botanischer Präparate.
 
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Krypte (griech.), im Altertum dunkler, unterirdischer, in Felsen gehauener oder überwölbter Gang, z. B. unter einem römischen Zirkus; in altchristlicher Zeit hießen Krypten ursprünglich ebenfalls die Galerien in den Katakomben und dann die ganze unterirdische Grabstätte (s. Tafel Meyers »Christliche Altertümer I«, Fig. 4 u. 5). Da in diesen Krypten auch Gottesdienste abgehalten wurden, übertrug man später den Namen K. auf Grabkapellen unter einer größern Kirche, worin Reliquien von Heiligen aufbewahrt werden. Solche Kapellen lagen meist unter dem Chor oder unter dem Chor und der Vierung, seltener unter dem Kreuzarm des Querschiffs. Sie erhielten dann eine Höhe von 46 m und zur Unterstützung ihrer Gewölbe Säulen- oder Pfeilerreihen, wodurch sie in mehrere, gewöhnlich drei Schiffe geteilt wurden. Um sie zu beleuchten und zugänglich zu machen, wurden sie etwas über den Boden erhöht, wodurch der Fußboden des Chors eine höhere Lage erhielt, und mit einer oder zwei Treppen versehen. Darin wurden teils zur Erinnerung an die religiösen Zusammenkünfte der ersten Christen, teils an den Gedenktagen der Heiligen, denen die Krypten geweiht waren, Gottesdienste abgehalten, weshalb die Krypten mit Altären versehen waren. Die Krypten, welche die Gebeine der Stifter von Kirchen oder andrer um sie verdienter Personen enthielten, wurden meist unter die Turmanlage verlegt. Die ältesten bekannten Krypten datieren aus dem 7. (Dom in Torcello bei Venedig), die ausgedehntesten aus dem 11.13. Jahrh., während sie später allmählich verschwinden oder nur zur Erhöhung und Trockenlegung des Chorraums dienen. Umfangreiche Krypten befinden sich unter andern in St. Gereon in Köln, im Münster zu Bonn, in den Domen von Bamberg, Mainz, Speier und Naumburg und in der Kathedrale von Chartres. Vgl. auch Katakomben.
 
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Krypteia (griech.), bei den alten Spartanern ein geheimer Polizeidienst, hauptsächlich zur Überwachung der Heloten (s. d.), ausgeübt von jungen, durch die Ephoren alljährlich auserlesenen Spartiaten, mit der Befugnis, gefährlich erscheinende Heloten ohne weiteres aus dem Wege zu räumen. Spätere Schriftsteller haben daraus irrtümlich eine jährlich von Staats wegen auf die Heloten angestellte blutige Jagd der spartanischen Jünglinge gemacht.
 
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Kryptiden (Cryptides), s. Meyers Schlupfwespen.
 
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Kryptĭker (griech.), s. Meyers Kenotiker.
 
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Krypto... (griech.), in Zusammensetzungen: geheim, heimlich, verborgen; s. die folgenden Artikel.
 
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Kryptocalvinisten, die heimlich der Lehre Calvins anhängenden Lutheraner; insbes. aber diejenigen Protestanten in Sachsen, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. sich an die mildern Anschauungen Melanchthons hielten und infolgedessen zu einer Union mit der reformierten Kirche hinneigten. Sie bildeten nach 1570 die herrschende Partei auf den Universitäten Leipzig und Wittenberg. Durch zum Teil grausame Gewaltmaßregeln (wie gegen Nikolaus Crell, s. d.) erfolgte noch im 16. Jahrh. ihre Unterdrückung. S. Konkordienformel.
 
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Kryptochrose, s. Meyers Röntgenstrahlen.
 
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Kryptogamen (Cryptogamae, griech., »Verborgenehige«), blütenlose Pflanzen, Abteilung des Pflanzenreiches, die Linné den auf die 23 ersten Klassen verteilten Blütenpflanzen (Phanerogamen) in der 24. Klasse seines künstlichen Systems gegenüberstellte, weil sich bei ihnen keine eigentlichen Blüten mit Staub- und Fruchtblättern finden. Eine geschlechtliche Fortpflanzung fehlt indessen auch den meisten K. nicht, dagegen besteht in andrer Beziehung ein wesentlicher Unterschied. Bei den Phanerogamen werden infolge der Befruchtung einer Eizelle Samen gebildet, in denen die bereits aus vielen Zellen bestehende Anlage des neuen Individuums (Embryo) eine Ruheperiode durchzumachen hat, während welcher die Verbreitung durch natürliche Aussaat erfolgen kann. Die K. dagegen verbreiten sich durch einzellige Sporen (Keimkörner), und die bei der geschlechtlichen Fortpflanzung entstehenden Anlagen neuer Individuen durchlaufen ihre Entwickelung ohne Unterbrechung. Man kann danach auch die K. als Sporenpflanzen (Sporophyten), die Phanerogamen als Samenpflanzen (Spermaphyten) bezeichnen.
   Man unterscheidet niedere und höhere K. Die erstere dieser Gruppen stellt ein Gemenge mehrerer einander verwandtschaftlich fernstehender Pflanzengruppen dar, für die ein gemeinsames Merkmal darin gefunden wird, daß der Vegetationskörper in der Regel keine Differenzierung in Wurzel, Sproß und Blätter erkennen läßt, sondern vielmehr ein verschieden gestaltetes, ein- bis vielzelliges Lager (Laub, Thallus) darstellt. Die niedern K. werden danach auch als Lager- (Laub-) pflanzen (Thallophyta) bezeichnet. Zu ihnen gehören drei Pflanzenklassen: Algen, Pilze und Flechten, die wiederum nur als eine Zusammenfassung verschiedener Verwandtschaftsgruppen nach äußern Merkmalen anzusehen sind. Die Algen sind Bewohner feuchter Standorte und meist Wasserpflanzen, sie führen Blattgrün in ihren Zellen und sind dadurch zu selbständiger Ernährung durch Assimilation befähigt. Unter den zu den Algen zu rechnenden Verwandtschaftskreisen nehmen die Spaltpflanzen (Schizophyteen, Schizophyta) die niederste Stelle ein, weil ihren Zellen ein typischer Zellkern fehlt, und weil die Fortpflanzung ausschließlich auf ungeschlechtlichem Wege durch vegetative Zweiteilung der das Individuum repräsentierenden Zelle oder durch Zerstückelung der zu Fäden oder Flächen oder selbst zu Körpern vereinigten Zellverbände erfolgt. Die chlorophyllhaltigen Spaltpflanzen (Cyanophyzeen) sind außerdem durch den Besitz eines blaugrünen Farbstoffes (Phycocyan) im Zellinhalt ausgezeichnet; als chlorophyllfreie Gruppe schließen sich ihnen die Spaltpilze (Schizomycetes, Bakterien) an. Die Verwandtschaftsreihe der Zygophyzeen wird von einzelligen, freilebenden oder zu unverzweigten Fäden verbundenen Organismen gebildet, die Zellkern und Blattgrün führen. Auch bei ihnen beruht die Vermehrung auf vegetativer Zweiteilung, daneben tritt aber schon eine niedere Stufe geschlechtlicher Fortpflanzung auf, indem zwei gleiche Individuen zu einer Zygospore verschmelzen. Man rechnet hierher außer den rein grün gefärbten Konjugaten und den durch den Kieselgehalt der Zellmembran ausgezeichneten Kieselalgen (Diatomeen) auch die mit zwei verschiedenen Geißeln versehenen infusorienähnlichen Peridineen (Furchengeißelträger, Dinoflagellata). Bei den übrigen Verwandtschaftsreihen der Algen, der Grünalgen, Braunalgen, Rotalgen und Charazeen, die gelegentlich auch als geschlechtliche Algen (Gamophyzeen) zusammengefaßt

[Bd. 6, Sp. 758]


werden, steigert sich die Organisation des meist mehrzelligen Vegetationskörpers von einfachen Strukturen allmählich zu komplizierter Gliederung, und neben der ungeschlechtlichen Vermehrung durch Schwärmer oder nur passiv bewegliche Sporen tritt eine geschlechtliche Fortpflanzung auf, die in allen Abstufungen von der Verschmelzung gleicher Gameten zu der Befruchtung eines Eies durch männliche Sexualzellen (Spermatozoiden, Spermatien) fortschreitet.
   Unter den durch den Chlorophyllmangel charakterisierten Pilzen nimmt die Verwandtschaftsreihe der Schleimpilze oder Myxomyceten eine besondere Stellung dadurch ein, daß der Vegetationskörper der hierher gehörigen Organismen eine aus zellwandlosen Zellen bestehende Plasmamasse darstellt; man hat deshalb die Schleimpilze in neuern Pflanzensystemen auch wohl als Schleimlagerpflanzen (Myxothallophyta) der Gesamtheit den zellwandbildenden Lagerpflanzen (Euthallophyta) gegenübergestellt. Die echten Pilze (Eumycetes) bestehen im Gegensatz zu den Schleimpilzen aus behäuteten Zellen und werden in Algenpilze (Phycomyceten), Schlauchpilze (Ascomyceten) und Stielpilze (Basidiomyceten) eingeteilt. Die Flechten endlich, die neben Algen und Pilzen die dritte Klasse der niedern K. bilden, sind keine einheitlichen Organismen, ihr Vegetationskörper besteht aus einem Pilz, der mit Algenzellen vergesellschaftet ist (Symbiose). Die systematische Gliederung dieser Klasse schließt sich demgemäß der natürlichen Einteilung der Pilze an, man unterscheidet Askolichenen und Basidiolichenen, je nachdem der flechtenbildende Pilz zu den Ascomyceten oder Basidiomyceten gehört.
   Die höhern, blattbildenden K. (Cryptogamae foliosae) zeigen in bezug auf die Morphologie des Vegetationskörpers weniger weitgehende Mannigfaltigkeit als die Thallophyten, die Grundzüge des Entwickelungsganges und die Vorgänge der geschlechtlichen Fortpflanzung stimmen bei ihnen so vollkommen überein, daß man die Abteilung als eine einheitliche, wenn auch vielverzweigte natürliche Verwandtschaftsgruppe ansehen kann. Ganz allgemein tritt in dem Entwickelungsgange der höhern K. ein Generationswechsel ein, indem auf eine ungeschlechtliche (embryonale) Generation, die in Sporangien Sporen als Fortpflanzungsorgane erzeugt, eine geschlechtliche (proembryonale) Generation mit Geschlechtsorganen folgt. Die männlichen Organe (Antheridien) bestehen aus kapselartigen, kugel- oder keulenförmigen Zellkörpern, in deren Innern die Mutterzellen der Spermatozoiden sich bilden; letztere stellen mikroskopisch kleine, spiralig gewundene, durch Wimpern bewegliche Fäden dar, die der Hauptsache nach aus dem Zellkern ihrer Mutterzelle hervorgehen. Die weiblichen Organe (Archegonien) stellen flaschenförmige Gewebekörper dar, in deren Bauchteil die Eizelle eingeschlossen ist, während der nach oben sich fortsetzende Halsteil in spätern Stadien einen an der Spitze offenen Halskanal bildet, durch den die Spermatozoiden bis zu der zu befruchtenden Eizelle vordringen. Aus der befruchteten Eizelle entsteht ein Embryo, der sich wieder zur sporenbildenden, ungeschlechtlichen Generation entwickelt. Die übereinstimmende Ausbildung der Archegonien bei den höhern K. und den im Entwickelungsgange sich ihnen nahe anschließenden, aber Samen bildenden Gymnospermen hat zu der gemeinsamen Bezeichnung beider Gruppen als Archegoniaten Veranlassung gegeben.
   Die höhern K. zerfallen naturgemäß in die beiden Gruppen der Moospflanzen (Bryophyten, Muscineae, s. Meyers Moose), bei denen die geschlechtliche Generation (die eigentliche Moospflanze) wohlentwickelt, die ungeschlechtliche Generation (Moosbüchse, Sporogonium) unselbständig und von begrenztem Wachstum ist, und die Gefäßkryptogamen (Cryptogamae vasculares, Pteridophyta), bei denen die geschlechtliche Generation (Vorkeim, Prothallium) klein und unbedeutend ist, während die ungeschlechtliche Generation (die eigentliche Farnpflanze) eine bewurzelte und beblätterte, von Leitbündeln durchzogene Gefäßpflanze darstellt. Unter den Gefäßkryptogamen lassen sich drei Hauptgruppen unterscheiden: Die Farne (Filicinen, Filicales) haben einen wenig verzweigten Sproß mit ansehnlichen, meist reich gegliederten Blättern, die Sporangien stehen am Rand oder an der Unterseite der Laubblätter oder abweichend geformter Sporophylle, die mit den sterilen Blättern untermischt stehen. Die Schachtelhalme (Equisetinen, Equisetales) tragen an den hohlen, gegliederten, mehr oder minder reich verzweigten Sprossen Quirle von rudimentären, scheidig verwachsenen Blättern, die schildförmigen, mit mehreren Sporangien versehenen Sporophylle sind zu gipfelständigen Sporangienähren vereinigt. Die Bärlappgewächse (Lykopodinen, Lycopodiales) tragen an den niemals knotig gegliederten Sprossen kleine Blätter, die meist spiralig gestellt und nie scheidig verwachsen sind, ihre Sporangien stehen einzeln an den meist schuppen-, nie schildförmigen Sporophyllen. Unter den Farnen und Bärlappgewächsen treten neben solchen Formen, die nur einerlei, an Gestalt und Größe gleiche Sporen ausbilden (Isosporeen), andre auf (Heterosporeen), die zweierlei Sporen besitzen: Mikrosporen, aus denen rein männliche, und größere Makrosporen, aus denen weibliche Prothallien hervorgehen. Die Schachtelhalme bilden nur einerlei Sporen aus, dagegen waren die jetzt ausgestorbenen, hierher gehörigen Kalamarien heterospor. Indem mit dem Zurückgreifen der geschlechtlichen Differenzierung auf Sporen und Sporangien zugleich ein Rudimentärwerden der Prothallien bei den Heterosporeen nebenher geht, bilden dieselben einen Übergang zu den phanerogamen Archegoniaten, d. h. den Gymnospermen, bei denen die Ausbildung der Geschlechtsorgane so nahe an die Sporenkeimung herangerückt ist, daß der ganze Generationswechsel als ein im Innern der Mikrosporen (Pollenkörner) und der Makrosporen (Embryosack) in wenig Schritten sich abspielender Entwickelungsgang sich der makroskopischen Wahrnehmung vollständig entzieht. Literatur s. Meyers Artikel »Algen, Pilze, Flechten, Moose, Farne«.
 
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Kryptogēn (griech.), Bezeichnung für diejenigen kristallinischen Schiefer (Gneis etc.), deren Bildung noch nicht aufgeklärt ist.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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