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Kritik bis Kritolāos (Bd. 6, Sp. 719 bis 720)
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Artikelverweis Kritik (griech.), soviel wie Beurteilung. Alle menschlichen Tätigkeiten und ihre Erzeugnisse (also technische, künstlerische und wissenschaftliche Leistungen, praktische Maßregeln im öffentlichen und privaten Leben, Meinungen und Lehren jeder Art) unterliegen der K., d. h. man kann fragen, was an ihnen richtig oder falsch, recht oder unrecht, zweckmäßig oder unzweckmäßig, häßlich oder schön, gut oder schlecht ist. Beschränkt sich die K. darauf, das Mangelhafte und Verwerfliche hervorzuheben, so ist sie bloß negativ, gibt sie zugleich an, wie die Fehler zu verbessern wären, und sucht sie überhaupt ihr Objekt allseitig (auch in seinen Vorzügen) zu würdigen, so ist sie positiv. In jedem Falle setzt die K. das Vorhandensein eines Maßstabes der Beurteilung voraus. Liefern diesen (wie zumeist im gewöhnlichen Leben) die individuellen Anschauungen des Kritikers oder von ihm blindlings angenommene konfessionelle, politische, nationale, Zeit- oder Modevorurteile, so ist die K. eine subjektive, und wenn sie nur die eigne Ansicht um jeden Preis zur Geltung zu bringen sucht, eine tendenziöse, stützt sie sich auf Tatsachen oder allgemein anerkannte Grundsätze und Regeln, so ist sie objektiv (sachlich). Eine solche ist freilich streng genommen nur auf den wenigen Gebieten möglich, wo es (wie in den exakten Wissenschaften, in den technischen Künsten) feste und unbestrittene Prinzipien gibt, überall sonst bleibt das kritische Urteil fast immer anfechtbar, bez. läßt sich der K. eine Antikritik entgegenstellen. Der besonnene Kritiker wird daher immer nur mit großer Vorsicht urteilen und an Stelle der äußern K., die ihren eignen Maßstab an den Gegenstand anlegt, lieber die innere treten lassen, die ihren Maßstab den Gegenständen selbst entnimmt, indem sie als historische und ethische nicht fragt, ob die Handlungen eines Mitmenschen oder einer historischen Persönlichkeit an sich gut oder schlecht, zweckmäßig oder unzweckmäßig, sondern ob sie unter den gegebenen Umständen vernunftgemäß waren, als ästhetische nicht den absoluten Kunstwert eines Werkes zu bestimmen, sondern festzustellen sucht, ob es dem Künstler gelungen ist, den Stoff nach seinen Ideen zu gestalten, als philosophische nicht über die absolute Wahrheit oder Unwahrheit eines Systems entscheidet, sondern seine innere Folgerichtigkeit und seine Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung mit den Tatsachen prüft. So gefährlich und zerstörend eine zügellose, alles bezweifelnde K. ist (wie die der französischen »Aufklärer«), so unentbehrlich ist doch in der Wissenschaft der kritische Geist, der im Gegensatz zum Autoritätsglauben nur das als wahr annimmt, was allseitiger Prüfung standhält, und auch die eignen Ideen immer aufs neue sichtet. In dieser Hinsicht sind Lessing und Kant noch heute klassische Vorbilder. In Philologie und Geschichte versteht man unter K. (im engern Sinne) den Inbegriff derjenigen Methoden, durch welche die Echtheit oder Unechtheit eines Schriftwerkes, der Wert oder Unwert von Überlieferungen und Dokumenten erwiesen wird.
 
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Kritikaster, schlechter, After-Kritiker.
 
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Kritĭos, griech. Bildhauer, um 495450 v. Chr. in Athen tätig, ersetzte mit Nesiotes, mit dem er zusammen arbeitete, 476 v. Chr. die von Xerxes weggeführten Statuen des Harmodios und Aristogeiton am Kerameikos (Markt) in Athen durch eine Erzgruppe. Nachbildungen in Marmor sind die beiden Statuen des Museums in Neapel; auch findet sich die Gruppe mehrfach auf kleinern Kunstwerken (Münzen, Vasen etc.) und als Relief an einem marmornen obrigkeitlichen Lehnsessel in Athen nachgeahmt. K. gehörte noch der alten strengen Schule an und zu den bedeutendern Künstlern seiner Zeit.
 
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Kritisch, entscheidend und zwar entweder: eine Krisis (s. d.) bezeichnend und daher soviel wie bedenklich, gefährlich, oder: der Meyers Kritik (s. d.) gemäß beurteilend; kritisieren, etwas zum Gegenstand der Kritik machen, auch soviel wie bekritteln.
 
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Kritische Geschwindigkeit (v), das Verhältnis der elektromagnetischen Einheit der Elektrizitätsmenge (10 Coulomb) zur elektrostatischen (1/3. 10-9 Coulomb). Sie ist gleich der Lichtgeschwindigkeit (300,000 km in 1 Sekunde). Man denke sich einen Ring, der um eine durch seinen Mittelpunkt gehende, zu seiner Ebene senkrechte Achse rotieren kann, elektrisch geladen und zwar so, daß auf je 1 cm Bogenlänge die elektrostatische Einheit der Elektrizitätsmenge kommt und ihn nun gleichförmig mit der Geschwindigkeit 1 cm in 1 Sekunde rotierend, so wirkt er auf eine Magnetnadel, wie wenn er von einem konstanten Strome von der Stärke 1 cgs in elektrostatischem Maß (=1/3. 10-9 Ampere) durchflossen wäre. Läßt man ihn aber mit der kritischen Geschwindigkeit (3. 101° cm pro Sekunde) rotieren, so ist die Wirkung gleich der eines Stromes von der Stärke 1 cgs in elektromagnetischem Maß (= 10 Ampere). v ist also auch das Verhältnis dieser beiden Einheiten der Stromstärke.
 
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Kritischer Punkt, kritischer Druck, kritische Temperatur, kritisches Volumen, kritische Konstanten (Daten), s. Meyers Gase. Der kritische Druck ist die Dampftension einer Flüssigkeit bei der kritischen Temperatur, über die der betreffende Stoff nur in Gasform bestehen kann.
 
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Kritisches Alter, s. Klimakterische Jahre.
 
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Kritische Tage bei Krankheiten, s. Krisis. Über Falbs k. T. s. Meyers Falb (Rudolf) und Atmosphärische Ebbe und Flut.
 
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Kritische Zeit nennt man den Zeitraum vom 181. bis einschließlich 302. Tag vor der Geburt eines Kindes. Vgl. Empfängniszeit und Kind, S. 4.
 
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Kritizismus (griech.), diejenige philosophische Methode, die jedem Versuch, die Philosophie als ein systematisches Wissen zu konstruieren, eine Untersuchung des Erkenntnisvermögens vorausgehen läßt. Der K. unterscheidet sich einerseits vom Meyers Dogmatismus (s. d.), der jene propädeutische Arbeit vernachlässigt, anderseits vom Meyers Skeptizismus (s. d.), der an der Möglichkeit alles Wissens verzweifelt, und nimmt zwischen beiden eine mittlere und vermittelnde Stellung ein. Obwohl schon Meyers Locke (s. d.) und Meyers Hume (s. d. 1)

[Bd. 6, Sp. 720]


die kritische Methode mit Erfolg angewendet hatten, gilt doch in der Regel Kant als der Vater des K., und nach ihm ist fast ausnahmslos in der deutschen Philosophie der Grundsatz anerkannt worden, daß keine über die Erfahrung hinausgehende Behauptung aufgestellt werden darf, ohne den Nachweis, wie ein solches Wissen möglich sein soll. Vgl. Bergmann, Zur Beurteilung des K. vom idealistischen Standpunkte (Berl. 1875); Riehl, Der philosophische K. (Leipz. 187787, 3 Bde.).
 
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Kritolāos, peripatetischer Philosoph von Phaselis in Lykien, gehörte mit Karneades und Diogenes zu der Gesandtschaft, welche die Athener 156 v. Chr. nach Rom schickten; er war damals bereits vorgerückten Alters. Von seinen Schriften ist nichts bekannt.

 

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