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Kraich bis Krakau (Bd. 6, Sp. 558 bis 563)
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Artikelverweis Kraich, rechtsseitiger Nebenfluß des Rheins in Baden, entspringt bei Derdingen im Württembergischen und mündet nach 65 km langem Lauf unterhalb Speyer. Nach ihm benannt ist der Kraichgau, die Gegend zwischen dem Neckar im N. und O., der Enz und der Eisenbahnlinie Durlach-Pforzheim im S. und der Strecke Heidelberg-Durlach im W., und das Kraichgauer Bergland, ein aus Muschelkalk bestehendes Plateau, das die nördliche Fortsetzung des Schwarzwaldes bildet und im Königstuhl bei Heidelberg die höchste Höhe (568 m) erreicht. Vgl. Schnarrenberg, Die vor- und frühgeschichtliche Besiedelung des Kraichgaues (Bruchsal 1898 u. 1902).

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Krain (hierzu die Karte Meyers »Krain-Küstenland«), Herzogtum, österreich. Kronland, grenzt nördlich an Kärnten, nordöstlich an Steiermark, südöstlich und südlich an Kroatien, westlich an Istrien und Görz und hat einen Flächengehalt von 9955 qkm (180,8 QM.). K. ist vorwiegend Gebirgsland, dessen Hauptabdachung von NW. nach SO. gerichtet ist, und das teils dem Alpen-, teils dem Karstgebiet angehört. Im N. und NW. erheben sich die zur südlichen Kalkalpenzone gehörigen Meyers Julischen Alpen (s. d.) mit dem Triglav (2864 m), Mangart u. a., die Meyers Karawanken (s. d.), die sich längs der kärntnerischen Grenze mit einer schroffen, kahlen Kette hinziehen (Stou 2239 m), und die Steiner Alpen (Grintouz 2559 m), die gegen die Save mit niedrigen Waldbergen endigen. Die Täler der Idria und Sora schließen die Julischen Alpen vom Meyers Karst (s. d.) ab, von dem die nordöstlichen Verzweigungen, nämlich der Birnbaumer Wald (Nanos 1300 m), der Krainer Schneeberg (1796 m), der Hornwald (Hornbühel 1100 m) und das Uskokengebirge (1181 m), in K. liegen. K. gehört mit geringen Ausnahmen zum Flußgebiet der Save, nur der westliche Abhang des Karstes gehört zum Gebiet des Adriatischen Meeres (mit der Idria und Wippach, Nebenflüssen des Isonzo, und der Reka-Timavo). Die Save entsteht im Land aus der Verbindung der Wocheiner mit der Wurzener Save (bei Radmannsdorf). Ihre Zuflüsse in K. sind: die Sora, Laibach und Gurk rechts, die Kanker und die Steiner Feistritz links. Der merkwürdigste dieser Flüsse ist der Höhlenfluß Meyers Laibach (s. d.). Im Quellgebiet der Save liegen die schönen Gebirgsseen von Wochein, Veldes und Weißenfels. Der Zirknitzer Meyers See (s. d.) im Karstgebiet ist der bekannteste der periodischen Seen. Soweit K. Karstnatur hat, ist sein Inneres von Höhlen durchzogen; weit berühmt ist die Grotte von Meyers Adelsberg (s. d.), andre sind die Magdalenengrotte, die Höhle von Planina etc. Das Klima ist im nördlichen Teil (Oberkrain) kaltes Alpenklima; Unterkrain, der südöstliche Teil zwischen Save und Kulpa, hat in den Flußtälern mildes Klima; Innerkrain, die Karstgegend, ist der kälteste, rauheste Landesteil. Die mittlere Jahrestemperatur von Laibach ist 9,4°, von Rudolfswert 9,8°. Der Niederschlag ist beträchtlich (in Laibach 142 cm), Gewitter sind häufig.
   Die Bevölkerung belief sich 1890 auf 498,958,1900 auf 508,150 Seelen, zeigt also in den letzten zehn Jahren nur eine Vermehrung um 1,84 Proz. Auf 1 qkm kommen 51 Bewohner. Der Nationalität nach gehört die überwiegende Majorität (94 Proz.) dem südslawischen Stamm der Slowenen an (s. die »Ethnographische Karte von Österreich-Ungarn«). Nur der Bezirk Gottschee bildet eine deutsche Sprachinsel mit ungefähr 15,000 Deutschen, überdies leben Deutsche in der Landeshauptstadt und in einigen Orten (im ganzen 28,177). Die Bewohner sind fast ausschließlich römische Katholiken und gehören zur Laibacher Diözese. Die Landwirtschaft ist die Hauptbeschäftigung der Bewohner (73,5 Proz. der berufstätigen Personen), deckt aber nicht den Bedarf des Landes. Von der Gesamtfläche sind nur 4,5 Proz. unproduktiv; jedoch gehören 44,4 Proz. dem Waldland und nur 14,8 Proz. dem Ackerland an. Ausgedehnter sind Wiesen und Weiden (je 17 Proz.). Der Ertrag der Ernte belief sich 1903 auf 817,983 metr. Ztr. Zerealien (neben den Hauptgetreidearten viel Mais), ferner 155,670 hl Buchweizen und 137,097 hl Hirse, 62,562 hl Hülsenfrüchte, 1,872,127 metr. Ztr. Kartoffeln, 3833 metr. Ztr. Flachs, 1068 metr. Ztr. Hanf, 1,433,320 metr. Ztr. Futterrüben, 252,529 metr. Ztr. Kraut, 834,026 metr. Ztr. Kleeheu, 4,546,350 metr. Ztr. Grasheu, 61,265 metr. Ztr. Obst und 148,755 hl Wein. Der Viehstand umfaßte 1900: 24,821 Pferde, 253,839 Rinder, 38,629 Schafe, 6384 Ziegen, 107,836 Schweine, außerdem 41,699 Bienenstöcke.
   Unter den Produkten des Bergbaues nimmt die Quecksilbergewinnung zu Idria (s. d.) den ersten Rang ein; 1903 ergab dieselbe 833,208 metr. Ztr. Erz und 5233 metr. Ztr. Quecksilber. Außerdem wurden gewonnen: 318 kg Silber, 8615 metr. Ztr. Roheisen, 20,322 metr. Ztr. Blei, 4797 metr. Ztr. Zink, 33,432 metr. Ztr. Manganerz und 2,481,187 metr. Ztr. Braunkohlen. Die Zahl der Berg- und Hüttenarbeiter betrug 2637, der Wert der Berg- und Hüttenproduktion 4,374,987 Kronen. Die In duft ri e ist nicht bedeutend; sie umfaßt einige Eisen- und Stahlraffinierwerke, Fabriken für Eisen- und andre Metallwaren (Drahtstifte, Nägel, Gußwaren, Sensen, Glocken), für Maschinen, Tonwaren, Glas, Parkette und andre Holzwaren, Leder und Schuhwaren, Siebböden, Strohhüte, Papier, Schießpulver, Zündhölzer, Öl, Farbholz, Zinnober, Leim, Kunstdünger, Kaffeesurrogate, ferner Mühlen, Bierbrauereien, Spinnereien und Webereien in Schaf- und Baumwolle und eine ärarische Tabakfabrik. Dem Verkehr dienen gute Landstraßen (1901: 5569 km), die Eisenbahnen (434 km) und schiffbaren Flüsse (Save und Laibach, zusammen 139 km). Für die geistige Bildung sorgen 378 Volksschulen, ferner 4 Obergymnasien, ein Untergymnasium, eine Ober- und eine Unterrealschule, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, 2 theologische Lehranstalten, eine landwirtschaftliche Schule, 3 gewerbliche Fachschulen und eine Handelslehranstalt. Für die Verwaltung zerfällt das Kronland in folgende zwölf politische Bezirke, die der Landesregierung in Laibach unterstehen:

Für die Rechtspflege sind dem Landesgericht in Laibach und dem Kreisgericht in Rudolfswert 31 Bezirksgerichte untergeordnet; für das Finanzwesen besteht eine Finanzdirektion in Laibach. Der Landtag ist aus 37 Mitgliedern zusammengesetzt, nämlich dem Fürstbischof von Laibach, 10 Abgeordneten des Großgrundbesitzes, 8 der Städte und Märkte, 2 der Laibacher Handels- und Gewerbekammer, 16 der Landgemeinden. In das Abgeordnetenhaus des Reichsrates sendet das Land 11 Vertreter. Das Wappen (s. Tafel Meyers »Österreichisch-Ungarische Länderwappen«, Fig. 11) bildet in silbernem, von einem Fürstenhut überragtem Feld ein kaiserlich gekrönter, rot bewehrter blauer Adler mit zweireihig rot-gold geschachtem Brustmond. Die Landesfarben sind: Weiß, Blau, Rot.
   [Geschichte.] K. hat seinen Namen von Krajina, »Grenze« (Krajnci, »Grenzbewohner«). Die Zeit der

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ersten Einwanderung der Slawen in diese Gegenden ist ungefähr Ende des 6. Jahrh. n. Chr. anzusetzen, doch standen sie in diesen Gebieten dauernd unter dem Joch der Avaren, das sie erst mit Hilfe der Bayern abwälzten, worauf ganz Karantanien um die Mitte des 8. Jahrh. unter bayrische Oberhoheit kam. Mit dem Untergang des bayrischen Stammesherzogtums (788) fiel Karantanien an das Frankenreich und gehörte zu der von Karl d. Gr. errichteten Mark Friaul; doch genossen die slowenischen Stammesfürsten gewisse Freiheiten in der Verwaltung ihrer Landbezirke. Erst die Empörung des Slowenenfürsten Ljudevit (gest. 828) und die damit zusammenhängende Aufteilung der Mark Friaul bewirkten den vollen Anschluß Karantaniens mit seinen Marken an das Herzogtum Bayern. Der Name »Craina marcha« erscheint zum erstenmal in der Schenkungsurkunde König Ottos II. für den Bischof Abraham von Freising vom 30. Juni 973; der damalige Markgraf hieß Popo. Neben Freising war das Bistum Brixen in K. reich begütert. Diesen beiden Bistümern verdankt K. seine Christianisierung und Kolonisierung. Nach dem Tode des Markgrafen Ulrich (1077) erhielten die Patriarchen von Aquileja, die gleichfalls dort reich begütert waren, die Würde, die ca. 1180 an das Haus Andechs-Meran überging und 1210, definitiv dann 1230, neuerdings an die Patriarchen von Aquileja kam. Nach der Schlacht auf dem Marchfeld belehnte Kaiser Rudolf seinen Sohn Albrecht (27. Dez. 1282) mit K. und der Windischen Mark, doch blieben sie vorläufig als Pfandherrschaften im Besitz der Grafen von Görz-Tirol. Erst nach ihrem Aussterben kam K. an die Habsburger (1335) und gewann 1374 durch die Anerbung der Hinterlassenschaft des Grafen Albert IV. von der jüngern Görzer Linie eine wesentliche Vergrößerung (Windische Mark, Möttling oder Metlik und Poik). Seitdem ist K. bis auf die kurze Zwischenzeit von 180913 (während der es zu Frankreich gehörte) fortwährend bei Österreich als ein Teil der »innerösterreichischen Länder« geblieben. Seit 1816 war das Gouv. Laibach ein Teil des Königreichs Illyrien, und seit 1849 ist es ein selbständiges Kronland, in dem die Slowenen immer mehr das Übergewicht erhalten, so daß nur noch der Großgrundbesitz des Landes deutsche Vertreter in den Wiener Reichsrat sendet. Vgl. Hoff, Historisch-statistisch-topographische Gemälde von K. (Laibach 1808); »Die österreichisch-ungarische Monarchie«, Bd. 8 (Wien 1891); »Spezial-Ortsrepertorium von K.«, herausgegeben von der k. k. statistischen Zentralkommission (das. 1894); Paulin, Beiträge zur Kenntnis der Vegetationsverhältnisse Krains (Laibach 190104, Heft 13); Dimitz, Geschichte Krains von der ältesten Zeit bis 1813 (das. 187476, 4 Bde.), Kurzgefaßte Geschichte Krains (das. 1886) und Die Habsburger und ihr Wirken in K. 12821882 (das. 1883); Mell, Die historische und territoriale Entwickelung Krains vom 10. bis ins 13. Jahrhundert (Graz 1888); Heft 8 des Sammelwerkes »Der Kampf um das Deutschtum«: Steiermark, Kärnten, K., von Hofmann von Wellenhof (Münch. 1899); Premerstein und Rutar, Römische Straßen und Befestigungen in K. (Wien 1899); »Argo. Zeitschrift für Krainer Landeskunde« (Laib. 1892 ff.).
 
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Kraina, s. Meyers Krajina.
 
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Krainburg (slowenisch Kranj), Stadt in Krain, 385 m ü. M., an der Mündung der Kanker in die Save und an der Staatsbahnlinie Laibach-Tarvis, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein alles Schloß (Kieselstein), ehemals Sitz der Markgrafen von Krain, eine gotische Kirche, Gymnasium, Bierbrauerei, Leder- und Schuhfabrik, Mühlen und (1900) 2464 meist slowen. Einwohner. Westlich der aussichtsreiche St. Jodociberg (860 m)
 
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Krajewski, Andrei Alexandrowitsch, russ. Journalist, geb. 1810, gest. 20. Aug. 1890 in Petersburg, war 183437 in der Redaktion des Journals des Ministeriums der Volksaufklärung tätig, redigierte 183949 die »Vaterländischen Memoiren«, 1857 den »Russischen Invaliden« und begründete 1863 den 1883 unterdrückten »Golos«.
 
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Krajina (Kraina, entsprechend dem russisch-poln. Ukraina), bei den Südslawen (Serben und Kroaten) soviel wie Grenzland; insbes. Name zweier Landstriche in Bosnien und Serbien: 1) K. in Bosnien (auch Türkisch-Kroatien), der von der Unna und Sana durchströmte nordwestlichste Teil des Landes, von der Grenze Kroatiens bis an den Fluß Vrbas, ist ein sehr unwegsames, wildromantisches Gebirgsland mit zum Teil weitläufigen Plateaus und umfaßt ca. 5500 qkm mit 190,000 meist mohammedan. Einwohnern, die sich »Krajisnici« (d. h. Grenzbewohner) nennen. Die Katholiken der K. werden von den Mohammedanern und Orientalisch-Orthodoxen »Magyari« genannt. Gegenwärtig bildet die K., deren Hauptort Bihač ist, den Kreis Bihač. 2) Kreis im Königreich Serb ien, den nordöstlichen Winkel zwischen Donau und Timok umfassend, 2909 qkm mit (1902) 101,684 Einw. Hauptort ist Meyers Negotin (s. d.). Der Kreis wurde erst 1180 von Stefan Nemanja eingenommen und behielt auch, nachdem die Türken Serbien unterjocht hatten, eine gewisse Unabhängigkeit. In der K. wird ein vorzüglicher Wein gebaut.
 
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Krajowa (Craiowa), Hauptstadt des Kreises Doljiu in Rumänien (Walachei), unweit des Schyl, ehemaliger Hauptort der Kleinen Walachei, an der Staatsbahnlinie Verciorova-Chitila-Bukarest, von großer Ausdehnung, aber nur in den beiden Hauptstraßen (Strada Lipscani und Strada Unirii) belebt, hat 27 griechisch-katholische, eine römisch-katholische, eine prot. Kirche, 3 Synagogen, ein unvollendetes Theater, ein prächtiges Bad, einen schönen öffentlichen Park (Bibesco) und (1899) 45,438 Einw. (darunter 3000 Römisch-Katholische und 1800 Juden), die lebhaften Handel treiben. K. hat ein Lyzeum, eine Handelsschule, eine Kadettenschule, eine evangelische und eine kath. Schule (erstere vom deutschen, letztere vom österreichischen Kaiser unterstützt), mehrere Mädchenpensionate und ist Sitz eines Appellations- und eines Handelsgerichts, des Generalkommandos des 1. Armeekorps sowie eines deutschen Konsularagenten. In der Nähe befinden sich ansehnliche Salzwerke. Als die walachischen Fürsten um 1300 das Banat Severin bekamen, gründeten sie zum Ersatz für die ihnen nicht gehörige Burg im Gebirge ein Neu-Severin; nach dem Teich, an dessen Ufer der neue Ort lag, hieß er auch Rîmnic. Hierher wurde später der Sitz des Bischofs von Severin verlegt; als;Anfang des 16. Jahrh. die Burg Severin in türkische Hände geraten war, residierte auch der walachische Bau in K. Im 17. Jahrh. durfte es als Haupt des Oltgebiets gelten; doch ist von einer städtischen Verfassung nirgends die Rede. In der Nähe siegte 1400 der walachische Woiwode Mircea über einen Teil des türkischen Heeres Bajesids. Am 31. Okt. 1853 focht hier die russische Avantgarde, welche die Stadt besetzt hatte, mit den Türken. Vgl. Hasdeŭ, Originile Craioveĭ (Bukar. 1878; nur mit Vorsicht zu benutzen).
 
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Krajurn (Carajuru), s. Meyers Chicarot.

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Krakatau (Krakatoa), Insel in der Sundastraße mitten zwischen Java und Sumatra, jetzt nur 5,5 km lang, 2 km breit und 15,8 qkm groß, maß aber vor 1883 in der Länge 9, in der Breite 5 km und hatte ein Areal von 33,5 qkm. Die Insel hatte ihre höchste Erhebung in dem vulkanischen Kegel Perbuatan, der sich am Nordwestende 822 m ü. M. erhob. Rings um dieselbe lagerten sich Korallenbänke, und ihr ganz nahe liegen die kleinen Inseln Verlaten im NW. und Long im NO. Eine dichte Waldvegetation bedeckte K. von der Basis bis zur Spitze; im nördlichen Teil entsprangen mehrere heiße Quellen. Eine ständige Bevölkerung gab es nicht; nur zeitweilig kamen Javaner von der gegenüberliegenden Küste hierher, um Holz zu holen. Die Insel liegt in der Linie der Vulkane von Java und ist vulkanisch. Der letzte Ausbruch 1680 lieferte nur Aschenmassen. Am 20. Mai 1883 erfolgte plötzlich eine Eruption von Asche, dichte Rauchsäulen stiegen empor, und in der Nacht vom 26. zum 27. Aug. erfolgte eine gewaltige Explosion, bei welcher der größere Teil der Insel mit dem Pik Perbuatan ins Meer sank. Nur der südliche Teil mit dem 832 m hohen Pik Rakata blieb unversehrt und erhielt durch das Aufsteigen des Meeresbodens an der Westseite noch einen Zuwachs. Auch zwei kleine Inseln, welche die Namen Calmeyer und Neers empfingen, entstiegen der See, sanken aber bald wieder hinab, so daß im Mai 1884 über ihnen eine Tiefe von 4 m gemessen wurde. Verlaten und Long sind beide an Umfang gewachsen; ihre schöne Vegetation aber wurde ebenso wie die von K. unter einer dichten Aschendecke begraben. Die gewaltige Explosion und der plötzliche Einsturz des Inselvulkans machten sich weithin fühlbar durch eine mächtige Meereswelle, die den ganzen Indischen wie den Pacifischen Ozean bis zur Küste Südamerikas durchzog und besonders an den Ufern von Sumatra und Java, wo Andscher und Merak fast gänzlich zerstört wurden, großen Schaden anrichtete, ferner durch starke barometrische Schwankungen, die auf der ganzen Erde wahrgenommen wurden, und durch ungeheure Massen von Dämpfen und vulkanischem Staub, die allenthalben auf der Erde eigentümliche atmosphärische Störungen, zumal in einer starken Rötung des Himmels sich äußernde Dämmerungserscheinungen hervorriefen. K. beginnt sich jetzt wieder mit einer zunächst noch spärlichen Vegetation zu überziehen; die Samen der Pflanzen sind teils durch den Wind und Vögel, teils durch die Meeresströmungen herbeigeführt. Vgl. Verbeek, Krakatau (Batavia und Haag 188485, 2 Bde., mit Atlas; franz. Ausg. 1886); Symons, The eruptions of Krakatoa and subsequent phenomena (Lond. 1888).
 
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Krakau (poln. Kraków), Stadt und Festung in Galizien, liegt in weiter Ebene, 215 m ü. M, am linken Ufer der Weichsel, die hier die Rudawa aufnimmt, an den Linien Wien-K. und K.-Podgórze der Nordbahn, K.-Lemberg, K.-Wieliczka und K.-Kocmyrzów der Staatsbahnen. K. besteht aus der innern Stadt, die von Promenaden (an Stelle der ehemaligen Stadtmauer) umgeben ist, dem südlich angrenzenden Schloßbezirk Wawel und sechs Vorstädten: Neue Welt (Nowy Šwiat) im W., Piasek und Kleparz im N., Wesola im O., Stradom und Kazimierz im S. Mit dem jenseit der Weichsel liegenden Meyers Podgórze (s. d.) ist K. durch die Franz Josephs-Brücke (von 1850) verbunden. Ein Rest der alten Befestigungswerke ist das Florianstor (im N. der innern Stadt). In neuester Zeit ist übrigens K. durch Außenforts zu einem befestigten Waffenplatz erhoben worden. Der größte öffentliche Platz ist der Ringplatz in der Mitte der Stadt, mit dem Denkmal von Mickiewicz, die belebteste Straße die vom Ringplatz südlich führende Grodzka Ulica. Öffentliche Anlagen sind außer den erwähnten Promenaden der Jordanpark in der Vorstadt Neue Welt, der botanische Garten in Wesola und der Krakauer Park in Piasek.
   Von den 41 Kirchen ist die bemerkenswerteste die gotische Schloß- oder Domkirche auf dem die Stadt überragenden, steil zur Weichsel abfallenden Felsplateau Wawel, 132059 unter Kasimir d. Gr. erbaut, die Grabkirche polnischer Könige und Feldherren. Die Krypte enthält unter anderm die Grabmäler Johann Sobieskis, Joseph Poniatowskis und Thaddäus Kosciuszkos. In den 19 Kapellen befinden sich die Grabdenkmäler Kasimirs d. Gr. und Kasimirs IV. (von Veit Stoß), des Kardinals Friedrich Jagiello (von Peter Vischer), Stephan Báthoris, ein Denkmal Johann Sobieskis, der silberne Sarg des von König Boleslaw 1079 am Altar erschlagenen heil. Stanislaw, Bischofs von K., Denkmäler des Bischofs Soltyk, des 1812 vor Moskau gebliebenen Grafen Wladimir Potocki (von Thorwaldsen), die Büste des Grafen Artur Potocki und seiner Mutter sowie ein segnender Christus (von demselben), Denkmäler des Königs Ladislaw Jagiello und seiner Gemahlin Hedwig, des Dichters Mickiewicz etc. Bemerkenswert ist auch die reiche Schatzkammer. Die gotische Marienkirche am Ringplatz (aus dem 13. und 14. Jahrh., neuestens polychrom restauriert), mit 2 Türmen (der höhere 73 m hoch), enthält einen riesigen Hochaltar sowie ein Kruzifix von Veit Stoß und mehrere Denkmäler, die Dominikanerkirche die Bronzegrabplatte des Humanisten Buonaccorsi (Callimachus), die Franziskanerkirche (aus dem 13. Jahrh.) das Grabmal des Königs Wladislaw Jagiello, die Florianskirche in der Vorstadt Kleparz (aus dem 12. Jahrh.) Bilder von Hans von Kulmbach und den Johannesaltar von Veit Stoß (von 1524), die Annakirche Denkmäler von Kopernikus und Johann Cantius. Hervorragende weltliche Gebäude sind das Schloß auf dem Berge Wawel, im 14. Jahrh. unter Kasimir d. Gr. gegründet und später mehrfach erweitert, bis 1610 Residenz der Könige von Polen, seit 1846 Kaserne und Spital, neuestens geräumt und restauriert, ferner die große, im 13. Jahrh. gegründete, im 16. Jahrh. umgebaute Tuchhalle (Sukiennice) am Ringplatz, 1879 restauriert, mit dem Nationalmuseum (Bilder von Matejko, Siemiradzki u. a.) und einer permanenten Gemäldeausstellung, der daneben stehende Rathausturm (Rest des 1820 abgebrochenen alten Rathauses), das neue Universitätsgebäude, ein gotischer Bau, 188187 nach Ksieżarskis Plänen ausgeführt, mit stattlichem Vestibül und schöner Aula, und der fürstbischöfliche Palast (von 1850). K. zählt (1900) 91,323 Einw., darunter 6049 Mann Militär, meist Polen (6576 Deutsche) und Katholiken (25,670 Juden). An industriellen Unternehmungen enthält die Stadt mehrere Fabriken für Maschinen und Ackerbaugeräte, Chinasilberwaren, Tischlerwaren, chemische Produkte, Tabak, Würste, Bier, Seife und Öl sowie Dampfmühlen und Buchdruckereien. Der Handel hat insbes. Getreide, Holz, Spiritus, Schweine, geräucherte Fleischwaren und Eier zum Gegenstand; auch werden in K.

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stark besuchte Pferde- und Viehmärkte abgehalten. Die Stadt besitzt ein Lagerhaus, eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, die Galizische Bank für Handel und Industrie, 2 Sparkassen und andre Kreditinstitute; an Bildungsanstalten besitzt K. vor allem die 1364 von Kasimir d. Gr. gestiftete Jagellonische Universität mit polnischer Unterrichtssprache. Dieselbe zählte 1902: 177 Lehrer und 1711 Studierende. Zur Universität gehören eine Bibliothek (350,000 Bände, 4400 Handschriften, 7000 Kupferstiche und 9500 Münzen), ein archäologisches Museum, eine kunsthistorische Sammlung, ein Naturalienkabinett, eine Sternwarte und ein botanischer Garten. Außerdem befinden sich in der Stadt eine kaiserliche Akademie der Wissenschaften (seit 1872), 4 Obergymnasien, 2 Oberrealschulen, eine Kunstakademie, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, ein Mädchengymnasium, eine Staatsgewerbeschule, eine höhere Handelsschule, eine Schule des Musikvereins, ferner das Nationalmuseum (s. oben), ein technisch-gewerbliches Museum, das Museum Czartoryski (Gemälde und andre Kunstgegenstände), das Hutten-Czapskische Museum sowie ein Nationaltheater. An Wohltätigkeitsanstalten besitzt K. insbes. die Hospitäler in St. Lazarus und St. Ludwig. K. ist Stadt mit eignem Statut und Sitz einer Bezirkshauptmannschaft (K.-Umgebung), einer Polizeidirektion, des Oberlandesgerichts für Westgalizien, eines Landesgerichts, einer Finanzbezirksdirektion, einer Berghauptmannschaft, einer Staatsbahndirektion, eines römisch-katholischen Fürstbischofs, des 1. Korpskommandos und einer Handels- und Gewerbekammer. Die Stadt hat elektrische Beleuchtung und eine Straßenbahn. Beliebte Punkte der Umgebung sind: der 2 km nordwestlich von der Stadt entfernte Kosciuszkohügel (333 m), der 182023 zu Ehren Kosciuszkos auf dem seit 1855 in ein Fort umgewandelten Bronislawaberg errichtet wurde, mit schöner Aussicht, dann der südlich gelegene, zum Andenken an den sagenhaften Gründer von K. (s. unten) künstlich ausgerichtete Krakusberg (276 m).
   [Geschichte.] Die heimische Sage bringt die Geschichte Krakaus mit der mythischen Gestalt des Fürsten Krok in Zusammenhang und verlegt die Gründung der dortigen Burg um 700. Über diese Periode herrscht jedoch Dunkel, auch die Beziehungen Krakaus zum großmährischen Reich sind unklar. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrh. gehörte K. zum böhmischen Fürstentum, doch eroberte es Boleslaw Chrobry zurück und gründete ein Bistum daselbst. Unter den polnischen Teilfürstentümern, wie sie seit dem 12. Jahrh. bestanden, hatte das von K. eine übergeordnete Stellung. Schwer litt K. zur Zeit des ersten Tatareneinfalls (1241), doch folgte unmittelbar der Aufschwung durch die deutsche Kolonisation. 1257 erhielt K. Magdeburger Recht, hatte aber in der Folge durch neue Tatarenstürme schwer zu leiden. Von 1290 bis 1305 war K. im Besitz des Böhmenkönigs Wenzel II., dessen Sohne Wenzel III. entriß es aber der König von Polen, Wladislaw Lokietek, wieder, erhob K. zur Residenz und ließ sich 1320 daselbst krönen. Von dieser Zeit an blieb es die Krönungs- und Begräbnisstadt der Könige von Polen (bis 1764). Dagegen verlegte Siegmund III. (15871632) die Residenz von K. nach Warschau, wo sie seitdem verblieb. 1525 belehnte König Siegmund I. in K. Albrecht von Brandenburg mit dem Herzogtum Preußen. Nach der Zeit der Reformation entstanden bürgerliche Unruhen zwischen Katholiken und Protestanten (seit 1591), und 1606 stürmten die erstern die protestantische Kirche. 1655 wurde die Stadt von den Schweden erobert. Bei einer zweiten Eroberung durch die Schweden (1702) ging das königliche Schloß in Flammen auf. Nachdem hier 1768 die bekannte

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Krakauer Konföderation abgeschlossen worden war, wurden die Konföderierten daselbst von den Russen belagert und die Stadt mit Sturm genommen. Die Krakauer Akte vom 27. März 1794 wurde für Polen das Signal zur allgemeinen Erhebung. Von K. aus rückte Kosciuszko zu seinen ersten glücklichen Schlachten aus; mit ihm unterlag auch die Stadt und wurde bei der dritten Teilung des Reiches von 1795 an Österreich gegeben, dem schon früher die Vorstadt Kasimierz zugefallen war. Von 1809 bis zum Sturz Napoleons I. bildete K. einen Teil des Herzogtums Warschau. Auf dem Wiener Kongreß (1815) wurde K. unter dem Schutz von Österreich, Rußland und Preußen als Freistaat erklärt, der letzte Rest des selbständigen Polen; doch war der Umfang der Republik (1100 qkm oder 22 QM.) zu beschränkt, als daß die ihm zugestandene Souveränität mehr als eine bloß nominelle hätte sein können. Nach dem polnischen Aufstand von 183031, dem sich ein Teil der Bevölkerung von K. anschloß, erhielt im März 1833 K. eine neue Verfassung, durch die es seine Selbständigkeit zum größten Teil einbüßte. Gleichwohl fand noch immer eine Menge polnischer Flüchtlinge in K. eine Freistätte. Als nun der Aufforderung der Schutzmächte an den Senat, dieselben auszuweisen, nicht Folge geleistet wurde, rückten im Februar 1836 österreichische, russische und preußische Truppen in K. ein. Darauf wurde die Verfassung einer abermaligen Durchsicht unterworfen und die Gewalt der Schutzmächte und ihrer Bevollmächtigten noch bedeutend vergrößert. 1846 machte die Insurrektion K. zu ihrem Hauptwaffenplatz und setzte hier eine revolutionäre Nationalregierung ein. Aber der polnische Aufstand in Galizien wurde niedergeschlagen, und als russische und österreichische Truppen gegen K. heranrückten, riß hier die größte Mutlosigkeit ein. In der Nacht vom 2. zum 3. März räumten die bewaffneten Insurgenten die Stadt, und diese ward am folgenden Tage von österreichischen und russischen Truppen besetzt. Auf Grund der Berliner Konferenzen der drei Schutzmächte wurde 6. Nov. 1846 trotz der Proteste von seiten Englands und Frankreichs der Freistaat K. aufgehoben und die Stadt nebst ihrem Gebiet, wie sie es 1809 besessen, 16. Nov. 1846 als Teil der österreichischen Monarchie dem Königreich Galizien einverleibt. Im Frühjahr 1848 kam es auch in K. zu Unruhen, die durch Waffengewalt unterdrückt wurden. Auch unter österreichischer Herrschaft blieb K., wo die Nationalhelden Sobieski, Poniatowski und Kosciuszko begraben liegen, Mittelpunkt des Polentums. 1889 wurde das Bistum K. zum Fürstbistum erhoben. Vgl. Rostafinski, Führer durch K. (poln., Krakau 1891); Essenwein, Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt K. (Leipz. 1869); Bucher, Die alten Zunft- und Verkehrsordnungen der Stadt K. (Wien 1889); Szujski, Stary Kraków (Krakau 1901).
 
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Krakau, Dorf im preuß. Regbez. Magdeburg, Kreis Jerichow I, an der Elbe, nahe der Friedrichstadt von Magdeburg, hat eine evang. Kirche, eine Siechen- und Krüppelanstalt, Palmkern- und Kokosnußölfabrikation, Ziegelbrennerei, Bierbrauerei, Eiswerke der Stadt Magdeburg, Gärtnerei und (1900) 3912 Einw. S. den »Stadtplan von Magdeburg«.

 

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 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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