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Kollision bis Kollōdium (Bd. 6, Sp. 269 bis 270)
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Artikelverweis Kollision (lat.), eigentlich das »Zusammentreffen« zweier harter Körper im Stoß; daher der (störende, verletzende) Zusammenstoß, z. B. von Schiffen (s. Meyers Seestraßenrecht), die Quetschung (Kontusion); dann das Zusammentreffen entgegengesetzter Dinge oder Interessen in Einem Punkt. In diesem Sinne spricht man von einer K. der Pflichten (s. Meyers Pflicht), auch wohl von einem sittlichen Konflikt, wenn an eine Person eine Mehrheit sittlicher Anforderungen herantritt, denen gleichmäßig zu genügen nicht möglich ist (Gewissens- oder Kollisionsfälle; vgl. Kasuistik). Im bürgerlichen Recht ist von besonderer Wichtigkeit die K. der Interessen. Ist eine K. der Interessen des Vaters und seiner Kinder zu fürchten, so ist die Vertretung durch ihn unzulässig und für den betreffenden Fall ein Pfleger für die Kinder zu bestellen. Ebenso ist dem Vormund oder dem Pfleger die Vertretung für einzelne Angelegenheiten oder für einen Kreis von Angelegenheiten zu entziehen, falls Interessenkollision zu befürchten ist (Bürgerliches Gesetzbuch, § 795 ff.). Bei K. einer Grunddienstbarkeit mit einer andern entscheidet der Rang der Rechte, bei Gleichung kann jeder Berechtigte eine billige Regelung verlangen (Bürgerl. Gesetzbuch, § 1024), das gleiche gilt für Nießbrauchrechte (s. Meyers Nießbrauch), § 1060.
   Von K. der Gesetze wird in doppelter Beziehung gesprochen. Einerseits bezeichnet man damit Widersprüche in ein und derselben Gesetzgebung, anderseits den Widerstreit der Gesetze verschiedener Staaten, die auf einen Rechtsfall Anwendung finden können (K. der Statuten). In erster Beziehung ist es zunächst Aufgabe der Gesetzauslegung, den Widerspruch (Antinomie) zu entfernen. Zu dem Ende ist zu untersuchen, ob nicht etwa die eine Bestimmung als neueres Gesetz das ältere aufhebe (lex posterior derogat priori), oder ob die eine als Regel, die andre als Ausnahme, oder die eine als allgemeiner Grundsatz, die andre als nähere Ausführung anzusehen sei, oder ob etwa beide Bestimmungen verschiedenartige Gegenstände und Geltungsgebiete haben. Führt dies nicht zum Ziel, so würde der Ausspruch, der den Fragefall zu entscheiden bestimmt ist, einem andern, der ihn nur gelegentlich berührt, oder derjenige, der dem Sinn und Geist der ganzen Gesetzgebung entspricht, vorzuziehen sein; wäre auch hiernach eine Entscheidung nicht möglich, so heben die widersprechenden Bestimmungen sich gegenseitig auf, gleich als ob

[Bd. 6, Sp. 270]


ein Gesetz über den betreffenden Gegenstand gar nicht vorhanden wäre. Hierbei ist jedoch zu beachten, daß die Reichsgesetze den Landesgesetzen vorgehen (Reichsverfassung, Art. 2). In zweiter Beziehung ist es eine Folge des internationalen Verkehrs, daß oftmals von den Gerichten des Inlandes bürgerliche Rechtsverhältnisse zu beurteilen sind, die im Auslande zur Entstehung lamen. Die Frage, welche Rechtsnormen hier maßgebend sind, ob die inländischen oder die des fremden Staates, bildet den Gegenstand des sogen. internationalen Privatrechts (s. Meyers Internationales Recht).
 
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Kollisionsfälle, s. Meyers Kollision.
 
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Kollisionsschott, eine wasserdichte Querwand (vgl. Schott) kurz hinter dem Vorsteven und oft auch noch kurz vor dem Hintersteven eiserner Schiffe, soll die schwer zugänglichen Räume, die am leichtesten von außen bei Schiffszusammenstößen verletzt werden, von den andern Schiffsräumen abtrennen. Beim Rammen mit dem eignen Schiff soll das vordere K. das Eindringen von Wasser in die Räume hinter dem K. verhüten.
 
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Kollitigant (lat.), Teilnehmer an einem Rechtsstreit.
 
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Kollm, s. Meyers Kolmberg.
 
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Kollmann, Julius, Anatom, geb. 24. Febr. 1834 in Holzheim bei Dillingen (Bayern), studierte in München und Berlin, promovierte 1859 auf Grund einer von der medizinischen Fakultät der Universität München gekrönten Preisschrift über den Verlauf der Lungen-Magennerven in der Bauchhöhle, habilitierte sich 1862 als Privatdozent der Anatomie an der Universität München, wurde 1870 daselbst außerordentlicher Professor und 1878 Professor der Anatomie in Basel. K. lieferte zahlreiche wichtige Arbeiten über die Entwickelung der Zähne, der Bindesubstanz, namentlich bei wirbellosen Tieren (Mollusken), über die Entstehung des Blutes, die Körperform menschlicher und Wirbeltierembryonen, die Rassenanatomie des Menschen, besonders der europäischen Menschenrassen, und gab auch eine Methode zur Rekonstruktion der Gesichtsform vorgeschichtlicher Menschenrassen an. In einer Abhandlung über das Überwintern von europäischen Frosch- und Tritonlarven und die Umwandlung des mexikanischen Axolotl wies er auf die seltsame und weitverbreitete Erscheinung der verlangsamten Entwickelung niederer und höherer Wirbeltiere zum erstenmal zusammenfassend hin. Auch schrieb er: »Die Entwickelung der Adergeflechte« (Leipz. 1861); »Mechanik des menschlichen Körpers« (Münch. 1875); »Plastische Anatomie des menschlichen Körpers für Künstler« (Leipz. 1886, 2. Aufl. 1901); »Der Mensch im Schweizerbild« (Zürich 1896); »Lehrbuch der Entwickelungsgeschichte des Menschen« (Jena 1898). Mit Heßling gab er einen »Atlas der allgemeinen tierischen Gewebelehre« (Leipz. 1862) heraus.
 
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Kölln (Cölln an der Elbe), früher selbständiges Dorf, jetzt in die Stadt Meißen einverleibt.
 
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Kollnau, Landgemeinde im bad. Kreis Freiburg, Amt Waldkirch, an der Elz und der Staatsbahnlinie Denzlingen-Elzach, hat eine große Baumwollspinnerei und-Weberei und (1900) 2327 Einw.
 
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Kollo (ital. Collo; Mehrzahl: Kolli), ein Ballen oder Paket, überhaupt ein Frachtstück; daher Kollotarif, bei Eisenbahnen der Tarif für Stückgut im Gegensatz zum Wagenraumtarif, der für Benutzung eines ganzen Wagens gilt; Kollotara, nach gebräuchlichem Satz für das Stück berechnete Tara.
 
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Kollodīn (Pflanzenleim), kleisterartige Masse, die, mit Wasser verdünnt, als Klebe-, Appretur- und Schlichtemittel benutzt wird. Die Mischung des Kollodiums mit Wasser ist dünnflüssiger als gewöhnlicher Kleister, sehr homogen u. von sehr großer Klebkraft. Der Kollodinkleister säuert und schimmelt sehr wenig und kann in geschlossenen Gefäßen beliebig lange aufbewahrt werden, ohne zu verderben. Er reagiert schwach alkalisch, ist aber chemisch von gewöhnlichem Stärkekleister kaum verschieden. Ein ähnliches und vielleicht mit K. identisches Produkt entsteht, wenn man Stärke unter Zusatz von Natronlauge zu Kleister kocht, und ein vorzügliches, nach dem Eintrocknen ganz unlösliches Klebmittel erhält man, wenn die alkalische Stärkelösung durch Dialyse vom Alkali wieder befreit wird. Ein dem K. ähnliches Fabrikat, das Apparitin, entsteht, wenn man 16 Teile Weizen- oder Kartoffelstärke mit 76 Teilen Wasser anrührt und 8 Teile Natronlauge von 25° B. ganz langsam unter Umrühren zusetzt. Die Masse verdickt sich nach einiger Zeit zu einer durchscheinenden klaren Gallerte, die nach Bedarf mit Wasser verdünnt werden kann. Apparitin verdirbt nicht beim Aufbewahren und bildet nach dem Eintrocknen hornige, in Wasser unlösliche Platten. Es gibt auf Baumwolle, Wolle und Seide sehr steife Appretur, die sich bei der Wäsche nicht ablöst.
 
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Kollōdium (Klebäther), eine Lösung von Nitrozellulose (Kollodiumwolle, s. Meyers Schießbaumwolle) in alkoholhaltigem Äther. Zur Darstellung der Nitrozellulose weicht man sorgfältig gereinigte Baumwolle (ungeleimte Watte) in schwacher Sodalösung, wäscht sie gut aus und taucht nach dem Trocknen und Zerzupfen der Baumwolle 55 Teile derselben in eine auf 20° erkaltete Mischung von 400 Teilen roher Salpetersäure vom spez. Gew. 1,381,40 und 1000 Teilen roher Schwefelsäure von 1,83 und stellt sie 24 Stunden bei 1520° beiseite. Dann läßt man die Kollodiumwolle 24 Stunden in einem Glastrichter abtropfen, wäscht sie mit sehr viel Wasser, bis alle Säure entfernt ist, und trocknet sie bei 25°. Die Kollodiumwolle (Kolloxylin) gleicht äußerlich der Baumwolle, verpufft bei 150160° und kann durch Kochen mit Eisenchlorürlösung wieder in gewöhnliche Baumwolle übergeführt werden. Zur Auflösung der Kollodiumwolle schüttelt man 1 Teil derselben mit 3 Teilen Alkohol und 21 Teilen Äther vom spez. Gew. 0,720, läßt absetzen und filtriert durch einen Bausch Baumwolle. Für photographische Zwecke wird eine Kollodiumwolle (Kolloidin) dargestellt, die man nach dem Auswaschen noch mit schwefliger Säure behandelt. K. bildet eine farblose, klare oder schwach opalisierende, sirupartige, neutrale, sehr leicht entzündliche Flüssigkeit, die an der Luft schnell verdunstet und, auf die trockne Haut gestrichen, einen fest haftenden, firnisartigen Überzug hinterläßt, der die betreffende Hautstelle etwas zusammenzieht. Das K. wurde zuerst von Schönbein 1846 dargestellt und zur Wundbehandlung empfohlen. 1850 erfand Le Gray das photographische Kollodiumverfahren. Man benutzt K. gegenwärtig zum Verschließen von Wunden, zum Bedecken wunder Hautstellen, leichter Brandwunden, gichtischer und hämorrhoidaler Anschwellungen, Frostbeulen etc. Um die Kollodiumhaut elastischer zu machen, mischt man 94 Teile K. mit 1 Teil Rizinusöl und 5 Teilen Terpentin (Collodium elasticum). Wenn man Spanische Fliegen mit Äther erschöpft, den Auszug zur Sirupkonsistenz verdampft und dann durch Zusatz von K. auf das Gewicht der angewandten Spanischen Fliegen bringt, so erhält man das blasenziehende K. (Collodium cantharidatum), das ebenso wie Spanischfliegenpflaster

[Bd. 6, Sp. 271]


auf der Haut eine Blase zieht, vor dem Pflaster aber den Vorzug besitzt, daß es überall appliziert werden und durch die Unruhe der Patienten nicht verschoben werden kann. Die ausgedehnteste Anwendung fand das K. lange Zeit in der Photographie zur Darstellung der negativen Bilder. Bereitet man K. in dicker Schicht auf Glastafeln aus, so kann man das feste Kollodiumhäutchen nachher abziehen und, weil es beim Reiben außerordentlich stark elektrisch wird, vielfach bei elektrischen Apparaten, z. B. als Elektrophor, verwenden. Aus gefärbtem K. dargestellte Häutchen, zwischen galvanoplastisch hergestellten Metallformen gepreßt, liefern ein zartes Material zur Fabrikation künstlicher Blumen. In der Gärtnerei dient das K. häufig als Ersatz für Baumwachs. Kollodiumwolle dient auch zur Darstellung von Zelluloid und Sprenggelatine.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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