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Jordan bis Jörg (Bd. 6, Sp. 304 bis 307)
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Artikelverweis Jordan (hebr. Jardēn, jetzt von den Arabern e'-Scheria, »Tränkplatz«, genannt), der einzige große und ständige Strom Palästinas, dessen eine Hauptverwerfungsspalte einnehmendes Flußbett eine Einsenkung unter die Meeresfläche bildet. Sein Quellgebiet liegt an dem noch im September mit Schneemassen bedeckten Hermon (2759 m). Der östliche Quellfluß, der in einer Felsengrotte bei dem Dorfe Banias (dem alten Paneas) in 330 m Höhe entspringt, fließt 8 km südwestwärts durch eine fruchtbare Landschaft bis zur Vereinigung mit dem mittlern Quellarm, dem stärksten von allen, der bei Tell el Kadi (dem alten Dan) aus einem großen Becken herausfließt. Beide zusammen fallen bald in den westlichen Quellarm, den Nahr Hasbani, der am Westabhang des Hermon in 520 m Höhe entspringt. Der vereinigte Strom durchfließt nach S. zunächst das Sumpftal Ard el Huleh und den kleinen Schilfsee Bahr el Huleh (fälschlich Meromsee genannt), der in 2 m Höhe liegt, sodann mit starkem Fall in zahllosen Kaskaden ein nur 16 km langes enges, steiniges Tal, um sich in den See von Genezareth (Tiberiassee, jetzt Bahr Tabarije) zu ergießen, der bereits 208 m unter dem Spiegel des Mittelmeers liegt. Aus dem See Genezareth tritt der Fluß in die El Ghor (s. Meyers Ghor) genannte, auf beiden Ufern von steil abfallenden Tafelländern eingefaßte Ebene, die sich, 716 km breit, bis zum Toten Meer (und darüber hinaus) erstreckt. Schilfröhricht und Tamarisken bedecken die Ufer des außerordentlich stark gewundenen Flusses. In der Nähe von Jericho zeigt man die Stelle, wo Jesus von Johannes die Taufe empfing, und die dichtbewaldeten Ufer sind namentlich um Ostern von Pilgerscharen bedeckt, die sich hier baden. Endlich mündet der J. in zw. i seichten Armen in das Nordende des 394 m unter dem Mittelmeer gelegenen Toten Meeres (Bahr Lut). Er fällt vom Fuß des Hermon bis zum Huleh schnell

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518, von da bis zum See Genezareth 210, weiter bis zum Toten Meer 186 m, zusammen 914 m; seine Länge beträgt 215 km, mit Einrechnung der außerordentlich zahlreichen Krümmungen aber das Drei- bis Vierfache. Drei Brücken führen über den J.: die »Brücke der Töchter Jakobs« südlich vom Hulehsee, die Dschisr Medschamia unterhalb des Sees Genezareth und die Gitterbrücke bei Jericho. Die wichtigsten Nebenflüsse des Jordans sind rechts der Zerka oder Jabbok und der Scheriat el Menadhire, der vom Haurangebirge kommt. Im Jordangebiet kommen 36 Fischarten vor, von denen 16 nur ihm eigentümlich sind. S. Karte »Palästina«.
 
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Jordan, 1) Silvester, deutscher Politiker, geb. 30. Dez. 1792 in Omes bei Innsbruck, gest. 15. April 1861 in Kassel, Sohn eines armen Schuhmachers, besuchte nach einer traurigen Jugend das Gymnasium in Innsbruck, studierte 181217 Philosophie und Rechte, ließ sich 1818 als Sachwalter in München, dann 1820 in Frankfurt a. M. und bald darauf in Heidelberg nieder, wo er sich gleichzeitig habilitierte. 1821 als außerordentlicher Professor der Rechte nach Marburg berufen, ward er schon 1822 ordentlicher Professor und Mitglied des Spruchkollegiums. Damals schrieb er: »Versuche über allgemeines Staatsrecht« (Marb. 1828) und »Lehrbuch des allgemeinen deutschen Staatsrechts« (Kassel 1831, Abt. 1). Auf dem 1830 berufenen Ständetag als Vertreter der Landesuniversität beteiligt, ward J. zum Vorsitzenden und Berichterstatter des mit der Prüfung der Verfassung beauftragten Ausschusses gewählt und beeinflußte wesentlich dessen Beratung. Von der konservativen Partei als Revolutionär verdächtigt, erhielt er beim Wiederzusammentritt der Stände Anfang 1833 keinen Urlaub. Als die Stände diesen Schritt als verfassungswidrig bezeichneten, erfolgte 18. März ihre Auflösung. J. verzichtete nun auf seine Wahl und lebte zurückgezogen seinem wissenschaftlichen Beruf, bis auf eine Denunziation hin im Juni 1839 eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet, er vom Amt suspendiert und verhaftet wurde. Erst im August 1840 war die Voruntersuchung geschlossen, 27. Febr. 1841 ward die Hauptuntersuchung verfügt, und 14. Juli 1843 erfolgte endlich die Publikation des Urteils. J. ward wegen Nichtverhinderung eines Komplotts zu 5 Jahren Festung, wobei die Untersuchungshaft nur mit 6 Monaten in Abzug kam, und zur Bezahlung des auf ihn fallenden Teils der Prozeßkosten verurteilt. Da Jordans Gesundheit seine Einkerkerung verbot, wurde er in seinem Hause durch Gendarmen bewacht und, als er eine Beschwerde über administrative Willkür einreichte, 2. Aug. wieder ins Gefängnis gebracht. Abermals verflossen 2 Jahre, ehe das Oberappellationsgericht in Kassel (5. Nov. 1845) J. völlig freisprach, ihn unter Niederschlagung der Kosten aus der Untersuchung entließ und ihn nur wegen unziemlicher Schreibart in einer Stelle seiner Verteidigungsschrift zu 5 Tlr. verurteilte. 1848 mahnte J., wieder in den Landtag gewählt, zu Mäßigung und Versöhnung, nahm am Vorparlament und der Nationalversammlung teil und ward mit dem Titel eines Geheimen Legationsrats Bevollmächtigter Kurhessens beim Bundestag (bis Januar 1850). J. gilt als der Schöpfer des Ausdrucks »Reaktionspartei«. Vgl. außer seiner »Selbstverteidigung« (2. Aufl., Mannh. 1845): Trinks u. Julius, S. Jordans Leben und Leiden (Leipz. 1845).
   2) Rudolf, Maler, geb. 4. Mai 1810 in Berlin, gest. 26. März 1887 in Düsseldorf, begann seine künstlerische Ausbildung bei Wach in Berlin, verließ ihn jedoch schon 1830 und machte auf Rügen Naturstudien, auf Grund deren sein erstes Genrebild: die Fischerfamilie, entstand. 1833 wendete er sich nach Düsseldorf und arbeitete in der dortigen Akademie bei Schadow und K. Sohn. Dort begründete er 1834 seinen Ruf durch den Heiratsantrag auf Helgoland (Nationalgalerie in Berlin), der durch Nachbildungen sehr beliebt wurde. Von da ab widmete er sich ausschließlich der Schilderung des Fischer- und Schifferlebens, wozu er sich die Stoffe auf häufigen Reisen nach Holland, Belgien und Frankreich holte. Er stellte mit gleichem Geschick humoristische wie ernste, selbst tragische Szenen dar. Seine Auffassung ist gesund, die Zeichnung scharf individualisierend. Seine Färbung war anfangs kräftig und wurde nur zuletzt etwas flauer. Seine spätern Hauptwerke sind: zurückkehrende Lotsen (1836, Berliner Nationalgalerie), das Lotsenexamen (1842), die Lotsensturmglocke, Rettung aus dem Schiffbruch (1848), betende Weiber mit ihrem Geistlichen in Sturmesnot (1852), die Krankensuppe (in der Kunsthalle zu Düsseldorf), Suppentag im Kloster (Museum in Köln), das Altmännerhaus an der holländischen Küste (1864, Nationalgalerie in Berlin), Strandwache, eine Hochzeit auf der Insel Marken, das Frauenhaus in Amsterdam, gestrandete Passagiere, der Witwe Trost (1866, Nationalgalerie in Berlin), das Begräbnis des alten Seemanns (1874), nach durchwachter Nacht, Schiffbruch an der Küste der Normandie (1880), Rückkehr vom Heringsfang (1881), holländische Strandkneipe (1884) und eine große Zahl Familienszenen. Minder glücklich sind seine Darstellungen aus dem italienischen Volksleben. Viele von Jordans Gemälden sind durch Stich, Lithographie etc. weit verbreitet. Auch als Aquarellmaler, Illustrator und Radierer hat er sich vorteilhaft bekannt gemacht. Er war königlicher Professor und im Besitz der großen goldenen Medaille der Berliner Ausstellung.
   3) Wilhelm, Dichter und Schriftsteller, geb. 8. Febr. 1819 in Insterburg, gest. 25. Juni 1904 in Frankfurt a. M., studierte 183842 in Königsberg, wo besonders die Vorlesungen von Karl Rosenkranz auf ihn wirkten, anfangs Theologie, dann Philosophie und Naturwissenschaften, setzte, schon promoviert, seine Studien 184243 in Berlin fort und ließ sich sodann in Leipzig nieder. Dort politischer und religiöser Dichtungen und Aufsätze wegen verfolgt und aus Sachsen verwiesen, siedelte er nach Bremen über, wo er, schriftstellernd und als Lehrer tätig, bis Februar 1848 lebte. In Freienwalde zum Abgeordneten fürs deutsche Parlament erwählt, trat er namentlich in der Polenfrage als Redner auf. Zum Sekretär des Marineausschusses ernannt, wurde er, nachdem die Gründung einer Flotte beschlossen war, als Ministerialrat in die Marineabteilung des Reichsministeriums für Handel berufen. Nach Versteigerung der deutschen Flotte von der Bundesversammlung pensioniert, nahm er in Frankfurt a. M. seitdem seinen Wohnsitz. Von einigen frühern Übersetzungen abgesehen, veröffentlichte J.: »Glocke und Kanone« (Königsberg 1841) und »Irdische Phantasien« (das. 1842), Dichtungen mit politischer Tendenz und von ziemlich stürmischem Inhalt; ferner: »Litauische Volkslieder und Sagen« (Berl. 1844); »Die begriffene Welt«, 6 Hefte einer Monatsschrift für populäre Darstellungen aus dem Gebiete der Naturwissenschaften (Leipz. 1843 bis 1844); »Schaum«, Dichtungen (das. 1846); »Ihr träumt. Weckruf an das Ronge-berauschte Deutschland« (das. 1845); »Geschichte der Insel Haïti und

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ihres Negerstaates« (Leipz. 184649, 2 Bde.); »Demiurgos«, ein Mysterium (das. 185254, 3 Tle.); »Die Liebesleugner«, lyrisches Lustspiel (das. 1855); »Tausch enttäuscht«, Lustspiel (1856; 2. Aufl., Frankf. 1884); »Graf Dronte«, Schauspiel (1856); »Der falsche Fürst«, Schauspiel (1856); »Die Witwe des Agis«, Preistragödie (Frankf. a. M. 1858); »Shakespeares Gedichte« (Berl. 1861), und die Übersetzung der Tragödien des Sophokles (das. 1862). Unter allen diesen Werken sind »Die Witwe des Agis« und »Demiurgos« als Hauptwerke zu bezeichnen, letzteres eine philosophische Dichtung in episch-dramatischer Form. eine Art Faustiade, rücksichtlich der Gedanken nicht ohne Verdienst, aber breit und ohne Handlung. 1865 begann J. als wandernder Rhapsode mit dem Vortrag der »Nibelunge«, einer Wiederherstellung der Nibelungensage, die (in Stabreimen abgefaßt) in zwei getrennten Teilen: »Sigfriedsage« (Frankf. 186768, 14. Aufl. 1896) und »Hildebrants Heimkehr« (1874, 11. Aufl. 1899; neue wohlfeile Ausgabe von beiden 1904), erschien, an den verschiedensten Orten mit Beifall aufzutreten, und er hat seine Reisen bis nach Amerika ausgedehnt. Seine Anschauung über die mögliche Wiederbelebung des altdeutschen Epos legte J. in den Schriften: »Das Kunstgesetz Homers und die Rhapsodik« (1869), »Der epische Vers der Germanen und sein Stabreim« (1868) und »Epische Briefe« (1876) dar. Bei glänzenden Stellen und echt epischen Vorzügen im einzelnen, die in dem mündlichen Vortrag des durch seine reckenhafte Erscheinung imponierenden Dichters lichtvoll heraustraten, machen die »Nibelunge« doch mehr den Eindruck eines interessanten poetischen Experiments als einer ganz lebendigen Schöpfung. In den mehr gedankenvollen als dichterisch befriedigenden Romanen: »Die Sebalds« (Stuttg. 1885, 2 Bde.; 3. Aufl. 1896) und »Zwei Wiegen« (Berl. 1887, 2 Bde.; 2. Aufl. 1895) hat J. seinen naturwissenschaftlich begründeten Optimismus und seine Religion der Weltfreude dargestellt. Außer den genannten Werken veröffentlichte er (im Selbstverlag) noch die Lustspiele: »Durchs Ohr« (1870, 7. Aufl. 1901), »Sein Zwillingsbruder« (1883) und »Tausch enttäuscht« (1884), die Dichtungen »Strophen und Stäbe« (1871); die Schauspiele: »Arthur Arden« (1872); »Liebe, was du lieben darfst« (1892); »Andachten«, Gedichte (1877); »Die Erfüllung des Christentums« (1879); »Feli Dora«, Erzählung (1889); »Episteln und Vorträge« (1891); »Deutsche Hiebe«, eine poetische Streitschrift gegen die Naturalisten (1891); »Letzte Lieder« (1892); »In Talar und Harnisch«, Gedichte (1898, 2. Aufl. 1899) sowie die Übersetzung mehrerer Dramen Shakespeares (für die sogen. Dingelstedtsche Ausgabe, Hildburgh. 1865 ff.), der Homerischen Epen in Hexametern (»Odyssee«, 1875, 2. Aufl. 1889; »Ilias«, 1881, 2. Aufl. 1894) und die wenig gelungene der »Edda« (1889, 2. Aufl. 1890).
   4) Henri, Philolog, geb. 30. Sept. 1833 in Berlin, gest. 10. Nov. 1886 in Königsberg. studierte 18521856 in Bonn und Berlin, wirkte am Friedrichswerderschen Gymnasium in Berlin, habilitierte sich Ostern 1861 daselbst, war vom Herbst 1861 bis Ostern 1863 in Italien und wurde 1867 Professor in Königsberg. Seine Hauptwerke sind: »M. Catonis praeter librum de re rustica quae extant« (Leipz. 1860); »Scriptores historiae Augustae« (Bd. 1, Berl. 1864; Bd. 2 von Eyssenhardt); eine Ausgabe des Sallust (das. 1866,3. Ausg. 1887); »Topographie der Stadt Rom im Altertum« (das. 187185, 2 Bde., unvollendet); »Forma urbis Romae« (das. 1874); »Kritische Beiträge zur Geschichte der lateinischen Sprache« (das. 1879); »Capitol, Forum und Sacra Via in Rom« (das. 1881); »Der Tempel der Vesta und das Haus der Vestalinnen« (das. 1886). Aus seinem Nachlaß erschien das Fragment: »Die Könige im alten Italien« (Berl. 1887).
   5) Max, Kunstschriftsteller, geb. 19. Juni 1837 in Dresden, besuchte von 1856 an die Universitäten Jena, Berlin, Bonn und Leipzig und veröffentlichte, anfangs dem Geschichtsstudium zugewendet, eine Monographie über Georg Podiebrad, den Böhmenkönig (Leipz. 1861). Eine längere Reise 1861 nach Italien bestimmte ihn jedoch. zur Kunstgeschichte überzugehen. Er wurde 1870 Direktor des städtischen Museums in Leipzig und habilitierte sich 1872 mit »Untersuchungen über das Malerbuch des Lionardo da Vinci« (Leipz. 1873) daselbst als Dozent an der Universität. Er gab Werke von Genelli, Schnorr von Carolsfeld und andern Meistern der neuern deutschen Kunst heraus, deren Popularisierung er eifrig zu fördern suchte. 1874 wurde J. Direktor der königlichen Nationalgalerie in Berlin, 1879 Mitglied des Senats der königlichen Akademie der bildenden Künste, 1880 vortragender und Geheimer Regierungsrat im preußischen Kultusministerium. 1895 legte er seine Ämter nieder. Er lieferte eine deutsche Ausgabe der »History of painting in Italy« und der »History of painting in North Italy« von Crowe und Cavalcaselle (Leipz. 186974, 6 Bde.) sowie des »Life of Titian« derselben Verfasser (das. 1877, 2 Bde.) und gab außer dem Katalog das »Album der Nationalgalerie« und mit Dohme »Das Werk Adolf Menzels« (Münch. 188990) heraus. Zum 80. Geburtstage Menzels veröffentlichte er einen Festgabe unter demselben Titel (Münch. 1895). Auch verfaßte er eine Biographie des Malers Max Koner (Bielef. 1901).
   6) Wilhelm, Geodät, geb. 1. März 1842 in Ellwangen, gest. 17. April 1899 in Hannover, studierte am Stuttgarter Polytechnikum, war 186368 Ingenieur und Assistent daselbst, wurde 1868 Professor am Karlsruher Polytechnikum und 1882 an dem in Hannover. 187374 nahm er als Geodät und Astronom an der Rohlfsschen Expedition nach der Libyschen Wüste teil. Er schrieb: »Physische Geographie und Meteorologie der Libyschen Wüste etc.« (Kassel 1876); »Taschenbuch der praktischen Geometrie« (Stuttg. 1873), das in zweiter Auflage (187778) als »Handbuch der Vermessungskunde« in 2 Bänden erschien (4. Aufl. 1895 bis 1897, 3 Bde.; 5. und 6. Aufl. 1903 ff.); »Barometrische Höhentafeln« (u. Aufl., Stuttg. 1886); »Hilfstafeln für Tachymetrie« (das. 1880, 3. Aufl. 1905); »Mathematische und geodätische Hilfstafeln« (u. Aufl., Hannov. 1894); »Das deutsche Vermessungswesen« (mit K. Steppes, Stuttg. 1880, 2 Bde.); »Grundzüge der astronomischen Zeit- und Ortsbestimmung« (Berlin 1885); »Logarithmisch-trigonometrische Tafeln« (Stuttg. 1894); »Opus palatinum. Sinus- und Kosinus-Tafeln« (Hannov. 1897) u. a. J. redigierte 187399 die »Zeitschrift für Vermessungswesen«
 
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Jordan (spr. schordāng), Camille, franz. Politiker, geb. 1771 in Lyon, gest. 1821 in Paris, nahm 1793 an der Erhebung Lyons gegen das Schreckensregiment teil, hielt sich bis 1794 im Ausland auf, ward 1796 in den Rat der Fünfhundert gewählt und machte sich als liberaler Politiker durch ein ausgezeichnetes Referat über die Kultusfreiheit bekannt. Nach dem Staatsstreich vom 18. Fructidor geächtet, kehrte er erst 1800 nach Frankreich zurück und hielt sich unter

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dem Kaiserreich von der Politik fern. 1816 ward er in die Deputiertenkammer gewählt und bald darauf in den Staatsrat berufen, aber 1819 wegen seiner liberalen Gesinnungen aus diesem wieder ausgeschlossen. Er gehörte fortan zur Opposition in der Kammer und vertrat eine gemäßigt freiheitliche Richtung. Er schrieb mehrere bedeutende Tagesschriften, wie: »Histoire de la conversion d'une dame parisienne« (Par. 1792, eine Satire auf die konstitutionelle Kirche), »Vrai sens du vote national sur le consulat à vie« (1802) u. a., und übersetzte mehrere Werke Klopstocks und Schillers. Seine vortrefflichen »Discours politiques« erschienen 1826.
 
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Jordānis (got. Jornandes, »eberkühn«), Geschichtschreiber des 6. Jahrh., geb. um 500, alanischer Abkunft, aber aus einem den Amalern verschwägerten Geschlecht, war Notar am ostgotischen Hof in Italien, trat zum Katholizismus und in den geistlichen Stand über und war zuletzt wahrscheinlich Bischof von Kroton. Sein erstes Werk: »De origine actibusque Getarum« (d. h. der Goten), ist ein aus der Erinnerung niedergeschriebener Auszug aus Cassiodorus (s. d.) mit Zusätzen aus Marcellinus Comes und eigner Kenntnis der alten Überlieferungen. Es ist 551 in Konstantinopel oder Chalcedon abgefaßt, wohin J. den Papst Vigilius 547 begleitet hatte. Obwohl sich selbst zu den Goten zählend, war J. eifriger Katholik und Verehrer des römischen Weltreichs und deshalb mit dem Kampf seines Volkes unter Totilas gegen die Römer nicht einverstanden; er sah allein in dessen friedlicher Einfügung in das Weltreich unter den Nachkommen Theoderichs sein Heil. Das zweite Werk: »De breviatione chronicorum« oder »De regnorum successione«, ebenfalls 551 abgefaßt und dem Vigilius gewidmet, eine ungeschickte Kompilation über die Weltgeschichte von Erschaffung der Welt bis 552 n. Chr., ist ohne Wert, während die Geschichte der Goten, da Cassiodors' Schrift verloren ist, eine wichtige Quelle darstellt. Neuere Ausgaben besorgten C. A. Cloß (3. Aufl., Reutling. 1888), Holder (Freib. i. Br. 1882) und Mommsen in den »Monumenta Germaniae historica: Auct. am.«, Bd. 5; eine Übersetzung der »Gotengeschichte« Martens (Leipz. 1884). Vgl. Sybel, De fontibus libri Jordanis de origine actuque Getarum (Berl. 1838); Jak. Grimm, in den »Kleinen Schriften«, Bd. 3 (das. 1866); Stahlberg, Jornandes (Mülheim a. Rh. 1854).
 
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Jordanīt, Mineral, ein Arsensulfosalz von Blei 4PS. As2S3, findet sich in eisenschwarzen, tafelförmigen, hexagonal aussehenden, in Wirklichkeit monoklinen Kristallen im Dolomit des Binnentals in der Schweiz und zu Nagy-Ag in Siebenbürgen.
 
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Jordanow-Paß, Paß in den Westkarpathen, südöstlich von der Babia Gura, wird in einer Höhe von 805 m von der aus dem Komitat Árva zur Raba und nach Saybusch und Krakau in Galizien führenden Straße überschritten.
 
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Jordansbad, s. Meyers Amorbach.
 
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Jordansfest, s. Meyers Wasserweihe.
 
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Jördens, Karl Heinrich, Literarhistoriker, geb. 24. April 1757 zu Fienstädt im Mansfeldischen, gest. 6. Dez. 1835, studierte in Halle Theologie und Philologie, wurde 1778 Lehrer in Berlin, wo er mehrere griechische und römische Klassiker herausgab, 1792 Inspektor in Bunzlau und 1796 Rektor des Lyzeums in Lauban. 1825 trat er in den Ruhestand. Sein »Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten« (Leipz. 180611, 6 Bde.) ist in bezug auf die bibliographischen Notizen schätzbar.
 
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Joret (spr. schorä), Charles, franz. Philolog und Literarhistoriker, geb. 14. Okt. 1829 in Formigny (Calvados), begann seine Studien auf der Sorbonne und setzte sie in Heidelberg und Bonn fort, indem er sich besonders mit deutscher Literatur und Sprachkunde beschäftigte. Er lehrte als Professor der ausländischen Literaturen in Aix von 187599 und trat hierauf vom Amt zurück. Er veröffentlichte das Werk: »Herder et la renaissance littéraireen Allemagne an XVIII. siècle« (1875) und behandelte ferner die Mundarten der Normandie (»Essai sur le patois du Bessin«, 1881; »Des caractères et de l'extension du patois normand«, 1883; »Mélanges de phonétique normande«, 1884) und schrieb: »Du C dans les langues romanes« (1874); »Jean Baptiste Tavernier« (1886); »Flore populaire de la Normandie« (1887); »Les plantes dans l'antiquité et an moyen-âge« (1897), dem »La rose, etc.« (1892) vorausgegangen war, u. a.
 
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Jörg, 1) Johann Christian Gottfried, Mediziner, geb. 24. Dez. 1779 in Predel bei Zeitz, gest. 20. Sept. 1856 in Leipzig, studierte in Leipzig, habilitierte sich 1805 daselbst als Privatdozent und wurde 1810 Professor der Geburtshilfe und Direktor der Entbindungsanstalt. Einer der namhaftesten Geburtshelfer des 19. Jahrh., suchte er die unnützen Eingriffe bei gesundheitsgemäßen Geburten zu beseitigen und der Naturtätigkeit im Geburtsakt ihr Recht zu wahren. Von ihm ging die von Ritgen weiter ausgebildete Idee einer neuen Methode des Kaiserschnittes, der sogen. Bauchscheidenschnitt, aus (1806). In der Orthopädie führte er mildere Methoden ein. Er schrieb: »Über die Klumpfüße« (Marb. 1806); »Über die Verkrümmungen des menschlichen Körpers« (Leipz. 1816); »Lehrbuch der Hebammenkunst« (das. 1814, 5. Aufl. 1855); »Handbuch der Geburtshilfe« (das. 1807, 3. Aufl. 1833); »Handbuch der Krankheiten des Weibes« (das. 1809, 3. Aufl. 1831); »Handbuch zum Erkennen and Heilen der Kinderkrankheiten« (das. 1826, 2. Aufl. 1836); »Die Zurechnungsfähigkeit der Schwangern und Gebärenden« (das. 1837); »Die Geburt als gesundheitsgemäßer Entwickelungsakt« (das. 1854).
   2) Joseph Edmund, ultramontaner Politiker, geb. 23. Dez. 1819 in Immenstadt, gest. 18. Nov. 1901 in Landshut, studierte Theologie und Geschichte, trat 1852 in den Archivdienst, ward 1866 Vorstand des königlichen Archivs auf Schloß Trausnitz bei Landshut und schrieb: »Deutschland in der Revolutionsperiode von 15221526« (Freiburg 1851), eine quellenmäßige Geschichte des großen Bauernkriegs. Seit 1852 nach Görres' Tode Redakteur der ultramontanen »Historisch-politischen Blätter« und dadurch mehr der Zeitgeschichte zugewandt, schrieb er eine »Geschichte des Protestantismus in seiner neuesten Entwickelung« (Freib. i. Br. 1857, 2 Bde.), »Die neue Ära in Preußen« (das. 1860) und eine »Geschichte der sozialpolitischen Parteien in Deutschland« (das. 1867). Seit 1865 Mitglied des bayrischen Landtags, 1867 des Zollparlaments, trat er als Führer der »Patriotenpartei« (bis 1881) im Januar 1870 als Referent der ultramontanen Majorität des Landtags in der Debatte über die von ihm verfaßte, Hohenlohes Sturz bezweckende Adresse hervor. Im Juli 1870 verlangte er als Referent bewaffnete Neutralität Bayerns, im Januar 1871 Ablehnung der Verträge mit dem Norddeutschen Bund und des Anschlusses an das Deutsche Reich. Als Reichstagsabgeordneter (1871 bis 1878) machte er sich 4. Dez. 187ck durch seine

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bissige Rede gegen Bismarcks auswärtige Politik bemerklich. Eine von J. verfaßte Adresse der Kammer an den König, die Entlassung des Ministeriums, besonders des verhaßten Lutz, forderte, wies der König schroff zurück. J. nahm nun eine versöhnliche Haltung ein, ward deswegen von den Extremen seiner eignen Partei heftig angegriffen und zog sich unter entschiedener Verurteilung der Politik seiner Parteigenossen im Landtag 1880 ganz vom politischen Leben zurück.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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