Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Jodzahl bis Johann (Bd. 6, Sp. 265 bis 266)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Jodzahl, s. Meyers Fette, S. 489.
 
Artikelverweis 
Jodzinnober, soviel wie Quecksilberjodid.
 
Artikelverweis 
Joël (d. h. »Jahve ist Gott«), Sohn Pethuels, jüdischer Prophet. Die unter seinem Namen gehenden Orakel wurden früher ins 9. Jahrh. gesetzt, sind aber, da sie die Zerstörung Jerusalems voraussetzten, wohl erst um 400 geschrieben. Sie zerfallen in die mit einer Verwüstung des Landes durch Heuschrecken begründete Bußpredigt (1,12,17) und eine Verheißungsrede (2,184,20). Vgl. die Kommentare zu den kleinen Propheten von Nowack (Götting. 1897), Wellhausen (3. Aufl., Berl. 1898), Marti (Tübing. 1904) und Merx, Die Prophetie des J. (Halle 1879).
 
Artikelverweis 
Joël, Manuel, jüd. Gelehrter, geb. 19. Okt. 1826 in Birnbaum (Posen), studierte in Berlin neben jüdischer Theologie klassische Philologie, wurde 1854 Lehrer am Rabbinerseminar in Breslau, 1863 Rabbiner daselbst und starb 3. Nov. 1890. Er veröffentlichte: »Die Religionsphilosophie des Maimonides« (Bresl. 1859); »Levi ben Gerson als Religionsphilosoph« (das. 1862); »Verhältnis Alberts d. Gr. zu Maimonides« (das. 1863); »Don Chasdai Creskas' religionsphilosophische Lehren« (das. 1866); »Spinozas theologisch-politischer Traktat« (das. 1870); »Zur Genesis der Lehre Spinozas« (das. 1871). Diese Schriften wurden mit verschiedenen Abhandlungen gesammelt als »Beiträge zur Geschichte der Philosophie« (Bresl. 1876, 2 Bde.) herausgegeben. Von spätern Schriften sind zu nennen: »Notizen zum Buch Daniel. Etwas über die Bücher Sifra und Sifre« (Bresl. 1873); »Religiös-philosophische Zeitfragen« (das. 1876); »Gutachten über den Talmud« (das. 1877); »Blicke in die Religionsgeschichte« (das. 1880 bis 1883, 2 Bde.). Seine Sabbat- und Festpredigten wurden aus seinem Nachlaß von Eckstein u. Ziemlich herausgegeben (Bd. 1 u. 2, Bresl. 189294; Bd. 3, Berl. 1898). Vgl. »Gedenkblätter zur Erinnerung an Manuel J.« (Bresl. 1890).
 
Artikelverweis 
Joest (spr. jōst), 1) Jan, niederländ. Maler, der Schöpfer des mit 20 Darstellungen aus der Heiligen Geschichte versehenen Hauptaltars in der Nikolaikirche zu Kalkar, der, zwischen 1505 und 1508 ausgeführt, ein wichtiges Denkmal der niederrheinischen Malerei ist (hrsg. und beschrieben von Beissel, M.-Gladbach 1900, 21 Tafeln). J., über dessen Persönlichkeit noch nichts ermittelt worden ist, stand unter dem Einfluß Memlings und der italienischen Renaissance.
   2) Wilhelm, Ethnolog und Reisender, geb. 15. März 1852 in Köln, gest. 25. Nov. 1897 auf den Santa Cruz-Inseln, studierte in Bonn, Heidelberg und Berlin Naturwissenschaften und Sprachen, bereiste 1874 die nordafrikanischen Küstenländer und 18761878 ganz Amerika. 1879 begab er sich nach Ceylon, durchreiste Indien bis zum Himalaja, begleitete die britische Armee im afghanischen Kriege, besuchte Birma und Siam, beschäftigte sich auf Borneo, Ceram und Celebes mit dem Studium der dortigen wilden Völkerschaften, wohnte dem Kriege der Holländer gegen Atschin bei, durchreiste Kambodscha und die Philippinen und lebte längere Zeit unter den wilden Stämmen Formosas. Von Peking unternahm er einen Ausflug in die Mongolei, ging darauf nach Japan, hielt sich auf Jeso unter den Aino auf und kehrte 1881 von Wladiwostok durch die Mandschurei, Mongolei und Sibirien nach Deutschland zurück. 1883 umschiffte er ganz Afrika, 1890 besuchte er Guayana, 1892 Oberägypten, 1895 Südamerika, 1897 trat er eine auf drei Jahre berechnete Forschungsreise in die Südsee an, starb aber gleich im Beginn derselben. Er veröffentlichte: »Aus Japan nach Deutschland durch Sibirien« (Köln 1883, 2. Aufl. 1887); »Das Holontalo, ein Beitrag zur Kenntnis der Sprachen von Celebes« (Berl. 1883); »Ein Besuch beim König von Birma« (Köln 1883); »Um Afrika« (das. 1885); »Tätowieren, Narbenzeichnen und Körperbemalen« (Berl. 1887); »Die außereuropäische deutsche Presse« (Köln 1888); »Spanische Tiergefechte« (Berl. 1889); »Ethnographisches und Verwandtes aus Guayana« (Supplement zum Internationalen Archiv für Ethnographie, Bd. 5, Leid. 1893) und »Weltfahrten« (Berl. 1895, 3 Bde.).
 
Artikelverweis 
Joesten (spr. jō-), Joseph, Schriftsteller, geb. 21. Juni 1850 in Düren, studierte die Rechte und deutsche Literaturgeschichte in Bonn und Berlin, promovierte darauf zum Doktor der Rechte, wurde zuerst Richter am Stadtgericht in Berlin, alsdann Eisenbahn-Betriebsdirektor, darauf Regierungsrat und Mitglied der königlichen Eisenbahndirektionen in Elberfeld und Köln. Nach mehrfachen wissenschaftlichen Reisen durch größere Teile Europas, siedelte er 1900 nach Bonn über, wo er noch jetzt als Landesobmann des Deutschen Schriftstellerverbandes lebt. Unter dem Pseudonym Miles Ferrarius verfaßte er mehrere Schriften über die Bedeutung des Eisenbahnwesens im

[Bd. 6, Sp. 266]


Kriege, so die von Moltke anerkannte Schrift: »Die Eisenbahnen und die Kriegsführung« (Hamb. 1890), ferner: »Studien über die heutigen Eisenbahnen im Kriegsfalle« (Wien 1892); »Die Anforderungen der Strategie und Taktik an die Eisenbahnen« (Berl. 1894), und unter seinem wirklichen Namen: »Geschichte u. System der Eisenbahnbenutzung im Kriege« (Leipz. 1896, ins Französische übersetzt von Benoit, Par. 1905). Unter dem Namen Hans von Windeck veröffentlichte er eine Reihe von Schriften und Dichtungen, die sich durch vaterländischen Geist und Heimatliebe auszeichnen: »Im Spiegel der Zeit. Ein heimatlicher Liederstrauß« (Stuttg. 1892); »Ruhmreiche Berge«, ausgewählte Dichtungen (2. Aufl., Erfurt 1899); das vaterländische Schauspiel: »Die Feldflasche von Auerstädt« (Köln 1894); ferner unter seinem eignen Namen: »Wolfgang Müller von Königswinter« (das. 1895); »Mein Herz ist am Rhein«, ein Gedenkbuch an die Errichtung des Wolfgang Müller-Denkmals in Königswinter (das. 1896); »Literarisches Leben am Rhein« (Leipz. 1899), mit Beiträgen über das rheinische Literaturleben des 18. Jahrh. und über Kinkel; »Zur Geschichte der Hexen und Juden in Bonn« (Bonn 1900); »Von deutschen Bergen und Burgen. Burg Windeck an der Sieg« (Köln 1902); »Friedrich Roeber« (Bresl. 1902); »Kulturbilder aus dem Rheinland«. Beiträge zur Geschichte der geistigen und sozialen Bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts am Rhein (Bonn 1902); »Geschichte der Familie J.« (das. 1902); »Erinnerung an Bonn und das Siebengebirge«, dem Andenken Karl Simrocks (das. 1903); »Gottfried Kinkel. Sein Leben, Streben und Dichten für das deutsche Volk« (Köln 1904); »Bilder und Skizzen vom Rhein« (das. 1905).
 
Artikelverweis 
Jofra, Oase, s. Meyers Dschofra.
 
Artikelverweis 
Joga, ind. System der Askese, s. Meyers Indische Philosophie, S. 803.
 
Artikelverweis 
Jôgin (Yôgin), Anhänger des ind. Jogasystems, s. Meyers Indische Philosophie. Im Abendland erregte am meisten Aufsehen das Verfahren der Jogins, sich durch Autohypnose in einen starrkrampfartigen Zustand (Scheintod) zu versetzen, sich dann für längere Zeit lebendig begraben zu lassen, um nachher von ihren Schülern wieder ins Leben zurückgerufen zu werden. Wurde auch zuweilen Gaukelei benutzt, um diese Leistungen nachzuahmen (wie z. B. bei den beiden abwechselnd in einem Glassarge schlafenden Indern, die 1896 auf der Pester Jubiläums-Ausstellung als Betrüger entlarvt wurden), so liegen doch eine Anzahl wohlbeglaubigter Beobachtungen aus dem 17. Jahrh. bis zur Neuzeit vor. Wie Kuhn wahrscheinlich gemacht hat, beziehen sich die merkwürdigsten dieser Berichte aus den 20 er und 30 er Jahren des vorigen Jahrhunderts alle auf denselben J., Haridâs, der diese Praxis zu großer Vollkommenheit ausgebildet hatte. Der als Leibarzt am Hofe des Maharadscha in Lahor lebende Österreicher Honigberger hat die ausführlichsten Berichte nebst Porträt des J. veröffentlicht, wonach derselbe sich zunächst das Zungenbändchen löste und die Zunge nach alten Vorschriften so trainiert hat, um sich damit den Schlund verstopfen und das Atmen verhindern zu können. Vorher reinigte er seine Eingeweide durch allerlei Prozeduren und zog zuletzt nur reines Wasser durch ein Röhrchen in den Darm ein, dann wurden alle Körperöffnungen mit Wachsstöpseln geschlossen und der totenähnliche Körper, in Leinen gehüllt, in eine Art Kiste oder Sarg gelegt, die dann wohlverschlossen in kühlen unterirdischen Räumen aufgestellt wurde. So brachte er in vier Fällen je 3,10,30,40 Tage im Grabe zu. In einem Fall wurde über dem Sarge Getreide gesät, um die Unberührtheit des Bodens zu beweisen. Seine Schüler brachten ihn aber jedesmal zum Leben zurück. indem sie ihn nach abgelaufener Frist aus dem Sarge nahmen, mit warmem Wasser begossen, einen heißen Weizenmehlteich auf seinen Scheitel legten, den Mund gewaltsam öffneten, die Zunge hervorzogen und zerlassene Butter auf die Augenlider und Zunge brachten. Nach der Ansicht von Braid, der zuerst die Glaubwürdigkeit dieser Berichte betonte, handelt es sich um einen scheintodartigen Zustand mit minimaler Atmung, der durch Selbsthypnotisierung eingeleitet wird, wobei nach Ansicht Kuhns ein Hanfpräparat (mit Bilsenkraut und Stechapfel) mitwirken soll. Vgl. Braid, Observations on trance or human hybernation (Lond. 1850); Honigberger, Früchte aus dem Morgenlande (Wien 1851); Preyer, Die Entdeckung des Hypnotismus (Berl. 1881); Garbe in seiner Darstellung des Jogasystems und in »Westermanns Monatsheften« (September 1900).
 
Artikelverweis 
Joglar (provenzal., spr. dschoglār, altfranz., jogleor), s. Meyers Jongleur.
 
Artikelverweis 
Johann (Abkürzung von Johannes, franz. Jean, engl. John, span. Juan, portug. João. ital. Giovanni. holländ. Jan), Name von 23 (22) Päpsten:
   1) J. I., der Heilige, aus Toskana, bestieg 523 den römischen Stuhl, ward 524 gegen seinen Willen vom ostgotischen König Theoderich nach Konstantinopel gesandt, um den Kaiser Justinus I. zur Milderung seiner Edikte gegen die Arianer zu vermögen, aber nach der Rückkehr von dieser erfolglosen Sendung zu Ravenna ins Gefängnis geworfen, wo er 18. Mai 526 starb. Gedenktag: 27. Mai. 2) J. II. (Mercurius), ein Römer, bestieg 532 den römischen Stuhl, beteiligte sich an den Streitigkeiten der Theopaschiten (Monophysiten) im streng orthodoxen Sinn; starb 535. 3) J. III., ein Römer, ward 561 Papst, soll den kaiserlichen Statthalter Narses zur Rückkehr nach Rom veranlaßt haben, vollendete die Basilika der Apostel in der Via lata; starb 574. 4) J. IV., aus Salona gebürtig, bestieg den päpstlichen Stuhl 640, ließ die Monotheleten auf einem Konzil in Rom verdammen und lehnte die Annahme der auf Befehl des Kaisers Heraklios verfaßten Unionsformel (Ekthesis) ab; starb 642. 5) J. V., aus Antiochia in Syrien, Legat auf dem sechsten ökumenischen Konzil, ward 685 zum Papst gewählt, starb 686. 6) J. VI., ein Grieche, ward 701 Papst, bewog durch Geldzahlungen den Herzog Gisulf von Benevent zum Abzug aus dem römischen Gebiet; starb 705. 7) J. VII., ein Grieche, Nachfolger des vorigen seit 705, erhielt vom langobardischen König Aribert die Besitzungen der römischen Kirche in den Kottischen Alpen zurück; starb 707. 8) J. (VIII., Johanna Papissa), s. Meyers Johanna (Päpstin). 9) J. VIII., ein Römer, ward 872 Papst, folgte dem Vorbild Nikolaus' I. in dem Bestreben, die päpstliche Macht zu erhöhen. Er krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone verfügen zu können; auf den Synoden zu Ravenna (877) und zu Troyes (878) verlangte er die Unabhängigkeit der Bischöfe von der weltlichen Macht. Er zerfiel mit Ludwigs des Deutschen ältestem Sohn, Karlmann, der ihn 878 in Rom gefangen nehmen ließ. Wieder frei, bannte er dessen Anhänger und krönte Ludwig den Stammler zum König von Frankreich; dann aber ward er genötigt, Karl III. 881 zum Kaiser zu krönen. Den

[Bd. 6, Sp. 267]


von Hadrian II. gebannten Patriarchen Photius von Konstantinopel erkannte er an in der Hoffnung, von dem Kaiser Basilius Hilfe gegen die Sarazenen und die Jurisdiktion über Bulgarien wiederzuerhalten, und beschickte in dieser Absicht auch das zweite Konzil in Konstantinopel (879). Da er sich aber in seiner Hoffnung getäuscht sah, widerrief er jene Anerkennung. Er wurde 15. Dez. 882 ermordet. Vgl. Gasquet, Jean VIII et la fin de l'empire carolingien (Clermont-Ferrand 1886); Lapôtre, L'Europe et le saint siége à l'époque carolingienne, Bd. 1: Le pape Jean VIII (Par. 1895).-10) J. IX., geb. in Tivoli, Benediktiner, ward 898 Papst, erkannte Lambert von Spoleto als Kaiser an und stellte das Ansehen des Papstes Formosus wieder her; starb 900. 11) J. X., früher Bischof von Bologna und Erzbischof von Ravenna, gelangte durch die patrizische Partei, an deren Spitze die berüchtigte Theodora stand, 914 auf den päpstlichen Stuhl. Er krönte 915 Berengar I. zum Kaiser und zog in eigner Person gegen die Sarazenen zu Felde. Auf Befehl der Marozia ward J. 928 gefangen und 929 im Gefängnis ermordet. 12) J. XI., Sohn der Marozia und, wie man glaubte, des Papstes Sergius III., ward 931,25 Jahre alt, auf den päpstlichen Stuhl erhoben, aber von seinem Bruder Alberich, dem Herrscher von Rom, 933 ins Gefängnis geworfen und später ganz auf sein geistliches Amt beschränkt; starb 936. 13) J. XII., vorher Oktavianus, Sohn Alberichs, bemächtigte sich 955, erst 18 Jahre alt, der Tiara. Er war der erste Papst, der bei seiner Erhebung den Namen wechselte. Gegen den König Berengar II. von Italien rief er den deutschen Herrscher zu Hilfe und krönte ihn 962 zum Kaiser. Doch ließ Otto ihn 963 sowohl seiner Ausschweifungen als seines verräterischen Verhaltens wegen absetzen; J. kehrte zwar 964 nach Rom zurück und nahm Rache an seinen Gegnern, starb aber schon 14. Mai d. J. 14) J. XIII., ein Römer, vorher Bischof von Narni, 965 durch den Kaiser Otto I. auf den päpstlichen Stuhl erhoben, war den Großen Roms verhaßt, die ihn bald verjagten. 967 unter des Kaisers Schutz nach Rom zurückgekehrt, starb er 972. 15) J. XIV., vorher Peter, Bischof von Pavia und Ottos II. Erzkanzler, wurde durch Otto 983 Papst, nach dessen Tod durch einen Aufruhr gestürzt und starb, in der Engelsburg eingekerkert, eines gewaltsamen Todes 20. Aug. 984. 16) J. XV., ein Römer, wurde 985 zum Papst erhoben, rief gegen Crescentius, vor dem er 995 nach Toskana fliehen mußte, Otto III. zu Hilfe; starb 996. Er vollzog 993 die erste päpstliche Kanonisation an dem Bischof Udalrich von Augsburg. 17) J. (XVI.), vorher Philagathus, aus Rossano in Kalabrien gebürtig, Günstling der Kaiserin Theophanu, Bischof und später Erzbischof von Piacenza, wurde nach Gregors V. Vertreibung durch Crescentius (997) auf den päpstlichen Stuhl erhoben, aber 998 von Otto III. gestürzt und von den Kaiserlichen grausam verstümmelt; er scheint bis 1013 gelebt zu haben. 18) J. XVII., vorher Sico, ein Römer, ward im Juni 1003 Papst, starb jedoch schon nach sechs Monaten. 19) J. XVIII., vorher Phasanus, ein Römer, 1003 gewählt, stand ganz unter der Botmäßigkeit der Crescentier; starb 1009. 20) J. XIX., vorher Romanus, Bruder seines Vorgängers Benedikt VIII., gelangte als Laie und »Senator aller Römer« 1024 durch Bestechung auf den päpstlichen Stuhl. Er krönte 1027 Konrad II. zum Kaiser und war in politischer Hinsicht von diesem durchaus abhängig. Er starb 1033. 21) J. (XX.) XXI., früher Petrus Juliani, aus Lissabon gebürtig, war Lehrer der Philosophie in Paris, wurde Erzbischof von Braga und 1273 Kardinalbischof von Tuskulum, bestieg 1276 den päpstlichen Stuhl und kam 20. Mai 1277 in Viterbo durch den Einsturz einer Decke ums Leben. Er hat, ehe er Papst wurde, die griechische Synopsis »Organi Aristotelici« des Michael Psellos (s. Meyers Michael) u. d. T. »Summulae logicales« ins Lateinische übersetzt und dadurch einen bedeutenden Einfluß auf die Syllogik des Mittelalters gewonnen; die oft herausgegebenen Summulae pflegen unter dem Namen des Petrus Hispanus zitiert zu werden. Vgl. Prantl, Geschichte der Logik, Bd. 2 (2. Aufl., Leipz. 1885, S. 266 ff.); Stapper, Papst J. XXI. (Münster 1898). 22) J. XXII., früher Jakob Duèse, geb. 1243 in Cahors als Sohn eines Handwerkers, ward Kanzler Roberts von Neapel, 1300 Bischof von Fréjus, 1310 Erzbischof von Avignon, 1312 Kardinalbischof von Porto und 1316 Papst. Seine Einmischung in weltliche Angelegenheiten zugunsten Frankreichs, namentlich seine Agitation gegen den König Ludwig den Bayern, gegen den er 1324 Bann und Interdikt in Anwendung brachte, weil er sein Thronrecht nicht dem Richterspruch des Papstes unterwerfen wollte, rief die Opposition der berühmtesten Rechtslehrer, wie des Marsilius von Padua u. a., hervor, die er 1327 mit dem Bann belegte. Auch eine Anzahl von Minoriten bekämpfte ihn, und Ludwig stellte 1328 einen Gegenpapst, Nikolaus V., gegen ihn auf; doch ward dieser von J. gefangen genommen und 1330 gezwungen, seine Würde niederzulegen. Durch seine Gelderpressungen und die Ausbeutung kirchlicher Rechte zu finanziellen Zwecken brachte er einen bedeutenden Schatz zusammen. Er starb 4. Dez. 1334. Seine »Extravaganten« (s. d.) sind in das »Corpus juris canonici« aufgenommen. Vgl. die Literatur über Ludwig den Bayern und Verlaque, Jean XXII, sa vie et ses œuvres (Par. 1883); Preger, Die Politik des Papstes J. XXII. (Münch. 1885); »Lettres secrètes et curiales du pape Jean XXII relatives à la France« (Par. 1900) und »Lettres communes du pape Jean XXII« (hrsg. von Mollat, das. 1904 ff); Haller, Papsttum und Kirchenreform, Bd. 1 (Berl. 1903). 23) J. XXIII., früher Balthasar Cossa, in Neapel geboren, soll in seiner Jugend Seeräuber gewesen sein, hatte dann in Bologna studiert, war, von Bonifatius IX. nach Rom gezogen, 1402 zum Kardinal erhoben und als Legat nach Bologna gesandt, wo er mit allen Mitteln, auch den schändlichsten, seine Herrschaft aufrecht erhielt. Nach dem Tode Alexanders V., den vergiftet zu haben er beschuldigt wurde, ward er 17. Mai 1410 in Bologna zum Papst erwählt. Seinem Versprechen, seine Ansprüche auf die päpstliche Krone aufzugeben, sobald seine Gegenpäpste Gregor XII. und Benedikt XIII. ein Gleiches täten, kam er zwar 7. März 1415 auf dem Konzil zu Konstanz nach, entfloh aber, den Schritt bereuend, 19. März nach Schaffhausen und widerrief hier seine Verzichtleistung. Hierauf ward er 29. Mai vom Konzil wegen zahlreicher Verbrechen förmlich abgesetzt. In Freiburg verhaftet, wurde er zuerst auf das Schloß Gottlieben bei Konstanz, dann nach Mannheim und hierauf nach Heidelberg in Gewahrsam gebracht, bis er sich 1418 durch ein Lösegeld von 30,000 Goldgulden befreite. Vom Papst Martin V. begnadigt, ward er wieder Kardinalbischof von Tuskulum und starb 22. Nov. 1419. Vgl. Blumenthal, Papst J. XXIII. (in der »Zeitschrift für Kirchengeschichte«, Bd. 21, Leipz. 1901, S. 488 ff.).

[Bd. 6, Sp. 268]


 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer