Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Jodwasserstoff bis Joglar (Bd. 6, Sp. 264 bis 266)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Jodwasserstoff HJ entsteht, wenn man Wasserstoff und Joddampf bei 300400° über Platinschwamm leitet, und vielfach bei Einwirkung von Jod auf wasserstoffhaltige Körper; auch Wasser wird am Lichte durch Jod unter Bildung von J. und Sauerstoff

[Bd. 6, Sp. 265]


zersetzt. Zur Darstellung von J. destilliert man Jodkalium mit Phosphorsäure. Der sich entwickelnde J. ist ein farbloses Gas, riecht wie Chlorwasserstoff, bildet an der Luft Nebel und kann leicht zu einer Flüssigkeit verdichtet werden. Bei 0° beträgt die Tension des flüssigen Jodwasserstoffes 4 Atmosphären, sein spez. Gew. bei 12° beträgt 2,27. In einer Kältemischung erstarrt der flüssige J. und schmilzt dann bei -51°. J. wird von Wasser reichlich (450 Volumen bei 10°) absorbiert. Eine solche Lösung (Jodwasserstoffsäure, Hydrojodsäure) erhält man auch durch Eintragen von Jod in eine Lösung von schwefligsaurem oder unterschwefligsaurem Natron (wobei schwefelsaures Natron gebildet wird), beim Übergießen von amorphem Phosphor mit Wasser und allmählichem Hinzufügen von Jod (wobei phosphorige Säure entsteht), ferner wenn man wenig Jod in Wasser suspendiert und Schwefelwasserstoff einleitet, bis das Jod verschwunden ist. In der gebildeten Jodwasserstoffsäure löst man dann Jod und verwandelt dies von neuem durch Schwefelwasserstoff in J. Die von dem ausgeschiedenen Schwefel abfiltrierte Lösung läßt sich durch Verdampfen auf einen Gehalt von 57 Proz. J. bringen. Wird in konzentrierte Jodwasserstoffsäure bei 0° J. geleitet, so erhält man rauchende Säure vom spez. Gew. 1,92,0. Bei der Destillation dieser Säure entweicht J., und dann geht eine Säure über, die bei 127° siedet und 57 Proz. J. enthält. Folgende Tabelle zeigt den Gehalt der Jodwasserstoffsäure bei verschiedenen spezifischen Gewichten und bei 13°:

Jodwasserstoffsäure verhält sich ganz wie Salzsäure (Chlorwasserstoffsäure), bräunt sich aber an der Luft, besonders bei Einwirkung des Lichtes, und zersetzt sich zuletzt vollständig unter Ausscheidung von Jod; auch von Oxydationsmitteln wird sie leicht zersetzt. Sie dient zur Darstellung von Jodpräparaten und als kräftiges Reduktionsmittel.
 
Artikelverweis 
Jodzahl, s. Meyers Fette, S. 489.
 
Artikelverweis 
Jodzinnober, soviel wie Quecksilberjodid.
 
Artikelverweis 
Joël (d. h. »Jahve ist Gott«), Sohn Pethuels, jüdischer Prophet. Die unter seinem Namen gehenden Orakel wurden früher ins 9. Jahrh. gesetzt, sind aber, da sie die Zerstörung Jerusalems voraussetzten, wohl erst um 400 geschrieben. Sie zerfallen in die mit einer Verwüstung des Landes durch Heuschrecken begründete Bußpredigt (1,12,17) und eine Verheißungsrede (2,184,20). Vgl. die Kommentare zu den kleinen Propheten von Nowack (Götting. 1897), Wellhausen (3. Aufl., Berl. 1898), Marti (Tübing. 1904) und Merx, Die Prophetie des J. (Halle 1879).
 
Artikelverweis 
Joël, Manuel, jüd. Gelehrter, geb. 19. Okt. 1826 in Birnbaum (Posen), studierte in Berlin neben jüdischer Theologie klassische Philologie, wurde 1854 Lehrer am Rabbinerseminar in Breslau, 1863 Rabbiner daselbst und starb 3. Nov. 1890. Er veröffentlichte: »Die Religionsphilosophie des Maimonides« (Bresl. 1859); »Levi ben Gerson als Religionsphilosoph« (das. 1862); »Verhältnis Alberts d. Gr. zu Maimonides« (das. 1863); »Don Chasdai Creskas' religionsphilosophische Lehren« (das. 1866); »Spinozas theologisch-politischer Traktat« (das. 1870); »Zur Genesis der Lehre Spinozas« (das. 1871). Diese Schriften wurden mit verschiedenen Abhandlungen gesammelt als »Beiträge zur Geschichte der Philosophie« (Bresl. 1876, 2 Bde.) herausgegeben. Von spätern Schriften sind zu nennen: »Notizen zum Buch Daniel. Etwas über die Bücher Sifra und Sifre« (Bresl. 1873); »Religiös-philosophische Zeitfragen« (das. 1876); »Gutachten über den Talmud« (das. 1877); »Blicke in die Religionsgeschichte« (das. 1880 bis 1883, 2 Bde.). Seine Sabbat- und Festpredigten wurden aus seinem Nachlaß von Eckstein u. Ziemlich herausgegeben (Bd. 1 u. 2, Bresl. 189294; Bd. 3, Berl. 1898). Vgl. »Gedenkblätter zur Erinnerung an Manuel J.« (Bresl. 1890).
 
Artikelverweis 
Joest (spr. jōst), 1) Jan, niederländ. Maler, der Schöpfer des mit 20 Darstellungen aus der Heiligen Geschichte versehenen Hauptaltars in der Nikolaikirche zu Kalkar, der, zwischen 1505 und 1508 ausgeführt, ein wichtiges Denkmal der niederrheinischen Malerei ist (hrsg. und beschrieben von Beissel, M.-Gladbach 1900, 21 Tafeln). J., über dessen Persönlichkeit noch nichts ermittelt worden ist, stand unter dem Einfluß Memlings und der italienischen Renaissance.
   2) Wilhelm, Ethnolog und Reisender, geb. 15. März 1852 in Köln, gest. 25. Nov. 1897 auf den Santa Cruz-Inseln, studierte in Bonn, Heidelberg und Berlin Naturwissenschaften und Sprachen, bereiste 1874 die nordafrikanischen Küstenländer und 18761878 ganz Amerika. 1879 begab er sich nach Ceylon, durchreiste Indien bis zum Himalaja, begleitete die britische Armee im afghanischen Kriege, besuchte Birma und Siam, beschäftigte sich auf Borneo, Ceram und Celebes mit dem Studium der dortigen wilden Völkerschaften, wohnte dem Kriege der Holländer gegen Atschin bei, durchreiste Kambodscha und die Philippinen und lebte längere Zeit unter den wilden Stämmen Formosas. Von Peking unternahm er einen Ausflug in die Mongolei, ging darauf nach Japan, hielt sich auf Jeso unter den Aino auf und kehrte 1881 von Wladiwostok durch die Mandschurei, Mongolei und Sibirien nach Deutschland zurück. 1883 umschiffte er ganz Afrika, 1890 besuchte er Guayana, 1892 Oberägypten, 1895 Südamerika, 1897 trat er eine auf drei Jahre berechnete Forschungsreise in die Südsee an, starb aber gleich im Beginn derselben. Er veröffentlichte: »Aus Japan nach Deutschland durch Sibirien« (Köln 1883, 2. Aufl. 1887); »Das Holontalo, ein Beitrag zur Kenntnis der Sprachen von Celebes« (Berl. 1883); »Ein Besuch beim König von Birma« (Köln 1883); »Um Afrika« (das. 1885); »Tätowieren, Narbenzeichnen und Körperbemalen« (Berl. 1887); »Die außereuropäische deutsche Presse« (Köln 1888); »Spanische Tiergefechte« (Berl. 1889); »Ethnographisches und Verwandtes aus Guayana« (Supplement zum Internationalen Archiv für Ethnographie, Bd. 5, Leid. 1893) und »Weltfahrten« (Berl. 1895, 3 Bde.).
 
Artikelverweis 
Joesten (spr. jō-), Joseph, Schriftsteller, geb. 21. Juni 1850 in Düren, studierte die Rechte und deutsche Literaturgeschichte in Bonn und Berlin, promovierte darauf zum Doktor der Rechte, wurde zuerst Richter am Stadtgericht in Berlin, alsdann Eisenbahn-Betriebsdirektor, darauf Regierungsrat und Mitglied der königlichen Eisenbahndirektionen in Elberfeld und Köln. Nach mehrfachen wissenschaftlichen Reisen durch größere Teile Europas, siedelte er 1900 nach Bonn über, wo er noch jetzt als Landesobmann des Deutschen Schriftstellerverbandes lebt. Unter dem Pseudonym Miles Ferrarius verfaßte er mehrere Schriften über die Bedeutung des Eisenbahnwesens im

[Bd. 6, Sp. 266]


Kriege, so die von Moltke anerkannte Schrift: »Die Eisenbahnen und die Kriegsführung« (Hamb. 1890), ferner: »Studien über die heutigen Eisenbahnen im Kriegsfalle« (Wien 1892); »Die Anforderungen der Strategie und Taktik an die Eisenbahnen« (Berl. 1894), und unter seinem wirklichen Namen: »Geschichte u. System der Eisenbahnbenutzung im Kriege« (Leipz. 1896, ins Französische übersetzt von Benoit, Par. 1905). Unter dem Namen Hans von Windeck veröffentlichte er eine Reihe von Schriften und Dichtungen, die sich durch vaterländischen Geist und Heimatliebe auszeichnen: »Im Spiegel der Zeit. Ein heimatlicher Liederstrauß« (Stuttg. 1892); »Ruhmreiche Berge«, ausgewählte Dichtungen (2. Aufl., Erfurt 1899); das vaterländische Schauspiel: »Die Feldflasche von Auerstädt« (Köln 1894); ferner unter seinem eignen Namen: »Wolfgang Müller von Königswinter« (das. 1895); »Mein Herz ist am Rhein«, ein Gedenkbuch an die Errichtung des Wolfgang Müller-Denkmals in Königswinter (das. 1896); »Literarisches Leben am Rhein« (Leipz. 1899), mit Beiträgen über das rheinische Literaturleben des 18. Jahrh. und über Kinkel; »Zur Geschichte der Hexen und Juden in Bonn« (Bonn 1900); »Von deutschen Bergen und Burgen. Burg Windeck an der Sieg« (Köln 1902); »Friedrich Roeber« (Bresl. 1902); »Kulturbilder aus dem Rheinland«. Beiträge zur Geschichte der geistigen und sozialen Bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts am Rhein (Bonn 1902); »Geschichte der Familie J.« (das. 1902); »Erinnerung an Bonn und das Siebengebirge«, dem Andenken Karl Simrocks (das. 1903); »Gottfried Kinkel. Sein Leben, Streben und Dichten für das deutsche Volk« (Köln 1904); »Bilder und Skizzen vom Rhein« (das. 1905).
 
Artikelverweis 
Jofra, Oase, s. Meyers Dschofra.
 
Artikelverweis 
Joga, ind. System der Askese, s. Meyers Indische Philosophie, S. 803.
 
Artikelverweis 
Jôgin (Yôgin), Anhänger des ind. Jogasystems, s. Meyers Indische Philosophie. Im Abendland erregte am meisten Aufsehen das Verfahren der Jogins, sich durch Autohypnose in einen starrkrampfartigen Zustand (Scheintod) zu versetzen, sich dann für längere Zeit lebendig begraben zu lassen, um nachher von ihren Schülern wieder ins Leben zurückgerufen zu werden. Wurde auch zuweilen Gaukelei benutzt, um diese Leistungen nachzuahmen (wie z. B. bei den beiden abwechselnd in einem Glassarge schlafenden Indern, die 1896 auf der Pester Jubiläums-Ausstellung als Betrüger entlarvt wurden), so liegen doch eine Anzahl wohlbeglaubigter Beobachtungen aus dem 17. Jahrh. bis zur Neuzeit vor. Wie Kuhn wahrscheinlich gemacht hat, beziehen sich die merkwürdigsten dieser Berichte aus den 20 er und 30 er Jahren des vorigen Jahrhunderts alle auf denselben J., Haridâs, der diese Praxis zu großer Vollkommenheit ausgebildet hatte. Der als Leibarzt am Hofe des Maharadscha in Lahor lebende Österreicher Honigberger hat die ausführlichsten Berichte nebst Porträt des J. veröffentlicht, wonach derselbe sich zunächst das Zungenbändchen löste und die Zunge nach alten Vorschriften so trainiert hat, um sich damit den Schlund verstopfen und das Atmen verhindern zu können. Vorher reinigte er seine Eingeweide durch allerlei Prozeduren und zog zuletzt nur reines Wasser durch ein Röhrchen in den Darm ein, dann wurden alle Körperöffnungen mit Wachsstöpseln geschlossen und der totenähnliche Körper, in Leinen gehüllt, in eine Art Kiste oder Sarg gelegt, die dann wohlverschlossen in kühlen unterirdischen Räumen aufgestellt wurde. So brachte er in vier Fällen je 3,10,30,40 Tage im Grabe zu. In einem Fall wurde über dem Sarge Getreide gesät, um die Unberührtheit des Bodens zu beweisen. Seine Schüler brachten ihn aber jedesmal zum Leben zurück. indem sie ihn nach abgelaufener Frist aus dem Sarge nahmen, mit warmem Wasser begossen, einen heißen Weizenmehlteich auf seinen Scheitel legten, den Mund gewaltsam öffneten, die Zunge hervorzogen und zerlassene Butter auf die Augenlider und Zunge brachten. Nach der Ansicht von Braid, der zuerst die Glaubwürdigkeit dieser Berichte betonte, handelt es sich um einen scheintodartigen Zustand mit minimaler Atmung, der durch Selbsthypnotisierung eingeleitet wird, wobei nach Ansicht Kuhns ein Hanfpräparat (mit Bilsenkraut und Stechapfel) mitwirken soll. Vgl. Braid, Observations on trance or human hybernation (Lond. 1850); Honigberger, Früchte aus dem Morgenlande (Wien 1851); Preyer, Die Entdeckung des Hypnotismus (Berl. 1881); Garbe in seiner Darstellung des Jogasystems und in »Westermanns Monatsheften« (September 1900).
 
Artikelverweis 
Joglar (provenzal., spr. dschoglār, altfranz., jogleor), s. Meyers Jongleur.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer