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Interessant bis Interfaszikulārgewebe (Bd. 6, Sp. 883 bis 884)
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Artikelverweis Interessant (franz.), Meyers Interesse (s. d.) erregend; ganz allgemein und zunächst, was aus dem Kreis des Gewöhnlichen heraustritt, dadurch überrascht und anzieht, nicht selten mit dem Nebenbegriff von pikant.
 
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Interesse (lat.), der »Anteil«, den man an etwas nimmt; der Wert und die Bedeutung, die einer Sache beigelegt werden, oder die sie für uns hat. Je nach dem Bildungsgrad des einzelnen, nach seiner individuellen Anschauungsweise und Veranlagung ist der Interessenkreis der Menschen ein verschiedener. Eine Sache ist für den einen von I. (interessant), die es für den andern durchaus nicht ist. Mit Rücksicht auf die Verschiedenartigkeit der Gegenstände, denen sich das I. zuwendet, unterscheidet man ferner zwischen höhern und niedern Interessen, spricht man von wissenschaftlichem, künstlerischem, sittlichem, religiösem I. etc., unterscheidet man zwischen geistigen und materiellen Interessen, stellt man dem Gesamtinteresse die Sonderinteressen, dem allgemeinen I. das Standes- und das Geschäftsinteresse, dem öffentlichen das Privatinteresse gegenüber. Je höher die sittliche und intellektuelle Bildung eines einzelnen ist, desto mehr wird er von geistigen Interessen erfüllt sein. Überwuchern die materiellen Interessen die letztern, herrscht das Geschäfts- und namentlich das Erwerbsinteresse in einseitiger Weise vor, so bezeichnet man den Betreffenden als interessiert. In der Rechtswissenschaft versteht man unter I. namentlich den erlittenen Schaden, »id quod interest«, d. h. den Unterschied zwischen der Vermögenslage einer Person vor und nach einem schädigenden Ereignis, der namentlich dann in Betracht kommt, wenn eine geschuldete Sache nicht rechtzeitig, nicht vertragsmäßig, nicht vollständig oder gar nicht geliefert, eine sonstige geschuldete Leistung nicht oder nicht gehörig verrichtet oder eine Sache beschädigt oder zugrunde gerichtet wurde. Die Rechtsgrundsätze über das I. sind daher namentlich für die Lehre vom Meyers Schadenersatz (s. d.) von Wichtigkeit. Dabei ist aber zu beachten, daß bei der Feststellung des Gesamtinteresses das sogen. Affektionsinteresse, d. h. der Wert nach dem individuellen Geschmack oder Gefühl, nur dann in Betracht kommt, wenn das Gesetz dies ausdrücklich zuläßt, wie bei der richterlichen Bemessung, bez. Herabsetzung einer Vertragsstrafe (§ 343 des Bürgerlichen Gesetzbuches), oder wenn das Affektionsinteresse in einem objektivern Verkehrswert zum Ausdruck kommt, wie bei Autogrammen, Reliquien etc.
 
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Interessen, im gewöhnlichen Leben Bezeichnung für die Zinsen eines Kapitals; daher Interessenrechnung. soviel wie Meyers Zinsrechnung (s. d.).
 
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Interessenharmonie, die Übereinstimmung zwischen dem Wohlergehen der einzelnen und demjenigen der Gesamtheit. Während Vertreter der englischen Schule der Nationalökonomie (Ricardo, Malthus) die wirtschaftlichen Zustände pessimistisch auffaßten und von Gesetzen sprachen, nach denen das Elend der Welt unausrottbar sei, haben, nachdem schon früher der Physiokrat Gournay u. a. die Ansicht ausgesprochen hatten, das vernünftige Interesse des einzelnen sei immer im Einklang mit dem allgemeinen, besonders Carey und Bastiat die I. zum Kernpunkt ihrer Lehren gemacht. Nach Bastiat besteht eine I. zwischen Moral und Volkswirtschaft; der einzelne fördert durch sein tugendhaftes Verhalten zugleich sein wirtschaftliches Interesse und das der Gesamtheit. Zwischen den richtig verstandenen Gesetzen der Moral und der Wirtschaftslehre findet kein Widerspruch statt. Es besteht aber auch ferner I. zwischen den einzelnen wirtschaftlichen Klassen, zwischen Grundbesitz, Handel und Industrie, zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. Zins und Gewinn wachsen nicht auf Kosten des Arbeitslohnes, sondern zugleich mit dem letztern. Als Bedingung einer vollständigen I. nennt Bastiat die Freiheit des wirtschaftlichen Verkehrs, während sie nach Carey nicht ohne Mitwirkung des Staates zu verwirklichen ist. In Wirklichkeit kann die I. nur als ein Ideal betrachtet werden, das bei keiner gesellschaftlichen Verfassungsform vollständig zu erreichen ist.
 
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Interessenpolitik und Interessenvertretung. In der Politik ist das Meyers Interesse (s. d.) das bewegende Element, und sofern es sich bei der politischen Tätigkeit um die Vertretung der Interessen des Staates, der Dynastie, der Regierung, der Gemeinden oder um die Interessen des Volkswohlstandes, des Handels und Verkehrs, der Machtstellung und der Ehre des Volkes u. dgl. handelt, ist alle Politik Interessenpolitik. Man pflegt jedoch diesen Ausdruck regelmäßig anzuwenden, um eine einseitige Interessenpolitik, d. h. ein einseitiges Verfolgen besonderer Interessen ohne Rücksicht auf die Interessen der Gesamtheit, zu bezeichnen. Daß jemand für ein rechtlich erlaubtes und zulässiges Interesse eintritt, ist nichts Unrechtes, unter Umständen sogar verdienstlich. Darum ist es auch durchaus nicht tadelnswert, wenn zur Erreichung solcher Zwecke die einzelnen Interessentengruppen sich fester zusammenschließen, wenn sie eine planmäßige Interessenvertretung organisieren, und wenn sie für ihre Interessen eine Agitation unterhalten. Tadelnswert kann eine solche Interessenvertretung aber dann sein, wenn sie einseitig da vorherrscht, wo das allgemeine Interesse entscheiden sollte. Das moderne Staatsleben stellt das letztere in den Vordergrund. Die Frage, wie weit eine Interessenvertretung zulässig sei, wird viel erörtert. Vorab muß gefordert werden, daß die Wahrnehmung von Berufsinteressen sich innerhalb der Grenzen der strengsten Gesetzlichkeit halte. Die Bildung von Vereinen zu solchem Zweck ist an sich durchaus zulässig; allein die Übertragung irgend einer obrigkeitlichen Gewalt an sie ist nicht selten nachteilig, vielmehr sollten diese Vereine ihren Einfluß lediglich dem Gewichte der von ihnen beigebrachten Gründe verdanken.
 
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Interessenrechnung, s. Meyers Zinsrechnung.
 
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Interessensphäre (auch Hinterland), in der Sprache des modernen Kolonialwesens Bezeichnung für ein Gebiet, vorzüglich in den noch unzivilisierten Teilen Afrikas, das ein europäischer Staat, besonders mit Rücksicht auf die benachbarte Lage einer seiner Kolonien oder Schutzgebiete, aus handelspolitischen, strategischen, politischen und ähnlichen Gründen als für seine Kolonisationsbestrebungen wichtig erachtet, und bezüglich dessen er sich die Okkupationsbefugnis durch Verträge mit andern Staaten, die ähnliche Ziele verfolgen könnten, und durch Mitteilung dieser Verträge an die übrigen Mächte sichert. Derartige Verträge hat Deutschland abgeschlossen mit England: 10. April 1886 bezüglich des westlichen Stillen Ozeans, 1. Nov. 1886 und 1. Juli 1890 bezüglich Ostafrikas,

[Bd. 6, Sp. 884]


15. Nov. 1893 bezüglich Zentralafrikas, 14. Nov. 1899 bezüglich der Südsee und Togos; mit Portugal: 30. Dez. 1886 bezüglich Ostafrikas; mit Frankreich: 15. März 1894 bezüglich Kameruns und 25. Juli 1897 bezüglich Togos. Die Verwaltung und Rechtspflege in der deutschen I. Afrikas wurde durch Verordnung vom 2. Mai 1894 besonders geregelt. Verschieden hiervon ist die sogen. Einflußsphäre (s. Meyers Hinterland). Vgl. Zorn, Deutsche Kolonialgesetzgebung (Berl. 1901); v. Liszt, Das Völkerrecht (4. Aufl., das. 1904).
 
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Interessént (lat.), der an einer Sache ein (rechtliches) Interesse hat; Teilhaber, Beteiligter.
 
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Interessenvertretung, s. Meyers Interessenpolitik etc.
 
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Interessiert (lat.), beteiligt, eigen-, gewinnsüchtig.
 
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Interfaszikulārgewebe, s. Meyers Markverbindungen.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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