Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Instigieren bis Institut de France (Bd. 6, Sp. 873 bis 875)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Instigieren (lat.), anreizen, anstiften, aufhetzen; instigante diabolo, auf Anreizung des Teufels; Justigation, Anreizung, Aufhetzung.
 
Artikelverweis 
Instillation (lat., »Eintröpfelung«), die therapeutische Anwendung einer Flüssigkeit, wobei diese tropfenweise auf irgend eine Stelle des Organismus gebracht wird. Man wendet bei Krankheiten der Augen hierzu eigne Vorrichtungen (Fläschchen von Albr. v. Gräfe) an oder Glasröhrchen mit angefügtem Gummiball, welch letzterer ein Herausdrücken einzelner Tropfen bequem ermöglicht. Zur I. in die Harnröhre dient eine Spritze, die bei Fortschraubung ihres Stempels stets nur einen Tropfen austreten läßt.
 
Artikelverweis 
Instinkt (lat. instinctus, »Antrieb«; Naturtrieb), das den Tieren eingeborne, von eigentlichen Verstandestätigkeiten unabhängige, als Naturtrieb bezeichnete Vermögen, gewisse Handlungen auszuführen, die uns als zweckmäßig, vorausberechnet, ja wohl gar als prophetisch erscheinen, weil sie der Erhaltung der Art, oft über den Tod des Individuums hinaus, förderlich sind, wozu indessen die aus dem augenblicklichen Zustand des Organismus entspringenden und unmittelbar wirkenden einfachen Triebe des Hungers, Durstes, der Fortpflanzung etc. für gewöhnlich nicht gerechnet werden. Die Instinkthandlungen der niedern Tiere bei der Erwerbung ihres Lebensunterhalts, beim Bau ihrer Wohnungen, in der Brutpflege u. Orientierung, in bestimmten Schutzgewohnheiten etc. erschienen ehemals so durchaus unbegreiflich, daß man, on jeder Erklärung verzweifelnd, die Tiere mit Cartesius als Maschinen betrachtete, in denen als Triebwerk »Gottes Vernunft« walte, sofern das unabänderliche Gefüge der Handlungen ihnen ein für allemal eingeboren sei. Eine ähnliche Auffassung verteidigten in neuerer Zeit, obwohl in sehr verschiedener Form, Bethe und Wasmann, sofern der erstere solche Tiere ebenfalls als bloße Reflexmaschinen an sehen wollte, denen Sehen, Riechen und Fühlen nur dienen sollten, um bestimmte Reflexe, oft komplizierter Art (z. B. Flucht-, Verteidigungs-, Krampf-, Eierschutz-, Selbstverstümmelungsreflexe etc.), auszulösen. Bethe zeigte auch, daß das sogen. Erkennen der Nestgenossen bei Ameisen und Bienen, die Feindseligkeit gegen fremde Arten lediglich auf dem sogen. Nestgeruch beruht, der, den einen (durch Abwaschen mit Alkohol) genommen und den andern mitgeteilt, sofort Freundschaft in Feindschaft und umgekehrt verwandelt. Daran ist manches richtig, und der Umstand, daß die Instinkte nicht unfehlbar sind, meist nur unter regelmäßigen Verhältnissen zum Ziele führen, ja nur in einer bestimmten Reihenfolge geübt werden können, daß sie anderseits leicht irreführen und den betreffenden Individuen zum Schaden gereichen, z. B. wenn Motten und andre Insekten ins Feuer fliegen, Aasfliegen durch nach verdorbenem Fleisch duftende Blumen angezogen werden oder Wandertiere durch ihren Trieb in ein Massengrab, z. B. die Lemminge in Flüsse und Meere geführt werden, scheint dafür zu sprechen. Allein anderseits ist es unstatthaft, mit Wasmann aus dem Fehlschlagen einzelner Instinkthandlungen unter nicht regelmäßigen Verhältnissen zu schließen, daß keine der Intelligenz höherer Tiere ähnliche Seelentätigkeit im I. zu finden sei. Genauere Beobachtungen zeigen, daß sowohl die Sinne als eine gewisse Überlegungskraft

[Bd. 6, Sp. 874]


und Gedächtnis bei diesen Handlungen beteiligt sind, z. B. bei dem Orientierungssinn der Insekten, über den Lublock, Buttel-Reepen, Marchand u. a. Versuche angestellt haben. Sie zeigten, daß die Instinkte keineswegs unabänderlich sind, vielmehr sowohl durch äußere Umstände als durch eigne Überlegung des betreffenden Tieres abgeändert werden, wie denn einzelne Hummeln gelernt haben, den Honig statt auf legitimem Wege, durch Einbruch zu gewinnen und diesen illegitimen Weg zum I. erhoben haben. Entsprechend den Geisteskrankheiten der höhern Tiere gibt es auch krankhafte Instinkte, die auf einer fehlerhaften Entwickelung beruhen, auch wohl künstlich hervorgerufen werden können, wie z. B. der I. des Erdtümmlers, einer Taubenrasse, die sich bis zur Erschöpfung am Boden wälzt und seit Jahrhunderten durch sorgsame Zucht erhalten wurde, während man dieselbe krankhafte Neigung durch einen Stich in die Gehirnbasis erzeugen kann. Die durch Darwin herbeigeführte Naturauffassung hat zu einem vertieften Verständnis der Instinkte geführt. Man kann sie nach derselben als triebartig wirkende Leistungen eines unbewußten Gedächtnisses der Art betrachten, deren einzelne Stufen ebenso erworben und vererbt werden, wie die Stufen der körperlichen Entwickelung vom Keim an. Was sich der Gattung und Art im Laufe der Zeiten als zuträglich bewährt hat, wird ungeachtet einzelner Nachteile, solange es den Bestand der Art nicht in Frage stellt, durch natürliche Auslese und Erbschaft festgehalten und unter Umständen fortgebildet. Der im einzelnen Individuum zur Erscheinung kommende I. ist deshalb keine individuelle Fähigkeit, sondern ein eingebornes Besitztum der Gattung und Art, also sogen. Erbweisheit oder Gattungsverstand, so daß er, wenn nötig, gleich nach der Geburt oder Befreiung aus der Puppenhülle, die oft schon von der Larve vorbereitet wird, geübt werden kann. Den Anteil der Bewußtseinselemente erkennen wir, wenn Tiere unter veränderten Bedingungen ihre Lebensweise ändern, z. B. abweichende Nester bauen; eine Entwickelung des Instinkts ist überhaupt nur durch solche Leistungen einzelner, die in ihren Nachkommen wieder erscheinen, denkbar. Aber genau wie beim Menschen auch, können neuerworbene, aber oft geübte Tätigkeiten, nachher ohne Bewußtsein wiederholt, dem Automatismus des Körpers einverleibt, d. h. instinktmäßig werden, somit des bewußten Willensantriebs überhoben sein. Hinfort werden sie erblich und können durch äußere oder innere Reize wie andre Reflextätigkeiten im Körper erweckt und ausgelöst werden, wie z. B. die Meyers Selbstverstümmelung (s. d.) vieler Tiere, der Sauberkeitsinstinkt, die beide noch bei geköpften Tieren tätig bleiben. Wir sehen, wie derartig eingelernte und künstlich anerzogene Instinkte z. B. bei Jagdhunden deutlich, wenigstens in der Anlage, vererbt werden, so daß sie bei deren Nachkommen leichter als bei wilden Individuen entwickelt und zur Vervollkommnung gebracht werden können, wie anderseits solche Zuchtinstinkte durch Kreuzung mit wilden Rassen wieder verschwinden. Bei den niedern Wirbeltieren spielt z. B. ein chemischer Sinn, der sich in der vorwiegenden Entwickelung der sogen. Riechlappen des Gehirns ausprägt, als Erregungsmittel der Instinkte eine viel größere Rolle als der Gesichts- und Gehörssinn. Geselliges Leben und Brutpflege tragen zur Entwickelung der Instinkte bei, weil hierbei der Meyers Nachahmungstrieb (s. d.) geweckt wird. Dadurch erheben sich staatenbildende Termiten, Ameisen, Bienen, in den Instinktleistungen über ihre Klasse und zeitigen selbst auf Pflanzenzucht, Ernte, Viehzucht, Miliz, Gesundheitspolizei etc. gerichtete Instinkte. Bei allen solchen regelmäßigen Einrichtungen und dazu gehörigen Handlungen niederer Tiere, bis zu dem Aufsuchen gleichmäßig gefärbter schützender Ruheplätze, den Schutz- und Trutzbündnissen mit andern Tieren etc., muß man indessen annehmen, daß sie, wenn überhaupt mit Bewußtsein, so doch jedenfalls ohne Bewußtsein ihres Nutzens erfolgen. Mit dem Hinzutreten immer weiterer Bewußtseinselemente in die Handlungen wird das Wirkungsreich des Instinkts bei höhern Tieren immer weiter eingeschränkt, bis wir es im erwachsenen Menschen auf einen geringen Rest zurückgeführt sehen, der durch Vernunft und Willenskraft stark in Schranken gehalten wird. Vgl. Reimarus, Allgemeine Betrachtungen über die Triebe der Tiere (Hamb. 1760 u. ö.); Flourens, De l'instinct et de l'intelligence des animaux (4. Aufl., Par. 1861); Wundt, Vorlesungen über die Menschen- u. Tierseele (3. Aufl., Leipz. 1897) u. Grundzüge der physiologischen Psychologie (5. Aufl., das. 190203, 3 Bde. und Registerband); Darwins Werke und Kleinere Schriften (deutsch, das. 1886); Noll, Die Erscheinungen des sogenannten Instinkts (Frankf. 1876); Körner, I. und freier Wille (2. Aufl., Leipz. 1878); Schneider, Der tierische Wille (das. 1880); Romanes, Die geistige Entwickelung im Tierreich (das. 1885). Über die speziellen Instinkte der Ameisen, Bienen etc., vgl. (außer den einschlägigen Schriften von Lubbock, Huber, Fabre) Bethe in Pflügers »Archiv für Physiologie«, 1897 u. 1898; Was man, I. und Intelligenz im Tierreich (2. Aufl., Freiburg i. Br. 1899) und Vergleichende Studien über das Seelenleben der Ameisen und höhern Tiere (2. Aufl., das. 1900); v. Buttel-Reepen, Sind die Bienen Reflexmaschinen? (Leipz. 1900); Forel, Die psychischen Fähigkeiten der Ameisen und einiger andrer Insekten (Münch. 1901); Ziegler, Der Begriff des Instinkts einst und jetzt (im 7. Supplementband zu den »Zoologischen Jahrbüchern«, Par. 1904). Vgl. auch den Artikel »Tierpsychologie«.
 
Artikelverweis 
Instinktīv (franz.), instinktmäßig, instinkthaft.
 
Artikelverweis 
In stirpes (lat.), »nach Stämmen«, s. Meyers Erbfolge, S. 889.
 
Artikelverweis 
Instĭtor (lat.), bei den Römern Bezeichnung desjenigen, der von dem Inhaber eines Gewerbes als Geschäftsführer im allgemeinen oder in einem bestimmten Geschäftszweig angestellt worden war. Meist wurden hierzu Sklaven, Freigelassene oder Haussöhne verwendet. Hieran knüpfte sich später die Zulassung einer Stellvertretung im Handelsverkehr durch Faktoren, Prokuristen und Bevollmächtigte. Vgl. Handlungsbevollmächtigter.
 
Artikelverweis 
Institoris (eigentlich Kramers), Heinrich, Inquisitor für Oberdeutschland, mit Jakob Sprenger Verfasser des »Hexenhammers« (s. Meyers Hexe, S. 300).
 
Artikelverweis 
Instituieren (lat.), einrichten; unter-, anweisen; Institution, Einrichtung, besonders staatliche.
 
Artikelverweis 
Institūt (lat. institutum), »Einrichtung«, Anstalt, ein Wort, das im modernen Leben die weiteste Anwendung findet. Man spricht besonders von Instituten im gewerblichen, wissenschaftlichen und pädagogischen Leben. In den beiden ersten Gebieten versteht man unter Instituten Anstalten von vielseitigem, umfangreichem Betriebe, wie z. B. die Archäologischen Institute (s. Bd. 1, S. 702) und das Bibliographische I. (s. Meyers Meyer, Meyers Joseph). Im pädagogischen Sprachgebrauch bezeichnet man als Institute gewöhnlich Privatunterrichtsanstalten, in denen die Zöglinge neben

[Bd. 6, Sp. 875]


Unterricht auch Pflege und Erziehung genießen. Man ist heute darüber einig, daß die Institutserziehung nicht das Ideal der Jugendbildung ist, sondern immer nur als Ersatz für die Familie gelten kann. Gerade als solcher Ersatz aber wird sie dauernd oder vorübergehend nie ganz entbehrt werden können. Das goldene Zeitalter der Institute war die zweite Hälfte des 18. und der Beginn des 19. Jahrh., die Zeit der philanthropischen Versuche auf dem Boden des Erziehungswesens; ihr klassischer Boden ist seit Pestalozzi, v. Fellenberg, v. Türk u. a. die Schweiz geblieben, wo die Institute meist internationalen Charakter tragen. Doch haben auch in Deutschland Institute wie das Salzmannsche in Schnepfenthal, das Fröbel-Baropsche in Keilhau, das Blochmannsche in Dresden (jetzt v. Vitzthumsches Gymnasium), das Plamannsche in Berlin, das Garniersche in Friedrichsdorf bei Homburg, das Bendersche in Weinheim an der Bergstraße, das Stoysche in Jena lange Zeit verdientes Ansehen zu behaupten gewußt. In Großbritannien ist noch heute die Institutserziehung sehr verbreitet, und ebenso steht in katholischen Ländern die Wirksamkeit der klösterlichen Institute besonders für Mädchen in Ansehen, wird aber von den antiklerikalen Kreisen (namentlich gegenwärtig in Frankreich) ebenso lebhaft bekämpft. In Deutschland ist das Institutswesen für Knaben neuerdings durch die straffere Ordnung im öffentlichen Schulwesen sehr zurückgedrängt worden und hat selbst für die weibliche Jugend mit dem Aufblühen der höhern Mädchenschulen wesentlich an Boden verloren. Eine eigentümliche Form der erziehlichen Institute stellen die neuerdings von Lietz begründeten Landerziehungsheime (s. d.) dar. In Frankreich ist I. schlechtweg Bezeichnung für das Institut de Meyers France (s. d.).
 
Artikelverweis 
Institut catholique, Bezeichnung zweier katholischer Anstalten für den höhern Unterricht in Paris und Toulouse, gegründet 1875, dort mit theologischer, juristischer und philosophischer, hier mit theologischer und philosophischer Fakultät. Daneben bestehen in Angers, Lille und Lyon je eine Faculté catholique mit theologischen, juristischen, mathematischen und philologisch-historischen Abteilungen, in Lille auch einer medizinisch-pharmazeutischen.
 
Artikelverweis 
Institut de France (franz., spr. ängstitū dö frangß'), Gesamtname der vereinigten fünf Akademien in Paris (s. Meyers Akademie, S. 217).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer