Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Inspektor bis Instabīl (Bd. 6, Sp. 871 bis 872)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Inspektor (lat.), Aufseher, Aufsichtsbeamter, Wart; insbes. in der Landwirtschaft; Inspektorat, Amt und Wohnung eines Inspektors (s. Meyers Ökonomieinspektor).
 
Artikelverweis 
Inspersion (lat.), Ein- oder Bestreuung.
 
Artikelverweis 
Inspiration (lat.), Einatmung (im Gegensatz zu Exspiration, Ausatmung; s. Meyers Atmung, S. 53). In der Dogmatik bezeichnet man mit I. sowohl die übernatürliche Mitteilung von seiten Gottes an die Menschen durch den »Anhauch« seines Geistes als den eben hierdurch herbeigeführten gottbegeisterten Zustand des Menschen, also eine Art Seitenstück zum heidnischen Meyers Enthusiasmus (s. d.). Im Anschluß hieran heißt 2. Tim. 3,16 die Heilige Schrift Alten Testaments »gottgehaucht« (theopneustos), welches Wort die Vulgata durch inspiratus (daher das Substantivum inspiratio) übersetzt. Nachdem die Juden ihre heiligen Schriften gesammelt und mit dem Ansehen einer göttlichen Norm umgeben hatten, war es natürlich, auf dieselben auch den dem Altertum überhaupt geläufigen Begriff der I. zu übertragen, ja sogar die alexandrinisch-griechische Version des Alten Testaments (Septuaginta) unter die gleiche dogmatische Beleuchtung zu stellen. Gerade die alexandrinischen Juden hatten den Begriff der I. am strengsten ausgebildet, und ihnen schlossen sich wie die neutestamentlichen, so auch schon die ältesten kirchlichen Schriftsteller an, welche die Verfasser der biblischen Schriften mit einem musikalischen Instrument verglichen, das die von dem eigentlichen Künstler, dem Heiligen Geist, gewollten Töne hervorbringe. Nur einzelne Kirchenlehrer, wie Theodor von Mopsuestia, nahmen wenigstens verschiedene Abstufungen der einstweilen auch auf das Neue Testament ausgedehnten I. an. Auch Luther gestattet sich gelegentlich freiere Äußerungen über die I. einzelner biblischer Bücher. Dagegen ward von der lutherischen und reformierten Orthodoxie in der Polemik gegen die römische Kirche sowie gegen die Sozinianer und Arminianer die I. als unmittelbare Meyers Erleuchtung (s. d.)

[Bd. 6, Sp. 872]


gefaßt und auf eine Höhe getrieben, auf welcher der gesamte Inhalt, jedes Wort, zuletzt auch die hebräische Punktation, als vom Heiligen Geist eingegeben erschien. Die heiligen Schriftsteller waren demnach nichts weiter als »Notarien« des ihnen diktierenden Geistes. Je mehr sich freilich ein wissenschaftliches Verständnis der Bibel Bahn brach, desto weniger konnte der Begriff einer I., sofern er einen übernatürlichen Ursprung der biblischen Literatur aussagte, noch aufrecht erhalten werden, und so gilt heute wenigstens die eigentliche Wortinspiration fast allgemein als aufgegeben. Vgl. auf protestantischer Seite: v. Nathusius, Die I. der heiligen Schrift und die historische Kritik (Stuttg. 1895); Heine, Über die Zuverlässigkeit der heiligen Schrift (Essen 1896); Gennrich, Der Kampf um die Schrift in der deutsch-evangelischen Kirche des 19. Jahrhunderts (Berl. 1898); auf katholischer Seite: Leos XIII. Rundschreiben, Providentissimus Deus' vom 18. Nov. 1893; Leitner, Die prophetische I. (Freib. 1896); Chauvin, Die I. der heiligen Schrift nach der Lehre der Tradition und der Enzyklika, Providentissimus Deus' (deutsch von Pletl, Regensb. 1899); Hummelauer, Exegetisches zur Inspirationsfrage (Freiburg 1904).
 
Artikelverweis 
Inspirationsgemeinden (Inspirierte), die zu Anfang des 18. Jahrh. durch Anregung von seiten der Propheten der Meyers Kamisarden (s. d.) aus Separatisten gegründeten Sekten, die an eine fortwährend bestehende unmittelbare göttliche Inspiration einzelner Auserwählten glaubten. Nach dem unglücklichen Ausgang der Religionskämpfe in den Cevennen wendeten sich viele der neuen Propheten 1706 nach England und Schottland und von dort, aus der bischöflichen anglikanischen Kirche 1707 ausgeschlossen und dadurch zur Konstituierung einer besondern Kirchengemeinschaft gezwungen, nach den Niederlanden. Sie stimmten in der Lehre im wesentlichen mit der evangelischen Kirche überein, nur verwarfen sie deren äußere Institutionen, namentlich das Lehramt und die Sakramente. Der Heilige Geist erwählt sich nach ihrer Meinung jeweilig aus den Gläubigen seine Werkzeuge und erteilt ihnen durch ein »inneres Licht oder Wort« (»lumen sive verbum internum«) besondere Offenbarungen. Die mit der »Einsprache« Begnadigten treten sodann in den gottesdienstlichen Versammlungen auf mit Ermahnungen zur Buße und Besserung, die unter Zuckungen und Schluchzen stoßweise sich aus der Seele losringen. Zwischen 1714 und 1716 fanden auch Liebesmahle statt, denen die Fußwaschung voranging. Dieses Inspirationswesen fand bei den Pietisten und Separatisten im nördlichen und westlichen Deutschland einen besonders empfänglichen Boden. Schon 171314 entstanden in Halle und Berlin I. Sie verpflanzten sich in die Wetterau, wo sich ihnen die Führer der dortigen Separatisten, Eberh. Ludw. Gruber (gest. 1728) und Joh. Friedr. Rock (gest. 1749), anschlossen. Inspirierte Missionare durchzogen von der Wetterau aus das ganze westliche Deutschland und die Schweiz und gründeten allenthalben kleinere I., die zusammen die »Wanderkirche« bildeten. Auch in Germantown in Pennsylvanien war durch Joh. Gruber, Sohn des Vorgenannten, eine separatistische Gemeinde gestiftet worden. Streitigkeiten, teils mit den geistesverwandten Herrnhutern, teils innere, beschleunigten den mit Rocks Ableben eintretenden Verfall der I. Fast erloschen, lebte seit 1816 der Inspirationsgeist wieder auf, und die alten Gemeinden in der Wetterau, der Pfalz und dem Elsaß reorganisierten sich, wanderten aber, vielfach bedrückt, 1841 nach Ebenezer bei Buffalo im Staat New York aus, wo sie, etwa 2000 Seelen stark, sich unter Leitung von Christian Metz mit Ackerbau und Tuchfabrikation beschäftigten und in teilweiser Gütergemeinschaft lebten. Auch nach Kanada haben sie Kolonien ausgesandt. 1854 wendeten sich die meisten nach dem Staat Iowa, wo 1855 die kommunistische Kolonie Meyers Amana (s. d.) gegründet wurde. Vgl. Göbel in Niedners »Zeitschrift für historische Theologie«, 1855 u. 1857; Knortz, Die wahre Inspirationsgemeinde in Iowa (Leipz. 1896).
 
Artikelverweis 
Inspirieren (lat.), einatmen; einem etwas »einhauchen«, einflößen, eingeben (vgl. Inspiration).
 
Artikelverweis 
Inspirierte, s. Meyers Inspirationsgemeinden.
 
Artikelverweis 
In spiritualĭbus (lat.), in geistlichen Angelegenheiten.
 
Artikelverweis 
Inspiziént (lat.), der Besichtigende; Inspizienten der Waffen bei den Truppen sind dem Kriegsministerium unterstehende Stabsoffiziere, außerdem gibt es solche bei der Obermilitärexaminationskommission. Der Armeemusikinspizient, oberster Musiker im deutschen Heere, hat Offiziersrang.
 
Artikelverweis 
Inspizieren (lat.), besichtigen, beaufsichtigen; Inspizierung, Besichtigung von Truppen durch Vorgesetzte. Das militärische Inspizierungsrecht ist durch Art. 63 der deutschen Reichsverfassung dem Kaiser beigelegt. Auch den Bundesfürsten und Senaten ist durch Art. 66, soweit nicht besondere Konventionen anders bestimmen, das Inspizierungsrecht vorbehalten. Außerdem hat jeder höhere Vorgesetzte das Inspizierungsrecht über die ihm unterstellte Truppe.
 
Artikelverweis 
Inssar (Insar), Kreisstadt im russ. Gouv. Pensa, nordwestlich von Pensa, an der Issa und der Eisenbahn Rjäsan-Kasan, mit 4 Kirchen und (1897) 4264 Einw. Der Kreis I. hat guten Boden und etwas Bergbau auf Eisen.
 
Artikelverweis 
Instabīl (lat.), unbeständig; Instabilität, Unbeständigkeit.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
Artikel 71 bis 80 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer