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Insektenfressende Pflanzen bis Inselbahnhof (Bd. 6, Sp. 864 bis 868)
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Artikelverweis Insektenfressende Pflanzen (Insektivoren, fleischfressende Pflanzen; hierzu Tafel Meyers »Insektenfressende Pflanzen«), eine Gruppe von Gewächsen, hauptsächlich aus den Familien der Droserazeen, Utrikulariazeen, Sarraceniazeen und Nepenthazeen, die Insekten und ähnliche Tiere einfangen und sie unter Ausscheidung eines Ferments teilweise auflösen. Die erste Nachricht über eine derartige Pflanze wurde 1769 von dem amerikanischen Naturforscher Ellis in einem Brief an Linné gegeben und betraf die Venusfliegenfalle (Dionaea), die in ihren bei Berührungen lebhaft zusammenklappenden, gewimperten und borstigen Blättern Insekten fängt und aussaugt. Diderot legte ihr bereits den Namen einer »fleischfressenden« Pflanze (une plante presque carnivore) bei. Ein ähnliches Verhalten beobachtete Roth 1782 an den Sonnentauarten (Drosera) unsrer Torfwiesen, deren Blätter reichlich mit schleimaussondernden Drüsen bedeckt sind und sich ebenfalls, wenn auch langsamer, um das gefangene Insekt schließen. Obwohl nun diese und spätere Beobachter behauptet hatten, daß die genannten Droserazeen die Insekten oder auch auf die Blätter gelegte Fleischstückchen vermittelst der

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ausgeschiedenen Säfte auflösen und verdauen, erregte diese Ansicht ein allgemeines Aufsehen doch erst, nachdem Darwin eine Reihe systematischer Beobachtungen und Versuche an diesen Pflanzen begonnen und deren Ergebnisse gelegentlich in Abhandlungen sowie 1875 in einem besondern Buch veröffentlicht hatte. Gegenwärtig kennt man ca. 350 Arten insektenfressender Pflanzen aus 15 Gattungen, von denen Repräsentanten fast in keinem Florengebiete der Erde fehlen. Die dem Tierfange dienenden Einrichtungen der insektenfressenden Pflanzen treten als Klappfallen, Leimruten oder Fallgruben auf, und man kann danach Schließfänger, Drüsenfänger und Schlauchfänger unterscheiden. Zu der ersten Kategorie gehört die in den Moorgründen von Nord- und Südcarolina einheimische Dionaea muscipula, die eine grundständige Rosette von 56 reizbaren Blättern trägt; oberhalb des geflügelten Blattstiels steht eine Blattfläche, gebildet aus zwei beweglichen Hälften, die um die Mittelrippe wie um ein Scharnier zusammenklappen können, wobei die steifen Randborsten wie die Finger zweier zusammengefalteter Hände ineinander greifen. Diese Bewegung erfolgt fast momentan, sobald eine der drei auf jeder Blatthälfte oberseits stehenden langen Haarborsten berührt wird. Geschieht dies durch ein Insekt oder einen andern eiweißhaltigen Körper, so bleibt das Blatt geschlossen, bis etwa nach 46 Tagen die Eiweißsubstanzen des gefangenen Körpers gelöst und resorbiert sind. Dann breitet es sich wieder zu neuem Fang aus. Einfacher ist die Fangvorrichtung bei der wasserbewohnenden, durch Mittel- und Südeuropa sporadisch verbreiteten, auch in Ostindien und Australien vorkommenden Aldrovandia vesiculosa, die, wie auch Dionaea, zu der Familie der Droserazeen gehört. Ihre frei im Wasser schwimmenden Stengel tragen quirlig gestellte, von 45 Borsten umgebene Blätter, deren halbkreisförmige Blattflächen in der Mitte scharf zusammengeklappt sind und mit ihren eingebogenen Rändern übereinander greifen. Die Reizbarkeit dieser Teile zeigt sich darin, daß in warmem Wasser die Klappen sich öffnen und bei Berührung der auf der Blattfläche stehenden zarten Borsten sich ruckweise schließen. In den Fangklappen der Aldrovandia werden kleine Krustazeen (Daphnia, Cyclops, Cypris) sowie auch Insektenlarven gefangen und tagelang eingeschlossen gehalten.
   Zu den Drüsenfängern gehören unsre einheimischen, zwischen Torfmoosen wachsenden Drosera-Arten. Die kleinen, mit sehr schwachen Wurzeln versehenen Pflänzchen von Drosera rotundifolia haben eine grundständige, braunrot gefärbte Blattrosette, aus deren Mitte der Blütenstengel sich erhebt; jedes Blatt trägt auf einem 25 cm langen Stiel eine fast kreisrunde Blattfläche von ca. 1 qcm Oberfläche, deren Oberseite und Rand mit roten, stielartigen, am Ende ein glänzendes Köpfchen tragenden Drüsen (Tentakeln) dicht besetzt sind. Sie sind im ungereizten Zustand gerade ausgestreckt und sondern aus dem Drüsenköpfchen schleimige Tropfen aus, die der Pflanze den Namen Sonnentau verschafften. Sobald ein kleines Insekt mit dem Schleim in Berührung kommt, bleibt es daran hängen, es gerät bei seinen Befreiungsversuchen mit immer mehr Klebdrüsen in Berührung und stirbt nach Verlauf kurzer Zeit. Zugleich beginnen die Tentakeln sich an ihrem Stiel so zu krümmen, daß der Insektenkörper schließlich ganz von Drüsenköpfen umgeben und von dem abgesonderten Schleim eingehüllt wird. Nach der Auflösung und Resorption der Eiweißstoffe breitet sich das Blatt wieder aus. Eine viel einfachere Fangeinrichtung als die eben geschilderte besitzen die einheimischen Pinguicula-Arten aus der Familie der Utrikulariazeen. Bei ihnen ist eine dem Boden aufliegende Rosette zungenförmig gestalteter breiter Blätter vorhanden, die aus zahlreichen Drüsen eine klebrige Flüssigkeit aussondern. Insekten oder auch kleine Eiweiß- und Fleischstückchen veranlassen auf der Blattfläche lebhafte Sekretion sowie auch eine langsame Einrollung der Blattränder nach oben. Einige ausländische Verwandte von Drosera, wie das in Portugal einheimische und dort in Bauernwohnungen als Leimstange zum Fliegenfang benutzte, strauchige Drosophyllum lusitanicum, die südafrikanische Roridula dentata und die australische Byblis gigantea, gehören ebenfalls zu den Drüsenfängern.
   Den Typus der Schlauchfänger stellen in unserer einheimischen Flora die Utricularia-Arten dar, wurzellose, schwimmende Wasserpflanzen mit fiederförmig verästelten Zweigen, an denen kleine, linsen- oder erbsenähnliche, aus umgestalteten Blattzipfeln hervorgegangene Blasen sitzen. Letztere tragen an ihrem mit einer Öffnung versehenen obern Ende eine Verschlußklappe, die einem beweglichen kleinen Körper wohl den Zutritt von außen, aber nicht den Austritt von innen her gestattet. In diese Falle werden vorzugsweise kleine Krustazeen gelockt, die sich tagelang darin umherbewegen und schließlich zersetzt werden. Ausländische Utrikulariazeen, wie die australische Gattung Polypompholyx und die im tropischen Amerika einheimischen Arten von Genlisea, besitzen ähnliche Schläuche, deren Bau einer Fischreuse gleicht. Ganz ausgezeichnete Fallgruben besitzen die schon seit den Zeiten Linnés bekannten Kannenträger (Nepenthes), deren Arten die Sumpfgegenden des tropischen Asien, vor allen die des Indischen Archipels, Ceylon, die Philippinen, Neukaledonien und Neuguinea, die Seschellen und Madagaskar bewohnen. An ihren kletternden Blattstielranken stehen hohe, bisweilen 1/3 m lange, krugförmige Erweiterungen, deren ringförmigem Rand ein seitlicher Deckel aufsitzt; der dicke Ring der Krugmündung sowie die Unterseite des Deckels sind mit zahlreichen Honigdrüsen besetzt, die im Verein mit auffallender Färbung der sie tragenden Teile der Anlockung von Insekten dienen. Im Innern des Kruges gleiten die angelockten Kerbtiere an einer glatten Fläche hinab, um im untern Teil der Behälter in eine Flüssigkeit zu geraten, die von zahlreichen an der Schlauchwandung befindlichen Verdauungsdrüsen abgesondert wird. Ähnliche Verhältnisse kehren auch bei den amerikanischen Sarraceniazeen wieder; die sumpfbewohnenden, vorzugsweise in Virginia einheimischen Arten von Sarracenia besitzen offene oder geschlossene Schläuche mit kleiner, zungenförmiger Blattfläche, während die in den Bergen Kaliforniens wachsende Darlingtonia trompetenförmige, an jungen Pflanzen nach oben gekehrte, an ältern nach unten gewendete Krüge mit gespaltenem Deckel aufweist; die Schläuche der Sarracenien besitzen an der innern Seite des Deckels eine Drüsenzone mit starker Nektarabsonderung, durch die Insekten angelockt werden; dann folgt eine dem Insektenfuß gefährliche Gleitzone, hierauf eine das Herauskriechen der gefangenen Tiere verhindernde, mit Reusenhaaren besetzte Zone und zuletzt ein Raum mit glatter Wandung. Auch die in Venezuela einheimische Heliamphora und die australische Gattung Cephalotus, mit prachtvoll gefärbten und wie bei

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manchen Sarracenien auch »gefensterten« Kammern, gehören zu den Schlauchträgern.
   Die Art und Weise, wie die durch den Tierfang gewonnene organische Nahrung dem Pflanzenkörper zugänglich wird, ist bei den einzelnen insektenfressenden Pflanzen verschieden. Bei Sarracenia, Darlingtonia und Cephalotus wird die Zersetzung der tierischen Substanzen durch Bakterien bewirkt; die dadurch gebildeten resorbierbaren Stickstoffverbindungen werden durch die Blattdrüsen aufgenommen. Die Utrikularienblasen enthalten ebenfalls Bakterien; ob aber durch dieselben die Zersetzung der Tierleichen ausschließlich bedingt wird, erscheint zweifelhaft; eine Aufnahme organischer Stoffe durch die Haare der Blasen findet zweifellos, und zwar in Form von Fett, statt. Pinguicula verdaut nicht durch Bakterien, sondern durch ein nur in geringer Menge abgesondertes Enzym, das die Eiweißstoffe löslich und für die Blattdrüsen resorbierbar macht. Auch in den Nepenthes-Kannen wird infolge eines durch Eiweißsubstanzen ausgeübten Reizes ein Verdauungssekret abgeschieden, das die Stickstoffnahrung zur Aufnahme durch die Kannendrüsen vorbereitet. Experimentell steht die peptonisierende, d. h. Eiweiß (Fibrin) lösende Eigenschaft des sauer reagierenden Drüsensekrets der übrigen insektenfressenden Pflanzen, wie Drosophyllum, Drosera und Dionaea, unzweifelhaft fest; auch wurde durch neuere Kulturversuche, z. B. von Büsgen, endgültig bewiesen, daß die gefütterten Pflanzen den ungefütterten an Vegetationskraft, Zahl der Blütenstände, Kapseln und Samengewicht bedeutend überlegen sind. Anderseits sind die insektenfressenden Pflanzen nicht ausschließlich auf die durch den Tierfang gewonnene Nahrung angewiesen. Sie können sich auch ungefüttert jahrelang erhalten. Vgl. Ellis, De Dionaea muscipula (deutsch von Schreber, Erlangen 1771); Roth, Von der Reizbarkeit des sogen. Sonnentaues (Brem. 1782); Darwin, Insektenfressende Pflanzen (deutsch von Carus, Stuttg. 1876); Drude, Die insektenfressenden Pflanzen (in Schenks »Handbuch der Botanik«, Bresl. 1881); Bouché, Die insektenfressenden Pflanzen, Beitrag zur Kultur derselben (Bonn 1884); Goebel, Die Insektivoren (in den »Pflanzenbiologischen Schilderungen«, 2. Teil, Marb. 189193).
 
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Insektenfresser (Insectivora, hierzu Tafel Meyers »Insektenfresser I u. II«), eine Ordnung der Säugetiere, Sohlengänger mit Krallen, vollständig bezahntem Gebiß und stark entwickeltem Schlüsselbein. Sie sind meist gedrungen, mit kurzen, aber kräftigen Beinen, die gewöhnlich zum Graben, seltener zum Klettern dienen; die Füße sind meist fünfzehig, die Schnauze ist spitz, oft zu einem Rüssel verlängert, die Augen sind oft verkümmert und liegen (bei Maulwürfen) zuweilen ganz unter der Haut. Die Schneidezähne sind gewöhnlich groß, die Eckzähne meist kleiner, die unechten Backenzähne ein-, die echten Backenzähne mehrspitzig. Die Zitzen liegen am Bauch. Die I. leben häufig unterirdisch, nähren sich hauptsächlich von Insekten, Würmern etc., die sie in großer Menge vertilgen; andre verschmähen auch Pflanzenkost nicht. Sie leben in der Alten Welt und in Nordamerika. Sie zeigen gewisse Beziehungen zu den Nagetieren, aber auch zu den Raubtieren und alle drei hatten vielleicht gemeinsame Vorfahren, die man unter den fossilen, in mancher Hinsicht primitivern Bunotherien suchte. In frühern Erdperioden dürften die I. eine größere Verbreitung gehabt haben. Von lebenden Insektenfressern unterscheidet man nahezu 40 Gattungen mit über 140 Arten.
   1. Familie: Igel (Erinaceidae). Augen gut entwickelt, Ohren mäßig lang, Schwanz kurz, auf dem Rücken Vorsten und Stacheln. Können sich mit ihrem mächtigen Hautmuskel zusammenkugeln, leben in selbstgegrabenen Gängen und nähren sich von Insekten, kleinern Wirbeltieren und Früchten. 2 Gattungen mit etwa 15 Arten in Europa, Asien und einem kleinen Teil Afrikas; hierher Erinaceus, Igel (Taf. I, Fig. 1).
   2. Familie: Borstenigel (Centetidae). Den vorigen sehr ähnlich, aber im Knochenbau verschieden. 7 Gattungen mit 11 Arten, nur auf Madagaskar, in Westafrika, auf Cuba und Haïti; Centetes (Tafel I, Fig. 4).
   3. Familie: Spitzhörnchen (Tupaiidae). In Gestalt und Lebensweise den Eichhörnchen gleich, aber mit viel längerer und spitzerer Schnauze; Darm mit großem Blinddarm. 3 Gattungen mit 10 Arten in Ostindien und auf den größern, dortigen Inseln. Hierher Tupaja, Tana (Tafel I, Fig. 3).
   4. Familie: Rohrrüßler (Macroscelides). Mit langem, dünnem Rüssel, großen Augen und weit abstehenden Ohren; Darm mit Blinddarm, Hinterbeine sehr stark verlängert. 3 Gattungen mit 10 Arten, nur in Afrika. Hierher Macroscelides, Rüsselspringer (Tafel I, Fig. 2).
   5. Familie: Spitzmäuse (Soricidae). Ähnlich den echten Mäusen, jedoch mit spitzem Rüssel; Augen und Ohren meist klein, an den Seiten des Rumpfes und am Schwanz eigentümliche Drüsen. Die über 70 Arten werden in 610 Gattungen gebracht oder auch sämtlich der Gattung Sorex, die dann 610 Untergattungen erhält, eingereiht; sie fehlen nur in Australien und Südamerika. Hierher Myogale, Bisamrüßler (Tafel I, Fig. 5), Sorex, Waldspitzmaus (Tafel II, Fig. 3), Crossopus, Wasserspitzmaus (Fig. 5), Crocidura, Hausspitzmaus (Fig. 4) etc.
   6. Familie: Maulwürfe (Talpidae). Kopf klein, Augen und Ohren tief im Pelz versteckt, Nase rüsselförmig, Leib walzig, Beine kurz, Vorderfüße zu Grabfüßen umgestaltet. Leben fast stets unterirdisch und laufen in ihren selbstgegrabenen Gängen rasch und geschickt. Bei Chrysochloris (Goldmulle, aus Südafrika) sind die Augen ganz von der Haut überwachsen und die Haare metallisch glänzend. 8 Gattungen mit 20 Arten; Verbreitung wie bei den Spitzmäusen. Hierher Talpa, Maulwurf (Tafel II, Fig. 2).
   7. Familie: Pelzflatterer (Galeopithecidae). An den Seiten des Körpers bis zur Spitze des Schwanzes mit einer Hautfalte, die als Fallschirm dient. Werden auch zu den Halbaffen (s. d.) gerechnet. Nur Galeopithecus (Flattermaki, Taf. II, Fig. 1) mit 2 Arten auf einigen hinterindischen Inseln.
 
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Insektenleim, s. Meyers Brumata-Leim.
 
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Insektenpulver, das Pulver getrockneter Blütenköpfchen einiger Arten von Chrysanthemum (s. d.). Im südlichen Dalmatien und Montenegro, bei Brazza, Lussin etc. wird C. cinerariaefolium kultiviert, im Kaukasus (besonders in der Gegend von Alexandropol und Elisaretpol) sammelt man die Blütenköpfchen der wildwachsenden C. roseum und C. carneum (kaukasisches, fälschlich persisches I.). Im Handel werden die kaukasischen Blüten durch die Dalmatiner immer mehr zurückgedrängt. Auch in Frankreich, Kalifornien, Algerien werden die genannten Pflanzen kultiviert. Zur Zeit des Aufblühens gesammelte Blütenköpfchen liefern das wirksamste, ganz geöffnete das am wenigsten wirksame I. Wesentlich abhängig ist die Wirksamkeit auch von der bei der Ernte und beim Trocknen angewendeten Sorgfalt. I. ist ziemlich grob, grüngelb und riecht eigentümlich aromatisch. Seine wirksamen Bestandteile sind wahrscheinlich ätherisches Öl und eine flüchtige Säure aus den Harzdrüsen an den Fruchtknoten der Blüten. Es betäubt viele Insekten (Fliegen, Wanzen, Flöhe, Motten, Ameisen, Blattläuse, Kopfläuse) und tötet sie bei längerer Einwirkung, während es für den Menschen unschädlich ist. Es muß in Flaschen aufbewahrt werden, verliert indes unter allen Umständen mit der Zeit seine Wirksamkeit. Es wird sehr stark verfälscht, sowohl in den Produktionsländern als bei uns. Man streut I. überall dorthin, wo man Insekten vertilgen will,

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und bedient sich hierzu für manche Fälle kleiner Papierröllchen, Glasröhren oder kleiner Blasebälge, mit denen man z. B. die Fensterscheiben anbläst. Sehr wirksam ist auch eine Tinktur, die man durch Übergießen von 1 Teil I. mit 2 Teilen Wasser und 2 Teilen starkem Alkohol und Filtrieren nach acht Tagen bereitet. Diese Tinktur kann besonders bei Bettstellen angewendet werden. Reisende in den Tropen benetzen mit der verdünnten Tinktur den Körper, um sich vor Moskitos zu schützen. Ein wässeriger Ausguß als Klistier ist gegen Askariden bei Menschen empfohlen worden. Metallisches I. besteht aus Zinkstaub, kohlensaurer Magnesia und persischem I.
 
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Insektensammlung, zur Beförderung des Studiums, berücksichtigt, je nach den speziellern Zwecken, denen sie dienen soll, mehr systematische oder biologische Verhältnisse. Sie sucht möglichste Vollständigkeit zu erreichen in gewissen Klassen oder Ordnungen oder in der Fauna eines Landes; sie strebt nach großen Reihen von Formen einzelner Arten, Lokalrassen, durch Züchtung umgewandelter Insekten etc. und berücksichtigt auch die verschiedenen Entwickelungsstadien (Eier, Larven, Puppen), oder sie dient ganz speziellen Zwecken, indem sie z. B. für die gegenseitigen Beziehungen zwischen Blüten und Insekten, für die Lehre von der Nuancierung etc. Belege sucht; endlich werden für Landwirte, Gärtner und Forstwirte Sammlungen nützlicher und schädlicher Insekten angelegt. Man fängt die Insekten mit Kescher, Schere, Schirm etc. und erzielt um so größere Ausbeute, je mehr man die Lebensweise der Insekten berücksichtigt. Nächtlich lebende Insekten werden durch Laternenlicht herbeigelockt, auch erlangt man z. B. seltenere Schmetterlinge leichter, wenn man ein eben ausgekrochenes Weibchen an geeigneter Stelle aussetzt; es finden sich dann sehr bald Männchen derselben Art ein. Nachtschmetterlinge, die bei Tage an Baumstämmen etc. sitzen, fängt man am sichersten durch Betröpfeln oder Bespritzen mit Chloroform oder Äther. Für viele Arten ist Aufzucht aus Eiern oder Raupen der Jagd bei weitem vorzuziehen, und manche sind nur durch Zucht zu erhalten. Die gefangenen Insekten müssen ohne Verletzungen getötet werden, wobei man Äther, Chloroform, Spiritus, Cyankalium, auch wohl schweflige Säure, Tabakssaft etc. anwendet. Dann folgt die Präparation, das Ausspannen der Flügel, Ordnen der Beine und Fühler, das Ausdrücken, Aufblasen und Trocknen der Raupen etc. Zur Aufbewahrung dienen mit Glas verschlossene Kasten, zur Abhaltung von schädlichen Insekten Naphthalin. Trockenheit des Lokals und Abhaltung des Lichtes sind unerläßlich. Vgl. Hoffer, Praxis der Insektenkunde (Wien 1892).
 
Artikelverweis 
Insektivoren, s. Insectivora.
 
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Insektizide (franz. insecticides), Insektengifte zur Vertilgung schädlicher Insekten, s. Meyers Pflanzenschutz.
 
Artikelverweis 
Insektolōg (schlechter Ausdruck für Entomolog), Insektenkenner.
 
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Insel (lat. Insula), im Gegensatz zu den Meyers Halbinseln (s. d.) ringsum von Wasser umflossener Teil der festen Erdoberfläche. Kleinere Inseln pflegt man auch Eilande und die von zwei Armen eines Flusses gebildeten Werder oder Wörth zu nennen (s. auch Meyers Holm, Schären). Die Inseln liegen entweder in der Nähe der Kontinente oder fern von ihnen im Ozean zerstreut. Bald bilden sie größere oder kleinere, mehr oder weniger kreisförmige Inselgruppen (oder Archipele [s. Archipelagus]), bald liegen sie reihenförmig hintereinander (Inselketten). Die im Ozean verbreiteten Inseln lassen sich als die über die Wasserfläche hervorragenden Kämme, Kuppen und Spitzen von Gebirgen betrachten, deren Fuß unter dem Meeresspiegel liegt. Aufhäufungen von Sand, die wenig über die Wasserfläche hervortreten, oder auch flache Erhebungen von nacktem Gestein haben zwar den Charakter von Inseln, werden aber im Meer und in Strömen nicht als solche, sondern als Sandbänke (s. Meyers Bank) und Meyers Klippen (s. d.) bezeichnet. Die größten Inseln bilden den Asiatischen oder Sunda-Archipel, der gleichsam die Verbindung zwischen Asien und Australien herstellt. Von ansehnlicher Größe sind auch die Inseln bei Europa, z. B. Großbritannien und Irland, und die nördlich von unserm Erdteil liegenden Inseln Island, Spitzbergen, Nowaja Semlja; ebenso Madagaskar, aber die größte aller Inseln ist wahrscheinlich Grönland. Gering ist die Größe der Inseln, die fern von den Kontinenten im Ozean zerstreut liegen, so die polynesischen Inseln. Während die kontinentalen Landmassen einen Flächeninhalt von ungefähr 127 Mill. qkm einnehmen, haben die Inseln nur einen solchen von etwa 6,5 Mill. qkm. Nach ihrer Entstehungsart unterscheidet man: 1) Kontinentalinseln, d. h. Inseln, welche Glieder der benachbarten Kontinente darstellen, die infolge einer fortdauernden Senkung zum Teil vom Meer überflutet sind. Sie schließen sich entweder in ihrem orographischen und geologischen Bau dem benachbarten Küstenland an (Abgliederungsinseln, Gestadeinseln)-so die Inseln an der Küste der Bretagne, des südwestlichen Irland und von Schottland sowie die Fjordinseln an der Westküste Grönlands, Norwegens und Patagoniens, und die Bruchinseln, die einzelne, durch Einbruch der zwischenliegenden Teile voneinander getrennte Stücke eines Festlandes darstellen (z. B. die Inseln des Griechischen und des Westindischen Archipels)- oder sie stellen die in Inseln aufgelösten Außenränder der Kontinente dar, begleiten dann, zuweilen in Reihen geordnet, die Kontinente in weiterm Abstand und vervollständigen deren geologisches Bild und Geschichte. Man teilt die letztern in die oft von Vulkanen gekrönten randständigen Kontinentalinseln, zu denen z. B. die ostasiatischen Inselbogen gehören (Alëuten, Kurilen, Japanbogen, Formosabogen, der an 6000 km lange Javabogen etc.), in die binnenständigen Kontinentalinseln, wie Großbritannien mit Irland, Sardinien, Korsika etc., und in die außenständigen Kontinentalinseln, wie Madagaskar, Ceylon, die Falklandinseln, Tasmania etc. 2) Parasitische Inseln (mit Bezug auf ihren Hauptverbreitungsbezirk, den freien Ozean, auch wohl als ozeanische bezeichnet), schließen sich als ' zufällige, fremdartige Gebilde an Anschwellungen im Meeresgrund an, sind durchgängig von geringer Größe und haben wie die Meyers niedrigen Koralleninseln (s. d.) gar keine oder wie die oft ansehnlich hohen vulkanischen Inseln (z. B. die Kanaren, St. Paul, Réunion, die Sandwichinseln mit dem 4194 m hohen Mauna Loa, die Kerguelen) nur eine entfernte Beziehung zum innern Gebirgsbau. 3) Schwemminseln, durch Zusammenführung losen Materials, als Korallensand und Schlamm, durch die Strömung entstanden, allenthalben an flachen, lagunenreichen Küsten verbreitet, durchgängig klein und unbedeutend. Die Kontinentalinseln lassen häufig noch an ihrer Fauna und Flora den ehemaligen Zusammenhang mit dem benachbarten Festland erkennen; allerdings kann im Laufe der Zeit infolge der Isolierung der I. und des insularen Klimas sowie

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durch Einwanderung von andern Kontinenten her unter dem Einfluß günstiger Winde und Meeresströmungen, auch wohl durch künstliche Eingriffe eine allmähliche Veränderung der Formen und eine Einschränkung ihrer Zahl erfolgen, aber kaum eine Umänderung des allgemeinen Typus. Dagegen wird die organische Welt der parasitischen und der Schwemminseln von ihrer Lage zu den benachbarten Kontinenten und von einer dieser entsprechenden Zufuhr von Pflanzen und Tieren durch die Meeresströmungen und die Luft abhängig sein. Über Pflanzen- und Tierwelt der Inseln s. Meyers Inselflora und Meyers Inselfauna. Vgl. Hahn, Inselstudien (Leipz. 1883); v. Richthofen, Führer für Forschungsreisende (2. Abdruck, Hannov. 1901).
   Nicht eigentlich zu den Inseln gehören die sogen. schwimmenden Inseln. Sie bestehen aus Eismassen (Eisinseln, Eisberge) oder aus pflanzlichen Stoffen. Die letztern Inseln werden meist von wurzelreichen, rasenbildenden Monokotyledonen gebildet und sind besonders aus den Tropen bekannt. Im obern Nil (bei Bahr el Gazal, Bahr el Abiad etc.) bilden sich in dem Altwasser aus den an Ort und Stelle gewachsenen Gräsern und angeschwemmtem Treibholz zuweilen bis 400 m lange und 300 m breite Grasbarren (Sedd), die sich bei eintretendem Hochwasser losreißen und als schwimmende Inseln (Tof) oft der Schiffahrt sehr gefährlich werden. Auf dem Mississippi schwimmen die Rasts, die zuweilen mehr als 2 geographische Meilen Länge besitzen sollen und bis 15 m hohe Bäume tragen. Ferner können in manchen Seen, z. B. im See Tagua tagua des zentralen Chile, durch Abreißen des in Vertorfung begriffenen Ufersaumes oder kleinerer Halbinseln schwimmende Inseln entstehen, die vom Winde von einer Seite des Sees zur andern getrieben werden und oft Rinder und Pferde als Passagiere mitführen. Eine 1892 auf dem Atlantischen Ozean beobachtete schwimmende Insel war etwa 1000 qm groß und bestand aus dichtem, bis 9 m hohem Gestrüpp; offenbar war sie ein Stück eines Swamps der amerikanischen Küste; sie hatte einen Weg von annähernd 1900 km zurückgelegt.
 
Artikelverweis 
Inselbad, s. Meyers Paderborn.
 
Artikelverweis 
Inselbahnhof, s. Meyers Bahnhof, S. 273.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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