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Insectivŏra bis Insektolōg (Bd. 6, Sp. 859 bis 867)
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Artikelverweis Insectivŏra (lat., »Insektenfresser«), Ordnung der Säugetiere (s. Meyers Insektenfresser); auch eine Abteilung der Meyers Handflügler (s. d.); ferner soviel wie Insektenfressende Pflanzen.
 
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Insekten (Kerbtiere, Kerfe, Hexapoden, Insecta, Hexapoda; hierzu Tafel Meyers »Körperteile der Insekten I und II« mit Erklärungsblatt), die oberste Klasse der Meyers Gliederfüßer (s. d.), luftatmende Tiere, deren Körper in der Regel deutlich in Kopf, Brust und Hinterleib gesondert ist und drei Bein-sowie meist auch zwei Flügelpaare hat (Tafel I, Fig. 3). Der Kopf trägt auf der Oberseite Augen und Fühler, auf der Unterseite die Kauwerkzeuge. Die Fühler (Fühlhörner, Antennen) sind gegliedert, aber in Form und Größe sehr verschieden (s. Abbildung bei »Antennen«). Den Mund (Textfig. 14, S. 860) umgeben die Kauwerkzeuge, nämlich die unpaare Oberlippe, die ihn von vorn her bedeckt, und drei Paar seitlich bewegliche Kiefer, die beiden Oberkiefer (Mandibel), Unterkiefer (Maxilla) und die aus der Verschmelzung von zwei Kiefern hervorgegangene Unterlippe (zweites oder hinteres Maxillenpaar), die den Mund von hinten deckt (Tafel I, Fig. 2). Die meist sehr kräftigen Oberkiefer entbehren des Tasters, während die übrigen Kiefer je einen solchen (Kiefer-, resp. Lippentaster) tragen. Diese Grundform der Freßwerkzeuge gilt für die beißenden und kauenden I. (besonders Geradflügler und Käfer), bei den stechenden, saugenden und leckenden ist sie stark abgeändert. Bei den Hautflüglern sind Unterkiefer und Unterlippe zum Auflecken von Flüssigkeiten sehr verlängert; bei den Schmetterlingen legen sich die Unterkiefer zu einem Rüssel zusammen, während die übrigen Teile verkümmern; bei den Zwei- und Halbflüglern sind die Kiefer zu Stechorganen, die Unterlippe dagegen zu einem Saugrüssel umgewandelt (Fig. 14), durch dessen seinen Kanal der Speichel in die Wunde fließt, während durch einen weitern Kanal die Nährflüssigkeit aus der Wunde aufgesaugt wird. Der Brustabschnitt (Thorax) besteht aus drei Segmenten, dem Pro-, Mefo- und Metathorax, doch schließt sich dem letztern mitunter noch der erste Hinterleibsring fest an (Tafel I, Fig. 3). An den Beinen, von denen jeder Brustring ein Paar trägt, und die je nach ihrer Verwendung als Lauf-, Schwimm-, Grab- etc. Werkzeuge verschiedene Gestalt zeigen, unterscheidet man fünf Abschnitte, nämlich Hüfte, Schenkelring, Schenkel, Schienbein und Fuß; letzterer endet mit Krallen, Klauen, Haftlappen etc. (Tafel I, Fig. 1). Die nur dem ausgebildeten Insekt zukommenden Flügel stehen am Rücken des Mefo-, resp. Metathorax als Vorder-, resp. Hinterflügel. Vielfach ist

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nur ein Paar gut entwickelt, das andre bleibt klein oder geht verloren, was übrigens auch mit beiden Flügeln der Fall sein kann (Aptera) und zwar in beiden Geschlechtern (Wanzen, Läuse u. a.) oder nur in einem von beiden (Blattläuse, manche Schmetterlinge u. a.). Nur die apterogenen (apterygoten) I. (s. Apterogenea) besitzen niemals Flügel. Vorder- u. Hinterflügel arbeiten beim Flug zusammen, wozu besondere Hakenvorrichtungen an ihnen vorhanden sein können, auch wird bei manchen I. nur ein Paar verwendet, u. die Vorderflügel schützen als Deckflügel (Elytra) die Hinterflügel. Entsprechend ihrer Entstehung als Hautfalten bestehen die Flügel aus zwei eng aneinander liegenden Platten, die außen mit Härchen od. Schuppen (bei Schmetterlingen) bedeckt sein können. Zwischen den Platten verlaufen Tracheen und zeichnen sich auf der Oberfläche als sogen. Rippen oder Adern ab, deren Anordnung von den Systematikern zur Unterscheidung der Gattungen und Arten benutzt wird. Bei den Fliegen und Mücken, den sogen. Zweiflüglern, sind die Hinterflügel in kleine, gestielte Bläschen, die Schwingkölbchen oder Halteren (s. d.), umgewandelt, die mit Hautsinnes organen reich ausgestattet und offenbar für die Orientierung beim Flug und als Gleichgewichtsorgane von Bedeutung sind. Der gliedmaßenlose Hinterleib (Abdomen) besteht aus höchstens zehn Segmenten (Ringen), die sich aus einer Rücken- und Bauchplatte sowie aus Seitenplatten zusammensetzen. Alle diese Teile sind durch weiche, dehnbare Gelenkhäute verbunden, so daß der Hinterleib einer starken Ausdehnung (z. B. beim Weibchen in der Periode der Eierproduktion) fähig ist. Die hintern Körperringe tragen häufig Anhänge um den After oder die Geschlechtsöffnung, die als Legescheiden, Legebohrer, Giftstachel (Textfig. 5 und Fig. 1 bei »Bienen«, S. 836), Afterzangen etc. dienen. Der After liegt am Ende des letzten Ringes, die Geschlechtsöffnung einige Ringe mehr nach vorn an der Bauchseite. Die Haut der I. besteht aus einer Zellenlage und der von ihr abgeschiedenen Chitinschicht, die dünn und weich bleiben, aber auch sehr dick und fest werden kann. Die Färbung der Haut ist äußerst mannigfaltig und hängt vom Chitin oder der Zellenschicht ab, häufig liegt ihr kein Farbstoff, sondern eine Interferenz des Lichtes zugrunde (z. B. bei den Prachtkäfern). Der Darmkanal (Textfig. 5) beginnt mit der zwischen den Mundteilen liegenden Mundhöhle, in welche die oft recht umfangreichen Speicheldrüsen münden; daran schließt sich Schlund und Speiseröhre, welch letztere in der Brust liegt und sich zu einem Kropfe erweitern kann. Hierauf kann ein wie der übrige Vorderdarm mit Chitin ausgekleideter u. mit festen Leisten und Zähnen besetzter Kaumagen und sodann ebenfalls im Hinterleib der eigentliche Magen (Chylusmagen) folgen und auf ihn der mehr oder weniger scharf abgesetzte Darm (Tafel I, Fig. 6 u. 10). An der Grenze von Magen und Darm münden in letztern eine Anzahl (zwei oder mehr, selbst Hunderte) langer, fadenförmiger Blindschläuche, die sogen. Meyers Malpighischen Gefäße (s. d.), die harnartige Stoffe absondern und also den Nieren entsprechen (Textfig. 5 und Tafel I, Fig. 6). Am After sind oft noch besondere Drüsen vorhanden, deren ätzendes oder übelriechendes Sekret ebensowohl wie der Kot als Verteidigungswaffe dient. In der Haut sondern Wachsdrüsen Sekrete ab, die z. B. bei Zikaden den Leib mit flockigem Wachs (Puder) einhüllen. Ferner sind hier noch die Spinndrüsen zu nennen, zwei lange, im Hinterleib liegende Blindschläuche, die durch Umwandlung eines Speicheldrüsenpaares entstanden und vor allem bei den Larven, zumal der Schmetterlinge, stark entwickelt sind. Ihr Ausführungsgang mündet auf der Unterlippe; sie sondern ein an der Luft zu einem Faden gerinnendes Sekret ab, das in Form von Geweben und Hüllen den Larven und besonders den Puppen zum Schutz dient (s. unten). Bei Wanzen finden sich in Brust oder Hinterleib eigentümliche

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Stinkdrüsen vor. Endlich besitzen viele Weibchen von Hautflüglern im Hinterleib Giftdrüsen (Textfig. 5), deren in einer besondern Blase aufbewahrter Saft durch Muskeldruck in den Giftstachel entleert und so in die Stichwunde gebracht werden kann. Das von dem Herzbeutel (Pericardium) umgebene Herz (Rückengefäß) liegt im Hinterleib auf der Rückenseite nahe der Haut, ist durch Quereinschnürungen in Kammern geteilt und verlängert sich nach vorn in die bis zum Kopf reichende Aorta (Tafel I, Fig. 4 u. 10). Das meist farblose Blut (mit Blutkörperchen) strömt durch seitliche Öffnungen in die Kammern ein, wird durch Zusammenziehung des Herzens in die Aorta getrieben, ergießt sich dann frei in den Leibesraum und strömt von da in den Lücken zwischen den Organen wieder zum Herzen. Diese Vereinfachung des Kreislaufs erklärt sich aus der Form und Anordnung der Atmungswerkzeuge, die sich als luftführende, durch einen Spiralfaden gestützte Chilinröhren, Tracheen (s. d.), an und in allen Organen verzweigen und ihren Luftbedarf durch Spalten in der Körperhaut (Atemlöcher, Stigmen) erhalten (Tafel I, Fig. 6,7 u. 9). Die Stigmen liegen auf der Grenze zweier Körperringe, fehlen aber am Kopf; der Thorax besitzt meist zwei, das Abdomen höchstens acht Paare. Wasserbewohnende Larven von Käfern, Fliegen etc. haben aber oft nur zwei Stigmen am Ende des Hinterleibes oder auch gar keine (sogen. geschlossenes Tracheensystem); in letzterm Fall gelangt die im Wasser enthaltene Luft in die Tracheen entweder durch besondere blattartige oder fadenförmige Kiemen (Tracheenkiemen, Tafel I, Fig. 5 u. 8), oder durch den Darm, oder endlich durch die gesamte Haut. Gute Flieger haben an den Tracheen besondere kleine Säcke (Tracheenblasen), die vor dem Flug voll Luft gepumpt werden (Tafel I, Fig. 6). Der Fettkörper (corpus adiposum) findet sich besonders reichlich während der Larvenzeit zwischen den Eingeweiden vor und besteht aus fetthaltigen Zellen, an denen sich zahlreiche, überaus seine Tracheen verästeln. Er ist in erster Linie ein Reservestoffbehälter, der bei der weitern Entwickelung zur Ausbildung der Organe verwendet wird. In ihrem Bau schließen sich dem Fettkörper die Leuchtorgane der Leuchtkäfer an, paarige, zarte Platten an der Bauchfläche des Thorax oder Abdomens, die teils aus blassen, eiweißreichen, teils aus körnchenreichen, harnsäurehaltigen Zellen bestehen, zwischen denen sich Tracheen und Nerven in äußerst reichen Verzweigungen ausbreiten.
   Das Nervensystem (Textfig. 6 u. Tafel I, Fig. 4,6 u. 10) besteht aus Gehirn und Bauchstrang. Letzterer setzt sich bei sehr vielen Larven und manchen ausgebildeten I. aus einer Kette von Ganglien (im Thorax drei, im Hinterleib bis zu acht) zusammen, von denen jedes das ihm zugehörige Körpersegmentsamt Anhängen (Beinen etc.) versorgt. Bei vielen I. verschmelzen die Hinterleibsganglien miteinander und auch mit den drei Brustganglien, so daß im stärksten Fall der Verkürzung der Bauchkette nur eine einzige Nervenmasse in der Brust existiert. Das Gehirn liegt im Kopf und ist besonders in seinem obern Stück (dem Oberschlundganglion) stark ausgebildet, am vollkommensten bei den seelisch am höchsten stehenden Hautflüglern; es entsendet die Sinnesnerven und scheint der Sitz der seelischen Tätigkeiten zu sein. Das untere Stück (Unterschlundganglion) versorgt die Mundteile mit Nerven und scheint die Bewegungen zu regeln. Außerdem entspringt vom Gehirn das System der Schlundnerven (mit dem Stirnganglion), und in der Nähe eines Ganglions der Bauchkette zweigt sich ein zusammenhängender Nervenstrang ab, ähnlich dem Sympathikus der Wirbeltiere. Augen besitzen fast alle I., und zwar zusammengesetzte oder Netzaugen und einfache Punktaugen oder Ocellen (s. Tafel Meyers »Auge I«, Fig. 35). Letztere stehen meist zu dreien auf dem Scheitel (Scheitelaugen, z. B. Textfig. 2). Die beiden nur selten fehlenden oder durch einfache Augen ersetzten Netzaugen, auch wegen der aus vielen einzelnen Flächen (Facetten) bestehenden Hornhaut facettierte Augen genannt, liegen an beiden Seiten der Stirn und breiten sich nicht selten über einen großen Teil des Kopfes aus; sie haben oft mehrere tausend Facetten, die ebensoviel Einzelaugen entsprechen. Diese entwerfen nicht ein Bild des ganzen Gegenstandes auf der Netzhaut, sondern wirken bei der Entwerfung des Bildes zusammen, das sich so mosaikartig aus vielen Punkten zusammensetzt (vgl. Auge, Bd. 1, S. 104). Bewegungen nehmen die I. besser wahr als Formen. Die Punktaugen dienen wohl zum Sehen in nächster Nähe. Als Hörwerkzeuge besitzen manche Heuschrecken am Hinterleib oder an den Schienen der Vorderbeine besonders umgewandelte, mit Nerven- und Resonnanzapparat versehene Hautstellen und ähnliche, aber einfachere Apparate (Chordotonalorgane) kommen auch bei andern I. vor (Tafel II, Fig. 28). Der Tastsinn wird vorzugsweise durch die Fühler, die Taster der Mundteile und die Tarsenglieder der Beine, aber auch durch Anhänge der gesamten Haut, z. B. die Tastborsten am Körper zarter Insektenlarven, vermittelt (Tafel II, Fig. 1). Riechwerkzeuge kommen, wie es scheint, allgemein vor und haben ihren Sitz auf der Oberfläche der Fühler meist in besondern Grübchen. Zahlreiche I. erzeugen willkürlich Laute, und zwar meist durch Reiben von Körperteilen aneinander, z. B. der Schenkel an den Flügeln oder des einen Flügels am andern (Henschrecken, Tafel II, Fig. 3,4 u. 7) oder der Hinterleibsringe an den Flügeldecken (Käfer) etc. Eine Art Trommel haben die Männchen mancher Zikaden am Anfang des Hinterleibes; Maikäfer, Bienen, Fliegen u. a. besitzen in den Stigmen dünnhäutige Zungen, die beim Flug vibrieren und zusammen mit dem Eigenton der schwirrenden Flügel das Summen hervorbringen. Die Fortpflanzung der I. ist zweigeschlechtlich. Die männlichen und weiblichen Organe werden schon im

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Embryo angelegt, entwickeln sich jedoch erst in der letzten Periode des Larvenlebens oder im Puppenzustand und treten fast immer nur bei dem vollendeten Insekt in Funktion, wenn sie nicht (wie bei den meisten weiblichen Individuen der gesellig lebenden I.) überhaupt unausgebildet bleiben. Männchen und Weibchen unterscheiden sich auch äußerlich: gewöhnlich sind erstere schlanker, mit vollkommenern Sinnesorganen, größern Fühlern, schönerer Färbung versehen und bewegen sich leichter und schneller. Bisweilen bleiben die Weibchen flügellos und larvenähnlich, doch kann auch das Verhältnis umgekehrt sein. Hode und Eierstock sind fast immer paar, aber in sehr wechselnder Form und Zahl vorhanden (Tafel II, Fig. 9 u. 10). Samen und Eier gelangen in die paaren Samen-, resp. Eileiter und werden entweder (nur bei den Eintagsfliegen) direkt nach außen entleert, so daß also für jedes Geschlecht ein Paar Öffnungen vorhanden sind, oder treten in einen unpaaren Gang und von da aus in das gleichfalls unpaare Begattungsorgan (Rute, resp. Scheide) ein. Daran finden sich noch Drüsen zur Produktion verschiedener Sekrete. Am weiblichen Apparat ist häufig ein Behältnis für den aufgenommenen Samen (receptaculum seminis) vorhanden, in dem derselbe oft jahrelang lebendig und tauglich bleibt. So wird z. B. die Bienenkönigin nur einmal begattet, obwohl sie monate- und jahrelang befruchtete Eier hervorbringt. Die Eier werden bei ihrem Durchgang durch den Eileiter befruchtet, indem aus jenem Behälter ein wenig Same austritt. Bei zahlreichen I. entwickeln sich aber auch unbefruchtete Eier teils zufällig, teils regelmäßig und oft sogar mehrere Generationen hindurch. So findet sich Parthenogenese gesetzmäßig bei Schmetterlingen und Blattläusen, Bienen, Wespen, Gall- und Blattwespen. Aus den unbefruchteten Eiern entstehen im allgemeinen beide Geschlechter; bei den in Tierstaaten lebenden Hymenopteren (Bienen etc.), wie es scheint, jedoch nur Männchen. Bei den Blattläusen u. a. folgt auf eine oder mehrere solcher eingeschlechtlichen Generationen (während der also nur Weibchen vorhanden sind) stets eine zweigeschlechtliche Generation mit Männchen und Weibchen (s. Meyers Generationswechsel). Von einigen Mücken (Cecidomyia, Miastor) sind bereits die Larven fortpflanzungsfähig, indem sich in ihrem Innern junge Larven auf Kosten des Fettkörpers und der zerfallenden Organe der Mutterlarve entwickeln. Nur wenige I. gebären lebendige Junge, die übrigen legen die Eier (vgl. Tafel Meyers »Eier« [Bd. 5, S. 418], Fig. 1316) ab. Die Entwickelung des Embryos währt je nach der Temperatur verschieden lange. Am Hinterleib der Embryonen treten Anlagen von Gliedmaßen auf, ein Hinweis auf die Abstammung der I. von Tieren, die wie die Tausendfüßer an allen Segmenten Gliedmaßen trugen.
   Die dem Ei entschlüpfende Larve wandelt sich meist erst durch viele Häutungen und Metamorphosen in die Form des geschlechtsreifen Tieres (Imago) um (Tafel II, Fig. 1120). Dieser Übergang vollzieht sich bei der sogen. unvollkommenen Metamorphose (ametabole, bez. hemimetabole I.: Apterogenea, Halbflügler, Geradflügler) allmählich; auch bleibt dabei das Tier beweglich, frißt, erhält mit zunehmender Größe Flügelstummel etc. Die Larve besitzt dabei entweder schon annähernd die gleiche Lebensweise wie das vollendete Insekt, oder weicht auch hierin wesentlich ab und lebt, wie z. B. die Larven der Eintagsfliegen und Libellen, im Wasser. Bei der vollkommenen Metamorphose (metabole, bez. holometabole I.) verwandelt sich dagegen die Larve zunächst in eine ruhende, keine Nahrung aufnehmende Puppe (Chrysalide, Chrysalis), aus der nach mancherlei Umformungen der innern Organe das geflügelte Insekt (Imago) ausschlüpft. Die Larven dieser I. weichen in Gestalt, Lebensweise und Ernährungsart sehr stark von den Geschlechtstieren ab; auch besitzen sie häufig Gliedmaßen an Körperteilen, an denen solche später fehlen. Wurmförmige Larven ohne Gliedmaßen und auch wohl ohne besondern Kopf heißen Maden, solche mit deutlichem Kopf und Thorax sowie mit drei Paar Füßen an letzterm Raupen; diese haben häufig auch am Hinterleib Fußstummel (Bauchbeine, Bauchfüße. Afterfüße, Nachschieber, Tafel II, Fig. 15). Die Larven nehmen reichliche Nahrung auf, die als Reservematerial besonders im Fettkörper niedergelegt wird. Nach mehrfachen Häutungen, von denen auch die Haut des Vorder- und Hinterdarms betroffen wird, verpuppen sie sich, verfertigen oft mit ihren Spinndrüsen über oder unter der Erde ein schützendes Gespinst (Kokon), worin sie unter Abstreifung der Haut zur Puppe werden. Bei dieser liegen die äußern Körperteile des geflügelten Insekts entweder frei (pupae liberae), oder unter der hornigen Puppenhaut (pupae obtectae), oder selbst noch unter der letzten Larvenhaut (pupae coarctatae, Tafel II, Fig. 1320). Nach Beendigung der Puppenzeit arbeitet sich die Imago aus der Hülle hervor, breitet durch Blutdruck und lebhaftes Einatmen von Luft die Flügel etc. aus, die alsbald völlig erhärten, entläßt den in der frühern Periode angesammelten Harn und ist nun zur Fortpflanzung bereit. Bezüglich der Rolle der I. in der Natur kommt zunächst ihr Verhältnis zu den Pflanzen in Betracht. Da sie sich größtenteils von solchen nähren, treten sie als Schädlinge der Pflanzen auf. Manche I. bevorzugen bestimmte Pflanzenarten oder nähren sich überhaupt nur von diesen, während andre ihre Nahrung von ganz verschiedenen Pflanzen beziehen. Von den Wurzeln der Pflanzen nähren sich in den meisten Fällen nur die Larven, so die der Schnell- und Blatthornkäfer (Engerling der Maikäfer), wie auch die mancher Lauf- und Rüsselkäfer, die dadurch alle oftmals große Verheerungen anrichten. Auch die Larven mancher Fliegen und Schmetterlinge nähren sich von Pflanzenwurzeln, doch bevorzugen die meisten Larven die oberirdischen Teile. Einzelne Raupen und Fliegenmaden leben in Pflanzenstengeln, wohin das Insekt seine Eier ablegte, so die Hessenfliege in Weizenhalme; besonders berüchtigt aber sind in dieser Beziehung die Käferlarven, speziell die der Borkenkäfer, die den ernährenden Bast zerstören und denen oft ganze Wälder zum Opfer fallen. Zumeist sind es die grünen Blätter und jungen Triebe der Pflanzen, die den I. zur Nahrung dienen, und hier kann man außer Blattwespenlarven, Schmetterlingsraupen, Käfern und Geradflüglern so ziemlich Vertreter aller Insektenordnungen anführen, besonders gefährlich aber werden den Pflanzen die in großen Scharen auftretenden I., wie Heuschreckenschwärme, Termiten und Blattschneiderameisen. Gallwespen u. a. erregen an Blättern, Blattknospen und andern Pflanzenteilen Gallen und anderweitige Erkrankungen (s. Meyers Gallen), Larven der Rüsselkäfer richten in den Körnern der Hülsenfrüchte und des Getreides oft große Zerstörungen an, wie dies übrigens auch eine Schmetterlingsraupe, nämlich die der Kornmotte, tun kann;

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desgleichen finden sich Raupen, sogen. Obstmaden, in unsern Früchten (vgl. die Artikel »Forstinsekten, Gartenschädlinge, Landwirtschaftliche Schädlinge«). Großen Nutzen haben die Pflanzen durch die I., die als Übertrager des Pollens bei deren Befruchtung eine äußerst wichtige Rolle spielen. Viele Pflanzen kommen bei aller Gunst des Klimas und des Bodens in gewissen Gegenden nicht fort, weil dort die I. fehlen, die in der Heimat der Pflanze die Befruchtung besorgen. Pflanzen und I. haben sich für diese Verhältnisse gegenseitig angepaßt, und so sind für gewisse Pflanzenarten ganz bestimmte Insektenarten als Befruchter nachzuweisen (Weiteres s. Meyers Blütenbestäubung). Manche I. schützen auch gewisse Pflanzen vor ihren Feinden, wie die Ameisen, welche die Imbaubabäume (Cecropien) Südamerikas vor den Angriffen der Blattschneiderameisen bewahren.
   Das Verhältnis der I. zu den Tieren besteht vielfach darin, daß sie diesen zur Nahrung dienen, doch kommen hierbei die niedern Tiere so gut wie gar nicht in Betracht, erst die Spinnen nähren sich von I. Ganz besonders aber führen die I. unter sich einen sehr lebhaften Krieg, denn die Räuber unter ihnen suchen ihre Beute mit Vorliebe unter den pflanzenfressenden I., so die Raubkäfer und manche Hautflügler, verschmähen aber auch andre Tiere, wie Würmer und Weichtiere, nicht. Schlupfwespen legen ihre Eier ins Innere andrer I., z. B. der Schmetterlingsraupen, ab, von deren Körpersubstanz sich dann die Larven nähren. Hierdurch werden manche I., besonders Schlupfwespen, nützlich, indem sie schädliche I. vertilgen. Gewisse I., wie die zuzeiten in großen Schwärmen auftretenden Eintagsfliegen, aber auch deren Larven, wie die der Libellen und Mücken, dienen den Fischen zur Nahrung. Einen wesentlichen Bestandteil der Nahrung bilden aber die I. besonders für die auf dem Lande lebenden Amphibien, desgleichen für die Reptilien und Vögel; sogar unter den Säugetieren finden sich Insektenfresser, so die ganze diesen Namen führende Ordnung, außerdem noch Gürteltiere, Schuppentiere, Ameisenfresser und manche Affen. Für den Kulturmenschen kommen die I. als Nahrungsmittel nur indirekt, nämlich ihres Honigs wegen, in Betracht, während allerdings manche wilde Völkerschaften Heuschrecken und Ameisen direkt als Nahrungs- oder Genußmittel verwenden. Gewisse I., wie die Spanische Fliege, der Maiwurm, manche Ameisen wurden oder werden noch als Arzneimittel benutzt; andre, wie die Kochenille-Schildlaus, ganz besonders aber die Seidenraupe, sind dem Menschen von großem Nutzen. Indirekt nützlich erweisen sich die I. auch dadurch, daß sie verwesende Substanzen vertilgen und wohl auch, wie die sogen. Totengräber, faulende Tierkörper unter den Erdboden versenken. Schädlich werden die I. Menschen und Tieren auch als Parasiten, von denen Flöhe, Wanzen, Läuse und auch gelegentlich Fliegenlarven in Betracht kommen. Als Parasiten treten I. bei Säugetieren und Vögeln, als Larven auch bei manchen wirbellosen Tieren auf, und zwar liefern die Ordnungen der Halbflügler, Zweiflügler, Hautflügler, Fächerflügler, Flöhe und Pelzfresser vor allen Dingen die Parasiten.
   Die I. stehen in ihren seelischen Lebensäußerungen auf hoher Stufe, wie aus den Handlungen hervorgeht, die bei den Vereinigungen zahlreicher Individuen zu gemeinsamem Wirken in sogen. Tierstaaten (Bienen, Ameisen, Termiten) mit ausgeprägter Arbeitsteilung besonders auffällig werden (s. Meyers Ameisen und Bienen). Die Zahl der bekannten Arten beträgt mehr als 200,000, diejenige der wirklich vorhandenen wird aber auf eine Million geschätzt. Sie finden sich über die ganze Erde bis zu den äußersten Grenzen der Vegetation verbreitet; nach den Polen zu nimmt die Artenzahl sowie Größe und Farbenpracht der Individuen ab, die Zahl der letztern dagegen vielleicht zu. Bedingt wird die Verbreitung besonders auch von der Pflanzenwelt. Manche Arten verbreiten sich weit durch Wanderungen, die sie einzeln oder scharenweise unternehmen; andre sind durch Kolonialwaren, lebende Pflanzen oder Tiere (als Parasiten) verschleppt, auch direkt, wie die Bienen übergesiedelt worden. Fossil finden sich I. bereits im mittlern Silur; im Devon kommen zahlreiche I. vor, anscheinend besonders Geradflügler, die Libelle von Solnhofen, und in der Steinkohlenzeit erreichten sie schon eine große Mannigfaltigkeit, freilich scheinen die höhern Formen, wie Zweiflügler, Käfer, Schmetterlinge und Hautflügler, damals noch gefehlt zu haben. Diese treten dann im Tertiär auf (Aphis, Monophlebus, Phryganea, Vanessa sowie Neorinopsis auf Tafel Meyers »Tertiärformation II«), z. B. auch unsrer Honigbiene sehr nahestehende Arten. Besonders gut erhalten und von lebenden Arten nur schwer zu unterscheiden sind die im Bernstein vorkommenden I.
   [Insekten als Krankheitsüberträger.] Die Annahme, daß Mücken und Stechfliegen, die auf Aas gesessen haben, durch ihren Stich Blutvergiftungen erzeugen, ist wenig begründet, vielmehr kommen schwere F. lie von Blutvergiftung infolge von Insektenstichen meist dadurch zustande, daß die I. vorher kranke Tiere oder Menschen gestochen und sich dabei mit den Infektionserregern beladen haben, die sie dann beim Stechen gesunder Menschen auf diese übertragen. Gefährlicher ist die Regenbremse (Blinde Fliege), die auch an Aas, Exkrementen etc. saugen, allein tatsächlich hat doch von vielen Bremsenstichen nur selten einer üble Folgen. Am Körper der Stubenfliegen haften Cholera- und Typhusbazillen lange Zeit und werden von Ort zu Ort verschleppt. Die Tiere nehmen durch ihre Saug- und Freßwerkzeuge, durch Füße und Leib die Bakterien aus tierischen und menschlichen Abfallstoffen, aus Exkrementen etc. auf und übertragen die Keime auf unsre Nahrungsmittel, wo dann eine starke Vermehrung der pathogenen Bakterien stattfinden kann. Auch bei der Übertragung der Pest spielen die Fliegen eine Rolle. Bei den Pestepidemien in Bombay und in Hongkong wurden wiederholt tote Fliegen gefunden, an deren Körpern virulente Pestbazillen nachgewiesen werden konnten. Laboratoriumsversuche zeigten, daß Fliegen mehrere Tage am Leben bleiben, nachdem sie pestinfizierte Nahrung zu sich genommen haben, und sie können daher eine Rolle bei der Weiterverbreitung der Pest spielen, wenn sie in Nahrungsmittel hineinfallen oder ihre Exkremente darauf entleeren. Auch Milzbrand kann durch Fliegen übertragen werden, ebenso wahrscheinlich die ägyptische Augenentzündung. Flöhe, die auf pestkranken Ratten gefunden wurden, enthielten in ihrem Innern Pestbazillen. Die Flöhe überfallen die pestkranken Ratten und verlassen dieselben einige Stunden nach dem Tode wieder, um vorübergehend auf andre Tiere oder den Menschen überzuspringen. Doch gehen die Pestbazillen im Innern der Flöhe offenbar bald zugrunde, so daß die Infektionsgefahr keine allzu große ist. Dasselbe gilt für Wanzen. Ameisen wurden bei Pestepidemien wiederholt als Träger von Pestbazillen gefunden. Wurden Ameisen (Monomorium vastator), die von pestkranken Ratten gefressen hatten,

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auf Mäuse gesetzt, so starben diese an Pest. Die Ameisen können also, nachdem sie durch Anfressen von an Pest gestorbenen Ratten oder auch Menschen das Gift in sich aufgenommen haben, wohl die Pest verbreiten. Ganz ähnlich ist dies auch bei Milzbrand möglich. Wanzen übertragen das Rückfallfieber, das wohl durch ein Protozoon erzeugt wird. Gewisse blutsaugende I., die Moskitos (besonders Anopheles claviger), übermitteln die Malaria, Anopheles- und Culex-Arten die Filarienkrankheiten (Elefantiasis, Lymphskrotum und Hämatochylurie), Stegomyia-Arten das Gelbfieber. Auch bei verschiedenen andern Krankheiten, die durch Blutparasiten bedingt sind, erfolgt die Übertragung durch blutsaugende I. Die in den Tropen häufige Tierkrankheit, die Tsetse- oder Naganakrankheit, die gleichfalls durch einen Blutparasiten (Trypanosoma) erzeugt wird, wird durch die Tsetsefliege (Glossina morsitans) verbreitet. Die Fliegen infizieren sich beim Saugen an kranken Tieren und übertragen dann den Parasiten auf gesunde Tiere. Trypanosomen erzeugen auch die Surrakrankheit, die wohl durch eine Stechfliegen- (Stomoxys-) Art, und die Schlafkrankheit, die durch Glossina palpalis verbreitet wird. Zecken übertragen das Texasfieber, Küstenfieber und die Hämatonurie der Rinder, als deren Erreger Pirosomen gelten. Vgl. Martini, I. als Krankheitsüberträger (Berl. 1904).
   [Einteilung.] Die von Linné nach den Flugorganen vorgenommene Einteilung der I. hat sich seitdem sehr geändert, indem man jetzt möglich st die natürliche Verwandtschaft berücksichtigt. Die ursprünglichsten I. zeigen niemals eine Spur von Flügeln und werden als Apterogenea (Apterygota) den Pterogenea (Pterygota) gegenübergestellt. Im übrigen wird besonders der Bau der Mundwerkzeuge, der Flügel und des übrigen Körpers, wie auch die Entwickelungsweise bei Vornahme der Einteilung berücksichtigt. Danach unterscheidet man:
   1) Flügellose (Apterogenea, Apterygota).
   2) Falschnetzflügler (Archiptera, Pseudoneuroptera).
   3) Geradflügler (Orthoptera).
   4) Netzflügler (Neuroptera, hierher die frühere Ordnung der Fächerflügler [Strepsiptera]).
   5) Käfer (Coleoptera).
   6) Halbflügler (Hemiptera, Rhynchota, Schnabelkerfe).
   7) Zweiflügler (Diptera).
   8) Flöhe (Aphaniptera).
   9) Schmetterlinge (Lepidoptera).
   10) Hautflügler (Hymenoptera). Näheres über diese Ordnungen s. in den sie betreffenden Artikeln.
   [Literatur.] Swammerdam, Bijbel der natuure, of historie der I. (Leiden 173738); Réaumur, Mémoires pour servir à l'histoire des Insectes (Par. 173442, 6 Bde.); Bonnet, Traité d'insectologie (das. 1745, 2 Bde.); Rösel v. Rosenhof, Insektenbelustigungen (Nürnb. 174655), nebst Kleemanns Beiträgen (179295, mit trefflichen Abbildungen); de Geer, Mémoires pour servir à!'histoire des Insectes (Stockh. 175278, 8 Bde.); Lyonet, Traité anatomique de la Chenille qui ronge le bois de saule (Haag 1760); Fabricius, Philosophia entomologica (Kopenh. 1778), Genera Insectorum (1777) und Entomologia systematica, emendata et aucta (179296, 4 Bde.; Supplement 179899); Latreille, Histoire naturelle des Crustacés et des Insectes (Par. 180205, 14 Bde.); Kirby und Spence, Introduction to entomology (6. Aufl., Lond. 182842, 4 Bde.; deutsch von Oken, Stuttg. 182333, 4 Bde.); Burmeister, Handbuch der Entomologie (Berl. 183255, 5 Bde.), Savigny, Mémoires sur les animaux sans vertébres (Par. 1816); Straus-Dürkheim, Considérations générales sur l'anatomie comparée des animaux articulés (Straßb. 1828, Anatomie des Maikäfers); Lacordaire, Introduction à l'étude de l'entomologie (Par. 183438, 2 Bde.); Westwood, Introduction to the modern classification of insects (Lond. 183940, 2 Bde.); Palmén, Zur Morphologie des Tracheensystems (Leipz. 1877); Stein, Die weiblichen Geschlechtsorgane der Käfer (Berl. 1847); Landois, Ton- und Stimmapparate der I. (Leipz. 1867); Brauer, Systematisch-zoologische Studien (Wien 1885); Scudder, Fossile I. (in Zittels »Handbuch der Paläontologie«, Münch. 1885); Brongniart, Recherches pour servir à l'histoire des Insectes fossiles des temps primaires (Par. 1895); Lubbock, Die Sinne und das geistige Leben der Tiere, insbesondere der I. (deutsch, Leipz. 1889); Taschenberg, Die I. (Bd. 9 von »Brehms Tierleben«, 3. Aufl., das. 1892) und Praktische Insektenkunde (Brem. 187880, 5 Tle.); Graber, Die I. (Münch. 187779); Hoffer, Praxis der Insektenkunde (Wien 1892); Schlechtendal und Wünsche, Die I. (Leipz. 1879); Kolbe, Einführung in die Kenntnis der I. (Berl. 188993); Packard, Textbook of Entomology (New York 1898); Plateau, Recherches expérimentales sur la vision chez les Arthropodes (Brüssel 1888); Wasmann, Die psychischen Fähigkeiten der Ameisen (Stuttg. 1899) und Instinkt und Intelligenz im Tierreich (2. Aufl., Freiburg 1899); Fabre, Souvenirs entomologiques. Etudes sur l'instinct et les mœurs des insectes (bisher 9 Bde., Par. 18791905); Hagen, Bibliotheca entomologica (Leipz. 186263, 2 Bde.); Weiteres in den Artikeln »Forstinsekten, Landwirtschaftliche Schädlinge und Pflanzenkrankheiten«. Zeitschriften: »Zeitschrift für Entomologie« (Bresl., seit 1847); »Illustrierte Zeitschrift für Entomologie« (Neudamm 1896 ff., seit 1905 fortgesetzt als »Zeitschrift für wissenschaftliche Insektenbiologie«, Stuttg.); »Entomologische Zeitschrift« (Berl., seit 1884); »Berliner entomologische Zeitschrift« (das., seit 1857); »Stettiner entomologische Zeitung« (das., seit 1840); »Wiener entomologische Zeitung« (das., seit 1882); »Insektenbörse« (Leipz., seit 1884).
 
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Insektenbestäubung, s. Meyers Blütenbestäubung.
 
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Insektenfressende Pflanzen (Insektivoren, fleischfressende Pflanzen; hierzu Tafel Meyers »Insektenfressende Pflanzen«), eine Gruppe von Gewächsen, hauptsächlich aus den Familien der Droserazeen, Utrikulariazeen, Sarraceniazeen und Nepenthazeen, die Insekten und ähnliche Tiere einfangen und sie unter Ausscheidung eines Ferments teilweise auflösen. Die erste Nachricht über eine derartige Pflanze wurde 1769 von dem amerikanischen Naturforscher Ellis in einem Brief an Linné gegeben und betraf die Venusfliegenfalle (Dionaea), die in ihren bei Berührungen lebhaft zusammenklappenden, gewimperten und borstigen Blättern Insekten fängt und aussaugt. Diderot legte ihr bereits den Namen einer »fleischfressenden« Pflanze (une plante presque carnivore) bei. Ein ähnliches Verhalten beobachtete Roth 1782 an den Sonnentauarten (Drosera) unsrer Torfwiesen, deren Blätter reichlich mit schleimaussondernden Drüsen bedeckt sind und sich ebenfalls, wenn auch langsamer, um das gefangene Insekt schließen. Obwohl nun diese und spätere Beobachter behauptet hatten, daß die genannten Droserazeen die Insekten oder auch auf die Blätter gelegte Fleischstückchen vermittelst der

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ausgeschiedenen Säfte auflösen und verdauen, erregte diese Ansicht ein allgemeines Aufsehen doch erst, nachdem Darwin eine Reihe systematischer Beobachtungen und Versuche an diesen Pflanzen begonnen und deren Ergebnisse gelegentlich in Abhandlungen sowie 1875 in einem besondern Buch veröffentlicht hatte. Gegenwärtig kennt man ca. 350 Arten insektenfressender Pflanzen aus 15 Gattungen, von denen Repräsentanten fast in keinem Florengebiete der Erde fehlen. Die dem Tierfange dienenden Einrichtungen der insektenfressenden Pflanzen treten als Klappfallen, Leimruten oder Fallgruben auf, und man kann danach Schließfänger, Drüsenfänger und Schlauchfänger unterscheiden. Zu der ersten Kategorie gehört die in den Moorgründen von Nord- und Südcarolina einheimische Dionaea muscipula, die eine grundständige Rosette von 56 reizbaren Blättern trägt; oberhalb des geflügelten Blattstiels steht eine Blattfläche, gebildet aus zwei beweglichen Hälften, die um die Mittelrippe wie um ein Scharnier zusammenklappen können, wobei die steifen Randborsten wie die Finger zweier zusammengefalteter Hände ineinander greifen. Diese Bewegung erfolgt fast momentan, sobald eine der drei auf jeder Blatthälfte oberseits stehenden langen Haarborsten berührt wird. Geschieht dies durch ein Insekt oder einen andern eiweißhaltigen Körper, so bleibt das Blatt geschlossen, bis etwa nach 46 Tagen die Eiweißsubstanzen des gefangenen Körpers gelöst und resorbiert sind. Dann breitet es sich wieder zu neuem Fang aus. Einfacher ist die Fangvorrichtung bei der wasserbewohnenden, durch Mittel- und Südeuropa sporadisch verbreiteten, auch in Ostindien und Australien vorkommenden Aldrovandia vesiculosa, die, wie auch Dionaea, zu der Familie der Droserazeen gehört. Ihre frei im Wasser schwimmenden Stengel tragen quirlig gestellte, von 45 Borsten umgebene Blätter, deren halbkreisförmige Blattflächen in der Mitte scharf zusammengeklappt sind und mit ihren eingebogenen Rändern übereinander greifen. Die Reizbarkeit dieser Teile zeigt sich darin, daß in warmem Wasser die Klappen sich öffnen und bei Berührung der auf der Blattfläche stehenden zarten Borsten sich ruckweise schließen. In den Fangklappen der Aldrovandia werden kleine Krustazeen (Daphnia, Cyclops, Cypris) sowie auch Insektenlarven gefangen und tagelang eingeschlossen gehalten.
   Zu den Drüsenfängern gehören unsre einheimischen, zwischen Torfmoosen wachsenden Drosera-Arten. Die kleinen, mit sehr schwachen Wurzeln versehenen Pflänzchen von Drosera rotundifolia haben eine grundständige, braunrot gefärbte Blattrosette, aus deren Mitte der Blütenstengel sich erhebt; jedes Blatt trägt auf einem 25 cm langen Stiel eine fast kreisrunde Blattfläche von ca. 1 qcm Oberfläche, deren Oberseite und Rand mit roten, stielartigen, am Ende ein glänzendes Köpfchen tragenden Drüsen (Tentakeln) dicht besetzt sind. Sie sind im ungereizten Zustand gerade ausgestreckt und sondern aus dem Drüsenköpfchen schleimige Tropfen aus, die der Pflanze den Namen Sonnentau verschafften. Sobald ein kleines Insekt mit dem Schleim in Berührung kommt, bleibt es daran hängen, es gerät bei seinen Befreiungsversuchen mit immer mehr Klebdrüsen in Berührung und stirbt nach Verlauf kurzer Zeit. Zugleich beginnen die Tentakeln sich an ihrem Stiel so zu krümmen, daß der Insektenkörper schließlich ganz von Drüsenköpfen umgeben und von dem abgesonderten Schleim eingehüllt wird. Nach der Auflösung und Resorption der Eiweißstoffe breitet sich das Blatt wieder aus. Eine viel einfachere Fangeinrichtung als die eben geschilderte besitzen die einheimischen Pinguicula-Arten aus der Familie der Utrikulariazeen. Bei ihnen ist eine dem Boden aufliegende Rosette zungenförmig gestalteter breiter Blätter vorhanden, die aus zahlreichen Drüsen eine klebrige Flüssigkeit aussondern. Insekten oder auch kleine Eiweiß- und Fleischstückchen veranlassen auf der Blattfläche lebhafte Sekretion sowie auch eine langsame Einrollung der Blattränder nach oben. Einige ausländische Verwandte von Drosera, wie das in Portugal einheimische und dort in Bauernwohnungen als Leimstange zum Fliegenfang benutzte, strauchige Drosophyllum lusitanicum, die südafrikanische Roridula dentata und die australische Byblis gigantea, gehören ebenfalls zu den Drüsenfängern.
   Den Typus der Schlauchfänger stellen in unserer einheimischen Flora die Utricularia-Arten dar, wurzellose, schwimmende Wasserpflanzen mit fiederförmig verästelten Zweigen, an denen kleine, linsen- oder erbsenähnliche, aus umgestalteten Blattzipfeln hervorgegangene Blasen sitzen. Letztere tragen an ihrem mit einer Öffnung versehenen obern Ende eine Verschlußklappe, die einem beweglichen kleinen Körper wohl den Zutritt von außen, aber nicht den Austritt von innen her gestattet. In diese Falle werden vorzugsweise kleine Krustazeen gelockt, die sich tagelang darin umherbewegen und schließlich zersetzt werden. Ausländische Utrikulariazeen, wie die australische Gattung Polypompholyx und die im tropischen Amerika einheimischen Arten von Genlisea, besitzen ähnliche Schläuche, deren Bau einer Fischreuse gleicht. Ganz ausgezeichnete Fallgruben besitzen die schon seit den Zeiten Linnés bekannten Kannenträger (Nepenthes), deren Arten die Sumpfgegenden des tropischen Asien, vor allen die des Indischen Archipels, Ceylon, die Philippinen, Neukaledonien und Neuguinea, die Seschellen und Madagaskar bewohnen. An ihren kletternden Blattstielranken stehen hohe, bisweilen 1/3 m lange, krugförmige Erweiterungen, deren ringförmigem Rand ein seitlicher Deckel aufsitzt; der dicke Ring der Krugmündung sowie die Unterseite des Deckels sind mit zahlreichen Honigdrüsen besetzt, die im Verein mit auffallender Färbung der sie tragenden Teile der Anlockung von Insekten dienen. Im Innern des Kruges gleiten die angelockten Kerbtiere an einer glatten Fläche hinab, um im untern Teil der Behälter in eine Flüssigkeit zu geraten, die von zahlreichen an der Schlauchwandung befindlichen Verdauungsdrüsen abgesondert wird. Ähnliche Verhältnisse kehren auch bei den amerikanischen Sarraceniazeen wieder; die sumpfbewohnenden, vorzugsweise in Virginia einheimischen Arten von Sarracenia besitzen offene oder geschlossene Schläuche mit kleiner, zungenförmiger Blattfläche, während die in den Bergen Kaliforniens wachsende Darlingtonia trompetenförmige, an jungen Pflanzen nach oben gekehrte, an ältern nach unten gewendete Krüge mit gespaltenem Deckel aufweist; die Schläuche der Sarracenien besitzen an der innern Seite des Deckels eine Drüsenzone mit starker Nektarabsonderung, durch die Insekten angelockt werden; dann folgt eine dem Insektenfuß gefährliche Gleitzone, hierauf eine das Herauskriechen der gefangenen Tiere verhindernde, mit Reusenhaaren besetzte Zone und zuletzt ein Raum mit glatter Wandung. Auch die in Venezuela einheimische Heliamphora und die australische Gattung Cephalotus, mit prachtvoll gefärbten und wie bei

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manchen Sarracenien auch »gefensterten« Kammern, gehören zu den Schlauchträgern.
   Die Art und Weise, wie die durch den Tierfang gewonnene organische Nahrung dem Pflanzenkörper zugänglich wird, ist bei den einzelnen insektenfressenden Pflanzen verschieden. Bei Sarracenia, Darlingtonia und Cephalotus wird die Zersetzung der tierischen Substanzen durch Bakterien bewirkt; die dadurch gebildeten resorbierbaren Stickstoffverbindungen werden durch die Blattdrüsen aufgenommen. Die Utrikularienblasen enthalten ebenfalls Bakterien; ob aber durch dieselben die Zersetzung der Tierleichen ausschließlich bedingt wird, erscheint zweifelhaft; eine Aufnahme organischer Stoffe durch die Haare der Blasen findet zweifellos, und zwar in Form von Fett, statt. Pinguicula verdaut nicht durch Bakterien, sondern durch ein nur in geringer Menge abgesondertes Enzym, das die Eiweißstoffe löslich und für die Blattdrüsen resorbierbar macht. Auch in den Nepenthes-Kannen wird infolge eines durch Eiweißsubstanzen ausgeübten Reizes ein Verdauungssekret abgeschieden, das die Stickstoffnahrung zur Aufnahme durch die Kannendrüsen vorbereitet. Experimentell steht die peptonisierende, d. h. Eiweiß (Fibrin) lösende Eigenschaft des sauer reagierenden Drüsensekrets der übrigen insektenfressenden Pflanzen, wie Drosophyllum, Drosera und Dionaea, unzweifelhaft fest; auch wurde durch neuere Kulturversuche, z. B. von Büsgen, endgültig bewiesen, daß die gefütterten Pflanzen den ungefütterten an Vegetationskraft, Zahl der Blütenstände, Kapseln und Samengewicht bedeutend überlegen sind. Anderseits sind die insektenfressenden Pflanzen nicht ausschließlich auf die durch den Tierfang gewonnene Nahrung angewiesen. Sie können sich auch ungefüttert jahrelang erhalten. Vgl. Ellis, De Dionaea muscipula (deutsch von Schreber, Erlangen 1771); Roth, Von der Reizbarkeit des sogen. Sonnentaues (Brem. 1782); Darwin, Insektenfressende Pflanzen (deutsch von Carus, Stuttg. 1876); Drude, Die insektenfressenden Pflanzen (in Schenks »Handbuch der Botanik«, Bresl. 1881); Bouché, Die insektenfressenden Pflanzen, Beitrag zur Kultur derselben (Bonn 1884); Goebel, Die Insektivoren (in den »Pflanzenbiologischen Schilderungen«, 2. Teil, Marb. 189193).
 
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Insektenfresser (Insectivora, hierzu Tafel Meyers »Insektenfresser I u. II«), eine Ordnung der Säugetiere, Sohlengänger mit Krallen, vollständig bezahntem Gebiß und stark entwickeltem Schlüsselbein. Sie sind meist gedrungen, mit kurzen, aber kräftigen Beinen, die gewöhnlich zum Graben, seltener zum Klettern dienen; die Füße sind meist fünfzehig, die Schnauze ist spitz, oft zu einem Rüssel verlängert, die Augen sind oft verkümmert und liegen (bei Maulwürfen) zuweilen ganz unter der Haut. Die Schneidezähne sind gewöhnlich groß, die Eckzähne meist kleiner, die unechten Backenzähne ein-, die echten Backenzähne mehrspitzig. Die Zitzen liegen am Bauch. Die I. leben häufig unterirdisch, nähren sich hauptsächlich von Insekten, Würmern etc., die sie in großer Menge vertilgen; andre verschmähen auch Pflanzenkost nicht. Sie leben in der Alten Welt und in Nordamerika. Sie zeigen gewisse Beziehungen zu den Nagetieren, aber auch zu den Raubtieren und alle drei hatten vielleicht gemeinsame Vorfahren, die man unter den fossilen, in mancher Hinsicht primitivern Bunotherien suchte. In frühern Erdperioden dürften die I. eine größere Verbreitung gehabt haben. Von lebenden Insektenfressern unterscheidet man nahezu 40 Gattungen mit über 140 Arten.
   1. Familie: Igel (Erinaceidae). Augen gut entwickelt, Ohren mäßig lang, Schwanz kurz, auf dem Rücken Vorsten und Stacheln. Können sich mit ihrem mächtigen Hautmuskel zusammenkugeln, leben in selbstgegrabenen Gängen und nähren sich von Insekten, kleinern Wirbeltieren und Früchten. 2 Gattungen mit etwa 15 Arten in Europa, Asien und einem kleinen Teil Afrikas; hierher Erinaceus, Igel (Taf. I, Fig. 1).
   2. Familie: Borstenigel (Centetidae). Den vorigen sehr ähnlich, aber im Knochenbau verschieden. 7 Gattungen mit 11 Arten, nur auf Madagaskar, in Westafrika, auf Cuba und Haïti; Centetes (Tafel I, Fig. 4).
   3. Familie: Spitzhörnchen (Tupaiidae). In Gestalt und Lebensweise den Eichhörnchen gleich, aber mit viel längerer und spitzerer Schnauze; Darm mit großem Blinddarm. 3 Gattungen mit 10 Arten in Ostindien und auf den größern, dortigen Inseln. Hierher Tupaja, Tana (Tafel I, Fig. 3).
   4. Familie: Rohrrüßler (Macroscelides). Mit langem, dünnem Rüssel, großen Augen und weit abstehenden Ohren; Darm mit Blinddarm, Hinterbeine sehr stark verlängert. 3 Gattungen mit 10 Arten, nur in Afrika. Hierher Macroscelides, Rüsselspringer (Tafel I, Fig. 2).
   5. Familie: Spitzmäuse (Soricidae). Ähnlich den echten Mäusen, jedoch mit spitzem Rüssel; Augen und Ohren meist klein, an den Seiten des Rumpfes und am Schwanz eigentümliche Drüsen. Die über 70 Arten werden in 610 Gattungen gebracht oder auch sämtlich der Gattung Sorex, die dann 610 Untergattungen erhält, eingereiht; sie fehlen nur in Australien und Südamerika. Hierher Myogale, Bisamrüßler (Tafel I, Fig. 5), Sorex, Waldspitzmaus (Tafel II, Fig. 3), Crossopus, Wasserspitzmaus (Fig. 5), Crocidura, Hausspitzmaus (Fig. 4) etc.
   6. Familie: Maulwürfe (Talpidae). Kopf klein, Augen und Ohren tief im Pelz versteckt, Nase rüsselförmig, Leib walzig, Beine kurz, Vorderfüße zu Grabfüßen umgestaltet. Leben fast stets unterirdisch und laufen in ihren selbstgegrabenen Gängen rasch und geschickt. Bei Chrysochloris (Goldmulle, aus Südafrika) sind die Augen ganz von der Haut überwachsen und die Haare metallisch glänzend. 8 Gattungen mit 20 Arten; Verbreitung wie bei den Spitzmäusen. Hierher Talpa, Maulwurf (Tafel II, Fig. 2).
   7. Familie: Pelzflatterer (Galeopithecidae). An den Seiten des Körpers bis zur Spitze des Schwanzes mit einer Hautfalte, die als Fallschirm dient. Werden auch zu den Halbaffen (s. d.) gerechnet. Nur Galeopithecus (Flattermaki, Taf. II, Fig. 1) mit 2 Arten auf einigen hinterindischen Inseln.
 
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Insektenleim, s. Meyers Brumata-Leim.
 
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Insektenpulver, das Pulver getrockneter Blütenköpfchen einiger Arten von Chrysanthemum (s. d.). Im südlichen Dalmatien und Montenegro, bei Brazza, Lussin etc. wird C. cinerariaefolium kultiviert, im Kaukasus (besonders in der Gegend von Alexandropol und Elisaretpol) sammelt man die Blütenköpfchen der wildwachsenden C. roseum und C. carneum (kaukasisches, fälschlich persisches I.). Im Handel werden die kaukasischen Blüten durch die Dalmatiner immer mehr zurückgedrängt. Auch in Frankreich, Kalifornien, Algerien werden die genannten Pflanzen kultiviert. Zur Zeit des Aufblühens gesammelte Blütenköpfchen liefern das wirksamste, ganz geöffnete das am wenigsten wirksame I. Wesentlich abhängig ist die Wirksamkeit auch von der bei der Ernte und beim Trocknen angewendeten Sorgfalt. I. ist ziemlich grob, grüngelb und riecht eigentümlich aromatisch. Seine wirksamen Bestandteile sind wahrscheinlich ätherisches Öl und eine flüchtige Säure aus den Harzdrüsen an den Fruchtknoten der Blüten. Es betäubt viele Insekten (Fliegen, Wanzen, Flöhe, Motten, Ameisen, Blattläuse, Kopfläuse) und tötet sie bei längerer Einwirkung, während es für den Menschen unschädlich ist. Es muß in Flaschen aufbewahrt werden, verliert indes unter allen Umständen mit der Zeit seine Wirksamkeit. Es wird sehr stark verfälscht, sowohl in den Produktionsländern als bei uns. Man streut I. überall dorthin, wo man Insekten vertilgen will,

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und bedient sich hierzu für manche Fälle kleiner Papierröllchen, Glasröhren oder kleiner Blasebälge, mit denen man z. B. die Fensterscheiben anbläst. Sehr wirksam ist auch eine Tinktur, die man durch Übergießen von 1 Teil I. mit 2 Teilen Wasser und 2 Teilen starkem Alkohol und Filtrieren nach acht Tagen bereitet. Diese Tinktur kann besonders bei Bettstellen angewendet werden. Reisende in den Tropen benetzen mit der verdünnten Tinktur den Körper, um sich vor Moskitos zu schützen. Ein wässeriger Ausguß als Klistier ist gegen Askariden bei Menschen empfohlen worden. Metallisches I. besteht aus Zinkstaub, kohlensaurer Magnesia und persischem I.
 
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Insektensammlung, zur Beförderung des Studiums, berücksichtigt, je nach den speziellern Zwecken, denen sie dienen soll, mehr systematische oder biologische Verhältnisse. Sie sucht möglichste Vollständigkeit zu erreichen in gewissen Klassen oder Ordnungen oder in der Fauna eines Landes; sie strebt nach großen Reihen von Formen einzelner Arten, Lokalrassen, durch Züchtung umgewandelter Insekten etc. und berücksichtigt auch die verschiedenen Entwickelungsstadien (Eier, Larven, Puppen), oder sie dient ganz speziellen Zwecken, indem sie z. B. für die gegenseitigen Beziehungen zwischen Blüten und Insekten, für die Lehre von der Nuancierung etc. Belege sucht; endlich werden für Landwirte, Gärtner und Forstwirte Sammlungen nützlicher und schädlicher Insekten angelegt. Man fängt die Insekten mit Kescher, Schere, Schirm etc. und erzielt um so größere Ausbeute, je mehr man die Lebensweise der Insekten berücksichtigt. Nächtlich lebende Insekten werden durch Laternenlicht herbeigelockt, auch erlangt man z. B. seltenere Schmetterlinge leichter, wenn man ein eben ausgekrochenes Weibchen an geeigneter Stelle aussetzt; es finden sich dann sehr bald Männchen derselben Art ein. Nachtschmetterlinge, die bei Tage an Baumstämmen etc. sitzen, fängt man am sichersten durch Betröpfeln oder Bespritzen mit Chloroform oder Äther. Für viele Arten ist Aufzucht aus Eiern oder Raupen der Jagd bei weitem vorzuziehen, und manche sind nur durch Zucht zu erhalten. Die gefangenen Insekten müssen ohne Verletzungen getötet werden, wobei man Äther, Chloroform, Spiritus, Cyankalium, auch wohl schweflige Säure, Tabakssaft etc. anwendet. Dann folgt die Präparation, das Ausspannen der Flügel, Ordnen der Beine und Fühler, das Ausdrücken, Aufblasen und Trocknen der Raupen etc. Zur Aufbewahrung dienen mit Glas verschlossene Kasten, zur Abhaltung von schädlichen Insekten Naphthalin. Trockenheit des Lokals und Abhaltung des Lichtes sind unerläßlich. Vgl. Hoffer, Praxis der Insektenkunde (Wien 1892).
 
Artikelverweis 
Insektivoren, s. Insectivora.
 
Artikelverweis 
Insektizide (franz. insecticides), Insektengifte zur Vertilgung schädlicher Insekten, s. Meyers Pflanzenschutz.
 
Artikelverweis 
Insektolōg (schlechter Ausdruck für Entomolog), Insektenkenner.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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