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Innsbruck bis Ino (Bd. 6, Sp. 850 bis 854)
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Artikelverweis Innsbruck (hierzu der Meyers Stadtplan mit Karte der Umgebung von I.), Hauptstadt von Tirol, in schöner Lage, 574 m ü. M., zu beiden Seiten des Inn, unweit der Mündung der Sill, an den Linien Kufstein-Ala der Südbahn und I.-Bregenz der Staatsbahnen, im Mittelpunkt einer weiten Ebene, die im N. von den schroffen Felswänden der Nordtiroler Kalkalpen (Solstein 2641 m, Frauhitt 2272 m), im S. von den Ausläufern der Stubaier und Zillertaler Alpen (Saile 2406 m, Waldrastspitze 2719 m, Patscher Kosel 2248 m) begrenzt wird. Die Stadt hat breite Straßen und namentlich in den neuen Stadtteilen ansehnliche Gebäude. Über den Inn führen drei eiserne Brücken. Unter den Kirchen ist die bedeutendste die Franziskaner- oder Hofkirche, 155363 im Renaissancestil erbaut, mit dem prachtvollen Grabdenkmal Maximilians I. (dessen Leichnam jedoch in Wiener-Neustadt beigesetzt ist), einem Marmorsarkophag mit schönen Reliefs von Alex. Colins und der knieenden Gestalt des Kaisers, umgeben von 28 kolossalen Erzstatuen von berühmten Fürsten und Fürstinnen (s. Tafel Meyers »Bildhauerkunst VIII«, Fig. 4). An der linken Seitenwand der Kirche befinden sich das Grabdenkmal Andreas Hofers, daneben die Denkmäler Speckbachers und Haspingers, auf der andern Seite das Monument der in den Befreiungskämpfen von 17961809 gefallenen Tiroler. Die sogen. silberne Kapelle enthält die Grabmäler des Erzherzogs Ferdinand (gest. 1595) und seiner Gemahlin Philippine Welser, beide von

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Alex. Colins. Andre bemerkenswerte Kirchen sind: die Stadtpfarrkirche zu St. Jakob (1721 vollendet) mit Marienbild von L. Cranach und Grabmal des Deutschmeisters Erzherzog Maximilian (gest. 1618), die Universitäts- oder Jesuitenkirche (1640), die Servitenkirche (1614) und die Klosterkirche zur ewigen Anbetung, mit neuem Mosaikbild an der Fassade. Unter den weltlichen Gebäuden zeichnen sich aus: die kaiserliche Burg (176670 im Zopfstil umgebaut), mit großem, freskengeschmücktem Saal; die 1425 von Friedrich mit der leeren Tasche erbaute Fürstenburg mit einem schönen gotischen Erker, dessen Dach mit vergoldeten Kupferplatten gedeckt ist (»Goldenes Dachel«); die Ottoburg (von 1234), das Rathaus, das Stadttheater, das Museum, das Landhaus (1728), das Postgebäude (ehemals Palais Thurn und Taxis), das Justizgebäude (1887), die neuen Stadtsäle (für öffentliche Festlichkeiten, 1890 erbaut), das katholische Kasino u. a. In der Mitte der Maria Theresien-Straße befindet sich die Annasäule, zum Andenken an die Räumung des Landes durch die bayrischen und französischen Truppen 1703 errichtet; am südlichen Ende dieser Straße die Triumphpforte (1765 anläßlich der in I. gefeierten Vermählung des nachmaligen Kaisers Leopold II. erbaut); in den Anlagen am Innufer das Standbild Walters von der Vogelweide, auf dem Margaretenplatz ein Brunnen mit der Statue Rudolfs IV., vor den Stadtsälen der Leopoldsbrunnen mit dem Reiterstandbild des Erzherzogs Leopold (gest. 1632). Sehenswert ist ferner der neue Friedhof im W. der Stadt.
   I. zählt (1900) 26,866 meist deutsche, kath. Einwohner (darunter 2475 Mann Militär); seit der 1903 erfolgten Vereinigung von Wilten und Pradl mit I. ist die Bewohnerzahl auf 41,108 gestiegen. Als Vororte von I. sind die angrenzenden Orte: Hötting (5693 Einw.) und Mühlau (1017 Einw.) zu betrachten. Die Industrie erstreckt sich auf Baumwollspinnerei und -Weberei, Tuchfabrikation, Samtweberei, Fabrikation von Leibwäsche, Strohhüten, Möbeln, Maschinen, Metallwaren, Glocken, Teigwaren, Kaffeesurrogaten, Essig, Seifen und Kerzen, Bierbrauerei, Glasmalerei, Buchdruckerei u. a. Von Bedeutung ist auch der Handel und während der Sommermonate der Fremdenverkehr. I. ist Stadt mit eignem Gemeindestatut und Sitz der Statthalterei, einer Bezirkshauptmannschaft (für die Umgebung), des Oberlandesgerichts, eines Landesgerichts, der Finanzlandes- und Bezirksdirektion, der Post- und Telegraphendirektion, der Staatsbahndirektion, der Forst- und Domänendirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, des Landeskulturrates, des 14. Korpskommandos, des Tiroler Landtags etc. sowie eines deutschen Konsuls. Als Unterrichtsanstalten sind hervorzuheben: die Leopold Franzens-Universität (vom Kaiser Leopold I. 1677 gegründet, 1858 durch die theologische und 1869 durch die medizinische Fakultät vervollständigt, neuerdings mit juristischen Kursen für Italiener; s. unten) mit (1901) 123 Lehrenden und 1019 Studierenden, einer Bibliothek von 160,000 Bänden, einem anatomischen, pathologischen und physiologischen Institut, einem chemischen Laboratorium, einem wegen seiner Alpenflora bekannten botanischen Garten etc.; ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Staatsgewerbeschule und eine Handelsakademie. Klöster gibt es 10, darunter das älteste Kapuzinerkloster in Deutschland (von 1594), ein Kloster der Ursulinerinnen mit höherer Töchterschule, das Prämonstratenser- und das Karmeliterinnenkloster in Wilten. Ferner besteht hier eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Landeshypothekenanstalt, eine Sparkasse, eine städtische Pfandleihanstalt, ein Lagerhaus, ein Landesmuseum (Ferdinandeum) mit reichen Sammlungen von naturgeschichtlichen und Kunstgegenständen, ein städtisches Krankenhaus, eine Landesgebäranstalt (Wilten) und ein von I. v. Sieberer gestiftetes Waisenhaus sowie ein weltliches adliges Damenstift. I. hat Badeanstalten, Gas- und elektrische Beleuchtung. Beliebte Punkte der Umgebung (s. die Karte) sind: Schloß Meyers Ambras (s. d.), der Berg Meyers Isel (s. d.), die Weiherburg, die Lanser Köpfe (931 m), die beliebte Sommerfrische Igls (870 m, mit Hotels, Pensionen und 264 Einw.) und der Patscher Kosel (2248 m). Eine Dampfstraßenbahn führt von I. nach Hall und zum Berg Isel; von da gehen Lokalbahnen nach Igls und in das Stubaital.
   Geschichte. I. ist zwar eine mittelalterliche Schöpfung, steht aber auf einem Boden, der als Ausgangspunkt der Brennerstraße schon in der Römerzeit besiedelt war; südlich von I. lag Veldidena, das heutige Dorf Wilten, eine Hauptniederlassung der Römer in Rätien. Nachdem diese in der Völkerwanderung zerstört worden, erstand 1128 das Prämonstratenserstift Wilten und auf dem Schloßberg von Ambras die Burg der bajoarischen Gaugrafen vom Inntal, als welche uns die Grafen von Andechs im 12. Jahrh. entgegentreten. Zunächst gehörte I., zum erstenmal 1028 urkundlich genannt, zum Kloster Wilten, dann bildete sich unter den Andechs-Meranern an der Fähre über den Inn eine Ansiedelung, und aus der Innüberfahrt wurde eine Innbrücke, woraus Name und Wappen des Ortes entstand. 1232 wurde I. von dem letzten Andechs-Meraner, Herzog Otto, zur Stadt erhoben. Als 1363 Tirol an Österreich kam, wurde I. Landeshauptstadt, und Friedrich mit der leeren Tasche schlug zuerst hier seine bleibende Residenz auf. In der Folge erhielt I. besondern Glanz durch den häufigen Aufenthalt Maximilians I. daselbst und der tirolisch-habsburgischen Fürsten. Ein neuer Aufschwung der Stadt erfolgte im vorigen Jahrhundert. In nationaler Hinsicht zeigte sich in den letzten Jahrzehnten ein stetes Anwachsen der italienischen Bevölkerung in I., das begünstigt wurde durch zahlreiche italienische Studenten an der Universität. Die Umwandlung der seit längerer Zeit an der Universität gehaltenen italienischen Kurse für Rechtshörer in eine selbständige (provisorische) Rechtsfakultät in I. veranlaßte bei deren Eröffnung 3. Nov. 1904 blutige Straßenkämpfe zwischen der italienischen Studentenschaft und der deutschen Bevölkerung der Stadt. Vgl. Zoller, Geschichte und Denkwürdigkeiten der Stadt I. (Innsbr. 181625, 2 Bde.); B. Weber, Innsbruck (das. 1838); Probst, Geschichte der Universität in I. (das. 1869); Gwercher, I. und dessen nächste Umgebung (das. 1880); Noë, Illustrierter Führer durch I. (das. 1901); Hirn, Innsbrucks historischer Boden (Wien 1896); Unterkircher, Chronik von I. (Innsbr. 1897).
 
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Inns of Court (engl., spr. kört), in England Gesamtname der freien Innungen oder Assoziationen der Rechtsgelehrten und der die Rechtswissenschaft Studierenden, deren es in London vier gibt (s. Meyers Barrister). Dann Bezeichnung der großen, prächtigen Gebäude oder Gebäudekomplexe für die Mitglieder der I.-Inns of Chancery heißen die den I. nachgebildeten (und denselben auch meist attachierten) Assoziationen oder Rechtsschulen in denen das Equityrecht

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(s. Meyers Billigkeit) gelehrt wird, während die I. hauptsächlich Schulen des gemeinen englischen Rechts (common law) sind. Vgl. Pearce, History of the Inns of Court (Lond. 1847); Spence, Equitable jurisdiction of the Court of Chancery (das. 1849, 2 Bde.).
 
Artikelverweis 
In nuce (lat.), »in der Nuß«, d. h. zusammengedrängt, in Kürze, im kleinen.
 
Artikelverweis 
Innuit, s. Meyers Eskimo.
 
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Inn und Knyphausen, fries. Dynastengeschlecht, das bis 1624 die Herrschaft Meyers Kniphausen (s. d.) besaß, erbte 1554 die Herrschaft Lützburg und wurde, nachdem letztere 1584 in ein Fideikommiß verwandelt worden war, 1588 in den Reichsfürstenstand erhoben. Eine ältere, 1737 ausgestorbene Linie war seit 1694 reichsgräflich, die gegenwärtig blühende aber seit 1816 gräflich (Hannover), ist seit 1900 von Preußen nach dem Rechte der Erstgeburt gefürstet, während die Nachgebornen den Titel »Grafen« führen. Das Haupt der Familie ist seit 1867 erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Gegenwärtig (1904) ist dies Fürst Edgar zu I., Edler Herr zu Lützburg und Bergum (geb. 14. Dez. 1827 in Hannover). Er studierte die Rechte, war hannoverscher Kammerherr und Landschaftsrat für Ostfriesland, ward nach der Annexion Hannovers bald Vorsitzender des Provinziallandtages, des Provinzialausschusses, der reformierten Landessynode für Hannover sowie des landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland und gehörte 189398 und wiederum seit 1899 (in einer Nachwahl gewählt) als konservatives Mitglied dem Reichstag an; dem preußischen Herrenhaus präsidiert er seit Januar 1904.
 
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Innungen (ursprünglich »Einungen«), allgemeine Bezeichnung für Gilden und Zünfte, dann für die im 19. Jahrh. nach Einführung der Gewerbefreiheit fortbestehenden oder neugebildeten freien Korporationen von Angehörigen gleicher (Fach-I.) oder verwandter (gemischte I.) Gewerbe zur Förderung gemeinsamer gewerblicher Interessen. In Preußen ließ die Gesetzgebung von 1810 und 1811, welche die Gewerbefreiheit einführte, die Zünfte als freie I. bestehen. Nach der Gewerbeordnung von 1845 mußten die Statuten derselben revidiert und den Vorschriften der § 101117 angepaßt werden. Das Gesetz regelte näher die Organisation und Rechte neuer I. und unterschied hierbei solche, die den Befähigungsnachweis für ihre Mitglieder zu fordern hatten, und I., für deren Mitglieder dieser Nachweis nicht obligatorisch war. Jene I. erlangten durch die Bestätigung ihrer Statuten die Rechte einer Korporation. Sie sollten die gemeinsamen gewerblichen Interessen fördern, insbes. die Aufnahme, Ausbildung und das Betragen der Lehrlinge, Gesellen oder Gehilfen der Innungsgenossen beaufsichtigen, die Verwaltung der Kranken-, Sterbe-, Hilfs- und Sparkassen der Innungsgenossen leiten und für die Witwen und Waisen derselben Fürsorge treffen. Ein Beitrittszwang bestand nicht, aber in einer großen Zahl von Gewerben wurde die Befugnis, Lehrlinge zu halten, davon abhängig gemacht, daß die Gewerbtreibenden entweder in eine Innung nach vorgängigem Beweis der Befähigung zum Betrieb des Gewerbes aufgenommen waren, oder diese Befähigung besonders nachgewiesen hatten. Die Verordnung vom 9. Febr. 1849 (s. Meyers Gewerbegesetzgebung, S. 787), die formell bis 1868 in Kraft blieb, machte den selbständigen handwerksmäßigen Gewerbebetrieb bei einer sehr großen Zahl von Gewerben (§ 23) abhängig von der Mitgliedschaft einer Innung nach vorgängigem Befähigungsnachweis oder von dem Nachweis der Befähigung vor einer Prüfungskommission. Die I. wurden noch dadurch bevorzugt, daß durch Ortsstatuten Aufnahme und Entlassung aller Lehrlinge, sobald für das Gewerbe am Ort eine Innung bestand, vor diese gewiesen und derselben eine Mitwirkung bei der Aussicht über die Ausbildung und das Betragen selbst derjenigen Lehrlinge, deren Lehrherren nicht zur Innung gehörten, eingeräumt werden konnte. In andern deutschen Staaten wurden bei Einführung der Gewerbefreiheit die alten Zünfte aufgehoben, die etwaige Neubildung gewerblicher Vereinigungen aber wurde ganz der freien Assoziation überlassen und dem gewöhnlichen Vereinsrecht unterstellt, so in Württemberg und Baden 1862, ferner in Bayern 1848, nachdem man hier 1825 und 1862 mit geringem Erfolg staatlich organisierte Zwangsverbände an die Stelle der alten Zünfte gesetzt hatte (doch wurden diese durch Gesetz vom 30. Jan. 1868 als aufgehoben erklärt). In einer Reihe von norddeutschen Staaten (z. B. in Oldenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck) wurde den Zünften die Wahl gelassen, sich aufzulösen und ihr Vermögen zu teilen oder als freie I. fortzubestehen, die Neubildung aber der freien Assoziation überlassen. In einigen andern (Sachsen, Braunschweig, einzelnen thüringischen Staaten) wurden die alten Korporationen als öffentliche I. mit bestimmten gewerblichen Befugnissen erhalten, die Neubildung ähnlicher unter staatliche Oberaufsicht gestellt.
   Die deutsche Gewerbeordnung von 1869 ließ alle gesetzlich bestehenden Korporationen von Gewerbtreibenden (I., Zünfte) als freie I. fortbestehen, ließ auch ihre Statuten, soweit sie nicht der Gewerbeordnung widersprachen, in Kraft, regelte aber in freiheitlicher Weise den Ein- und Austritt der Mitglieder und begünstigte die Auflösung. Sie regelte ferner die Bildung neuer I., gewährte diesen aber nur die Eigenschaft privatrechtlicher Vereine. Da die Bestimmungen sich als völlig ungenügend erwiesen und die I., die noch aus früherer Zeit zahlreich sich erhalten hatten (in Preußen z. B. über 6000), zur Förderung des Gewerbewesens wenig leisteten, suchte das Innungsgesetz vom 18. Juli 1881 durch eine neue Regelung der I., durch eine Umgestaltung ihres Charakters und Erweiterung ihrer Rechte und Befugnisse, insbes. auch durch Bestimmungen, die eine Art indirekten Beitrittszwanges bezweckten, einen bessern Zustand des Innungswesens herbeizuführen. Wesentliche Änderungen brachte die Novelle vom 26. Juli 1897. Nach heutigem Rechte (Gewerbeordnung in der Fassung vom 26. Juli 1900, § 81 ff.) sind die I. öffentlich-rechtliche Korporationen von selbständigen Gewerbtreibenden zur Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen. Das Gesetz gestattet die Mitgliedschaft auch Personen, die in einem Gewerbe, für das die Innung errichtet ist, angehörenden Großbetriebe als Werkmeister oder in ähnlicher Stellung beschäftigt sind oder beschäftigt waren, diese Tätigkeit aber aufgegeben haben und eine andre gewerbliche Tätigkeit nicht ausüben, unter derselben Voraussetzung früherer selbständiger Gewerbtreibenden, ferner den landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betrieben gegen Entgelt beschäftigten Handwerkern sowie die Ehrenmitgliedschaft andrer Personen. Aufgabe der I. ist: 1) Pflege des Gemeingeistes sowie die Aufrechterhaltung und Stärkung der Standesehre unter den Innungsmitgliedern; 2) die Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen sowie die Fürsorge für das Herbergswesen und den Arbeitsnachweis; 3) die nähere Regelung

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des Lehrlingswesens und der Fürsorge für die technische, gewerbliche und sittliche Ausbildung der Lehrlinge; 4) Entscheidung von Streitigkeiten zwischen den Innungsmitgliedern und ihren Lehrlingen. Doch sind die I. auch befugt, ihre Wirksamkeit noch auf andre, den Innungsmitgliedern gemeinsame gewerbliche Interessen auszudehnen, wie Errichtung von Fachschulen für Lehrlinge, Förderung der gewerblichen Ausbildung der Meister und Gesellen, Veranstaltung von Gesellen- und Meisterprüfungen, Ausstellung von Prüfungszeugnissen, Einrichtung gemeinschaftlicher Geschäftsbetriebe (also, da für alle Verbindlichkeiten der Innung nur das Innungsvermögen haftet, ohne gewöhnliche Haftung der Mitglieder), Errichtung von Hilfskassen für Meister und Gesellen, Lehrlinge und Arbeiter, Errichtung von Schiedsgerichten zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen den Innungsmitgliedern und ihren Gesellen und Arbeitern an Stelle der sonst zuständigen Behörden. Die I. stehen unter Aussicht der Gemeindebehörde, ihre Statuten bedürfen der Genehmigung durch die höhere Verwaltungsbehörde. Sie genießen die Rechte einer juristischen Person, die von ihnen statutarisch angelegten Beiträge und verhängten Ordnungsstrafen können wie Gemeindeabgaben zwangsweise eingezogen werden. Ihre Entscheidungen über Streitigkeiten der Mitglieder mit ihren Gesellen und Lehrlingen sind vorläufig vollstreckbar. Sie sind öffentlichrechtliche, nicht privatrechtliche Korporationen. Gewerbtreibende, die den gesetzlichen oder statutarischen Anforderungen entsprechen, müssen aufgenommen werden (Prinzip der Expansion). Dagegen sind eine Reihe von Privilegien, die ihnen das bisherige Recht eingeräumt hatte (z. B. die Befugnis der höhern Verwaltungsbehörde, Nichtmitgliedern das Halten von Lehrlingen zu verbieten, Nichtmitglieder zu den Kosten der Innungseinrichtungen heranzuziehen, die Gerichtsbarkeit der Innungsschiedsgerichte auf Nichtmitglieder auszudehnen), durch die Novelle vom 26. Juli 1897 gefallen. Dieser indirekte Beitrittszwang war überlebt, seitdem die Möglichkeit der Zwangsinnungen geschaffen war. Hervorzuheben ist jedoch der Einfluß, der den I. auf den Abschluß des Lehrlingsvertrags eingeräumt ist. (Vgl. Gewerbeordnung, § 129 b, 130 a ff.) Die von den Innungsmitgliedern beschäftigten Gesellen nehmen in beschränktem Maß an der Erfüllung der Aufgaben der I. und ihrer Verwaltung teil, soweit dies durch Gesetz oder Statut bestimmt ist. Sie wählen zu diesem Zweck einen Gesellenausschuß. Kraft Gesetzes ist dessen Beteiligung vorgeschrieben bei der Regelung des Lehrlingswesens und bei der Gesellenprüfung sowie bei Begründung und Verwaltung aller Einrichtungen, für welche die Gesellen Beiträge leisten, oder die zu ihrer Unterstützung bestimmt sind.
   Die wichtigste Neuerung der Novelle vom 26. Juli war die Einführung der fakultativen Zwangsinnung. Die großen Hoffnungen, die man auf die Neubelebung des Innungswesens durch die Novelle von 1881 gesetzt hatte, hatten sich nicht erfüllt; man glaubte das Heilmittel für die Gebrechen des Handwerks in einer noch festern Organisation des Handwerks zu finden; die Novelle vom 26. Juli 1897 erfüllt zwar den vielfach vertretenen Wunsch nach Wiedereinführung des mittelalterlichen Zunftzwanges nicht, sah auch von einer direkten Einführung der Zwangsinnungen durch das Gesetz ab, stellte diese vielmehr in das Ermessen der Interessenten. Auf Antrag Beteiligter kann die höhere Verwaltungsbehörde, falls die Mehrheit der beteiligten Gewerbtreibenden zustimmt, verfügen, daß sämtliche Gewerbtreibende desselben oder verwandter Handwerke in einem bestimmten Bezirk einer neu zu bildenden Innung anzugehören haben (fakultative Zwangsinnung). Ist eine solche gebildet, so hört die für dasselbe Gewerbe bestehende Innung auf, ihr Vermögen geht kraft Gesetzes auf die Zwangsinnung über.
   Höhere Verbände auf dem Gebiete des Innungswesens bestehen in Gestalt des Innungsausschusses (eines gewählten Organs zur Vertretung der gemeinsamen Interessen mehrerer derselben Aufsichtsbehörde unterstellten I., dem die Landeszentralbehörde juristische Persönlichkeit verleihen kann), und des Innungsverbandes, d. h. einer öffentlichen Korporation, die aus den I. verschiedener Aufsichtsbezirke gebildet wird. Dieser größere Verband ist schon durch seine reichern Mittel besser in der Lage, gemeinsame Einrichtungen, wie z. B. Fachschulen, zu organisieren, als die einzelnen I. und besitzt auch die größere Autorität, um einer geplanten einheitlichen Regelung, z. B. des Lehrlingswesens oder des Arbeitsnachweises, Anerkennung zu verschaffen.
   Ob diese Neuregelung des Innungswesens im Bunde mit andern durch die Novelle von 1897 getroffenen gesetzgeberischen Maßnahmen für das Handwerk, z. B. Einführung von Handwerkerkammern, Regelung des Lehrlingswesens, Einschränkung der Berechtigung zur Führung des Meistertitels, den erwünschten Aufschwung des Handwerks herbeiführen werden, ist recht zweifelhaft. In Handwerkerkreisen hegt man schon jetzt weitergehende Wünsche: obligatorische Innungsverbände, Innungskammern, Reichsinnungsamt, Befähigungsnachweis etc. Über deren Wert sind die Meinungen selbst in Interessentenkreisen nicht ungeteilt.
   In Österreich hat die Gewerbeordnung von 1859 einen Versuch gemacht, unter dem Namen »Genossenschaften« (Gewerbegenossenschaften) Zwangsinnungen durchzuführen als örtliche Vereinigung gleicher oder verwandter Gewerbe, denen jeder, der in dem Bezirk eines solchen Verbandes das betreffende Gewerbe betrieb, als Mitglied angehörte. Die Novelle vom 15. März 1883 traf unter Beibehaltung des Beitrittszwanges eine neue Regelung, indem sie den Genossenschaften einerseits eine größere Ausdehnung gab, anderseits sie auf Gewerbsunternehmungen, die nicht fabrikmäßig betrieben werden, beschränkte. Vereinigungen verschiedener Gewerbe auch eines größern Bezirks sind zugelassen. Der Wirkungskreis der I. ist erweitert (Sorge für ein geordnetes Lehrlingswesen, Gründung von Fachlehranstalten, Bildung von schiedsgerichtlichen Ausschüssen zur Austragung der Streitigkeiten zwischen den Genossenschaftsmitgliedern und ihren Hilfsarbeitern), die Organisation geändert (neben der Genossenschaftsversammlung und der Genossenschaftsvorstehung besteht auch eine Gehilfenversammlung), das Krankenkassenwesen der I. neu geregelt etc. Vor 1883 bestanden 2876 Genossenschaften, davon viele als Überreste alter I., 1891 deren 5113, darunter 722 Fachgenossenschaften (für einzelne Gewerbe), 2252 für Gruppen verwandter Gewerbe, 2139 Kollektivgenossenschaften (Territorial- oder Reihengenossenschaften). 2857 Genossenschaften hatten Gehilfenversammlungen, 2657 schiedsgerichtliche Ausschüsse. Gegenwärtig hoffen die Gewerbtreibenden das Genossenschaftswesen durch Gründung der gesetzlich erlaubten Genossenschaftsverbände zu beleben. England hat keine besondere Gesetzgebung

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für I., auch keine Korporationen dieser Art. In Frankreich waren von 17911884 (Gesetz vom 2. bis 17. März 1791) I. wie gewerbliche Assoziationen überhaupt verboten; die tatsächlich geduldeten Unternehmerverbände (syndicats professionnels) hatten weder den Charakter der deutschen I. noch den der deutschen Gewerbevereine.
   Vgl. Jacobi, Die Innungsbewegung in Deutschland (in Schmollers »Jahrbuch für Gesetzgebung«, Bd. 7, 1883); Schönberg, Artikel »Gewerbe« im »Handbuch der politischen Ökonomie«, Bd. 2 (4. Aufl., Tübing. 1896); Wilh. Stieda, Literatur über die Innungsfrage in »Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik« (neue Folge, Bd. 2, S. 273282; 3. Folge, Bd. 12, S. 1 ff.) und im »Handwörterbuch der Staatswissenschaften« (2. Aufl., Jena 1900); v. Rohrscheidt, Das Innungs- und Handwerkergesetz für den praktischen Gebrauch erläutert (2. Aufl., Leipz. 1898) und Normalstatuten für freie und Zwangsinnungen (das. 1898); Fleischmann,. Innungsleitfaden (Berl. 1901); Grunenberg, Die Wirkung des Gesetzes vom 26. Juli 1897 auf das Handwerk (Krefeld 1902); Neuhaus, I., und Innungsausschüsse (Leipz. 1902). Für Österreich: »Die gewerblichen Genossenschaften in Österreich« (Wien 1895, 2 Bde.) und »Arbeitsvermittelung in Österreich« (das. 1898), beide Werke herausgegeben vom statistischen Departement im Handelsministerium; Mataja, Gewerberecht und Arbeiterversicherung (Leipz. 1899).
 
Artikelverweis 
Innungsgerichte, s. Meyers Gewerbegerichte.
 
Artikelverweis 
Innungsschulen, s. Meyers Fachschulen und Meyers Fortbildungsschulen.
 
Artikelverweis 
Innungstag, deutscher, s. Meyers Handwerkertage.
 
Artikelverweis 
Innviertel, s. Meyers Inn.
 
Artikelverweis 
Ino, Gattin des Athamas (s. d. und Leukothea).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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