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In nomĭne bis Innungen (Bd. 6, Sp. 848 bis 852)
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Artikelverweis In nomĭne (lat.), im Namen, in Vollmacht; i. n. Dei oder Domini, im Namen Gottes oder des Herrn.
 
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Innormāl (neulat.), soviel wie abnorm, regelwidrig.
 
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Innovation (lat., »Verjüngung«), die im Pflanzenreich überaus verbreitete Erscheinung, daß die vegetative Tätigkeit von ältern Teilen fortgesetzt auf neue Ausgliederungen, z. B. von absterbenden Sprossen auf junge, übergeht.
 
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Innoveczgebirge (spr. -wez-), ein Teil der Kleinen Fátra in Ungarn, der, unterhalb Trentschin beginnend, sich im Innovecz zu 1042 m Höhe erhebt und sich als schmaler Gebirgsrücken in südlicher Richtung zwischen der Waag und Neutra bis Freistadtl hinzieht (Freistadtler Gebirge).
 
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Innŏzenz (lat. Innocentius, »der Unschuldige«), Name von 13 Päpsten:
   1) I. I., der Heilige, aus Albano, seit 402 Bischof zu Rom, war bemüht, den päpstlichen Primat auch außerhalb Italiens geltend zu machen. 409 suchte er vergeblich mit einer Deputation des römischen Senats in Ravenna zwischen Kaiser Honorius und dem Westgotenkönig Alarich zu vermitteln. In einem Sendschreiben an die afrikanischen Bischöfe verdammte er die Lehre des Pelagius und schloß jenen und seine Anhänger aus der Kirchengemeinschaft aus. Er starb 12. März 417 und wurde heilig gesprochen. Tag: 28. Juli.
   2) I. II., vorher Gregor, aus der röm. Adelsfamilie der Papareschi, stand in Beziehungen zu dem Gegenpapst Wibert (Clemens III.) und ward entweder von diesem oder von Paschalis II. zum Kardinaldiakon ernannt. Er war einer der Unterhändler des Wormser Konkordats in Deutschland und ward 14. Febr. 1130 von einem Teil der Kardinäle auf den päpstlichen Stuhl erhoben, während die andern Petrus Leonis (Anaclet II.) wählten. I. mußte vor diesem aus Rom flüchten, ward aber auf Verwendung Bernhards von Clairvaux von König Ludwig VI. von Frankreich, bald darauf von Lothar von Deutschland und von Heinrich I. von England sowie endlich auch von Spanien als Papst anerkannt. Nach einer in Lüttich getroffenen Vereinbarung setzte ihn Lothar 1133 in Rom mit bewaffneter Hand auf den päpstlichen Stuhl; I. krönte dafür Lothar zum Kaiser, mußte aber bald nach Lothars Abzug nach Pisa fliehen. Zwar zog der Kaiser 1136 zum zweitenmal nach Italien und demütigte Anaklet wie seinen Beschützer, Roger von Sizilien, allein Anaklet gab seine Ansprüche nicht auf. Nach dessen Tod (1138) wählten die I. feindlich gesinnten Kardinäle einen neuen Gegenpapst, Viktor IV., den indessen Bernhard von Clairvaux zur Abdankung bewog. 1139 hielt I. eine Lateransynode ab, auf der Arnold von Brescia verdammt, Roger von Sizilien gebannt und die Erlasse Anaklets II. für ungültig erklärt wurden. Gegen Roger zog I. 1139 mit einem Heer, wurde aber 22. Juli samt seinen Kardinälen gefangen genommen und gezwungen, den Bann aufzuheben, Roger als König anzuerkennen und ihm und seinen Erben Apulien, Capua und Kalabrien zu Lehen zu geben. Während eines in Rom ausgebrochenen Aufstandes starb I. 24. Sept. 1143.
   3) I. (III.), vorher Lando von Sezza, wurde 22. Sept. 1179 von einer kleinen Partei als vierter Gegenpapst gegen Alexander III. gewählt, aber schon 1180 von Alexander gefangen genommen und nach Cava verbannt.
   4) I. III., vorher Lothar, geb. 1161 in Anagni, gest. 16. Juli 1216, Sohn des Grafen Trasmund aus dem in Segni und Anagni begüterten Haus Conti, studierte in Paris und Bologna, wurde unter Clemens III. 1190 Kardinal und nach dem Tode Cölestins III. 8. Jan. 1198 zum Papst gewählt. Der Regierungsantritt des reichbegabten Priesterfürsten, der als Stellvertreter Gottes auf Erden das Recht der unmittelbaren Beherrschung der Welt für sich in Anspruch nahm, fiel in eine Zeit, die seine großen Entwürfe besonders begünstigte. Zunächst erhielt I. durch den Tod des Kaisers Heinrich VI. Gelegenheit, bei der Verwirrung, die in Italien eintrat, den Kirchenstaat wiederherzustellen. Den kaiserlichen Präfekten der Stadt Rom vermochte er, ihm den Eid der Treue zu leisten; die kaiserlichen Statthalter verdrängte er und nahm die Mark Ancona, Teile von Tuscien und Spoleto in Beschlag. Zur Verteidigung dieser Erwerbungen gründete er einen Bund italienischer Städte. Die Kaiserin Konstanze, Witwe Heinrichs VI., mußte, bevor sie für sich und ihren Sohn den nachherigen Kaiser Friedrich II., die Belehnung mit Sizilien erhielt, auf alle der päpstlichen Macht nachteiligen, vom Papst Hadrian IV. 1156 zugestandenen Vorteile verzichten; vor ihrem Tode übertrug sie dem Papst die Vormundschaft über ihren Sohn. In Deutschland unterstützte I. im Thronstreite zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. den letztern; doch knüpfte er später mit dem siegreichen Philipp Verhandlungen an. Nach Philipps Ermordung (1208) ließ I. Otto, bevor er ihn krönte, auf alle von der Kirche beanspruchten Güter Verzicht leisten und die Freiheit der Appellation an den päpstlichen Stuhl und der kirchlichen Wahlen versprechen. Da sich aber

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Otto bald von der Leitung durch den Papst zu emanzipieren strebte, schleuderte I. 1210 denn Bannstrahl gegen ihn und stellte ihm sein Mündel Friedrich II. als Gegenkönig entgegen, der 1212 nach Deutschland kam, Otto IV. zurückdrängte und 1215 in Aachen gekrönt wurde. Den französischen König Philipp August, der seine Gemahlin Ingeborg, Tochter des Königs Waldemar von Dänemark, verstoßen und Agnes von Meran geheiratet hatte, nötigte I. 1200, Ingeborg wieder als seine rechtmäßige Gemahlin anzuerkennen. Auch zwang er Alfons X. von Leon und Galizien, sich 1203 von seiner Gemahlin wegen zu naher Blutsverwandtschaft zu trennen. Peter von Aragonien ließ sich in Rom von I. 1204 krönen und machte sein Reich dem Papst zinsbar. Auch der Bulgarenfürst Kalojohannes nahm seine Krone aus den Händen des Papstes; der portugiesische König Sancho I. verstand sich zu einem Tribut. Da König Johann von England den vom Papst zum Erzbischof von Canterbury ernannten Kardinal Stephan Langton nicht anerkannte, so verhängte I. 1208 das Interdikt über England, sprach über Johann selbst 1209 den Bann aus und brachte es dahin, daß jener 1213 sein Land vom Papst zu Lehen nahm sowie einen jährlichen Tribut zu zahlen verhieß. Im Orient triumphierte I. nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer; 1205 ward dort ein lateinischer Patriarch geweiht. Ebenso leitete I. 1204 die Kreuzzugsbewegung nach Livland, die dort die Gründung eines christlichen Ritterstaats zur Folge hatte. Innerhalb der Kirche vollendete I. mit strenger Disziplin das System des päpstlichen Absolutismus. 1215 hielt er die vierte ökumenische Lateransynode zu Rom ab, auf der Gesandte fast aller christlichen Höfe und Geistliche aus allen christlichen Ländern erschienen. Hier wurden die Wiedereroberung Palästinas und die Vernichtung der Ketzer beschlossen, die Lehre von der Transsubstantiation zum Glaubenssatz erhoben, die Ohrenbeichte zur Pflicht jedes Christen gemacht, die wichtigsten Rechts- und Disziplinarverhältnisse geordnet, die Mönchsorden der Franziskaner und Dominikaner bestätigt. Gegen die Waldenser und Albigenser ließ I. das Kreuz predigen und setzte Ketzergerichte ein. Auf einer Reise begriffen, um zwischen den zwiespältigen Städten Pisa und Genua zu vermitteln, ward I. vom Tod ereilt. Sein Privatleben war tadellos und rein, sein Geist gewaltig und kühn, sein Auftreten gewandt und erfolgreich. Seine Werke erschienen in Köln 1575 und in Venedig 1578; neue Ausgabe bei Migne, Patrologia latina, Bd. 214217. Vgl. Hurter, Geschichte Papst I. ' III. und seiner Zeitgenossen (3. u. 2. Aufl., Hamb. 184143, 4 Bde.); Deutsch, Papst I. III. und sein Einfluß auf die Kirche (Bresl. 1876); Schwemer, I. III. und die deutsche Kirche (Straßb. 1882); Brischar, Papst I. III. und seine Zeit (Freiburg 1883); Luchaire, Innocent III., Rome et l'Italie (Par. 1904); Gütschow, I. III. und England (Münch. 1904).
   5) I. IV., vorher Sinibald, aus der genuesischen Familie der Fieschi, studierte in Bologna die Rechte, war sodann Bischof von Albenga, päpstlicher Vizekanzler und seit 1227 Kardinal und wurde. nachdem der päpstliche Stuhl nach dem Tode Cölestins IV. 11/2 Jahr lang unbesetzt geblieben war, 25. Juni 1243 zum Papst erwählt. Obschon er bis dahin in freundschaftlichem Verhältnis zu Kaiser Friedrich II. gestanden hatte, so veränderte er doch nunmehr diesem gegenüber seine Haltung. Nachdem die Verhandlungen zwischen dem Papst und dem seit 1239 gebannten Kaiser gescheitert waren, flüchtete I. 1244 nach Lyon. Auf einer dahin berufenen Kirchenversammlung wurde Friedrich II. wegen Kirchenraubes, Meineides, Ketzerei und andrer Verbrechen 17. Juli 1245 vom Papst neuerdings gebannt und aller seiner Kronen für verlustig erklärt, worauf I. an die deutschen Fürsten die Aufforderung richtete, eine neue Königswahl vorzunehmen. Der Kampf zwischen Kaiser und Papst wurde mit furchtbarer Leidenschaft geführt und auch auf Friedrichs II. Sohn und Nachfolger Konrad IV. vererbt. Nach Konrads Tode (1254) bemühte sich der Papst, Neapel und Sizilien seiner Herrschaft zu unterwerfen, ernannte Friedrichs Sohn Manfred zum päpstlichen Vikar für einen Teil dieses Königreichs und zog 27. Okt. in Neapel ein, wo er 7. Dez. starb, nachdem er noch die Kunde von Manfreds Erhebung und seinem Sieg über das päpstliche Heer erhalten hatte. Seine Gelehrsamkeit und seine Kenntnis des kanonischen Rechts erwarben ihm den Beinamen Pater et organum veritatis. I. schrieb einen Kommentar über die fünf Bücher der Dekretalen Gregors IX. (gedruckt 1570). Vgl. Berger, Les registres d'Innocent IV. (Par. 188296, 3 Bde.); Tammen, Kaiser Friedrich II. und Papst I. IV. (Leipz. 1886); Rodenberg, I. IV. und das Königreich Sizilien (Halle 1892); Berger, Saint Louis et Innocent IV (Par. 1893).
   6) I. V., früher Peter, aus einer vornehmen Familie der Kirchenprovinz Tarentaise (Isère), trat im 16. Lebensjahr in den Dominikanerorden, wurde als eins der gelehrtesten Mitglieder seines Ordens Nachfolger des Thomas von Aquino auf dem Lehrstuhl der Theologie an der Sorbonne in Paris, 1272 Erzbischof von Lyon, 1275 Kardinalbischof von Ostia und 21. Jan. 1276 zum Nachfolger Gregors X. erwählt, starb aber schon 22. Juni d. J. Er schrieb: »Commentarius in libros sententiarum« (Toulouse 1651, 4 Bde.) und einen Kommentar über die Briefe des Paulus (Köln 1478 u. ö.).
   7) I. VI., früher Stephan Aubert, geb. zu Mons bei Beyssac in Limousin, gest. 12. Sept. 1362, ward 1338 in Noyon, 1340 in Clermont Bischof, 1352 Kardinalbischof von Ostia und Großpönitentiarius Er residierte nach seiner Erwählung zum Papst (18. Dez. 1352) in Avignon, ließ aber den Kirchenstaat durch den Kardinal Albornoz zurückerobern und Frieden und Ordnung herstellen. Gegen die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. protestierte er, gab aber seinen Widerspruch bald auf. 1360 vermittelte er den Frieden zu Bretigny zwischen Frankreich und England. Er bemühte sich, Reformen an der Kurie einzuführen und beschränkte den Aufwand seines Hofes. Vgl. Werunsky, Excerpta ex regestis Clementis VI. et Innocentii VI. (Innsbr. 1885) und Italienische Politik Papst I. VI. und König Karl IV. in den Jahren 1353 und 1354 (das. 1878); Daumet, Innocent VI et Blanche de Bourbon. Lettres du Pape (Par. 1899).
   8) I. VII., vorher Cosimo dei Migliorati, geb. in Solmona, gest. 6. Nov. 1406, ward 1386 Bischof von Bologna, 1387 Erzbischof von Ravenna, 1389 Kardinal und 17. Okt. 1404 von der italienischen Kardinalspartei zum Papst erwählt, während die Gegenpartei an Benedikt XIII. festhielt. Durch einen Aufstand, der 1405 in Rom ausbrach und vom neapolitanischen König Ladislaus gefördert wurde, wurde I. zur Flucht nach Viterbo genötigt, konnte aber schon 1406 zurückkehren. Seine Unterhandlungen zur Beilegung des Schismas hatten keinen Erfolg.

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   9) I. VIII., früher Giovanni Battista Cibò, geb. 1432 in Genua, gest. 25. Juli 1492, wurde 1467 unter Paul II. Bischof von Savona, 1473 unter Sixtus IV. Bischof von Molfetta und Kardinal und nach dessen Tode 29. Aug. 1484 zum Papst gewählt. Er war der erste Papst, der seine hohe Würde vornehmlich zur Ausstattung seiner eignen Familie verwertete, ein unselbständiger und sittenloser Mensch. In Verbindung mit Lorenzo de' Medici sorgte er für die Erhaltung des bestehenden politischen Zustandes in Italien. Nachdem er die Vereinigung aller christlichen Fürsten zu einem Kreuzzug gegen die Türken vergeblich angestrebt, hielt er den ihm vom Großmeister in Rhodos ausgelieferten Bruder und Nebenbuhler des Sultans Bajesid, Dschem, gegen ein Jahrgeld von 45,000 Dukaten, das der Sultan zahlte, in Haft. König Ferdinand von Neapel setzte er 1489 ab, versöhnte sich aber 1492 mit ihm. Durch die Bulle »Summis desiderantes« vom 5. Dez. 1484 hat I. die Hexenprozesse amtlich in den Schutz der Kirche genommen. Vgl. Pastor, Geschichte der Päpste, Bd. 3 (4. Aufl., Freiburg 1899).
   10) I. IX., früher Antonio Facchinetto, geb. 1519 in Bologna, wurde 1560 Bischof von Nicastro in Calabrien, 1575 Patriarch von Jerusalem, 1583 Kardinal und 29. Okt. 1591 zum Papst gewählt, starb aber schon 30. Dez. d. J.
   11) I. X., vorher Giovanni Battista Pamfili, geb. 7. Mai 1574 in Rom, gest. 5. Jan. 1655, ward unter Gregor XV. Nunzius in Neapel, von Urban VIII. dem Kardinal Franz Barberini nach Frankreich beigegeben und blieb hier bis zur Erlangung des Kardinalshutes als Nunzius und Patriarch von Antiochia. Trotz des Widerstrebens des französischen Hofes wurde er 15. Sept. 1644 zum Nachfolger Urbans VIII. erwählt. Er protestierte 1651 in der Bulle »Zelo domus Dei« gegen den Westfälischen Frieden und erließ 1653 die viel angefochtene Bulle »Cum occasione« gegen die »V propositiones« des Cornelis Jansen (s. Meyers Jansenismus). Während seines Pontifikats übte den größten Einfluß seine Schwägerin Olimpia Maidalchini (15941656) aus; sie beherrschte ihn und den Kirchenstaat und benutzte ihre Macht, um sich durch schamlose Mittel aller Art zu bereichern. Vgl. Gualdi, Vita di Donna Olimpia Maldachini (Ragusa 1667); Ciampi, Innocenzo X Pamfili e la sua corte (Imola 1878).
   12) I. XI., früher Benedetto Odescalchi, geb. 16. Mai 1611 in Como, gest. 11. Aug. 1689, studierte in Genua, Rom und Neapel die Rechte und diente dann in Polen und Deutschland im Dreißigjährigen Krieg. Später studierte er Theologie, wurde apostolischer Protonotar, Sekretär Innozenz' X., Gouverneur von Macerata, 1647 Kardinal, Legat von Ferrara, 1650 Bischof von Novara und 21. Sept. 1676 Papst. Er suchte dem Luxus, der Sittenverderbnis, der Käuflichkeit der Ämter zu steuern. In einer Bulle von 1679 sprach er sich zwar gegen 65 Lehrsätze der Jesuiten aus, machte dagegen diesen ein Zugeständnis durch die Verdammung Molinos' und der Quietisten. Mit Ludwig XIV. von Frankreich geriet er in Streit, weil dieser auch von den bis dahin von der Krone unabhängigen Kirchen während der Vakanz eines Bistums die Einkünfte verwalten und die dazu gehörigen Pfründen besetzen wollte. Da einige französische Bischöfe dagegen an den Papst appellierten, der für sie Partei nahm, ließ der König den päpstlichen Nunzius in Frankreich in Hast setzen und Avignon in Beschlag nehmen; eine 1682 von Ludwig XIV. berufene Versammlung des französischen Klerus stellte gegen die Machtansprüche des Papstes »IV propositiones cleri gallicani« auf (s. Meyers Gallikanische Kirche). Um in Rom unabhängig von den fremden Gesandten zu sein, hob I. deren Quartierfreiheit auf und rief dadurch neuen Streit mit dem französischen Hof hervor. Im Gegensatz zu der französischen Politik billigte I. sogar den Sturz der katholischen Stuarts in England, um die Bildung einer Koalition aller europäischen Mächte gegen Ludwig XIV. zu ermöglichen. Vgl. Bonamici, De vita et rebus gestis Innocentii XI. (Rom 1776; deutsch, Frankf. 1791); Michaud, Louis XIV et Innocent XI (Par. 188283, 4 Bde.); Immich, Papst I. XI. (Berl. 1900).
   13) I. XII., vorher Antonio Pignatelli, geb. 13. März 1615 in Neapel, gest. 27. Sept. 1700, ward 1672 Bischof von Lecce, 1681 Bischof von Faenza und Kardinal, 1687 Erzbischof von Neapel und 12. Juli 1691 Nachfolger Alexanders VIII. auf dem päpstlichen Stuhl. Unter seiner Regierung löste sich der Streit mit Frankreich, indem die »IV propositiones cleri gallicani« tatsächlich zurückgenommen wurden. Als Feind der Quietisten sprach I. über Fénelons »Maximes des saints« das Verdammungsurteil aus.
   14) I. XIII., vor seiner Thronbesteigung Michelangelo Conti, geb. 13. Mai 1655 in Rom, gest. 7. März 1724, ward 1693 Gouverneur von Viterbo, 1695 Erzbischof von Tarsos und Legat in der Schweiz, 1698 in Lissabon, 1706 Kardinal und bestieg 8. Mai 1721 den päpstlichen Stuhl. Er belehnte Kaiser Karl VI. mit Neapel, erhob gegen die Verleihung von Parma und Piacenza als Reichslehen einen wirksamen Protest und war ein entschiedener Gegner der Jesuiten. Vgl. Mayer, Die Papstwahl I.' XIII. (Wien 1874).
 
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Innsbruck (hierzu der Meyers Stadtplan mit Karte der Umgebung von I.), Hauptstadt von Tirol, in schöner Lage, 574 m ü. M., zu beiden Seiten des Inn, unweit der Mündung der Sill, an den Linien Kufstein-Ala der Südbahn und I.-Bregenz der Staatsbahnen, im Mittelpunkt einer weiten Ebene, die im N. von den schroffen Felswänden der Nordtiroler Kalkalpen (Solstein 2641 m, Frauhitt 2272 m), im S. von den Ausläufern der Stubaier und Zillertaler Alpen (Saile 2406 m, Waldrastspitze 2719 m, Patscher Kosel 2248 m) begrenzt wird. Die Stadt hat breite Straßen und namentlich in den neuen Stadtteilen ansehnliche Gebäude. Über den Inn führen drei eiserne Brücken. Unter den Kirchen ist die bedeutendste die Franziskaner- oder Hofkirche, 155363 im Renaissancestil erbaut, mit dem prachtvollen Grabdenkmal Maximilians I. (dessen Leichnam jedoch in Wiener-Neustadt beigesetzt ist), einem Marmorsarkophag mit schönen Reliefs von Alex. Colins und der knieenden Gestalt des Kaisers, umgeben von 28 kolossalen Erzstatuen von berühmten Fürsten und Fürstinnen (s. Tafel Meyers »Bildhauerkunst VIII«, Fig. 4). An der linken Seitenwand der Kirche befinden sich das Grabdenkmal Andreas Hofers, daneben die Denkmäler Speckbachers und Haspingers, auf der andern Seite das Monument der in den Befreiungskämpfen von 17961809 gefallenen Tiroler. Die sogen. silberne Kapelle enthält die Grabmäler des Erzherzogs Ferdinand (gest. 1595) und seiner Gemahlin Philippine Welser, beide von

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Alex. Colins. Andre bemerkenswerte Kirchen sind: die Stadtpfarrkirche zu St. Jakob (1721 vollendet) mit Marienbild von L. Cranach und Grabmal des Deutschmeisters Erzherzog Maximilian (gest. 1618), die Universitäts- oder Jesuitenkirche (1640), die Servitenkirche (1614) und die Klosterkirche zur ewigen Anbetung, mit neuem Mosaikbild an der Fassade. Unter den weltlichen Gebäuden zeichnen sich aus: die kaiserliche Burg (176670 im Zopfstil umgebaut), mit großem, freskengeschmücktem Saal; die 1425 von Friedrich mit der leeren Tasche erbaute Fürstenburg mit einem schönen gotischen Erker, dessen Dach mit vergoldeten Kupferplatten gedeckt ist (»Goldenes Dachel«); die Ottoburg (von 1234), das Rathaus, das Stadttheater, das Museum, das Landhaus (1728), das Postgebäude (ehemals Palais Thurn und Taxis), das Justizgebäude (1887), die neuen Stadtsäle (für öffentliche Festlichkeiten, 1890 erbaut), das katholische Kasino u. a. In der Mitte der Maria Theresien-Straße befindet sich die Annasäule, zum Andenken an die Räumung des Landes durch die bayrischen und französischen Truppen 1703 errichtet; am südlichen Ende dieser Straße die Triumphpforte (1765 anläßlich der in I. gefeierten Vermählung des nachmaligen Kaisers Leopold II. erbaut); in den Anlagen am Innufer das Standbild Walters von der Vogelweide, auf dem Margaretenplatz ein Brunnen mit der Statue Rudolfs IV., vor den Stadtsälen der Leopoldsbrunnen mit dem Reiterstandbild des Erzherzogs Leopold (gest. 1632). Sehenswert ist ferner der neue Friedhof im W. der Stadt.
   I. zählt (1900) 26,866 meist deutsche, kath. Einwohner (darunter 2475 Mann Militär); seit der 1903 erfolgten Vereinigung von Wilten und Pradl mit I. ist die Bewohnerzahl auf 41,108 gestiegen. Als Vororte von I. sind die angrenzenden Orte: Hötting (5693 Einw.) und Mühlau (1017 Einw.) zu betrachten. Die Industrie erstreckt sich auf Baumwollspinnerei und -Weberei, Tuchfabrikation, Samtweberei, Fabrikation von Leibwäsche, Strohhüten, Möbeln, Maschinen, Metallwaren, Glocken, Teigwaren, Kaffeesurrogaten, Essig, Seifen und Kerzen, Bierbrauerei, Glasmalerei, Buchdruckerei u. a. Von Bedeutung ist auch der Handel und während der Sommermonate der Fremdenverkehr. I. ist Stadt mit eignem Gemeindestatut und Sitz der Statthalterei, einer Bezirkshauptmannschaft (für die Umgebung), des Oberlandesgerichts, eines Landesgerichts, der Finanzlandes- und Bezirksdirektion, der Post- und Telegraphendirektion, der Staatsbahndirektion, der Forst- und Domänendirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, des Landeskulturrates, des 14. Korpskommandos, des Tiroler Landtags etc. sowie eines deutschen Konsuls. Als Unterrichtsanstalten sind hervorzuheben: die Leopold Franzens-Universität (vom Kaiser Leopold I. 1677 gegründet, 1858 durch die theologische und 1869 durch die medizinische Fakultät vervollständigt, neuerdings mit juristischen Kursen für Italiener; s. unten) mit (1901) 123 Lehrenden und 1019 Studierenden, einer Bibliothek von 160,000 Bänden, einem anatomischen, pathologischen und physiologischen Institut, einem chemischen Laboratorium, einem wegen seiner Alpenflora bekannten botanischen Garten etc.; ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Staatsgewerbeschule und eine Handelsakademie. Klöster gibt es 10, darunter das älteste Kapuzinerkloster in Deutschland (von 1594), ein Kloster der Ursulinerinnen mit höherer Töchterschule, das Prämonstratenser- und das Karmeliterinnenkloster in Wilten. Ferner besteht hier eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Landeshypothekenanstalt, eine Sparkasse, eine städtische Pfandleihanstalt, ein Lagerhaus, ein Landesmuseum (Ferdinandeum) mit reichen Sammlungen von naturgeschichtlichen und Kunstgegenständen, ein städtisches Krankenhaus, eine Landesgebäranstalt (Wilten) und ein von I. v. Sieberer gestiftetes Waisenhaus sowie ein weltliches adliges Damenstift. I. hat Badeanstalten, Gas- und elektrische Beleuchtung. Beliebte Punkte der Umgebung (s. die Karte) sind: Schloß Meyers Ambras (s. d.), der Berg Meyers Isel (s. d.), die Weiherburg, die Lanser Köpfe (931 m), die beliebte Sommerfrische Igls (870 m, mit Hotels, Pensionen und 264 Einw.) und der Patscher Kosel (2248 m). Eine Dampfstraßenbahn führt von I. nach Hall und zum Berg Isel; von da gehen Lokalbahnen nach Igls und in das Stubaital.
   Geschichte. I. ist zwar eine mittelalterliche Schöpfung, steht aber auf einem Boden, der als Ausgangspunkt der Brennerstraße schon in der Römerzeit besiedelt war; südlich von I. lag Veldidena, das heutige Dorf Wilten, eine Hauptniederlassung der Römer in Rätien. Nachdem diese in der Völkerwanderung zerstört worden, erstand 1128 das Prämonstratenserstift Wilten und auf dem Schloßberg von Ambras die Burg der bajoarischen Gaugrafen vom Inntal, als welche uns die Grafen von Andechs im 12. Jahrh. entgegentreten. Zunächst gehörte I., zum erstenmal 1028 urkundlich genannt, zum Kloster Wilten, dann bildete sich unter den Andechs-Meranern an der Fähre über den Inn eine Ansiedelung, und aus der Innüberfahrt wurde eine Innbrücke, woraus Name und Wappen des Ortes entstand. 1232 wurde I. von dem letzten Andechs-Meraner, Herzog Otto, zur Stadt erhoben. Als 1363 Tirol an Österreich kam, wurde I. Landeshauptstadt, und Friedrich mit der leeren Tasche schlug zuerst hier seine bleibende Residenz auf. In der Folge erhielt I. besondern Glanz durch den häufigen Aufenthalt Maximilians I. daselbst und der tirolisch-habsburgischen Fürsten. Ein neuer Aufschwung der Stadt erfolgte im vorigen Jahrhundert. In nationaler Hinsicht zeigte sich in den letzten Jahrzehnten ein stetes Anwachsen der italienischen Bevölkerung in I., das begünstigt wurde durch zahlreiche italienische Studenten an der Universität. Die Umwandlung der seit längerer Zeit an der Universität gehaltenen italienischen Kurse für Rechtshörer in eine selbständige (provisorische) Rechtsfakultät in I. veranlaßte bei deren Eröffnung 3. Nov. 1904 blutige Straßenkämpfe zwischen der italienischen Studentenschaft und der deutschen Bevölkerung der Stadt. Vgl. Zoller, Geschichte und Denkwürdigkeiten der Stadt I. (Innsbr. 181625, 2 Bde.); B. Weber, Innsbruck (das. 1838); Probst, Geschichte der Universität in I. (das. 1869); Gwercher, I. und dessen nächste Umgebung (das. 1880); Noë, Illustrierter Führer durch I. (das. 1901); Hirn, Innsbrucks historischer Boden (Wien 1896); Unterkircher, Chronik von I. (Innsbr. 1897).
 
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Inns of Court (engl., spr. kört), in England Gesamtname der freien Innungen oder Assoziationen der Rechtsgelehrten und der die Rechtswissenschaft Studierenden, deren es in London vier gibt (s. Meyers Barrister). Dann Bezeichnung der großen, prächtigen Gebäude oder Gebäudekomplexe für die Mitglieder der I.-Inns of Chancery heißen die den I. nachgebildeten (und denselben auch meist attachierten) Assoziationen oder Rechtsschulen in denen das Equityrecht

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(s. Meyers Billigkeit) gelehrt wird, während die I. hauptsächlich Schulen des gemeinen englischen Rechts (common law) sind. Vgl. Pearce, History of the Inns of Court (Lond. 1847); Spence, Equitable jurisdiction of the Court of Chancery (das. 1849, 2 Bde.).
 
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In nuce (lat.), »in der Nuß«, d. h. zusammengedrängt, in Kürze, im kleinen.
 
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Innuit, s. Meyers Eskimo.
 
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Inn und Knyphausen, fries. Dynastengeschlecht, das bis 1624 die Herrschaft Meyers Kniphausen (s. d.) besaß, erbte 1554 die Herrschaft Lützburg und wurde, nachdem letztere 1584 in ein Fideikommiß verwandelt worden war, 1588 in den Reichsfürstenstand erhoben. Eine ältere, 1737 ausgestorbene Linie war seit 1694 reichsgräflich, die gegenwärtig blühende aber seit 1816 gräflich (Hannover), ist seit 1900 von Preußen nach dem Rechte der Erstgeburt gefürstet, während die Nachgebornen den Titel »Grafen« führen. Das Haupt der Familie ist seit 1867 erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Gegenwärtig (1904) ist dies Fürst Edgar zu I., Edler Herr zu Lützburg und Bergum (geb. 14. Dez. 1827 in Hannover). Er studierte die Rechte, war hannoverscher Kammerherr und Landschaftsrat für Ostfriesland, ward nach der Annexion Hannovers bald Vorsitzender des Provinziallandtages, des Provinzialausschusses, der reformierten Landessynode für Hannover sowie des landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland und gehörte 189398 und wiederum seit 1899 (in einer Nachwahl gewählt) als konservatives Mitglied dem Reichstag an; dem preußischen Herrenhaus präsidiert er seit Januar 1904.
 
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Innungen (ursprünglich »Einungen«), allgemeine Bezeichnung für Gilden und Zünfte, dann für die im 19. Jahrh. nach Einführung der Gewerbefreiheit fortbestehenden oder neugebildeten freien Korporationen von Angehörigen gleicher (Fach-I.) oder verwandter (gemischte I.) Gewerbe zur Förderung gemeinsamer gewerblicher Interessen. In Preußen ließ die Gesetzgebung von 1810 und 1811, welche die Gewerbefreiheit einführte, die Zünfte als freie I. bestehen. Nach der Gewerbeordnung von 1845 mußten die Statuten derselben revidiert und den Vorschriften der § 101117 angepaßt werden. Das Gesetz regelte näher die Organisation und Rechte neuer I. und unterschied hierbei solche, die den Befähigungsnachweis für ihre Mitglieder zu fordern hatten, und I., für deren Mitglieder dieser Nachweis nicht obligatorisch war. Jene I. erlangten durch die Bestätigung ihrer Statuten die Rechte einer Korporation. Sie sollten die gemeinsamen gewerblichen Interessen fördern, insbes. die Aufnahme, Ausbildung und das Betragen der Lehrlinge, Gesellen oder Gehilfen der Innungsgenossen beaufsichtigen, die Verwaltung der Kranken-, Sterbe-, Hilfs- und Sparkassen der Innungsgenossen leiten und für die Witwen und Waisen derselben Fürsorge treffen. Ein Beitrittszwang bestand nicht, aber in einer großen Zahl von Gewerben wurde die Befugnis, Lehrlinge zu halten, davon abhängig gemacht, daß die Gewerbtreibenden entweder in eine Innung nach vorgängigem Beweis der Befähigung zum Betrieb des Gewerbes aufgenommen waren, oder diese Befähigung besonders nachgewiesen hatten. Die Verordnung vom 9. Febr. 1849 (s. Meyers Gewerbegesetzgebung, S. 787), die formell bis 1868 in Kraft blieb, machte den selbständigen handwerksmäßigen Gewerbebetrieb bei einer sehr großen Zahl von Gewerben (§ 23) abhängig von der Mitgliedschaft einer Innung nach vorgängigem Befähigungsnachweis oder von dem Nachweis der Befähigung vor einer Prüfungskommission. Die I. wurden noch dadurch bevorzugt, daß durch Ortsstatuten Aufnahme und Entlassung aller Lehrlinge, sobald für das Gewerbe am Ort eine Innung bestand, vor diese gewiesen und derselben eine Mitwirkung bei der Aussicht über die Ausbildung und das Betragen selbst derjenigen Lehrlinge, deren Lehrherren nicht zur Innung gehörten, eingeräumt werden konnte. In andern deutschen Staaten wurden bei Einführung der Gewerbefreiheit die alten Zünfte aufgehoben, die etwaige Neubildung gewerblicher Vereinigungen aber wurde ganz der freien Assoziation überlassen und dem gewöhnlichen Vereinsrecht unterstellt, so in Württemberg und Baden 1862, ferner in Bayern 1848, nachdem man hier 1825 und 1862 mit geringem Erfolg staatlich organisierte Zwangsverbände an die Stelle der alten Zünfte gesetzt hatte (doch wurden diese durch Gesetz vom 30. Jan. 1868 als aufgehoben erklärt). In einer Reihe von norddeutschen Staaten (z. B. in Oldenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck) wurde den Zünften die Wahl gelassen, sich aufzulösen und ihr Vermögen zu teilen oder als freie I. fortzubestehen, die Neubildung aber der freien Assoziation überlassen. In einigen andern (Sachsen, Braunschweig, einzelnen thüringischen Staaten) wurden die alten Korporationen als öffentliche I. mit bestimmten gewerblichen Befugnissen erhalten, die Neubildung ähnlicher unter staatliche Oberaufsicht gestellt.
   Die deutsche Gewerbeordnung von 1869 ließ alle gesetzlich bestehenden Korporationen von Gewerbtreibenden (I., Zünfte) als freie I. fortbestehen, ließ auch ihre Statuten, soweit sie nicht der Gewerbeordnung widersprachen, in Kraft, regelte aber in freiheitlicher Weise den Ein- und Austritt der Mitglieder und begünstigte die Auflösung. Sie regelte ferner die Bildung neuer I., gewährte diesen aber nur die Eigenschaft privatrechtlicher Vereine. Da die Bestimmungen sich als völlig ungenügend erwiesen und die I., die noch aus früherer Zeit zahlreich sich erhalten hatten (in Preußen z. B. über 6000), zur Förderung des Gewerbewesens wenig leisteten, suchte das Innungsgesetz vom 18. Juli 1881 durch eine neue Regelung der I., durch eine Umgestaltung ihres Charakters und Erweiterung ihrer Rechte und Befugnisse, insbes. auch durch Bestimmungen, die eine Art indirekten Beitrittszwanges bezweckten, einen bessern Zustand des Innungswesens herbeizuführen. Wesentliche Änderungen brachte die Novelle vom 26. Juli 1897. Nach heutigem Rechte (Gewerbeordnung in der Fassung vom 26. Juli 1900, § 81 ff.) sind die I. öffentlich-rechtliche Korporationen von selbständigen Gewerbtreibenden zur Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen. Das Gesetz gestattet die Mitgliedschaft auch Personen, die in einem Gewerbe, für das die Innung errichtet ist, angehörenden Großbetriebe als Werkmeister oder in ähnlicher Stellung beschäftigt sind oder beschäftigt waren, diese Tätigkeit aber aufgegeben haben und eine andre gewerbliche Tätigkeit nicht ausüben, unter derselben Voraussetzung früherer selbständiger Gewerbtreibenden, ferner den landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betrieben gegen Entgelt beschäftigten Handwerkern sowie die Ehrenmitgliedschaft andrer Personen. Aufgabe der I. ist: 1) Pflege des Gemeingeistes sowie die Aufrechterhaltung und Stärkung der Standesehre unter den Innungsmitgliedern; 2) die Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen sowie die Fürsorge für das Herbergswesen und den Arbeitsnachweis; 3) die nähere Regelung

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des Lehrlingswesens und der Fürsorge für die technische, gewerbliche und sittliche Ausbildung der Lehrlinge; 4) Entscheidung von Streitigkeiten zwischen den Innungsmitgliedern und ihren Lehrlingen. Doch sind die I. auch befugt, ihre Wirksamkeit noch auf andre, den Innungsmitgliedern gemeinsame gewerbliche Interessen auszudehnen, wie Errichtung von Fachschulen für Lehrlinge, Förderung der gewerblichen Ausbildung der Meister und Gesellen, Veranstaltung von Gesellen- und Meisterprüfungen, Ausstellung von Prüfungszeugnissen, Einrichtung gemeinschaftlicher Geschäftsbetriebe (also, da für alle Verbindlichkeiten der Innung nur das Innungsvermögen haftet, ohne gewöhnliche Haftung der Mitglieder), Errichtung von Hilfskassen für Meister und Gesellen, Lehrlinge und Arbeiter, Errichtung von Schiedsgerichten zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen den Innungsmitgliedern und ihren Gesellen und Arbeitern an Stelle der sonst zuständigen Behörden. Die I. stehen unter Aussicht der Gemeindebehörde, ihre Statuten bedürfen der Genehmigung durch die höhere Verwaltungsbehörde. Sie genießen die Rechte einer juristischen Person, die von ihnen statutarisch angelegten Beiträge und verhängten Ordnungsstrafen können wie Gemeindeabgaben zwangsweise eingezogen werden. Ihre Entscheidungen über Streitigkeiten der Mitglieder mit ihren Gesellen und Lehrlingen sind vorläufig vollstreckbar. Sie sind öffentlichrechtliche, nicht privatrechtliche Korporationen. Gewerbtreibende, die den gesetzlichen oder statutarischen Anforderungen entsprechen, müssen aufgenommen werden (Prinzip der Expansion). Dagegen sind eine Reihe von Privilegien, die ihnen das bisherige Recht eingeräumt hatte (z. B. die Befugnis der höhern Verwaltungsbehörde, Nichtmitgliedern das Halten von Lehrlingen zu verbieten, Nichtmitglieder zu den Kosten der Innungseinrichtungen heranzuziehen, die Gerichtsbarkeit der Innungsschiedsgerichte auf Nichtmitglieder auszudehnen), durch die Novelle vom 26. Juli 1897 gefallen. Dieser indirekte Beitrittszwang war überlebt, seitdem die Möglichkeit der Zwangsinnungen geschaffen war. Hervorzuheben ist jedoch der Einfluß, der den I. auf den Abschluß des Lehrlingsvertrags eingeräumt ist. (Vgl. Gewerbeordnung, § 129 b, 130 a ff.) Die von den Innungsmitgliedern beschäftigten Gesellen nehmen in beschränktem Maß an der Erfüllung der Aufgaben der I. und ihrer Verwaltung teil, soweit dies durch Gesetz oder Statut bestimmt ist. Sie wählen zu diesem Zweck einen Gesellenausschuß. Kraft Gesetzes ist dessen Beteiligung vorgeschrieben bei der Regelung des Lehrlingswesens und bei der Gesellenprüfung sowie bei Begründung und Verwaltung aller Einrichtungen, für welche die Gesellen Beiträge leisten, oder die zu ihrer Unterstützung bestimmt sind.
   Die wichtigste Neuerung der Novelle vom 26. Juli war die Einführung der fakultativen Zwangsinnung. Die großen Hoffnungen, die man auf die Neubelebung des Innungswesens durch die Novelle von 1881 gesetzt hatte, hatten sich nicht erfüllt; man glaubte das Heilmittel für die Gebrechen des Handwerks in einer noch festern Organisation des Handwerks zu finden; die Novelle vom 26. Juli 1897 erfüllt zwar den vielfach vertretenen Wunsch nach Wiedereinführung des mittelalterlichen Zunftzwanges nicht, sah auch von einer direkten Einführung der Zwangsinnungen durch das Gesetz ab, stellte diese vielmehr in das Ermessen der Interessenten. Auf Antrag Beteiligter kann die höhere Verwaltungsbehörde, falls die Mehrheit der beteiligten Gewerbtreibenden zustimmt, verfügen, daß sämtliche Gewerbtreibende desselben oder verwandter Handwerke in einem bestimmten Bezirk einer neu zu bildenden Innung anzugehören haben (fakultative Zwangsinnung). Ist eine solche gebildet, so hört die für dasselbe Gewerbe bestehende Innung auf, ihr Vermögen geht kraft Gesetzes auf die Zwangsinnung über.
   Höhere Verbände auf dem Gebiete des Innungswesens bestehen in Gestalt des Innungsausschusses (eines gewählten Organs zur Vertretung der gemeinsamen Interessen mehrerer derselben Aufsichtsbehörde unterstellten I., dem die Landeszentralbehörde juristische Persönlichkeit verleihen kann), und des Innungsverbandes, d. h. einer öffentlichen Korporation, die aus den I. verschiedener Aufsichtsbezirke gebildet wird. Dieser größere Verband ist schon durch seine reichern Mittel besser in der Lage, gemeinsame Einrichtungen, wie z. B. Fachschulen, zu organisieren, als die einzelnen I. und besitzt auch die größere Autorität, um einer geplanten einheitlichen Regelung, z. B. des Lehrlingswesens oder des Arbeitsnachweises, Anerkennung zu verschaffen.
   Ob diese Neuregelung des Innungswesens im Bunde mit andern durch die Novelle von 1897 getroffenen gesetzgeberischen Maßnahmen für das Handwerk, z. B. Einführung von Handwerkerkammern, Regelung des Lehrlingswesens, Einschränkung der Berechtigung zur Führung des Meistertitels, den erwünschten Aufschwung des Handwerks herbeiführen werden, ist recht zweifelhaft. In Handwerkerkreisen hegt man schon jetzt weitergehende Wünsche: obligatorische Innungsverbände, Innungskammern, Reichsinnungsamt, Befähigungsnachweis etc. Über deren Wert sind die Meinungen selbst in Interessentenkreisen nicht ungeteilt.
   In Österreich hat die Gewerbeordnung von 1859 einen Versuch gemacht, unter dem Namen »Genossenschaften« (Gewerbegenossenschaften) Zwangsinnungen durchzuführen als örtliche Vereinigung gleicher oder verwandter Gewerbe, denen jeder, der in dem Bezirk eines solchen Verbandes das betreffende Gewerbe betrieb, als Mitglied angehörte. Die Novelle vom 15. März 1883 traf unter Beibehaltung des Beitrittszwanges eine neue Regelung, indem sie den Genossenschaften einerseits eine größere Ausdehnung gab, anderseits sie auf Gewerbsunternehmungen, die nicht fabrikmäßig betrieben werden, beschränkte. Vereinigungen verschiedener Gewerbe auch eines größern Bezirks sind zugelassen. Der Wirkungskreis der I. ist erweitert (Sorge für ein geordnetes Lehrlingswesen, Gründung von Fachlehranstalten, Bildung von schiedsgerichtlichen Ausschüssen zur Austragung der Streitigkeiten zwischen den Genossenschaftsmitgliedern und ihren Hilfsarbeitern), die Organisation geändert (neben der Genossenschaftsversammlung und der Genossenschaftsvorstehung besteht auch eine Gehilfenversammlung), das Krankenkassenwesen der I. neu geregelt etc. Vor 1883 bestanden 2876 Genossenschaften, davon viele als Überreste alter I., 1891 deren 5113, darunter 722 Fachgenossenschaften (für einzelne Gewerbe), 2252 für Gruppen verwandter Gewerbe, 2139 Kollektivgenossenschaften (Territorial- oder Reihengenossenschaften). 2857 Genossenschaften hatten Gehilfenversammlungen, 2657 schiedsgerichtliche Ausschüsse. Gegenwärtig hoffen die Gewerbtreibenden das Genossenschaftswesen durch Gründung der gesetzlich erlaubten Genossenschaftsverbände zu beleben. England hat keine besondere Gesetzgebung

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für I., auch keine Korporationen dieser Art. In Frankreich waren von 17911884 (Gesetz vom 2. bis 17. März 1791) I. wie gewerbliche Assoziationen überhaupt verboten; die tatsächlich geduldeten Unternehmerverbände (syndicats professionnels) hatten weder den Charakter der deutschen I. noch den der deutschen Gewerbevereine.
   Vgl. Jacobi, Die Innungsbewegung in Deutschland (in Schmollers »Jahrbuch für Gesetzgebung«, Bd. 7, 1883); Schönberg, Artikel »Gewerbe« im »Handbuch der politischen Ökonomie«, Bd. 2 (4. Aufl., Tübing. 1896); Wilh. Stieda, Literatur über die Innungsfrage in »Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik« (neue Folge, Bd. 2, S. 273282; 3. Folge, Bd. 12, S. 1 ff.) und im »Handwörterbuch der Staatswissenschaften« (2. Aufl., Jena 1900); v. Rohrscheidt, Das Innungs- und Handwerkergesetz für den praktischen Gebrauch erläutert (2. Aufl., Leipz. 1898) und Normalstatuten für freie und Zwangsinnungen (das. 1898); Fleischmann,. Innungsleitfaden (Berl. 1901); Grunenberg, Die Wirkung des Gesetzes vom 26. Juli 1897 auf das Handwerk (Krefeld 1902); Neuhaus, I., und Innungsausschüsse (Leipz. 1902). Für Österreich: »Die gewerblichen Genossenschaften in Österreich« (Wien 1895, 2 Bde.) und »Arbeitsvermittelung in Österreich« (das. 1898), beide Werke herausgegeben vom statistischen Departement im Handelsministerium; Mataja, Gewerberecht und Arbeiterversicherung (Leipz. 1899).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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