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Innere Mission bis Innervationsempfindungen (Bd. 6, Sp. 846 bis 847)
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Artikelverweis Innere Mission, christliche, namentlich evangelische Vereinstätigkeit, die neben Linderung der äußern Not zugleich Befestigung oder Wiedererweckung des christlichen und kirchlichen Sinnes in gefährdeten oder bereits entfremdeten Gliedern der Gemeinde erstrebt. Was die i. M. bezweckt, ist auch in frühern Jahrhunderten unter mancherlei Formen geübt oder angestrebt worden (vgl. Uhlhorn, Die christliche Liebestätigkeit, Stuttg. 188284, Bd. 1 und 2), erschien jedoch fast ausschließlich als Aufgabe des geistlichen Amtes oder als freiwillige Leistung sogen. Orden, d. h. vom weltlichen Berufsleben gesonderter eigner Genossenschaften. In der rationalistisch-gemeinnützigen Zeit von 17501820 geschah viel Gutes an Armen und Verlassenen, aber weniger in kirchlichem Sinn als im Geist allgemeiner Philanthropie. Die Notwendigkeit vermehrter kirchlicher Fürsorge für Arme und Verkommene drängte sich in Deutschland den christlich angeregten Kreisen auf, die nach den Befreiungskriegen in größern Städten und gewerbreichen Gegenden einer verarmten und gleichzeitig der Kirche entfremdeten Bevölkerung gegenüberstanden. Anregende Vorbilder boten namentlich England und Schottland dar. Doch entwickelte sich die Sache in Deutschland eigenartig aus örtlichem Bedürfnis. Die Begründung von Meyers Rettungshäusern (s. d.) für die verwahrloste Jugend durch Joh. Falk in Weimar (1813) und die Brüder Grafen v. d. Recke-Volmerstein in Overdyck und Düsselthal (1816) sowie die Stiftung der Bildungsanstalt für Armenschullehrer in Beuggen (1820) bei Basel durch Ch. H. Zeller waren die ersten denkwürdigen Schritte auf dieser Bahn. Im gleichen Sinn eröffnete 1833 J. H. Wichern, von der frommen und gemeinnützigen Amalie Sieveking angeregt, das Meyers Rauhe Haus (s. d.) bei Hamburg und Th. Fliedner 1836 die erste evangelische Diakonissenanstalt in Kaiserswerth am Rhein. Den zusammenfassenden Namen der »innern Mission«, durch den derartige Bestrebungen in Parallele mit der äußern oder Heiden- und Judenmission (s. Mission) gesetzt wurden, gab ihnen zuerst im Anschluß an den Göttinger Theologen Fr. Meyers Lücke (s. d.) Wichern. Einen mächtigen Gönner fand die i. M. seit 1840 an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, und neuen Aufschwung erhielt sie durch die Erfahrungen des unruhigen Jahres 1848, die auf dem ersten Kirchentag zu Wittenberg 1849 zur Begründung des Deutschen Zentralvereins für i. M. führten, der 1903 seinen 32. Kongreß in Braunschweig abhielt. Außer den schon erwähnten Rettungshäusern für verwahrloste

[Bd. 6, Sp. 847]


Kinder wie den Diakonissenhäusern für Armen-, Krankenpflege und den Kleinkinderschulen umfaßt die i. M. noch Vereine und Anstalten für einzeln stehende Jünglinge und Mädchen (Jünglingsvereine, Mägdeherbergen, Herbergen zur Heimat, Marthastifter), Gefängnisvereine, besonders für entlassene Sträflinge, Arbeiterkolonien zur Rettung arbeitsscheuer Herumtreiber, Magdalenenhäuser zur Rettung gesunkener Frauen etc. In großen Städten, wie Berlin, Hamburg, Breslau, sucht man neuerdings alle derartigen Bestrebungen in Gestalt sogen. Stadtmissionen einheitlich zu ordnen. Auch haben in vielen größern Städten die Vereine für i. M. eigne Häuser für ihre Versammlungen etc. erbaut (evangelische Vereinshäuser, meist mit Herbergen zur Heimat [gegen 300 in Deutschland] verbunden; vgl. Herberge). Vielfach berührt die i. M. sich mit allgemeinen staatlichen und sozialen Interessen, vorzüglich auf dem Gebiete des Armenwesens (Arbeiterkolonien, s. d., Verpflegstationen für landstreichende Bettler etc.) und des Gefängniswesens, wie denn Wichern, der tatkräftigste Vertreter der innern Mission in Norddeutschland, seit 1852 in ein amtliches Verhältnis zum preußischen Gefängniswesen trat und 1858 als vortragender Rat in das Ministerium des Innern wie in den Oberkirchenrat zu Berlin berufen ward. Mit der sonstigen, nicht erklärt kirchlichen Vereinstätigkeit wie auch mit dem adligen Meyers Johanniterorden (s. d.) u. a. ist die i. M. häufig in Arbeitsgemeinschaft getreten und hat durch diese mannigfachen Berührungen allmählich viel von dem engherzig pietistischen Anstrich verloren, der ihr oft mit unbilliger Einseitigkeit, aber nicht immer unverdient, vorgeworfen worden ist. Im letzten Jahrzehnt brachte die lebhaftere Beschäftigung mit der sogen. sozialen oder Arbeiterfrage (s. d.) der innern Mission neuen Aufschwung und erhöhte Beachtung in weitern Kreisen, aber auch mancherlei Kontroversen unter ihren Freunden und Förderern, die auf den evangelisch-sozialen Kongressen (namentlich 1894 in Frankfurt a. M.) u. a. lebhaften Ausdruck fanden. Auf katholischer Seite herrscht ebenfalls reger Eifer für die Aufgaben der innern Mission, die dort, meist unter dem Namen der christlichen Charitas, mit Aufwendung großartiger Mittel von Vinzentiusvereinen, Bonifatiusvereinen u. dgl. betrieben wird. Nur mischt sich dort, der katholischen Grundrichtung entsprechend, leicht propagandistische Absicht in die übrigens durch rege Opferwilligkeit ausgezeichnete hilfreiche Liebe. Vgl. »Fünfzig Jahre innere Mission« (Bericht des Zentralausschusses, Berl. 1898); Busch, Die i. M. in Deutschland (Gotha 1877); Schäfer, Die i. M. in Deutschland (mit andern, Hamb. 187883, 6 Bde.), Leitfaden der innern Mission (4. Aufl., das. 1903), Praktisches Christentum. Vorträge aus der innern Mission (Gütersl. 188896, 3 Bde.) und Die i. M. in der Schule (5. Aufl., das. 1900); E. Schneider, Die i. M. in Deutschland (Braunschw. 1888, 2 Tle.); Uhlhorn, Die christliche Liebestätigkeit, Bd. 3 (Stuttg. 1890); die betreffenden Teile in Zimmers »Handbibliothek der praktischen Theologie« (Gotha 1891 f.); Wurster, Die Lehre von der innern Mission (Berl. 1894); Wichern, Gesammelte Schriften, Bd. 3 (Hamb. 1902); A. Jentsch, Wege und Ziele der innern Mission (Leipz. 1901); Evers, Die Berliner Stadtmission (Berl. 1902); »Bibliothek für i. M.« (Leipz. 1890 ff.); »Monatsschrift für i. M.« (hrsg. von Busch, Gütersl. 1880 ff.). Organ des Zentralvereins sind die von Wichern begründeten »Fliegenden Blätter des Rauhen Hauses« (Hamb., seit 1843).
 
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Innere Sekretion, die Bildung und Ausscheidung spezifischer Stoffe durch Drüsen, die sie nicht wie bei der gewöhnlichen Absonderung durch einen Ausführungsgang nach außen oder in eine Körperhöhle entleeren, sondern an das Blut oder die Lymphe abgeben. Besonders bemerklich macht sich diese Form der Absonderung bei solchen Drüsen, die gar keinen Ausführungsgang besitzen, wie z. B. die Schilddrüse und die Nebennieren. Ihre Sekretionstätigkeit wird hauptsächlich aus den Krankheitserscheinungen erschlossen, die nach Fortnahme dieser Organe auftreten, und aus den Folgen, von denen die Einspritzung eines Extraktes der Drüsen begleitet ist. Den genannten Drüsen schreibt man auf Grund solcher Erfahrungen die innere Absonderung von Stoffen zu, die für gewisse Funktionen des Organismus (Leistungen des Nervensystems, Blutlauf) notwendig sind. Im Jodothyrin (Thyreoglobulin) der Schilddrüse, im Adrenalin der Nebennieren glaubt man solche Stoffe isoliert zu haben. Auch die Milz und die Hypophysis scheinen eine i. S. zu besitzen. Besonders wichtig ist die der Bauchspeicheldrüse, die außerdem auch eine äußere Sekretion (Bildung des Pankreassaftes) hat. Auf das Fehlen des Produkts ihrer innern Sekretion bezieht man das Auftreten einer schweren Stoffwechselstörung, des Diabetes, bei Erkrankung oder experimenteller Fortnahme dieser Drüse. Auch den Drüsen des Geschlechtsapparates (Hoden, Eierstock), schreiben viele eine innere Sekretion zu.
 
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Inneres Licht (inneres Wort, Lumen s. verbum internum), s. Meyers Inspirationsgemeinden.
 
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Innere und äußere Linie in der Strategie, Lager zweier Heere, deren eins im Mittelpunkt, auf der innern Linie, das andre hingegen in getrennten Teilen um ersteres herum, auf der äußern Linie, sich befindet. Operationen auf der innern Linie haben selbst gegen an Zahl weit überlegene Gegner schon große Erfolge gehabt (Friedrich d. Gr. im Siebenjährigen Krieg). Die Voraussetzung ist jedoch, daß der Gegner den Fehler macht, seine vereinzelten Gruppen schlagen zu lassen, was durch Zurückweichen des bedrohten Teils, solange bis Hilfe kommt, vermeidbar ist.
 
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Innerleithen (spr. -lĭthen), Stadt und Badeort in Peeblesshire (Schottland), am Leithen Water, unweit seiner Mündung in die Tweed, mit Wollmanufaktur, einer Mineralquelle (St. Ronans Quelle in einer Novelle von W. Scott) und (1901) 2181 Einw.
 
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Innerösterreich, im ältern Sprachgebrauch Bezeichnung der zu Österreich gehörenden Länder Steiermark, Kärnten, Kra in und Küstenland.
 
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Inner-Rhoden, Kanton, s. Meyers Appenzell.
 
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Innerste, rechter Nebenfluß der Leine in der preuß. Provinz Hannover, entspringt auf dem Oberharz, südlich von Klausthal, durchfließt den Regierungsbezirk Hildesheim und mündet nach 75 km langem Lauf unterhalb Sarstedt. Nebenflüsse sind Nette und Lamme.
 
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Inner Temple (spr. templ), einer der Inns of Meyers Court (s. d. und Barrister).
 
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Innervation (neulat.), der Einfluß der Nerven auf die Verrichtungen der Organe des Körpers, Innervierung.
 
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Innervationsempfindungen, s. Meyers Muskelgefühl.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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