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Inhaberpapiere bis Inhärénz (Bd. 6, Sp. 836 bis 837)
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Artikelverweis Inhaberpapiere (franz. Titres an porteur, ital. Titoli al portatore; engl. Securities to bearer), Wertpapiere, die keinen bestimmten Gläubigernamen enthalten, deren Aussteller vielmehr verspricht, jedermann, der die Urkunde nach Eintritt der Fälligkeit der in ihr verbrieften Forderung vorlegt, gegen Aushändigung des Papiers zu befriedigen. Die Forderung kann jeder Inhaber der Urkunde geltend machen, und der Aussteller wird auch durch Leistung an einen zur Verfügung nicht berechtigten Inhaber frei. Überhaupt kann der Aussteller dem Inhaber nur solche Einwendungen entgegensetzen, welche die Gültigkeit der Ausstellung betreffen oder sich aus der Urkunde ergeben oder dem Aussteller unmittelbar gegen den Inhaber zustehen; er kann also z. B. einwenden, daß er zur Zeit der Ausstellung geisteskrank gewesen oder gar nicht um die Anfertigung des Inhaberpapieres gewußt habe, daß eine Bedingung der Leistung nicht erfüllt worden, daß der Inhaber von ihm bereits befriedigt sei oder ihm die Urkunde entwendet habe, nicht aber, daß ihm das Papier überhaupt von irgend jemand gestohlen worden, oder daß er es verloren habe. Zur Unterzeichnung des Inhaberpapieres genügt eine im Wege der mechanischen Vervielfältigung hergestellte Namensunterschrift. Es kann aber auch die Gültigkeit der Unterzeichnung durch eine in die Urkunde aufgenommene Bestimmung von der Beobachtung einer besondern Form abhängig gemacht werden. Ohne solche Bestimmung kann sie von der Beobachtung besonderer Form bei Inhaberpapieren eines Bundesstaates oder seiner öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Stiftungen oder Anstalten kraft landesgesetzlicher Vorschrift abhängig sein (s. unten). Werden für ein Inhaberpapier Zinsscheine (Coupons) ausgegeben, so bleiben diese mangels einer ihnen eingefügten Bestimmung des Gegenteils auch dann in Kraft, wenn die Hauptforderung erlischt oder die Zinsverpflichtung aufgehoben oder geändert wird. Werden solche Zinsscheine bei der Einlösung der Hauptschuldverschreibung nicht zurückgegeben, so ist der Aussteller berechtigt, den Betrag zurückzubehalten, den er für die Scheine zu zahlen verpflichtet ist. Mit dem Begriff von Zinsen stimmt vorstehendes freilich nicht. Aber wie die im Hauptinhaberpapier verbriefte Forderung von ihrem Rechtsgrund, dem Darlehnsvertrag, losgelöst ist, so ist auch die im zubehörigen »Zinsschein« verbriefte Forderung losgelöst von ihrem Rechtsgrund, jenem Vertrag und der angefügten Zinsvereinbarung; sie ist keine Zinsforderung, wohl aber tritt sie an die Stelle einer Zinsforderung und ist wirtschaftlich einer solchen gleich. Der Eigentümer eines Inhaberpapieres kann, wenn es zum Umlauf ungeeignet wurde, die Erteilung eines neuen Stückes verlangen; er kann ein abhanden gekommenes oder vernichtetes Inhaberpapier, falls nicht in demselben das Gegenteil bestimmt war, aufbieten und für kraftlos erklären lassen, um ein neues Stück zu verlangen. Das letztere gilt jedoch für I. gewisser Aussteller kraft besondern Landesrechts nicht (s. unten), es gilt auch allgemein nicht für Zinsrenten- und Gewinnanteilscheine sowie die auf Sichtzahlbaren unverzinslichen Schuldverschreibungen; vielmehr kann das Recht aus einer abhanden gekommenen oder vernichteten Urkunde solcher Art auch ohne Aufgebot geltend gemacht werden, freilich nur, wenn die Urkunde vor Ablauf der Meldefrist weder zur Einlösung vorgelegt noch zur Klage gebracht ist. Über Banknoten s. Meyers Banken (bes. S. 336), Papiergeld sowie § 6 des Reichsbankgesetzes vom 14. März 1875. Über das Aufgebotsverfahren s. d. und § 946 s. und 1003 s. der Zivilprozeßordnung. Aber auch schon vor der Kraftloserklärung kann der Eigentümer des Inhaberpapieres unberechtigte Einlösung verhindern, indem er eine Meyers Zahlungssperre (s. d.) nach § 1059 der Zivilprozeßordnung erwirkt. Neue Zin s- oder Rentenscheine (Coupons) für ein Inhaberpapier dürfen an den Inhaber der zum Empfang der Scheine ermächtigenden Urkunde (Erneuerungsschein oder Talon) nicht ausgegeben werden, wenn der Inhaber der Hauptschuldverschreibung der Ausgabe widersprochen hat. Die Scheine sind in diesem Falle dem Inhaber der Hauptschuldverschreibung auszuhändigen, wenn er letztere vorlegt. Die Umschreibung eines Inhaberpapieres auf den Namen eines bestimmten Berechtigten kann nur durch den Aussteller erfolgen; dieser ist dazu nur verpflichtet, wenn er ein Staat oder eine Körperschaft, Stiftung oder Anstalt des öffentlichen Rechts ist und das Landesgesetz ihm diese Verpflichtung auferlegt. Hierauf Bezügliches betreffs Preußens s. unten. Für die Forderung aus einem Inhaberpapier kann eine Hypothek (s. d.) bestellt, und ein Grundschuldbrief kann selbst als Inhaberpapier ausgestellt werden. Der Erwerb des Eigentums und Pfandrechts an Inhaberpapieren erfolgt wie der an beweglichen Sachen (vgl. Eigentum, S. 443). Der gutgläubige Erwerber eines Inhaberpapieres erlangt auch dann das Eigentums- oder Pfandrecht, wenn es gestohlen, verloren oder sonst abhanden gekommen ist. Eine Sondervorschrift in dieser Beziehung gilt nur für Bankiers, Geldwechsler u. Kaufleute (§ 367 des Handelsgesetzbuches) falls der Verlust des Inhaberpapieres im »Deutschen Reichsanzeiger« bekannt gemacht und noch kein Jahr seit der Bekanntmachung verflossen ist. Ausnahmen von dem Vorstehenden sind jedoch durch Sondervorschriften in den Ausführungsgesetzen von Preußen, Bayern und Württemberg geschaffen (vgl. Preußisches Ausführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch,

[Bd. 6, Sp. 837]


Art. 17 ff., bayrisches Ausführungsgesetz, Art. 49 ff., und württembergisches Ausführungsgesetz, Art. 181 ff.). Preußen insbes. hat in dieser Beziehung unter anderm das Folgende bestimmt: a) Die das Kapital betreffenden (Haupt-) Stücke der von Preußen oder einem preußischen Kommunalverband ausgestellten I. werden ausgefertigt durch eigenhändige Unterzeichnung des Vermerkes »Ausgefertigt« seitens des damit beauftragten Beamten, die Zins- und die Erneuerungsscheine (Talons und Coupons) dieser I. durch den Ausdruck eines Trockenstempels mit dem königlich preußischen Adler bei den Scheinen des Staates und mit dem Wappen des Verbandes bei den Scheinen der Kommunalverbände. b) Zinsscheine der unter a) aufgeführten I., der Rentenbriefe von Ablösungsrentenbanken, der Pfandbriefe von öffentlichen land- oder ritterschaftlichen Kreditanstalten oder provinzial- oder kommunalständischen Grundkreditanstalten können niemals für kraftlos erklärt werden. c) Körperschaften, Stiftungen und Anstalten des öffentlichen Rechts sind auf Verlangen des Inhabers des von ihnen ausgestellten Inhaberpapieres verpflichtet, dieselben auf Namen umzuschreiben, es sei denn, daß der Inhaber nachweislich zur Verfügung über das Inhaberpapier nicht berechtigt ist. d) Wer zur Verfügung über ein umgeschriebenes Inhaberpapier der bezeichneten Aussteller berechtigt ist, kann eine neue Umschreibung oder die Rückverwandlung in ein Inhaberpapier und gegen Aushändigung der Urkunde die Erteilung eines neuen Inhaberpapieres auf seine Kosten verlangen. e) Eine abhanden gekommene oder vernichtete Schuldverschreibung, die auf den Namen umgeschrieben ist, kann, wenn nicht in der Urkunde das Gegenteil bestimmt ward, im Wege des Aufgebotsverfahrens für kraftlos erklärt werden. Im übrigen vgl. Bürgerliches Gesetzbuch § 793808 und die Artikel »Blanko, Order, Rektapapiere, Amortisation und Außerkurssetzung«. Vgl. Kuntze, Die Lehre von den Inhaberpapieren (Leipz. 1857); Brunner in Endemanns »Handbuch des Handelsrechts«, Bd. 2, § 191199, und in Goldschmidts »Zeitschrift für Handelsrecht«, Bd. 22, S. 505; Bd. 23, S. 225; Dernburg, Das bürgerliche Recht, Bd. 2, S. 379 ff. (3. Aufl., Halle 1905); Folleville, Traité de la possession des meubles et des titres au porteur (2. Aufl., Par. 1875); Fellner, Die rechtliche Natur der I. (Frankf. 1888); Wahl, Traité théorique et pratique des titres an porteur (Par. 1891, 2 Bde.); Klemperer, Die rechtliche Natur der Genußscheine (Halle 1898); Ritter, Die allgemeinen Lehren des Handelsrechts mit einem Anhang, betr. das Recht der Inhaberschuldverschreibungen (Berl. 1900); Jacobi, Die Wertpapiere im bürgerlichen Recht (Jena 1901).
 
Artikelverweis 
Inhaber-Teilscheine, s. Zertifikat.
 
Artikelverweis 
Inhaftieren (deutsch-lat.), in Hast nehmen.
 
Artikelverweis 
Inhalation (lat.), Einatmung; besonders von Dämpfen und Gasen (z. B. Sauerstoff) zu therapeutischen Zwecken.
 
Artikelverweis 
Inhalationskuren (lat., »Einatmungskuren«) bestehen in der zu Heilzwecken unternommenen Einatmung von Gasen und Flüssigkeiten, namentlich sein zerstäubten Flüssigkeiten, in denen ein Arzneistoff aufgelöst ist. I. sind in mehr kunstloser Form schon seit langer Zeit im Gebrauch gewesen. Der römische Arzt Celsus ließ gegen Geschwüre im Rachen heiße Dämpfe einatmen; die von Beddoes (17541808) angewendete Einatmung von Gasen (Anemopathie), die von Raspail empfohlenen Zigaretten, die beim Rauchen Kampferdämpfe liefern, ferner Zigaretten mit Belladonna, Opium und Stramonium sind allbekannte Formen der I. In bequemerer und verfeinerter Form sind die I. aber erst in neuerer Zeit zu ausgedehnter Anwendung gekommen, namentlich seitdem Sales-Girons 1858 in mehreren Bädern Frankreichs Inhalationssäle für Brustkranke einrichtete, in denen diese die den Quellen entströmenden Gase gemischt mit Luft einatmeten. Derselbe Arzt konstruierte auch einen Zerstäubungsapparat, der den I. allgemeine Anwendbarkeit sicherte, und gegenwärtig stellen diese einen wichtigen Teil der Lokaltherapie bei Krankheiten der Atmungswege dar, weil sie es möglich machen, die Schleimhaut der Luftwege, wahrscheinlich auch die Lungenbläschen mit den gelösten Arzneistoffen in unmittelbare Berührung zu bringen. Bei den modernen I. werden sein zerstäubte Flüssigkeiten von beliebiger Temperatur eingeatmet. Die Zerstäubung geschieht vermittelst besonderer Apparate (Zerstäubungsapparate, s. d.), die in verschiedenen Konstruktionen, z. T. von sehr einfacher und zweckmäßiger Form, angefertigt werden. 1889 empfahl Weigert eine Behandlung der Lungentuberkulose mittels Inhalation heißer Luft von 200°, durch welche die Tuberkelbazillen in der Lunge getötet werden sollten, doch hat diese Behandlung den gehegten Erwartungen nicht entsprochen. I. werden aber auch im großen vorgenommen in der Art, daß man den Patienten in eine Atmosphäre bringt, die gewissermaßen die Arzneistoffe bereits in Lösung oder in sehr sein verteiltem Zustand enthält. So schickt man z. B. Lungenkranke in die Gradierhäuser, um sie eine Luft einatmen zu lassen, die sehr feucht ist und zugleich Kochsalz in sehr sein zerteiltem Zustand suspendiert enthält. Oder man bringt die Kranken in einen geschlossenen Raum, dessen Luft mit sein verteiltem Latschenöl, oder Lignosulfit oder mit gewissen Gasen (z. B. mit Kohlensäure) sehr reichlich vermischt ist (vgl. Gasbäder). In gewissen Sinne könnte man selbst den Aufenthalt an klimatischen Kurorten als Inhalationskur im großen bezeichnen. Sicherlich ist die Heilkunst, namentlich durch die I. mit zerstäubten Flüssigkeiten, um ein wertvolles, häufig und leicht anzuwendendes Mittel bereichert worden. Vgl. Sales-Girons, Thérapeutique respiratoire (Par. 1858); Örtel in Ziemssens »Handbuch der allgemeinen Therapie«: Respiratorische Therapie (Leipz. 1882); Lazarus, Allgemeine Inhalationstherapie (in Eulenburg-Samuels »Lehrbuch der allgemeinen Therapie«, Wien 1898) und im »Handbuch der physikalischen Therapie« von Goldscheider und Jacob (Leipz. 1901); Adolf Schmid in Penzoldt-Stintzings »Handbuch der Therapie«, Bd. 3 (3. Aufl., Jena 1902).
 
Artikelverweis 
Inhalieren (lat.), einatmen, gewöhnlich von der Einatmung medikamentöser Dämpfe etc. gebraucht.
 
Artikelverweis 
Inhalt, in der Logik im Gegensatz zum Meyers Umfang (s. d.) der Inbegriff der zu einem Begriff verbundenen Merkmale; im Gegensatz zur Meyers Form (s. d., S. 765) das durch diese zu einem Ganzen verbundene Mannigfaltige.
 
Artikelverweis 
Inhaltserklärung im Zollwesen, s. Meyers Deklaration.
 
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Inhambāne, Stadt an der Küste von Portugiesisch-Ostafrika, unter 23°50´ südl. Br., an der Bai von I. schön gelegen, aber ungesund, hat einen guten Hafen, Handel mit Kautschuk, Kopal, Wachs, Kokos- und Erdnüssen und 2000 Einw. I. ist Sitz eines deutschen Konsularagenten.
 
Artikelverweis 
Inhampura, Fluß, s. Meyers Limpopo.
 
Artikelverweis 
Inhärénz (lat., »Anhaftung«), die notwendige Verbindung von etwas mit etwas anderm, das ohne ersteres nicht sein würde, was es ist, z. B. die Verbindung

[Bd. 6, Sp. 838]


des Runden mit dem Kreis, der Schwere mit der Materie, überhaupt der Attribute (s. d.) mit der Substanz (s. d.); inhärieren, anhaften, innewohnen; auch auf etwas beharren, davon nicht abgehen.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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