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Kānon bis Kanonenfutter (Bd. 6, Sp. 565 bis 566)
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Artikelverweis Kānon (griech.), im allgemeinen soviel wie Maßstab, Richtschnur; Regel, Vorschrift; bedeutet in der Musik die strengste Form der Nachahmung, bei der zwei oder mehr Stimmen dieselbe Melodie ausführen, aber nicht gleichzeitig, sondern in kurzen Abständen nacheinander, so daß ein mehrstimmiger Satz entsteht, der doch durch die Bewegung einer einzigen Stimme gegeben ist und durch eine einzige Notenreihe ausgedrückt werden kann mit Andeutung in der Notierung, bei welcher Note und in welchem Intervall eine neue Stimme einzusetzen hat, z. B. (Zarlino): Diese Vorschrift war es, die von den Kontrapunktisten des 16. Jahrh. K. (Richtschnur) genannt wurde; besonders beliebt waren damals rätselhafte Anweisungen für die Auflösung des Kanons (Rätselkanon). Allmählich ging dann der Name K. auf die Komposition selbst über, deren alter Name Fuga (s. Meyers Fuge) oder Conseguenza war. Je nach dem Intervall, in dem die zweite Stimme folgt, unterscheidet man den K. im Einklang (bei dem die Stimmen tatsächlich dieselben Töne vortragen) vom K. in der Oktave (bei dem die zweite Stimme die Melodie eine Oktave höher oder tiefer bringt), oder in der Unterquinte, Oberquinte, Quarte, Ober- und Untersekunde etc. Der drei- oder mehrstimmige K. verbindet in der Regel mehrere der genannten Arten. Weitere Arten des Kanons entstehen durch Verlängerung oder Verkürzung der Notenwerte in der nachahmenden Stimme (Canon per augmentationem oder per diminutionem) oder durch Umkehrung aller Intervalle (al inverso, per motum contrarium), so daß, was dort stieg, hier fällt, oder gar so, daß die zweite Stimme die Melodie von hinten anfängt (Canon cancricans, Krebskanon). Der K. läuft entweder in den Anfang zurück, in welchem Fall er oft in Kreisform notiert wird (Kreiskanon, Fuga circularis, Canon infinitus), oder er kann zwar repetiert werden, hat aber durch Fermaten angedeutete Schlußnoten oder einen angehängten freien Schluß (Coda). Der Doppelkanon ist die kontrapunktische Verbindung zweier Kanons. Seine höchste Blüte feierte der K. in den Meisterwerken der niederländischen Kontrapunktisten des 15. und 16. Jahrh.; doch hat er bis in die neueste Zeit hinein noch eingehende Pflege gefunden und wird neben der Fuge vor Abschluß der Kontrapunktstudien von der Schule tunlichst berücksichtigt. Von Bach haben wir 9 Kanons in den »30 Variationen«, eine Reihe andrer in der »Kunst der Fuge«, von Mozart 23, von Weber 8 Kanons; außerdem seien genannt Klengels »48 Kanons und Fugen«, Kiels »15 Kanons im Kammerstil«, Weitzmanns »Musikalische Rätsel«, die Kanonsammlung in Spohrs Autobiographie und die kanonischen Kompositionen von Otto Grimm und S. Jadassohn. Die Lehre vom

[Bd. 6, Sp. 566]


K. findet sich meist in denselben Büchern abgehandelt wie die des doppelten Kontrapunktes und der Meyers Fuge (s. d.). Vgl. Klauwell, Der K. in seiner geschichtlichen Entwickelung (Leipz. 1877). Die Alten nannten das Monochord K., weil vermittelst desselben die mathematischen Intervallbestimmungen (Oktave = 1/2 der Saitenlänge etc.) bestimmt wurden; deshalb wurden auch die Pythagoreer, deren musikalische Theorie auf dem K. fußte, Kanoniker genannt, im Gegensatz zu den Harmonikern (Aristoxenos und seine Schule), die von der Mathematik in der Musik nicht viel hielten.
 
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Kānon (griech.) bezeichnet in der Kirchensprache teils das Verzeichnis der biblischen Bücher, die für inspiriert gelten und in den gottesdienstlichen Versammlungen gelesen werden, im Gegensatz zu den Apokryphen (s. Kanonische Bücher), teils jede kirchliche Vorschrift und Regel, daher später besonders gebraucht im Gegensatz zum bürgerlichen Gesetz (kanonisches Recht); ferner die Gebetsformel der römischen und griechisch-katholischen Kirche vor, bei und nach der Konsekration in der Messe (Meßkanon) sowie ein bestimmter Kirchengesang der griechischen Kirche; endlich das Verzeichnis der von der Kirche anerkannten Heiligen. In der Philosophie ist unter K. ein methodologischer Grundsatz, eine Vorschrift für den richtigen Gebrauch des Erkenntnisvermögens zu verstehen. In diesem Sinne ist eine Schrift Epikurs über die obersten Grundsätze des Denkens kurz als K. betitelt und spricht Kant von dem K. der reinen Vernunft. In der Mathematik, vorzüglich in der Algebra, ist K. eine allgemeine Formel, die bei Lösung einer Aufgabe herauskommt, und nach der man alle Beispiele ausrechnen kann, die besondere Fälle der allgemeinen Aufgabe sind. Kanonische Form (Normalform), eine durch besonders einfache Eigenschaften ausgezeichnete Form, auf die man einen gegebenen Ausdruck oder eine gegebene Gleichung bringen kann. In der bildenden Kunst bezeichnet das Wort K. Statuen, die als Muster gelten, vorzüglich in Hinsicht auf die Verhältnisse des menschlichen Körpers (s. Meyers Proportion). Die Bezeichnung rührt von einem berühmten Werk des griechischen Bildhauers Polyklet, der Statue eines Speerträgers (s. Meyers Doryphoren), her, die ihrer den Künstlern als Vorbild dienenden Proportionen wegen den Beinamen K. erhielt (vgl. Friederichs, Der Doryphoros des Polyklet, Berl. 1863). Auch die Künstler des alten Ägypten hatten in späterer Zeit, als die Kunst schon erstarrt war, ihren K., eine feststehende Regel der Verhältnisse des menschlichen Körpers. Sie pflegten nach bestimmt proportionierten Modellen zu arbeiten, die sie in ein Netz von Quadraten einzeichneten, um so für jeden Punkt die entsprechende Lage festzuhalten. Für die menschliche Gestalt bildete die Einheit dieses Kanons nach einigen die Länge des Fußes, nach andern des mittlern Fingers. Nach Diodor hätten die Ägypter den Körper vom Scheitel bis zur Sohle in 211/4 Teile zerlegt. Aber die mancherlei Zeichnungen und Skulpturen, die noch unvollendet und mit solchen Quadratierungen versehen erhalten sind, weichen in der Zahl der Quadrate, die auf die Körperlänge kommen, zwischen 15 und 23 so erheblich voneinander ab, daß von einem einheitlich befolgten K. nicht die Rede sein kann, und man zwei oder drei verschiedene Proportionsregeln angenommen hat. In der Philologie versteht man unter K. das von den alexandrinischen Grammatikern herrührende kritische Verzeichnis der alten Schriftsteller. In der Chronologie nennt man K. Zeit tafeln bestimmter Art, z. B. die der sogen. Goldenen Zahl, der Epakten, der Ostern; in der Astronomie Tafeln für die Bewegungen der Himmelskörper, Zusammenstellungen sämtlicher Sonnen- und Mondfinsternisse etc. In der Rechtssprache ist K. Bezeichnung für eine jährliche Geldabgabe von Grundstücken, Häusern, also soviel wie Erb-, Grundzins, Gült etc. In der Buchdruckerkunst versteht man unter K. eine große Letternart, mit der früher die Meßkanons gedruckt wurden, die jetzt aber gewöhnlich nur auf Titeln, Anschlagzetteln etc. Anwendung findet; kleine K. hält 36, grobe K. 40 bis 48 typographische Punkte (vgl. Schriftarten).
 
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Kanonāde, andauerndes Artilleriefeuer.
 
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Kanōne (v. lat. canna. »Röhre«, oder dem ital. cannone, »großes Rohr«), Geschützrohr von größerer Länge als die Haubitzen oder Mörser gleichen Kalibers. Die K. schießt mit größtmöglicher Ladung, während Steilbahngeschütze auch verschiedene kleinere Ladungen anwenden. Die Länge der K. wird in der Regel in Kalibern (s. d.) abgekürzt bezeichnet. Vgl. Geschütz.
 
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Kanōnen, bis über das Knie hinausreichende Reiterstiefel, namentlich der Studenten, angeblich nach den Kanonikern benannt.
 
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Kanonenbatterie, s. Meyers Batterie.
 
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Kanonenbaum, s. Cecropia.
 
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Kanonenbettung (Geschützbettung), s. Meyers Bettung.
 
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Kanonenbohrer, Metallbohrer von halbkreisförmigem Querschnitt und rechtwinklig oder schief zur Achse stehender Schneide.
 
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Kanonenboote, die kleinsten Kriegsschiffe für die Küstenverteidigung und den Auslandsdienst. Die frühern K. waren Ruder- oder Segelkanonenboote mit 12 Geschützen. Jaffelkanonenboote waren K. in der preußischen Marine mit Gaffelsegeltakelung und 2 Bombenkanonen. Später baute man Dampf und Panzerkanonenboote für die Küstenverteidigung, z. B. die der Mückeklasse in Deutschland (s. Schiffsliste der deutschen Kriegsflotte, Beilage zum Artikel »Deutschland«), die nur als schwimmende Laffeten für 12 schwere Geschütze zu betrachten sind und den Panzerschlachtschiffen gegenüber nur geringen Gefechtswert haben, deshalb neuerdings nur noch in kleinen Marinen, z. B. der holländischen, gebaut werden, wo sie besonders für die Verteidigung flacher Flußmündungen dienen. Für den Auslandsdienst besitzen alle Marinen K. von 1001000 Ton. Wasserverdrängung, mit leichten Geschützen, schwachen Maschinen und schwacher Takelung, die zur Ausübung der Seepolizei und zum Aufsichtsdienst auf fremden Flüssen dienen, aber, wie z. B. das deutsche Kanonenboot Iltis 17. Juni 1900 gegen die Takuforts, auch zu kriegerischen Unternehmungen in flachem Fahrwasser verwendbar sind. Die russische Marine besitzt einige gepanzerte Hochseekanonenboote. Vgl. auch Flußkanonenboote.
 
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Kanonenfutter, Ausdruck Falstaffs in Shakespeares »Heinrich IV.« (1. Teil, 4,2) für wertlose Soldaten, engl.: »Food for powder« (»Futter für Pulver«). Durch die Shakespeare-Übersetzungen bei uns eingebürgert.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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