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Juristische Person bis Juruá (Bd. 6, Sp. 390 bis 391)
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Artikelverweis Juristische Person, früher auch fingierte, mystische, moralische Person genannt, ist kein wirkliches Lebewesen, sondern ein nur vorgestelltes, künstlich durch Gedankenoperation geschaffenes Personengebilde, das der Träger von Rechten und Pflichten sein kann. Dem ältern römischen Recht war der Begriff j. P. unbekannt, erst zu Ende der Republik tauchte die erste j. P. in der Gestalt des Fiskus, d. h. der kaiserlichen Kasse, auf, die Folgezeit schuf dann eine Reihe von juristischen Personen, so insbes. den Staat, die Gemeinde, Anstalten, d. h. öffentliche Einrichtungen und Stiftungen, d. h. nützlichen Zwecken gewidmete Vermögen. Während aber bei den Römern die j. P. nur Rechtssubjekt, nicht aber Willenssubjekt, also handlungsunfähig war, gewährte das gemeine Recht mehr und mehr den juristischen Personen auch die Handlungsfähigkeit und das Bürgerliche Gesetzbuch kennt überhaupt nur noch handlungsfähige juristische Personen. Wir können daher die j. P. des heute geltenden bürgerlichen Rechtes definieren als Organisationen, die als Rechts- und Willenssubjekte anerkannt sind. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat die Rechtsverhältnisse der juristischen Personen in § 21 bis 103 geordnet und kennt zwei Arten: 1) die privatrechtlichen juristischen Personen, die in a) die Meyers Vereine (s. d.), b) die Meyers Stiftungen (s. d.) zerfallen, 2) die juristischen Personen des öffentlichen Rechts. Unter den letztgenannten versteht das Bürgerliche Gesetzbuch Organisationen, deren Verfassung im öffentlichen Interesse durch Rechtsvorschrift geregelt ist, während die Verfassung der privatrechtlichen juristischen Person auf privater Satzung oder privatem Stiftungsgeschäft beruhen. Zu den öffentlichen juristischen Personen gehören vor allem der Staat, die Gemeinden, Kreise, Provinzen, Schul-, Armen- und Wegeverbände, Universitäten, Schulen, Innungen, Krankenkassen, Unfallversicherungs-Berufsgenossenschaften, die großen christlichen Religionsgesellschaften, die Reichsbank etc. sowie eine Reihe von Anstalten und Verbänden, deren Regelung im Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch den Landesgesetzen vorbehalten wurde. Die Rechtsfähigkeit der juristischen Person kann sich selbstredend nur auf dem Gebiete des Vermögensrechts, nicht auf dem eine wirkliche Person voraussetzenden Familienrecht geltend machen. Sie kann Eigentum, Besitz haben, die Trägerin von Forderungen und Schulden sein, sie ist also vermögensfähig. Was das Erbrecht anlangt, so kann eine j. P. zwar als Erbin eingesetzt und bedacht werden, nicht aber selbst einen letzten Willen errichten. Ebenso bestimmt sich bei ihrer Auflösung das Schicksal ihres Vermögens nicht nach den Grundsätzen des Erbrechts, sondern nach Stiftungsurkunden oder sonstigen besondern Vorschriften. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat nur zwei besondere Sätze, die für alle juristischen Personen gelten. 1) Nach § 21 sind sie für den Schaden verantwortlich, den ihr Vorstand, ein Mitglied des Vorstandes oder ein andrer verfassungsmäßig berufener Vertreter durch eine in Ausführung der ihm zustehenden Verrichtungen begangene, zum Schadenersatz verpflichtende Handlung einem Dritten zufügt (§ 86 u. 891). 2) Bei Überschuldung ist die Eröffnung des Konkurses, soweit nicht öffentliches Recht den Konkurs der juristischen Person im einzelnen Fall überhaupt ausschließt, von dem Vorstand zu beantragen; verzögern Vorstandsmitglieder schuldhaft diesen Antrag, so haben sie den dadurch entstandenen Schaden den Gläubigern als Gesamtschuldner zu ersetzen (§ 41 ', 86,89/). Voraussetzung der juristischen Person sind entweder eine Mehrzahl von Menschen (z. B. bei Vereinen) oder eine Vermögensmasse (z. B. die Stiftungen) oder aber die Verbindung beider (z. B. der Staat, die Gemeinde). Das bürgerliche Sonderrecht der rechtsfähigen Verbände und Einrichtungen des öffentlichen Rechts, insbes. der des Staates, der Provinzen, Gemeinden, der öffentlichen selbständigen Stiftungen und Anstalten etc. ist durch die einschlägigen Landesgesetze, Verordnungen und Satzungen geregelt. In dieser Beziehung bestimmt Artikel 86 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch, daß unberührt bleiben sollen die landesgesetzlichen Vorschriften, die den Erwerb von Rechten durch juristische Personen beschränken oder von staatlicher Genehmigung abhängig machen, soweit diese Vorschriften

[Bd. 6, Sp. 391]


Gegenstände im Werte von mehr als 5000 Mk. betreffen. Demnach bedürfen z. B. in Preußen juristische Personen zur Annahme von Schenkungen oder Zuwendungen im Werte von mehr als 5000 Mk. der Genehmigung des Königs oder der von ihm bestellten Behörde. Der gleichen Genehmigung bedürfen ferner juristische Personen des Auslandes zum Erwerb eines jeden Grundstücks, juristische Personen außerpreußischer deutscher Staaten zum Erwerb eines Grundstücks von mehr als 5000 Mk. Wert und alle juristischen Personen zur Annahme einer Schenkung oder letztwilligen Zuwendung gleichen Betrags. Die juristischen Personen Preußens bedürfen zum sonstigen Erwerb eines Grundstücks von mehr als 5000 Mk. Wert nur der Genehmigung ihrer staatlichen Aufsichtsbehörde, und auch dieser nicht, wenn sie ihre Rechtsfähigkeit durch ein andres Reichsgesetz als das Bürgerliche Gesetzbuch erhalten haben oder nach dem öffentlichen Recht Grundeigentum selbständig erwerben dürfen (Preußisches Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Artikel 6 u. 7). In Bayern bedürfen mit Ausnahme der Englischen Fräulein, deutsche geistliche Gesellschaften nur dann der Genehmigung des Königs zur Annahme einer Schenkung oder letztwilligen Zuwendung, wenn dieselbe mehr als 10,000 Mk. beträgt, das gleiche gilt für den Erwerb von Liegenschaften im gleichen Wertbetrag, wobei jedoch Hypotheken und Grundrentenschulden unberücksichtigt bleiben. Ausländische juristische Personen dagegen, die religiöse oder wohltätige Zwecke oder Zwecke des Unterrichts oder der Erziehung verfolgen, bedürfen für jeden Liegenschaftserwerb wie zur Annahme von Schenkungen oder letztwilligen Zuwendungen über 5000 Mk. einer königlichen Genehmigung (Bayrisches Ausführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Artikel 710). Ähnliche Beschränkungen bestehen in einer Reihe andrer Bundesstaaten für juristische Personen und insonderheit für religiöse und wohltätige Stiftungen oder Anstalten. Vgl. außer den Lehrbüchern und Kommentaren zum Bürgerlichen Gesetzbuch sowie zu den Ausführungsgesetzen der einzelnen Bundesstaaten zum Bürgerlichen Gesetzbuch vor allem Gierke, Deutsches Genossenschaftsrecht, Bd. 2: Geschichte des deutschen Körperschaftsbegriffes (Berl. 1873); Riedel, Die Gestaltung der juristischen Personen des Bürgerlichen Gesetzbuches (das. 1897); Krüger, Die Haftung der juristischen Personen aus unerlaubten Handlungen nach gemeinem Recht und Bürgerlichem Gesetzbuch (das. 1901); Meurer, Die juristischen Personen nach deutschem Reichsrecht (Stuttgart 1901); Hafter, Die Delikts- und Straffähigkeit der Personenverbände (Berl. 1903).
 
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Juristitĭum (lat.), soviel wie Justitium.
 
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Juris utrĭusque doctor (lat.), »Doktor beider Rechte«, d. h. des Kaiser- wie des Papstrechts, des römischen und des kanonischen Rechts (vgl. Doktor, S. 85). An den protestantischen Universitäten ist diese Bezeichnung beibehalten, indem man als zweites Recht neben dem bürgerlichen, staatlichen, das Kirchenrecht auffaßte. Auch heute noch ist sie im feierlichen akademischen Stil üblich, obwohl sie der modernen Auffassung widerspricht, nach der das Recht innerhalb des Staatsgebietes grundsätzlich nur eins sein kann.
 
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Jurjew, Stadt, s. Meyers Dorpat.
 
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Jurjewez-Powolskij, Kreisstadt im russ. Gouv. Kostroma, an der Wolga, mit 14 Kirchen, einer Bank, Sägemühle, Flachsspinnerei und (1897) 4778 Einw. Im Kreis J. besteht eine ansehnliche Fabrik- und Hausindustrie.
 
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Jurjew-Polskij, Kreisstadt im russ. Gouv. Wladimir, an der Kolotscha und einem Zweig der Eisen bahn Moskau-Jaroslaw-Archangel, hat 7 Kirchen, 2 Klöster, mehrere Baumwollwebereien und (1897) 7271 Einw., ist Mittelpunkt des Kornhandels im Gouvernement. Im Kreis J. wird Leinwandfabrikation betrieben.
 
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Jurjewskaja, Katharina Michailowna, Fürstin, geborne Prinzessin Dolgorukowa, geb. 1846, war die Geliebte des russischen Kaisers Alexander II. (s. d., S. 299), der sich nach dem Tode seiner ersten Gemahlin, Marie, 31. Juli 1880 mit ihr vermählte. Sie gebar dem Zaren einen Sohn, Prinzen Georg Jurjewski (geb. 1873), der in der russischen Marine dient, und zwei Töchter. Seit 1881 lebte sie im Ausland und veröffentlichte unter dem Pseudonym Victor Laferté: »Alexandre II. Détails inédits sur sa vie intime et sa mort« (Genf 1882).
 
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Juror (engl., spr. dschū-), Mitglied einer Meyers Jury (s. d.).
 
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Jurte (russ.), zeltartige, gewöhnlich mit Filz bekleidete und gedeckte Behausung der nomadischen Völker in Sibirien und China. Es ist eine für den Winter aus schräg stehenden Balken ausgeführte, von außen mit Lehm und Rasen belegte größere Hütte mit ebenem Dach, in der unaufhörlich Feuer unterhalten wird, während an den Seiten ringsherum Sitze laufen, die auch als Schlafstellen dienen. Die Sommerjurten sind nur aus Pfählen errichtet, kegelförmig, an der Spitze mit einer Öffnung zum Abzug des Rauches.
 
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Jurten, Berg, s. Meyers Jorat.
 
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Juruá, Fluß in Brasilien, entsteht an der Ostgrenze Perus, unter 8°30' südl. Br. in den Anden Conomamas, nimmt rechts den Tarahuaca auf und mündet nach 1500 km langem, ungemein gewundenem Lauf durch unendliche Urwälder unter 2°30' südl. Br. rechts in den Amazonenstrom.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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