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Kapitulant bis Kaplaken (Bd. 6, Sp. 593 bis 599)
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Artikelverweis Kapitulant, s. Meyers Kapitulation 2).
 
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Kapitulantenschulen wurden 1876 in Preußen, dann im ganzen deutschen Heere zur Hebung der Bildung der Unteroffiziere eingerichtet, zunächst in zwei Stufen, deren erste Schreiben, Lesen, Rechnen, Geographie und Geschichte umfaßt, während für die zweite außer Vervollkommnung in diesen Fächern noch Zeichnen hinzutritt. Eine seit 1899 eingerichtete dritte Stufe bereitet ältere Unteroffiziere auf ihre spätere Zivilstellung vor (Französisch, Gesetzeskunde etc.). Der Unterricht erfolgt im Winterhalbjahr durch Militär- und Zivillehrer. Bei den Spezialwaffen können ihrer Eigenart entsprechend noch besondere Unterrichtsgegenstände hinzutreten. S. auch Meyers Kompanieschule und Bataillonsschule. Vgl. v. Wedell, Leitfaden für den Unterricht auf der Kapitulantenschule (10. Aufl., Berl. 1899).
 
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Kapitulantenzulage, s. Meyers Kapitulation 2).
 
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Kapitulār (Domkapitular), s. Meyers Kapitel.
 
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Kapitularĭen (lat. Capitularia) hießen in karolingischer Zeit von ihrer Einteilung in mehrere kleine, mit fortlaufenden Zahlen versehene Abschnitte (capitula) die Satzungen der fränkischen Könige, unter den Merowingern auctoritas, edictum, praeceptum, decretio genannt. Es gab drei Arten von K.: die Capitularia legibus addenda (addita), pro lege tenenda, bezweckten die Fortbildung der Volksrechte (s. Meyers Volksrecht), die Capitularia per se scribenda wurden vom König allein oder doch nur unter Mitwirkung der Großen auf den Reichstagen erlassen, die Capitula missorum sind Instruktionen für die königlichen missi zur Vornahme der Aufsichtsreisen. Sie sind in lateinischer Sprache abgefaßt. Die älteste, aus vier Büchern bestehende Sammlung der K. stammt vom Abt Ansegis von Fontanella (um 827). Die um die Mitte des 9. Jahrh. wahrscheinlich durch Benediktus Levita zusammengestellte Sammlung ist eine absichtliche Fälschung, die allerdings auch einige echte K. enthält. Die fränkischen K. sind herausgegeben von Baluzius

[Bd. 6, Sp. 594]


Capitularia regum Francorum«, 16771780), von Pertz in den »Monumenta Germaniae historica«, Bd. 1 u. 2; in verbesserter Ausgabe von Boretius und Krause und dann von Zeumer u. Werminghoff (Hannover 188397). Vgl. Boretius, Beiträge zur Kapitularienkritik (Leipz. 1874); Seeliger, Die K. der Karolinger (Münch. 1893).
 
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Kapitularvikār, s. Meyers Kapitel.
 
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Kapitulation (neulat.), 1) Vertrag, namentlich eine in verschiedene Abschnitte (Kapitel) eingeteilte völkerrechtliche Abmachung; insbes. ein Vertrag zwischen zwei kriegführenden Korps wegen Einstellung des Kampfes. Fehlt es der Besatzung eines festen Platzes an Munition oder an Lebensmitteln und ist Entsatz durch Ersatztruppen nicht möglich, so ist die K. unvermeidlich. Will der Kommandant wegen der K. unterhandeln, so gibt er dies dem Angreifer durch Ausziehen einer weißen Fahne zu erkennen und entsendet Parlamentäre zur Unterhandlung über die Kapitulationsbedingungen. Die Unterzeichnung der K. selbst geschieht durch die beiderseitigen Oberbefehlshaber. Die Bedingungen für die Besatzung sind entweder »Übergabe auf Gnade und Ungnade«, auf Grund welcher früher der Sieger die Kapitulierenden »über die Klinge springen lassen« durfte, nach der modernen Anschauung jedoch nur noch zu Kriegsgefangenen machen darf, oder »freier Abzug« mit ihrem Privateigentum, jedoch ohne Waffen, oder »Abzug mit Waffen und militärischen Ehren« in die Heimat, wie bei der K. von Belfort 1871, mit der Verpflichtung, eine bestimmte Zeit nicht gegen den Sieger zu fechten. Nach Vereinbarung von Zeit und Ort findet die Übergabe der Besatzungstruppen und Einzug des Siegers in die Festung, Übergabe der Pulvermagazine, Festungspläne etc. an hierzu delegierte Offiziere statt. Die Haager Kriegsrechtskonvention von 1899 bestimmt dagegen, daß die Bedingungen der K. den Forderungen der militärischen Ehre entsprechen müssen und von beiden Teilen gewissenhaft und peinlich zu beobachten sind. Kapitulationen von größern Truppenmassen oder Armeen im freien Felde kommen, wie leicht begreiflich, selten vor; besonders bekann le und historisch wichtige Fälle sind: die K. der Sachsen bei Pirna 16. Okt. 1757, die des preußischen Generals Fink bei Maxen 1759, die K. des Fürsten Hohenlohe bei Prenzlau 28. Okt. 1806, Blüchers bei Ratkau 7. Nov. 1806, Görgeis zu Világos 13. Aug. 1849. Die denkwürdigste K. aber ist die von Sedan 2. Sept. 1870, durch die sich Napoleon III. mit einer Armee von 83,000 Mann, der Festung Sedan und allem Kriegsmaterial den Deutschen ergab. Daneben ist vornehmlich der K. von Metz 27. Okt. 1870 und der von Paris 28. Jan. 1871 zu gedenken.
   2) K. (Dienstverpflichtung) heißt im deutschen Heere die Eingehung der Verpflichtung zu einer längern als der gesetzlichen Dienstzeit, im allgemeinen nur für Leute angängig, die Aussicht geben, als Unteroffiziere dem Dienst wesentlichen Nutzen zu bringen. Durch Abschluß der Kapitulationsverhandlung zwischen dem Kapitulanten einer- und der Truppe (Regiment etc.) anderseits wird das Anrecht auf das Kapitulationshandgeld (100 Mk.), die Kapitulantenzulage zur Löhnung, Umzugskosten bei Versetzung und das Eigentumsrecht an ausgetragenen Kleinbekleidungsstücken erworben. Die K. ist aufzuheben: bei schlechter Führung, Ehrenstrafen, Freiheitsstrafen über sechs Wochen und nach Übereinkunft mit Rücksicht auf häusliche Verhältnisse. Wird ein Kapitulant 4 Jahre weder gerichtlich mit Freiheitsstrafe noch disziplinarisch mit Arrest bestraft, so sind alle vor dieser Zeit erlittenen Disziplinarstrafen zu löschen. Nach der ersten K. erfolgt meist jährliche Erneuerung, diese fällt nach dem 12. Dienstjahre weg, und die Entlassung kann dann nur noch mit Zustimmung des Kapitulanten erfolgen. Vgl. »Besoldungsvorschrift für das preußische Heer im Frieden vom 10. März 1898«; v. Wenckstern, Der Kapitulant (3. Aufl., Minden 1898); Fircks, Taschenkalender für das Heer (Berl. 1905). S. Meyers Dienstprämie, Meyers Militärversorgung.
   3) Bezeichnung der völkerrechtlichen Verträge, die früher zwischen der Türkei und fremden Mächten (der erste von Frankreich 1535) und später zwischen den christlichen Staaten und den nichtchristlichen überhaupt zum Schutze der dort lebenden Christen abgeschlossen wurden. Der Ausdruck K. erklärt sich daraus, daß man ehedem mit der Türkei keinen eigentlichen Frieden, sondern nur Waffenstillstand abzuschließen pflegte. In neuerer Zeit sind von besonderer Bedeutung die zum Zweck des Rechtsschutzes der in Ägypten leben den Fremden mit der dortigen Regierung getroffenen Vereinbarungen (s. Meyers Internationale Gerichte). Endlich ist K. gleichbedeutend mit Meyers Wahlkapitulation (s. d.).
 
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Kapitulieren (franz.), eine Meyers Kapitulation (s. d. 1) eingehen, sich ergeben (von Festungen etc.).
 
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Kapīvibalsam, soviel wie Gurjunbalsam.
 
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Kapkolonie (Kapland, hierzu drei Karten: Meyers »Südafrika«, »Geologische Karte von Südafrika« und »Vorkommen der nutzbaren Mineralien in Südafrika«, mit Textblatt), brit. Kolonie, umfaßt den südlichsten Teil von Afrika, zwischen 2835° südl. Br. und 1730° östl. L., wird im W. und S. umgeben vom Atlantischen und Indischen Ozean, im N. von Deutsch-Südwestafrika, Britisch-Betschuanenland, der Oranjekolonie und Natal und hat einen Flächeninhalt von 495,747 qkm, mit Einschluß seiner Dependenzen (s. unten) 756,803 qkm.
   [Bodengestaltung und Gewässer.] Die Küste hat 2000 km Länge, die atlantische ist meist Flachküste, die indische Steilküste. Die meisten Küsteneinschnitte sind ungenügend geschützt, nur die wenig besuchte Saldanhabai an der atlantischen Küste bietet Schiffen jederzeit eine sichere Zuflucht. Zu nennen sind noch: Port Nolloth im N., die große, offene St. Helenabai, die Tafelbai, der Hafen der Kapstadt, früher verrufen, jetzt aber durch großartige Hafendämme gesichert, die Falsebai mit der wohlgeschützten Simonsbai, britische Marinestation, die St. Sebastianbai mit Port Beaufort, die Mossel-, Plettenberg-, St. Francis- und Algoabai, letztere mit Port Elizabeth, die aber ebenso wie Port Alfred und die Buffalomündung, der Hafen von East London, erst durch kostspielige Arbeiten gesichert werden mußte. Die nennenswertesten Vorgebirge sind: Paternosterpoint, Kap der Guten Hoffnung, Nadelkap oder Kap Agulhas, die Südspitze des Kontinents, Kap St. Francis und Kap Recife.
   Das Land steigt terrassenförmig vom Meer auf. Diese Terrassenbildung ist schon im Meer in der sogen. Nadelbank erkennbar, die vom Kap bis Port Natal die Küste säumt. Dem schmalen, stellenweise bis über 50 km breiten Küstenstreifen sind vereinzelte Bergstöcke, wie der 1082 m hohe Tafelberg, aufgesetzt. Mehrere Ketten, im Durchschnitt 1000, im südlichen Teil 15001800 m hoch, ziehen nordwärts bis zum Oranjefluß. Die erste Terrasse steigt in den Cedar- und Olifantbergen (Großer Winterhoek 2085 m) steil empor; daran schließen sich in östlicher Richtung das Hexgebirge, Keeromgebirge (Keeromberg 2200 m),

[Bd. 6, Sp. 595]


die Lange-, Buteniqua- und Lang Kloofberge, die mit den Zityikammabergen am Kap St. Francis ihr Ende finden. Dahinter erhebt sich ein von Parallelketten (Kammannassie-, Kugaberge) erfülltes, reich bewässertes Hochland (300 m), fruchtbar an Weizen, Mais und Wein, von dem die zweite Terrasse, die große Ebene der Meyers Karru (s. d.), zu 800 m Durchschnittshöhe aufsteigt. Nur in engen, schluchtenartigen Quertälern (Kloofs, »Klüfte«) durch die den Südrand bildenden Großen und Kleinen Zwarteberge kann man zu ihr aufsteigen. Den weit höhern Nordrand bilden das Roggeveldgebirge, der Komsberg, die Winterberge, die Schneeberge (Kompaßberg 2378 m), von wo ostwärts die Zour- und Stromberge (2100 m) zum mächtigen Kathlamgebirge ziehen. Eine zweite Kette zieht vom Kompaßberg südwärts: die Tandtjesberge, Elandsberge (Großer Winterberg 2378 m). Die erste Kette bildet die Wasserscheide zwischen den Zuflüssen zum Indischen Ozean (Großer Kei, Großer Fischfluß, Sunday, Gamtoos, Gouritz) und den meist wasserlosen Zuflüssen des nördlichen Grenzflusses Oranje. Der nördlichste Teil der K., die sanft nach N. abgedachte Garipterrasse, besteht aus weiten Flächen, aus denen einzelne niedrige Bergzüge (Slang-, Karreeberge) und zahlreiche isolierte Kuppen hervorragen. Es ist ein ödes, fast menschenleeres Gebiet, dessen wüstesten Teil das Große Buschmannland im äußersten Norden bildet.
   Über die Geologie und die nutzbaren Mineralien mit besonderer Berücksichtigung der Goldminenindustrie des Kaplandes vgl. das Textblatt zur beifolgenden »Geologischen Karte von Südafrika«.
   Von den Flüssen ist der Oranje der bedeutendste, er allein führt das ganze Jahr hindurch Wasser, während die übrigen (s. oben) in der Trockenzeit meist versiegen. Seen gibt es nicht, nur flache Wannen, Vleis, die sich, wo der Boden nicht wie in den Pans (Salzpfannen) salzig ist, im Sommer mit saftigem Gras bedecken. Auf den beiden innern Terrassen treten salzige kalte Quellen, zu Caledon und Uitenhage einige Thermen, teils schwefel-, eisen- und manganreiche, teils alkalische, zutage.
   [Klima. Pflanzen- und Tierwelt.] Das Klima ist infolge der großen Ausdehnung und mannigfaltigen Oberflächengestalt des Landes in den einzelnen Teilen sehr verschieden. Nach K. Dove lassen sich folgende Klimaprovinzen unterscheiden: 1) das Gebiet der Winterregen: die Westseite der K., bis zum Oranjefluß reichend (Regenmenge in der Umgebung des Tafelberges durchschnittlich zwischen 60 und 75, landeinwärts zwischen 40 und 50 cm, Jahrestemperatur zwischen 16 und 17°; Kapstadt: mittlere Extreme 32,9 und 4,6°). 2) Das Übergangsgebiet mit Frühlings- und Herbstregen: der mittlere Teil der K. von der Nordwestküste bis zum Oranjefluß. Regenmenge zwischen 30 und 79 cm, Maximum vielfach im März, Jahrestemperatur im W. 1617°, im O. 1718°. (Mosselbai: Jahresextreme 30 und 7°.) 3) Das Gebiet mit Sommerregen: nördlich und östlich vom vorigen. Regenmenge zwischen 51 und 77 cm, Jahrestemperatur an der Küste zwischen 18 und 21°, im Innern zwischen 16 und 18°. Im Hochlande des obern Oranje sind die Wärmeschwankungen sehr groß (Aliwal North: Seehöhe 1340 m, Jahresextreme 38,7 und -7,1°, absolute Extreme 41 und -11°). Schnee fällt nur in hochgelegenen Gegenden, in Kapstadt hat man den Tafelberg nur einmal mit Schnee bedeckt gesehen. Gewitter treten in den Hochsteppen mit Heftigkeit auf. Stürme, von NW. im Winter, von SO. im Sommer kommend, sind sehr häufig und nicht selten verheerend.
   Die äußerst reiche Flora der K. kommt derjenigen Westaustraliens an Artenzahl nahe. Die Wasserscheide der Drakenberge bildet die Westgrenze der südafrikanischen Tropenregion, in der, ohne eigentliches Tropenklima, doch die Hauptmasse tropischer Florenelemente sich vereint. Mehrere Cykadazeen (Encephalartus und Stangeria), Phoenix reclinata, die hochstämmige Musazee Strelitzia, dazu Koniferenarten, wie Podocarpus und die Bergzypresse Widdringtonia, sind hier mit den Afrika eignen Euphorbien und der Rutazee Calodendron capense Typen der Wälder, Buschdickichte und offenen grasigen Niederungen. Die im W. sich anschließende Hochflächenregion bildet weite, baumlose Hochebenen mit kümmerlichem Buschwerk, heideartigen Halbsträuchern mit Rutazeen, Geraniazeen, kleinen Leguminosen und vorwiegend Kompositen (Helichrysum, Ericephalus, Pentzia, Othomiopsis u. a.). In der Karrooregion bildet Acacia horrida an den Flußrändern die einzigen Baumbestände. Daneben sind Capparis oleoïdes, dann die Portulacaria afra mit säuerlich schmeckenden fleischigen Blättern, Sarcocaulon Patersoni sowie zahlreiche Pelargonien und Oxalideen charakteristische Pflanzengestalten. Das artenreichste Gebiet ist die immergrüne Wald- und Buschregion der südlichen K. In den an der Südküste wohlentwickelten Hochwäldern finden sich Bauhölzer von oft riesenhafter Stammentwickelung: Podocarpus Thunbergii, Crocoxylum excelsum, Cartisia fraginea, Elaeodendron capense etc., während die Südwestecke des Kontinents die für die K. typische Masse von Proteazeen (Protea, Leucadendron) und Erikazeen aufweist, zu denen Pelargonien, Mesembryanthemum- und Aloë-Arten, Rhus- und Phylica-Sträucher sich gesellen. Mit seiner Tierwelt gehört die K. zur äthiopischen Region und bildet den Hauptraum der südafrikanischen Subregion. Charakteristisch ist das völlige Fehlen der großen Affen; typische Bewohner der K. sind Löffelhund, Springhase (Pedetes), Goldmull; die bekannten großen Formen werden immer mehr zurückgedrängt und verschwinden. Der Löwe ist nur noch im NO. zu treffen, der Elefant gelegentlich in den Wäldern der Südostküste, das Flußpferd in den Küstenflüssen von Britisch-Kaffraria und im Oranje; Rhinozeros und Giraffe sind längst über die Grenzen hinaus verscheucht, der Büffel schweift noch im Knysnawald und den Dickichten des Großen Fischflusses umher, auch das Zebra ist noch in den Bergen zu treffen. Gnu, Hartebeest und Springbock finden sich noch zuweilen in Herden, ebenso vereinzelt der Strauß, den man jetzt züchtet. Schlangen, darunter einige giftige, sind zahlreich. Heuschrecken werden namentlich in den nördlichen und östlichen Bezirken oft zur empfindlichen Plage.
   [Bevölkerung.] Die Hottentotten, die ursprüngliche Bevölkerung des Landes, sind zuerst durch das Eindringen der Kaffern und Betschuanen, dann durch die europäische Einwanderung verdrängt worden und bilden nur noch einen kleinen Teil des Volkes. Die Europäer, ursprünglich Holländer, zu denen Engländer und Deutsche kamen, führten Malaien und einige Neger ein, so daß diese verschiedenen Völkertypen mit den zwischen ihnen hervorgegangenen Mischlingen in der eigentlichen K. eine bunte Musterkarte abgeben. Unter dem Gouverneur der K. als Oberkommissar (High Commissioner) der englischen Krone stehen auch die ohne Mitwirkung der K. direkt vom englischen Kolonialministerium verwalteten

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nördlichen Besitzungen. Die K. besteht demnach aus folgenden Teilen:

Nach Nationalitäten zerfiel sie 1891 in 376,987 Weiße (davon geboren in der K. 320,701, in Großbritannien 38,497, in Deutschland 6540), 608,456 Kaffern und Betschuanen, 229,680 Fingo, 50,388 Hottentotten (davon 5296 Buschmänner), 1453 Indier, 215 Chinesen, 13,907 Malaien. Während in der eigentlichen K. und in Westgriqualand die weiße Bevölkerung bei weitem überwiegt, ist es in den übrigen Landesteilen umgekehrt. Der Religion nach waren 732,047 Protestanten (darunter 306,320 zur holländisch-reformierten Kirche Gehörige), 17,222 Katholiken, unter drei Bischöfen, 3009 Juden, 15,099 Mohammedaner (Malaien), 1447 andre Sekten, 758,400 Heiden. Die Mission ist hier seit langem tätig; gegenwärtig arbeiten in der K. drei deutsche protestantische Gesellschaften (Brüdergemeinde, Rheinische, Berliner auf 47 Stationen), drei englische und eine französische. Für die Volksbildung wird viel getan; da aber kein Schulzwang besteht, so gab es 1891 noch 305,629 schulpflichtige Kinder ohne Unterricht, während nur 107,880 unterrichtet wurden. Für den höhern Unterricht bestehen 4 Colleges (in Kapstadt, Rondebosch, Stellenbosch, Grahamstown) mit 220 Schülern und einige andre Schulen; die 1872 in Kapstadt gegründete Universität ist nur eine Prüfungsbehörde für die juristische und philosophische Fakultät. Ein College für Kaffern in Kapstadt wird von der anglikanischen Kirche unterhalten. Außerdem gibt es ein theologisches Seminar der holländischen Reformierten zu Stellenbosch, 4 Erziehungsanstalten der Katholiken, 2 Landwirtschaftsschulen und mehrere höhere Töchterschulen, im ganzen 1694 öffentliche Schulen, zu deren Kosten der Staat jährlich 297,189 Pfd. Sterl. beisteuerte. Von der über fünf Jahre alten Bevölkerung konnten 896. 299 (69,8 Proz.) weder lesen noch schreiben. Es bestehen 73 öffentliche Bibliotheken, und es erscheinen 78 Zeitungen und Zeitschriften.
   [Erwerbszweige.] Der Ackerbau, der vornehmlich in den Küstenstrichen um Kapstadt, Zurburg, Lower Albany und Olifants Hook gedeiht und stellenweise durch künstliche Bewässerung sehr gefördert wird, hat sich stetig gehoben, doch bleibt die Zufuhr von Brotstoffen immer bedeutend. Gebaut werden namentlich Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Kafferkorn, Kartoffeln, Tabak. Mit Ackerbau waren 1894: 672,458 Personen beschäftigt. Der Weinbau, schon um 1660 eingeführt, ermöglichte 1859 eine Ausfuhr im Werte von 153,000 Pfd. Sterl., sank aber seitdem sehr bedeutend und betrug 1903: 20,596 Pfd. Sterl. Die bekanntesten Sorten sind Constantia, Pontac, Steen, Haniput. Gut gedeihen Orangen, Zitronen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Aprikosen in mehreren Distrikten. Die Viehzucht findet günstige Bedingungen namentlich in den großen zentralen Bezirken, wo das trockne Klima und die salzhaltigen Pflanzen der Karroo vor allem den Schafen zusagen, auch für die Viehzucht sind ausgedehnte Flächen durch Anlage von Staudämmen nutzbar gemacht worden. Man zählte vor dem Kriege 400,000 Pferde, 100,000 Esel und Maultiere, 1 Mill. Rinder, 12,300,000 Wollschafe, 5,572,793 Angora- und andre Ziegen, 245,947 Schweine und 260,000 Strauße. Durch den Krieg ist aber ein großer Teil des Viehbestandes vernichtet worden. Die Schafzucht hat sich nach Verdrängung der einheimischen Fettschwanzrasse durch eingeführte Merinos sehr gehoben; 1903 betrug die Ausfuhr von Wolle 1,817,932, von Angoraziegenhaar 652,515, von Straußfedern 945,001 Pfd. Sterl. Dazu kommen noch große Posten von Schafen, Häuten und Fellen. Der Bergbau fördert in erster Linie Diamanten bei Meyers Kimberley (s. d.). Die Ausfuhr von Diamanten aus 35 Gruben (die sich aber mit der Gewinnung nicht deckt, da der Schmuggel nicht unbedeutend ist) betrug von 186792: 62,825,758 Pfd. Sterl., 1903 allein 5,472,690 Pfd. Sterl. Kupfer wird schon seit 1852 in Klein-Namaland, jetzt aus 6 Gruben abgebaut und das Erz (Rot- und Buntkupfererz), das bis 70 Proz., durchschnittlich aber 27,5 Proz. Metall enthält, auf einer zu diesem Zweck gebauten Bahn nach Port Nolloth befördert (1903 für 457,205 Pfd. Sterl.), um zur Verschmelzung nach England verschifft zu werden. Kohle wird in den Divisionen Wodehouse und Albert aus 4 Gruben gewonnen, deckt aber den Bedarf nicht annähernd (Einfuhr 1903: 294,999 Pfd. Sterl.). Gold hat man in geringen Mengen bei Kuysna und Prince Albert gefunden. Guano wird auf den Inseln an der Westküste von der Regierung ausgebeutet. Seefischerei wird mit 300 Fahrzeugen von 867 T. und 1408 Mann Besatzung betrieben; es findet Ausfuhr von Hummern und getrockneten Fischen statt.
   Die noch wenig bedeutende Industrie beschäftigte 1894 in 2195 gewerblichen Anstalten 18,785 Personen (2851 weibliche) und 327 Dampf- und Gasmaschinen mit 4840 Pferdekräften, die Waren im Werte von 5,639,147 Pfd. Sterl. herstellten. Am bedeutendsten sind die 262 Getreidemühlen, 106 Biskuitfabriken, Gerbereien, Wagenbauanstalten, Obstkonservenfabriken, Sägemühlen, Schuhfabriken, Brauereien, Brennereien etc. Dagegen ist der Handel um so bedeutender und wächst noch stets mit der zunehmenden Erschließung des Hinterlandes durch Eisenbahnen. Mit Basutoland, Britisch-Betschuanenland und der Oranjekolonie bildet die K. einen südafrikanischen Zollverein. Die Einfuhr besteht vornehmlich in Kleidern, baumwollenen u. wollenen Manufakturwaren, Eisenwaren, Maschinen, Lederwaren, Rohzucker, Kaffee, Dynamit, Getränken, Holz etc. und betrug 1903: 34,685,020 Pfd. Sterl., die Ausfuhr in Gold (aus Transvaal für 11,979,658 Pfd. Sterl.). Diamanten (5,472. 690 Pfd. Sterl.), Wolle (1,817,932 Pfd. Sterl.), Angora haaren, Straußfedern, Kupfererz, Schafen und Ziegen etc. Der erstaunlich gestiegene Schiffsverkehr erreichte 1903: 10,914,897 Ton. Die Haupthäfen, die über 95 Proz. des gesamten Seeverkehrs der Kolonie vermitteln, sind Port Elizabeth, Kapstadt und East London. Die erste Eisenbahn wurde 1859 eröffnet, Ende 1901 waren im Betrieb 3967 km (mit Ausnahme von 531 km Privatbahnen, von Port Ai fred und Port Nolloth ausgehend, sämtlich Staatsbahnen), deren wichtigste Linien Kapstadt-Wellington-Hopetown, Port Elizabeth-Cradock-Colesberg, East London-Burghersdorp-Aliwal North sind. Auf allen Bahnen wurden 1901: 15,433,715

[Bd. 6, Sp. 597]


Personen befördert. Das Anlagekapital betrug 24,022,876, die Einnahme 1901: 3,852,871, die Ausgabe 2,875,571 Pfd. Sterl. Die Telegraphenlinien hatten 1901: 12,022 km Länge mit 504 Bureaus, die 1901: 4,242,640 Depeschen beförderten; eine Überlandlinie vom Kap nach Kairo befindet sich im Bau. Unterseeische Kabel verbinden die Küsten mit Europa. Die Post wird regelmäßig durch englische und deutsche Dampfer besorgt. Sie beförderte 1901: 17,812,000 Briefe, 16,886,000 Drucksachen und 802,094 Geldsendungen im Werte von 2,700,679 Pfd. Sterl. Es bestehen in der K. elf Banken, von denen die bedeutendsten die Cape of Good Hope's-Bank und die South African-Bank sind. - Münzen, Maße und Gewichte. Eine Verordnung vom 6. Juni 1825 machte die englische Währung statt der frühern holländischen gesetzlich. Als Maße dienen seit 1861 die englischen mit Ausnahme der Landvermessung, wobei 1000 Kapfuß im J. 1858 = 1033 britischen festgesetzt wurden; 1 alter Amsterdamer Morgen wird = 2 Acres oder 80,934 Ar gerechnet. 1 Pipe Kapwein enthält 110 alte Gallonen = 416,37 Lit.
   Nach der Verfassung von 1853 besteht das Parlament aus einem Oberhaus (Legislative Council) von 22 und einem Unterhaus (House of Assembly) von 72 auf 5 Jahre gewählten Mitgliedern. Die Kolonie ist für die Wahlen zum Oberhaus in 7 Provinzen, für die zum Unterhaus in 34 Bezirke eingeteilt. Die exekutive Gewalt ruht in den Händen des Gouverneurs, der von der britischen Regierung ernannt, aber von der Kolonie besoldet wird, und einem Ministerium aus 6 Mitgliedern. Hauptstadt der Kolonie, die in 78 Divisionen zerfällt, ist Meyers Kapstadt (s. d.). Die Staatseinnahmen betrugen 1900/01: 8,578,076, die Ausgaben 10,161,043 Pfd. Sterl.; die Staatsschuld betrug 31,393,435 Pfd. Sterl. Die britischen Truppen in Südafrika haben nach Beendigung des Krieges eine Stärke von 70,000 Mann, dazu kommen die kolonialen Freiwilligen, zusammen 79 Korps mit 364 Offizieren und 6589 Mann. Die englische Flottenabteilung für Südafrika, 9 Schiffe, ist in Simonstown stationiert; die K. besitzt mit Natal ein Kasernenschiff, einen Küstenverteidiger, einen Schlepper und vier Heckraddampfer. Das Kapland ward zuerst, nachdem eine Umsegelung durch die beiden Genuesen Vivaldi 1291 in Vergessenheit geraten war, 1487 von dem Portugiesen Bartholomeu Meyers Dias (s. d.) und 1497 von Vasco da Gama umschifft. Da es jedoch den Portugiesen nur um den Weg nach Indien zu tun war, so legten sie keine Kolonie im Kapland an. Erst 1602 ließ es die Holländisch-Ostindische Kompanie mit einer Kolonie besetzen. 1652 gründeten die Holländer (Jan van Riebeek) an der Stelle der jetzigen Kapstadt das erste Fort. Die Kolonisten (boers, Buren) hatten seit 1659 mit den Hottentotten blutige Kämpfe zu bestehen, bis sich diese unterwarfen oder zurückzogen. Bald drangen die Buren bis an die Grenzen des Kaffernlandes vor, und die Kolonie gedieh so, daß, als den Generalstaaten von Ludwig XIV. ernste Gefahr drohte, die reichsten Holländer nach der K. und nach Batavia überzusiedeln beabsichtigten. Nachdem 1782 im nordamerikanischen Krieg ein Angriff der Engländer auf die K. mißlungen war, nahmen sie diese 16. Sept. 1795 in Besitz. Zwar ward das Land nach dem Frieden von Amiens den Holländern 1803 zurückgegeben; doch schon 1806 eroberten es die Engländer von neuem und erhielten es im ersten Pariser Frieden 1814 endgültig. Seitdem nahm die K., namentlich durch den Verkehr mit England und Ostindien, einen raschen Aufschwung. 1820 erhielt die Kolonie 4000 neue Ansiedler aus England. Dagegen erweckte die englische Regierung bei den holländischen Kolonisten Unzufriedenheit dadurch, daß sie in Menge Missionen zuließ, welche die Hottentotten gegen ihre holländischen Herren aufhetzten, und daß sie 1. Dez. 1834 die Sklaverei aufhob, ohne genügende Entschädigung zu zahlen. Um 1835 wurde ein Strich im Nordwesten jenseit des Oranjeflusses erobert, Adelaide genannt und durch Forts und Blockhäuser gesichert. Einzelne Kaffernstämme unterwarfen sich nach und nach und erhielten Wohnsitze innerhalb des britischen Gebietes. Die englische Regierung stellte aber bald alle weitern Eroberungskriege ein und unterließ sogar den Schutz der Grenzen, so daß die Buren durch die Einfälle der Kaffern große Verluste erlitten. Daher zogen 5000 holländische Kolonisten unter Pieter Retief 1836 weg und siedelten sich 1837 im Gebiet des Sulufürsten Dingaan und bei Port Natal, einem Hafen südlich vom portugiesischen Gebiet, an, und trotzdem daß Retief 5. Febr. 1838 mit 66 der vornehmsten Auswanderer von den Kaffern verräterisch erschlagen ward, kehrten die Übriggebliebenen nicht zurück, sondern zogen neue Auswanderer an sich und erklärten sich 11. Nov. 1839, indem sie die Republik Port Natal gründeten, für unabhängig von England. Sie wurden aber im Sommer 1842 von den Engländern gezwungen, Natal zu räumen, das 1856 zu einer besondern, von der K. unabhängigen Kolonie erhoben wurde. 1846 brach wieder ein blutiger Krieg mit den Kaffern aus, der endlich Anfang 1848 mit ihrer Unterwerfung und der Besitznahme von Britisch-Kaffraria endete. Nun nahm der Kapgouverneur, Harry Smith, auch die von ausgewanderten Buren zwischen dem obern Oranje und dem Vaal besetzten Gebiete für England in Anspruch. Zwar erhoben sich die Buren unter Anführung Andries Pretorius', von mehreren Kaffernhäuptlingen unterstützt, wurden aber bei Boom Plaats 29. Aug. 1848 durch Smith geschlagen. Die Mehrzahl wanderte nun über den Vaal und gründete (17. Jan. 1852 Sand River Convention) die Transvaalsche, später Südafrikanische Republik. 12,000 Buren blieben im englischen Gebiet zurück.
   Neue Unruhen begannen, als die englische Regierung trotz Protestes der Bevölkerung Sträflinge in der K. ansiedeln wollte; als 19. Sept. 1849 ein Schiff mit 280 Sträflingen in der Bucht St. Simon anlangte, stieg die Aufregung fast zur Empörung. Am 8. Febr. 1850 erklärte Lord John Russell im Unterhaus, daß den Kolonisten keine Sträflinge aufgenötigt und die nach der K. Deportierten nach Tasmania gebracht werden sollten. 1850 brach ein neuer Kaffernkrieg aus, der infolge unglücklicher Kämpfe der englischen Truppen einen Aufstand der bisher friedlichen Hottentotten zur Folge hatte. Die weiße Bevölkerung, durch Verweigerung der wiederholt erbetenen Verfassung gereizt, beteiligte sich nur lau an der Verteidigung der Kolonie. Doch General George Cathcart brachte es endlich dahin, daß mehrere Häuptlinge um Frieden baten, der am 9. März 1853 mit ihnen abgeschlossen ward; danach sollte der Fluß Kei die Grenze bilden. Da es aber der vereinigten Kräfte der Weißen bedurfte, um einer etwaigen neuen Erhebung der Kaffern begegnen zu können, suchte sich der Gouverneur mit den Buren im Oranjeflußgebiet in ein besseres Einvernehmen zu setzen. Am 23. Febr. 1854 kam ein Vertrag mit ihnen zustande, worin England

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die Oranjeflußsouveränität (Orange River Sovereignty) räumte und als unabhängigen Oranje-Freistaat anerkannte.
   Einen großen Zuwachs an Ansiedlern erhielt der neue Freistaat im Laufe des Jahres 1854 infolge der an mehreren Stellen des Landes entdeckten Goldlager. Kurz vorher waren auch die Forderungen der Kolonisten in bezug auf eine freiere Verfassung bewilligt worden; 1. Juli 1854 ward das erste Parlament der K. eröffnet, das in ein Ober- und Unterhaus (Legislative Council und Assembly) zerfiel. Ein Teil der während des Krimkriegs gebildeten deutschen Legion, der das in Geld und Ländereien bestehende Angebot der Regierung annahm, wurde nach dem Kap eingeschifft und im Frühjahr 1857 auf verschiedene Grenzstationen verteilt. 1869 wurde das Basutoland der K. einverleibt, 1871 das Gebiet der neuentdeckten Diamantfelder, im Herbst 1874 Ostgriqualand in Besitz genommen, 1876 Fingoland, Idutywa Reserve und Nomansland und 1877 Westgriqualand mit der K. vereinigt. In demselben Jahre ließ England 12. April Transvaal als Provinz der K. einverleiben; doch mußte es nach einem unglücklichen Kriege gegen die Buren (s. Meyers Südafrikanische Republik) 1881 die Unabhängigkeit dieser Republik wieder anerkennen. Inzwischen war 1879 ein Krieg mit dem Sulukönig Cetewayo ausgebrochen, worin die Engländer anfangs Verluste erlitten (22. Jan. wurden bei Isandula 1400 Mann niedergemetzelt), aber 4. Juli bei Ulundi siegten und 28. Aug. den König selbst gefangen nahmen. 1880 war das Kaffernland bis zur Delagoabai unter britischen Einfluß gebracht; 30. Sept. 1885 wurde Betschuanenland zu einer Kronkolonie gemacht. Durch die Südafrikanische Gesellschaft (die sogen. Chartered Company) suchte der Ministerpräsident Sir Cecil Rhodes die britische Herrschaft über den Sambesi hinaus bis zum Nyassa- und Tanganjikasee auszudehnen. Um das fruchtbare Maschonaland zu erobern, wurde 1893 ein siegreicher Krieg mit den Matabele (Lobengula) geführt.
   Im letzten Jahrzehnt hat die innere Politik der K. eine über ihre engen Grenzen weit hinausgreifende Bedeutung gewonnen, da seit Ende 1895 immer klarer wurde, daß eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen England und den Burenstaaten unvermeidlich war. Im Parlament der K. vertrat der agrarische Afrikander-Bond die rein kapkolonialen Interessen der seßhaften, also nicht etwa bloß niederländischen Bevölkerung, der man fälschlich eine illoyale, sezessionistische Englandfeindlichkeit zugesprochen hat; dagegen betonten die Fortschrittlichen (Progressisten) mehr den britischen Imperialismus in Handel und Industrie des fluktuierenden, also auch z. B. holländische Kaufleute oder Rechtsanwalte in seinen Reihen zählenden Städtertums. Das unter dem Einfluß Cecil Rhodes' stehende progressistische Ministerium Sir Gordon Spriggs brachte im Juni 1898 ein Gesetz über eine anderweitige Teilung der Wahlbezirke im Parlament ein, durch das die Zahl der Anhänger der Rhodespartei vermehrt werden sollte. Als der Afrikander-Bond unter Schreiner eine Mißtrauenserklärung gegen das Ministerium durchsetzte, löste das Ministerium 22. Juni das Parlament auf. Bei den Neuwahlen siegten die Afrikander bloß mit 40 gegen 39 Sitze. Durch ein neues Mißtrauensvotum wurde 10. Okt. das Ministerium Sprigg gestürzt, und Schreiner bildete ein neues. Nach Annahme des geforderten Wahlgesetzes und Auflösung des Parlaments fanden im März und April 1899 die Neuwahlen statt, bei denen die Afrikander ihre Mehrheit etwas verstärkten.
   Aber ihre Versuche, den Krieg zwischen England und der Südafrikanischen Republik zu verhindern, waren vergeblich; der englische Kolonialminister Chamberlain, von Rhodes und dem Gouverneur der K., Sir A. Milner, unterstützt, erteilte 4. Okt. eine ablehnende Antwort. In dem Kampfe selbst (s. Südafrikanischer Krieg) beobachtete die Kapregierung Neutralität. Englische Einwohner (angeblich 26,000) traten als Freiwillige in das britische Heer; in den von den Buren besetzten Teilen des Kaplandes gingen Holländer zum Feinde über. Doch nahm der Aufstand der holländischen Bevölkerung bei der vorsichtigen Haltung der Buren keinen größern Umfang an. Der streng loyale Ministerpräsident Schreiner war bereit, die von britischen Militärgerichten gegen gefangene »Kaprebellen« im Frühjahr 1900 gefällten Urteile nachträglich zu genehmigen, den Teilnehmern am Aufstand auf 5 Jahre das Wahlrecht zu entziehen, die überführten Aufrührer aber strenger zu bestrafen. Aber nicht nur die Mehrheit seiner Partei im Parlament, sondern auch die seines Ministeriums ließ ihn im Stich, als er 12. Juni 1900 die Vorschläge vor das Parlament brachte, und forderte allgemeine Amnestie für die Aufständischen. Daher trat Schreiner zurück, und der frühere Premierminister Sir Gordon Sprigg bildete 18. Juni ein neues, vorwiegend englisches Ministerium, das, von dem gemäßigten Teil der Afrikander unterstützt, die Mehrheit im Parlament besaß. Nach leidenschaftlichen Verhandlungen wurde 21. Sept. die von der Regierung vorgelegte Hochverratsbill, die alle Kapholländer, die sich den Buren beim Einfall in die K. angeschlossen hauen, auch nach verbüßter Strafe des Stimmrechts beraubte, angenommen; auch eine Resolution, welche die Annexion der beiden Burenrepubliken durch England billigte, fand eine knappe Mehrheit. Der Afrikander-Bond hielt 6. Dez. in Worcester einen Kongreß ab, an dem 3000 Abgeordnete teilnahmen, die 130,000 Afrikander vertraten; gefordert wurden die Unabhängigkeit der Republiken und die Abberufung Milners. Die Buren fühlten sich dadurch Ende Dezember zu einem Einfall in die K. ermutigt; doch trat der von ihnen gehoffte allgemeine Aufstand der Kapholländer nicht ein, zumal da die Regierung umfassende Verteidigungsmaßregeln traf und Anfang Januar 1901 das Kriegsrecht verkünden ließ.
   Doch nach dem Friedensschlusse von Pretoria (31. Mai 1902) vollzog sich in der innern Politik der K. eine merkwürdige Wandlung. Durch die von den extremen Progressisten (Smartt, Jameson u. a.) betriebene und von Milner befürwortete Agitation für Aufhebung der Verfassung wurden aus den ehemaligen Feinden der Regierung deren Helfer: das Ministerium Sprigg verstärkte fortan seine gefährdete Stellung durch einen Bund mit den Afrikandern (August 1902). Doch die sanguinischen Hoffnungen, die der Bond aus dieser übrigens sehr kurzen Regierungsfähigkeit hinsichtlich eines größern Entgegenkommens des Mutterlandes den verurteilten Hochverrätern gegenüber etc. geschöpft hatte, verwirklichten sich während der letzten Woche, die der englische Kolonialminister nach seiner zweimonatigen Reise in die eroberten Burenstaaten in Kapstadt zubrachte (Februar 1903), nur zum kleinsten Teile; am 24. März willigte der Gouverneur in die Freilassung aller politischen Gefangenen. Bei dem Versuche, die durch Rassenhaß aufgewühlte K. gründlich zu beruhigen, schieden sich

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die Wege Spriggs von denen des Bonds immer mehr, bis der schon seit 4. Sept. 1902 gelegentlich bezeugte Konflikt zwischen beiden im Herbst 1903 zur Auflösung des Unter- und des Oberhauses der K. führte. Die Progressisten aller Schattierungen fanden sich nun von neuem zusammen. Aber den Gewinn davon sicherte sich die schärfere Richtung allein: im Februar 1904 errangen die Fortschrittlichen zum erstenmal bei den Wahlen eine kleine Mehrheit; doch der eine gemäßigte Richtung nach wie vor verfechtende Premierminister unterlag persönlich in East London, das er seit 1869 vertreten hatte. Seit 21. Febr. leitet an seiner Stelle ein radikal-progressistisches Ministerium Jameson (s. d. 2) die Geschicke der K. Abgesehen von der charakteristischen Figur des neuen Premiers ist es für das nunmehrige siebengliederige Kabinett bezeichnend, daß es nur einen Mann (T. W. Smartt, Minister für öffentliche Arbeiten), der (bis Mitte 1902) dem frühern Ministerium angehörte, aufweist, dafür aber drei Direktoren der De Beers-Gesellschaft (Jameson, Sir Lewis Michell und den Generalprokurator Victor Sampson); Männer mit holländischem Namen sitzen gar nicht, geborne Südafrikaner nur zwei (Sampson und T. E. Fuller) darin. Das rein kapkoloniale, seßhafte Element ist somit von der aktiven Verwaltung der K. vorläufig ausgeschlossen.
   Vgl. außer den ältern Reisewerken von Barrow, Burchell, Lichtenstein, Shaw, Chase, Bunbury u. a. und den bei der geologischen Karte angegebenen Werken: Napier, Excursions in Southern Africa, including a history of the Cape Colony (Lond. 1849, 2 Bde.); Fleming, Southern Africa; geography, national history of the colonies (das. 1856); Hall, Manual of South African geography (Kapst. 1859); Keane, South-Africa (neue Ausg., Lond. 1904); Purvis u. Biggs, South-Africa, its people, progress and problems (das. 1896); Statham, Südafrika, wie es ist (deutsch, Berl. 1897); Lucas, Geography of South and East Africa (neue Ausg., Oxf. 1904); Fritsch, Drei Jahre in Südafrika (Bresl. 1868); R. Wallace, Farming industries of Cape Colony (Lond. 1896). Zur Geschichte: Moodie, Cape records from 1652 to 1795 (Kapst. 185659, 3 Bde.); Theal, History of South Africa (Lond. 18891904, 5 Bde., z. T. in 2. Aufl.) und dessen einbändigen Abriß der Geschichte Südafrikas (4. Aufl. 1900); Silver, Handbook to South Africa (4. Aufl. 1891); Brownlee, Reminiscences of Kafir life and history (Lovadale 1896); Cappon, Britain's title in South Africa, or the story of Cape Colony to the days of the Great Trek (2. Aufl., Lond. 1902); Bryden, A history of South Africa (das. 1904); P. A. Molteno, Life and times of Sir John Charles Molteno, first Premier of Cape Colony (das. 1900, 2 Bde.); E. F. Knight, South Africa after the war (das. 1903); Noble, Official Handbook of the Cape and South Africa (Kapst. 1893); »General Directory and Guide-book to the Cape of Good Hope, etc.« (jährlich, Kapstadt); »South African year-book«; Brown, Guide to South Africa (zuletzt 1903). Karten: Merensky, Original map of South Africa, 1: 2,500,000,4 Blatt (4. Aufl., Berl. 1889); Dunn, Geological map of South Africa (Melbourne 1887); »Map of the Colony of the Cape of Good Hope and neighbouring territories«, 1: 800,000 (4 Blatt, Lond. 1895) und die betreffenden physikalischen und statistischen Karten in Bartholomeus »Advanced Atlas for South African schools« (Kapst. 1904).
 
Artikelverweis 
Kaplaken (das, holländ., von kap, Kappe, und laken, Tuch, Zeug; auch Primage [s. d.], Primgeld, franz. Chapeau de maître, Prime de capitaine, engl. Hat-money), eine bei Versendungen zur See außer der Fracht nach Prozenten von dieser bedungene Zahlung. Dieselbe kam ursprünglich dem Kapitän zu, jetzt jedoch dem Reeder (vgl. Handelsgesetzbuch, § 543).

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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