Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Kapitellīden bis Kapitularĭen (Bd. 6, Sp. 592 bis 593)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Kapitellīden, Familie der Borstenwürmer, s. Meyers Ringelwürmer.
 
Artikelverweis 
Kapitelmünzen, Münzen der ein erledigtes Bistum etc. vertretenden Kapitel, durch eine darauf bezügliche Inschrift gekennzeichnet.
 
Artikelverweis 
Kapitōl (lat. Capitolium), die Burg des alten Rom und als solche sowie als Stätte des römischen Nationalheiligtums der religiös-politische Mittelpunkt des Reiches, lag auf der südwestlichen Kuppe des kapitolinischen Hügels (Mons Capitolinus), der sich aus der Tiberniederung zu 50 m Höhe ü. M. erhebt und durch das Tal Velabrum von dem südöstlich liegenden palatinischen Hügel getrennt wird (vgl. den Plan des alten Rom bei Art. »Rom«). Dieser kleinste der sieben Hügel Roms (sein Umfang beträgt wenig über 1000 m) besteht aus drei Teilen: dem südwestlichen Gipfel mit dem Palast Caffarelli (jetzt deutsche Botschaft), dem nordöstlichen mit der Kirche Santa Maria in Araceli und der beide trennenden Vertiefung mit den Museen. Der nur auf der Südostseite nach dem Forum zu durch einen fahrbaren Weg (Clivus Capitolinus) zugängliche, sonst überall steil abfallende Berg wurde der Sage nach bereits durch Servius Tullius mit einem Mauerring umgeben, von dem an der Nordwestseite noch Überbleibsel gefunden wurden. Aber erst die Tarquinier erhoben den Berg, bez. dessen Südwestkuppe durch den Bau des Jupitertempels zu seiner staatlichen Bedeutung als idealen Hauptes der, Siebenhügelstadt. Unter Tarquinius Priscus begonnen, wurde der Bau kurz nach der Vertreibung des Tarquinius Superbus 509 vollendet. Daß derselbe an Stelle des Palastes Caffarelli gestanden hat, ist durch

[Bd. 6, Sp. 593]


die 1865, 1875 und 1876 unter Leitung von Jordan und Lanciani angestellten Ausgrabungen endgültig erwiesen worden. Über der Erde befindet sich jetzt nur ein Stück des Fundaments; auch sind dem Tempel angehörige Architekturfragmente aus Marmor gefunden worden. Seine Vorhalle hatte dreimal sechs Säulen, die nach etruskischer Weise weit (9,210,9 m von Zentrum zu Zentrum) voneinander abstanden; an den beiden Seiten zog sich je eine Säulenreihe entlang. Das Tempelhaus selbst war 30,5×28,75 m groß und durch Längswände in drei Zellen für Jupiter, Minerva und Juno geteilt. Der Tempel wurde wiederholt durch Feuer zerstört, aber immer wieder und unter Beibehaltung des alten Grundplans, jedoch in größerer Höhe und mit prächtigerer Ausstattung aufgebaut, so 69 v. Chr. durch Q. Lutatius Catulus, 70 n. Chr. durch Vespasian und zehn Jahre später durch Domitian, der ihn mit prächtigen Säulen von pentelischem Marmor schmückte. Erst im Mittelalter ging er dann allmählich durch Plünderung zugrunde. Der umgebende Tempelhof (Area Capitolina), in dem sich unter andern Tempel des Jupiter Custos und des Fides und zahlreiche Denkmäler befanden, war mit einer Mauer umgeben. Außerhalb dieser an der Südecke des Hügels lag der Tarpejische Fels, von dem in älterer Zeit die Staatsverbrecher hinabgestürzt wurden. Auf dem nordöstlichen, 49 m hohen Hügel war die Burg (Arx) errichtet; 344 v. Chr. wurde hier ein Tempel der Juno Moneta erbaut, mit dem später auch das Münzamt verbunden wurde. Nach dem Forum zu war die obenerwähnte Einsattelung begrenzt durch das großartige Tabularium mit dem Staatsarchiv, von Quintus Lutatius Catulus 78 v. Chr. errichtet, dessen Unterbau aus Peperinquadern in das Untergeschoß des jetzigen Senatorenpalastes verbaut ist. Mit dem Erwachen des städtischen Freiheitsgeistes wurde das K. wieder politisches Zentrum der Stadt; über den Trümmern des Tabulariums erhob sich im 12. Jahrh. der Senatorenpalast, 1348 wurde die große Treppe von Araceli angelegt. Die jetzige Gestalt des Kapitols beruht auf den Plänen Michelangelos, den Papst Paul III. mit einer würdigen Ausschmückung der alten Nationalstätte betraute, der selbst aber nur die herrliche Doppeltreppe vor dem Senatorenpalast ausführen konnte. Auf der früher schroff abfallenden Nordwestseite des Hügels führt seitdem von der modernen Stadt her (neben der Treppe von Araceli) eine breite Rampe hinauf zur Einsattelung, der Piazza di Campidoglio. Am obern Ende der Rampe stehen auf kräftigen Piedestalen die antiken Statuen von Kastor und Pollux mit ihren Pferden, während die Mitte des Platzes die schöne, einst ganz vergoldete bronzene Reiterstatue des Kaisers Mark Aurel einnimmt. Im Hintergrund erhebt sich der Senatorenpalast mit der erwähnten Freitreppe, schöner Brunnenanlage und viereckigem Turm, südwestlich der Konservatorenpalast (mit einer ausgezeichneten Sammlung antiker Bronzen, Marmorstatuen, Reliefs, einer etruskischen Sammlung, Büsten berühmter Männer, einer Gemäldesammlung), gegenüber das berühmte kapitolinische Museum (Museo Capitolino), das eine ausgezeichnete Sammlung von Antiken, eine Schöpfung der Päpste, enthält. Vgl. Jordan, K., Forum und Sacra Via (Berl. 1881) und Topographie der Stadt Rom, Bd. 1, Abt. 2 (das. 1885); Righetti, Descrizione del Campidoglio (Rom 183550, mit 390 Tafeln); Helbig, Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1899); Hülsen, Bilder aus der Geschichte des Kapitols (Rom 1899); Rodocanachi, Le capitole romain antique et moderne (Par. 1904).
   Nach dem Vorbilde des Kapitols in Rom besaßen übrigens auch andre Städte des römischen Reiches Kapitole als munizipale und religiöse Zentren, z. B. Verona, Benevent, Cirta und Lambäsis in Numidien, Visontio etc. (vgl. Kuhfeldt, De capitoliis imperii romani, Berl. 1883), wie denn auch der Palast des Vereinigten Staaten-Kongresses in Washington den Namen K. führt.
 
Artikelverweis 
Kapitolinische Hochzeit, antike marmorne Einfassung eines Brunnens im kapitolinischen Museum zu Rom (im 18. Jahrh. vor der Porta del Popolo gefunden), auf der die zwölf Götter in feierlichem Zug und in archaisierender Auffassung dargestellt sind. Die Hochzeit der Athene und des Herakles soll das Motiv der Darstellung bilden.
 
Artikelverweis 
Kapitolinisches Museum, s. Kapitol.
 
Artikelverweis 
Kapitolinische Wölfin, Bronzefigur einer Wölfin mit den (im 16. Jahrh. durch Guglielmo della Porta hinzugefügten) saugenden Zwillingen Romulus und Remus im Konservatorenpalast auf dem Kapitol in Rom. Sie wird von einigen für ein Werk etruskischer Künstler aus der Zeit um 300 v. Chr. von andern für eine Arbeit des 5. Jahrh. v. Chr. gehalten. Nach andrer Vermutung soll sie mittelalterlichen Ursprungs sein, was aber nach der Beschaffenheit der unberührten Teile der stark zerstörten und restaurierten Figur nicht wahrscheinlich ist.
 
Artikelverweis 
Kapitulant, s. Meyers Kapitulation 2).
 
Artikelverweis 
Kapitulantenschulen wurden 1876 in Preußen, dann im ganzen deutschen Heere zur Hebung der Bildung der Unteroffiziere eingerichtet, zunächst in zwei Stufen, deren erste Schreiben, Lesen, Rechnen, Geographie und Geschichte umfaßt, während für die zweite außer Vervollkommnung in diesen Fächern noch Zeichnen hinzutritt. Eine seit 1899 eingerichtete dritte Stufe bereitet ältere Unteroffiziere auf ihre spätere Zivilstellung vor (Französisch, Gesetzeskunde etc.). Der Unterricht erfolgt im Winterhalbjahr durch Militär- und Zivillehrer. Bei den Spezialwaffen können ihrer Eigenart entsprechend noch besondere Unterrichtsgegenstände hinzutreten. S. auch Meyers Kompanieschule und Bataillonsschule. Vgl. v. Wedell, Leitfaden für den Unterricht auf der Kapitulantenschule (10. Aufl., Berl. 1899).
 
Artikelverweis 
Kapitulantenzulage, s. Meyers Kapitulation 2).
 
Artikelverweis 
Kapitulār (Domkapitular), s. Meyers Kapitel.
 
Artikelverweis 
Kapitularĭen (lat. Capitularia) hießen in karolingischer Zeit von ihrer Einteilung in mehrere kleine, mit fortlaufenden Zahlen versehene Abschnitte (capitula) die Satzungen der fränkischen Könige, unter den Merowingern auctoritas, edictum, praeceptum, decretio genannt. Es gab drei Arten von K.: die Capitularia legibus addenda (addita), pro lege tenenda, bezweckten die Fortbildung der Volksrechte (s. Meyers Volksrecht), die Capitularia per se scribenda wurden vom König allein oder doch nur unter Mitwirkung der Großen auf den Reichstagen erlassen, die Capitula missorum sind Instruktionen für die königlichen missi zur Vornahme der Aufsichtsreisen. Sie sind in lateinischer Sprache abgefaßt. Die älteste, aus vier Büchern bestehende Sammlung der K. stammt vom Abt Ansegis von Fontanella (um 827). Die um die Mitte des 9. Jahrh. wahrscheinlich durch Benediktus Levita zusammengestellte Sammlung ist eine absichtliche Fälschung, die allerdings auch einige echte K. enthält. Die fränkischen K. sind herausgegeben von Baluzius

[Bd. 6, Sp. 594]


Capitularia regum Francorum«, 16771780), von Pertz in den »Monumenta Germaniae historica«, Bd. 1 u. 2; in verbesserter Ausgabe von Boretius und Krause und dann von Zeumer u. Werminghoff (Hannover 188397). Vgl. Boretius, Beiträge zur Kapitularienkritik (Leipz. 1874); Seeliger, Die K. der Karolinger (Münch. 1893).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 81 bis 90 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
Artikel 81 bis 90 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer