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Kanuri bis Kanzen (Bd. 6, Sp. 581 bis 582)
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Artikelverweis Kanuri (Kanori, »Leute des Lichtes«), das Hauptvolk von Meyers Bornu (s. d.), auch in Mittelafrika ausgebreitet. Nahe Verwandte der K. sind die Bewohner von Manga, Nguru und Kanem. Die K. sind eitel und putzsüchtig, aber rührige und unternehmende Kaufleute. Ihre Sprache, die sich mit der Sprache der Tibbu am nächsten berührt, ist durch die Arbeiten H. Barths und Koelles genauer bekannt geworden; sie ist reich entwickelt und von großem Wohlklang. Vgl. Nachtigal, Sahara und Sudân, 1. Teil (Berl. 1879).
 
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Kanut, s. Meyers Knut.
 
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Kanutsvogel, s. Meyers Strandläufer.
 
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Kanzel (v. lat. cancelli, »die Schranken«), der erhöhte Standort des Predigers in christlichen Kirchen, so genannt von den Schranken der altchristlichen Kirche, die das Chor von dem Schiff trennten (s. Meyers Ambo). Als später daraus ein Lektorium (Lettner) geworden war und die Predigt eine höhere Bedeutung erhalten hatte, sonderte man den Predigerambon von dem Lettner ab und erhöhte ihn, damit der Prediger von der Gemeinde besser gesehen werden konnte, behielt aber den Namen Kanzelle für ihn bei, der allmählich in K. überging. Die Kanzeln, die vom 11. Jahrh. ab zuerst aus Stein, dann auch aus Holz hergerichtet wurden, standen anfangs auf massivem Unterbau und waren meist viereckig. Erst in der deutschen Kunst wurde die Brüstung der K. vieleckig angeordnet, diese auf eine Säule gestellt und mit einer Kanzelhaube oder einem Schalldeckel versehen. Von Kanzeln, die durch bildnerischen Schmuck bedeutender Künstler ausgezeichnet sind, sind die im Dom zu Siena und im Baptisterium zu Pisa von Niccolò Pisano (s. Tafel Meyers »Bildhauerkunst VII«, Fig. 3), in Ravello in Unteritalien, in San Andrea in Pistoja und im Dom zu Pisa von Giovanni Pisano, in San Lorenzo zu Florenz von Donatello, in Santa Croce zu Florenz von Benedetto da Majano, im Dom zu Freiberg i. S. von einem unbekannten Künstler und im Stephansdom zu Wien von Meister Pilgram (1512) hervorzuheben. In der Jägerei heißt K. der auf einem Baum angelegte und durch Zweige verblendete Sitz, aus dem der Jäger auf Brunstplätzen oder an Körnungen (Futterplätzen) Wild zu erlegen sucht, was deshalb leichter gelingt, weil das Wild bei dieser Vorrichtung keinen Wind (Witterung) bekommen kann. Auch bei Treibjagden stehen die Jäger bisweilen auf Kanzeln.
 
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Kanzelberedsamkeit, die geistliche Redekunst überhaupt, insonderheit die im öffentlichen Gottesdienst geübte (s. Homiletik und Meyers Predigt). Gewöhnlich wird die Geschichte der K. in fünf Perioden eingeteilt, deren erste bis auf Chrysostomos und Augustin reicht. In dieser Zeit bestand der Gottesdienst der Christen neben Gesang und Genuß des heiligen Abendmahls noch vorzugsweise im Vorlesen der heiligen Schriften und daran sich knüpfenden Ansprachen. An der Spitze der ersten Predigtschule bei den Griechen steht Origenes, der namentlich die sogen. Homilie (s. d.) kultivierte, während Ephräm der Syrer, Basilius d. Gr., Gregor von Nazianz, Gregor von Nyssa und Johannes Chrysostomos, der bedeutendste Homilit der alten Kirche, bereits die an die gleichzeitige Rhetorik sich anschließende, nach dem Applaus der Zuhörer (krotos) haschende Prunkrede repräsentieren. Aus der abendländischen Kirche, wo man meist mit einfachen Ansprachen (sermones) vorlieb nahm, sind zu nennen: Zeno, Bischof zu Verona, Ambrosius, Bischof zu Mailand, ein geborner Redner, und besonders Augustin, der durch katechetische und dialogische Formen, Antithesen und einen großen Reichtum von rhetorischen Figuren die mangelnde Phantasie ersetzte. Schon in der zweiten Periode, von Chrysostomos und Augustin bis auf Alkuin (400800), beginnt die K. teils zu entarten, teils zu erlahmen. Unter den griechischen Kanzelrednern aus jener Zeit ragt Cyrillus von Alexandria hervor, unter den Lateinern Leo d. Gr., ein der klassischen Reinheit noch näher stehender Redner, Cäsarius von Arles, der bedeutendste Prediger des 6. Jahrh., Gregor d. Gr., das Musterbild des gesamten Mittelalters, endlich Beda der Ehrwürdige in seinen Homilien über die Perikopen (s. d.). In der dritten Periode, von Alkuin bis auf Luther (8001520), mußte die Predigt fast ganz der Liturgie das Feld räumen. Soweit sie noch statthaft, bewegt sie sich zumeist in Abhängigkeit von der patristischen Literatur (s. Homiliarius liber). Wie im Morgenlande griechisch, so wurde im Abendlande meist lateinisch gepredigt (sermones ad clerum), aber vielfach auch in den Landessprachen (sermones ad populum). Einen Aufschwung in der K. brachten im frühern Mittelalter besonders Cluniacenser und Cistercienser, wie Bernhard von Clairvaux, im spätern Franziskaner, wie Bruder Bertold von Regensburg, und Dominikaner, wie Johann Tauler und Vincentius Ferrerius, endlich aber auch reformatorische Prediger, wie Johann Hus und Hieronymus Savonarola. Im allgemeinen ist die Naturwüchsigkeit der frühern Jahrhunderte des Mittelalters später durch die Scholastik beeinträchtigt worden, die in formeller Beziehung eine starke Verkünstelung der Predigt mit sich führte, während Gabriel von Barletta, Olivier Maillard, Michael

[Bd. 6, Sp. 582]


Menot und Geiler von Kaisersberg in ihrem Streben nach Popularität oft mehr an das Burleske streiften. Die vierte Periode reicht von Luther bis auf Spener (15201675). Luther selbst wirkte unermeßlich durch die unmittelbare Einheit von Inhalt und Form, durch ungemeine Popularität und prophetische Freimütigkeit, durch Fülle der Ideen und Veranschaulichungsmittel, wiewohl ihm auch manche Härten des Geschmacks nicht abgesprochen werden können. Aber seine Originalität reichte nicht aus, dem in seiner Kirche überwuchernden Hang zur Polemik und zur Scholastik Schranken zu ziehen. Mitten in dem allgemein verbreiteten zelotischen Dogmatismus repräsentieren Johannes Arnd, Valerius Herberger und Chr. Scriver wiederkehrendes Bewußtsein um den eigentlichen Zweck der K. Die katholische Kirche des 17. Jahrh. feierte den Glanzpunkt ihrer K. in den Leistungen der klassischen Literaturperiode Frankreichs (Bourdaloue, Fénelon, Bossuet, Fléchier, Massillon), mit denen, zwar nicht an Geschmack, aber an Originalität, Abraham a Santa Clara in Deutschland wetteifern konnte. Die protestantische Kirche Frankreichs brachte ihren größten Redner in Saurin, die anglikanische Kirche den ihrigen in Tillotson hervor. In der fünften Periode, von Spener bis auf die neueste Zeit, machte sich das Bestreben geltend, die religiösen Bedürfnisse durch eine praktisch belebende Predigtweise zu befriedigen. Ph. Jak. Spener wies mit Erfolg auf die Fehler des damaligen polemischen Predigtwesens hin und vermied dieselben soviel wie möglich in seinen eignen, übrigens schwerfälligen und endlosen Kanzelvorträgen. Im Gegensatz zu der pietistischen Schule wußte eine andre Richtung philosophische Wahrheiten im Geiste der Wolfschen Schule auf der Kanzel zu behandeln. Eine ausgleichende und hervorragende Stellung nimmt gegen Mitte des 18. Jahrh. Lorenz von Mosheim ein (»Heilige Reden«). Eine lange Reihe ausgezeichneter Prediger schließt sich an, unter denen besonders Reinhard in Dresden lange Zeit als maßgebend für die moderne Form der synthetischen Form galt. Gleichzeitig wirkten Zollikofer, Löffler, Rosenmüller, Ammon, Marezoll, Röhr, Tzschirner, Hanstein, Müslin etc. Die moderne Kanzelrhetorik findet ihre Vorbilder in Theremin, Dräseke, Krummacher, Harms; die theologische Kunstpredigt in Schleiermacher, K. J. Nitzsch und Steinmeyer; die erbauliche Bekehrungs- und Erweckungspredigt in Hofacker, Palmer, Ahlfeld, Gerlach, Tholuck, Brückner, Gerok etc.; die Hofpredigt in W. Hoffmann, Kögel, W. Baur und Dryander; die Predigt der freien Theologie in K. Schwarz, D. Schenkel, H. Lang, A. Bitzius; die Predigt der politischen und sozialen Tendenz in Stöcker. Der französische Protestantismus weist auf positiver Seite Redner auf wie Vinet, Pressensé, Monod, Bersier, auf liberaler die beiden Coquerel und Colani; Großbritannien besaß in neuerer Zeit Kanzelredner wie Robertson, Caird, Kingsley und den originellen Baptisten Spurgeon. Die Leistungen der katholischen Kirche liegen namentlich auf dem spezifisch modernen Gebiete der Fasten- und Missionspredigt (Lacordaire, Pater Roh, Rottmanner, Ehrhard u. a.).
   Vgl. Lentz, Geschichte der christlichen Homiletik (Braunschw. 1839); Paniel, Pragmatische Geschichte der christlichen Beredsamkeit (Leipz. 183941, bis Augustinus); Cruel, Geschichte der deutschen Predigt im Mittelalter (Detmold 1879); Linsenmeyer, Geschichte der Predigt in Deutschland von Karl dem Großen bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts (Münch. 1886); F. R. Albert, Die Geschichte der Predigt in Deutschland bis Luther (1. u. 2. Teil, Gütersloh 189293); Marbach, Geschichte der deutschen Predigt vor Luther (Berl. 1874); Schenk, Geschichte der deutsch-protestantischen K. von Luther bis auf die neuesten Zeiten (das. 1841); C. G. Schmidt, Geschichte der Predigt in der evangelischen Kirche Deutschlands von Luther bis Spener (Gotha 1872); Sack, Geschichte der Predigt in der deutsch-evangelischen Kirche von Mosheim bis auf Schleiermacher und Menken (Heidelb. 1866); Stiebritz, Zur Geschichte der Predigt in der evangelischen Kirche von Mosheim bis auf die Gegenwart (Gotha 187576); Rothe, Geschichte der Predigt (Bremen 1881); H. Hering, Die Lehre von der Predigt (Berl. 1904).
 
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Kanzellariāt (nlat.), Kanzlerwürde, Kanzleistube.
 
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Kanzelle (lat., »Gitter«), vergitterte Schranke in den Gerichtsstuben, im Kirchenchor (vgl. Kanzel); in der Orgel Name der einzelnen Abteilungen der Windlade, die den Wind an die Pfeifen verteilen.
 
Artikelverweis 
Kanzellieren (lat., »eingittern«), eine Schrift, um sie ungültig zu machen, mit sich gitterförmig kreuzenden Strichen (×) durchstreichen; dann auch verallgemeinert gebraucht.
 
Artikelverweis 
Kanzelmißbrauch, das Vergehen, dessen sich ein Geistlicher oder sonstiger Religionsdiener schuldig macht, wenn er in Ausübung oder in Veranlassung der Ausübung seines Berufs öffentlich vor einer Menschenmenge oder in einer Kirche oder an einem andern zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte vor einer Mehrheit von Personen Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zum Gegenstand einer Verkündigung oder Erörterung macht, oder in Ausübung seines Berufs Schriftstücke ausgibt oder verbreitet, in denen Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zum Gegenstand einer Verkündigung oder Erörterung gemacht sind. Dieser sogen. Kanzelparagraph (Reichsstrafgesetzbuch, § 130 a) verdankt seine Entstehung in der ersten Hälfte dem sogen. Kulturkampf (1871), in seiner zweiten dem bayrischen Kultusminister Freiherrn von Lutz, der dadurch die Altkatholiken zu schützen suchte (1876).
 
Artikelverweis 
Kanzelparagraph, s. Meyers Kanzelmißbrauch.
 
Artikelverweis 
Kanzen, s. Integral.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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