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Kantár bis Kanten (Bd. 6, Sp. 576 bis 577)
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Artikelverweis Kantár (Kintál, ital. Cantaro), das türkische Zentnergewicht von verschiedener Größe, je nach Ort und Ware: in Konstantinopel früher 100 Rottel = 56,006 kg und meistens zu 44 Oken gerechnet, seit 1874 K. â'chary (K.-i-scherij) = 100 kg gesetzlich; in Serbien wie jener gleich dem Wiener Zentner angenommen; der neue griechische zu 45 Oken = 56,25 kg, der frühere von Syra zu 44 alten Oken = 56,448 kg. Der K. von Smyrna wog 45 Oken = 57,386 kg, der gewöhnliche von Aleppo u. Beirut 180 Oken, der große von Damaskus 100 Beiruter Rottel = 255,028 kg, der kleine 100 Damasker Rottel, 3/4 so viel, der K. von Bagdad 45 Rottel = 181,79 kg, der persische oder die Kamellast für den Verkehr mit Kleinasien 30 Karawen-Man = 220,32 kg, der vom Hedschas 9/10 des Suakimer = 118,218 kg. In Ägypten gab man dem K. 36100 gewöhnliche Oken zu 1,235 kg; der von Tripolis hat 40 Oken = 48,832 kg, aber für Eisen 5 mal und in Benghasi 11/4 mal so viel, der K. Attári von Tunis 2 Quintal zu 50 Rottel = 50,688 kg, der alte algerische K. Attári 100 Krämerpfund = 54,608 kg. Vgl. Cantaro.
 
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Kantara, El (El Kantarat el Chazne, d. h. »die Brücke des Schatzes«), Ort auf der gleichnamigen Landenge in dem ägypt. Gouvernorat Kanal am Ostufer des Suezkanals, zwischen den Seen Menzale und Balah, Station der Postdampfer Port Saïd-Ismailia, mit (1897) 579 Einw. Seit alten Zeiten passieren die von Ägypten nach Syrien ziehenden Karawanen diese Stelle, früher auf einer Brücke, die jetzt durch eine Fähre ersetzt ist.
 
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Kantāte (ital. Cantata), ursprünglich soviel wie Singstück überhaupt im Gegensatz zu Sonata und Toccata; jetzt insbes. ein aus Sologesängen, Duetten etc. und Chorsätzen bestehendes größeres Vokalwerk mit Instrumentalbegleitung. Die K. unterscheidet sich vom Oratorium und der Oper durch möglichsten Ausschluß des epischen und dramatischen Elements. Auf dem Gebiete der Kirchenkantate hat Sebastian Bach Typen von höchster Kunstschönheit in großer Anzahl geschaffen, von denen eine Definition nicht schwer zu geben ist. Danach ist die K. die Ausprägung einer Empfindung, einer Stimmung durch verschiedenartige Formen, die in dieser Einheit der Stimmung ihren höhern Zusammenhalt finden. Der Sologesang einzelner Stimmen in der Kirchenkantate führt nicht verschiedene Personen für sich redend ein, sondern auch sie reden im Namen der Gemeinde; den eigentlichen Kern aber bilden die Ensemblesätze und Chorsätze, besonders die Choräle. Historisch war Cantata zuerst kurz nach Erfindung der begleiteten Monodie (1600) der Name mehrgliederiger ausgedehnterer Sologesänge, in denen arioser Gesang mit rezitativischem abwechselte. Die ersten Kantaten (von Caccini u. a.) sind noch nicht als solche bezeichnet, doch wird seit 1620 (Al. Grandis »Cantade«) der Name häufiger und man unterschied nun die Kammerkantate (Cantata di camera) von der Kirchenkantate (Cantata di chiesa); doch blieben beide noch längere Zeit überwiegend in engerm Rahmen, führten statt einer zwei oder drei Singstimmen mit Continuo und einer oder zwei obligaten Begleitstimmen ein, entbehrten aber durchaus noch der charakteristischen Merkmale der erst nach 1700 in Hamburg in Nachahmung der größern Formen der Oper durch die Dichter Hunold und Brockes und die Komponisten Keiser und Telemann geschaffenen kirchlichen großen K., des Chors und des Orchesters. Die weltliche große K. entwickelte sich zuerst als Festkantate zu Hochzeitsfeiern, Huldigungen etc., die kirchliche erscheint vielfach unter dem Namen des Kirchenkonzerts. Bach hat die Mehrzahl seiner Kantaten als Konzerte bezeichnet, damit auf die wesentliche Rolle hindeutend, die darin die Instrumente spielen.
 
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Kantātemesse, die am Sonntag Cantate (s. d.) beginnende Buchhändlermesse in Leipzig; s. Meyers Buchhandel, S. 545 f.
 
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Kantbeitel, ein Stechbeitel zum Ausstechen tiefer Löcher mit einer auf dem Rücken hinlaufenden Rippe.
 
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Kante, der geradlinige Durchschnitt von zwei einen Körper begrenzenden Ebenen.
 
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Kantel (das), vierkantiges Lineal (mit quadratischem Querschnitt). Das von »Kante« abzuleitende Wort rührt angeblich vom Turnvater Jahn her.
 
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Kántele, finn. Nationalinstrument, eine Art Zither, nach »Kalewala« (s. d.) von Wäinämöinen aus dem Kiefer eines riesigen Hechts und den Locken einer trauernden Jungfrau geschaffen.

[Bd. 6, Sp. 577]



 
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Kánteletar, finnische Volksliedersammlung, s. Meyers Lönnrot.
 
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Kantemír, moldauisches Fürstengeschlecht, angeblich von Timur abstammend. Seine namhaftesten Sprößlinge sind:
   1) Demetrius (Dimitrie), geb. 26. Okt. 1673, gest. 23. Aug. 1723, Sohn des Moldauer Woiwoden Konstantin K., kam 1687 als Geisel nach Konstantinopel, war 1709 Hospodar der Moldau und stand in solcher Gunst bei der Pforte, daß sie ihm seit 1710 allen Tribut erließ und ihm auch die Hospodarschaft der Walachei versprach. Da sie indessen ihr Wort nicht hielt, knüpfte K. Unterhandlungen mit Peter d. Gr. an und erhielt den Besitz der Moldau als souveränen und erblichen Fürstentums zugesichert. Der für Rußland unglückliche Ausgang des Krieges zwang ihn indes, 1711 dem Zaren nach Petersburg zu folgen. Er ward daselbst in den Fürstenstand erhoben, erhielt beträchtliche Güter in der Ukraine mit dem Souveränitätsrecht für seine Person und beförderte, ein Kenner des Lateinischen, Griechischen, Russischen, Französischen und Türkischen, die Gründung der Akademie in Petersburg. K. war einer der vorzüglichsten Mittler zwischen morgen- und abendländischer Literatur. Er schrieb außer einem philosophischen »Diwan« und einer satirischen »Istoria ieroglifica« ein Werkchen über orientalische Musik, das älteste seiner Art, dann die klassische »Descriptio Moldaviae« (Leipz. 1771 erschienen), ein unvollendetes »Hronicul Romîno-Moldovlahilor« und »Historia de ortu et defectione imperii turcici«, 13001711 (deutsch von Schmidt, Hamb. 1745, 2 Bde.; auch ins Französische, Englische und Rumänische übersetzt).
   2) Antioch Dmitrijewitsch, russ. Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 21. (10.) Sept. 1709 in Konstantinopel, gest. 11. April (31. März) 1744, erhielt seine Erziehung in Rußland, wo Peter d. Gr. sich sehr für ihn interessierte und ihn später bis zu seinem Tod auf allen Reisen und Feldzügen mit sich nahm. K. begann seine Laufbahn im Preobrashenskischen Garderegiment und vollendete sie als Gesandter in London (173238) und dann in Paris. Er war ein vielseitiger Geist und einer der ersten und bedeutendsten Satiriker Rußlands, der vom europäisch aufgeklärten Standpunkt aus die Roheit der russischen Gesellschaft geißelte. Seine Vorbilder waren Horaz, Juvenal und Boileau; mit ihm beginnt eigentlich die pseudoklassische Dichtung in Rußland. Ein Jahr vor seinem Tode gab K. selbst alle seine Satiren (deutsch von v. Spilcker, Berl. 1752) sowie Übersetzungen griechischer und lateinischer Dichtungen heraus. Die beste neuere Ausgabe seiner Werke veranstaltete Jefremow (mit Biographie von W. Stojunin, Petersb. 1867, 2 Bde.), seine »Berichte (Reljacii) aus London« veröffentlicht W. Alexandrow (Mosk. 1892, Bd. 1). Sein Leben beschrieb Sementowsky (russ., Petersb. 1893).
 
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Kanten, s. Meyers Spitzen.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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