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Kaliumcyanīd bis Kaliumkarbīd (Bd. 6, Sp. 475 bis 476)
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Artikelverweis Kaliumcyanīd (Cyankalium, blausaures Kali) KCN entsteht bei heftigem Glühen eines Gemenges von kohlensaurem Kali und Kohle in einem Stickstoffstrom, allgemeiner beim Schmelzen stickstoff- und kohlenstoffhaltiger Substanzen mit kohlensaurem Kali (vgl. Cyan). Zur Darstellung schmelzt man 8 Teile entwässertes Blutlaugensalz (Ferrocyankalium) mit 3 Teilen kohlensaurem Kali im bedeckten eisernen Tiegel und gießt das Salz von dem ausgeschiedenen metallischen Eisen ab. Dies Liebigsche Cyankalium enthält stets etwas cyansaures Kali, das aber in der Regel bei der Benutzung nicht schadet. Für technische Zwecke ersetzt man das kohlensaure Kali durch kohlensaures Natron, um die Masse leichter schmelzbar zu machen, und erhält dann ein Gemisch von K. und Natriumcyanid (Cyansalz). Reines K. erhält man durch Ausziehen der Schmelze mit Schwefelkohlenstoff oder Alkohol und Abdestillieren des Lösungsmittels oder durch Einleiten von Cyanwasserstoff in alkoholische Lösung von Ätzkali. Gegenwärtig wird wohl das meiste K. synthetisch gewonnen. Man leitet Ammoniak über geschmolzenes Ätzkalimetall und läßt auf das gebildete Alkaliamid NaNH2 bei Rotglut Kohle einwirken, wobei sich das NaNH2 in NaCN verwandelt. Oder man schmelzt Cyannatrium, trägt die berechnete Menge Alkalimetall und Kohle ein und leitet Ammoniak durch das Gemisch. Dabei entsteht Alkaliamid, das sich im Entstehungszustand mit dem Cyanid umsetzt und Dialkalicyanamid CNNNa2 bildet. An dieses addiert sich Kohlenstoff unter Bildung von Cyanid. Man erhitzt auch ein Gemenge von Holzkohlenklein mit kohlensaurem Alkali, leitet Ammoniak durch die Masse, zieht dann mit Wasser aus und setzt kohlensaures Kali zu; das ausgeschiedene K. wird durch Ausschleudern und Umkristallisieren gereinigt. Aus Karbiden wird K. durch Einwirkung von Stickstoff und Wasserdampf oder von Ammoniak dargestellt. Man hat auch über ein Gemisch von kohlensaurem Baryt und Kohle bei 1000° einen von Sauerstoff befreiten Luftstrom und schweflige Säure geleitet. Dabei entstehen Baryumcyanid und Baryumsulfocyanid, die mit Wasser in Lösung gebracht und weiter verarbeitet werden. Geschmolzenes K. ist nach dem Erstarren weiß, kristallinisch, undurchsichtig, spez. Gew. 1,52, es kristallisiert in Würfeln, schmeckt scharf alkalisch, bittermandelartig, reagiert alkalisch, erträgt hohe Temperatur ohne Zersetzung, wird an der Luft schnell feucht und durch deren Kohlensäure zersetzt, wobei sich ein Geruch nach Blausäure entwickelt. Es muß daher in gut verschlossenen Flaschen aufbewahrt werden. K. löst sich leicht in Wasser, wenig in Alkohol; die wässerige Lösung zersetzt sich beim Kochen in Ammoniak und ameisensaures Kali, sie löst viele Metalle zu Doppelcyaniden. Es verwandelt sich beim Schmelzen an der Luft in cyansaures Kali und wirkt sehr stark reduzierend; mit Schwefel zusammengeschmolzen, gibt es Rhodankalium. Bei Oxydation der Lösung mit übermangansaurem Kali entstehen Harnstoff, Kohlensäure, salpetrige und Salpetersäure, Oxalsäure, Ameisensäure, Ammoniak. K. gehört zu den stärksten Giften und wirkt wie Meyers Blausäure (s. d.), die sich daraus auf Zusatz von Säuren entwickelt. Eine Dosis von etwa 0,15 g reinem K. tötet einen Menschen sicher und sehr schnell, oft momentan, so daß an Hilfe nicht zu denken ist. Bei Vergiftungen mit kleinen Dosen verfährt man wie bei Vergiftung mit Meyers Blausäure (s. d.). Man benutzt K. zur Gewinnung des Goldes, zur galvanischen Vergoldung und Versilberung, indem man damit Bäder bildet, die Doppelcyanüre von Gold und Silber enthalten; es dient auch zum Löten (da es Oxyde reduziert und reine metallische Oberflächen schafft), in der Photographie, als Reagens, zur Darstellung andrer Cyanverbindungen, zum Entfernen von Höllensteinflecken aus Wäsche und von der Haut, auch als Arzneimittel.
 
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Kaliumcyanurāt, cyanursaures Kali, s. Cyanursäure.
 
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Kaliumdichromāt, s. Meyers Chromsaures Kali.
 
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Kaliumeisencyanīd, s. Meyers Ferricyankalium.
 
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Kaliumeisencyanür, s. Meyers Ferrocyankalium.
 
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Kaliumfluorīd (Fluorkalium) KFl entsteht beim Neutralisieren von Fluorwasserstoffsäure mit kohlensaurem Kali und wird nach dem Verdampfen der Lösung in farblosen, zerfließlichen Würfeln oder Säulen erhalten. Es schmeckt scharf salzig, reagiert alkalisch, spez. Gew. 2,45, ist schmelzbar, die Lösung ätzt Glas, und mit Schwefelsäure entwickelt es schon in der Kälte Fluorwasserstoffsäure. Versetzt man die Lösung des Salzes mit so viel Fluorwasserstoff, wie es bereits enthält, so erhält man Kristalle von Fluorwasserstofffluorkalium KFl, HFl. Dies Salz ist leicht löslich in reinem, schwer in fluorwasserstoffhaltigem Wasser, es schmilzt unzersetzt, gibt bei stärkerm Erhitzen Fluorwasserstoff ab und zersetzt beim Schmelzen viele Mineralien.
 
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Kaliumgoldcyanīd und -cyanǖr, s. Goldcyanide.
 
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Kaliumhydroxyd (Kaliumoxydhydrat, Kaliumhydrat, Ätzkali, Kalihydrat, Kali) KOH entsteht bei Einwirkung von kohlensäurefreiem Wasser auf Kalium oder von gelöschtem Kalk (Calciumhydroxyd) auf eine siedende Lösung von kohlensaurem Kali in 1012 Teilen Wasser. Die Kohlensäure des Kalisalzes wird hierbei an den Kalk gebunden, man darf aber keine konzentriertere Lösung anwenden, weil eine starke Lösung von K. dem kohlensauren Kalk die Kohlensäure entzieht. Die von dem kohlensauren Kalk getrennte Lösung von K. bildet die Ätzlauge, Ätzkalilauge, Kalilauge. Eine unreine Lauge kann man aus Holzasche (die kohlensaures Kali enthält) darstellen, indem man die Asche mit Wasser auszieht und die Flüssigkeit mit gelöschtem Kalk kocht, oder indem man eine innige Mischung von Asche und gelöschtem Kalk mit Wasser auszieht. Bei der elektrolytischen Darstellung von K. aus Kaliumchloridlösung muß die Kathodenlösung von der Anodenlösung getrennt sein, so daß der Stromdurchgang zwar nicht gehindert, die Vermischung der Lösungen aber ausgeschlossen ist. Man benutzt zur Trennung eine poröse Scheidewand (Diaphragma) aus poröser Zementmasse, aus Ton etc., als Anode Kohle, als Kathode

[Bd. 6, Sp. 476]


Eisen. Beim Quecksilberverfahren wird das Bad durch eine nicht poröse Scheidewand, die aber am Boden einen Durchlaß besitzt, in zwei Kammern geteilt, von denen die eine mit einer Kohlenscheibe als Anode die Chloridlösung, die andre mit einer Eisenscheibe als Kathode verdünnte Alkalilauge enthält. Über den Boden beider Kammern fließt beständig eine dünne Quecksilberschicht, welche die leitende Verbindung beider Räume herstellt und bei der Elektrolyse in der Anodenkammer Alkalimetall aufnimmt, das sie in der Kathodenkammer als K. an die Flüssigkeit abgibt, die nun abfließt, gehoben wird und auf der entgegengesetzten Seite wieder in den Anodenraum eintritt. Bei einem andern Verfahren benutzt man, weil sich die Konzentration der die beiderseitigen Elektroden umgebenden Flüssigkeit infolge des Stromdurchgangs erheblich ändert, lediglich diesen Unterschied im spezifischen Gewicht zur Trennung der Kathoden- und Anodenlauge (Glockenverfahren). Zur Darstellung von festem K. wird die klare Lauge in einem blanken gußeisernen Kessel über lebhaftem Feuer bis zum spez. Gew. 1,16, dann aber weiter in einem silbernen Gefäß eingedampft, weil die Lauge bei weiterer Konzentration Eisen oxydiert. Man bewahrt Kalilauge in Glasgefäßen auf und verschließt diese am besten mit Paraffinpfropfen, weil Kork und eingeriebene Glasstöpsel stark angegriffen werden.

Die Kalilauge des deutschen Arzneibuchs (Liquor Kali caustici) soll in 100 Teilen nahezu 15 Teile K. enthalten und das spez. Gew. 1,1381,140 besitzen. Verdampft man die Ätzlauge weiter, so erstarrt sie beim Erkalten und bildet das trockne Ätzkali (Kali causticum siccum), das häufig in versilberten Formen in federkielstarke Zylinder gegossen wird (Ätzstein, geschmolzenes Ätzkali, Kali causticum fusum). Das aus kohlensaurem Kali dargestellte K. enthält die Verunreinigungen dieses Salzes. Zur Gewinnung von chemisch reinem K. glüht man reines salpetersaures Kali mit zerschnittenem dünnen Kupferblech in einem kupfernen Tiegel und laugt die erkaltete Masse mit Wasser aus. K. ist weiß, kristallinisch, spez. Gew. 2,1, sehr zerfließlich, absorbiert begierig Kohlensäure, löst sich leicht in Wasser und Alkohol, reagiert alkalisch, schmeckt sehr stark ätzend, schmilzt bei Rotglut, verflüchtigt sich bei höherer Temperatur, zerstört die meisten Pflanzen- und Tierstoffe und fühlt sich, weil es sofort die Haut angreift, zwischen den Fingern schlüpfrig an; es verseift Fette und verwandelt Holzfaser beim Schmelzen in Oxalsäure. K. zeigt sehr stark basische Eigenschaften, bildet mit Säuren die Kalisalze und fällt die meisten Metalle aus ihren Lösungen als Metallhydroxyde. Man benutzt es zur Bereitung von Schmierseife, Oxalsäure, zum Absorbieren von Kohlensäure aus Gasen, zum Trocknen von Gasen und Flüssigkeiten, als kräftiges Ätzmittel zum Zerstören von Warzen, zum Öffnen von Abszessen, zur Bildung künstlicher Geschwüre, zum Beizen vergifteter Wunden, von Schanker und Bubonen. Kalilauge wurde in der Technik früher viel häufiger als jetzt benutzt, wo man sie in den meisten Fällen, sobald es sich nämlich nur um ihre stark basischen Eigenschaften handelt, durch die billigere Natronlauge, auch durch Ammoniak ersetzt.
 
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Kaliumjodāt, jodsaures Kali (s. Meyers Jodsäure).
 
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Kaliumjodīd (Jodkalium) KJ entsteht beim Neutralisieren von Jodwasserstoffsäure mit kohlensaurem Kali und wird auf diese Weise aus südamerikanischem Kupferjodür dargestellt, das man zunächst durch Schwefelwasserstoff in Schwefelkupfer und Jodwasserstoffsäure zersetzt. Geht man vom Jod aus, so übergießt man Eisenfeilspäne mit Wasser, setzt Jod in kleinen Quantitäten hinzu, bis das Eisen vollständig zu Eisenjodür gelöst ist, filtriert die grünliche Lösung, löst in derselben noch Jod, um Eisenjodürjodid zu bilden, und zersetzt sie siedend heiß mit einer Lösung von kohlensaurem Kali. Dadurch wird Eisenoxyduloxyd gefällt, während Jodkalium in Lösung geht. Man filtriert, wäscht den Niederschlag aus und verdampft die Lösung zur Kristallisation. Man kann auch Kalilauge mit Jod versetzen, bis sie sich gelb färbt (wobei neben K. jodsaures Kali entsteht), dann mit etwas Holzkohlenpulver vermischen, zur Trockne verdampfen, den Rückstand stark erhitzen, um das jodsaure Kali in K. zu verwandeln, dann in Wasser lösen, filtrieren und verdampfen. K. bildet farb- und geruchlose Kristalle vom spez. Gew. 3,05, schmeckt scharf salzig, löst sich leicht in Wasser. 100 Teile Wasser lösen bei

Es löst sich wenig in Alkohol, schmilzt bei 723°, erstarrt kristallinisch, ist in hoher Temperatur flüchtig. wird im feuchten Zustande durch die Kohlensäure der Luft zersetzt, gibt mit Chlorwasser freies Jod, mit salpetersaurem Silber einen käsigen, gelben, in Ammoniak nicht löslichen Niederschlag von Jodsilber, mit Quecksilberchlorid scharlachrotes Quecksilberjodid. mit Kupfervitriol und Eisenvitriol weißes Kupferjodür. Die Lösung von K. löst viel Jod. K. wird in der Photographie und als Arzneimittel benutzt; es wirkt im allgemeinen wie Jod, ohne stark zu reizen; man gibt es innerlich, überall, wo Geschwülste und Ausschwitzungen entzündlicher und zu Neubildungen führender Art zerteilt werden sollen, besonders gegen Ablagerungen rheumatischer und skrofulöser Natur und gegen Kropf, gegen alle Formen der tertiären Syphilis, gegen chronische Quecksilber- und Bleiweißvergiftung, bei deformierender Gelenkentzündung, Eklampsie, Arteriosklerose, Psoriasis, Milzbrand und Asthma. Es erscheint in kurzer Zeit in den Sekreten, im Speichel oft bereits nach 10 Minuten. Die viel angewandte Jodkaliumsalbe (Jodsalbe, Kropfsalbe) wird aus 20 Teilen K., 0,25 Teilen unterschwefligsaurem Natron, 15 Teilen Wasser und 165 Teilen Schmalz bereitet.
 
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Kaliumkarbīd entsteht beim Erhitzen von Kalium mit Kohle und tritt daher bei Darstellung des Kaliums aus kohlensaurem Kali und Kohle auf. Es bildet eine schwarze, Wasser zersetzende Masse. Bei Einwirkung von Kalium auf Acetylen entsteht K2C2. Kaliumacetylen K2C2. C2H2, ebenfalls aus Kalium und Acetylen erhalten, bildet farblose Kristallblättchen und wird durch Wasser unter Bildung von Acetylen zersetzt.

 

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