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Kaliblau bis Kalifen (Bd. 6, Sp. 462 bis 463)
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Artikelverweis Kaliblau, s. Meyers Berlinerblau.
 
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Kalibleiglas (schweres Kristallglas), s. Meyers Glas, S. 886.
 
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Kalibrieren, s. Kaliber und Meyers Graduieren.
 
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Kalibriermaschine, s. Kaliber.
 
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Kâlidâsa, der berühmteste ind. Dichter. Seine Lebenszeit ist nicht genau bekannt; die früher gangbare Annahme, er habe in der Mitte des 1. Jahrh. v. Chr. am Hofe des Königs Bikramâditja gelebt, ist unhaltbar. Neuerdings setzt man seine Zeit wie überhaupt die Blütezeit der indischen Kunstdichtung ins 6. Jahrh. n. Chr. (M. Müller, »Indien in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung«, Leipz. 1884, S. 245 ff.; L. v. Schröder, »Indiens Literatur u. Kultur«, das. 1887, S. 607 ff.; Huth, »Über die Zeit des K.«, Berl. 1890), wogegen Kielhorn (»Nachrichten der Göttingischen Gesellschaft der Wissenschaften«, 1890, S. 251 ff.) und Bühler (»Die indischen Inschriften und das Alter der indischen Kunstpoesie«, Wien 1890, besonders S. 67 ff.) K. vor das Jahr 472 n. Chr. hinaufrücken möchten; vgl. auch Oldenberg, »Die Literatur des alten Indien«, S. 215 ff. (Stuttg. 1903). Von Dramen gehören ihm zu: 1) »Çakuntalâ«, das bekannteste indische Drama. Inhalt: König Duhschanta vermählt sich mit Çakuntalâ, der Pflegetochter des frommen Einsiedlers Kanva, erkennt sie aber, als sie an seinen Hof kommt, infolge eines Fluches nicht wieder. Die Verzweifelnde wird ins Reich der Genien entrückt, das Auffinden eines verlornen Erkennungsringes aber führt die Vereinigung der Gatten herbei. Das Stück ist in mehreren Rezensionen überliefert, am wichtigsten die sogen. Dêvanâgarî- und die etwas breitere Bengali-Rezension; die letztere ist nach Pischel (»De Kâlidâsae Çâkuntali recensionibus«, Bresl. 1870) die ältere. Ausgabe der erstern von Böhtlingk mit Prosaübersetzung (Bonn 184142), der bengalischen von Pischel (2. Aufl., Kiel 1886). Übersetzungen von E. Meier (Stuttg. 1852, Hildburghausen 1867), Fr. Rückert (»Aus Fr. Rückerts Nachlaß«, Leipz. 1867, besonders 1885), E. Lobedanz (8. Aufl., das. 1891), L. Fritze (Chemn. 1877) u. a. Bearbeitungen für die deutsche Bühne, lieferten A. v. Wolzogen (Schwer. 1869) u. a. 2) »Vikramorvaçî« behandelt die Liebesschicksale des Königs Purûravas und der Nymphe Urvaçî in etwas opernhafter Weise; herausgegeben von Lenz (mit lat. Übersetzung, Berl. 1833) und Shankar Pandit (2. Aufl., Bombay 1889), in einer südindischen, gekürzten Rezension von Pischel (Oktoberbericht der Berliner Akademie, 1875); übersetzt von Lobedanz (3. Aufl., Leipz. 1884), Fritze (das. 1881) u. a. 3) »Mâlavikâgnimitra«, ein höfisches Liebesintrigenstück, an poetischem Wert den beiden vorhergehenden bedeutend nach stehend; herausgegeben von Tullberg (Bonn 1840), Shankar Pandit (2. Aufl., Bombay 1889); übersetzt von A. Weber (Berl. 1856) und L. Fritze (Leipz. 1882). Außerdem rühren von K. her die epischen Gedichte: »Kumârasambhava« (»Die Geburt des Kriegsgottes«), doch sind nur die ersten sieben oder acht (von 17) Büchern echt (hrsg. und übersetzt von Stenzler, Berlin-Lond. 1838; auch Bombay 1871 u. ö.; engl. von Griffith, 2. Aufl., Lond. 1879), und »Ragnuvaṃça« (hrsg. und übersetzt von Stenzler, Lond. 1832, hrsg. von Shankar Pandit, Bombay 186974, 3 Bde., mit engl. Übersetzung von Nandargikar, 3. Ausg., Puna 1897; deutsch von Schack in »Orient und Occident«, Bd. 3, Stuttg. 1890). Vgl. H. Jacobi, Die Epen Kâlidâsas (in den »Verhandlungen des fünften Orientalistenkongresses«,

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Berl. 1882). Ferner das lyrische Gedicht »Meghadûta« (»Wolkenbote«), eine Botschaft, die ein verbannter Else seiner fernen Geliebten durch eine Wolke zuschickt, und die Beschreibung des Weges, den die Wolke zu nehmen hat; herausgegeben von Gildemeister (Bonn 1841), Stenzler (Bresl. 1874) u. a.; deutsch von M. Müller (Königsb. 1847), L. Fritze (Chemn. 1879) u. a., italienisch in schöner Ausstattung von Flechia (Flor. 1897). Endlich ist dem K. mit Wahrscheinlichkeit zuzuschreiben der »itusaṃhâra«, d. h. »Kreis der Jahreszeiten«, eine höchst poetische Schilderung der sechs indischen Jahreszeiten, herausgegeben von Jones (Kalkutta 1792) und mit Übersetzung von Bohlen (Leipz. 1840).
 
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Kalide, Theodor, Bildhauer, geb. 8. Febr. 1801 in Königshütte, gest. 26. Aug. 1863 in Gleiwitz, bildete sich in Berlin bei Schadow und Rauch und schuf unter des letztern Leitung den Löwen auf dem Grabmonument des General Scharnhorst auf dem Invalidenkirchhof in Berlin. Sein erstes selbständiges Werk, der Knabe mit dem Schwan, im Auftrag Friedrich Wilhelms III. in Bronze für den Charlottenburger Schloßgarten ausgeführt, dann in Zinkguß häufig als Brunnenfigur wiederholt, hatte bereits großen Erfolg. Von einer Reise nach Italien 1846 nach Berlin zurückgekehrt, modellierte er für Königshütte die 1853 dort aufgestellte Statue des Ministers v. Reden in Bergmannstracht. Sein Hauptwerk ist eine berauschte Bacchantin auf dem Panther, ein Werk von kühner Bewegung und lebensvollem Schwung, das auch durch vortreffliche Marmortechnik ausgezeichnet ist (Berliner Nationalgalerie). Seiner spätern Zeit gehören an die Gruppe eines Knaben mit dem Bock und eine Madonna mit dem Kind.
 
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Kalidünger, s. Meyers Dünger und Düngung, S. 279.
 
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Kalieren (ital. calare, auch Dekalieren), senken, niederlassen; die Segel streichen; sinken (auch vom Preis etc.); das erforderliche Gewicht nicht haben (vgl. Calo).
 
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Kalifāt (Chalifat, arab. chilāfa), das Amt des Kalifen, d. h. des nachfolgenden Stellvertreters Mohammeds in der äußern Leitung der Gemeinde. Der Kalif hat die Religion zu schützen und die Welt zu regieren. In Fragen des Dogmas und Gesetzes hat er keine Stimme. Nach dem als Gesetzesquelle geltenden Hadîs (s. Islam, S. 48) muß der Kalif dem arabischen Stamme Korâisch angehören; doch ließ sich der osmanische Sultan Selîm I. von dem letzten abbasidischen Kalifen Mutawakkil, der im ägyptischen Mameluckenreiche die Kalifenwürde vertrat, im J. 1517 diese zedieren. S. Meyers Kalifen.
 
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Kalifeldspat, Mineral, s. Orthoklas.
 
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Kalifen (Chalifen, arab., »Stellvertreter«, genauer »Stellvertreter des Propheten Gottes«) nannten sich die Nachfolger Mohammeds in dessen geistlichem und weltlichem Herrscheramt; das durch sie gegründete Reich ist das Kalifat (s. d.). Die 4 legitimen Kalifen. 632634 Abu Bekr
   634644 Omar I.
   644656 Othmân
   656661 Ali Die 14 omaijadischen Kalifen. 661680 Moâwija I. ibn Abi Sufjân
   680683 Jezîd I. ibn Moâwija
   683 Moâwija II. ibn Jezîd I.
   683685 Merwân I. ibn el Hakam
   685705 Abd el Malik ibn Merwân I.
   705715 Welîd I. ibn Abd el Malik
   715717 Suleimân ibn Abd el Malik
   717720 Omar II. ibn Abd el Azîz
   720724 Jezîd II. ibn Abd el Malik
   724743 Hischâm ibn Abd el Malik
   743744 Welîd II. ibn Jezîd II.
   744 Jezîd III. ibn Welîd I.
   744 Ibrahîm ibn Welîd I.
   744749 Merwân II. ibn Mohammed ibn Merwân I. Die 37 abbasidischen Kalifen. 749754 Abul Abbas es Saffâh
   754775 Abu Dscha'afar el Manßûr
   775785 Mahdi ibn el Manßûr
   785786 Hâdi ibn Mahdi
   786809 Harun al Raschîd ibn Mahdi
   809813 Emîn ibn Harun
   813833 Mamûn ibn Harun
   833842 Mo'taßim ibn Harun
   842847 Wathik ibn Mo'taßim
   847861 Mutawakkil ibn Mo'taßim
   861862 Muntaßir ibn Mutawakkil
   862866 Musta'în ibn Mohammed ibn Mo'taßim
   866869 Mo'tazz ibn Mutawakkil
   869870 Muhtadi ibn Wathik
   870892 Mo'tamid ibn Mutawakkil
   892902 Mo'tadhid ibn Muwaffak ibn Mutawakkil
   902908 Muktafi ibn Mo'tadhid
   908932 Moktadir ibn Mo'tadhid
   932934 Kahir ibn Mo'tadhid
   934940 Râdhi ibn Moktadir
   940944 Muttaki ibn Moktadir
   944946 Mustakfi ibn Muktafi
   946974 Motî' ibn Moktadir
   974991 Tâi' ibn Motî'
   9911031 Kadir ibn Muttaki
   10311075 Kâim ibn Kadir
   10751094 Moktadi ibn Kâim
   10941118 Mustazhir ibn Moktadi
   11181135 Mustarschid ibn Mustazhir
   11351136 Râschid ibn Mustarschid
   11361160 Moktafi ibn Mustazhir
   11601170 Mustandschid ibn Moktafi
   11701180 Murtadhi ibn Mustandschid
   11801225 Naßir ibn Murtadhi
   12251226 Zahir ibn Naßir
   12261242 Mustanßir ibn Zahir
   12421258 Musta'aßim ibn Mustanßir Da Mohammed keinen Sohn hinterlassen, auch keinen Nachfolger ernannt hatte, so entstanden nach seinem Tode Streitigkeiten über die Nachfolge, in denen 632 Meyers Abu Bekr (s. d.) den Sieg davontrug. Abu Bekr fand große Schwierigkeiten, da der Tod Mohammeds das Zeichen zu allgemeinen Aufständen gewesen war; doch ward er ihrer Herr, als sein Feldherr Meyers Chalid (s. d.) den gefährlichsten Gegner, Musailima, besiegt hatte. So hatte er sogar bereits die Eroberung Syriens und der Euphratländer in Angriff nehmen können, als er 634 starb. Sterbend bezeichnete er Omar I. (s. d., 634644) zum Nachfolger. Dieser, einfach und mäßig, glaubenseifrig und sittenstreng, dabei von ungewöhnlicher staatsmännischer Begabung und Tatkraft, begründete die innere Staatsgewalt und verbreitete durch seine Heere den Islam im Osten über Persien, im Westen über Syrien und Nordafrika bis nach Tripolis hin. Das »Schwert Gottes«, Chalid, der 633 die Perser mehrmals besiegt und schon Ktesiphon bedroht hatte, dann aber auf Betreiben Omars 634 nach Syrien geschickt worden war, eroberte hier 635 Damaskus, vernichtete 636 in der Schlacht am Jarmuk (Hieromax) das Hauptheer der Byzantiner und unterwarf einen großen Teil Syriens. Andre Feldherren eroberten 638 Jerusalem und Antiochia, 640 die Hauptfestung Cäsarea, 639 bis 641 Mesopotamien. Zu derselben Zeit wurde die Zertrümmerung des Sasanidenreiches durch die Araber unter Sa'ad, dem Nachfolger des genialen Muthanna, vollendet. Die Perser wurden 637 bei Kadesia besiegt, worauf sich das Irak unterwarf und Ktesiphon, die persische Hauptstadt, ohne Schwertstreich eingenommen wurde; Kufa am Euphrat wurde der Sitz des arabischen Statthalters. Nach dem Siege der Araber bei Nehawend 642 unterwarf sich auch Medien. Omars Feldherr Meyers Amr ibn el Aß (s. d.) brach 638 oder 639 in Ägypten ein und vollendete, durch die dortigen kirchlichen Streitigkeiten unterstützt, bis 643 die Unterwerfung des Landes; von da aus eroberten die Araber

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Barka und Tripolis. Übrigens war Omars Tätigkeit keineswegs bloß kriegerisch. Er stattete Moscheen und Schulen mit Grundbesitz aus, errichtete Festungen, führte die Zeitrechnung der Meyers Hedschra (s. d.) ein und schuf vor allem die auf straffer militärischer Organisation mit Beibehaltung der lokalen Selbstverwaltung beruhende Organisation des Reiches, die jetzt noch in allen muslimischen Staaten herrscht.
   Nachdem Omar durch die Hand eines christlichen persischen Sklaven gefallen war, erwählte ein von ihm niedergesetzter Rat von sechs Männern Othmân (644656, s. d.), einen Schwiegersohn Mohammeds, zum Kalifen. Dieser Greis war der schwierigen Stellung nicht gewachsen; namentlich erregte er durch Besetzung der Statthaltereien mit Verwandten und unwürdigen Günstlingen den Unwillen der Eiferer, von denen er unter Führung des Mohammed, eines Sohnes Abu Bekrs, in seinem Haus ermordet ward. Ihm folgte Mohammeds Neffe und Schwiegersohn Ali (656661, s. Meyers Ali 1). Aber ehrgeizige Nebenbuhler und persönliche Feinde, darunter namentlich Mohammeds Witwe Meyers Aïscha (s. d.), erhoben sich gegen ihn. In der sogen. Kamelschlacht bei Basra (656) siegte er und nahm Aïscha gefangen; aber gegen den Statthalter Syriens, Moâwija, konnte er den bereits errungenen Sieg bei Siffîn (657) infolge eines durch Ränke ihm aufgenötigten Waffenstillstandes nicht ausnutzen; im fortgesetzten Kampfe fiel er durch Meuchelmord (661). Mit Moâwija I. (661680) beginnt die Dynastie der Meyers Omaijaden (s. d.). Mit ihm kam die weltliche Partei der altmekkanischen Aristokratie zur Herrschaft; ihr Gegensatz zu der demokratisch-puritanischen Richtung der Châridschiten und zu der Schi'a, d. h. den Verwandten des Hauses des Propheten, bestimmte die nächste politische Entwickelung. Moâwija verlegte die Residenz von Medina nach Damaskus, weil er sich nur hier sicher fühlte. Um dem Aufstande der Châridschiten in Mesopotamien ein Ende zu machen, ernannte er seinen von einer Sklavin abstammenden Bruder Zijâd zum Statthalter von Basra, der hier mit despotischer Härte die Herrschaft der K. befestigte. Die Herstellung der Ruhe im Innern ermöglichte weitere Ausdehnung der Grenzen des Reiches. Cypern und Rhodos wurden erobert, die Kykladen, bald auch entferntere Küstenstriche von den sarazenischen Korsaren geplündert. Die Araber bedrängten sogar Konstantinopel vom Meer aus 7 Jahre lang (669675), doch ohne Erfolg. Dafür drangen zu Lande die Scharen der Muslims im Osten bis gegen Indien, in Nordafrika unter Okba bis über Tunesien hinaus vor. Das Kalifat machte Moâwija in seiner Familie erblich.
   Jezid I., der Sohn Moâwijas (680683), war wegen seiner weltlichen Neigungen den Frommen verhaßt. Hussein, der Sohn Alis, von den Schiiten des Irak gerufen, zog mit einer Anzahl von Parteigängern auf Kufa, unterlag aber bei Kérbela 680. Gleichzeitig hatten sich Medina und unter dem Gegenkalifen Abdallah ibn es Sobeir auch Mekka erhoben. Jezids Feldherr Muslim ibn Okba eroberte jedoch Medina 683 und übte grausame Rache. Unterdessen starb Jezid, wenige Wochen später sein Sohn Moâwija II., innere Zwistigkeiten zerrütteten die Partei der Omaijaden, und unter schweren Kämpfen nur hielt sich Merwân I. (s. d.), dem als dem ältesten Omaijaden gehuldigt worden war, doch wurde er schon 685 ermordet. Sein Sohn Abdel Malik (685705, s. d.), eine energische Herrschernatur, fand das Reich der Auflösung nahe. In weiten Bezirken Chusistans und Arabiens tobten die Châridschiten, Mekka hielt Abdallah ibn es Sobeir, in Kufa war an der Spitze der Schiiten ein Pseudoprophet, Muchtâr, aufgestanden. Zum Glück geriet dieser mit Ibn es Sobeir in Streit, dessen Bruder Muß'ab ihn 687 vernichtete. Die Unruhen in Syrien stillte Abd el Malik selbst, schlug dann den Muß'ab 690 und ließ durch seinen Feldherrn Haddschadsch ibn Jußuf 692 Mekka einnehmen, wobei Abdallah fiel. Als Statthalter des Ostens stiftete Haddschâdsch in Kufa und Basra Ordnung; die Empörungen im Osten fanden erst 703 ein Ende: damit war die Einheit des islamischen Reiches wiederhergestellt. Abd el Malik ließ zuerst (694) arabische Münzen prägen, machte die arabische Sprache zur ausschließlichen Kanzleisprache und begünstigte die Künste.
   Unter Abd el Maliks Sohn Welîd I. (705715) erhob sich die arabische Macht zur höchsten Blüte. Welîds Feldherren siegten in drei Weltteilen. Koteiba focht siegreich in Turkistan und Transoxanien (706715). Mohammed ibn Kâßim unterwarf Sind und Pandschab, Maslama, des Kalifen Bruder, focht in Kleinasien siegreich. Meyers Mußa ibn Noßair (s. d.) vollendete die Eroberung Nordafrikas bis zum äußersten Westen; sein Unterbefehlshaber Meyers Tarik (s. d.) setzte 711 nach Spanien über, schlug die Goten, und bis 713 war der größte Teil der Halbinsel in den Händen der Muslims. Welîds Bruder Suleimân (715717) war ein Despot. In seine Regierung fällt die anderthalbjährige, erfolglose Belagerung Konstantinopels. Sein Vetter und Nachfolger, der fromme Omar II. (717720), beging große politische Fehler, insbes. indem er die Feinde der Dynastie, die Aliden und in Verbindung mit ihnen die Abbasiden (s. Meyers Abbas 1), wieder aufkommen ließ. Unter seinem Nachfolger Jezîd II. (720724), dem Bruder Suleimâns, wurde das Reich wieder von Aufständen heimgesucht, während der Kalif ein üppiges Leben zu Damaskus führte. Seinem Bruder und Nachfolger Hischâm (724743) gelang es noch einmal, das Reich einigermaßen in Ordnung zu bringen, obwohl die zunehmende geheime Propaganda der Aliden und Abbasiden sich schon in gefährlichen Aufständen Luft machte. Durch Karl Martells Sieg bei Tours (732) wurde den Fortschritten der Araber im Westen ein Ziel gesetzt. Der wollüstige und grausame Welîd II. (743 bis 744), Sohn Jezîds II., wurde nach einjähriger Herrschaft gestürzt und getötet. Sein Nachfolger Jezîd III., Sohn Welîds I., starb in dem Jahre seiner Erhebung, und dessen Bruder Ibrahîm wurde 744 von Merwân, dem Enkel Merwâns I., gestürzt. Mit diesem, Merwan II. (744750), erreichte die Herrschaft der Omaijaden in Asien ihr Ende. Offen traten die Abbasiden, unterstützt von den Aliden, gehoben durch das erwachte Nationalgefühl der islamisierten, doch araberfeindlichen Perser, gegen Merwân auf. Der Abbaside Ibrahîm ward in Chorasan als Herrscher ausgerufen. Ibrahîm selbst wurde zwar 748 von Merwân gefangen genommen, aber sein Bruder Abul Abbas ließ sich 749 in Kufa als Kalif huldigen. In blutiger Schlacht am Fluß Zab wurde Merwân II. geschlagen, nach Ägypten verfolgt und dort 750 getötet. Der blutdürstige Oheim des Abul Abbas, Meyers Abdallah (s. d. 2), rottete durch eine schonungslose Verfolgung die Omaijaden aus; nur wenige entkamen nach Spanien, wo Abd er Rahmân, Enkel des Kalifen Meyers Hischâm (s. d.), eine selbständige Herrschaft gründete. Mit dem Geschlechte der Omaijaden war die Herrschaft der Araber als Nation dahin.

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Abul Abbas (749754) befestigte seine Herrschaft durch blutige Ausrottung seiner Gegner, daher Saffâh (»Blutvergießer«) genannt. Sein Bruder Abu Dscha'afar (754775), gewöhnlich el Manßûr (s. d., »der Siegbegabte«, bei den Abendländern Almansor) genannt, war einer der grausamsten, aber auch einer der größten Herrscher, die es je gegeben hat. Er befestigte die Dynastie durch Verfolgung ihrer Gegner, insbes. der durch ihre Beiseiteschiebung erbitterten Aliden und der extrem nationalen Richtungen unter Persern und Arabern; die Gemäßigten suchte er zu einigen, wie er denn seine Hauptstadt in das Grenzgebiet zwischen beiden Völkern, nach dem 762 gegründeten Bagdad, verlegte. Diese Tendenz seiner Herrschaft verkörperte sich auch in der intelligenten Ministerfamilie der aus Ostpersien stammenden Meyers Barmekiden (s. d.). Sie brachte das Reich zu hoher Blüte, die, durch die nicht seltenen Aufstände der Gegner wenig gestört, auch noch unter seinem Sohne Mahdi (775785) und seinen Enkeln Hâdi (785786) und Harun al Raschîd (786 -S09, s. d.) andauerte. Doch zeigte die Regierung des letztern schon Spuren des Verfalles, seit er 803, wohl aus Eifersucht, die mächtigen Barmekiden gestürzt hatte. Selbst kein bedeutender Herrscher, vermochte er die zunehmenden Aufstände nur unvollkommen zu unterdrücken; dazu legte er durch die letztwillige Teilung des Reiches unter seine Söhne Emîn (809813) als K. und Beherrscher des Westens und Mamûn als Statthalter der Ostprovinzen den Keim zum Bürgerkrieg, in dem Emîn, von Mamûns Feldherrn Tahir geschlagen, umkam. Mamûn (813 bis 833), ein nicht untüchtiger Fürst, stellte die Ordnung leidlich her und trug durch Förderung geistiger Bestrebungen zum Aufblühen der wissenschaftlichen Tätigkeit bei, wodurch die Araber (oder vielmehr die arabisch schreibenden Muslims aller Nationen) die Vermittler zwischen der griechischen und der abendländischen Kultur geworden sind. Allerlei Mißverhältnisse während seiner Regierung hatten ihren Grund in theologischen Differenzen, da Mamûn als Beschützer der freisinnigen Richtung in der Theologie auftrat und deren Fassung des Dogmas zur Staatsreligion erhob. Sein Bruder Mo'taßim (833842) verlegte wegen der steten Unruhen in Bagdad die Residenz nach Samarra am Tigris und errichtete eine starke Leibwache aus türkischen Sklaven (Mamelucken). Sein Sohn Wathik (842847) vermehrte den überall glimmenden Haß durch Habgier und Verfolgung der Orthodoxen. Sein Bruder, der von der Leibwache zum Kalifen erhobene Mutawakkil (847861), suchte durch Abschaffung des Dogmas Mamûns und Verfolgung der freisinnigen Theologen sich die Unterstützung der beim Volk einflußreichen Orthodoxie zu sichern, war aber als Herrscher wollüstig und grausam. Sein eigner Sohn Muntaßir verschwor sich gegen ihn mit der türkischen Leibwache und ließ ihn umbringen, starb aber selbst, wahrscheinlich an Gift, schon 862.
   Mehr und mehr wurde das Reich durch Bürgerkriege der Auflösung entgegengeführt. Unter den folgenden, meist durch die Leibwache auf den Thron gehobenen K.: Musta'în (bis 866), Mo'tazz (bis 869), Muhtadi (bis 870), Mo'tamid (bis 892), Mo'tadhid (bis 902), Muktafi (bis 908), Moktadir (bis 932), Kahir (bis 934), Râdhi (bis 940), Muttaki (bis 944) erhoben sich auf allen Seiten Statthalter, die sich bei der meist schwachen Regierung der in ein üppiges Genußleben versunkenen K. von diesen unabhängig machten. So behaupteten sich mit mehr oder weniger Glück die Meyers Aghlabiden (s. d.) in Westafrika, die Tuluniden (s. unten) in Ägypten, die Meyers Hamdaniden (s. d.) in Nordsyrien, die Meyers Saffariden (s. d.) in Persien, die Meyers Samaniden (s. d.) in Chorasan, die Aliden in der Umgebung des Kaspischen Meeres, während große Teile des Reiches von den Sekten der Meyers Ismaëliten (s. d.), Meyers Karmaten (s. d.), Meyers Fatimiden (s. d.) unterwühlt wurden. Als der Kalif Mustakfi 944 zur Regierung kam, beschränkte sich sein Gebiet auf die Stadt Bagdad. Diese Schwäche benutzte 946 das Haupt der Meyers Bujiden (s. d.), Mo'izz ed Daula, um Bagdad zu erobern; der Kalif wurde geblendet, und der zu seinem Nachfolger erhobene Motî', der Bruder Mustakfis, wurde auf die geistliche Würde beschränkt, während die Bujiden die Würde des weltlichen Herrschers ausübten. So aller Macht beraubt, blieben die K. die Puppen der Bujiden, bis diese 1055 den Seldschuken weichen mußten. Das bedeutungslose Kalifat dauerte fort, bis es während des Verfalles der Seldschukendynastie einigen K. gelang, das Gebiet von Bagdad als selbständiges Fürstentum zurückzuerhalten. Dies beherrschten die K., bis Hulagu, der Enkel Dschengis-Chans, mit seinen wilden Horden Bagdad eroberte (1258); 40 Tage lang wurde geplündert, 200,000 Menschen wurden getötet, unter ihnen Musta'aßim, der letzte abbasidische Kalif. Ägypten war eine der ersten Provinzen des Kalifats, die sich von ihm losrissen. Den ersten Versuch machte der Statthalter Ahmed, Sohn des Tulun, eines ehemaligen türkischen Sklaven, der nur noch dem Namen nach unter abbasidischer Oberherrschaft stand (869). Die Schlacht bei Fostât (904) brachte zwar Ägypten nochmals unter das arabische Kalifat, aber die Dynastie der Ichschididen, von Mohammed Ichschîd, einem Ferghaniten, gestiftet, behauptete sich von 934969 wieder selbständig auf dem ägyptischen Throne. Die zunehmende Schwäche dieser Familie machte es den Meyers Fatimiden (s. d.) leicht, auch Ägypten und Syrien in ihre Gewalt zu bringen; Mo'izz zog 973 als Kalif in die neuerbaute Hauptstadt. Kairo ein. Es folgte eine Zeit des Aufschwunges für Ägypten; aber seit Meyers Hâkim (s. d.) geriet die Herrschaft in die Hand der Wesire. Wesir Afdal eroberte 1098 Jerusalem, verlor es aber schon 1099 wieder an die Kreuzfahrer. Unter den folgenden Fatimiden nahm die Verwirrung immer mehr zu. Ordnung in Ägypten schuf erst Saladin, der sich 1170 der Herrschaft bemächtigte und den Titel Sultan von Ägypten annahm. Er begründete die Dynastie der Ejjubiden, die 1250 von den Mamelucken gestürzt wurde. Nach der Zerstörung Bagdads durch die Mongolen 1258 stellten die Mamelucken einen nach Ägypten entkommenen Abbasiden als Scheinkalifen auf. Der letzte mußte bei der Eroberung Ägyptens durch die Osmanen 1517 den Kalifentitel an den Türkensultan abtreten (s. Kalifat), der ihn bis heute führt und damit die geistliche Oberherrschaft über die sunnitischen Muslims beansprucht. Von andern muslimischen Dynastien haben den Kalifentitel geführt die spanischen Omaijaden (s. Spanien [Geschichte] und Abd er Rahmân), die Meyers Almohaden (s. d.) und einige kleinere spanische und westafrikanische Dynastien.
   Vgl. Weil, Geschichte der K. (Bd. 13, Mannh. 184651; Bd. 4 u. 5: Geschichte des Abassidenkalifats in Ägypten, Stuttg. 186062); v. Kremer, Kulturgeschichte des Orients unter den K. (Wien 1875 bis 1876, 2 Bde.); A. Müller, Der Islam im Morgen-

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und Abendland (Berl. 188587, 2 Bde.); Muir, The Caliphate, its rise, decline, and fall (3. Aufl., Lond. 1899); Le Strange, Bagdad during the Abbasid caliphate (Oxford 1900); Wellhausen, Das arabische Reich und sein Sturz (Berl. 1902, behandelt nur die Omaijaden).

 

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Artikel 81 bis 90 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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