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Kalesche bis Kalgan (Bd. 6, Sp. 460 bis 461)
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Artikelverweis Kalesche (wahrscheinlich vom serb. Kolitsa, Diminutiv von Kola, Wagen), eleganter, leichter Wagen mit vier niedrigen Rädern, abnehmbarem Verdeck, vier Sitzen inwendig und besonderm Kutschbock.
 
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Kale Su, s. Meyers Aras.
 
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Kale Sultanîe, s. Meyers Tschanak-Kalessi.
 
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Kalewala (spr. kálewala, »Kalewa-Heim«), Name des finnischen Nationalepos, das die Taten der drei Kalewasöhne schildert: des alten Wäinämöinen, eines zaubergewaltigen Sängers und Erfinder der Zither Kantele, bei dessen Tönen die ganze Natur aufhorcht, die Menschen weinen und die Götter lächeln; des kunstreichen Schmiedes Ilmarinen, und des kampfeslustigen Lemminkäinen, eines nordischen Don Juantypus. Die Geschichten der K. drehen sich hauptsächlich um zwei Punkte: 1) handelt es sich darum, die Tochter Louhis, der bösen Wirtin des hohen dunkeln Nordens Pohjola, als Frau zu gewinnen. Die wichtigste Bedingung, die Ilmarinen löst, ist das Schmieden des Sampo, einer Zaubermühle, die Mehl, Salz und Geld auswirft und überall Fruchtbarkeit und Gedeihen ausbreitet; 2) gilt es, diesen Glückshort von Pohjola zurückzuerobern, was den Kalewalahelden auch unter vielen Gefahren gelingt; die Louhi verwandelt sich in einen Adler, der auf seinem Rücken die Pohjolamannen trägt, und schießt auf das flüchtende Kalewaschiff herunter, der Sampo zerschlägt sich im Wasser und nur die glückbringenden Splitter werden aus Kalewaufer gespült. Die Darstellung ist in echt epischem Ton ganz objektiv gehalten. Mit individualisierender Kraft wird die Wirklichkeit bis ins einzelne hinein ausgemalt. Von der Landschaft, den Tieren und Menschen des baltischen Nordens wird ein farbenhelles Bild entworfen. Die Gemütsart der nordischen Menschen, die, mit der Zärtlichkeit fürs Kleine den Sinn für das Große und Maßlose vereint, tritt überall hervor (Rosencranz). Unter den mannigfachen Episoden, an denen die Dichtung reich ist, sind besonders der hochpoetische Abschnitt von Külervo, des Repräsentanten der Blutrache, die sinnigen Hochzeitslieder und die liebliche Sage von der unglücklichen Jungfrau Aino hervorzuheben. Den eigentümlichsten Zusatz aber bilden die zahlreichen Zauberlieder, magische Beschwörungen in poetischer Form. Das Versmaß besteht aus fortlaufenden vierfüßigen Trochäen mit Stabreim und Gedankenreim

[Bd. 6, Sp. 461]


(Alliteration und Parallelismus). Dies Epos wurde 1835 von Elias Lönnrot aus Volksliedern zusammengestellt, die er hauptsächlich bei den Kareliern im Gouvernement Archangel ausgezeichnet hatte. Die Kalewalalieder werden noch heute bei ihnen und in dem Gouvernement Olonetz, hart an der Grenze Finnlands, im östlichsten und südöstlichsten Finnland (nördlich und westlich vom Ladogasee) sowie im Petersburger Gouvernement (Ingermanland) gesungen; auch bei den Esten in den Ostseeprovinzen sind überall Varianten anzutreffen. Im mittlern und Westfinnland haben sich nur die magischen Lieder erhalten, doch wurden da vor hundert Jahren auch epische ausgezeichnet. Im ganzen sind ca. 100,000 Varianten und Bruchstücke mit ein paar Millionen Zeilen gesammelt worden. Nach den neuern Forschungen sind die epischen Lieder größtenteils entweder in Westfinnland oder Esthland, die magischen in Westfinnland entstanden. Auf karelischem Gebiet fließen die Gesänge von diesen beiden Quellen zusammen, erhalten neue Zuflüsse aus dem heimatlichen karelischen Boden und das Ganze gerät gleichsam in einen Strudel, aus dem immer neue schäumende Wogen emportauchen. Die Strömung geht hier vom Süden nach Norden. In Ingermanland sind die schon ziemlich häufigen Verbindungen verschiedener Themata meistens lose und unverschmolzen; die magischen Lieder haben sich nur selten mit den epischen vermischt, und die Persönlichkeiten von Wäinämöinen und Ilmarinen (ursprünglich Götter des Wassers und der Luft) treten nur erst in einigen wenigen Gesängen auf. In Finnisch-Karelien sind aus den Verbindungen verschiedener Themata durch vollständige Verschmelzung neue Gesänge entstanden, eine ganz neue Art episch-magischer Dichtung hat sich herausgebildet, und einige Personennamen beginnen alle übrigen zu verdrängen. In Russisch-Karelien ist diese Entwickelung noch weiter vorgeschritten. Die Lieder gruppieren sich um gewisse Personennamen; um diese zu vereinigen, erscheinen weitere Neubildungen; es entstehen Gesangszyklen, und einer von diesen, der Sampozyklus, wird gleichsam zu einem Mittelpunkte, der alles in die Nähe Kommende zu sich heranzieht. An diese letzte Entwickelungsform reiht sich Lönnrots Zusammenstellung. Eine ältere Ansicht über die Entstehung der Kalewalagesänge auf karelischem Boden vertreten A. Ahlqvist (»Das Karelertum des K.«, finnisch, 1887) und D. Comparetti (s. unten, Literatur), der die epischen Lieder aus der magischen Poesie und diese aus dem Schamanismus erklären; nach der modernern Ansicht sind die Zauberlieder aus der katholischen Magie entstanden und durch den Einfluß der episch-lyrischen Poesie entwickelt. Was Lönnrots Arbeit betrifft, sind die ältesten handschriftlichen Redaktionen von 1833 genau untersucht worden (A. R. Niemi, Die Zusammenstellung des K., I, finnisch, 1898). Mehr als neun Zehntel des Werkes sind sicher rein volkstümlich; auch das übrige enthält gewöhnlich Reminiszenzen aus den echten Volksliedern, da Lönnrot kein selbständig schöpferisches poetisches Talent besaß. Doch verfuhr er nicht wie ein pedantischer Gelehrter bei der Auswahl der Zeilen aus den Varianten ein und desselben Liedes, sondern folgte einfach seinem poetischen Instinkt. Auch gebrauchte er Interpolationen aus andern Volksliedern zur Ausschmückung eines Gesanges nach der Art der Volkssänger, die ein Lied gerade mit Hilfe andrer weiter entwickeln. Einen Beweis für das seine Gefühl, das Lönnrot für die Volksdichtung besaß, liefert die Tatsache, daß in den später ausgezeichneten Volksliedern Verschiedenes in derselben Weise ausgeführt worden ist, wie im K., nachweislich ohne hiervon beeinflußt zu sein. Der Zweifel einiger Autoren in betreff der Volkstümlichkeit der K. beruhen auf den Ausführungen von K. B. WiklundOm K.«, 1901), denen jedoch, wie K. Krohn in den »Finnisch-ugrischen Forschungen« (1902) nachweist, keinerlei Quellenforschungen, sondern nur lose Mutmaßungen zugrunde liegen. Elias Lönnrots erste Auflage der K. erschien 1835 und wurde in französische Prosa von Léouzon le Duc in »La Finlande« (Par. 1845, 2 Bde.) übersetzt, von Jakob Grimm (»Über das finnische Epos«, in den »Kleinern Schriften«, Bd. 2) besprochen. Die zweite, von 12,000 auf 22,000 Zeilen vermehrte Redaktion Lönnrots folgte 1849 und wurde von A. Schiefner (Helsingfors 1852) und H. Paul (das. 188586, 2 Bde.) übersetzt. Eingehend behandelt das Epos Julius Krohn in der »Finnischen Literaturgeschichte«, Bd. 1 (finn. u. schwed., Helsingf. 188385 u. 1890) und Kaarle Krohn in der »Geschichte der Kalewalagesänge«, Bd. 1: »Sampo« (finn. 1903), sowie in deutschen Aufsätzen der »Finnisch-ugrischen Forschungen«, 1901 ff. Ältere Kommentatoren sind: Cäsar, Das finnische Volksepos K. (Stuttg. 1862), und v. Tettau, Über die epischen Dichtungen der finnischen Völker, besonders die K. (Erfurt 1873); Comparetti, Der K. (deutsche Ausg., Halle 1892).
 
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Kalewi-Poëg, Epos, s. Meyers Esthen, S. 129.
 
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Kalf (Kalff), Willem, holländ. Maler, geb. um 1622 in Amsterdam, war Schüler von Hendrik Pot und in Amsterdam tätig, wo er 31. Juli 1693 starb. Er malte ausschließlich Stilleben, sogen. Frühstücksbilder mit Früchten, Weingläsern, Delikatessen etc. auf gedeckten Tischen und Kücheninterieurs, die mit großer koloristischer Meisterschaft behandelt sind. Bilder von ihm finden sich in den Museen zu Berlin, Dresden, Frankfurt a. M., Amsterdam und Rotterdam, meist aber in Privatbesitz.
 
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Kalfákter (verderbt aus lat. calefactor, »Einheizer«), Aufwärter, namentlich einer, der vielen Herren dient; daher soviel wie Herren-, Liebediener.
 
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Kalfatern, das Abdichten der Beplankungsfugen (Nähte) der Schiffshaut in Holzschiffen und der Decks mit Werg und Pech. Das Wort ist arabischen Ursprungs.
 
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Kalfeusen, Alpental, s. Tamina.
 
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Kalff, Gerrit, niederländ. Literarhistoriker, geb. 30. Jan. 1856 in Zwolle, lebt als Gymnasiallehrer in Amsterdam; schrieb: »Het lied in de middeleeuwen« (Leiden 1883); »Middelnederlandsche epische fragmenten« (Gröning. 1886); »Geschiedenis der Nederlandsche letterkunde in de 16e eeuw« (Leiden 1889, 2 Bde.); »Litteratuuren toneel in Amsterdam in de zeventiende eeuw« (Haarlem 1895); »Vondels leven« (das. 1896, 2. Aufl. 1902); »Jacob Cats« (das. 1901); »Studien over Nederlandsche dichters der zeventiende eeuw« (Gröning. 1901, 2 Tle.); »Het onderwijs in de moedertaal« (Amsterd. 1893). Auch gab er »Trou moet blycken. Tooneelstukken der zestiende eeuw« (das. 1889) heraus und lieferte Anmerkungen zu »Griane«, »Stommen Ridder« und »Groot-Lied-Boeck« in den Werken G. A. Brederos (188590).
 
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Kalgan (russ., v. mongol. Chalga, »Tor«, chines. Tschangkiakou), Stadt in der chines. Provinz Tschili, unter 40°50' nördl. Br. am Tsinho, Nebenfluß des Hunho, mit Mauern umgeben, die sich an die Große Mauer (äußerer Zweig) anschließen, an der Handelsstraße

[Bd. 6, Sp. 462]


von Peking nach Kiachta, wohin namentlich Tee ausgeführt wird, mit etwa 70,000 Einw. (ausschließlich Chinesen, darunter viele Mohammedaner). Außerhalb der Stadt liegen die Häuser russischer Kaufleute und protestantischer Missionare.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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