Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Kaiseroda bis Kaiserschnitt (Bd. 6, Sp. 437 bis 438)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Kaiseroda, Dorf im weimar. Kreis Eisenach, unfern von Salzungen, an der Staatsbahnlinie Salzungen-Kaltennordheim, hat ein Kaliwerk und (1900) 137 Einw. Dabei liegt das Kalibergwerk und Kohlensäurewerk Gewerkschaft Heldburg.
 
Artikelverweis 
Kaiser Oktavianus, Titel eines deutschen Volksbuches des 16. Jahrh., das nach französischer, aus dem Lateinischen geflossener Quelle die Geschichte einer ungerecht verstoßenen Königin und ihrer Söhne enthält (erster Druck, Straßb. 1835; auch in Simrocks »Volksbüchern«). Die Sage ist besonders durch Tiecks dramatische Bearbeitung (Jena 1804) allgemeiner bekannt geworden. Den altfranzösischen Roman gab Vollmöller (Heidelb. 1883), zwei mittelenglische Bearbeitungen Sarrazin (das. 1885) heraus.
 
Artikelverweis 
Kaiseröl, s. Meyers Erdöl, S. 24.
 
Artikelverweis 
Kaiserparagraph wird im Anschluß an die Bibelstelle: »Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist«, der § 1588 des Bürgerlichen Gesetzbuches genannt, nach dem in Ansehung der Ehe die kirchlichen Verpflichtungen durch die Vorschriften des ersten Abschnittes des vierten Buches des Bürgerlichen Gesetzes, der von der bürgerlichen Ehe handelt, nicht berührt werden. Dieser auf Veranlassung des Zentrums vom Reichstag eingeführte Paragraph ist rechtlich belanglos.
 
Artikelverweis 
Kaiserpilz (Kaiserschwamm), s. Meyers Agaricus, S. 162.
 
Artikelverweis 
Kaiserpreise, Preise, welche die besten Schützen beim jährlichen Preisschießen erhalten, und zwar jedes Armeekorps einen Degen für Offiziere, zwei Taschenuhren für Unteroffiziere; auch die Inspektion der Infanterieschulen erhält zwei K., je einen für Offiziere und Unteroffiziere. Vgl. Schützenabzeichen.
 
Artikelverweis 
Kaiserrecht (Jus Caesareum), ein Ausdruck der mittelalterlichen Rechtssprache, im allgemeinen das Recht der Kaiser, und zwar sowohl das römische Recht im Corpus juris als auch die deutschen Reichsgesetze. Der Schwabenspiegel ist in einigen Ausgaben als K. bezeichnet. Unter dem Namen Lüttike oder Kleines K. (liber, lex imperatoris) entstand (wahrscheinlich im 14. Jahrh.) ein Rechtsbuch, das ein für das ganze Reich gemeines Recht zur Aufrechthaltung des Landfriedens schaffen wollte; der Verfasser ist unbekannt. Über modernes Kaiserrecht s. Meyers Kaiser, S. 434.
 
Artikelverweis 
Kaiserrot, s. Meyers Englischrot und Fluoreszein.
 
Artikelverweis 
Kaisersagen, Volkssagen, die auf verschiedene Kaiser Bezug nehmen (vgl. Bergentrückung), sich

[Bd. 6, Sp. 438]


aber vornehmlich an die Persönlichkeit Friedrichs II. knüpfen. Die Kaisersage, deren Grundgedanke die Erinnerung eines goldenen Zeitalters durch einen mächtigen Monarchen ist, hat ihre Wurzeln in der schon in vorchristlicher Zeit wahrnehmbaren apokalyptischen Wertung des Weltimperiums. So wurde bereits das Weltimperium Alexanders d. Gr. von einzelnen jüdischen Kreisen in Beziehung gesetzt zu dem gewaltigen eschatologischen Bilde der Weltgeschichte, das Daniel entwirft. Bis in die byzantinische Zeit hinein galt seitdem der Mazedonier als der kommende oder wiederkommende große Kaiser der Endzeit. Dieser apokalyptische Charakter des griechischen Weltimperiums ging von diesem auf das römische über. Schon Augustus galt als der Erneuerer des goldenen Zeitalters. Eine vorchristliche jüdische Sibylle, die sich ursprünglich auf Alexander d. Gr. bezog, ward jetzt überarbeitet und in Beziehung gesetzt zu dem römischen und später (in immer neuen Überarbeitungen) zu dem römisch-deutschen Imperium. Eine solche Sibylle heftete sich mit besonderer Zähigkeit an die Persönlichkeit Friedrichs II., sowohl in Italien, wo die Joachimiten, die Anhänger Joachims von Floris (s. Meyers Ewiges Evangelium), in ihm den Hammer der Kirche erblickten, als auch in Deutschland, wo er als deren Reformator galt. Als Friedrich II., dessen Heerfahrt nach dem Heiligen Grab bereits mit orientalischen, später in die deutsche Kaisersage übergehenden Motiven aus den Sagen vom Perserkönig Johannes und vom dürren und wieder grünenden Baume geschmückt war, starb, ohne die Hoffnungen und Befürchtungen erfüllt zu haben, wollte man an seinen Tod nicht glauben. Sporadisch verbreitete sich das Gerücht, er sei in den Ätna gezogen. Dieses Gerücht vom Fortleben des Kaisers, das von den Joachimiten ausging, drang über die Alpen und fand in Deutschland Glauben. Jene somit auf die uralten Prophezeiungen der Sibylle zurückzuführende Vorstellung vom fortlebenden Kaiser assimilierte sich alsbald mythische Stoffe der deutschen Götter- und Heldensage. Mit dem Einzug des Kaisers in den Meyers Kyffhäuser (s. d.) ist die Entwickelung der Sage abgeschlossen. Das stetig wahrzunehmende Bestreben der Sage, alle fremden Stoffe zu nationalisieren, zeigt sich auch darin, daß, seit dem Volksbuche vom Jahre 1519 vom Kaiser Friedrich dem ersten des Namens, der dem deutschen Gemüt näherstehende Rotbart (s. Meyers Friedrich I., S. 115) an die Stelle des letzten Staufers trat. Diese Rotbartsage ist dann auch auf andre Kaiser und auf andre Örtlichkeiten, namentlich auf den Untersberg bei Salzburg, übertragen worden. Vgl. Häußner, Die deutsche Kaisersage (Programm, Bruchsal 1882); R. Schröder, Die deutsche Kaisersage (Heidelb. 1893); H. Grauert, Zur deutschen Kaisersage (im Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, Bd. 13, Münch. 1892); F. Kampers, Die deutsche Kaiseridee in Prophetie und Sage (das. 1896) und Alexander d. Gr. und die Idee des Weltimperiums (Freib. i. Br. 1901); Heidemann, Die deutsche Kaiseridee und Kaisersage im Mittelalter und die falschen Friedriche (Programm des Berliner Gymnasiums zum Grauen Kloster, Berl. 1898).
 
Artikelverweis 
Kaisersberg (Kaysersberg), Kantonsstadt im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Rappoltsweiler, an der Weiß und der Eisenbahn Kolmar-Schnierlach, 245 m ü. M., hat eine alte kath. Kirche aus dem 11. Jahrh., Schloßruine, Amtsgericht, Oberförsterei, bedeutende Baumwollspinnerei und-Weberei, Holzstoffabrikation, Gerberei, Ziegelbrennerei, Säge- und Mahlmühlen, Weinbau, Weinhandel und (1900) 2662 meist kath. Einwohner. K. wurde von Friedrich II. gegründet und erhielt von König Adolf Stadtrecht. Nach K. ist der berühmte Kanzelredner Geiler von Meyers Kaisersberg (s. d.) benannt.
 
Artikelverweis 
Kaiserschnitt (Sectio caesarea, Lapara Hysterotomia), geburtshilfliche Operation, bei der nach Eröffnung der Bauchhöhle die Gebärmutter aufgeschnitten wird, um die Frucht durch die so geschaffene Wundöffnung zur Welt zu befördern. Seit den Zeiten der Römer besteht in den meisten Kulturstaaten die gesetzliche Vorschrift, im Falle des Ablebens einer Schwangern oder Gebärenden bei Lebensfähigkeit des Kindes Maßnahmen zu seiner Rettung zu treffen. Diese werden in den meisten Fällen in der Vornahme des Kaiserschnittes bestehen müssen. Freilich gelingt es nur selten, das Kind nach dem Tode der Mutter zu retten; denn da es im günstigsten Falle diese nur wenige Minuten überlebt, so kann nur bei schnellster Ausführung der Operation unmittelbar nach dem Ableben der Mutter auf ein lebendes Kind gerechnet werden. An der lebenden Mutter blieb der K. noch bis vor kurzer Zeit auf diejenigen Fälle beschränkt, in denen überhaupt keine andre Methode der Entbindung ausführbar war. Diese Vorsicht war durch die hohe Sterblichkeit der Mütter nach;dem K. geboten. Seitdem jedoch die Operationsresultate sich besonders durch die Vervollkommnung der Nahtmethode bedeutend gebessert haben, hat man das Gebiet dieser Operation immer weiter ausgedehnt. Zurzeit unterscheidet man den K. aus unbedingter und bedingter Indikation. Unbedingt angezeigt ist er, wenn die Geburtswege so eng sind, daß die Frucht auch in zerstückeltem Zustand auf dem natürlichen Wege nicht geboren werden kann, sei es, daß es sich dabei um hohe Grade von Beckenenge handelt oder um Geschwülste, welche die Geburtswege verlegen. Bedingt angezeigt ist der K. dagegen, wenn der Grad der Beckenenge die Geburt einer reisen Frucht auf dem natürlichen Wege zwar nicht in unversehrtem Zustande, wohl aber nach vorausgegangener Verkleinerung (s. Kraniotomie) zuläßt. Hier, wo der K. lediglich die Erhaltung des kindlichen Lebens bezweckt, darf er nur mit ausdrücklicher Einwilligung der betreffenden Frau ausgeführt werden. Denn wenn auch durch die Fortschritte der modernen Chirurgie die Gefahren des Kaiserschnittes für das mütterliche Leben wesentlich verringert sind, so muß er doch noch mit Recht als die lebensgefährlichste von allen geburtshilflichen Operationen angesehen werden. Anderseits ist bereits eine ganze Anzahl von Fällen bekannt, wo der K. mehrmals an ein und derselben Person mit bestem Erfolg vorgenommen wurde. Die Operation wird in der Regel konservativ, d. h. mit Erhaltung der Gebärmutter (klassischer K.), ausgeführt. Nur in jenen Ausnahmefällen, wo der Zurücklassung dieses Organs im Körper gewichtige Gründe entgegenstehen (z. B. bei Osteomalacie, Geschwülsten oder Infektion der Gebärmutter), wird an die Entleerung der Gebärmutter die supravaginale Amputation derselben angeschlossen (Porro-Operation). Die Prognose für die Mutter hängt von der Asepsis und der exakten Ausführung der Naht der Gebärmutter ab. Je weniger Gelegenheit zur Infektion vor und während der Operation bestand, desto besser ist die Heilungsaussicht. Die Prognose für das Kind ist, wenn der K. an der Lebenden ausgeführt wird, eine durchaus günstige. Schon im Talmud wird der K. erwähnt, er wurde aber im Altertum nur an toten Müttern vorgenommen, was schon durch die Lex regia de mortuo

[Bd. 6, Sp. 439]


inferendo von Numa Pompilius geboten war; erst seit dem 16. Jahrh. findet man Nachrichten vom K. an Lebendigen. Der Ausdruck K. (Übersetzung von sectio caesarea) kommt von caedo, »ich schneide aus«, wie Plinius erklärt (»Hist. nat.«, VII, 9). Die Römer nannten caesones die auf diese Art zur Welt Gebrachten, nachdem primus caesarum, also Cäsar (»der Herausgeschnittene«), auf diese Art zur Welt gebracht worden sein soll.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 81 bis 90 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
Artikel 81 bis 90 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer