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Kabul bis Kachieren (Bd. 6, Sp. 409 bis 411)
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Artikelverweis Kabul, Fluß im östlichen Afghanistan, entspringt unter 34°21' nördl. Br., 2511 m ü. M. am Ostabhang der Paginankette bei dem Surch Sangpaß, fließt in östlicher Richtung, einen großen Bogen nach S. bildend, an der Stadt K. vorüber, wird durch zahlreiche Zuflüsse (Logar, Pandjschar, Alischang, Kunar, der im Lande selbst als Hauptstrom gilt, und Swat) verstärkt, tritt nordöstlich vom Chaiberpaß auf britisches Gebiet und mündet, etwa 500 km lang, oberhalb Attok in den Indus. Das Gefäll ist außerordentlich stark; bei Kabul liegt der K. 1917, bei Dschelâlabad 584 und bei Peschawar 325 m ü. M. Von Dschelâlabad trägt er neben Flößen aus aufgeblasenen Ziegenfellen auch Schiffe von 50 Ton.
 
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Kabul, Hauptstadt von Afghanistan, zugleich der gleichnamigen Provinz (Kabulistan), die in vier Kreisen: Dschelâlabad, Ghasni, K. und Kuram, 900,000 Einw. zählt, am mehrfach überbrückten Flusse K., 1760 m ü. M., am Westende einer weiten Ebene. Die Stadt besteht aus der Zitadelle, dem Bala Hissar, einer Stadt für sich mit dem Palaste des Emirs (mit drei Türmen mit vergoldeten Kuppeln und großem Säulensaal), Regierungsgebäuden, großen Gärten, einem Basar, der unansehnlichen alten Stadt, die durch Mauern mit Toren in verschiedene Viertel geteilt ist, und weiten Vorstädten und hat etwa 60,000 Einw., darunter 12,000 Türken und Perser, die Nadir Schah hierher führte, außerdem Armenier und Juden. Die stattliche Festung wird durch benachbarte Höhen beherrscht, die Wälle der Stadt sind längst gefallen. Die gewerbliche Tätigkeit ist unbedeutend, der Verkehr durch Kreuzung wichtiger Handelsstraßen lebhaft entwickelt; die Basare ziehen sich fast eine halbe Stunde hin. Der Handel mit Britisch-Indien, durch hohe Zölle beeinträchtigt, nimmt stetig ab und betrug 1901 in der Ausfuhr (Obst. Asa foetida, Ghi, Getreide, Pferde) 1,875,500, in der Einfuhr (Baumwollwaren, Indigo, Zucker, Tee) 2,990,510 Rupien. K. ist eine sehr alte Stadt und schon durch den Zug Alexanders d. Gr. bekannt geworden. Baber, der hier begraben liegt, machte es 1505 zu seiner Hauptstadt; doch hat die Stadt diesen Rang erst seit dem Ende des 18. Jahrh. endgültig behauptet. In den Kämpfen mit England hat K. wiederholt eine hervorragende Rolle gespielt; bei der Eroberung durch die Engländer 1842 wurde fast die ganze Stadt zerstört; ein Erdbeben 14. Okt. 1874 vernichtete gegen 1000 Häuser. 1879 und 1893 erzwangen die Engländer die Aufnahme eines britischen Reff deuten in K. (vgl. Afghanistan, S. 132), und Ende November 1904 brach eine britische Abordnung unter L. Dane, dem indischen Sekretär des Auswärtigen, nach K. auf, um Meyers Habib Ullah (s. d.), den neuen Emir, zur Wiederaufnahme des frühern Subsidienvertrags zu nötigen. Rußlands Bemühungen um Erlangung derselben Vergünstigung waren im Frühjahr 1900 und im Sommer 1902 mißlungen.
 
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Kabūse (Kabüse, vgl. engl. caboose, »Schiffsküche«), enge, ärmliche Wohnung, schlechtes Zimmer.
 
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Kabylen (arab. Qabail, »Stämme«, Mehrzahl von Kabil), ein zur hamitischen Familie gehöriges Volk berberischer Abstammung in Algerien und Tunis,

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dessen Zahl für ersteres auf 760,000 berechnet wird. Ursprünglich reine Berber, haben sie seit alters fremde, besonders arabische Beimischung erhalten. Sie sind mittelgroß, starkknochig, von dunkelbrauner, ins Schmutziggelbe spielender Hautfarbe. Sie sind sämtlich Mohammedaner, seßhaft, gastfrei, halten fest an der Blutrache, wohnen in Dörfern, treiben Ackerbau (Spatenwirtschaft), mehr aber Viehzucht, sind geschickte Weber und Schwertfeger und bearbeiten die Eisen- und Bleibergwerke des Atlas. Man findet Wassermühlen, Teppichwirkereien und Töpfereien bei ihnen; besonders heimisch aber ist die Ölbereitung. Auch wandern jährlich Tausende als Lastträger und Arbeiter in die Städte, um nach Erwerb einer kleinen Summe in die Heimat zurückzukehren. Grammatiken ihrer zu dem hamitischen Sprachstamm gehörigen Sprache lieferten Hanoteau (Algier 1858), Basset (Par. 1887), Belkassem (das. 1887), ein »Dictionnaire français-kabyle« Huyghe (Mecheln 1903). Proben ihrer Volkspoesie veröffentlichten Hanoteau (Algier 1867), Rivière (Par. 1883), Basset (in den »Bulletins de correspondance africaine«, Algier 1885), Rinn (in der »Revue Africaine«, Par. 1887) u. a. Unter den verschiedenen Stämmen der K. besteht eine Art von traditionellem Bündnis (Soff), das in Fällen gemeinsamer Gefahr ins Leben tritt. Ihre Verfassung ist rein demokratisch. Jeder Stamm (Artsch) teilt sich in so viel Bezirke (Charuba), wie er Täler oder Berge besetzt hält; der Amine ist der Anführer im Kriege, der Richter im Frieden. Die wahre Macht ruht in der Sawia, der von Marabuts gebildeten kirchlichen Gemeinde. Die Gesetzgebung geht von der Dschemma, der Gemeindeversammlung, aus. Die von der Sawia erhobenen Steuern dienen zur Speisung der Armen, den Zwecken der Gastfreundschaft und für den Unterhalt der den Marabuts übergebenen Kinder. In jeder Sawia befinden sich eine Moschee oder Kubba (Kapelle), die sich über dem Grab eines heiligen Marabut erhebt, eine Schule und Wohnungen für Schüler und Gelehrte, Bettler und Reisende. Das von den K. Algeriens bewohnte Kabylien, der meist sehr gebirgige östliche Küstenstrich zwischen Wadi Isser und Wadi Kebir, zerfällt in Großkabylien, ein reichbewässertes, fruchtbares Bergland, das in Dreiecksgestalt zwischen den Küstenplätzen Dellis und Dschidschelli und dem Setif im S. sich ausdehnt und durch den Dschurdschura genannten Teil des Kleinen Atlas in zwei Hälften geteilt wird, und in Kleinkabylien, das östlich an das vorige grenzt und von Dschidschelli bis Philippeville reicht. Vgl. Hanoteau und Letourneux, La Kabylie et les coutumes kabyles (Algier 1873, 3 Bde.); Farine, Kabyles et Kroumirs (Par. 1881); Liorel, Races berbères. Kabylie du Jurjura (das. 1893); Ficheur, Description géologique de la Kabylie du Djurjura (Algier 1890); Charveriat, A travers la Kabylie et les questions kabyles (das. 1900); Wilkin, Among the Berbers of Algeria (Lond. 1900).
 
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Kachéktik, s. Kachexie.
 
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Kacheln, vierkantige glasierte Platten aus gebranntem Ton, aus denen die Kachelöfen (s. Meyers Zimmeröfen) zusammengesetzt werden. Jede Kachel besteht aus dem Blatt u. einem aufstehenden Rand, der Zarge. Man bildet K., indem man aus einem Tonklotz mit Hilfe eines Drahtes Platten schneidet, die Zarge auf der Scheibe als Ring dreht, dann ins Viereck biegt und auf die Platte klebt. Besser und schneller werden die K. aber im ganzen aus dicken Tonplatten gepreßt, wobei die flache Außenseite der K. durch eine ebene Preßplatte, die innere Vertiefung durch einen Preßkern oder Stempel und die Aushöhlung der äußern Randfläche durch einen am Scharnier zu öffnenden Rahmen gebildet wird. Die Zargen geben den K. mehr Festigkeit beim Aufstellen und gestatten, die Ofen inwendig stark mit Lehm zu überziehen. Die gebrannten K. werden oft auf einer eisernen Platte mit Sand abgeschliffen und dann glasiert. Die weiße Glasur besteht aus Mennige, Zinnasche, Quarzsand, Ton, kohlensaurem Kalk, kohlensaurer Magnesia und Soda. K. ohne Glasur nennt man Biskuitkacheln, die glasierten Schmelzkacheln. K. zur Herstellung von Kachelöfen wurden schon im 9. Jahrh. gefertigt, um welche Zeit sich bereits in St. Gallen Kachelöfen befanden. Seit dem 13. und 14. Jahrh. wurden letztere überall in Mittel- und Süddeutschland, besonders in Nürnberg und der Schweiz, fabriziert. Die ältesten, mit figürlichen, ornamentalen und Wappenreliefs verzierten Ofenkacheln aus gebranntem und glasiertem Ton gehören der gotischen Zeit, dem 14. und 15. Jahrh., an. Heilige und profane Figuren, Darstellungen aus der heiligen

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Geschichte, Wappen und Allegorien bildeten schon frühzeitig den Schmuck der meist grün, seltener schwarz glasierten Ofenkacheln (s. Tafel Meyers »Keramik I«, Fig. 1 u. 16), der sich im Laufe der Renaissance zu einem den ganzen Ofen überziehenden Bilderzyklus erweiterte. Schon die Gotik hatte dem Kachelofen durch Scheidung in Auf- und Untersatz mit Gesims und Fuß eine architektonische Gliederung gegeben, die von der Renaissance nach antiken Architekturformen noch reicher ausgebildet wurde. In der Keramik des 16. und 17. Jahrh. spielte der Kachelofen eine hervorragende Rolle. Süddeutschland, Tirol und die Schweiz waren die Hauptfabrikationsorte glasierter Kachelöfen, die, oft durch Seiten- und Hintersitze erweitert, ein Hauptstück der Zimmerausstattung bildeten und von oben bis unten mit Figuren, Reliefs, Sprüchen und allerlei Zierat versehen wurden (s. Tafel Meyers »Ornamente III«, Fig. 27 u. 31). Reich an solchen Ofen sind das Germanische Museum und die Burg in Nürnberg, die Burg Trausnitz bei Landshut, das Rathaus in Augsburg (Fig. 1), das schweizerische Landesgewerbemuseum in Zürich und zahlreiche Privathäuser und Burgen in der Schweiz (Fig. 2) und in Tirol. Im 17. Jahrh. wurden glatte K. farbig und besonders blau auf weiß nach dem Vorbilde der holländischen Fayencemalerei dekoriert. Am längsten erhielt sich die Ofenfabrikation in künstlerischem Sinn in Winterthur, wo sie bis ins 18. Jahrh. hinein in Blüte stand. Sonst geriet mit dem Beginn des 18. Jahrh. die alte Kunst in Verfall, und es entwickelte sich der Rokoko-Ofen, z. T. mit reicher Vergoldung und Bemalung versehen, der im Anfang des 19. Jahrh. dem antik stilisierten Ofen weichen mußte, der durch Schinkel und seine Schüler eingeführt wurde und lange Zeit ausschließlich in der Mode blieb. Erst in neuerer Zeit sind neben dem weißen Kachelofen wieder Nachbildungen alter Kachelöfen in gotischen, Renaissance- und Rokokoformen verbreitet worden. Vgl. Bühler, Die Kachelöfen in Graubünden aus dem 16.17. Jahrhundert (Zürich 1881); Roeper und Bösch, Sammlung von Öfen in allen Stilarten vom 16. bis Anfang des 19. Jahrh. (Münch. 1895); Hirth, Das deutsche Zimmer (4. Aufl., das. 1899, 2 Bde).
 
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Kachelöfen, s. Meyers Kacheln.
 
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Kachelot, s. Meyers Pottwal.
 
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Kachetĭen (Kacheti), Landschaft in Transkaukasien (s. Karte »Kaukasien«), am Oberlauf der Jora und des Alasan, jetzt der Ostteil des russ. Gouv. Tiflis (die Kreise Signach und Telaw) und der Sakatalische Bezirk. Sie besitzt schöne Eichenwälder und liefert Getreide, Tabak, Seide und berühmten Wein, jährlich 360,000 hl im Werte von 8 Mill. Rubel. Die Kachetiner gehören zu den Georgiern und gelten als die kriegerischsten derselben, meist gehören sie der grusinischen und der armenisch-gregorianischen Kirche an. Unter ihnen findet man deutsche Kolonien (Marienfeld, Petersdorf etc.) mit zusammen 4200 Einw. Die Landschaft bildete ehemals das Kachetische Königreich mit der Hauptstadt Telaw, stand seit 790 n. Chr. unter einer eignen Dynastie, war 11051468 mit Karthli (s. Meyers Georgien) vereinigt, wurde dann von Bagratiden beherrscht; 1589 an Rußland gekommen, fiel sie bald darauf unter die Herrschaft Georgiens. 1798 wurde sie Rußland einverleibt. Die Erbgüter der georgischen Fürsten liegen meist in K. Vgl. Brosset, Histoire de la Géorgie, 2. Teil.
 
Artikelverweis 
Kachexīe (Kachéktik, griech., eigentl. Kakoexie, Gegensatz von Euexie), der »schlechte (Ernährungs-) Zustand« des Körpers, s. Meyers Auszehrung.
 
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Kachieren (franz.), s. Meyers Kaschieren.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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