Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Jura, oberschlesischer bis Jura singulōrum (Bd. 6, Sp. 385 bis 388)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Jura, oberschlesischer, s. Meyers Märkisch-schlesischer Landrücken.
 
Artikelverweis 
Jura, Schweizer, s. Meyers Jura, S. 382 f.
 
Artikelverweis 
Juraformation (hierzu die Tafeln Meyers »Juraformation I-III«; so 1821 von Keferstein nach dem Juragebirge genannt, oft bloß Jura, Oolithgebirge), die zweite der drei mesozoischen Formationen, die ihre Stellung zwischen der ältern Triasformation und der jüngern Kreideformation einnimmt (vgl. die Textbeilage zum Artikel »Geologische Formation«). Die J. ist besonders gut entwickelt in dem Grenzgebirge (Jura) zwischen Schweiz und Frankreich, das bei Schaffhausen den Rhein überschreitet, als Schwäbische Alb Württemberg durchzieht, östlich bis Regensburg sich erstreckt und, scharf nach N. biegend, sich als Fränkische Schweiz bis gegen Koburg hin verfolgen läßt. Zusammenhängende Juraterritorien besitzt Deutschland ferner im NW. (zwischen der holländischen Grenze und Halberstadt, zumal in der Weserkette mit der Porta westfalica), im O. in Oberschlesien an der polnischen Grenze und im westlichen Lothringen. Vereinzelte Juravorkommnisse kennt man im Rheintal am Abhang des Schwarzwaldes und der Vogesen, dann von Eisenach, Gotha etc.; auch an der Odermündung (bei Kammin und Kolberg), bei Dobbertin in Mecklenburg, ferner bei Thorn und Inowrazlaw liegen Jurasedimente in geringer Ausdehnung zutage, bei Hermsdorf unweit Berlin sowie bei Königsberg und Memel sind solche durch Bohrlöcher in der Tiefe nachgewiesen. Am nördlichen und südlichen Rande der Alpen zieht sich ein Band von Gesteinen der J. hin, während in den Karpathen einzelne Partien klippenartig aus dem jüngern Karpathensandstein aufragen. Im O. Europas hat Rußland bei Moskau, im Stromgebiete der Wolga (Wolgastufe), in der Krim und im Kaukasus Juragebiete aufzuweisen, im W. Frankreich zwei, ein südliches, an die zentrale Granitzone angelehntes, und ein nördliches, zu dem auch die Juraschichten in Lothringen gehören; das letztere läßt sich, freilich z. T. von jüngern Schichten bedeckt, bis in die Nähe des Kanals verfolgen und findet jenseit desselben im englischen Jura seine Fortsetzung. Über die Parallelisierung des nordamerikanischen und des australischen Jura mit dem europäischen sind die Akten noch nicht geschlossen; um so besser konnte eine Übereinstimmung mit der J. Afrikas, Südamerikas und Asiens (Ostasien und südliches Sibirien) nachgewiesen werden. Vgl. auch Tafel Meyers »Geologische Formationen V«.
   Von Gesteinen beteiligen sich an der Zusammensetzung der J. hervorragend Kalksteine, oft von oolithischer Struktur und organogen (namentlich Scyphien- und Korallenkalke), sehr häufig mit Dolomiten eng verknüpft und wie diese durch groteske Bergformen und durch zahlreiche Höhlenbildungen (z. B. in der Fränkischen Schweiz und Schwäbischen Alb) ausgezeichnet. Ferner treten Tone, Schiefertone, Mergel (letztere oft schieferig und mit vieler organischer Substanz gemengt, sogen. Brandschiefer, mitunter in den eigentümlichen Formen des Tutenmergels), oolithische Eisenerze und Sandsteine auf, während gröbere Trümmergesteine fast gänzlich fehlen. Eruptivgesteine der Jurazeit sind nur spärlich bekannt. An der Westküste Schottlands, zumal auf der Insel Skye, setzen (vgl Gang, Textfig. 3) basaltähnliche Gesteine durch Lias- und Doggerschichten hindurch und überlagern sie, werden aber ihrerseits von Malmgesteinen überdeckt; ihre Eruptionszeit fiel also mitten in die Juraperiode. Von der Insel Skye werden auch von Graniten und Quarzporphyren, und aus den Pyrenäen

[Bd. 6, Sp. 386]


und aus den Rocky Mountains Nordamerikas von Graniten und Syeniten ganz ähnliche Lagerungsverhältnisse beschrieben.
   Die Lagerung der Schichten ist im allgemeinen sehr regelmäßig und nur selten durch Verwerfungen und Faltungen bis zur Überkippung gestört (Alpen, Juragebirge. Harz). Was ihre Gliederung an langt, so läßt sich zunächst überall eine Dreiteilung nachweisen in (von unten nach oben) Lias, Dogger und Malm (in Schwaben nach den dort den einzelnen Etagen vorwiegend zukommenden Farben: schwarzer, brauner und weißer Jura genannt). Weiter teilt man in Schwaben nach Quenstedts Vorgang jede der drei Unterformationen in sechs Etagen, je mit den sechs ersten Buchstaben (Alpha bis Zeta) des griechischen Alphabets bezeichnet. Einzelne dieser Etagen sind auch in andern Ländern nachweisbar. Speziell im Lias bilden (von unten nach oben) die Schichten mit Gryphaea arcuata (Gryphiten-, Gryphäen- oder Arcuatenkalk), diejenigen mit Ammonites planorbis (A. psilonotus), mit A. angulatus (Angulatusschichten), mit A. Bucklandi und andern Ammoniten aus der Gruppe der Arieten (Arietenkalke), sämtlich zum schwäbischen Alpha gehörig, und die Tone mit Ammonites Turneri (Beta), ferner diejenigen mit Terebratula numismalis (Numismalismergel, Gamma) sowie die mit Ammonites amaltheus oder A. margaritatus (Amaltheentone, Delta), und die Posidonienschiefer samt den Schichten mit A. jurensis (Epsilon und Zeta) vortreffliche Horizonte zur Parallelisierung, während in der alpinen Entwickelung namentlich die roten Ammonitenkalke von Adneth (Adnether Kalke), die Hierlatzschichten und die Algäuer Schiefer (Fleckenmergel, d. h. dunkelgraue, dünnschichtige Mergel mit Flecken, die von Fucoïden herrühren) dem Lias entsprechen. Ähnlich wichtige Rollen als geologische Horizonte wie die eben genannten liasischen Schichten spielen im Dogger die Schichten mit A. torulosus und A. opalinus (Opalinustone, Alpha), die Sandsteine und Eisenoolithe mit A. Murchisonae und Pecten personatus (Personalenschichten, Beta), die Kalke und Tone, unten mit A. Sowerbyi (Gamma), oben mit A. Humphriesianus und A. coronatus (Coronatenschichten, Delta), die Tone, oft an Dentalien (Zahnschnecken) reich (Dentalientone), und Eisenoolithe mit A. Parkinsoni und A. macrocephalus (Epsilon) und mit A. ornatus (Ornatustone, Zeta, in England als Kelloway schon dem Malm zugezählt). Die Franzosen unterscheiden Toarcien supérieur (etwa Alpha und Beta), Bajocien (Gamma), Bathonien (ungefähr Delta und Epsilon) und Callovien (Kelloway). Wegen der häufigen Entwickelung von oolithischen Kalksteinen bezeichnen die Engländer Dogger und Malm überhaupt als Oolite; der Lower oder Bath-Oolite (Bath) entspricht dem Dogger, der wieder in Inferior Oolite und Great Oolite (Großoolith, Hauptrogenstein, Hauptoolith der deutschen Geologen) und in den Cornbrash mit Kelloway zerfällt. In den Alpen gehören besonders die Makrokephalenschichten des Salzkammergutes, die Brachiopodenkalke von Vils in Nordtirol, die Klausschichten der Nordalpen und die Posidonomyengesteine der Südalpen zum Dogger, während der Aptychenschiefer und der sogen. Hochgebirgskalk vorzugsweise dem Malm entsprechen. Der Malm zerfällt in Oxford (Middle Oolite), dem schwäbischen Alpha (Kalkbänke mit mächtigen Tonzwischenlagen, Terebratula impressa einschließend) entsprechend, in Corallien (Korallenkalk, Korallenoolith, Coralrag), in Schwaben als Beta und Gamma bezeichnete tonige Kalkbänke, ferner in Kimmeridge (Delta und Epsilon in Schwaben) und in Portland (Upper Oolite, Zeta), zu welch letzterm oft die Purbeckschichten (vgl. Wealdenformation) zugezogen werden. Dabei sind in fast allen Etagen von Beta bis Zeta verschiedene Fazies entwickelt, so daß die gleichalterigen Schichten bald als wohlgeschichtete Kalke mit Ammoniten oder Brachiopoden, bald als Schwamm- (Spongiten-) oder Scyphienkalke oder als Korallenkalke (Madreporenkalke), bald als Dolomite auftreten. Zum schwäbischen Zeta werden auch die sogen. Krebsscherenkalke und die durch ihre Versteinerungseinschlüsse weltberühmten Schiefer von Nusplingen in Württemberg und Solnhofen in Bayern gerechnet. Reich an der eigentümlich gestalteten Bivalve Diceras arietinum (Tafel II, Fig. 9) sind die dem obersten Oxford angehörigen Diceratenkalke Frankreichs und der Schweiz. Den Schichtenkomplex des sogen. Tithon in den Alpen, der früher oft zur Kreide gestellt wurde, rechnet man jetzt allgemein zum obersten Malm. Es sind plattige, rote, marmorartige Kalksteine (Diphyenkalke), reich an Terebratula diphya (Tafel II, Fig. 4), und hellgefärbte dickbankige Kalksteine, die sogen. Stramberger Schichten.
   Unter den technisch wichtigen Gesteinen, die den Schichten der J. eingelagert sind, sind neben den Kalksteinen, die als Baumaterial und zur Zementfabrikation dienen, in erster Linie die Eisenerze zu erwähnen, die als Oolithe, Toneisensteine und Sphärosiderite in verschiedenen Etagen des Lias und des Dogger (Württemberg, Lothringen, Luxemburg, Wesergebirge, Oberschlesien, Cleveland) vorkommen und dem Abbau unterliegen. Die von organischen Substanzen erfüllten Posidonienschiefer werden als sogen. Ölschiefer der Destillation unterworfen (Reutlingen in Württemberg), Asphalt wird aus Malmgesteinen (Limmer bei Hannover) gewonnen. Steinkohle, im Lias ein gelagert, ist im allgemeinen nur von geringer Bedeutung, aber doch bauwürdig bei Fünfkirchen in Ungarn sowie in Persien und China. An die dichte, dreh- und polierbare Kohle, den Gagat, die in kleinen Schmitzen im Lias vorkommt, hat sich in England und Württemberg eine Industrie zur Herstellung von Schmuckgegenständen geknüpft. Die vorzüglichsten lithographischen Steine, die französischen Steine (von Cirin, Verdun etc.), die englischen (von Portland) und die schweizerischen (von Solothurn), auch die amerikanischen weit übertreffend, liefern die oberjurassischen Plattenkalke von Solnhofen in der Fränkischen Alb und von Nusplingen in Württemberg. Unter den in den Juraschichten eingeschlossenen Resten sind pflanzliche Organismen selten. Fucus-Arten (im Lias), Cykadeenblätter (im Lias und Malm), Koniferenhölzer, verkalkt und verkieselt (im Lias), tragen zum großen Teil den Charakter eingeschwemmten Materials, und nur an wenigen Stellen (Karpathen, Persien, China etc.) sind die Pflanzenreste in Form von Kohlenflözen angehäuft. Um so zahlreicher und mannigfaltiger sind die Tierformen, von denen die drei Tafeln eine kleine Auswahl bieten. Spongien, von denen die Tafel I in Fig. 3 Scyphia reticulata darstellt, und riffbauende Korallen, wie Thamnastraea prolifera, Astraea helianthoides, Thecosmilia trichotoma und Arten von Montlivaultia (Tafel I,

[Bd. 6, Sp. 387]


Fig. 2, 4, 7 u. 5) setzen große, mächtige Gesteinsmassen (Schwamm- oder Spongiten-, auch Scyphienkalke) fast ausschließlich zusammen; ebenso sind Brachiopoden für manche Niveaus sehr charakteristisch, z. B. Terebratula numismalis (Tafel II, Fig. 6) für den mittlern Lias (Numismalismergel), Rhynchonella varians (Tafel II, Fig. 18) für den obern Dogger und T. diphya (Tafel II, Fig. 4) für das Tithon. Von den Zweischalern sind Gryphaea arcuata (Tafel II, Fig. 8) für den untern Lias, Trigonia navis und Nucula Hammeri (Tafel II, Fig. 5 u. 10) für den untern Dogger, Diceras arietinum (Tafel II, Fig. 9) für den sogen. Diceratenkalk Frankreichs und der Schweiz (oberes Oxford) und Exogyra virgula (Tafel II, Fig. 16) für den Kimmeridge vorzügliche Leitmuscheln. Während die Schnecken nach Arten- und Individuenzahl in der J. eine nur bescheidene Vertretung. finden, ist die Ordnung der Kephalopoden in einer großen Mannigfaltigkeit entwickelt. So zählt das Genus Ammonites, von dem die Tafel II in den Fig. 1,7,3 u. 12 die Spezies A. Bucklandi und A. Amaltheus (oder margaritatus) aus dem Lias sowie A. Humphriesianus und A. macrocephalus aus dem Dogger darstellt, nach vielen Hunderten von Arten; sie sind oft, weil auf einzelne Schichten oder doch wenig mächtige Schichtenkomplexe beschränkt, ganz vorzügliche Leitfossilien. Massenhaft finden sich in manchen Schichten auch die Gehäusedeckel der Ammoniten, die als Aptychen (Aptychus lamellosus, Tafel II, Fig. 11) bezeichnet werden. Sehr charakteristisch für die Juraformation sind auch die Belemniten (Tafel II, Fig. 13,14 u. 2, und Artikel »Belemniten«), von denen gewöhnlich nur die Scheide (bei Belemnites giganteus aus dem Dogger 0,5 m und darüber groß), bisweilen mit noch eingeschlossener Alveole erhalten ist, während die Schulpe fast immer zerstört ist. Mit Ausnahme des in der alpinen Trias auftretenden Aulacoceras, der zudem von einem Teil der Paläontologen für einen Orthoceras gehalten wird, sind die Belemniten nicht älter als die Juraperiode, und ihr Auftreten ist zur Abgrenzung gegen ältere Formationen um so wertvoller, als sie sich schon in den untersten Liasschichten in großer Individuenzahl einstellen. Von Krinoiden bringt die Tafel I in den Fig. 912 Reste von Pentacrinus, zumal von P. briaroides, der besonders im Lias vorkommt, und von dem durch seine Kelchbildung ausgezeichneten Apiocrinus Roissyanus aus dem Oxford. Derselben Etage entstammen die ebenda in den Fig. 8,6 u. 1 gegebenen Seeigel, von denen bei Hemicidaris crenularis und Echinobrissus scutatus der Körper, bei Cidaris florigemma ein Stachel zur Darstellung kam. Reste von Insekten haben sich nur in den äußerst feinkörnigen, homogenen lithographischen Schiefern von Solnhofen (oberer Malm) erhalten, soz. B. Libellen, oft mit dem zartesten Netzwerk der Flügel. Hier finden sich auch Krustazeenlarven und Krebse, so der langschwänzige Krebs Eryon arctiformis (Tafel II, Fig. 17) und zahlreiche Fische. Kleine Schalenkrebse, besonders Cypris-Arten (Tafel II, Fig. 5) sind in den obersten, hier zur Meyers Wealdenformation (s. d.) gezogenen Purbeckschichten sehr häufig. Die Fische sind fast durchweg homozerke Ganoiden; unter diesen ist sehr verbreitet die Gattung Lepidotus (Tafel III, Fig. 10), auch Gyrodus und Microdon, von denen sich besonders häufig Zähne, teils einzeln, teils reihenförmig auf dem Unterkiefer angeordnet (Tafel III, Fig. 6), finden. Die andern Abbildungen der Tafel III sind hauptsächlich den z. T. gigantischen Formen der Saurier gewidmet und zwar zunächst dem langhalsigen Plesiosaurus (Fig. 9) und dem kurzhalsigen Ichthyosaurus (Fig. 12, 3, 8, 5, 4 zeigen den Kopf mit dem Knochenring des Auges, Zahn, Ruderfuß und Exkremente, sogen. Koprolithen), beides Meeressaurier, neben denen aber auch gleichzeitig solche (Mystriosaurus etc.) auftreten, die als echte Amphibien zugleich zum Leben auf dem Land organisiert waren. Entstammen diese Saurier dem Lias (und zwar die schwäbischen von Boll, Holzmaden etc. den Posidonienschiefern, die englischen von Lyme Regis einer tiefern Lage, dem untern Lias), so liegen die Reste des Flugsauriers Pterodactylus (Tafel III, Fig. 11) sowie diejenigen des ältesten Vogels, Archaeopteryx (Tafel III, Fig. 7, vgl. Art. »Archaeopteryx«), wieder in den Solnhofener Schiefern. Endlich gibt die Tafel III in den Fig. 1 u. 2 noch die Unterkiefer von einem Beuteltier (Phascolotherium) und einer verwandten Form. Sie entstammen den englischen, zum Great Oolite (Dogger) gerechneten, an Säugetierresten reichen Stonesfieldschichten, werden also von den deutschen Funden in der rätischen Stufe (s. Meyers Triasformation) an Alter übertroffen.
   Während der Jurazeit machen sich in den Faunen bereits klimatische Unterschiede geltend; man unterscheidet daher verschiedene Meeresregionen oder Provinzen, nämlich die mediterrane oder alpine Juraprovinz, welche die Alpen- und Karpathenländer, Italien, Spanien und die Balkanhalbinsel, ferner die Krim, Kleinasien, Vorderindien, Afrika, Mexiko und Peru umfaßt, sodann die mitteleuropäische Provinz, zu der Deutschland, Frankreich und England, aber auch das nördliche Kaukasien, Japan und Kalifornien gehören, und die boreale oder russische Provinz mit dem nördlichen und mittlern Rußland, Nowaja Semlja, Sibirien, Spitzbergen, Grönland und dem nordwestlichen Nordamerika. Vgl. Tafel Meyers »Geologische Formationen V«.
   Vgl. Römer, Versteinerungen des norddeutschen Oolithengebirges (Hannov. 1836, Nachtrag 1839); Quenstedt, Der Jura (Tübing. 1858); Oppel, Die J. Englands, Frankreichs und des südwestlichen Deutschland (Stuttg. 185658); Waagen, Der Jura in Franken, Schwaben und der Schweiz (Münch. 1864); Neumayr, Über klimatische Zonen während der Jura- und Kreidezeit (Wien 1883); Engel, Geognostischer Wegweiser durch Württemberg (2. Aufl., Stuttg. 1896). Vgl. auch Credner, Elemente der Geologie (9. Aufl., Leipz. 1903) und die Literatur bei Artikel »Jura, deutscher« (S. 384 u. 385).
 
Artikelverweis 
Juragewässerkorrektion, die von der schweizerischen Eidgenossenschaft und den Kantonen Bern, Solothurn, Freiburg, Neuenburg und Waadt durchgeführte Entsumpfung der zwischen dem Neuenburger, Bieler und Murtner See, der Broye, Zihl (Thièle) und Aare ausgebreiteten Ebene des Bern er Seelandes. Noch zur Römerzeit ein fruchtbares Gebiet, muß das Gelände, wahrscheinlich durch die Wirkung des von der Emme in die Aare vorgeschobenen Schuttkegels, versumpft, vielleicht eine Zeitlang zum förmlichen See geworden sein. Das Übel hat seine Ursache sowohl in der Aare, namentlich in deren Zuflüssen Saane und Sense, als in den eigentlichen »Juragewässern«. Erstere, die als Rinnsale eines bedeutenden Berggebiets direkt, ohne sich in Seebecken zu läutern, in das Flachland hinausstürzen, veranlaßten von Aarberg abwärts umfangreiche Überschwemmungen, so daß infolge der Geschiebeablagerung ein sehr unregelmäßiges, für die Anwohner

[Bd. 6, Sp. 388]


immer gefährlicher werdendes Flußbett sich bildete. Anderseits führten die Juraflüsse Orbe und Broye bei Hochwasser dem Neuenburger und Murtensee viel mehr Wasser zu, als die Abflüsse, die untere Broye und die mittlere Zihl, zu fassen vermochten; ebensowenig reichte der Abfluß des Bieler Sees, die untere Zihl, für die Wassermasse aus. Die Hochwasser der Flüsse bedrohten über 2000 Hektar Land mit Verheerung, und die Wasserstände der Seen veranlaßten die Versumpfung von gegen 16,000 Hektar. Die Anstrengungen, das Übel zu beseitigen, datieren von 1670 an; doch abgesehen von dem 2,2 km langen Kanal, durch den 1824 die Suze in den Bieler See geleitet wurde, blieb es bei Projekten. Erst 1842 trat La Nicca, Oberingenieur des Kantons Graubünden, mit dem Plan hervor, nach Erfahrungen am Thuner- und Walensee durch einen Kanal Aarberg-Hagneck die Aare in den Bieler See zu führen, dem vereinigten Abfluß Aare-Zihl einen neuen und erweiterten Kanal bis Büren zu geben und im Sinne früherer Vorschläge auch die untere Broye und die mittlere Zihl zu korrigieren. Eine Vermessung des Inundationsgebiets (1847) ergab ein Areal von 24,488,6 Hektar beteiligten oder zu gewinnenden Bodens. Erst 1867 begann der Bund die Korrektion nach La Niccas Plan, der jedoch dahin abgeändert war, daß, um allzu große Schwankungen im Wasserstande des Bieler Sees zu vermeiden, von Aarberg aus nur die normale Aare in den Bieler See geleitet, bei Hochwassern jedoch der Überschuß im alten Aarebett direkt weitergeführt werde. Zu den Kosten des gesamten Unternehmens, die auf 14 Mill. Frank für die Entsumpfungsarbeiten, 1 Mill. für Hafen- und Uferbauten geschätzt wurden, trug der Bund ein Drittel bei. Die Unterhaltung der hergestellten Arbeiten fällt den Kantonen zu. Die Arbeiten an dem 8,9 km langen Aare-Zihlkanal Nidau-Meienried (bei Büren), im Dezember 1868 begonnen, waren bis 1883 im wesentlichen vollendet; die Fortsetzung von Meienried nach Büren (2,8 km lang) wurde erst 1882 in Angriff genommen Wegen verzögerter Expropriation begann die Ausführung des Aarberg-Hagneck-Kanals erst im April 1874, ebenso die obere Korrektion, während die Korrektion der Strecke Solothurn-Attisholz sich noch länger verzögert hat. Nach Vollendung des großen Einschnittes bei Hagneck war die Kanallinie Aarberg-Hagneck bis 1879 offen gelegt und ist in den folgenden Jahren noch vertieft worden; die Korrektion der Broye und Zihl sowie die Entsumpfung des Seelandes, für die Schneider sich bleibende Verdienste erworben, hat die drei Seespiegel auf folgende Mittelstände gesenkt: Murtensee von 434 auf 433 m. Neuenburger See von 433,7 auf 432,7, Bieler See von 432,5 auf 432 m. Im ganzen wurden 31,6 qkm neues Land gewonnen. Vgl. Schneider, Das Seeland der Westschweiz und die Korrektionen seiner Gewässer (Bern 1881), und die Jahresberichte der J. (Biel 1868 ff.).
 
Artikelverweis 
Jurāken, Volksstamm, s. Samojeden.
 
Artikelverweis 
Juramentum (lat.), Eid; j. obedientiae, der Eid, vermöge dessen sich der katholische Geistliche gegenüber den Kirchenobern zum Gehorsam verpflichtet. j. editionis, Editionseid (s. Meyers Edition); j. in litem. Meyers Schätzungseid (s. d.); j. manifestationis, Manifestationseid (s. Meyers Offenbarungseid); j. calumniae, Kalumnieneid (s. Meyers Gefährdeeid); j. necessarium, notwendiger. j. purgatorium, Reinigungs-, j. promissorium, promissorischer Eid (s. Meyers Eid, S. 432).
 
Artikelverweis 
Jurançonwein (spr. schürangßóng-), s. Meyers Pau.
 
Artikelverweis 
Jura noscit (novit) curia (lat., »Das Gericht kennt die Rechte«), Rechtssprichwort, das besagt, daß ein Gericht die Rechtssatzungen, die in einem Prozeß anzuwenden sind, kennen müsse, und daß es daher nicht Sache der Partei sei, diese nachzuweisen; ein Grundsatz, von dem man jedoch bei ausländischem Recht und bei lokalem Gewohnheitsrecht (Statuten) eine Ausnahme zuläßt. Beides kann Gegenstand einer Beweisauflage und einer Beweisführung sein. Vgl. § 293 der Deutschen Zivilprozeßordnung.
 
Artikelverweis 
Jurāre in verba magistri (lat.), »auf des Meisters Worte schwören«, Zitat aus Horaz' »Episteln«, I, 1,14; danach in Goethes »Faust« I (Schülerszene).
 
Artikelverweis 
Juraschek, Franz von, österreich. Statistiker, geb. 25. Febr. 1849 zu Arad in Ungarn, habilitierte sich 1875 in Graz, wurde 1881 außerordentlicher Professor für Statistik und Staatsrecht in Czernowitz, 1883 in Innsbruck, 1885 daselbst ordentlicher Professor und ging 1887 unter Beibehaltung seines bisherigen Charakters als Regierungsrat der k. k. statistischen Zentralkommission nach Wien, wo er auch an der Universität Statistik, an der Kriegsschule Staats- und Völkerrecht vorträgt. Seit 1884 gibt er jährlich die Neubearbeitungen von Hübners »Geographischstatistischen Tabellen aller Länder der Erde« (Frankf. a. M.) heraus, übernahm nach Neumann-Spallarts Tod die Herausgabe von dessen »Übersichten der Weltwirtschaft« (Berl. 1890 ff., zuletzt 1905) und besorgte mit andern eine Neubearbeitung von Brachellis »Die Staaten Europas, statistische Darstellung« (als 5. Auflage, Brünn 1903 ff.). Jurascheks übrige Arbeiten liegen meist auf dem Gebiete des Staatsrechts und der Statistik Österreichs; in Buchform erschien: »Personal- und Realunion« (Berl. 1878).
 
Artikelverweis 
Jura singulōrum (lat.), Sonderrechte der einzelnen Glieder einer Körperschaft oder Vereinigung. Im alten Deutschen Reiche verstand man (Westfälisches Friedensinstrument, Art. 5, Nr. 19) darunter jene Rechte, ubi status tanquam unum corpus considerari nequeunt (wo die Reichsstände nicht als Ein Körper betrachtet werden können), d. h. jene, die der Zuständigkeit des Reiches und daher den Mehrheitsbeschlüssen des Reichstags entzogen waren. Auch das Recht des frühern Deutschen Bundes kannte den nämlichen Begriff und Ausdruck. Man hat auch für das Recht des neuen Deutschen Reiches den Ausdruck j. s. in der Wissenschaft verwertet. Im deutschen Staatsrecht versteht man unter j. 8. gegenwärtig die sogen. Meyers Reservatrechte (s. d.).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 81 bis 90 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
Artikel 81 bis 90 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer