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Jünnan bis Jupĭter (Bd. 6, Sp. 378 bis 380)
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Artikelverweis Jünnan, chines. Provinz und Stadt, s. Meyers Yünnan.
 
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Juno (aus Jovino, der weiblichen Form zu dem in Jupiter liegenden Jovis), bei den italischen Völkern die weibliche Himmelsgöttin und Genossin Jupiters, nach ihrer Gleichsetzung mit der griechischen Meyers Hera (s. d.) als dessen Gemahlin und Schwester und als Tochter des Kronos-Saturnus und der Rhea-Ops betrachtet, galt als höchste Frau so sehr als Vertreterin der gesamten Weiblichkeit, daß, wie der Mann seinen Genius, so die Frau ihre J. hatte, der sie opferte und bei der sie schwur. Ihr ältester, am meisten verbreiteter Kult war der als J. Lucīna (»Lichtbringerin«), der alle Neumondstage, die Monatsersten (Kalenden) heilig waren. Zugleich wurde sie unter diesem Namen als Geburtsgöttin verehrt, in deren Kasse im Tempel auf dem Esquilin in Rom bei jeder Geburt ein Stück Geld gezahlt wurde. Hier verehrten sie an ihrem Hauptfest, den am Anfang des altrömischen Jahres (1. März) begangenen Matronalien, die Matronen und Mädchen. Als Ehestifterin hieß sie iuga (auch pronuba), und bei Hochzeiten rief man sie an als Domiduca oder Iterduca, die die Braut in ihr neues Heim geleitet, Unxia, die beim Einzug in dieses die Pfosten zum guten Zeichen salbt, Cinxia, die den Brautgürtel schürzt und löst. Als höchste Himmelsgöttin und Gattin des Jupiter Rex ward sie mit diesem oder auch allein als J. Regina auf den Burgen der Städte verehrt, so in Rom in dem linken Seitenschiff des Jupitertempels auf dem Kapitol. Noch hatte sie auf dem Kapitol einen Tempel als J. Moneta (»Mahnerin«), deren Bedeutung strittig ist, wie auch die der J. Caprotina (»Ziegenjuno«), der am 7. Juli, dem sogen. Nonae Caprotinae, von den Frauen ein Fest gefeiert wurde (vgl. Caprotina). Ein altertümlicher, hochangesehener Kult war der der J. Sospita oder Seispes (»Erretterin«), Mater Regina zu Lanuvium, der nach Einverleibung der Stadt in den römischen Staatsverband römischer Staatskult wurde; ihr Priesterkollegium bestand aus römischen Rittern, und die römischen Konsuln brachten ihr jährlich ein Opfer dar. Das Bild der Göttin trug über der Matronenkleidung ein als Helm und Panzer dienendes Ziegenfell, Schnabelschuhe, Schild und geschwungenen Speer, wie sie eine Kolossalstatue des vatikanischen Museums und Münzen dargestellt. Eine kriegerische Göttin ist auch die besonders von den Sabinern verehrte J. Curitis oder Quiritis (»die mit der Lanze Bewehrte«). Aus Karthago war im dritten Punischen Kriege nach Rom übertragen die J. Caelestis (»himmlische J.«), die alte Burggöttin von Karthago, eigentlich die Astarte der Phöniker; ihr Kult kam in der Kaiserzeit mit dem Aufblühen von Karthago aufs neue zu Ehren. Heilig waren der J. die Gans, der Pfau und die Krähe; wie Jupiter weiße Stiere, so wurden ihr weiße Kühe geopfert. Vgl. Roscher im »Lexikon der Mythologie«, Bd. 2, Sp. 574 ff.
 
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Junodscher Schröpfstiefel, s. Hyperämie und Meyers Schröpfen.
 
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Junot (spr. schüno), Andoche J., Herzog von Abrantes, franz. General, geb. 23. Okt. 1771 in Bussy-le-Grand (Côte d'Or), gest. 29. Juli 1813, trat 1793 als Freiwilliger in das Heer ein und zog bei Toulon durch seine unerschrockene Tapferkeit die Aufmerksamkeit Bonapartes auf sich, der ihn als seinen Adjutanten mit nach Italien und dann nach

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Ägypten nahm. Nach dem 18. Brumaire ernannte ihn Bonaparte zum Kommandanten von Paris und endlich zum Generalobersten. Nachdem J. 1805 kurze Zeit als Gesandter in Lissabon fungiert, sich sodann in der Schlacht bei Austerlitz ausgezeichnet hatte, ward er 1807 zum Befehlshaber des Korps, das Portugal besetzen sollte, und, nachdem er dies im November ausgeführt, 1. Febr. 1808 zum Generalgouverneur von Portugal mit dem Titel eines duc d'Abrantès ernannt. Auf das schamloseste bereicherte er sich in dieser Stellung durch Erpressung und Plünderung. Doch mußte er vor den im August 1808 gelandeten Engländern bei Vimeiro zurückweichen und die Kapitulation von Cintra schließen. 1809 wurde er im Kriege gegen Österreich von Kienmayer 12. Juni bei Berneck besiegt, war darauf Gouverneur der Illyrischen Provinzen und befehligte im Feldzuge gegen Rußland das 8. Armeekorps. Von dem Kaiser wieder in die Illyrischen Provinzen geschickt, verfiel er bald darauf in eine Geisteskrankheit. Er endete in dem Städtchen Montbard (Côte d'Or) sein Dasein durch einen Sturz von einer Mauer. Seine Gattin Laurette de Saint-Martin-Permon, Herzogin von Abrantes, angeblich vom griechischen Kaisergeschlechte der Komnenen stammend, weitläufige Verwandte von Napoleon I., geb. 1784 in Montpellier, ward nach ihrer Vermählung (1799) zur Hofdame der Mutter Napoleons ernannt und gab sich einer grenzenlosen Verschwendung hin, die bald ihre Vermögensumstände gänzlich zerrüttete. Nach dem Tod ihres Mannes beschäftigte sie sich mit literarischen Arbeiten und starb dürftig im Nonnenkloster Abbaye-aux-Bois zu Paris im Juni 1838. Ihre weitschweifigen »Mémoires, ou Souvenirs historiques sur Napoléon, la Révolution, le Directoire, le Consulat, l'Empire et la Restauration« (Par. 183135, 18 Bde.; 1893, 10 Bde.; deutsch von Alvensleben, Leipz. 183138, 25 Bde.) zeugen von Schärfe und Gesundheit des Urteils. Außerdem schrieb sie: »L'amirante de Castille« (1832); »Scenes de la vie espagnole. Souvenirs d'une ambassade et d'un séjouren Espagne et Portugal« (1837); »Histoire des salons de Paris« (1837; neue Ausg. 1893, 4 Bde.). Vgl. Turquan, La générale J. duchesse d'Abrantès (Par. 1901).
 
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Junta (span., spr. chún-), Vereinigung, dann Ratsversammlung, wie z. B. Stadtrat, oder Ausschuß, insbes. aus Wahl hervorgegangener Ausschuß; in Spanien eine zur Erledigung gewisser Staatsangelegenheiten oder zur Regierung selbst berufene Versammlung, sei es, daß sie ohne den Monarchen aus eigner Machtvollkommenheit von den Vertretern der Nation gebildet oder von dem Regenten ernannt ist. Am berühmtesten sind: die von Karl II. berufene »große J.«, aus Staatsmännern bestehend, welche die Kompetenz der Inquisition zu bestimmen hatten, die von Napoleon I. 1808 zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung nach Bayonne berufene J. und endlich die 1808 von den Spaniern zur Leitung des Freiheitskampfes erwählte Zentraljunta mit ihren Provinzialjunten.
 
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Junta (Juncta, Junti), Juntīnen (Giuntinen), s. Meyers Giunta.
 
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Jupati, s. Raphia.
 
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Jupe (franz., spr. schǖp'), ursprünglich eine Jacke; jetzt soviel wie Frauenrock (von der Hüfte bis zu den Füßen); J. de dessous, Anstands-, Unterziehrock.
 
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Jupille (spr. schūpīj'), Gemeinde in der belg. Provinz und dem Arrond. Lüttich, im O. von Lüttich, am rechten Ufer der Maas, an der Eisenbahn Lüttich-Maastricht, mit Fabrikation von Flintenläufen, Dampfkesseln und Nägeln und (1930) 5733 Einw. Zu J., der ehemaligen Jobii villa, starb 714 Pippin von Herstal.
 
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Jupĭter (Juppiter), der höchste Himmelsgott der italischen Völker, dem griechischen Meyers Zeus (s. d.) im Wesen wie auch im Namen verwandt; denn J. ist zusammengezogen aus Iovis (ältere Form Diovis) pater, Zeus entstanden aus Djeus (ind. djaus, »der lichte Himmel«). Nur andre Form von J. ist Diespiter. Als der italische Gott dem griechischen angeglichen wurde, machte man ihn zum Sohn des Saturnus und der Ops, die man Uranos und Rhea gleichstellte. Von J. kommen alle Himmelserscheinungen. Als Lucetius (von lux, »Licht«) ist er Lichtbringer; geheiligt sind ihm die Idus (13. oder 15.) sämtlicher Monate als Vollmondstage, an denen ihm sein Priester, der Flamen dialis, ein weißes Lamm (ovis idulis) opferte. Wie er heitern Himmel gewährt, so führt er auch alle Wetter herauf: als J. Fulgur (später Fulgurator und Fulminator, »Blitzer«, und Tonans, »Donnerer«) bringt er Gewitter, als Pluvius den befruchtenden Regen. Bei großer Dürre veranstaltete man ihm als Elicius in Rom ein Betfest, Aquaelicium (»Regenbeschwörung«) genannt, bei dem die Pontifices den sogen. Lapis manalis (»Regenstein«) in die Stadt zogen, während die Matronen mit bloßen Füßen und die Behörden ohne Amtsabzeichen folgten. Überhaupt ist er Spender alles Natursegens, dem insbes. die beiden Feste der Vinalien (s. d.) galten, wie ihm auch bei Beginn der Weinlese der Flamen dialis ein Lamm opferte. Allgemein wurde ferner J. als Entscheider der Schlachten und Siegverleiher (Victor) verehrt, vornehmlich in Rom, wo ihm als Stator (der die Flucht hemmt) und Feretrius (dem die von einem römischen Feldherrn einem feindlichen Feldherrn abgenommene Rüstung dargebracht wird, s. Spolien) schon Romulus Heiligtümer gestiftet haben sollte. Auch Wächter über Recht und Wahrheit ist J. und daher ältester und vornehmster Schwurgott, der vornehmlich bei feierlichen Friedensschlüssen von den Fetialen (s. d.) als Zeuge angerufen wurde. Wie das Völkerrecht, so steht das Gastrecht unter seinem besondern Schutz. Auch offenbart er den Menschen durch dem Kundigen verständliche Zeichen (s. Auspizien) die Zukunft und seine Billigung oder Mißbilligung eines beabsichtigten Unternehmens. Von alters her verehrten ihn die lateinischen Völker unter dem Namen J. Latiaris auf dem Albanergebirge als Stammgott und nach Stiftung des Latinischen Bundes als Bundesgott durch ein gemeinsames Opferfest (feriae Latinae), das auch nach Auflösung des Bundes unter der Leitung der römischen Konsuln fortbestand. In Rom war seine Hauptkultstätte die Südspitze des Kapitols, wo er als ideales Staatsoberhaupt, als Mehrer und Erhalter römischer Macht und Ehre, als J. Optimus Maximus (»der Beste und Größte«) verehrt wurde. Hier thronte sein tönernes Bild mit dem Blitz in der Rechten im Mittelschiff des von Tarquinius Superbus, dem letzten König, begonnenen und im dritten Jahre der Republik eingeweihten Tempels (s. Kapitol). Hier brachten ihm die Konsuln beim Amtsantritt Opfer und beim Auszug in den Krieg feierliche Gelübde dar; hierher ging der Triumph des im Festschmuck des Gottes daherfahrenden siegreichen Feldherrn, der vor dem aus weißen Stieren bestehenden Dankopfer zum Bilde des J. betete und ihm den Siegeslorbeer in den Schoß legte. Wie in Rom das Kapitol den sakralen Mittelpunkt bildete, so auch die

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in den römischen Kolonien eingerichteten Kapitole (vgl. Kuhfeldt, De Capitoliis imperii Romani, Berl. 1883). Dem höchsten Staatsgott wurden natürlich auch die stattlichsten Feste gefeiert, vornehmlich die römischen, die großen und die plebejischen Spiele (s. Meyers Ludi). Auch die Kaiserzeit erkannte in dem kapitolinischen J. den höchsten Repräsentanten der Majestät des römischen Reiches, und sein Dienst breitete sich allmählich über das ganze Reich aus. Vielfach verschmolz J. mit den höchsten Gottheiten der Provinzen, so mit dem Sonnengott von Heliopolis und Doliche in Syrien zu dem im 2. und 3. Jahrh. n. Chr. weit und breit verehrten J. Heliopolitanus und Meyers Dolichenus (s. d.), auch mit keltischen und germanischen Gottheiten, namentlich den auf den Alpenhöhen als Beschützer der Wanderer verehrten, wie J. Optimus Maximus Poeninus auf dem Großen St. Bernhard. Über die bildlichen Darstellungen s. Meyers Zeus. Vgl. Austin Roschers »Lexikon der Mythologie«, Bd. 2, Sp. 618 ff.
 
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Jupĭter, der größte Planet des Sonnensystems, strahlt in hellgelbem Licht und übertrifft an Glanz die meisten Fixsterne erster Größe. Im Fernrohr erscheint er als ovale Scheibe, deren größter und kleinster Durchmesser nach Schur auf Grund der genauesten Beobachtungen in mittlerer Entfernung 37,40'' und 35,13'' betragen, woraus die Abplattung 1/16,52, folgt. Der wahre Durchmesser des Äquators ist 11,07mal so groß wie der Durchmesser des Erdäquators oder 141,300 km, das Volumen ist das 1264,3fache von dem der Erde. Die Masse des J. beträgt nach Schur und Härdtl 1/1047,2 der Sonnenmasse. Daraus folgt eine mittlere Dichte von 0,23, die der Erde-. 1 gesetzt, oder 1,4mal so groß wie die des Wassers. Die Schwerkraft wirkt demnach an den Polen 2,8mal und (unter Berücksichtigung der Zentrifugalkraft) am Äquator 2,2 mal so stark wie auf der Erde. Die Bahn des J. ist nahezu kreisförmig, ihre Exzentrizität beträgt nur 0,04825, auch ihre Neigung gegen die Erdbahn ist bloß 1°18' 41''. Die mittlere Entfernung von der Sonne beträgt 5,20280 Erdbahnhalbmesser oder 773 Mill. km (schwankend zwischen 736 Mill. km im Perihel und 811 Mill. km im Aphel). Der Erde kann er sich zur Zeit seiner Opposition bis auf 587 Mill. km nähern, während sein größter Abstand in der Konjunktion 959 Mill. km beträgt. J. durchläuft seine Bahn in 4332,588 Tagen (11 Jahr 10,5 Monat) und legt dabei in jeder Sekunde 12,98 km zurück, noch nicht halb soviel wie die Erde bei ihrer Bewegung um die Sonne. Ein Jahr auf dem J. beträgt also fast 12 Erdjahre, und auf jede Jahreszeit kommen gegen 3 Jahre. Doch dürfte die Verschiedenheit der Jahreszeiten dort nicht so bedeutend sein wie auf der Erde, denn einesteils ist der Einfluß des mehr oder minder hohen Sonnenstandes auf J. nicht so erheblich wie bei uns, weil die Sonne dort infolge ihrer großen Entfernung nur mit 1/27 ihrer Intensität auf der Erde wirksam ist, andernteils beträgt die Neigung des Äquators gegen die Bahn nur 3°6'.
   Auf der Oberfläche des J. (s. Tafel Meyers »Planeten«, Fig. 1) zeigt das Fernrohr Streifen und Flecke. Erstere laufen dem Äquator des Planeten parallel, sind stellenweise unterbrochen, teils heller, teils dunkler gefärbt und mannigfaltigen, langsamen Veränderungen in Form und Färbung unterworfen. Insbesondere zeigen sich regelmäßig zwei graue-Streifen, der eine nördlich, der andre südlich vom Äquator, die eine in hellerm Licht erglänzende Äquatorzone einschließen, die man nach Lohse als eine einheitliche Erscheinung von beträchtlicher Stabilität aufzufassen hat. In den beiden Äquatorstreifen treten bisweilen dunklere, bogenartige Teile auf, die der ganzen Zone ein wolkenartiges Aussehen geben. Auch sieht man öfters knotenartige Verdichtungen in den Streifen, und außerdem sind wiederholt einzelne dunkle Flecke außer allem Zusammenhang mit den Streifen beobachtet worden Manche Flecke haben nur kurze, andre sehr lange Dauer; zu den letztern gehört ein ovaler, rötlicher Fleck südlich vom Äquatorgürtel von 47,000 km Länge und 13,000 km Breite, der seit Sommer 1878 und noch jetzt (Frühjahr 1905), allerdings bedeutend blasser und kleiner geworden, sichtbar ist.
   Aus der Beobachtung einzelner Flecke hat zuerst Dom. Cassini die Rotationszeit des J. im Mittel zu 9 Stunden 55 Min. bestimmt, genauere Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß den verschiedenen jovigraphischen Breiten verschiedene Rotationszeiten zukommen. Nach Williams müssen neun Zonen unterschieden werden. Die folgende Tabelle gibt die Ausdehnung der Zonen in jovigraphischer Breite und ihre mittlern Rotationszeiten:

Die Tabelle zeigt, wie unsymmetrisch die Strömungen auf der nördlichen und südlichen Hemisphäre verlaufen; in der letztern fehlt die schnell bewegte Region um 22° ganz, vielleicht infolge der Anwesenheit des roten Fleckes in dieser Gegend; anderseits verläuft auf der nördlichen Hälfte von 28° ab die Rotation ganz gleichmäßig, während auf der südlichen Hemisphäre schnellere Strömungen vorhanden sind. Die fünfte Zone, die Äquatorialzone, zeigt die merkwürdige Eigentümlichkeit, daß ihre Rotationszeit bisher beständig zugenommen hat, in 18 Jahren um 35,6 Sekunden, doch scheint jetzt eine Umkehr einzutreten. Die merkwürdigste Eigentümlichkeit dieser atmosphärischen Strömungen Jupiters ist die genau ostwestliche Richtung der Bewegung und das Fehlen jeglicher Bewegung nach den Polen hin. Auch sind die einzelnen Zonen scharf gegeneinander abgegrenzt, ohne daß ein allmählicher Übergang in den Rotationszeiten stattfindet.
   Die hell glänzenden weißen Gebilde auf dem J. sind ohne Zweifel dichte Wolken, die das Sonnenlicht kräftig reflektieren, die dunkeln Partien aber vielleicht Öffnungen in der Wolkenhülle, durch die wir durch eine Nebelhülle hindurch auf den Kern des Planeten blicken. Die rötliche Färbung, die insbes. in der Äquatorzone bisweilen auftritt, wird der Anwesenheit von Wasserdampf zugeschrieben, auf der auch einige dunkle Streifen im Spektrum des J. deuten. Die betreffenden Stellen der Jupiteratmosphäre müssen aber dann wolkenfrei sein, damit das Sonnenlicht genügend tief in die Wasserdampfschicht eindringen kann. Die rötlichen Stellen würden demnach Aufhellungen in der Wolkendecke des J. sein. Übrigens hält es Zöllner für wahrscheinlich, daß J. (wie auch Saturn) sich noch in einem Zustand bedeutender Erhitzung befindet, und daß seine Oberfläche jetzt noch Licht und Wärme ausstrahlt, im Einklang damit flehen auch die mannigfachen

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Veränderungen der Äquatorstreifen. Nach Lohse ist die Bildung der Streifen auf vulkanische Eruptionen zurückzuführen, durch welche die Wolkendecke über der Ausströmungsöffnung durch die empordringenden glühenden Gase und Dämpfe durchbrochen wird. Hierbei werden diese eruptiven Massen, weil sie aus tiefern Regionen kommen und eine geringere Rotationsgeschwindigkeit besitzen als die höher liegenden Wolkenschichten, gegen diese zurückbleiben, und es wird ein dunkler Streifen in der Rotationsrichtung entstehen, der sich bei längerer Dauer der Eruption rings um den Planeten ziehen wird, indem das Ende sich wieder an den Anfang anschließt, während bei kürzerer Dauer ein weniger langer Streifen entsteht. Hiernach sind die dunkeln Streifen nicht bloße Lücken in der Wolkendecke, sondern eruptive Massen, die nur infolge ihres geringern Lichtreflexionsvermögens dunkel erscheinen. Dadurch finden auch die mancherlei an den Streifen beobachteten Farbennuancen eine einfache Erklärung, und nicht minder ist es wahrscheinlich, daß die glühenden Gase, welche die Streifen bilden, namentlich bei sehr heftigen Eruptionen etwas eignes Licht ausstrahlen. Ebenso erklären sich der häufige Wechsel in der Lage und Bildung der Streifen, die Verschiedenartigkeit ihrer Dauer etc. durch die Annahme einer größern Anzahl von Kratern, die abwechselnd in Tätigkeit sind. Jeder Streifen würde dann einem oder mehreren Kratern von gleicher jovigraphischer Breite entsprechen, und die ausgeprägtere Streifenbildung und größere Veränderlichkeit der Gebilde in der südlichen Hemisphäre des J. würden auf eine abweichende Oberflächenstruktur des Planetenkerns in beiden Halbkugeln deuten. Der J. hat sechs Monde, von denen die vier hellsten bald nach Erfindung des Fernrohrs, zuerst im Dezember 1609 von Simon Marius in Ansbach und im Januar 1610 von Galilei, entdeckt wurden, während die Entdeckung des fünften erst 9. Sept. 1892 Barnard mit dem 36zölligen Refraktor der Lick-Sternwarte, des sechsten 4. Jan. 1905 Perrine mit dem Croßley-Reflektor der Lick-Sternwarte gelang. Die vier äußern sind schon mit kleinen Fernrohren, selbst in einem guten Opernglas, unter günstigen Umständen dem bloßen Auge sichtbar, während die beiden andern nur in den großen Riesenteleskopen erkennbar sind. Man pflegt die vier alten Monde in der Reihenfolge ihrer Abstände vom J. mit den Nummern I, II, III, IV, den neuentdeckten fünften Mond mit V zu bezeichnen, eigentlich müßte er, da er den geringsten Abstand vom J. hat, mit I bezeichnet werden, jedoch würde damit eine vollständige Änderung der allgemein eingeführten Bezeichnung eintreten, der neueste sechste Mond, über dessen Bahnlage aber noch nichts bekannt ist. wird mit VI bezeichnet. Ihre wichtigsten Elemente sind in der Tabelle »Übersicht des Planetensystems« (beim Artikel »Planeten«) angegeben. Im Verhältnis zur Größe des Halbmessers des Hauptplaneten erscheinen die Satelliten des J. diesem sehr nahe gerückt. Die Geschwindigkeit, mit der sie den J. umkreisen, ist eine außerordentlich große; dabei laufen sie um den J. fast in der Ebene seines Äquators, nur IV weicht merklicher von derselben ab. Ebenso sind die Neigungen ihrer Bahnen zu der des J. unbeträchtlich, indem sie sich nur zwischen 2 und 3° bewegen. Alle zusammen haben nur 0,0007 der Jupitermasse oder ungefähr 1/2 der Erdmasse. Am hellsten, ungefähr 5. Größe, erscheint gewöhnlich III, der größte; der zweitgrößte (IV) wird aber an Glanz von den kleinern (I und II) übertroffen, der fünfte Mond ist jedoch nur 13. und der sechste nur 14. Größe. Die Größe ihres Hauptplaneten und die Kleinheit der Neigungen ihrer Bahnen sind Ursache, daß fast jeder Umlauf dieser Monde eine Sonnen- und eine Mondfinsternis mit sich führt, die mit geringen Ausnahmen sämtlich total sind. Nur der Mond IV kann, wenn er zur Zeit seiner Konjunktion und Opposition dem Maximum seiner Breite nahesteht, unverfinstert und, ohne eine Verfinsterung zu bewirken, vorübergehen. Bei der kurzen Umlaufszeit dieser Monde ist die Zahl der in einem Jupiterjahr eintretenden Finsternisse eine außerordentlich große, nämlich gegen 4400 Mond- und ebenso viele Sonnenfinsternisse. Die Verfinsterungen der Jupitermonde sind insofern von Wichtigkeit, als sie ein bequemes Mittel zur Bestimmung der Längendifferenz zweier Orte (s. Meyers Länge) und der Geschwindigkeit des Lichtes darbieten. Die Sonnenfinsternisse, welche die Monde für den Hauptplaneten bewirken, sind von der Erde aus an dem über die Planetenscheibe ziehenden Schatten des Trabanten erkennbar. Zu bemerken ist, daß die drei innern Monde nie gleichzeitig verfinstert werden können. Es ist nämlich stets die mittlere Länge von I, vermehrt um die doppelte mittlere Länge von III und vermindert um die dreifache mittlere Länge von II, gleich 180°, und zugleich ist die Summe der mittlern Bewegung von I und die doppelte mittlere Bewegung von III gleich der dreifachen mittlern Bewegung von II, woraus folgt, daß, wenn zwei dieser Trabanten gleiche mittlere Länge in Beziehung auf den J. haben, der dritte stets 60° oder auch 90° von ihnen absteht, nämlich 60°, wenn I und III, und 90°, wenn I und II gleiche mittlere Länge haben. Die Vorausberechnung der Verfinsterungen der Jupitermonde wird in den astronomischen Ephemeriden, am vollständigsten im »Nautical Almanac« veröffentlicht. Die Beobachtung, daß die Finsternisse der Jupitermonde um die Zeit der Konjunktion des J. um 16 Min. 26 Sek. später bemerkt wurden, als die Berechnung nach Finsternissen in der Opposition angab, führte den Astronomen Römer 1676 auf die Entdeckung der Geschwindigkeit des Lichtes. Vgl. Plaßmann, Der Planet J. (Köln 1892) und die Tafeln »Planetensystem« und »Planeten«.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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