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Junker bis Junta (Bd. 6, Sp. 378 bis 379)
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Artikelverweis Junker, Wilhelm, Forschungsreisender, geb. 6. April 1840 in Moskau, gest. 13. Febr. 1892 in Petersburg, lebte als Knabe in Göttingen, besuchte in Petersburg das deutsche Gymnasium, studierte Medizin in Göttingen, Berlin und Prag und bereiste 1869 Island. Nach kürzern Ausflügen nach Tunesien 1874 und Unterägypten 1875 ging er von Suakin 1876 durch das Chor Baraka nach Kassala und Chartum, befuhr den Blauen Nil und den untern Sobat und machte ausgedehnte Reisen in den Gebieten des Bahr el Gazal und des obern Uëlle. 1878 nach Europa zurückgekehrt, unternahm er schon 1879 eine neue Forschungsreise in das Gebiet der Niam-Niam und Monbuttu zur Erforschung des Uëlle und des Nepoko, welch letztern er als den Oberlauf des Aruwimi erkannte. Im Begriff, Ende 1883 nach Europa zurückzukehren, wurde er durch den Aufstand des Mahdi gezwungen, bei Emin Pascha in Lado eine Zuflucht zu suchen. Die von seinem Bruder 1885 zu seiner Befreiung gesandten Expeditionen unter G. A. Meyers Fischer (s. d. 15) und unter Oskar Meyers Lenz (s. d.) vermochten ihn nicht zu erreichen, doch glückte es J., mit Umgehung von Uganda durch Karagwe Ende 1886 nach Sansibar zu gelangen, von wo er über Kairo nach Europa zurückkehrte. Hier veröffentlichte er die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reisen in den Ergänzungsheften zu »Petermanns Mitteilungen« (Gotha 1888 und 1889) und »Reisen in Afrika 18751886« (Wien 188991, 3 Bde.). Vgl. Hevesi, Wilhelm J., Lebensbild eines Afrikaforschers (Berl. 1896).
 
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Junkerhof, s. Meyers Artushof.
 
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Junkermann, August, Schauspieler und Vorleser, geb. 15. Dez. 1832 in Bielefeld, trat bei der Artillerie ein, um Offizier zu werden, ging aber 1853 zur Bühne über und begann seine theatralische Laufbahn in Trier. Nach mehreren Engagements in Berlin, Bremen, Wien, Weimar u. a. O. wurde er 1871 Mitglied des Hoftheaters in Stuttgart, dem er bis 1884 angehörte. Seitdem hat er allein und mit von ihm zusammengestellten Gesellschaften Gastspielreisen in Deutschland und Nordamerika gemacht. Er spielt komische Rollen mit großem Erfolg; sein Hauptverdienst aber liegt in der Darstellung der Gestalten Fritz Reuters, dessen Werke fast sämtlich teils von ihm selbst, teils von andern für ihn dramatisiert worden sind. Auch als Vorleser der Werke Reuters, dem er besonders in Süddeutschland und Wien neue Verehrer gewann, hat er sich einen Namen gemacht. Er veröffentlichte: »Memoiren eines Hofschauspielers« (Stuttg. 1889) und »Humoristikum, eine Sammlung heiterer Vortragsstücke« (5. Aufl., das. 1899; neue Folge, 2. Aufl. 1900).
 
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Junkerschulen, s. Meyers Junker und Meyers Kadettenhäuser.
 
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Junktūr (lat.), Verbindung, Fuge, Gelenk; auch soviel wie Konjunktur.
 
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Jünkwei, s. Meyers Yünkwei.
 
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Jünnan, chines. Provinz und Stadt, s. Meyers Yünnan.
 
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Juno (aus Jovino, der weiblichen Form zu dem in Jupiter liegenden Jovis), bei den italischen Völkern die weibliche Himmelsgöttin und Genossin Jupiters, nach ihrer Gleichsetzung mit der griechischen Meyers Hera (s. d.) als dessen Gemahlin und Schwester und als Tochter des Kronos-Saturnus und der Rhea-Ops betrachtet, galt als höchste Frau so sehr als Vertreterin der gesamten Weiblichkeit, daß, wie der Mann seinen Genius, so die Frau ihre J. hatte, der sie opferte und bei der sie schwur. Ihr ältester, am meisten verbreiteter Kult war der als J. Lucīna (»Lichtbringerin«), der alle Neumondstage, die Monatsersten (Kalenden) heilig waren. Zugleich wurde sie unter diesem Namen als Geburtsgöttin verehrt, in deren Kasse im Tempel auf dem Esquilin in Rom bei jeder Geburt ein Stück Geld gezahlt wurde. Hier verehrten sie an ihrem Hauptfest, den am Anfang des altrömischen Jahres (1. März) begangenen Matronalien, die Matronen und Mädchen. Als Ehestifterin hieß sie iuga (auch pronuba), und bei Hochzeiten rief man sie an als Domiduca oder Iterduca, die die Braut in ihr neues Heim geleitet, Unxia, die beim Einzug in dieses die Pfosten zum guten Zeichen salbt, Cinxia, die den Brautgürtel schürzt und löst. Als höchste Himmelsgöttin und Gattin des Jupiter Rex ward sie mit diesem oder auch allein als J. Regina auf den Burgen der Städte verehrt, so in Rom in dem linken Seitenschiff des Jupitertempels auf dem Kapitol. Noch hatte sie auf dem Kapitol einen Tempel als J. Moneta (»Mahnerin«), deren Bedeutung strittig ist, wie auch die der J. Caprotina (»Ziegenjuno«), der am 7. Juli, dem sogen. Nonae Caprotinae, von den Frauen ein Fest gefeiert wurde (vgl. Caprotina). Ein altertümlicher, hochangesehener Kult war der der J. Sospita oder Seispes (»Erretterin«), Mater Regina zu Lanuvium, der nach Einverleibung der Stadt in den römischen Staatsverband römischer Staatskult wurde; ihr Priesterkollegium bestand aus römischen Rittern, und die römischen Konsuln brachten ihr jährlich ein Opfer dar. Das Bild der Göttin trug über der Matronenkleidung ein als Helm und Panzer dienendes Ziegenfell, Schnabelschuhe, Schild und geschwungenen Speer, wie sie eine Kolossalstatue des vatikanischen Museums und Münzen dargestellt. Eine kriegerische Göttin ist auch die besonders von den Sabinern verehrte J. Curitis oder Quiritis (»die mit der Lanze Bewehrte«). Aus Karthago war im dritten Punischen Kriege nach Rom übertragen die J. Caelestis (»himmlische J.«), die alte Burggöttin von Karthago, eigentlich die Astarte der Phöniker; ihr Kult kam in der Kaiserzeit mit dem Aufblühen von Karthago aufs neue zu Ehren. Heilig waren der J. die Gans, der Pfau und die Krähe; wie Jupiter weiße Stiere, so wurden ihr weiße Kühe geopfert. Vgl. Roscher im »Lexikon der Mythologie«, Bd. 2, Sp. 574 ff.
 
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Junodscher Schröpfstiefel, s. Hyperämie und Meyers Schröpfen.
 
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Junot (spr. schüno), Andoche J., Herzog von Abrantes, franz. General, geb. 23. Okt. 1771 in Bussy-le-Grand (Côte d'Or), gest. 29. Juli 1813, trat 1793 als Freiwilliger in das Heer ein und zog bei Toulon durch seine unerschrockene Tapferkeit die Aufmerksamkeit Bonapartes auf sich, der ihn als seinen Adjutanten mit nach Italien und dann nach

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Ägypten nahm. Nach dem 18. Brumaire ernannte ihn Bonaparte zum Kommandanten von Paris und endlich zum Generalobersten. Nachdem J. 1805 kurze Zeit als Gesandter in Lissabon fungiert, sich sodann in der Schlacht bei Austerlitz ausgezeichnet hatte, ward er 1807 zum Befehlshaber des Korps, das Portugal besetzen sollte, und, nachdem er dies im November ausgeführt, 1. Febr. 1808 zum Generalgouverneur von Portugal mit dem Titel eines duc d'Abrantès ernannt. Auf das schamloseste bereicherte er sich in dieser Stellung durch Erpressung und Plünderung. Doch mußte er vor den im August 1808 gelandeten Engländern bei Vimeiro zurückweichen und die Kapitulation von Cintra schließen. 1809 wurde er im Kriege gegen Österreich von Kienmayer 12. Juni bei Berneck besiegt, war darauf Gouverneur der Illyrischen Provinzen und befehligte im Feldzuge gegen Rußland das 8. Armeekorps. Von dem Kaiser wieder in die Illyrischen Provinzen geschickt, verfiel er bald darauf in eine Geisteskrankheit. Er endete in dem Städtchen Montbard (Côte d'Or) sein Dasein durch einen Sturz von einer Mauer. Seine Gattin Laurette de Saint-Martin-Permon, Herzogin von Abrantes, angeblich vom griechischen Kaisergeschlechte der Komnenen stammend, weitläufige Verwandte von Napoleon I., geb. 1784 in Montpellier, ward nach ihrer Vermählung (1799) zur Hofdame der Mutter Napoleons ernannt und gab sich einer grenzenlosen Verschwendung hin, die bald ihre Vermögensumstände gänzlich zerrüttete. Nach dem Tod ihres Mannes beschäftigte sie sich mit literarischen Arbeiten und starb dürftig im Nonnenkloster Abbaye-aux-Bois zu Paris im Juni 1838. Ihre weitschweifigen »Mémoires, ou Souvenirs historiques sur Napoléon, la Révolution, le Directoire, le Consulat, l'Empire et la Restauration« (Par. 183135, 18 Bde.; 1893, 10 Bde.; deutsch von Alvensleben, Leipz. 183138, 25 Bde.) zeugen von Schärfe und Gesundheit des Urteils. Außerdem schrieb sie: »L'amirante de Castille« (1832); »Scenes de la vie espagnole. Souvenirs d'une ambassade et d'un séjouren Espagne et Portugal« (1837); »Histoire des salons de Paris« (1837; neue Ausg. 1893, 4 Bde.). Vgl. Turquan, La générale J. duchesse d'Abrantès (Par. 1901).
 
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Junta (span., spr. chún-), Vereinigung, dann Ratsversammlung, wie z. B. Stadtrat, oder Ausschuß, insbes. aus Wahl hervorgegangener Ausschuß; in Spanien eine zur Erledigung gewisser Staatsangelegenheiten oder zur Regierung selbst berufene Versammlung, sei es, daß sie ohne den Monarchen aus eigner Machtvollkommenheit von den Vertretern der Nation gebildet oder von dem Regenten ernannt ist. Am berühmtesten sind: die von Karl II. berufene »große J.«, aus Staatsmännern bestehend, welche die Kompetenz der Inquisition zu bestimmen hatten, die von Napoleon I. 1808 zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung nach Bayonne berufene J. und endlich die 1808 von den Spaniern zur Leitung des Freiheitskampfes erwählte Zentraljunta mit ihren Provinzialjunten.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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