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Jugum bis Jukagīren (Bd. 6, Sp. 358 bis 359)
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Artikelverweis Jugum (lat., »Joch«), bei den Römern das an der Wagendeichsel befestigte Querholz, an dem der Nacken der Zugtiere befestigt wurde, dann ein Querbalken überhaupt, z. B. bei der Wage. Als größte Schmach galt es für ein besiegtes Heer, durch ein von zwei senkrechten und einer darüber gelegten Lanze gebildetes J. geschickt zu werden.
 
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Jugurtha, König von Numidien, natürlicher Sohn des Mastanabal, eines Sohnes des Königs Masinissa, erhielt durch die Gunst seines Oheims Micipsa dieselbe fürstliche Erziehung wie dessen eigne Kinder und wurde von ihm förmlich adoptiert und zum Miterben des Thrones erklärt. Trotzdem ließ J. nach dessen Tode (118 v. Chr.) seinen jüngern Adoptivbruder, Hiempsal I., aus dem Wege räumen (117), besiegte den ältern, unkriegerischen Adherbal im offenen Kampf und brachte es durch Bestechung dahin, daß zehn römische Gesandte das numidische Reich zwischen ihm und Adherbal auf die Weise teilten, daß er selbst den bessern westlichen, Adherbal dagegen den östlichen Teil des Landes erhielt. Da J. auch dies Reich Adherbal nicht gönnte, begann er einen neuen Krieg; Adherbal wurde bei Cirta geschlagen, sodann in seiner Hauptstadt belagert und bei deren Übergabe mit einem großen Teil der Bevölkerung, darunter vielen römischen Bürgern, umgebracht (112). Endlich wurde in Rom, vornehmlich auf das Betreiben des designierten Volkstribuns Gajus Memmius, der Krieg gegen J. (Jugurthinischer Krieg, 111106) beschlossen. Im ersten Jahr (111) wurde dieser vom Konsul Calpurnius Bestia anfangs nicht ohne Nachdruck geführt, dann aber infolge von Bestechung mit einer Scheinunterwerfung des J. beendet, die ihn im unbeschränkten Besitz des ganzen Reiches ließ. Auf Antrag des Memmius, der jetzt Volkstribun war, wurde J. nunmehr nach Rom berufen, um sich zu verantworten und seine Mitschuldigen zu nennen; hier aber trat er, von bestochenen Gönnern unterstützt, so dreist auf, daß er sogar einen sich dort aufhaltenden Vetter, Massiva, den Sohn Gulussas, ermorden ließ, worauf selbst seine Gönner nicht hindern konnten, daß er aus der Stadt gewiesen und die Erneuerung des Krieges gegen ihn beschlossen wurde. Die Führung übernahm der Konsul des J. 110, Spurius Postumius Albinus, doch war sie erfolglos, da das Heer ganz zuchtlos und verwildert war; sein von J. bestochener Bruder Aulus ließ sich sogar von ihm überfallen und schloß mit ihm einen Vertrag, wonach das römische Heer unter dem Joch hindurchgehen und ganz Numidien räumen mußte. Hiermit aber war das Maß der Schmach für die Senatspartei erfüllt, deren Angehörige bisher den Krieg geleitet hatten; es wurde auf Antrag des Volkstribuns Mamilius (lex Mamilia) eine Untersuchung gegen die Schuldigen eingeleitet, infolge deren mehrere derselben verurteilt wurden, und der Krieg mit Ernst und Energie und daher auch mit Erfolg geführt, zunächst in den Jahren 109 und 108 von dem Konsul Q. Cäcilius Metellus. Unterhandlungen, die J. mit diesem anknüpfte, führten nicht zum Abschluß; nach einer zweiten Niederlage durch Metellus floh er zu seinem Schwiegervater, dem König Bocchus von Mauretanien, und rückte mit diesem 107 gegen Cirta vor, wohin ihm das römische Heer entgegenging. Der Oberbefehl lag jetzt in der Hand seines bisherigen Legaten Gajus Marius, der vom Volk zum Konsul erwählt und zum Oberbefehlshaber in diesem Krieg bestimmt worden war. Er setzte ihn in den Jahren 107 und 106 in derselben Weise und mit demselben Geschick und Glück fort wie sein Vorgänger, indem er das Land durchzog und den

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beiden Königen bei Cirta zwei Schlachten abgewann. Durch diese Mißerfolge entmutigt, setzte sich Bocchus mit den Römern in Verbindung und wurde hauptsächlich durch L. Cornelius Sulla, den Quästor des Marius, bewogen, J. auszuliefern (106). Von Marius gefesselt in seinem Triumph (104) ausgeführt, wurde er im Kerker hingerichtet. Eine meisterhafte Geschichte des Jugurthinischen Krieges, dessen Bedeutung weniger in der Erweiterung der römischen Macht als in dem Siege der Volkspartei über die durch ihre Korruption bloßgestellte Senatspartei liegt, haben wir von Sallustius. Vgl. Meinel, Zur Chronologie des Jugurthinischen Krieges (Augsb. 1883).
 
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Juhász (ungar., spr. júhāß), soviel wie Schafhirt.
 
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Jühlke, Ferdinand, Kunstgärtner, geb. 1. Sept. 1815 zu Barth in Pommern, gest. 12. Juni 1893 in Potsdam, erlernte die Gärtnerei im Botanischen Garten zu Greifswald, ward 1834 akademischer Gärtner in Eldena, 1854 Garteninspektor, gründete mit Rohde und Trommer bis 1859 das »Eldenaer Archiv« und leitete die akademische Versuchsstation. 1858 kaufte er in Erfurt eine große Gärtnerei, und 1866 wurde er als Lennés Nachfolger Direktor der königlichen Hofgärten Preußens. 1891 trat er in den Ruhestand. Er schrieb: »Gartenbuch für Damen« (Berl. 1854, 4. Aufl. 1889); »Leitfaden zur Behandlung der Samen« (Erfurt 1857); »Gesichtspunkte bei der Samenprobe als Merkmal für die Güte des Samens« (Berl. 1859); »Mitteilungen über einige Gärten des österreichischen Kaiserstaates« (Hamb. 1861); »Die Verbesserung des wirtschaftlichen Lebens durch die Einführung, Verbesserung etc. von Kulturprodukten« (Leipz. 1863); »Die Hilfsmittel zur Verbesserung der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturpflanzen« (Berl. 1868); »Die Rassenverbesserung der Kulturpflanzen« (Erlang. 1869); »Die königliche Landesbaumschule und Gärtnerlehranstalt zu Potsdam« (Berl. 1872). Auch gab er Schmidlins »Blumenzucht im Zimmer« neu heraus (4. Aufl., Berl. 1880). Sein Sohn Karl Ludwig, Afrikareisender, geb. 6. Sept. 1856 in Eldena, gest. 1. Dez. 1886 in Afrika, studierte Rechtswissenschaft, beteiligte sich 1884 an der Gründung der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, ging mit der ersten Expedition unter Peters nach Ostafrika, zog nach dem Kilimandscharo und nach Usagara und kehrte im März 1886 nach Deutschland zurück. Noch im August d. J. unternahm er eine Expedition nach der Somalküste, bei der er die Benadirküste und die Jubmündung erwarb, aber bald darauf in Kismaju ermordet wurde.
 
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Juist, eine der ostfries. Inseln, an der deutschen Nordseeküste (s. Karte »Oldenburg«), im preuß. Regierungsbezirk Aurich, Kreis Norden, ist 673 Hektar groß, besteht aus zwei durch den sogen. Hammerich verbundenen Teilen, die nur bei starken Springfluten voneinander getrennt werden, hat eine evang. Kirche, ein Seebad, zwei Rettungsstationen für Schiffbrüchige, Dampfschiffverbindung mit Norddeich und 180 Einw. Vgl. Scherz, Die Nordseeinsel J. (2. Aufl., Norden 1893).
 
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Juiz de Fora (spr. schu-is, früher Parahybuna), Stadt im brasil. Staat Minas Geraës, 750 m ü. M., am Parahybuna und an der Eisenbahn Rio de Janeiro-Ouro Preto, hat Sägemühlen, Ziegeleien, Kaffee- und Salzhandel, 15,000 Einw. und ist Sitz eines deutschen Konsularagenten. Dabei die deutsche Kolonie Dom Pedro II.
 
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Jujuben (franz. jujubes, spr. schǖschǖb'), s. Meyers Zizyphus; schwarze J. (Jujubae nigrae), s. Cordia.
 
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Jujuy (spr. chuchūī), nordwestlichste Provinz der Argentinischen Republik, im N. und W. von Bolivia, im S. und O. von Salta begrenzt, 49,162 qkm groß mit (1903 berechnet) 54,830 Einw. Die unwirtliche, fast 35003800 m hohe Puna de J. (Despoblado) hängt mit dem Bergland von Bolivia zusammen und wird durchzogen von der Sierra de Quichagua und der Sierra Santa Catalina. Im N. nimmt die große Laguna de los Pozuelos, im S. die Laguna de Guyatayok mit den Salinas Grandes einen weiten Flächenraum ein. Den östlichen Teil bedecken von N nach S. ziehende, 35004200 m hohe Bergketten, die im Cerro Negro an der Südgrenze 6500 m erreichen, gegen O. zu aber immer niedriger werden. Sie umschließen das Tal des obern Rio Grande, des bedeutendsten Flusses im Lande, die Quebrada de Humahuaca. Das Klima ist auf den Hochebenen kalt und trocken, in den östlichen Tälern heiß und feucht; hier gedeihen viele Gewächse der tropischen und gemäßigten Zone, auf erstern vorwiegend Kaktusarten. Die paläozoischen Gebirge sind reich an Gold, Silber, Kupfer, Salz, Kalk, Gips, Asphalt, Petroleum, doch wird nur Salz (aus den Lagunen) und Gold ausgebeutet. Die Bevölkerung besteht größtenteils aus Mischlingen von Weißen und Indianern, unvermischt leben die letztern auf den Hochebenen, sie sprechen fast nur das Quichua. Für den Elementarunterricht sorgen 45 Schulen mit 1500 Schülern; zwei Zeitungen erscheinen in der Hauptstadt. Ackerbau mit künstlicher Bewässerung wird vornehmlich im Ostteil betrieben; 1888 waren 18,994 Hektar unter Kultur (Zuckerrohr, Mais, Weizen u. a.). Der Viehstand betrug 22,896 Pferde, 46,425 Esel und Maulesel, 89,855 Rinder, 617,803 Schafe, 47,238 Lamas. Industrie und Handel sind geringfügig. Die Eisenbahn erreicht die Stadt J. von Tucuman; Telegraphen (370 km) durchschneiden die Provinz in ihrer ganzen Länge. Einteilung in 13 Departements; Einnahmen 1891: 193,325, Ausgaben 217,325 Pesos. Die Verfassung datiert vom 31. März 1876. Der Gouverneur wird auf zwei Jahre gewählt; die gesetzgebende Gewalt übt eine Kammer aus 18 Mitgliedern; die Richter werden von der Exekutive ernannt. Die Hauptstadt J. (San Salvador de J.) liegt etwa 1300 m hoch in einer schönen Ebene am rechten Ufer des Rio Grande, ist Endstation der Eisenbahn Tucumán-J., hat ein Nationalkolleg und eine Normalschule. Die (1890) 5000 Einw. handeln mit Vieh, Häuten, Mais, Chicha, Salz und Goldstaub nach Bolivia und Chile. J. wurde 1592 von Francisco de Argañares gegründet. In der Nähe zwei Mineralquellen.
 
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Jük (türk.), die runde Summe von 100,000 Asper; auch das Gesamtgewicht von 40 Oken.
 
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Juka, bittere und süße, s. Meyers Manihot.
 
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Jukagīren, zu den Hyperboreern gehöriger Volksstamm im nordöstlichen Sibirien, an den Flüssen Jana, Indigirka, Alaseja, Kolima und am obern Anadyr, der spärliche Überrest eines Volkes, das sich selbst Andondomni (»Menschen«) nennt und vor dem Eindringen ihrer jetzigen Nachbarn, der Jakuten und Tungusen, in Nordostsibirien viel zahlreicher war, heute mit den 200 am Aniuy und obern Anadyr nomadisierenden Tschuwanzen nur noch 1000 Seelen zählt, früher aber auch die jetzt verschwundenen Omoken, Schelagen und Aniuylen umfaßte. Sie haben sich stark mit Russen und Tungusen vermischt. Hauptbeschäftigungen sind Fischfang, Renntier- und Gänsejagd, ihre Wohnungen im Sommer kegelförmige Hütten (Urus) aus dünnen Stangen, im Winter

[Bd. 6, Sp. 360]


kleine Häuschen aus behauenen Stämmen. Einziges Haustier ist der Hund, den sie zum Ziehen des Schlittens verwenden. Äußerlich zum Christentum bekehrt, sind die J. noch immer dem Schamanismus zugetan. Sie sprechen heute meist Tungusisch; die Sprache ihrer Väter ist nur noch wenigen geläufig. Letztere wurde von Schiefner behandelt (1859); sie steht gänzlich isoliert da, bezeichnet grammatische Beziehungen durch Suffixe und ist reich an eigentümlichen Kasusformen. S. die »Sprachenkarte«.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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