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Jugendpflege bis Juggurnant (Bd. 6, Sp. 354 bis 358)
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Artikelverweis Jugendpflege, soviel wie Meyers Jugendfürsorge (s. d.).
 
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Jugendschriften, Schriften, die bestimmt sind, der Jugend zur anregenden Unterhaltung außerhalb des eigentlichen Unterrichts zu dienen. Da selbstverständlich auch die freie Lektüre der Jugend dem allgemeinen Gesichtspunkte der Erziehung untergeordnet sein muß, berührt sich die Jugendliteratur nach der einen Seite hin mit derjenigen der Schul- und Lehrbücher. Das unterscheidende Merkmal liegt in der Bestimmung der J. für die Unterhaltung der Jugend in ihren Freistunden. Den Übergang zwischen beiden Arten bildet das zunächst Schulzwecken dienende Meyers Lesebuch (s. d.). Mit der allgemeinen Nationalliteratur berührt sich anderseits diejenige der J. in dem Kreise der volkstümlichen Literatur und namentlich der volkstümlichen Dichtung. Eine besondere Jugendliteratur ist nur so weit berechtigt, wie die volkstümliche Nationalliteratur über den Gesichtskreis der Jugend hinausreicht. Dies ist aber der Fall; denn dieser seit Herder in seinem hohen Wert erkannte Teil des Schrifttums behandelt vielfach Lebensverhältnisse und Lebensfragen, die dem Verständnis des unmündigen Alters fern liegen oder doch ihm ohne sittliche Gefahr noch nicht vorgeführt werden können. Hieraus geht hervor, daß J. für die »reifere Jugend«,

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das Jünglings- und Jungfrauenalter, im allgemeinen keine Berechtigung mehr haben. Wohl aber ist innerhalb der Jugendliteratur eine gewisse Abstufung nach dem Alter und namentlich der Unterschied zwischen eigentlichen Kinderschriften (etwa bis zum 10. oder 11. Lebensjahr) und Schriften für die bereits selbständigere und meist lesegierige, sogen. reifere Jugend der spätern Schuljahre berechtigt, weil durch die natürliche Stufenfolge der kindlichen Entwickelung bedingt, wenn auch dieser Unterschied stets ein fließender bleiben wird. In der folgenden gedrängten Übersicht der Geschichte und des gegenwärtigen Zustandes der Jugendliteratur in Deutschland ist besonders die letztere Art berücksichtigt (vgl. Kinderlieder und Kinderschriften).
   Wenn auch der Begriff eines besondern Schrifttums für die Jugend vor Erfindung des Buchdrucks nicht wohl aufkommen konnte, so ist doch schon dem Altertum der Gedanke einer Aussonderung des für die Knabenjahre Geeigneten aus Dichtung und Göttersage nicht fremd gewesen. In ziemlich entfernter Analogie zur modernen Jugendliteratur stehen die unterhaltend belehrenden chinesischen Bücher »Schiking« und »Schuking« des Konfuzius und das indische Fabelbuch »Hitopadesa«. Näher dem heutigen Verständnis liegt die Erörterung über die Jugendlektüre in Platons »Staat« (II, 17), wo von der richtigen Auswahl und Gestaltung des Unterhaltungsstoffes erwartet wird, daß die Kinder spielend das für sie Nötige lernen. Daß gewisse Zweige der Dichtung, wie z. B. die Äsopischen Fabeln, als vorzugsweises Eigentum der Jugend angesehen wurden, bezeugen vielfache Andeutungen alter Schriftsteller. Auch im Mittelalter gab es neben rein religiösen Katechismen Beispielsammlungen für die Jugend, die doch aber mehr als Vorrat und Fundgrube zum Gebrauch der Eltern, Lehrer und Paten als zur eignen Lektüre der Kinder berechnet waren. Diesen Standpunkt nimmt unter andern noch Luther ein, der sich der wundersamen Historien und Märchen seiner Kinderjahre um kein Gold entschlagen wollte und für Fabel und Weltgeschichte im Interesse der Jugend tätigen Eifer bewies, auch selbst den rechten Ton für die Kinderwelt, wo es ihm darauf ankam, meisterhaft traf. Gegen Ende des Reformationsjahrhunderts ist der »Froschmeuseler« des Magdeburger Schulrektors G. Rollenhagen (1595) ausdrücklich der zu Weisheit und Regimenten (Staatsämtern) erzogenen (doch wohl reifern) Jugend zur anmutigen, aber sehr nützlichen Lehre gewidmet. Die Humanisten des 16. Jahrh. und die Jesuiten mit den Schulkomödien u. a. sowie die pädagogischen Realisten des 17. Jahrh. streifen den Begriff der J. öfters, besonders Comenius mit seinem berühmten »Orbis pictus« (1657), seinem »Schola ludus etc.«, seinen Schuldramen; aber bei ihnen hat sich die Scheidung der J. von den Schulbüchern noch nicht scharf vollzogen. Aus dem Ende des Jahrhunderts ist der Zittauer Rektor Chr. Weise (16421708) wegen seiner Schulkomödien wie wegen seiner »Überflüssigen, reisen und notwendigen Gedanken der grünenden Jugend« zu nennen. Den eigentlichen Anfang der modernen Jugendliteratur bezeichnen aber zwei ausländische Werke: Fénelons »Télémaque« (1690, erschien 1717) und Daniel Defoes »Robinson Crusoe« (1719), die in ihrer Heimat überaus anregend wirkten und bald über die ganze gebildete Welt sich verbreiteten. Anerkanntes Vorbild für J. wurde Defoes »Robinson« namentlich durch Rousseaus Empfehlung (im »Émile«, 3. Buch). Aus diesen Anfängen entwickelte, wie in England und Frankreich, so auch in Deutschland, das »pädagogische Jahrhundert« eine reiche Literatur für die Jugend. 1761 begründete Adelung in Leipzig ein Wochenblatt für Kinder. 1765 begann Ch. F. Weiße (1726 bis 1804) seine fleißige Schriftstellerei für Kinder (besonders verbreitet waren das Wochenblatt »Kinderfreund«, Leipz. 177584, und »Briefwechsel der Familie des Kinderfreundes«, das. 178492). Aber in Fluß kam die Bewegung erst in dem um Basedow sich sammelnden Kreis der Philanthropen. Von Basedows Mitarbeitern widmeten sich vorzugsweise J. H. Campe (17461818) und Ch. G. Salzmann (17441811) der Jugendschriftstellerei. Des ersten J. füllen eine Sammlung von 37 Bänden, die vom 17. Band an Reisebeschreibungen, in Band 36 und 37 die Lehrschriften: »Väterlicher Rat für meine Tochter« und »Theophron, der erfahrene Ratgeber der Jugend«, enthalten. Unter allen Campeschen J. haben sich wohl nur »Robinson der Jüngere« (115. Aufl., Braunschw. 1890) und »Geschichte der Entdeckung Amerikas« (26. Aufl. 1881) bis heute in den Händen der Jugend erhalten. Auch Salzmanns »Unterhaltungen für Kinder und Kinderfreunde« (Leipz. 1811, 4 Bde.) haben ihre Zeit längst gehabt. Vor 100 Jahren galten sie jedoch als bedeutende Erscheinungen und riefen eine Hochflut von mehr oder minder gelungenen Nachahmungen hervor. Während der Grundton dieser Schriften der sittlich ehrenwerte, aber nüchterne und oft kleinlich lehrhafte des damaligen Rationalismus ist, versuchte Herder (17441803) in seinen »Palmblättern« (mit Liebeskind, 17871800) der Jugendliteratur ein edleres, mehr auf Phantasie und Gemüt wirkendes Gepräge zu geben. Noch stärker betonte die christliche Grundansicht in seinen J. der Erfurter Geistliche K. Fr. Lossius (17351817), dessen »Gumal und Lina«, die Geschichte einer Art Missionsstation unter den Heiden enthaltend, sich noch bis heute hier und da behauptet hat. Aus der folgenden Generation sind der protestantische Österreicher J. Glatz (17671831), die Preußen J. A. Ch. Löhr (17641823), F. Ph. Wilmsen (17701821) und der berühmte Gothaer Philolog Fr. Jacobs (17641847) hervorzuheben.
   In eine neue, vorwiegend auf das religiöse Leben gerichtete Bahn lenkte die Jugendschriftstellerei Christoph v. Schmid (17681854), zuletzt Domherr in Augsburg, der liebens- und ehrwürdige »Verfasser der;Ostereier'« und noch etwa 60 andrer Erzählungen, dem auf protestantischer Seite die Theologen F. A. Krummacher (17681845), K. Stöber (gest. 1865), Chr. G. Barth (17991862) und G. H. v. Schubert (17801860) folgten. Bis an die Gegenwart und teilweise in diese reichen deren Epigonen G. Nieritz (17951876), Franz Hoffmann (181482), beide mehr durch Fruchtbarkeit und liebenswürdige Breite als durch Kraft und Frische ausgezeichnet, Fr. Wiedemann (182182), R. Baron (180990), Ottilie Wildermuth (181777), Thekla v. Gumpert (Frau v. Schober, 181097), die Herausgeberin des »Töchteralbums« (seit 1855). Auch kann manches aus der volkstümlichen Erzählungsliteratur hierher gerechnet werden, wie einzelne Schriften von W. O. v. Horn (Ortel, 17981865), O. Glaubrecht (Oser, 18071859) u. a. - Eine andre Gruppe von Jugendschriftstellern setzte der jungen Welt statt eigner Dichtungen lieber altbewährte Stoffe aus Sage und Geschichte vor; so K. F. Becker (17771806) in den noch heute verbreiteten »Erzählungen aus der Alten Welt«;

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Gustav Schwab (17921850) in den »Schönsten Sagen des klassischen Altertums«. Durch die Brüder Grimm, deren eigne berühmte Märchensammlung mehr für Mütter als für Kinder bestimmt ist, wurde die Aufmerksamkeit auch auf den deutschen Märchen- und Sagenschatz gelenkt und dieser durch Bechstein (180160), Simrock (180276), Osterwald (1820 bis 1887) u. a. für die deutsche Jugend flüssig gemacht. Andre wieder bearbeiteten die vaterländische Geschichte und schilderten den jungen Lesern besonders die Heldengestalten des deutschen Volkes. Gerade dieses Schrifttum der patriotischen J. ist seit 1870 sehr ins Kraut geschossen und hat neben vielem Trefflichen auch gar manches Überspannte und Einseitige hervorgebracht. Nicht unbedenklich ist es auch, wenn der Jugend das Geschichtliche in romanhafter Form dargebracht wird, und besonders, wenn berühmte historische Romane »in usum Delphini« zugestutzt werden, obgleich unleugbar auf diese Weise auch manches treffliche Buch für jugendliche Leser entstanden ist. Neben der historischen hat sich endlich auch eine ganze Literatur belehrender J. naturwissenschaftlicher und technischer Richtung herausgebildet, die ihre jungen Leser mit offenen Augen und empfänglichem Sinne beobachten lehren und sie zu tätigem Sammeln und sinnigem, eigenem Arbeiten anleiten will. Große Fortschritte sind endlich in der äußern Ausstattung der J. wie in der Buchkunst überhaupt gemacht worden.
   So fehlt es der deutschen Jugendliteratur nicht an Reichtum und Mannigfaltigkeit. Vielmehr ist sie fast unnatürlich angeschwollen, und die Überfülle macht es Eltern und Erziehern immer schwerer, das Gediegene aus der Masse des Minderwertigen und Einseitigen herauszufinden. Um darin zu Hilfe zu kommen, haben seit einem Menschenalter in steigendem Maße einzelne Schriftsteller, gemeinnützige Gesellschaften, pädagogische Zeitschriften, Lehrervereine sich der Kritik der J. angenommen, Musterkataloge empfehlenswerter Bücher aufgestellt etc. Auch diese kritische Literatur über die J. nimmt bereits unabsehbare Fülle an. Schärfere Tonart ist in diese Kritik gekommen besonders durch H. Wolgast-Hamburg, der in seiner Schrift »Das Elend unserer Jugendliteratur« (1896) der »spezifischen Jugendschrift« überhaupt das Existenzrecht absprach und verlangte, daß der Jugend im wesentlichen nur das für sie Geeignete aus der klassischen Nationalliteratur dargeboten werden soll. In diesem Sinne leitet er seither das Organ der vereinigten deutschen Prüfungsausschüsse für J., die »Jugendschriftenwarte«, und arbeiten diese Ausschüsse selbst. Gewiß ist durch ihre Arbeit viel Gutes geleistet und durch die Diskussion die kritische Aufmerksamkeit geweckt worden. Indes hat das Vorgehen der vereinigten Ausschüsse auch viel Widerspruch gefunden, der sich gegen einzelne unleugbare Mißgriffe und besonders gegen die Ablehnung jeder sogen. Tendenz (religiöser, ethischer, patriotischer, überhaupt belehrender) und einseitige Betonung des ästhetischen Gesichtspunktes richtet. Der Gegensatz trat besonders scharf auf dem zweiten Kunsterziehungstag in Weimar, im Oktober 1903, hervor, wo Wolgast seine Sache persönlich vertrat.
   Vgl. Merget, Geschichte der deutschen Jugendliteratur (3. Aufl. von Berthold, Berl. 1882); Theden, Die deutsche Jugendliteratur, kritisch und systematisch dargestellt (2. Aufl., Hamb. 1893); Fricke, Grundriß der Geschichte deutscher Jugendliteratur (Mind. 1886); Göhring, Die Anfänge der deutschen Jugendliteratur im 18. Jahrhundert (Nürnb. 1904); Dreyer, Die Jugendliteratur (Gotha 1888); Mitscher und Röstell, Die evangelische Volks- und Schülerbibliothek (Berl. 1892); Kühner, Jugendschriften (in Schmid-Schraders »Enzyklopädie des gesamten Erziehungswesens«, 2. Aufl., Bd. 3, Leipz. 1880); Hel. Höhnck, Jugendliteratur (in Reins »Enzyklopädischem Handbuch der Pädagogik«, Bd. 3, Langens. 1897); Moißl und Krautstengl, Die deutsch-österreichische Jugendliteratur (Aussig 1900); Wolgast, Das Elend unsrer Jugendliteratur (Hamb. 1896); »Kunsterziehung. Ergebnisse und Anregungen des 2. Kunsterziehungstages« (Leipz. 1904). Zeitschriften: »Jugendschriftenwarte« (1893 ff., seit 1897 hrsg. von Wolgast-Hamburg) und »Volks- und Jugendschriftenrundschau« (Hamb., hrsg. von Sydow). Hierher gehört auch das jährlich neu bearbeitete Verzeichnis der Vereinigten Ausschüsse: »Empfehlenswerte J.« (Leipzig) sowie die Übersicht über neue J. im »Pädagogischen Jahresbericht«. Vom katholischen Gesichtspunkt aufgefaßt sind: E. Fischer, Die Großmacht der Jugend- und Volksliteratur (Wien 1877, 4 Bde.); Rolfus, Verzeichnis ausgewählter Jugend- und Volksschriften (Freiburg 1892); Herold, Jugendlektüre und Schülerbibliotheken (2. Aufl., Münster 1898).
 
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Jugendschutz, s. Meyers Jugendfürsorge.
 
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Jugendsparkassen, s. Meyers Sparkassen.
 
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Jugendspiele. Das Meyers Spiel (s. d.), d. h. sinnvolle, aber nur zur Erheiterung und Unterhaltung, nicht zur Schaffung bleibender Güter bestimmte und dadurch von der Arbeit unterschiedene Tätigkeit, ist für gesunde Menschen unentbehrlich, so daß nur Art und Maß dieser Tätigkeit fraglich sein können. Besonders bedeutsam ist das Spiel für die unmündige Jugend, die eigentlicher Arbeit noch unfähig ist. Selbst die Erziehung zur Arbeit nimmt bei ihr mehr oder weniger die Gestalt des Spieles, einer an sich unfruchtbaren und wertlosen, nur für geistige Anregung wie für Entwickelung der Kraft und Geschicklichkeit diensamen Übung an. Daher Erziehung und Spiel (paideía-paidia) bei den alten Griechen verwandte Namen tragen, Kinderschule und Spiel (ludus) bei den Römern geradezu mit demselben Worte bezeichnet wurden. Dennoch ist der alte Gedanke (schon bei Platon), daß die Kinder am besten spielend lernen, nur zum Teil wahr und schon bei der Jugend Arbeit und Spiel trotz aller Verwandtschaft sehr wohl zu unterscheiden. Beide jedoch erheischen gleiche Aufmerksamkeit der Erzieher. Wenn im ganzen jene mehr der Schule (dem Lehrer), dieses dem Hause (Eltern) angehört, so darf doch die Scheidung keine schroffe sein. Namentlich die Bewegungsspiele der Jugend, die von den stillern Geistes- und Gesellschaftsspielen (Schach, Brettspiele, Rat- und Pfänderspiele, Schauspiele) sich deutlich abheben, hat auch die öffentliche Schulerziehung sorgsam zu beachten. Aus der Geschichte der Erziehung sind in dieser Hinsicht ganz besonders im Altertum die Griechen, in der neuern Zeit die Engländer zu beachten, die dem gymnastischen J. ernste Pflege und breiten Raum, ja geradezu Gleichberechtigung mit der geistigen Erziehung gewähren. In Deutschland traten bereits im 18. Jahrh. die Philanthropen, besonders Guts Muths, im Beginne des 19. Jahrh. Frd. L. Jahn für kräftigende J. ein, denen denn auch seither an vielen Erziehungsanstalten und Schulen warme Pflege im engern oder weitern Anschluß an den Turnunterricht zuteil ward. Doch war man in weiten Kreisen überzeugt, daß für diese gute Sache noch weit mehr geschehen müßte. Daher fand der Erlaß des preußischen Kultusministers v. Goßler

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vom 27. Okt. 1882, der dieser Überzeugung entschiedenen Ausdruck gab, allgemeinen freudigen Widerhall in ganz Deutschland. Der infolge davon erwachende Wetteifer knüpfte sein Bemühen teils an die längst betriebenen Turnspiele, teils suchte er das englische Jugendspiel mutatis mutandis nach Deutschland zu verpflanzen. Aus diesen beiden Strömungen sowie aus dem Übereifer der einen, welche die J. zum pflichtigen Bestandteile des Unterrichts (mindestens an höhern Schulen) machen möchten, und der Skeptik der andern bildet sich allmählich in Deutschland eine feste mittlere Tradition, für die besonders das tatkräftige Vorgehen der städtischen Schulen in Görlitz (Abgeordneter v. Schenckendorff, Gymnasialdirektor Eitner) und Braunschweig (Professor Koch), die ermunternde Teilnahme zahlreicher städtischer und staatlicher Schulbehörden und der 40. Versammlung der Philologen und Schulmänner Deutschlands (Görlitz 1889) sowie die Gründung des Deutschen Vereins für Jugend- und Volksspiele (1891) und seines Zentralausschusses maßgebend geworden sind. In Görlitz, Braunschweig u. a. O. finden jährlich Kurse zur Ausbildung von Lehrern für Pflege der J. statt, die außerdem für die Volksschule (Knaben und Mädchen) in den durch die Verhältnisse bedingten Schranken die Lehrerseminare in Deutschland eifrig anstreben. Nach statistischer Erhebung des genannten Vereins war das Jugendspiel in engerm oder loserm Anschluß an den Schulbetrieb 1893 bereits in 543 deutschen Städten eingeführt. Vgl. Guts Muths, Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes (8. Aufl. von Lion, Hof 1893); Mittenzwey, Das Spiel im Freien (2. Aufl., Leipz. 1897), Das Spiel im Zimmer (das. 1887) und Die Pflege der Bewegungsspiele (das. 1896); Koch, Wodurch sichern wir das Bestehen der Schulspiele? (das. 1887); Lausch, Sammlung beliebter Kinderspiele (6. Aufl., das. 1899); W. Meyer, Nationale Wettspiele (Hannover 1888); Raydt, Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Englische Schulbilder in deutschem Rahmen (das. 1889) und Die deutschen Städte und das Jugendspiel (das. 1891); Kohlrausch u. Marten, Turnspiele nebst Anleitung zu Wettkämpfen und Turnfahrten (6. Aufl., das. 1898); Kupfermann Turnunterricht und J. (Bresl. 1884); Güßfeldt, Erziehung der deutschen Jugend (3. Aufl., Berl. 1890); Eitner, Die J. (8. Aufl., Leipz. 1893); Lion und Wortmann, Katechismus der Bewegungsspiele (das. 1891); Zettler, Die Bewegungsspiele (Wien 1893); v. Woikowsky-Biedau, Das Bewegungsspiel in der deutschen Volkshygiene und Volkserziehung (Leipz. 1895); Trapp und Pinzke, Das Bewegungsspiel (7. Aufl., Langens. 1900); Hachmeister, J. in alter und neuer Zeit (Leipz. 1898); die »Schriften des Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und J.«, darin das »Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele« (das. 1891 f., seit 1904 u. d. T. »Wehrkraft durch Erziehung«); die »Zeitschrift für Turnen und Jugendspiel« (hrsg. von Schnell u. Wickenhagen, das. 1892 f., seit 1902 u. d. T.: »Körper und Geist«). Übrigens geht der deutschen Bewegung für die J. verwandtes Streben unter vielfacher Wechselwirkung auch in manchen andern Ländern zur Seite. Gedacht sei nur beispielsweise der musterhaft eingerichteten Spielgärten (speeltuins) in Amsterdam.
 
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Jugendstil, allgemeine, auf der Kunstgewerbeausstellung in Leipzig 1897 aufgekommene Bezeichnung für die Stilrichtung im deutschen Kunstgewerbe, die sich von der Überlieferung unabhängig zu machen und den modernen Zeitgeist in ihren Erzeugnissen widerzuspiegeln sucht. Der Name ist von der ebenfalls moderne Bestrebungen vertretenden Münchener Zeitschrift »Jugend« (s. d.) abgeleitet worden.
 
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Jugendvereine, s. Meyers Jünglingsvereine.
 
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Jugendwehren, Versuche einer militärischen Ausbildung der Knaben und Jünglinge vor ihrem kriegsfähigen Alter, als deren Erfolge man sich verspricht: kriegerische Eigenschaften früher zu wecken, die Wehrfähigkeit zu einer wirklich allgemeinen zu machen und die volkswirtschaftlich unproduktivere Dienstzeit im stehenden Heer möglichst zu verkürzen. Wegen ihres besondern Wertes für Milizwehrverfassungen und wegen ihrer Unterstützung durch demokratische, auf allgemeine Volksbewaffnung gerichtete Tendenzen haben sie besonders in der Schweiz Eingang gefunden als sogen. Kadettenkorps, die nicht, wie unsre deutschen Kadettenanstalten, für die Ausbildung von Berufsoffizieren bestimmt sind. Doch finden sie sich auch dort nur in den größern Städten einiger deutschen Kantone, ohne gesetzlich in die Militärorganisation der Schweiz eingefügt zu sein, und ohne daß die neuern dortigen Verfügungen über die Vorbereitung des Wehrdienstes durch den Schulturnunterricht ihre allgemeinere Einführung erstrebten. Die infolge der Kriegserregung von 1859 auch in Süddeutschland, besonders in Württemberg, entstandenen J. haben sich gegenüber den ernstern Anforderungen der allgemeinen Wehrpflicht und der Einführung eines geregelten Schulturnunterrichts nicht viel über 1866 hinaus gehalten. Vgl. »Vier Preisschriften über die Vereinigung der militärischen Instruktion mit der Volkserziehung« (Bern 1863) und »Jugendwehr und Turnen«, herausgegeben vom Salzburger Turnverein (Salzb. 1876). Ähnliche, auf eine allgemeine militärische Jugenderziehung mit erheblicher Abkürzung der wirklichen Heeresdienstzeit gerichtete Pläne sind in Deutschland seit den Gneisenau-Scharnhorstschen Militärreformen der Befreiungskriege nicht selten infolge einzelner Kriege oder Kriegserwartungen aufgetaucht und werden neuerdings besonders von der sozialistischen Partei unterstützt, haben jedoch die pädagogisch wie militärisch gleich fest begründete Überzeugung nicht allgemein erschüttern können, daß der Jugenderziehung wohl die allgemein leibliche und geistige Vorbildung auch für den Wehrdienst zukomme, die besondern militärischen Eigenschaften und Fertigkeiten jedoch nirgends sicherer, rascher und billiger als in den geschlossenen militärischen Verbänden erworben werden. Von demselben Standpunkt aus sind auch die in einzelnen Städten aufgekommenen Exerzierschulen für Knaben zu beurteilen. Nach 1871 sind den J. ähnliche Einrichtungen, sogen. Schülerbataillone, in Paris und andern französischen Städten ins Leben gerufen worden, haben aber auch dort den großen auf sie gesetzten Hoffnungen nicht entsprochen. Die neuerdings in Berlin (1896) und andern Großstädten begründeten J. bezwecken mehr eine angemessene Beschäftigung der zwischen der Schul- und Wehrpflicht stehenden Jahrgänge in ihrer Freizeit. Vgl. Stürenburg, Wehrpflicht und Erziehung (Berl. 1879); »Wehrkraft durch Erziehung« (Jahrbuch, hrsg. von Schenckendorff und Lorenz, Leipz. 1904 f.).
 
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Jugenheim (J. an der Bergstraße), Dorf und Luftkurort in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim, 162 m ü. M., an der Bergstraße und der preußisch-hessischen Staatsbahnlinie Bickenbach-Seeheim, hat eine evang. Kirche, eine Oberförsterei, Stärkefabrikation und (1900) 1145 Einw. Dabei Schloß

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Heiligenberg in reizender Lage auf einem Randberge des Odenwaldes mit dem Mausoleum des Prinzen Alexander von Hessen und seiner Gemahlin sowie die Kloster- und Burgruine Bickenbach. J. gehörte früher den Schenken von Erbach und kam 1714 an Hessen-Darmstadt.
 
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Jugĕrum (lat.), bei den Römern die Einheit des Flächenmaßes, ein Rechteck von 240 röm. Fuß Länge und 120 Fuß Breite = 28,800 röm. Quadratfuß = 2518,88 qm = 0,99 preuß. Morgen. 200 Jugera bildeten eine Centuria (= 50,364 Hektar). Weil man bei Ackervermessungen immer vom J. ausging, so nannte man die Verteilung der Äcker Jugeratio.
 
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Juggurnant (Dschagannath), s. Meyers Puri Dschagannath.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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