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Jugendliche Verbrecher bis Jugenheim (Bd. 6, Sp. 353 bis 357)
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Artikelverweis Jugendliche Verbrecher. Die Gesetzgebung unsrer Tage ist, im Gegensatze zu dem französischen Rechte, dem Preußen 1851 und Bayern 1861 folgten, überwiegend zu dem gemeinrechtlichen Grundsatze zurückgekehrt, nach dem in Beziehung auf die Strafmündigkeit drei Altersstufen unterschieden werden: 1) die Stufe der unbedingten Strafunmündigkeit, 2) der bedingten, 3) der unbedingten Strafmündigkeit. Die erste dieser drei Stufen reicht nach deutschem Reichsrecht bis zum vollendeten 12. Lebensjahr. Jede strafrechtliche Verfolgung ist in diesem Lebensalter unbedingt ausgeschlossen (Strafgesetzbuch, § 55). Jedoch können nach Maßgabe der landesgesetzlichen Vorschriften die zur Besserung und Beaufsichtigung geeigneten Maßregeln getroffen, insbes. die Unterbringung in eine Erziehungs- oder Besserungsanstalt angeordnet werden, nachdem durch Beschluß der Vormundschaftsbehörde die Begehung der Handlung festgestellt und die Unterbringung für zulässig erklärt ist (Strafgesetznovelle vom 26. Febr. 1876). Dagegen bedarf es für die Stufe der bedingten Strafmündigkeit, die vom vollendeten 12. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr reicht, in jedem Einzelfall der Feststellung durch den erkennenden Richter, ob der Angeklagte bei Begehung der Tat die zur Erkenntnis ihrer Strafbarkeit erforderliche Einsicht (das »Unterscheidungsvermögen« des preußischen, das »discernement« des französischen Rechtes) besessen hat oder nicht. Wird die erforderliche Einsicht verneint, so ist der Angeklagte freizusprechen (Strafgesetzbuch, § 56). In dem Urteil ist zu bestimmen, ob der Freigesprochene seiner Familie überwiesen oder in eine Erziehungs- oder Besserungsanstalt gebracht werden soll. In der Anstalt ist er so lange zu behalten, als die der Anstalt vorgesetzte Behörde solches für erforderlich erachtet, jedoch nicht über das vollendete 20. Lebensjahr (Strafgesetzbuch, § 56). Nach den verschiedenen Zwangserziehungsgesetzen kann ferner das Vormundschaftsgericht zum Zweck der Erziehung die Unterbringung eines Minderjährigen in einer geeigneten Familie oder in einer Erziehungs- oder Besserungsanstalt auf öffentliche Kosten an ordnen, wenn derselbe eine strafbare Handlung begangen hat, wegen deren er in Anbetracht seines jugendlichen Alters strafrechtlich nicht verfolgt werden kann (vgl. Zwangserziehung). Wird dagegen die erforderliche Einsicht bejaht, so tritt eine wesentliche Strafmilderung ein (Strafgesetzbuch, § 57). Statt Todesstrafe und lebenslänglichem Zuchthaus ist auf Gefängnis von 315 Jahren, statt lebenslänglicher Festungshaft auf solche von 315 Jahre zu erkennen; in allen übrigen Fällen ist die Strafe zwischen dem gesetzlichen Mindestbetrag der angedrohten Strafart und der Hälfte des Höchstbetrages der angedrohten Strafe zu bestimmen, an Stelle von Zuchthaus jedoch stets Gefängnisstrafe von gleicher Dauer zu verhängen; bei Vergehen und Übertretungen kann in besonders leichten Fällen auf Verweis erkannt werden; Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte überhaupt oder einzelner bürgerlicher Ehrenrechte sowie Zulässigkeit von Polizeiaufsicht ist nicht auszusprechen. Endlich ist die Freiheitsstrafe in besondern, zur Verbüßung von Strafen jugendlicher Personen bestimmten Anstalten oder Räumen zu vollziehen.
   Diese Bestimmungen des geltenden Rechtes sind seit einer Reihe von Jahren im Deutschen Reiche wie außerhalb Gegenstand eingehender kritischer Betrachtung, insbes. im Schoße der Internationalen kriminalistischen Vereinigung, gewesen. Den äußern Anlaß dazu gaben zunächst die Zahlen der Meyers Kriminalstatistik (s. d.), die mit erschreckender Deutlichkeit zeigt, daß die Kriminalistik der Jugendlichen im steten Wachsen begriffen ist, und daß vor allem auch die Schwere der Straftaten zunimmt. So ist durch die Kriminalstatistik ziffernmäßig festgestellt, daß die Kriminalität der Jugend verhältnismäßig größer ist als die der Erwachsenen, daß ihr verbrecherisches Handeln über Roheitsdelikte und Diebstahl weit hineingegriffen hat in das engere Gebiet der Sittlichkeitsverbrechen, und daß die Insassen der Zuchthäuser sich fast zu einem Drittel aus jugendlichen Verbrechern zusammensetzt. Während 1882 die Zahl der wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze verurteilten Personen im Alter von 1218 Jahren 30,719 betrug, ist sie bis 1901 auf 49,661 gestiegen. Das gibt eine Zunahme von 30 Proz. oder 171 auf je 100,000 Jugendliche in der Periode 18821901. Interessant ist hierbei besonders, daß die Kriminalität der weiblichen jugendlichen Verbrecher nur um 2,8 Proz., die der männlichen dagegen um 37,1 Proz. innerhalb dieser Periode zugenommen hat. Gegenüber der Kriminalität der Erwachsenen ist besonders beachtenswert, daß diese in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist, während die der jugendlichen Verbrecher von Jahr zu Jahr zugenommen hat. Allein von 190102

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ist sie von 49,661 auf 51,046 gestiegen. Vgl. die »Kriminalstatistische Karten« (im 11. Bd.), Blatt I: Deutsches Reich, Kriminalität der Jugendlichen.
   Die Maßregeln, durch die diese traurigen Erscheinungen zu bekämpfen sind, liegen auf dem Gebiete des Strafrechts und Strafprozesses, vor allem aber auf dem des Strafvollzugs. Der im September 1904 in Innsbruck abgehaltene 27. deutsche Juristentag hat sich eingehend mit diesen Fragen beschäftigt und erklärt, daß die gegenwärtige Gesetzgebung über die strafrechtliche Behandlung der jugendlichen Personen dringend der Abänderung bedarf. Als Maßnahmen, die auf gesetzgeberischem Wege zu ergreifen wären, bezeichnete er: I. In bezug auf das Strafrecht. 1) Die Altersstufe der absoluten Strafunmündigkeit ist bis zu dem vollendeten schulpflichtigen Alter (zurzeit das vollendete 14. Lebensjahr) zu erstrecken unter der Voraussetzung ausreichender disziplinarer und vormundschaftlicher Maßregeln. 2) Das Kriterium der für die Erkenntnis der Strafbarkeit erforderlichen Einsicht ist zu beseitigen. Eine Bestrafung zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr darf nur eintreten, wenn die Person geistig so weit entwickelt ist, daß der Zweck der Strafe erreicht werden kann. 3) Als obere Grenze des Alters der relativen Strafmündigkeit ist das vollendete 18. Lebensjahr festzuhalten. 4) Von den heutigen Strafmitteln sind zur Anwendung gegen Jugendliche ungeeignet: a) die Todesstrafe; b) die Zuchthausstrafe; c) die Überweisung an die Landespolizeibehörde zur Unterbringung in einem Arbeitshause; d) der Verlust bürgerlicher Ehrenrechte; e) die Polizeiaufsicht. 5) Von Freiheitsstrafen sind für Jugendliche geeignet: a) Gefängnis und Haftstrafe bis zur Höchstdauer von 15 Jahren; b) die Bestimmungen über die Jugend als Milderungsgrund für die Abmessung der Dauer der Strafe sind zu beseitigen 6) Das Amwendungsgebiet des Verweises und der Geldstrafe ist zu erweitern, unter gesetzlicher Ausgestaltung dieser Strafmittel nach Inhalt und Vollzug. 7) Die Erweiterung der Haftbarkeit der Gewalthaber der Jugendlichen für die von letztern begangenen Straftaten sowie für die erkannten Geldstrafen und die erwachsenen Prozeßkosten ist ins Auge zu fassen. 8) Anstatt oder neben der Strafe kann der Strafrichter staatlich überwachte Erziehung der Jugendlichen (Zwangserziehung, Fürsorgeerziehung) anordnen. Die Ausführung steht den dazu bestimmten Organen zu; gegen die vorzeitige Aufhebung hat die Staatsanwaltschaft ein Widerspruchsrecht, über welches das Vormundschaftsgericht entscheidet.
   II. In bezug auf den Strafprozeß. 1) Beschränkung der Anklagepflicht der Staatsanwaltschaft; an Stelle der Anklage kann Mitteilung an das Vormundschaftsgericht zur Anordnung geeigneter Maßnahmen treten 2) Beschleunigung des Verfahrens. 3) Zuziehung geeigneter Auskunftspersonen zur Feststellung der geistigen und sittlichen Reife der Jugendlichen. Die Prüfung der Zurechnungsfähigkeit hat durch einen entsprechend ausgebildeten Arzt zu erfolgen. 4) Notwendige Verteidigung. 5) Beschränkung der Öffentlichkeit des Verfahrens auf die Zulassung der Gewalthaber, Seelsorger, Lehrer, Dienst- und Lehrherren und ähnlicher in persönlicher Beziehung zu den Jugendlichen stehenden Personen. 6) Regelung der Untersuchungshaft dahin, daß jugendliche Untersuchungsgefangene in der Regel allein, mit Erwachsenen niemals zusammen zu verwahren sind.
   III. In bezug auf den Strafvollzug. 1) Alle Freiheitsstrafen gegen Jugendliche müssen in besondern, nur für sie bestimmten Abteilungen oder Anstalten vollzogen werden. 2) Die Einrichtung und Leitung dieser Abteilungen und Anstalten sowie die Behandlung der Jugendlichen muß derart geordnet sein, daß neben dem Ernste der Strafe die geistige, sittliche und körperliche Erziehung der Jugendlichen zu ihrem vollen Rechte kommt. 3) Von dem Strafaufschub und der vorläufigen Entlassung ist bei Jugendlichen in ausgedehnterm Maße Gebrauch zu machen; insbes. soll die letztere nicht an die für Erwachsene geltenden Beschränkungen gebunden sein. 4) Die Fürsorge für solche Jugendliche, die aus der Strafhaft vorläufig oder endgültig entlassen sind, oder denen Strafaufschub mit Aussicht auf Begnadigung bewilligt ist, oder die bei Einführung der bedingten Verurteilung bedingt verurteilt sind, ist gesetzlich dahin zu regeln, daß dabei der Staat durch die Vormundschaftsorgane mitwirkt. 5) Die Strafe der Jugendlichen soll aus den Strafregistern gelöscht werden, wenn sie während einer Zeit, die der Verjährungszeit entspricht und mindestens zwei, höchstens zehn Jahre beträgt, sich tadellos verhalten haben. Damit soll nicht ausgeschlossen sein, daß ähnliche Maßregeln auch für Erwachsene ergriffen werden. Diese Vorschläge sind um so bedeutsamer, als sie von dem Leiter des Strafanstaltswesens im preußischen Ministerium des Innern, dem frühern Direktor des Zuchthauses Moabit, Geheimen Oberregierungsrat Krohne, ausgingen. Einen großen Schritt auf dem Wege zur Hebung und Rettung jugendlicher Verbrecher hat man in Deutschland jedenfalls durch Einführung der Meyers Bedingten Begnadigung (s. d.), die in richtiger Erkenntnis insonderheit jugendlichen Verbrechern gegenüber am Platz ist, und durch die Regelung der sogen. Meyers Zwangserziehung (s. d.) getan. Immerhin steht Deutschland in der Behandlung der Jugendlichen in und außerhalb des Gerichts, sowohl was öffentliche Fürsorge wie private Tätigkeit anlangt, hinter England, Frankreich und Belgien zurück. Vgl. Aschrott, Die Behandlung der verwahrlosten und verbrecherischen Jugend und Vorschläge zur Reform (Berl. 1892); Appelius, Die Behandlung jugendlicher Verbrecher und verwahrloster Kinder. Bericht an die internationale kriminalistische Vereinigung (das. 1892); Verhandlungen der deutschen Landesgruppe der internationalen kriminalistischen Vereinigung 1893 (»Zeitschrift für die gesetzliche Strafrechtswissenschaft«, Bd. 13, S. 741); Lenz, Die Zwangserziehung in England (Stuttg. 1894); v. Slupecki, Die Lehre von den jugendlichen Verbrechern (Tübing. 1895); Morrison, Jugendliche Übeltäter (deutsch von Katscher, Leipz. 18) 9); Zucker, Über Schuld und Strafe der jugendlichen Verbrecher (Stuttg. 1899); Hoegel, Die Straffälligkeit der Jugendlichen (Leipz. 1902); Dix, Die Jugendlichen in der Sozial- und Kriminalpolitik (Jena 1902); Kitzinger, Die internationale kriminalistische Vereinigung (Münch. 1905).
 
Artikelverweis 
Jugendliteratur, s. Meyers Jugendschriften.
 
Artikelverweis 
Jugendpflege, soviel wie Meyers Jugendfürsorge (s. d.).
 
Artikelverweis 
Jugendschriften, Schriften, die bestimmt sind, der Jugend zur anregenden Unterhaltung außerhalb des eigentlichen Unterrichts zu dienen. Da selbstverständlich auch die freie Lektüre der Jugend dem allgemeinen Gesichtspunkte der Erziehung untergeordnet sein muß, berührt sich die Jugendliteratur nach der einen Seite hin mit derjenigen der Schul- und Lehrbücher. Das unterscheidende Merkmal liegt in der Bestimmung der J. für die Unterhaltung der Jugend in ihren Freistunden. Den Übergang zwischen beiden Arten bildet das zunächst Schulzwecken dienende Meyers Lesebuch (s. d.). Mit der allgemeinen Nationalliteratur berührt sich anderseits diejenige der J. in dem Kreise der volkstümlichen Literatur und namentlich der volkstümlichen Dichtung. Eine besondere Jugendliteratur ist nur so weit berechtigt, wie die volkstümliche Nationalliteratur über den Gesichtskreis der Jugend hinausreicht. Dies ist aber der Fall; denn dieser seit Herder in seinem hohen Wert erkannte Teil des Schrifttums behandelt vielfach Lebensverhältnisse und Lebensfragen, die dem Verständnis des unmündigen Alters fern liegen oder doch ihm ohne sittliche Gefahr noch nicht vorgeführt werden können. Hieraus geht hervor, daß J. für die »reifere Jugend«,

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das Jünglings- und Jungfrauenalter, im allgemeinen keine Berechtigung mehr haben. Wohl aber ist innerhalb der Jugendliteratur eine gewisse Abstufung nach dem Alter und namentlich der Unterschied zwischen eigentlichen Kinderschriften (etwa bis zum 10. oder 11. Lebensjahr) und Schriften für die bereits selbständigere und meist lesegierige, sogen. reifere Jugend der spätern Schuljahre berechtigt, weil durch die natürliche Stufenfolge der kindlichen Entwickelung bedingt, wenn auch dieser Unterschied stets ein fließender bleiben wird. In der folgenden gedrängten Übersicht der Geschichte und des gegenwärtigen Zustandes der Jugendliteratur in Deutschland ist besonders die letztere Art berücksichtigt (vgl. Kinderlieder und Kinderschriften).
   Wenn auch der Begriff eines besondern Schrifttums für die Jugend vor Erfindung des Buchdrucks nicht wohl aufkommen konnte, so ist doch schon dem Altertum der Gedanke einer Aussonderung des für die Knabenjahre Geeigneten aus Dichtung und Göttersage nicht fremd gewesen. In ziemlich entfernter Analogie zur modernen Jugendliteratur stehen die unterhaltend belehrenden chinesischen Bücher »Schiking« und »Schuking« des Konfuzius und das indische Fabelbuch »Hitopadesa«. Näher dem heutigen Verständnis liegt die Erörterung über die Jugendlektüre in Platons »Staat« (II, 17), wo von der richtigen Auswahl und Gestaltung des Unterhaltungsstoffes erwartet wird, daß die Kinder spielend das für sie Nötige lernen. Daß gewisse Zweige der Dichtung, wie z. B. die Äsopischen Fabeln, als vorzugsweises Eigentum der Jugend angesehen wurden, bezeugen vielfache Andeutungen alter Schriftsteller. Auch im Mittelalter gab es neben rein religiösen Katechismen Beispielsammlungen für die Jugend, die doch aber mehr als Vorrat und Fundgrube zum Gebrauch der Eltern, Lehrer und Paten als zur eignen Lektüre der Kinder berechnet waren. Diesen Standpunkt nimmt unter andern noch Luther ein, der sich der wundersamen Historien und Märchen seiner Kinderjahre um kein Gold entschlagen wollte und für Fabel und Weltgeschichte im Interesse der Jugend tätigen Eifer bewies, auch selbst den rechten Ton für die Kinderwelt, wo es ihm darauf ankam, meisterhaft traf. Gegen Ende des Reformationsjahrhunderts ist der »Froschmeuseler« des Magdeburger Schulrektors G. Rollenhagen (1595) ausdrücklich der zu Weisheit und Regimenten (Staatsämtern) erzogenen (doch wohl reifern) Jugend zur anmutigen, aber sehr nützlichen Lehre gewidmet. Die Humanisten des 16. Jahrh. und die Jesuiten mit den Schulkomödien u. a. sowie die pädagogischen Realisten des 17. Jahrh. streifen den Begriff der J. öfters, besonders Comenius mit seinem berühmten »Orbis pictus« (1657), seinem »Schola ludus etc.«, seinen Schuldramen; aber bei ihnen hat sich die Scheidung der J. von den Schulbüchern noch nicht scharf vollzogen. Aus dem Ende des Jahrhunderts ist der Zittauer Rektor Chr. Weise (16421708) wegen seiner Schulkomödien wie wegen seiner »Überflüssigen, reisen und notwendigen Gedanken der grünenden Jugend« zu nennen. Den eigentlichen Anfang der modernen Jugendliteratur bezeichnen aber zwei ausländische Werke: Fénelons »Télémaque« (1690, erschien 1717) und Daniel Defoes »Robinson Crusoe« (1719), die in ihrer Heimat überaus anregend wirkten und bald über die ganze gebildete Welt sich verbreiteten. Anerkanntes Vorbild für J. wurde Defoes »Robinson« namentlich durch Rousseaus Empfehlung (im »Émile«, 3. Buch). Aus diesen Anfängen entwickelte, wie in England und Frankreich, so auch in Deutschland, das »pädagogische Jahrhundert« eine reiche Literatur für die Jugend. 1761 begründete Adelung in Leipzig ein Wochenblatt für Kinder. 1765 begann Ch. F. Weiße (1726 bis 1804) seine fleißige Schriftstellerei für Kinder (besonders verbreitet waren das Wochenblatt »Kinderfreund«, Leipz. 177584, und »Briefwechsel der Familie des Kinderfreundes«, das. 178492). Aber in Fluß kam die Bewegung erst in dem um Basedow sich sammelnden Kreis der Philanthropen. Von Basedows Mitarbeitern widmeten sich vorzugsweise J. H. Campe (17461818) und Ch. G. Salzmann (17441811) der Jugendschriftstellerei. Des ersten J. füllen eine Sammlung von 37 Bänden, die vom 17. Band an Reisebeschreibungen, in Band 36 und 37 die Lehrschriften: »Väterlicher Rat für meine Tochter« und »Theophron, der erfahrene Ratgeber der Jugend«, enthalten. Unter allen Campeschen J. haben sich wohl nur »Robinson der Jüngere« (115. Aufl., Braunschw. 1890) und »Geschichte der Entdeckung Amerikas« (26. Aufl. 1881) bis heute in den Händen der Jugend erhalten. Auch Salzmanns »Unterhaltungen für Kinder und Kinderfreunde« (Leipz. 1811, 4 Bde.) haben ihre Zeit längst gehabt. Vor 100 Jahren galten sie jedoch als bedeutende Erscheinungen und riefen eine Hochflut von mehr oder minder gelungenen Nachahmungen hervor. Während der Grundton dieser Schriften der sittlich ehrenwerte, aber nüchterne und oft kleinlich lehrhafte des damaligen Rationalismus ist, versuchte Herder (17441803) in seinen »Palmblättern« (mit Liebeskind, 17871800) der Jugendliteratur ein edleres, mehr auf Phantasie und Gemüt wirkendes Gepräge zu geben. Noch stärker betonte die christliche Grundansicht in seinen J. der Erfurter Geistliche K. Fr. Lossius (17351817), dessen »Gumal und Lina«, die Geschichte einer Art Missionsstation unter den Heiden enthaltend, sich noch bis heute hier und da behauptet hat. Aus der folgenden Generation sind der protestantische Österreicher J. Glatz (17671831), die Preußen J. A. Ch. Löhr (17641823), F. Ph. Wilmsen (17701821) und der berühmte Gothaer Philolog Fr. Jacobs (17641847) hervorzuheben.
   In eine neue, vorwiegend auf das religiöse Leben gerichtete Bahn lenkte die Jugendschriftstellerei Christoph v. Schmid (17681854), zuletzt Domherr in Augsburg, der liebens- und ehrwürdige »Verfasser der;Ostereier'« und noch etwa 60 andrer Erzählungen, dem auf protestantischer Seite die Theologen F. A. Krummacher (17681845), K. Stöber (gest. 1865), Chr. G. Barth (17991862) und G. H. v. Schubert (17801860) folgten. Bis an die Gegenwart und teilweise in diese reichen deren Epigonen G. Nieritz (17951876), Franz Hoffmann (181482), beide mehr durch Fruchtbarkeit und liebenswürdige Breite als durch Kraft und Frische ausgezeichnet, Fr. Wiedemann (182182), R. Baron (180990), Ottilie Wildermuth (181777), Thekla v. Gumpert (Frau v. Schober, 181097), die Herausgeberin des »Töchteralbums« (seit 1855). Auch kann manches aus der volkstümlichen Erzählungsliteratur hierher gerechnet werden, wie einzelne Schriften von W. O. v. Horn (Ortel, 17981865), O. Glaubrecht (Oser, 18071859) u. a. - Eine andre Gruppe von Jugendschriftstellern setzte der jungen Welt statt eigner Dichtungen lieber altbewährte Stoffe aus Sage und Geschichte vor; so K. F. Becker (17771806) in den noch heute verbreiteten »Erzählungen aus der Alten Welt«;

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Gustav Schwab (17921850) in den »Schönsten Sagen des klassischen Altertums«. Durch die Brüder Grimm, deren eigne berühmte Märchensammlung mehr für Mütter als für Kinder bestimmt ist, wurde die Aufmerksamkeit auch auf den deutschen Märchen- und Sagenschatz gelenkt und dieser durch Bechstein (180160), Simrock (180276), Osterwald (1820 bis 1887) u. a. für die deutsche Jugend flüssig gemacht. Andre wieder bearbeiteten die vaterländische Geschichte und schilderten den jungen Lesern besonders die Heldengestalten des deutschen Volkes. Gerade dieses Schrifttum der patriotischen J. ist seit 1870 sehr ins Kraut geschossen und hat neben vielem Trefflichen auch gar manches Überspannte und Einseitige hervorgebracht. Nicht unbedenklich ist es auch, wenn der Jugend das Geschichtliche in romanhafter Form dargebracht wird, und besonders, wenn berühmte historische Romane »in usum Delphini« zugestutzt werden, obgleich unleugbar auf diese Weise auch manches treffliche Buch für jugendliche Leser entstanden ist. Neben der historischen hat sich endlich auch eine ganze Literatur belehrender J. naturwissenschaftlicher und technischer Richtung herausgebildet, die ihre jungen Leser mit offenen Augen und empfänglichem Sinne beobachten lehren und sie zu tätigem Sammeln und sinnigem, eigenem Arbeiten anleiten will. Große Fortschritte sind endlich in der äußern Ausstattung der J. wie in der Buchkunst überhaupt gemacht worden.
   So fehlt es der deutschen Jugendliteratur nicht an Reichtum und Mannigfaltigkeit. Vielmehr ist sie fast unnatürlich angeschwollen, und die Überfülle macht es Eltern und Erziehern immer schwerer, das Gediegene aus der Masse des Minderwertigen und Einseitigen herauszufinden. Um darin zu Hilfe zu kommen, haben seit einem Menschenalter in steigendem Maße einzelne Schriftsteller, gemeinnützige Gesellschaften, pädagogische Zeitschriften, Lehrervereine sich der Kritik der J. angenommen, Musterkataloge empfehlenswerter Bücher aufgestellt etc. Auch diese kritische Literatur über die J. nimmt bereits unabsehbare Fülle an. Schärfere Tonart ist in diese Kritik gekommen besonders durch H. Wolgast-Hamburg, der in seiner Schrift »Das Elend unserer Jugendliteratur« (1896) der »spezifischen Jugendschrift« überhaupt das Existenzrecht absprach und verlangte, daß der Jugend im wesentlichen nur das für sie Geeignete aus der klassischen Nationalliteratur dargeboten werden soll. In diesem Sinne leitet er seither das Organ der vereinigten deutschen Prüfungsausschüsse für J., die »Jugendschriftenwarte«, und arbeiten diese Ausschüsse selbst. Gewiß ist durch ihre Arbeit viel Gutes geleistet und durch die Diskussion die kritische Aufmerksamkeit geweckt worden. Indes hat das Vorgehen der vereinigten Ausschüsse auch viel Widerspruch gefunden, der sich gegen einzelne unleugbare Mißgriffe und besonders gegen die Ablehnung jeder sogen. Tendenz (religiöser, ethischer, patriotischer, überhaupt belehrender) und einseitige Betonung des ästhetischen Gesichtspunktes richtet. Der Gegensatz trat besonders scharf auf dem zweiten Kunsterziehungstag in Weimar, im Oktober 1903, hervor, wo Wolgast seine Sache persönlich vertrat.
   Vgl. Merget, Geschichte der deutschen Jugendliteratur (3. Aufl. von Berthold, Berl. 1882); Theden, Die deutsche Jugendliteratur, kritisch und systematisch dargestellt (2. Aufl., Hamb. 1893); Fricke, Grundriß der Geschichte deutscher Jugendliteratur (Mind. 1886); Göhring, Die Anfänge der deutschen Jugendliteratur im 18. Jahrhundert (Nürnb. 1904); Dreyer, Die Jugendliteratur (Gotha 1888); Mitscher und Röstell, Die evangelische Volks- und Schülerbibliothek (Berl. 1892); Kühner, Jugendschriften (in Schmid-Schraders »Enzyklopädie des gesamten Erziehungswesens«, 2. Aufl., Bd. 3, Leipz. 1880); Hel. Höhnck, Jugendliteratur (in Reins »Enzyklopädischem Handbuch der Pädagogik«, Bd. 3, Langens. 1897); Moißl und Krautstengl, Die deutsch-österreichische Jugendliteratur (Aussig 1900); Wolgast, Das Elend unsrer Jugendliteratur (Hamb. 1896); »Kunsterziehung. Ergebnisse und Anregungen des 2. Kunsterziehungstages« (Leipz. 1904). Zeitschriften: »Jugendschriftenwarte« (1893 ff., seit 1897 hrsg. von Wolgast-Hamburg) und »Volks- und Jugendschriftenrundschau« (Hamb., hrsg. von Sydow). Hierher gehört auch das jährlich neu bearbeitete Verzeichnis der Vereinigten Ausschüsse: »Empfehlenswerte J.« (Leipzig) sowie die Übersicht über neue J. im »Pädagogischen Jahresbericht«. Vom katholischen Gesichtspunkt aufgefaßt sind: E. Fischer, Die Großmacht der Jugend- und Volksliteratur (Wien 1877, 4 Bde.); Rolfus, Verzeichnis ausgewählter Jugend- und Volksschriften (Freiburg 1892); Herold, Jugendlektüre und Schülerbibliotheken (2. Aufl., Münster 1898).
 
Artikelverweis 
Jugendschutz, s. Meyers Jugendfürsorge.
 
Artikelverweis 
Jugendsparkassen, s. Meyers Sparkassen.
 
Artikelverweis 
Jugendspiele. Das Meyers Spiel (s. d.), d. h. sinnvolle, aber nur zur Erheiterung und Unterhaltung, nicht zur Schaffung bleibender Güter bestimmte und dadurch von der Arbeit unterschiedene Tätigkeit, ist für gesunde Menschen unentbehrlich, so daß nur Art und Maß dieser Tätigkeit fraglich sein können. Besonders bedeutsam ist das Spiel für die unmündige Jugend, die eigentlicher Arbeit noch unfähig ist. Selbst die Erziehung zur Arbeit nimmt bei ihr mehr oder weniger die Gestalt des Spieles, einer an sich unfruchtbaren und wertlosen, nur für geistige Anregung wie für Entwickelung der Kraft und Geschicklichkeit diensamen Übung an. Daher Erziehung und Spiel (paideía-paidia) bei den alten Griechen verwandte Namen tragen, Kinderschule und Spiel (ludus) bei den Römern geradezu mit demselben Worte bezeichnet wurden. Dennoch ist der alte Gedanke (schon bei Platon), daß die Kinder am besten spielend lernen, nur zum Teil wahr und schon bei der Jugend Arbeit und Spiel trotz aller Verwandtschaft sehr wohl zu unterscheiden. Beide jedoch erheischen gleiche Aufmerksamkeit der Erzieher. Wenn im ganzen jene mehr der Schule (dem Lehrer), dieses dem Hause (Eltern) angehört, so darf doch die Scheidung keine schroffe sein. Namentlich die Bewegungsspiele der Jugend, die von den stillern Geistes- und Gesellschaftsspielen (Schach, Brettspiele, Rat- und Pfänderspiele, Schauspiele) sich deutlich abheben, hat auch die öffentliche Schulerziehung sorgsam zu beachten. Aus der Geschichte der Erziehung sind in dieser Hinsicht ganz besonders im Altertum die Griechen, in der neuern Zeit die Engländer zu beachten, die dem gymnastischen J. ernste Pflege und breiten Raum, ja geradezu Gleichberechtigung mit der geistigen Erziehung gewähren. In Deutschland traten bereits im 18. Jahrh. die Philanthropen, besonders Guts Muths, im Beginne des 19. Jahrh. Frd. L. Jahn für kräftigende J. ein, denen denn auch seither an vielen Erziehungsanstalten und Schulen warme Pflege im engern oder weitern Anschluß an den Turnunterricht zuteil ward. Doch war man in weiten Kreisen überzeugt, daß für diese gute Sache noch weit mehr geschehen müßte. Daher fand der Erlaß des preußischen Kultusministers v. Goßler

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vom 27. Okt. 1882, der dieser Überzeugung entschiedenen Ausdruck gab, allgemeinen freudigen Widerhall in ganz Deutschland. Der infolge davon erwachende Wetteifer knüpfte sein Bemühen teils an die längst betriebenen Turnspiele, teils suchte er das englische Jugendspiel mutatis mutandis nach Deutschland zu verpflanzen. Aus diesen beiden Strömungen sowie aus dem Übereifer der einen, welche die J. zum pflichtigen Bestandteile des Unterrichts (mindestens an höhern Schulen) machen möchten, und der Skeptik der andern bildet sich allmählich in Deutschland eine feste mittlere Tradition, für die besonders das tatkräftige Vorgehen der städtischen Schulen in Görlitz (Abgeordneter v. Schenckendorff, Gymnasialdirektor Eitner) und Braunschweig (Professor Koch), die ermunternde Teilnahme zahlreicher städtischer und staatlicher Schulbehörden und der 40. Versammlung der Philologen und Schulmänner Deutschlands (Görlitz 1889) sowie die Gründung des Deutschen Vereins für Jugend- und Volksspiele (1891) und seines Zentralausschusses maßgebend geworden sind. In Görlitz, Braunschweig u. a. O. finden jährlich Kurse zur Ausbildung von Lehrern für Pflege der J. statt, die außerdem für die Volksschule (Knaben und Mädchen) in den durch die Verhältnisse bedingten Schranken die Lehrerseminare in Deutschland eifrig anstreben. Nach statistischer Erhebung des genannten Vereins war das Jugendspiel in engerm oder loserm Anschluß an den Schulbetrieb 1893 bereits in 543 deutschen Städten eingeführt. Vgl. Guts Muths, Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes (8. Aufl. von Lion, Hof 1893); Mittenzwey, Das Spiel im Freien (2. Aufl., Leipz. 1897), Das Spiel im Zimmer (das. 1887) und Die Pflege der Bewegungsspiele (das. 1896); Koch, Wodurch sichern wir das Bestehen der Schulspiele? (das. 1887); Lausch, Sammlung beliebter Kinderspiele (6. Aufl., das. 1899); W. Meyer, Nationale Wettspiele (Hannover 1888); Raydt, Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Englische Schulbilder in deutschem Rahmen (das. 1889) und Die deutschen Städte und das Jugendspiel (das. 1891); Kohlrausch u. Marten, Turnspiele nebst Anleitung zu Wettkämpfen und Turnfahrten (6. Aufl., das. 1898); Kupfermann Turnunterricht und J. (Bresl. 1884); Güßfeldt, Erziehung der deutschen Jugend (3. Aufl., Berl. 1890); Eitner, Die J. (8. Aufl., Leipz. 1893); Lion und Wortmann, Katechismus der Bewegungsspiele (das. 1891); Zettler, Die Bewegungsspiele (Wien 1893); v. Woikowsky-Biedau, Das Bewegungsspiel in der deutschen Volkshygiene und Volkserziehung (Leipz. 1895); Trapp und Pinzke, Das Bewegungsspiel (7. Aufl., Langens. 1900); Hachmeister, J. in alter und neuer Zeit (Leipz. 1898); die »Schriften des Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und J.«, darin das »Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele« (das. 1891 f., seit 1904 u. d. T. »Wehrkraft durch Erziehung«); die »Zeitschrift für Turnen und Jugendspiel« (hrsg. von Schnell u. Wickenhagen, das. 1892 f., seit 1902 u. d. T.: »Körper und Geist«). Übrigens geht der deutschen Bewegung für die J. verwandtes Streben unter vielfacher Wechselwirkung auch in manchen andern Ländern zur Seite. Gedacht sei nur beispielsweise der musterhaft eingerichteten Spielgärten (speeltuins) in Amsterdam.
 
Artikelverweis 
Jugendstil, allgemeine, auf der Kunstgewerbeausstellung in Leipzig 1897 aufgekommene Bezeichnung für die Stilrichtung im deutschen Kunstgewerbe, die sich von der Überlieferung unabhängig zu machen und den modernen Zeitgeist in ihren Erzeugnissen widerzuspiegeln sucht. Der Name ist von der ebenfalls moderne Bestrebungen vertretenden Münchener Zeitschrift »Jugend« (s. d.) abgeleitet worden.
 
Artikelverweis 
Jugendvereine, s. Meyers Jünglingsvereine.
 
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Jugendwehren, Versuche einer militärischen Ausbildung der Knaben und Jünglinge vor ihrem kriegsfähigen Alter, als deren Erfolge man sich verspricht: kriegerische Eigenschaften früher zu wecken, die Wehrfähigkeit zu einer wirklich allgemeinen zu machen und die volkswirtschaftlich unproduktivere Dienstzeit im stehenden Heer möglichst zu verkürzen. Wegen ihres besondern Wertes für Milizwehrverfassungen und wegen ihrer Unterstützung durch demokratische, auf allgemeine Volksbewaffnung gerichtete Tendenzen haben sie besonders in der Schweiz Eingang gefunden als sogen. Kadettenkorps, die nicht, wie unsre deutschen Kadettenanstalten, für die Ausbildung von Berufsoffizieren bestimmt sind. Doch finden sie sich auch dort nur in den größern Städten einiger deutschen Kantone, ohne gesetzlich in die Militärorganisation der Schweiz eingefügt zu sein, und ohne daß die neuern dortigen Verfügungen über die Vorbereitung des Wehrdienstes durch den Schulturnunterricht ihre allgemeinere Einführung erstrebten. Die infolge der Kriegserregung von 1859 auch in Süddeutschland, besonders in Württemberg, entstandenen J. haben sich gegenüber den ernstern Anforderungen der allgemeinen Wehrpflicht und der Einführung eines geregelten Schulturnunterrichts nicht viel über 1866 hinaus gehalten. Vgl. »Vier Preisschriften über die Vereinigung der militärischen Instruktion mit der Volkserziehung« (Bern 1863) und »Jugendwehr und Turnen«, herausgegeben vom Salzburger Turnverein (Salzb. 1876). Ähnliche, auf eine allgemeine militärische Jugenderziehung mit erheblicher Abkürzung der wirklichen Heeresdienstzeit gerichtete Pläne sind in Deutschland seit den Gneisenau-Scharnhorstschen Militärreformen der Befreiungskriege nicht selten infolge einzelner Kriege oder Kriegserwartungen aufgetaucht und werden neuerdings besonders von der sozialistischen Partei unterstützt, haben jedoch die pädagogisch wie militärisch gleich fest begründete Überzeugung nicht allgemein erschüttern können, daß der Jugenderziehung wohl die allgemein leibliche und geistige Vorbildung auch für den Wehrdienst zukomme, die besondern militärischen Eigenschaften und Fertigkeiten jedoch nirgends sicherer, rascher und billiger als in den geschlossenen militärischen Verbänden erworben werden. Von demselben Standpunkt aus sind auch die in einzelnen Städten aufgekommenen Exerzierschulen für Knaben zu beurteilen. Nach 1871 sind den J. ähnliche Einrichtungen, sogen. Schülerbataillone, in Paris und andern französischen Städten ins Leben gerufen worden, haben aber auch dort den großen auf sie gesetzten Hoffnungen nicht entsprochen. Die neuerdings in Berlin (1896) und andern Großstädten begründeten J. bezwecken mehr eine angemessene Beschäftigung der zwischen der Schul- und Wehrpflicht stehenden Jahrgänge in ihrer Freizeit. Vgl. Stürenburg, Wehrpflicht und Erziehung (Berl. 1879); »Wehrkraft durch Erziehung« (Jahrbuch, hrsg. von Schenckendorff und Lorenz, Leipz. 1904 f.).
 
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Jugenheim (J. an der Bergstraße), Dorf und Luftkurort in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim, 162 m ü. M., an der Bergstraße und der preußisch-hessischen Staatsbahnlinie Bickenbach-Seeheim, hat eine evang. Kirche, eine Oberförsterei, Stärkefabrikation und (1900) 1145 Einw. Dabei Schloß

[Bd. 6, Sp. 358]


Heiligenberg in reizender Lage auf einem Randberge des Odenwaldes mit dem Mausoleum des Prinzen Alexander von Hessen und seiner Gemahlin sowie die Kloster- und Burgruine Bickenbach. J. gehörte früher den Schenken von Erbach und kam 1714 an Hessen-Darmstadt.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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