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Judic bis Jüdisch-deutscher Dialekt (Bd. 6, Sp. 343)
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Artikelverweis Judic (spr. schüdik), Anne, geborne Damiens, franz. Schauspielerin, geb. 17. Juli 1850 in Semur (Côte-d'Or), wurde Verkäuferin in einem Weißwarengeschäft und besuchte, als sich bei ihr ein ausgesprochenes Talent für das Theater bemerkbar machte, das Konservatorium in Paris, wo sie unter Regnier Gesang studierte. Sie debütierte 1867 am Gymnase in einer kleinen Partie, sang darauf im Café-Concert Eldorado, 1871 in Belgien und trat, nach Paris zurückgekehrt, 1872 erst an den Folies Bergères, dann, von Offenbach engagiert, am Gaîté-Theater und schließlich an den Bouffes-Parisiens auf. Die letztern Theater wurden die Stätte ihres Ruhmes. Später trug sie viel zur Blüte der Variétés bei; die schöne Helena, Périchole, Niniche, Roussotte und ähnliche Partien in Operetten und Vaudevilles zählen zu ihren Glanzleistungen. J. hat auch in London, Petersburg, Wien, Berlin und in andern Städten teils allein, teils mit einer eignen Schauspielergesellschaft mit großen Erfolgen gastiert.
 
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Judicarĭen (ital. Giudicarie), zusammenfassende Bezeichnung des Tals der Sarca in ihrem mittlern, östlich gerichteten Lauf und des südwestlich gerichteten Tals des Chiese bis zum Idrosee in Südtirol. J. ist durch landschaftliche Schönheit und Fruchtbarkeit ausgezeichnet. Hauptorte: Tione, Stenico und Condino.
 
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Judicĭum (lat.), s. Judizium.
 
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Judĭcum (J. liber, lat.), das »Buch der Richter« in der Bibel.
 
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Judĭka (lat. judica, »richte«), Name des fünften Fastensonntags, nach dem Anfangswort von Psalm 43,1.
 
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Judikāt (lat. Judicātum), Urteil; Judikation, Be-, Aburteilung; judikatorisch, richterlich.
 
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Judikātshypothek, soviel wie Urteilshypothek oder Meyers Zwangshypothek (s. d.).
 
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Judikātsobligation, die Verpflichtung des Verurteilten, die Leistung zu erfüllen, zu der er verurteilt ist.
 
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Judikātszinsen nannte man früher die Zinsen, die der zu einer Geldleistung Verurteilte zu zahlen hatte, wenn er längere Zeit mit der Zahlung der Urteilssumme zögerte.
 
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Judikatūr (lat.), Rechtsprechung; namentlich die in den Urteilsgründen niedergelegte und in den Urteilen selbst zum Ausdruck gebrachte Rechtsanschauung, daher soviel wie Gerichtspraxis, Gerichtsgebrauch.
 
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Jüdisch-deutscher Dialekt (Judendeutsch). Die nach den Verfolgungen des Mittelalters von der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. an aus Deutschland nach dem europäischen Osten auswandernden Juden wahrten in der Fremde mit besonderer Zähigkeit ihre hochdeutsche Muttersprache, die sie für neu hinzukommende Begriffe mit hebräischen und talmudischen Ausdrücken und Fremdwörtern durchsetzten und zu einem eigenartigen Dialekt ausbildeten, der sich bis in die Neuzeit erhielt und in religiöser Volksliteratur zur Schriftsprache wurde. Bei dem in ruhigen Zeiten erfolgten Rückfluten der jüdischen Bevölkerung nach dem Westen wurde dieser Dialekt nicht aufgegeben und bildet noch heute die Umgangssprache nicht nur vieler Juden deutscher Abstammung in Rußland, Polen,

[Bd. 6, Sp. 344]


Ungarn, Bosnien, Serbien und Rumänien, sondern auch in den Ländern, in denen Jargon redende Juden eine neue Heimat fanden, wie in Deutschland, Holland, England und Amerika. Ein ähnlicher Mischdialekt, das Ladino, hat sich bei den aus Spanien stammenden Juden im Orient erhalten. (Vgl. M. Grünbaum, Jüdisch-spanische Chrestomathie, Frankf. 1896.) Man kann im Jüdisch-Deutschen vier Elementarbestandteile unterscheiden: 1) das Hebräische und zwar für Gegenstände aus dem Kreise des Judentums und des jüdischen religiösen und privaten Lebens, bei Begriffsformen, mit denen die jüdischen Studien vertraut machten, und bei Ausdrücken, bei denen man absichtlich die Landessprache vermied; 2) Kompositionen des Hebräischen und der Landessprache in vierfacher Weise: das deutsche Hilfszeitwort »sein« mit dem hebräischen Partizipium, z. B. matzil sein (erretten), meschuggo (verrückt) sein, deutsche Flexionen hebräischer Wörter, z. B. Verba durch die Endsilbenen oder n, als darschan-en (predigen), oder Adjektiva, z. B. chen-dig (anmutig) etc., Zusammensetzungen, wie Schabbeslicht (Sabbatlicht), Habdalabüchse (Gewürzbüchse), zu Wörtern erhobene Abkürzungen, z. B. Ra-T (Reichstaler), Pa-G (preußischer Groschen); 3) veraltetes oder fehlerhaftes Deutsch, teils in Anwendung für die jüdischen Gebräuche, z. B. ausrufen (zur Thora), lernen (als religiöses Studium), teils in Judaismen aller Art, in Flexionen und Konstruktionen oder im besondern Gebrauch der Wörter (sich kriegen statt streiten, königen statt regieren, Schule statt Gotteshaus), Redensarten und Sprichwörter, willkürliche Bildungen, z. B. jüdischen (beschneiden), teils endlich in einer beträchtlichen Anzahl von alten provinzialen Ausdrücken, z. B. as (daß), Ette (Vater), awekk (hinweg), der schrecken, entzünden (anzünden), Trären (Tränen) etc.; 4) aus der Fremde stammende Aussprache und Wörter, z. B. benschen (segnen, lat. benedicere), oren (beten, lat. orare), Pilzel (Magd, ital. pulcella), planjenen (weinen, lat. plangere), preien (einladen, franz. prier), Sargenes (Sterbehemd, ital. sargano, sargia) etc. Die jüdisch-deutsche Literatur entwickelte sich namentlich in Polen und Deutschland vor der Mitte des 16. Jahrh. zum Zweck der religiösen Erbauung und Belehrung, der Verbreitung von Übersetzungen aus der profanen Literatur sowie aus der Bibel. Sie umfaßt Paraphrasen und midraschische Ausschmückungen biblischer Bücher (Zeënu urena), religiös-ethische Schriften (z. B. Zuchtspiegel, Seelenfreude, Frauenbüchlein, Buch der Frommen u. a.), Übersetzungen der Gebetbücher, Andachtsbüchlein (Techinnot), historische Werke (Schewet Jehuda u. a.), Ritualwerke (Minhagim), Sagen- und Heldenbücher, Belletristik (Jossippon, Judith, Maassebuch, Übersetzungen von »Tausendundeine Nacht«, Rittergeschichten, König Artur, Dietrich von Bern, Flor und Blancheflur u. a.), Glossare zu Bibel und Talmud, Rechtsgutachten etc. sind im jüdisch-deutschen Dialekt abgefaßt. Seit M. Mendelssohn, dem Germanisator der in Deutschland lebenden Juden, schwand das Judendeutsch immer mehr, vegetierte aber weiter in Rußland, Polen, Galizien, Rumänien etc., trotz der Bemühungen, es in einer Reformliteratur zur Aufklärung der Massen zu verwerten. Erst die seit 1880 in Rußland und Rumänien einsetzenden Verfolgungen und Bedrückungen der Juden und die zionistischen Bestrebungen, die »Judennot« zu lindern, zeitigten die Wiedergeburt des Jüdisch-Deutschen, das heute als Verkehrs- und Schriftsprache nicht nur der Juden in den genannten Ländern, sondern auch der in England, Amerika, Australien, Südafrika eingewanderten auf eine umfangreiche universelle Literatur hinweisen kann. Neben wissenschaftlichen, erbaulichen und andern Schriften wird die Belletristik von Schriftstellern wie Scheikewitz, Blustein, Rabinowitz, Peretz, Abramowitz, Buchbinder, Spektor u. a. gepflegt. Unter den Dichtern ragt M. Rosenfeld (»Songs from the Ghetto«, Boston 1898) hervor, während die jüdisch-deutsche Theater-Literatur in Goldfaden, Lateiner, M. Gordon u. a. namhafte Vertreter hat. Dem öffentlichen Verkehr, der Belehrung und Unterhaltung dienen zahlreiche jüdisch-deutsche Tages-, Wochen- und Witzblätter. Vgl. Jost in Ersch und Grubers »Enzyklopädie«, Bd. 27; Zunz, Gottesdienstliche Vorträge (2. Aufl., Frankf. a. M. 1892, S. 453 ff.); Grünbaum, Jüdisch-deutsche Chrestomathie (Leipz. 1882) und Die jüdisch-deutsche Literatur in Deutschland, Polen und Amerika (in Winter und Wünsche: »Die jüdische Literatur«, 3. Bd., S. 531 ff., Trier 1896); Dalman, Jüdisch-deutsche Volkslieder aus Galizien und Rußland (Leipz. 1888); L. Wiener, The history of yiddish literature in the nineteenth century (New York 1899); E. Bischoff, Jüdisch-deutscher Dolmetscher (Leipz. 1901); J. Gerzon, Die jüdisch-deutsche Sprache (Frankf. 1902). Das Jüdisch-Deutsche, eine Fundgrube für mittelhochdeutsches Sprachgut, harrt noch umfassender wissenschaftlicher Bearbeitung. Über das in der Gaunersprache (s. Kochemer-Loschen) aufgenommene und verarbeitete Judendeutsch vgl. Avé-Lallemant, Das deutsche Gaunertum, Bd. 3 u. 4 (Leipz. 1862), und Steinschneider, Hebräische Bibliographie (Berl. 1864).

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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