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Kaiphas bis Kaiser (Bd. 6, Sp. 431 bis 433)
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Artikelverweis Kaiphas, eigentlich Joseph, mit dem Beinamen K., Hoherpriester zur Zeit Jesu und bekannt aus dessen Leidensgeschichte, war 18 n. Chr. von dem römischen Prokurator Valerius Gratus ernannt und fungierte während der ganzen Prokuratur des Pontius Pilatus, ward aber 37 von dem Prokonsul Vitellius abgesetzt.
 
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Kaiping, 1) Stadt in der chines. Provinz Tschili, 120 km nordöstlich von Tiëntsin, mit reichen, lebhaft abgebauten Kohlenlagern, an der Eisenbahn Tiëntsin-Schanhaikwan. 2) (Kaitschou) Stadt nahe der Küste des Golfs von Liautung, noch innerhalb der neutralen Zone zwischen dem russischen Pachtgebiet Meyers Kwantung (s. d.) und der Mandschurei, in einem flachen Alluvialtal, mit stattlichen, aus Granit erbauten Häusern an der Eisenbahn Niutschwang-Port Arthur. K. wurde 9. Juli 1904 von den Japanern erstürmt, die sich dadurch den Weg nach Niutschwang erzwangen.
 
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Kairīn, salzsaures Oxyäthyltetrahydrochinolin C11H15NO. HCl, entsteht, wenn man Amidophenol mit Glyzerin und Schwefelsäure erhitzt, das entstandene Oxychinolin durch Behandlung mit Zinn und Salzsäure in Oxytetrahydrochinolin überführt und dies mit Jodäthyl behandelt. Es bildet farblose Kristalle, schmeckt salzig-bitter, etwas zusammenziehend, ist leicht löslich in Wasser und färbt sich leicht violett. Statt der Äthylverbindung ist auch die Methylverbindung dargestellt und angewendet worden. K. wurde von Fischer entdeckt und als Fiebermittel benutzt, bald aber durch das Antipyrin verdrängt.
 
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Kairo (Cairo, hierzu der Meyers Stadtplan und Meyers Karte der Umgebung von Kairo), arab. Mas rel Kâhira (s. unten, Geschichte), auch kurzweg Masr, Misr, Hauptstadt Ägyptens, größte Stadt Afrikas und der arabischen Welt, unter 30°6' nördl. Br. und 31°26' östl. L., am rechten Ufer des Nils, 18 km oberhalb des »Kuhbauchs«, der Spaltung des Flusses in den Rosette- und Damiettearm, am Fuß des 210 m hohen Mokattamgebirges, mit dem die Arabische Wüste im O. und S. bis hart an die Stadt heranreicht (s. Tafel Meyers »Wüstenbildungen II«, Fig. 4), während im N. das üppige Fruchtland des Deltas beginnt, Ausgangspunkt der Eisenbahnen nach Alexandria, Damiette, Suez und Assuan sowie des Kanals nach Ismaïlia. K. hat ein sehr mildes Klima (Jahrestemperatur 21,3°, Januar 12,1°, Juli 29°) und wird daher von Brustleidenden im Winter viel aufgesucht. Die Stadt mißt von N. nach S. 5 km, von W. nach O. 2,5 km und hat in den letzten Jahren nach W. sich so ausgedehnt, daß sie bereits die Ufer des Nils berührt und die Vorstadt Bulak (s. d.), den Hafen der Stadt, fast in sich aufgenommen hat. Der ursprünglich rein arabische Charakter Kairos geht immer mehr verloren, nachdem auf Anregung Ismaïl Paschas nach dem Nil zu nach Pariser Muster die Neustadt (Ismailia) mit den Ministerien der Finanzen und des Innern, der Justiz, der öffentlichen Arbeiten, sonst aber unbedeutenden Bauten entstanden ist. Zwischen beiden liegt der achteckige, 8,25 Hektar große Ezbekiehgarten mit Cafés, Sommertheater und umgeben von fast allen großen Hotels Kairos, dem Opernhaus, Postgebäude, der Börse. In der Nähe beginnt die Hauptverkehrsstraße von K., die Muski, die mit ihrer Fortsetzung, der Rue

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Neuve, die alte Stadt in ihrer ganzen Breite (1,5 km) durchzieht. Hier ist zwar das orientalische Verkehrsleben noch unverändert, doch sehen viele Läden schon ganz europäisch aus. Zu beiden Seiten liegen die arabischen Quartiere, ein wahres Labyrinth kreuz und quer laufender, winkliger Gäßchen. Einige Straßen werden nur von Handwerkern bewohnt und zwar gewöhnlich von Mitgliedern einer Zunft. Unter den Basaren ragt der Chan el Chalili, der Hassanên-Moschee gegenüber, hervor. Er besteht aus mehreren gedeckten Straßen und Höfen, in denen die verschiedensten orientalischen Waren in offenen Buden zum Verkauf ausliegen oder in Magazinen aufgestapelt sind. Neben ihm liegt der Basar der Gold- und Silberschmiede; Seiden- und Wollenstoffe werden im Basar El Ghurîye, Posamentierwaren im Basar Akkadim, Früchte und Zucker im Basar Sukkarîye, Waffen im Suz es Selah feilgehalten. Neben den Basaren erscheinen die Kaffeehäuser, zugleich Barbierstuben, und die öffentlichen Brunnen (Sebil), oft Meisterwerke arabischer Architektur, für die Physiognomie der Stadt bestimmend. Von den Märkten ist einer der bedeutendsten der Karameidan (Plusa Mehemed Ali) im S., wo Pferde, Esel und Kamele feilgeboten werden und oft Beduinen in ihren Zelten lagern. Eine noch breitere Straße als die Muski ist der mehr als 2 km lange Boulevard Mehemed Ali, der 1889 durch ein Gewirr von Gassen gebrochen wurde, wie jene vom Atabet el Kadra-Platz ausgeht und südöstlich zur Zitadelle führt. Sie wurde auf einem Vorsprung des Mokattam bereits 1166 von Jussuf Saladin erbaut, dann durch Mehemed Ali neu befestigt und durch mehrere Forts auf den überragenden Höhen verstärkt. Als größte Merkwürdigkeit der Zitadelle wird der 90 m tief in den Felsen gesprengte Josephsbrunnen, vielleicht ein Pharaonisches Werk, gezeigt; neben ihm liegt die mit schlanken Minaretts gekrönte Alabastermoschee Mehemed Alis mit dessen Grabmal, von deren Terrasse aus man die berühmte Aussicht auf K. hat, das wie eine Insel mitten in der Wüste daliegt. Von den 523 Moscheen, die nach dem Plan der heiligen Moschee in Mekka angelegt sind, sind viele gänzlich verfallen. Zu den berühmtesten gehören die Sultan Hassan-Moschee, wohl das bedeutendste Denkmal byzantinisch-arabischer Baukunst, 135659 errichtet, die Tulûn-Moschee, die älteste, schon 879 von Ahmed ibn Tulûn erbaut, nach der Sage auf dem Hügel, auf dem Abraham den Widder statt Isaaks opferte, seit 1891 restauriert (s. Tafel Meyers »Architektur VII«, Fig. 2 u. 5), die Moschee Hasanein, zu Ehren von Hassen und Hussen, den Mohammedanern besonders heilig, da sie den Kopf Hussens birgt, die Hakim-Moschee, seit 1879 restauriert, die Moschee Seiyide Zenab, die Azhar-Moschee, seit 988 zur Universität bestimmt und später vergrößert, deren Hauptlesesaal von 140 meist antiken Marmorsäulen getragen wird, und die noch vor 20 Jahren 7700 Studenten und 230 Professoren zählte, seit der englischen Herrschaft aber stark zurückgegangen ist. An der ganzen Ostseite der Stadt dehnen sich die sogen. Kalifen- und Mameluckengräber, die aber von den bahritischen und tscherkessischen Mameluckensultanen (12501380 und 1381 bis 1517) erbaut wurden, aus. Von den Kalifengräbern sind die bemerkenswertesten die Grabmoschee des Sultans Barkuk mit zwei prachtvoll leichten, kühnen Kuppeln und zwei schönen Minaretts, die von Bursbey mit schönen Mosaiken und durchbrochenen Gipsfenstern, die Kait Beis, die eleganteste von allen, ausgezeichnet durch ihre hohe Kuppel mit reichem bandartigen Ornament, wirkungsvolle Beleuchtung mittels 50 bunter Fenster und schlanke Minaretts mit zierlichen Galerien. Von den teils durch Ausbeutung als Steinbruch, teils durch Umgestaltung zu modernen Grabstätten weit mehr zerstörten Mameluckengräbern sind z. T. nur die Minaretts übrig. In der Nähe ließ Mehemed Ali sein Familiengrab errichten.
   Von den alten Mauern, die Saladin zum Ersatz für die frühern Erdwälle um die Stadt ziehen ließ, ist nur ein kleiner Teil an der Nordseite erhalten, wo auch noch zwei schöne Stadttore, Bab el Futûch und Baben Nasr, vorhanden sind. Von den übrigen Toren ist noch das Bab Zulieh bei der Moschee El Môjed mitten in der Stadt vorhanden. Die Paläste Kairos sind meist unter europäischem Einfluß entstanden. Das vizekönigliche Palais liegt in der Zitadelle; das Schloß von Gesîreh (erbaut 186368), Bulak gegenüber, einst mit märchenhafter Pracht ausgestattet, wurde mit seinem großen Park von einer Aktiengesellschaft angekauft und in einen Gasthof umgewandelt. Am südlichen Ende von Bulak steht der Palast von Kasren Nil, und neben diesem befindet sich die neuerbaute eiserne Gitterbrücke über den Nil nach der Insel Gesîreh. Inmitten der Stadt endlich liegt der Palast Abdin, den der Chedive gewöhnlich bewohnt. Nur durch einen schmalen Arm des Nils vom Lande getrennt, liegt westlich von K. die Insel Roda, an deren Südspitze der berühmte Nilmesser (Mikyâs) steht.
   Die Einwohnerzahl betrug 1897: 570,062 (Fellah, Kopten, Türken, Araber), darunter 35,385 Fremde (8670 Italiener, 9869 Griechen, 5124 Franzosen, 6727 Engländer, 2262 Österreicher, 487 Deutsche), 11,489 Juden, ferner Neger, Nordafrikaner, Beduinen, Syrer, Perser, Inder. Die männliche Bevölkerung zählte 302,857, die weibliche 267,205 Seelen, die englische Garnison 6000 Mann. Außer dem Islam, dessen Haupt der Großmufti ist, bestehen hier verschiedene Bekenntnisse, die alle Kirchen haben; so hat die römisch-katholische Konfession 3 Kirchen und ein Kloster, die koptisch-katholische unter einem Patriarchen und die koptisch-jakobitische 32, die deutsche protestantische und die anglikanische je eine Kirche, die Juden (Talmudisten und Koraïten) haben 13 Synagogen, meist im Judenviertel. Es besteht in K. eine amerikanische und eine anglikanische Mission. K. hat Hospitäler für Mohammedaner und Christen; drei europäische Krankenhäuser, Armenversorgungs- und Irrenanstalten. An Regierungsschulen besitzt K. ein Lyzeum, ein Polytechnisches Institut für Sprachen, Künste und Gewerbe, eine Normalschule, Schulen für Medizin, Pharmazie, Rechts- und Ingenieurwissenschaft, 772 Beduinenschulen, 7 nationale Schulen, als Wakufinstitute: eine Blinden- und Taubstummenanstalt, 4 Mädchenschulen und 40 andre, ein ägyptisches Institut sowie Schulen sämtlicher in K. vertretener Missionsgesellschaften (vgl. Ägypten, S. 187). Es bestehen ein Opernhaus, mehrere Theater, Klubs; seit 1875 hat K. auch eine Geographische Gesellschaft. Die vizekönigliche Bibliothek umfaßt 41,136 Bände, darunter 24,135 arabische, meist Manuskripte, und kostbare alte Exemplare des Koran. Bedeutend ist das arabische Museum; die große Sammlung ägyptischer Altertümer befindet sich jetzt in Meyers Gizeh (s. d.). Die Industrie ist schwach entwickelt, es bestehen eine große vizekönigliche Druckerei und Papierfabrik, eine Zuckerraffinerie, eine Bierbrauerei, Möbel- und Wagenfabriken; 1000 Webstühle für Baumwollenzeuge, 500 für halbseidene Stoffe. Dem Handel dienen fünf

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Banken; das Telegraphenwesen besorgen die englische Eastern Telegraph Company und das ägyptische Telegraphenamt. K. ist Residenz des Khedive und Sitz der obersten Staatsbehörden, eines deutschen Generalkonsuls, eines internationalen Gerichtshofs. Die Stadt bildet ein besonderes Gouvernorat mit 15,7 qkm Kulturfläche und zerfällt in 12 Distrikte. Im S. liegt Altkairo (Fostât oder Masr el Atîka), an der Stelle des ehemaligen Babylon, das Ramses II. (1400 v. Chr.) assyrischen Gefangenen zum Wohnsitz anwies, mit Überresten eines römischen Kastells, der koptischen Kirche Abu Serge und der Amru-Moschee (643 errichtet). Weiter oberhalb Militärgebäude und (22 km) die Bäder von Meyers Heluan (s. d.).
   K. ist hervorgegangen aus Altkairo oder Fostât, das 640 n. Chr. von Amru, dem Eroberer Ägyptens, gegründet wurde; dieser ließ rings um sein bei der Belagerung von Babylon (s. oben) benutztes Zelt den neuen Ort entstehen, zu dem das benachbarte Memphis das beste Baumaterial lieferte. Nach einem verunglückten byzantinischen Wiedereroberungsversuch verlor es 645 seine Mauern. 969 gründete Dschauhar el-Kaïd, der Feldherr des Fatemiden Moizz ed-Dîn, nördlich von Fostât eine neue Stadt, die aus astrologischen Gründen Masr el-Kâhira (»siegreiche Hauptstadt«) genannt wurde. 1176 baute Saladin die Zitadelle, vergrößerte K. und umgab es mit Mauern, die teilweise noch erhalten sind. Seine Nachfolger ließen sich die weitere Verschönerung angelegen sein, wovon die Moscheen noch Zeugnis ablegen. Damals galt K. als zweite Hauptstadt der mohammedanischen Welt und als Stapelplatz des indoeuropäischen Verkehrs. Der Verfall beginnt mit der Eroberung durch die Türken 1517; er war am größten unter den Mamelucken Ende des 18. Jahrh. Nachdem K. 1798 bis 1801 unter französischer, dann unter englischer Botmäßigkeit gestanden, flößte ihm Mehemed Ali neues Leben ein. K. offenbart sich durch sein reges Treiben als eine Weltstadt; sie ist durch ihre Lage einer der begünstigtsten Plätze des ganzen Orients: der große Markt der aufgeschlossenen Nilländer, der politische und zivilisatorische Brennpunkt von Nordostafrika, der Berührungs- und Austauschpunkt für dieses und Europa. Vgl. Lane-Poole, Cairo, sketches of its history, monuments and social life (3. Aufl., Lond. 1897) und Story of Cairo (das. 1902); Lallemand, Le Caire (Prachtwerk, Par. 1894); Ball, The city of the caliphates (Lond. 1898); Reitemeyer, Beschreibung Ägyptens im Mittelalter (Leipz. 1903); Frau z-Pascha, K. (Bd. 21 der »Berühmten Kunststätten«, das. 1903); die Reisehandbücher über Ägypten von Meyer, Bädeker; Lokalführer von Ball (Lond.), Kemeid (8. Aufl., das. 1904) u. a.
 
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Kairos, im griech Mythus Dämon der günstigen Gelegenheit oder des rechten Augenblicks. Eine Erzstatue von Lysippos stellte ihn dar als eilenden nackten Jüngling, mit Flügeln an den Knöcheln, langen Locken an Stirn und Schläfen, hinten kahl, ein Schermesser haltend.
 
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Kairuan (Keruan, Kirwan), Hauptort eines Bezirks in Tunis, liegt 38 km westlich von Susa, mit dem es durch Eisenbahn verbunden ist, inmitten einer großen, von Salzsümpfen (dem alten Lacus Tritonis) bedeckten Ebene und ist von einer 10 m hohen, durch Rundtürme gekrönten Ziegelmauer umgeben, durch die fünf Tore führen. K. hat eine Kasba (Burg), mehr als 80 Moscheen und Klöster, darunter die große, schon bei der Gründung der Stadt errichtete, in ihrer jetzigen Form 827 hergestellte und mit 420 prachtvollen antiken Säulen geschmückte Okbamoschee, sieben Vorstädte und 2225,000 Einw., die Teppiche, Sattlerwaren, gelbe Lederpantoffeln, kupferne Geräte und Rosenöl herstellen. K., 670 von Okba ben Nasi gegründet, gilt in der muslimischen Welt als eine der vier Pforten zum Paradies; die Stadt zu betreten, war Europäern nicht gestattet, bis sie 1881 von den Franzosen besetzt wurde.
 
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Kaisarî, Hauptort eines Sandschak im türk. Wilajet Angora in Kleinasien, südlich vom Kisil Irmak, am Nordfuß des 3850 m hohen Ardschias Dagh (Argäos). früher der bedeutendste, handel- und industriereichste Ort des kleinasiatischen Binnenlandes, jetzt verfallen, aber reich an Bauresten der Seldschukenzeit. Von den 72,000 Einw. sind 45,000 Türken, der Rest Griechen und Armenier. K. hieß im Altertum Mazaka, später Eusebeia und war Hauptstadt Kappadokiens. Seit Tiberius hieß es Caesarea, dessen Ruinen südlich von K. liegen. Die von Justinian erbaute Burg, lange Zeit ein Bollwerk der Byzantiner, war später Residenz der Seldschukensultane.
 
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Kaisârije, ummauerte Ruinenstadt an der Küste Palästinas zwischen Haifa und Jafa, seit 1884 von einigen hundert Bosniaken bewohnt. Die Stadt wurde als Cäsarea von Herodes 13 v. Chr. erbaut und war Sitz der römischen Prokuratoren, später römische Kolonie, Bischofssitz und Ort mehrerer Konzile. Während der Kreuzzüge wiederholt von Christen und Mohammedanern erobert, wurde sie 1265 von Beibars zerstört. Außerhalb der Mauern sind Reste eines Amphitheaters und eines Hippodroms erhalten.
 
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Kaisberg, s. Meyers Herdecke.
 
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Kaiser (Wil der K., Zahmer K.), Name von Berggipfeln, s. Meyers Kaisergebirge.
 
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Kaiser (lat. Caesar), seit C. Julius Cäsar Octavianus Titel des Beherrschers des römischen Reiches, entstanden aus dem römischen Familiennamen »Cäsar«, der zu einer Bezeichnung der höchsten Würde des Inhabers der Staatsgewalt wurde. Daneben waeen die Titel Augustus und Imperator gebräuchlich. Seit Hadrian führte auch der Thronfolger den Titel Cäsar; auch kam es vor, daß dem eigentlichen Imperator Cäsaren als Mitregenten zur Seite traten. Die römische Kaisergewalt war eine unumschränkte Herrschergewalt, ohne an und für sich erblich zu sein; vielmehr wurde sie formell durch einen Senatsbeschluß (lex regia) dem jeweiligen K. übertragen. Seit der Teilung des Reiches durch Theodosius d. Gr. (395 n. Chr.) wurde zwischen oft- und weströmischem Reich unterschieden, indem von dessen beiden Söhnen Arcadius K. des Ostens und Honorius K. des Westens wurde. Nach dem Sturze des weströmischen Reiches durch germanische Völkerschaften unter Odoaker (476) betrachteten sich die oströmischen K. als die alleinigen Träger der römischen Weltmonarchie, deren Gedanke unter dem K. Justinian (527565) noch einmal der Verwirklichung nahegebracht ward. Indem die römischen Bischöfe, die von den oströmischen Kaisern den nötigen Schutz nicht mehr erwarteten, den Frankenkönigen die Schutzherrschaft (Patriziat) über Rom und über die römische Kirche übertrugen, schufen sie die Voraussetzung für die Erwerbung der weströmischen Kaiserwürde durch die Frankenkönige, und Papst Leo III. krönte schließlich auch 25. Dez. 800 Karl d. Gr. in aller Form zum römischen K. Gleichwohl war dies Kaisertum von durchaus germanischem Charakter. Das »heilige römische Reich deutscher Nation« nahm die Idee der römischen Weltmonarchie in dem Sinne wieder auf, daß der K. das weltliche Oberhaupt der

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gesamten Christenheit sein und als solches die höchste Schutzgewalt über die römische Kirche ausüben sollte. Dabei wurde der K. im allgemeinen Bewußtsein durchaus als Nachfolger der alten römischen Imperatoren betrachtet, so daß man Philipp von Schwaben in Erinnerung an den altrömischen K. Philippus Arabs als »den Zweiten« bezeichnete. Unter K. Otto I. aus dem sächsischen Haus wurde die Kaiserwürde dauernd mit der deutschen Königswürde (s. Meyers Deutscher König) verbunden (962). Dies abendländische Kaisertum stand unter K. Heinrich III. aus dem salischen (fränkischen) Haus auf dem Höhepunkt der Macht, als mit Deutschland die Königreiche Burgund und Italien vereinigt waren und der römische Papst sich der kaiserlichen Macht unterordnete. Aber schon unter Heinrich IV., der in Papst Gregor VII. den gefährlichsten Gegner und Vorkämpfer der päpstlichen Prärogative fand, trat der Umschwung zum Nachteil der K. ein. Anstatt den Schwerpunkt ihrer Macht in Deutschland zu suchen, opferten sie auf ihren Römerzügen und in den Kämpfen mit dem Papsttum ihre besten Kräfte, während daheim ihr Ansehen als deutsche Könige mehr und mehr sank. Um so mehr erstarkte die Macht der Fürsten und Territorialherren, die sich schließlich zu einer wirklichen Landeshoheit umgestaltete. Seit Maximilian I. (1508) führten die deutschen Könige den Kaisertitel auch ohne Krönung durch den Papst. Karl V. war der letzte K., der (1530) vom Papst, aber nicht in Rom, sondern in Bologna, gekrönt worden ist. Seitdem das Kaisertum unter den Hohenstaufen dem Papsttum unterlag, ist die Bezeichnung K. im wesentlichen ein dem deutschen König zustehender und in jedem einzelnen Falle durch die Krönung erworbener Titel, der zwar einen Ehrenvorrang begründet, mit dem aber eine bestimmte staatsrechtliche Stellung nicht verbunden ist. Je nach ihrer Persönlichkeit, ihrer Hausmacht und ihrem Ansehen bei den Fürsten, versuchen die deutschen Könige lediglich mehr oder weniger große Teile der ihren Vorfahren auf dem Thron als K. zustehenden Befugnisse in Wirklichkeit umzusetzen. Nach Karl V. hört auch dieses Bestreben auf, und der Titel K. tritt nunmehr an Stelle des Namens »Deutscher König«. Es fand seit Ferdinand I. nur eine einmalige Krönung statt, während der K. früher in Aachen zum deutschen König, in Pavia, Mailand oder Monza zum König von Italien und in Rom zum K. gekrönt worden war. Die Krönung erfolgte in der letzten Zeit regelmäßig in Frankfurt a. M. Seit Maximilian I. war die amtliche Titulatur: »Von Gottes Gnaden erwählter römischer K., zu allen Zeiten Mehrer des Reiches, König in Germanien«. »Römischer König« (rex Romanorum) hieß der bei Lebzeiten des Kaisers erwählte Nachfolger, der zugleich Reichsverweser in Verhinderungsfällen war. Das kaiserliche Wappen war (seit 1433) ein zweiköpfiger schwarzer Adler mit dem Hauswappen des Kaisers auf der Brust (vgl. Adler, S. 112); die Reichsfarben waren Schwarz und Gelb (Gold; vgl. Deutsche Farben). Vgl. Ficker, Das deutsche Kaiserreich in seinen universellen und nationalen Beziehungen (Innsbr. 1861) und Deutsches Königtum und Kaisertum (das. 1862), dagegen v. Sybel, Die deutsche Nation und das Kaiserreich (Düsseld. 1862); Knepper, Nationaler Gedanke und Kaiseridee bei den elsässischen Humanisten (Freib. i. Br. 1898); Gritzner, Symbole und Wappen des alten Deutschen Reiches (Leipz. 1902).
   Bis ins 18. Jahrh. herrschte die Anschauung, daß es nur einen einzigen (christlichen) K. geben könne. Nach dem Sturze des oströmischen Kaiserreichs hatte zwar auch der Sultan den Kaisertitel angenommen (1453); aber erst im Frieden von Poscharewatz (1718) erkannte der deutsche K. den gleichen Rang desselben an. Der russische Zar (dieses Wort, ebenfalls von Caesar abgeleitet, bezeichnet bei den östlichen Slawen den Herrscher) führt seit 1721 den Titel »K. und Selbstherrscher aller Reußen«. Das Auftreten Napoleons I., der, um der tatsächlichen Macht auch den Titel hinzuzufügen, sich den Namen »K. der Franzosen« beilegen wollte, führte dazu, daß K. Franz II. 14. Aug. 1806 den Titel »K. von Österreich« annahm, worauf 2. Dez. 1804 in Paris die Krönung Napoleons durch den Papst vollzogen wurde. Nach der Gründung des Rheinbundes legte K. Franz II. 6. Aug. 1806 die deutsche Kaiserkrone nieder, und damit verlor der Titel K. seinen alten längst verblaßten Sinn, übertrug sich vielmehr auf die Beherrscher neuerer Staatengebilde. Der Versuch der deutschen Fürsten, K. Franz 1814 aufs neue zur Annahme der deutschen Kaiserkrone zu bewegen, schlug fehl. Napoleon III. nahm als Wiederhersteller des französischen Kaiserreichs (Second empire) den Titel seines Oheims 2. Dez. 1851 an. Nach Gründung des Deutschen Bundes wurde 1848 und 1849 ein Anlauf zur Wiederherstellung der deutschen Kaiserwürde genommen; aber König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die Kaiserwürde ab, die ihm die Frankfurter Nationalversammlung anbot. Die Siege von 1870 führten zu der Wiederherstellung des Deutschen Reiches und der Würde eines deutschen Kaisers; doch staatsrechtlich handelt es sich um eine völlige Neuschöpfung, die nur im Worte K. an die alten Zustände vor 1806 erinnert. Die Proklamierung des letztern erfolgte 18. Jan. 1871 in Versailles. Das Präsidium des Bundes, der als »Deutsches Reich« bezeichnet wird, steht dem König von Preußen zu, der den Titel »Deutscher K.« führt. Der K. ist nicht der Monarch des Reiches; aber der Krone Preußen kommen im Reiche wichtige Vorrechte, die Präsidialrechte, zu, die der K. »im Namen des Reiches« und »im Namen der verbündeten Regierungen« ausübt. (Weiteres s. in den Art. »Bundesrat« und »Deutschland«, S. 788; das kaiserliche Wappen, daselbst, S. 799.) Über die rechtliche Stellung des deutschen Kaisers vgl. die Schriften von Fischer (Berl. 1894), Binding (Dresd. 1898), Eiswaldt (Berl. 1901), Tophoff (Stuttg. 1902); Lackmann, Das Kaisertum in den Verfassungen des Deutschen Reiches vom 28. März 1849 und 16. April 1871 (Bonn 1903). Seit 1876 führte die Königin von England als Nebentitel den Titel »Kaiserin von Indien« (Empress of India), und danach führt auch ihr Nachfolger den Titel »Emperor of India«. Außerdem kommt der Kaisertitel noch in Birma, China, Marokko und Japan vor. Früher gab es auch in Brasilien, zeitweilig in Haïti und Mexiko K.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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