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Kafferkorn bis Kâfir (Bd. 6, Sp. 424 bis 425)
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Artikelverweis Kafferkorn, s. Meyers Sorghum.
 
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Kaffern (v. arab. kafir, »Ungläubiger«), zu den Bantuvölkern gehörige Völkerfamilie, die an der Ostseite Südafrikas vom Sambesi bis zur Südspitze wohnt und von N. nach S. gezählt die Swasi, Amatonga, Sulu, Pondo, Pondomisi, Baku, Tembu und Ama-kosa umfaßt. Linguistisch und ethnographisch stimmen sie auffallend mit den Negern des tropischen Afrika überein, doch haben räumliche Absonderung und Berührung mit den hellen Südafrikanern Sonderzüge ausgeprägt. Körperlich gehören sie zu den kräftigsten Negerstämmen. Der Schädelbau ist dolichokephal, die Gesichtszüge ähneln denen der kaukasischen Rasse, die Hautfarbe ist bei den südlichsten Völkern rein braun, wird aber nach N. zu immer dunkler, bis sie an der Delagoabai dunkelschwarz erscheint. Das Haar ist schwarz und wollig, die Stirn hoch, die Backenknochen sind, wie bei den Hottentotten, hervorragend, die Lippen aufgeworfen, der Bart meist schwach (s. Tafel Meyers »Afrikanische Völker I«, Fig. 14). Der Charakter der K. zeichnet sich durch die Energie aus, die sie den politisch ausgreifendsten Eroberervölkern und Staatenbildnern Afrikas an die Seite stellt. Scharfsinnig, mutig, tapfer und ausdauernd, sind sie auch träge, rachsüchtig, verräterisch und grausam gegen ihre Feinde. Als einzige Bekleidung der Männer dient eine wollene Decke oder ein Fellmantel (Karoß), den sie über den Rücken hängen. Auch die Frauen und Mädchen tragen eine Decke rings um den Leib, die Brüste verhüllen sie mit einem Perlengehänge. Schultern und Arme bleiben frei. Sie haben für die Hütte und Nahrungsmittel zu sorgen und nehmen eine höchst untergeordnete Stellung ein. Vielweiberei ist sehr verbreitet; auch die Beschneidung ist bei den K. eingeführt. Ihre bienenkorbartigen, kleinen Häuser (s. Tafel Meyers »Wohnungen der Naturvölker I«, Fig. 1), die mit Lehm überschmiert werden, bauen sie meist in einem Kreise (Kral). Der unter dem Kral ausgehöhlte Grund dient als Vorratskammer. Die Sprache der K., die den südöstlichsten Teil des Bantusprachstammes repräsentiert, zerfällt in das Kafir im engern Sinn und das Sulu (Zulu), die Sprache der Sulukaffern. Vgl. Appleyard, The Kafir language (King Williamstown 1850); Grant Lewis, A grammar of the Zulu language (Nat al 1859); Döhne, A Zulu-Kafir dictionary (Kapst. 1858); Roberts, The Zulu-Kafir language (3. Aufl., Lond. 1895), Zulu-English dictionary (2. Aufl., das. 1895) und Zulu manual (das. 1900); Kropf, A Kafir-English dictionary (Lovedale 1899); Elmslie, The Ngoni form of speech, a dialect of the Zulu language (Aberdeen 1891). Märchen der Sulukaffern in ihrer Sprache mit englischer Übersetzung veröffentlichte der Bischof Callaway (Natal 1868). Die noch unabhängigen K., deren Zahl allerdings immer geringer wird, leben unter erblichen Häuptlingen (Inkose), die mit absoluter Gewalt über ihren Stamm regieren, jedoch dem Einfluß der Vorstände der einzelnen Gemeinden (Krale) unterstehen. Bei den südlichen K. sind mannshohe Schilde aus Ochsenhäuten. Keulen (Kirri) und leichte Wurfspieße (Assagaie) im Kampf gebräuchlich, nicht aber Bogen und Pfeile. Sie fechten deshalb zerstreut, während die Sulu sich kurzer Stoßspeere bedienen und geschlossen angreifen. Die K. glauben an ein höchstes Wesen und an einen bösen Geist, haben aber weder Götzen noch Priester; dagegen besitzen Zauberer großen, oft verhängnisvollen Einfluß. Die Bekehrung der K. zum Christentum, an der verschiedene (besonders englische) Missionsanstalten arbeiten, schreitet sehr langsam vor. Der Land bau wird von den Weibern betrieben, während der Mann sich um die Herden, um Jagd und Krieg bekümmert. Man baut als Hauptfrucht Kafferkorn, dann Mais und Tabak, der in unglaublichen Mengen verbraucht wird. Die Viehzucht beschränkte sich bisher auf Rindvieh, jetzt besitzen die K. große Herden von Ziegen, Schafen und Pferden. Die technische Geschicklichkeit steht auf niedriger Stufe. Die Swasi schnitzen in Holz und Elfenbein und verarbeiten, wie die Sulu, die Eisenerze ihres Landes zu Waffen und Geräten; ausgezeichnet ist ihre auf arabische Einflüsse zurückzuführende Erzgießerei. Die Ama-kosa flechten aus Gras vortreffliche wasserdichte Gefäße, Matten, Körbchen etc. S. Tafel Meyers »Afrikanische Kultur II«, Fig 1.
   Die ersten Aufschlüsse über die K. gaben uns die Reisenden John Barrow (1796) und Lichtenstein (1805); Campbell (1819) und Smith (1835) bestätigten sie. Das Verhältnis der K. zu der Kapkolonie

[Bd. 6, Sp. 425]


war bis in die neueste Zeit feindselig, wie noch 1893 und 1896 der Aufstand der Matabele bewiesen hat. Lord Macartney bestimmte 1798 den Fischfluß zur Grenze der Kapkolonie. Als 1817 Lord Somerset einen Häuptling, Gaika, zum Oberkönig aller Kaffernstämme machte, um mit dessen Hilfe das Volk zu unterdrücken, erhoben sie sich unter dem Häuptling Makarna und besiegten Gaika, mußten aber bald der Übermacht der Briten weichen. Gaika wendete sich nun gegen diese und kämpfte bis zu seinem Tode (1829); 1830 kam ein Friede zustande, wobei der Fischfluß als Grenze des Kaplandes und der Kaiskamma als Grenze der K. bestimmt wurden; das Land dazwischen sollte neutral bleiben. Holländische Buren brachen aber 1834 den Frieden, und sämtliche Kaffernstämme vereinigten sich jetzt zu einem Angriff auf die Kapkolonie. Bathurst wurde zerstört, und schon drangen die K. gegen die Kapstadt vor, als ihnen Oberstleutnant Smith entgegentrat und sie zum Frieden nötigte, infolgedessen das bezeichnete Gebiet als Königin Adelaide-Provinz englisch wurde. 1836 wieder aufgegeben, wurde es nach einem neuen Kriege 1847 nochmals besetzt und 1866 endgültig in Besitz genommen und später in die Divisionen King Williamstown, Peddie, East London, Komgha und Stutterheim geteilt, zusammen 10,054 qkm, worin 1891 neben 20,806 Weißen und 1805 Hottentotten 117,547 K. wohnten. In diesem anfänglich Britisch-Kaffraria genannten Gebiet siedelte man als Militärkolonien Deutsche an, die hier eine Reihe blühender Ortschaften (Stutterheim, Berlin, Potsdam, Braunschweig) gründeten. Das östlich von diesem Gebiet gelegene Kaffraria, die Transkeidistrikte, zwischen Indischem Ozean (vom Kei bis zum Utumvuna, Grenze gegen Natal), Storm- und Drakenbergen, die jetzigen Divisionen Transkei, Tembuland, Ostgriqualand und Pondoland, 36,953 qkm mit (1891) 486,572 Einw. (10,312 Weiße, 470,624 Kaffern, 5636 Hottentotten) umfassend, steht jetzt ebenfalls unter der direkten Verwaltung der Kapkolonie, so daß von allen Kaffernstaaten nur noch Swasiland und Tongaland sich einer verhältnismäßigen Unabhängigkeit erfreuen. Die Transkeidivision (Fingoland) und Tembuland wurden 1875, Ostgriqualand (Nomansland) 1876 in Besitz genommen und ein 1877 ausgebrochener Kaffernkrieg niedergeworfen. 1885 wurde Pondoland, 1887 Sululand und 1888 Amatongaland unter britisches Protektorat gestellt. Die Ausdehnung der englischen Herrschaft nach N. führte zu den blutigen Matabelekriegen von 1893 und 1896. Vgl. Karte »Südafrikanische Republik« und außer den ältern Reisewerken von Kay (New York 1834), J. E. Alexander (2. Aufl., Lond. 1840, 2 Bde.): Cole, Notes on the Cape and the Kaffirs (das. 1852); Bowler, The Kaffir wars (das. 1865); Fritsch, Die Eingebornen Südafrikas (Bresl. 1873); Revoil, Les Zoulous et les Cafres (Lille 1880); Ludlow, Zululand (Lond. 1882); Mitford, Through the Zulu-Country (das. 1883); Theal, Kaffir folklore (das. 1882); Muller u. Snellman, Industrie des Cafres du Sud-Est de l'Afrique (27 Tafel u mit Text, Leiden 1894); Brownlee, Reminiscences of Kafir life and history (Lovedale 1896); Laing, The Matabele Rebellion 1896 (Lond. 1897); Powel, The Matabele Campaign 1896 (2. Aufl., das. 1901); Laurence, On circuit in Kafirland (das. 1903).
 
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Kafferochs, s. Meyers Büffel.
 
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Kaffgesims, s. Meyers Gesims.
 
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Kaffrarĭa, s. Meyers Kaffern.
 
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Kaffsack, Joseph, Bildhauer, geb. 21. Okt. 1850 in Regensburg, gest. 7. Sept. 1890 infolge eines Unglücksfalles auf dem Wannsee bei Berlin, war bis zu seinem 24. Jahr im Kunstgewerbe tätig und besuchte dann die Kunstakademie in Dresden, wo er Schüler Hähnels wurde. 1880 ließ er sich in Berlin nieder. wo er zahlreiche monumentale und dekorative Werke, aber auch Büsten und Genrefiguren und-Gruppen schuf. Seine Hauptwerke sind die 3 m hohe Bronzefigur einer Lübecca (1881), die 4 m hohen Statuen der Post und Telegraphie, Kunst und Wissenschaft, des Handels und Gewerbes für die Hauptpost in Leipzig, die Kolossalgruppe der Harmonie im Kuppelraum des Landesausstellungsgebäudes in Berlin, die Gruppe »Ruhm und Wahrheit erringt der Suchende« für die königliche Bibliothek in Leipzig, das Denkmal der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. am Giebichenstein bei Halle, die Bronzegruppe: junge Liebe und die Marmorgruppe: das erste Gebet (in der Berliner Nationalgalerie).
 
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Kaffziegel, s. Meyers Kappziegel.
 
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Käfigvögel, s. Meyers Stubenvögel.
 
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Kafilldesinfektor, von de la Croix in Antwerpen erfundener und durch Rietschel und Henneberg zu Berlin in Deutschland eingeführter Apparat zur unschädlichen Beseitigung und gleichzeitigen Ausnutzung von Tierleichen, Fleischabfällen etc. Der Apparat ist für Schlachthöfe bestimmt, eignet sich aber auch für größere Schlächtereien, Abdeckereien etc. Er besteht aus einem zylindrischen, doppelwandigen, luftdicht verschließbaren Sterilisator mit durchlöchertem, falschem Boden, der die Fleischteile etc. aufnimmt. Wird nach Verschluß des Behälters zwischen die doppelten Wände Dampf von 5 Atmosphären geleitet, so findet eine Trocknung des Inhalts statt, und die durch den Siebboden abfließende Flüssigkeit wird durch den im Rezipienten sich entwickelnden Dampf in einen zweiten Zylinder gedrückt. Nach etwa 1 Stunde leitet man den Dampf direkt in die Fleischmasse und nach abermals 6 Stunden drückt man durch den Dampf alle noch vorhandene Flüssigkeit und das ausgeschiedene Fett in den Rezipienten. In diesem und dem damit verbundenen Kondensator werden Dämpfe und Gase durch kaltes Wasser niedergeschlagen; nicht verdichtbare Gase gelangen aus dem Kondensator in die Feuerung. Der fast trockne Inhalt des Sterilisators ist geruchlos und wird nach weiterm Trocknen gemahlen und als Dünger benutzt. Aus dem Inhalt des Rezipienten gewinnt man Fett und Leim. Der K. ist groß genug, um ganze Kadaver aufnehmen zu können, und eignet sich daher besonders zur gefahr- und geruchlosen Beseitigung der Leichen an ansteckenden Krankheiten gestorbener Tiere und genußuntauglichen Fleisches.
 
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Kafiller (Kaviller), soviel wie Abdecker. Das der Gaunersprache entlehnte Wort K. ist wohl aus dem neuhebr. kefál, abdecken, abziehen, entstanden.
 
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Kâfir (arab., »Ungläubiger«), Name der Nichtmuslime im Meyers Koran (s. d.). Im Munde der osmanischen Türken wurde K. zu Giaur, dem in der Türkei üblichen Schimpfnamen für Christen und Juden. Von dem Worte K. ist auch der Name der Meyers Kaffern (s. d.) in Südafrika herzuleiten.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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