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Kadett bis Kadlubek (Bd. 6, Sp. 413 bis 414)
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Artikelverweis Kadett (franz. Cadet), in Frankreich früher Name der »jüngern Söhne« adliger Familien. Da Ludwig XIV. für diese besondere Kompanien errichtete, in denen sie als Freiwillige dienen konnten, bis sie das Offizierspatent erhielten, hieß jeder junge Edelmann, der in die Armee eintrat, Cadet. Jetzt werden die Zöglinge militärischer Erziehungsanstalten zur Heranbildung von Offiziersaspiranten für die Armee Kadetten (s. Meyers Kadettenhäuser) genannt. In Österreich-Ungarn heißen Kadetten die bei der Truppe befindlichen Offiziersaspiranten, die später zum Offizier befördert werden. Über die Kadetten der Marine s. Meyers Seekadett.
 
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Kadettenhäuser (Kadettenanstalten), militärische Erziehungs- u. Unterrichtsanstalten, in denen junge Leute (Kadetten), besonders die Söhne verdienter Offiziere und Beamten, für die Offizierslaufbahn vorgebildet werden. Sie erhalten daselbst auf Kosten des Staates oder gegen jährliche Pension wissenschaftlichen Unterricht und militärische Ausbildung als direkte Vorbereitung für ihren spätern Beruf. Die Kadettenkorps sind französischen Ursprungs (s. Meyers Kadett), doch wurden in Frankreich die Kadettenanstalten in Militärschulen umgewandelt. In Deutschland errichtete der Große Kurfürst 1653 in Kolberg, später in Magdeburg und Berlin K., auch junge französische Refugiés wurden in die vier Kompanien eingestellt, die an Infanterieregimenter angeschlossen waren und an Feldzügen teilnahmen. 1701 bestanden nur zwei Kompanien, von denen eine den Krönungsfeierlichkeiten in Königsberg beiwohnte; aus der andern bei der Garde zu Fuß in Berlin wurde die Kadettenakademie geschaffen, in der Söhne des inländischen Adels ihre Vorbildung erhielten. Friedrich Wilhelm I. vereinigte 1717 die Kompanien in Berlin, und Friedrich II. errichtete mehrere Voranstalten, von denen Kulm (jetzt Köslin) und Potsdam noch jetzt bestehen. Unter seinen Nachfolgern erhielten die K. bis 1878 eine solche Vermehrung, daß unter dem Kommando des Kadettenkorps (Berlin) die Hauptkadettenanstalt in Großlichterfelde bei Berlin und acht K., Voranstalten, zusammengefaßt wurden. Außer den beiden genannten sind dies Wahlstatt (1838), Bensberg (1840), Plön und Oranienstein (1868), Karlsruhe (1892), Naumburg a. S. (1900). Die Voranstalten umfassen die Klassen von Sexta bis Obertertia für Zöglinge von 1015 Jahren, die Hauptanstalt die von Untersekunda bis Oberprima, sowie eine Selekta, event. auch eine Obertertia. Die Klassen bis Oberprima entsprechen etwa denen des Realgymnasiums, die Selekta dem Kriegsschulkursus. Die Aufnahme in die K. findet mit Allerhöchster Genehmigung statt, wie auch die Einstellung in das Heer durch Kabinettsorder erfolgt. Anwartschaft haben besonders die Söhne der vor dem Feinde gebliebenen, verwundeten aktiven Offiziere sowie diejenigen des Beurlaubtenstandes des Heeres und der Marine und der Gendarmerie; ebenso die der aktiven oder während der aktiven Dienstzeit verstorbenen Offiziere des Heeres etc., ferner die Söhne pensionierter Offiziere des Friedens- und Beurlaubtenstandes des Heeres etc. Außerdem die Söhne der vor dem Feind gebliebenen etc. Unteroffiziere des Friedens- und Beurlaubtenstandes des Heeres und der Marine sowie die der 25 Jahre gutgedienten Unteroffiziere, endlich die von gut gedienten höhern Beamten und Zivilpersonen, die sich um den Staat besonders verdient gemacht haben. Es gibt Stellen mit vollem Erziehungsbeitrag, 800 Mk. für Söhne von Inländern (Angehörige des Deutschen Reiches), solche mit vermindertem Beitrag von 450,300,180 und 90 Mk. für Söhne von Angehörigen Preußens, Württembergs und derjenigen Staaten, deren Kontingente in preußischer Verwaltung stehen, sofern die Väter besondern Anspruch haben; im Falle besonderer Bedürftigkeit werden Freistellen gewährt; endlich Stellen mit erhöhtem Beitrag von 1500 Mk. für Söhne von Ausländern, falls sie für die Pflanzschule des Offizierkorps geeignet erscheinen. In Sachsen errichtete Johann Georg IV. 1692 eine Kadettenkompanie, die zugleich eine Art Leibwache bildete; aus ihr entstand 1725 das Kadettenhaus in Dresden. Bayern gründete 1857 eine Kadettenanstalt in München. Vgl. v. Scharfenort, Das königlich preußische Kadettenkorps 18591892 (Berl. 1892); »Ausnahmebestimmungen und Lehrplan des königlichen Kadettenkorps« (zuletzt Berl. 1904); »Einteilung, Ausnahmebestimmungen und Lehrplan des königlich sächsischen Kadettenkorps« (Dresd. 1900); Teicher, Das königlich bayrische Kadettenkorps (2. Aufl., Münch. 1900); »Bestimmungen über die Aufnahme von Zöglingen in das königlich bayrische Kadettenkorps« (das. 1897).
   Österreich-Ungarn hat 19 Infanteriekadettenschulen (Wien [2], Budapest, Prag, Karlstadt, Königsfeld in Mähren, Lobzow bei Krakau, Hermannstadt, Triest, Liebenau bei Graz, Preßburg, Innsbruck, Temesvar, Marburg, Kamenitz bei Peterwardein, Kaschau, Lemberg, Fünfkirchen, Großwardein), eine Kavallerie- (Weißkirchen), zwei Artillerie- (Wien, Traiskirchen), eine Pionierkadettenschule (Hainburg). Schulgeld wird in verschiedenen Abstufungen gezahlt. Nach absolvierter Schule treten die »Zöglinge« als Kadetten mit Unteroffiziersrang oder als Kadett-

[Bd. 6, Sp. 414]


Offizierstellvertreter in die Armee. Vgl. »Aufnahmebedingungen für den Eintritt in die k. u. k. Kadettenschulen« (Wien 1903). In der Schweiz werden die Schüler der Bürgerschulen im Frühjahr und Herbst an mehreren Abenden jeder Woche von Offizieren und Exerziermeistern eingeübt (s. Meyers Jugendwehren). In Rußland bestehen 26 Kadettenkorps, davon 22 in Europa, 2 in Asien, 2 im Kaukasus, in Taschkent wird ein neues errichtet, und die Militärschule in Wolsk erhielt die gleiche Einrichtung. Die Militärschulen bereiten schlecht veranlagte Schüler für die (14) Junkerschulen vor, die den Zöglingen die für einen Frontoffizier notwendige Bildung erteilen. 1901 wurde die Ausbildung den Kriegsschulen nahegebracht, so daß die Mehrzahl der Schüler als Offiziere in das Heer treten. Das finnische Kadettenkorps ist eingegangen. Vgl. auch die Abschnitte über das Heerwesen bei den einzelnen Ländern.
 
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Kadettenkorps, s. Meyers Kadettenhäuser.
 
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Kâdî (arab. kâdî, in türkischen Ländern daneben die Aussprache Kasi), islamischer Richter. Da im Islam (s. d.) Recht und Religion eng verbunden sind, gehen die Kadis aus den Medresen (s. d.) hervor, wo sie ihre theologischen und juristischen Studien abzumachen haben. In der Türkei, wo der einem Meyers Kasa (s. d.) vorstehende K. den Titel Meyers Nâib (s. d.) führt, ist die Laufbahn der Kadis grundsätzlich geregelt, wenn auch Verbindungen mehr als Kenntnisse fördern und zahlreiche Richterstellen in den Händen Unfähiger sind. Die höchsten Richter in der Türkei sind die beiden Meyers Kasiasker (s. d.). Die Kadis unterstehen dem Meyers Scheich ul Islam (s. d.) und sind besoldet. In den andern islamischen Ländern haben die Kadis ihre Einkünfte aus frommen Stiftungen, Gerichtssporteln und Trinkgeldern. In Afghanistan und Turkistan hat der Oberrichter in den Städten den Titel Kâfî-i-Kalân. In Persien liegt die Rechtsprechung in den Händen der Meyers Mudschtehide (s. d.).
 
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Kadiakinseln, Inselgruppe an der Südküste der Halbinsel Alaska (s. das Textkärtchen bei Artikel »Alaska« im 1. Bd.), von der sie durch die Schelikowstraße getrennt wird, unter 57°47' nördl Br. und 152°14' westl. L., besteht aus der Hauptinsel Kadiak und den kleinen Inseln Afognak, Saltschidak, den Trinityinseln (Sitschunak und Tupidak) und Schusak, zusammen 10,000 qkm. Die Hauptinsel Kadiak hat 8975 qkm mit (1900) 1770 Einw., davon 1146 Weiße und 624 Eingeborne, meist Kaniagmut (Eskimo), die auf der z. T. bewaldeten und mit guten Häfen versehenen, aber für Ackerbau völlig ungeeigneten Insel Lachsfischerei und Jagd auf Pelztiere treiben. Der Hauptort, Kadiak oder St. Paul, an der Nordostküste der Insel, mit (1900) 341 Einw., war bis 1806 Hauptsitz der Russisch-Amerikanischen Gesellschaft; an der Nordküste liegt Karluk mit (1900) 470 Einw., eine der größten Lachsfischereien der Welt.
 
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Kadikjöi (»Richterdorf«, das alte Chalkedon), neuer, regelmäßig gebauter Vorort von Meyers Konstantinopel (s. d.) auf der asiatischen Seite des Bosporus, südlich von Skutari, fast ausschließlich von Griechen und Europäern bewohnt, beliebter Sommeraufenthaltsort mit schönen Landhäusern und Gärten, griechischem Gymnasium, griechisch-katholischer und armenischer Kirche, armenischer Erziehungsanstalt, Jesuitenschule und Theater. Hier fand das Ökumenische Konzil von 451 n. Chr. statt.
 
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Kadim (arab.), »neu«, häufig vor nordafrikanischen Ortsnamen.
 
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Kadinen, Rittergut (Besitz des Kaisers Wilhelm II.) im preuß. Regbez. Danzig, Landkreis Elbing, in reizender Waldlandschaft am Nordwestfuß der Elbinger Höhe, in der Nähe des Frischen Haffs, hat eine Klosterruine, Majolikafabrikation, Dampfziegelei, Spiritusbrennerei, Molkerei und (1900) 280 Einw. Vgl. O. Anschütz, K. (Album mit Text, Berl. 1903).
 
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Kadischi, gemeine arabische Pferde.
 
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Kaditz, früher selbständiger Ort, 1903 in Dresden einverleibt.
 
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Kadlubek, Wincenty, der erste namhafte poln. Geschichtschreiber, geb. um 1160 in Karwow unweit Opatow, gest. 1223, studierte vermutlich an italienischen oder französischen Hochschulen und ward Propst von Sandomir und 1208 Bischof von Krakau. Seit 1218 bis zu seinem Tode lebte er als Mönch im Cistercienserkloster zu Jedrzejów (Klein-Morimund) und ward von Clemens XIII. 1764 kanonisiert. Seine »Chronik von Posen«, die in vier Büchern bis 1206 reicht, ist lateinisch, und zwar die ersten drei Bücher in Form eines Dialogs zwischen zwei Bischöfen geschrieben, und wurde die Grundlage aller spätern Chroniken bis auf Dlugosz. Die erste Ausgabe von Felix Herburt (Dobromil 1612) wurde im 2. Bande des Geschichtswerkes von Meyers Dlugosz (s. d.) wieder abgedruckt; neuere Ausgaben besorgten Kownacki (Warsch. 1824) und Bielowski (Lemberg 1872). Vgl. Ossolinski, Vinzenz K. (deutsch von Linde, Warsch. 1822); Zeißberg, Vincentius K., Bischof von Krakau und seine Chronik Polens (Wien 1869).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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