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Jus tollendi bis Jute von Madras (Bd. 6, Sp. 398 bis 399)
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Artikelverweis Jus tollendi (lat.), »Recht der Wegnahme«, die Befugnis des Entleihers, Mieters, Nießbrauchers, Pächters, Pfandgläubigers, Vorerben, Wiederverkäufers und Wohnungsberechtigten, bei Sachen, die sie an einen andern herauszugeben haben, alle von ihnen gemachten Einrichtungen wegzunehmen. Im Fall der Wegnahme muß der Wegnehmende die Sache auf keine Kosten in den vorigen Stand versetzen; ist dies unmöglich, so ist die Wegnahme ausgeschlossen (Bürgerliches Gesetzbuch, § 258).
 
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Justorĭum (neulat.), Werkzeug, s. Meyers Justieren.

[Bd. 6, Sp. 399]



 
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Justo tempŏre (lat.), zu rechter Zeit.
 
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Justo titŭlo (lat.), »unter einem gerechten Vorwand«, auf Grund eines gesetzlichen Erwerbsaktes; ein in der Lehre von der erwerbenden Verjährung früher gebräuchlicher Ausdruck.
 
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Justum et tenacem proposĭti virum (lat.), »den Biedermann, der an seinem Entschluß festhält«, Zitat aus Horaz' »Oden« (Buch III, 3,1).
 
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Jusuf ibn Taschfin, almoravidischer Übersetzer, s. Meyers Almoraviden.
 
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Jusufzai, ein zu den Iraniern (Unterabteilung der Afghanen) gehöriger Volksstamm im nordöstlichsten Winkel Afghanistans in den Tälern des Pandschschar bis zum Swat an ihm und am Kabul bis nach Peschawar (Britisch-Indien), die zahlreichste Gruppe der großen Familie der Berdurani (etwa 700,000). Man hat die J. (»Söhne des Moses«) oft mit den alten Israeliten verglichen und irrtümlich als Nachkommen der in die babylonische Gefangenschaft geführten Juden betrachtet. Früher Nomaden, jetzt seßhafte Ackerbauer, aber immer Krieger, liegen sie oft in blutigem Streit und Blutrache miteinander. Die J. sind fanatische Sunniten und haben keine Städte, nur Dörfer.
 
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Jus utrumque (lat., »das zwiefache Recht«), das von der weltlichen Macht (dem Kaiser) einerseits und von der Kirche anderseits ausgehende Recht, insbes. römisches und kanonisches Recht. S. Juris utriusque doctor.
 
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Jus vocandi oder vocationis (lat.), Berufungs-, Appellationsrecht.
 
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Jute (spr. dschūte, Paathanf, Bengalhanf, Kalkuttahanf, Judhanf, Indian grass, Gunny fibre), die Bastfaser mehrerer Corchorus-Arten, besonders von Corchorus capsularis (s. Tafel Meyers »Faserpflanzen I«, Fig. 3, mit Text) und C. olitorius, die hauptsächlich in Indien, Ostasien (besonders China), Algerien, Guayana und andern Ländern Amerikas kultiviert werden. Die geschnittenen oder aus dem Boden gezogenen, von Blättern und Seitentrieben befreiten Pflanzen läßt man in Bündeln 34 Tage im Felde stehen und bringt sie dann in Gruben, in denen sie etwa 10 cm unter Wasser, mit Steinen beschwert und vor Sonnenlicht geschützt, 330 Tage liegen bleiben. Nach Vollendung der Röste wird die Faser ihrer ganzen Länge nach vom Stengel abgezogen, gewaschen, ausgerungen und getrocknet. Durch die Röste wird nicht nur der Bast vom übrigen Gewebe abgelöst, sondern das Bastbündel zerfällt auch, und die gewonnene Faser ist so rein wie gehechelter Flachs oder Hanf Sie wird in 24 m langen Risten auf den Markt gebracht. Frische J. ist weiß, gelblichweiß, silbergrau, seidig glänzend, weich und sein. Die mittels Schnippmaschinen abgetrennten untern Enden (roots) sind, wie die minderwertige J., dunkler gefärbt. Aber auch die Mehrzahl der guten Sorten von J. färbt sich unter dem Einfluß von Luft und besonders von Feuchtigkeit dunkler bis tiefbraun. Je glänzender die J. ist, um so größer ist auch ihre Festigkeit. Frische J. enthält im lufttrocknen Zustand 68 Proz., in mäßig feuchter Luft 14 Proz. Wasser und nimmt im mit Wasserdampf gesättigten Raum über 34 Proz. Wasser auf. Das spezifische Gewicht der J. mit 7 Proz. Wasser beträgt 1,436, wasserfreie J. enthält 0,91,75 Proz. Asche. J. kommt in der Festigkeit dem Flachs und der Baumwolle nahe, wird aber vom Hanf übertroffen. J. riecht nicht so intensiv und unangenehm wie Hanf, der Geruch von Garnen und Geweben rührt von dem Robbentran (Petroleum) her, mit dem die Faser beim Spinnen eingefettet wird. J. enthält 62 Proz. Zellulose und außerdem Gerbstoffreste (Bastose). Die Faser besteht aus 1,52 mm langen, stark verholzten Zellen, die an den Enden spitz auslaufen und im Querschnitt polygonal, fünf- bis sechsseitig mit auffällig ungleichen Hohlräumen erscheinen. In Indien unterscheidet man folgende Hauptsorten in absteigender Reihe: Uttariyá (nördliche J.), Dacca (Narejganje), Daisee, Dowra, Rejektions und Cuttings (Fußenden, auch roots, runners).
   Die größte Menge J. wird über Kalkutta in den Handel gebracht, sehr viel J. wird in Indien auf Gunnysäcke (Gunnybags, Gunnycloth) verarbeitet, die namentlich zur Verpackung der amerikanischen Baumwolle und des javanischen Kaffees benutzt werden. In Europa und Nordamerika wird J. fast nur ungebleicht versponnen, und zwar zu groben Geweben für Säcke (Sackings, Baggins, die feinern Hessians). Gebleichte J. besitzt starken, fast seidenartigen Glanz und läßt sich gut färben. Bessere Jutegespinste werden zu Teppichen, Läufern, Tischdecken, Vorhängen und andern Dekorationsstoffen verarbeitet, auch als Kette mit Baumwolle, Wolle, Flachs verwebt und zu Hosenstoffen, Möbelrips, zu Gurten, Dochten, Posamentierapparaten etc. benutzt. Mit Baumwolle als Grundgewebe stellt man sehr effektvolle Juteplüsche dar. Man benutzt J. auch zu Zündern, zum Umwinden unterseeischer Telegraphenkabel, mit Karbolsäure, Salizylsäure etc. imprägniert in der Chirurgie als Verbandmaterial, minderwertige Sorten und Abfälle in der Papierfabrikation.
   J. wird seit alter Zeit unter den verschiedensten Namen in Indien versponnen und verwebt. In Europa ist J. seit 1795 bekannt. Die ersten Versuche zum Verspinnen der J. in Europa datieren von 1832; aber erst der Krimkrieg, durch welchen den englischen und schottischen Spinnereien der russische Flachs und Hanf entzogen wurde, verschaffte der J. größere Geltung, und seitdem hat sich namentlich in und bei Dundee, London und Glasgow eine bedeutende Juteindustrie entwickelt. 1828 wurden aus Ostindien 364 Ztr., 1856 bereits 700,000 Ztr. roher J. ausgeführt. 1890/91 betrug die Ausfuhr 11,985,967 Ztr., im folgenden Jahr aber nur 8,532,430 Ztr. und 1900/01: 11,486,000 Ztr. Dazu ist auch die Juteindustrie in Indien selbst außerordentlich gestiegen, die großen Fabriken allein verarbeiten mehr als 4 Mill. Ztr. Die Hauptabnehmer für rohe J. sind Großbritannien und Irland, die Vereinigten Staaten von Nordamerika (Massachusetts, Rhode-Island), Deutschland, Frankreich, Österreich und Belgien. Jutesäcke werden außerdem nach Australien, Ostasien, Südafrika, Ägypten und Südamerika ausgeführt. Vgl. Pfuhl, Physikalische Eigenschaften der J. (Berl. 1888) und Die J. und ihre Verarbeitung (das. 188891, 3 Bde.); Leggatt, Theory and practice of jute-spinning etc. (Dundee 1893); Ernst, Anleitung zur Bleicherei und Druckerei von Jutestoffen (Leipz. 1886).
 
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Jute von Madras, s. Meyers Gambohanf.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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