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Kalkstein bis Kalkuranīt (Bd. 6, Sp. 483 bis 484)
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Artikelverweis Kalkstein, Gestein, das wesentlich aus Kalkspat oder Calcit besteht und grob- oder feinkörnig, dicht, oolithisch, kompakt und zellig, porös (Kalktuff, s. d.) sowie erdig (Kreide, s. d.) und sandig (Kalksand) auftritt. Der körnige K. heißt Meyers Marmor (s. d.), aber auch der dichte K. erweist sich unter dem Mikroskop sehr feinkörnig. Während der Marmor oft ganz weiß ist, ist der dichte K. meist grau oder gelblichgrau, auch schwarz, rötlich oder bräunlich. Mancher K. ist reiner kohlensaurer Kalk, andre gehen durch steigenden Magnesiagehalt in Dolomit oder durch Tongehalt in Mergel, einige auch in Sandstein über; die rötlich oder braun, auch ockergelb gefärbten enthalten Eisenoxyd oder Eisenhydroxyd (sogen. Eisenkalkstein), die dunkeln organische, zuweilen beim Anschlagen stark bituminös riechende Substanz (sogen. Stinkkalke), vielen ist Kieselsäure beigemengt (vgl. Kieselkalkstein). Kalksteine sind durch alle sedimentären Formationen verbreitet (vgl. Tafel Meyers »Bergformen II«, Fig. 2 u. 4); hervorzuheben sind die körnigen Kalke der kristallinischen Schiefer, die Lager von dichtem K. im Silur und Devon, der Kohlenkalk, der Zechstein (des obern Perm), der »Muschelkalk« der mittlern Trias, der K. der Juraformation, der Hippuritenkalk der Kreide, der tertiäre (eocäne) Nummulitenkalk, auch der Grobkalk des Pariser Beckens. Seiner Entstehung nach ist der K. entweder eine marine Bildung und dann unter Mitwirkung von kalkabsondernden Organismen (Kalkalgen, Foraminiferen, Spongien, Korallen, Echinodermen, Mollusken, Würmer etc.), deren Reste z. T. noch vom K. umschlossen werden, gebildet (Lithothamnienkalk, Korallenkalk, Krinoidenkalk, Hydrobienkalk etc.), oder er ist ein Süßwasserabsatz, z. B. Quellwasserabsatz, wie der Meyers Kalktuff (s. d.), der Süßwasserkalk, der Rogenstein etc. Der K. ist ein vorzüglicher Baustein; die dichten Varietäten können z. T. wie Marmor verwendet werden, aber auch die porösen Arten, selbst der Kalktuff, sind, zumal sie sich leicht sägen und bearbeiten lassen, nicht unbeliebt. Daß der K. auch ein sehr dauerhaftes Baumaterial ist, beweisen unter anderm die aus Nummulitenkalk erbauten Pyramiden Ägyptens. Ferner ist der K. sehr wichtig für die Bereitung sowohl des gewöhnlichen als des hydraulischen Mörtels. Die dicken Platten der schieferigen Kalksteine (Kalkschiefer) von Solnhofen, die ein seines, gleichförmiges Korn besitzen, benutzt man als lithographischen Stein; mit schlechtern plattiert man Hausfluren etc., die dünnern dienen als Dachschiefer. Vgl. auch Kalkoolith und Kreide.
 
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Kalkstickstoff, ein nach den Patenten von Adolf Frank und Caro dargestelltes rohes Calciumcyanamid CaCN2, das erhalten wird, wenn man von Sauerstoff befreite Luft, also Stickstoff, über hoch erhitztes Calciumkarbid CaC2 leitet, oder wenn Stickstoff bei der hohen Temperatur des elektrischen Ofens auf ein Gemisch von Kalk und Kohle wirkt. Frank gelang es 1895, den Luftstickstoff mit Hilfe von Karbiden zu binden, 1897 errichtete er eine größere Fabrikanlage bei Hamburg und später eine solche bei Frankfurt a. M. Er hatte ursprünglich an die Darstellung von Cyanverbindungen gedacht, dann suchte er das Cyanamid in ein Ammoniaksalz zu verwandeln, um dies als Dünger zu benutzen. Calciumcyanamid mit Wasser unter hohem Druck erhitzt, setzt sich glatt um in kohlensauren Kalk und Ammoniak. Wagner und andre Agrikulturchemiker fanden aber, daß die neuen Präparate, die 1416, bez. 2224 Proz. Stickstoff enthalten, in ihrem Dungwerte dem schwefelsauren Ammoniak in jeder Richtung gleichwertig sind und der Wirkung von salpetersauren Salzen (Chilisalpeter) nur wenig nachstehen. Die Bedeutung der Erfindung beruht wesentlich darauf, daß der Luftstickstoff direkt für den Pflanzenbau verwertet werden kann und die Landwirtschaft mithin für die Beschaffung konzentrierten Stickstoffdüngers nicht mehr allein auf Chilisalpeter und schwefelsaures Ammoniak angewiesen ist.
 
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Kalksucht, s. Meyers Seidenspinner.
 
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Kalktiegel, s. Meyers Schmelztiegel.
 
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Kalktonschiefer, Gestein, s. Meyers Tonschiefer.
 
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Kalktorf, Mischung von Torfmull mit Ätzkalk, dient als Füllmaterial für Decken und zeichnet sich durch Leichtigkeit, Schalldämpfung und fäulniswidrige Beschaffenheit aus.
 
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Kalktuff (Duckstein, Tuffstein), erdiger, poröser, zelliger und durchlöcherter, meist hellfarbiger, ungeschichteter Kalkstein, der, von fließendem Wasser über Pflanzenresten abgesetzt und diese inkrustierend und verkittend, wie ein in Kalkmasse umgewandelter Torf erscheint. Ein Produkt der Auslaugung von Kalksteinen durch kohlensäurehaltiges Wasser, bildet er besonders in der Nähe von Kalkbergen Ablagerungen von wechselnder Mächtigkeit. Viele Kalktuffbildungen (z. B. in Thüringen, an der Schwäbischen Alb) enthalten Reste von noch lebenden Tier- und Pflanzenarten (Hirsch, Pferd, Land- und Süßwasserschnecken, Blätter etc.) und sind dann alluvial und oft noch in Bildung begriffen, andre (wie bei Kannstatt) sind ausgezeichnet durch Einschlüsse von Skelettteilen und Zähnen von jetzt bei uns nicht mehr lebenden Tieren und dann wohl von diluvialem Alter. Eine Abart des Kalktuffs ist der Travertin (s. d.). Man benutzt K. zu Beeteinfassungen in Gärten und zu Grotten. Aus Röhrenstücken zusammengesetzter K., der durch Überrindung von später verwesten Wurzeln, Schilf etc. entstanden ist, wurde früher als Beinbrech, Beinwell bei Knochenbrüchen benutzt. Nicht selten geht der K. in Meyers Süßwasserkalk (s. d.) über.
 
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Kalkul (franz. calcul, spr. -kǖl, v. lat. calculus, Steinchen, deren man sich in der ältesten Zeit beim Rechnen bediente), Berechnung, Überschlagung, auch Rechnungsmethode; im geschäftlichen und amtlichen Leben angewendet auf Voranschläge, Rentabilitätsberechnungen

[Bd. 6, Sp. 484]


etc. Kalkulieren, rechnen, berechnen, eine Schlußfolge machen.
 
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Kalkulation (lat.), Berechnung, speziell Berechnung der Produktions- oder der Bezugs- und Versendungskosten einer Ware; Kalkulationsbuch, das kaufmännische Buch, in dem die Warenkalkulationen angestellt werden. Vgl. Tolkmitt, Die K. im Geschäftsleben (Leipz. 1896); Trempenau, Kaufmännische und gewerbliche Kalkulationskunde (das. 1899); Brosius, Die Lehre der gewerblichen K. (das. 1902); Hartleib, Kalkulationspreise für die Industrie (Berl. 1902); Tauscher, Warenpreis-Berechnungs- oder Kalkulationstabellen (Leipz. 1902).
 
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Kalkulator (lat.), derjenige, der Voranschläge und Rechnungen auszuführen oder zu prüfen hat. Im Zivilprozeß werden so häufig diejenigen Beamten genannt, die dem Richter bei gewissen Berechnungen Hilfe zu leisten haben. Kalkulatūr, bei Gerichts- und Verwaltungsbehörden die Ausstellung und Prüfung von Rechnungen. In § 105 der deutschen Zivilprozeßordnung ist in diesem Sinn ausdrücklich bestimmt, daß sich das Gericht bei der Meyers Kostenfestsetzung (s. d.) der Hilfe des Gerichtsschreibers bedienen dürfe. Vgl. Arndt und Kluge, Handbuch der gerichtlichen Kalkulatur (3. Aufl., Berl. 1901).
 
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Kalkuranīt, Mineral, s. Uranglimmer.

 

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61) Güll
 ... neue Ausg., Gütersloh 1876; 6. Aufl. 1889; Auswahl, das. 1901); »Weihnachtsbilder« (Berl. 1840); »Neue Bilder für Kinder« (mit Zeichnungen von Tony
 
62) Handlungsgehilfe
 ... Beschäftigung sie nicht daran hindert, gestattet werden muß. Am ersten Weihnachts - , Oster - und Pfingstfeiertag dürfen Handlungsgehilfen überhaupt nicht,
 
63) Hans
 ... dramatisch bearbeitet. Als Fuhrmann des Christkindes tritt H. in zahlreichen Weihnachtsspielen des 17. und 18. Jahrh. als lustige Person auf. Vgl.
 
64) Heiberg
 ... la Barca «. Als er 1816 in seiner berühmten Komödie »Weihnachtsscherze und Neujahrsspäße« im Stil der deutschen Romantiker die Tränenseligkeit Ingemanns
 
65) Heilige
 ... Heilige Nacht , soviel wie Weihnachten (s. d.); in der Malerei Bezeichnung für die Darstellung
 
66) Heilige
 ... daß ganze Schiffsladungen des in Frankreich noch häufigern Schmarotzers zu Weihnachten nach England gehen. Die Kelten hielten außerdem eine Anzahl niederer
 ... heute in Frankreich und England, woselbst die Mistel bei den Weihnachts - und Neujahrszeremonien dient, so daß ganze Schiffsladungen des in
 
67) Heiliger
 ... Feier zu begehen pflegte; insbes. aber der Abend vor dem Weihnachts - , Neujahrs - und Dreikönigstag, namentlich der erstere. Ein
 ... den sog. Christmetten am Vorabend oder am Morgen des Weihnachtstags erhalten.
 
68) Heiliger
 ... Heiliger Christ , s. Weihnachten .
 
69) Heinrich
 ... Der Anschlag wurde entdeckt, H. in Ingelheim gefangen gehalten, zu Weihnachten 941 in Frankfurt a. M. nach reuevoller Buße begnadigt und
 
70) Hellebŏrus
 ... niger L . ( schwarze Nieswurz, Christwurz, Christblume, Christrose, Weihnachts - , Winter - oder Schneerose , s.
 ... als Abortivmittel. Die Blüten benutzt man zu Totenkränzen und als Weihnachtsschmuck. Der H. melas des Hippokrates, der bei den Alten
 
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